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82. Stück: Blogparade „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist“ – 10 Songs zum Aufdrehen

Und noch eine Blogparade von Singende Lehrerin, der ich unmöglich widerstehen konnte 😀 Thema: „Ich suche diesmal 10 Lieder, möglichst keine aktuellen Hits, bei denen ihr laut aufdreht, lauthals mitsingt oder die Tanzfläche stürmt.“

Mein Musikgeschmack ist ziemlich breit gefächert, am liebsten höre ich Blues und Soul (richtigen Soul wie von Otis Redding, Wilson Pickett, Ray Charles, Aretha Franklin vor ihrer Diskophase, Janis Joplin oder Joe Cocker. Nicht dieses glattgepopte Gejaule à la Mariah Carey), manchmal ist mir aber auch mehr nach Punkrock, Grunge oder Rap/Hip Hop, bei Swing und Bigband-Musik kann ich die Füße unmöglich still halten, ebenso wenig bei 90er Eurodance 😀 Traurigschöner Herzschmerz gefällt mir je nach Stimmung auch.

Generell mag ich alles, was einen Rhythmus, wo man mit muss, einen witzigen Text, den ich verstehe oder gaaaanz viel Gefühl hat. Was ich nicht mag ist alles, was zu perfekt klingt oder was monoton und unterkühlt ist, davon werde ich aggressiv. David Guetta und Daft Punk werdet ihr in meiner Liste also nicht finden, sonst zerlege ich hier das Mobiliar und das wäre blöd, denn es wird noch gebraucht. Ansonsten wird das hier eine bunte Mischung und ich werde mal in loser Reihenfolge versuchen, aus jedem Bereich wenigstens ein Beispiel zu nennen. Also, ran an die Haarbürsten-Pseudomikrofone, rein in die Tanzschuhe und rauf auf die Tanzfläche!

1. „Think“ von Aretha Franklin

„Oooooh, Freedom!“ – „Think“ von Aretha Franklin in der Originalversion ist einfach der Hammer und wenn ich es höre, muss ich innehalten und mitsingen und mittanzen. Tatsächlich habe ich das Lied auf meiner Abschlussprüfung von der Schauspielschule gesungen und hatte dabei einen Heidenspaß! Und es klang sogar einigermaßen erträglich 😀

2. „Tell Him“ von The Exciters

Normalerweise pisst mich kaum ein Vorschlag mehr an als der gutgemeinte Rat: „Sag ihm/ihr das doch einfach.“ Aber bei „Tell Him“ ist das was anderes, denn in der Tat ist das eine gute Idee, wenn man sich jemanden ausgeguckt hat, den man nett findet und mit dem man sich vorstellen könnte, dass er einem auch nach Jahren des Zusammenlebens nicht allzu sehr auf den Keks geht, einfach zu ihm hinzugehen und ihn zu fragen, ob man nicht mal was zusammen unternehmen will. Hab ich mit meinem Freund (wenn auch nur dank der Unnachgiebigkeit meiner Freunde) auch so gemacht und das hat prima funktioniert.

Außerdem ist „Tell Him“ die ‚Hymne‘ von Ally McBeal aus der gleichnamigen Serie. In der Oberstufe (das war bei mir von 1999 bis 2001) war „Ally McBeal“ meine absolute Lieblingsserie und die Idee der eigenen Hymne, einem Lied, das man still und heimlich in seinem Kopf hört und das einem Kraft und Lebensmut gibt, fand ich damals schon super.

3. „Try A Little Tenderness“ von Otis Redding

So, dieser Soul-Klassiker muss noch sein, danach kommt ein Genrewechsel 🙂 Wie das Lied erst ganz langsam anfängt, ein Instrument nach dem nächsten steigt ein, das Tempo wird schneller, die Spannung steigt und dann – der Höhepunkt. Mehr muss man dazu nicht sagen 😉

4. „Bad Reputation“ von Joan Jett

Eigentlich bin ich so ziemlich der harmloseste Mensch, den ich kenne, ich will niemandem irgendwas Böses und streng genommen möchte ich schon gemocht werden. Trotzdem macht es mir manchmal Spaß, Sachen gut zu finden, die zu meinem niedlichen Äußeren und sanftmütigen Wesen nicht ganz passen wollen, so wie „Bad Reputation“ von Joan Jett 🙂

5. „Ich bin reich“ von Die Ärzte

An dieser Stelle könnte so ziemlich jedes Lied von Die Ärzte stehen, aber „Ich bin reich“ ist eines ihrer lustigsten Lieder (und das will was heißen). Immer, wenn ich gerade mal wieder frustriert über die Ungerechtigkeit der Welt bin, und an der Unlogik der Tatsache verzweifle, dass man viel Geld haben muss, um viel Geld zu verdienen, und harte Arbeit zwar Spaß machen kann, aber das Konto nicht zwingend füllt, dann denke ich an dieses Lied und schon geht es mir besser.

6. „Ich find dich scheiße“ von Tic Tac Toe

Tauchen wir nun ein in die musikalischen Untiefen der 90er Jahre. Tic Tac Toe haben eigentlich ziemlich coolen Hip Hop gemacht, wenn man es recht bedenkt und mit so Kaspern wie B*shido vergleicht. Die Texte kann ich teilweise heute noch auswendig 🙂

7. „No Limit“ von 2Unlimited

Ich hatte euch ja eine bunte Mischung versprochen, also darf auch ein bisschen Eurodance nicht fehlen. Von „No Limit“ kriege ich jedes Mal einen Ohrwurm. (*uffta-uffta-uffta* „Techno, Techno, Techno“)

8. „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana

Als Kurt Cobain 1994 Selbstmord beging, war ich noch keine 12 Jahre alt. Damals mochte ich Grunge nicht besonders, aber heute muss ich sagen, irgendwie hat es was Hypnotisches, es lässt einen nicht kalt. Und das finde ich spannend.

9. „Sing sing sing“ von Benny Goodman

Dann folgt auch schon das Kontrastprogramm 🙂 „Sing sing sing“ von Benny Goodman ist Rhythmus pur und wenn ich irgendwann mal heirate, will ich dieses Lied für meinen Hochzeitstanz. Langsamer Walzer? Pff, das kann jeder, und langweilig ist es auch noch. Nee, ich will die Tanzfläche zum Beben bringen mit einem wilden, durchgeknallten Lindy Hop, sodass es niemanden mehr auf dem Stuhl hält.

10. „Ne me quitte pas“ von Jacques Brel

„Ne me quitte pas“ („Verlass mich nicht“) von Jacques Brel ist das traurigschönste Liebeslied, das ich kenne. In keinem anderen Lied kommt der ganze Schmerz des gebrochenen Herzens so zur Geltung wie hier. Und dann auch noch mit Jacques Brels Stimme, die klingt, als hätte er das alles so erlebt und würde es wirklich so fühlen. Und dann ist der Text so, so schön: „Moi, je t’offrirai des perles de pluie, venues de pays où il ne pleut pas. Je creuserai la terre jusqu’après ma mort pour couvrir ton corps d’or et de lumière“ (Ich hoffe, ich habe nicht zu viele fautes d’orthographe drin) Übersetzung: „Ich schenkte dir Regenperlen aus Ländern, in denen es nicht regnet. Ich grübe die Erde um, bis nach meinem Tod, um deinen Körper mit Gold und Licht zu bedecken“


Leider musste ich mich ja auf zehn Beispiele beschränken, trotzdem hier noch ein paar Erwähnungen, die es nicht ganz in die Liste geschafft haben, die ich euch aber ungern vorenthalten möchte.

„Where is my mind“ von The Pixies

„Don’t stop me now“ von Queen

„Basket Case“ von Green Day

„Non, je ne regrette rien“ von Edith Piaf

„Hit the Road Jack“ von Ray Charles

„Piece of my Heart“ von Janis Joplin

„I will survive“ von Gloria Gaynor

„Faith“ von George Michael

„Got my mind set on you“ von George Harrison

„I shit on you“ von D12 feat. Eminem

„Du liebst mich nicht“ von Sabrina Setlur

„I Am, I Feel“ von Alisha’s Attic

„Tainted Love“ von Soft Cell

„Pump up the Jam“ von Technotronic

„Unbelievable“ von EMF (wie konnte ich das bloß vergessen 😮 )

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77. Stück: Wann deutsche Filme und Popmusik scheiße sind

Zuerst wollte ich diesen Essai „Warum deutsche Filme und Popmusik scheiße sind“ nennen, aber dann fielen mir immer mehr Beispiele von guten deutschen Filmen und gelungenen deutschsprachigen Liedern ein. Und da habe ich mich gefragt, was denn den Scheiß von guten Werken unterscheidet. Das ist gar nicht so einfach zu sagen, weil solche Urteile immer subjektiv sind, und das, was ich für grauenhaft erachte, andere wunderbar finden. Keiner von uns hat dann recht oder unrecht, es sind eben verschiedene Geschmäcker und Meinungen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es doch so ein paar Dinge gibt, die mir typisch Deutsch vorkommen, und zwar im negativen Sinne. Über die positiven Seiten der deutschen Sprache werde ich noch einmal gesondert einen Beitrag schreiben, heute geht es mal darum, was mich bei deutschsprachigen Machwerken oft stört.

Ich möchte überdies gern alle Leser dazu einladen, mir in den Kommentaren zu widersprechen oder auch zuzustimmen und Dinge zu ergänzen, die mir vielleicht nicht aufgefallen sind. Dann wird die Angelegenheit wenigstens ein bisschen intersubjektiv. 🙂

Am besten fange ich mit ein paar Beispielen deutschsprachiger Filme und Lieder an, die ich ganz schauderhaft finde. Silbermond, Juli, Revolverheld, Die Toten Hosen (zumindest den neueren Scheiß à la „Tage wie diese“, urgs 😛 ) und Xavier Naidoo sind beispielsweise Bands/Sänger, die mir zuverlässig mit ihrer Musik auf den Wecker fallen und ein genervtes „Roooh, nicht DIE schon wieder!“ begleitet von sofortigem Wechseln des Radiosenders hervorrufen. Ich nenne diese Musikrichtung gern „supernachdenklichen Deutschpop“, weil da auf Krampf versucht wird, megasensibel zu wirken und derbe poetisch rüberzukommen. Dann werden da entweder ganz melancholisch mit dünnem Stimmchen Platitüden ins Mikro gehaucht oder gewollt verwegen plattes, vor Pathos triefendes Klischeezeug gegrölt, um allen zu zeigen, wie ungemein emotional man gerade drauf ist. Die Melodien sind entweder so gut wie nicht vorhanden oder so simpel und unoriginell, dass es einen schon aggressiv macht vor Langeweile.

Wenn schon die musikalische Seite unerträglich ist, könnte zumindest ein schlauer, witziger, ironischer, leichter, liebenswerter oder zum Nachdenken anregender Text den ganzen Kram retten. Das tut er aber bei besagten Beispielen nicht. (Anmerkung am Rande: Das „meiner Meinung nach“ und „meines Erachtens“ etc. möge man sich bitte dazu denken) Im Gegenteil, da wird’s dann teilweise richtig schlimm. Von Leichtigkeit und Raffinesse, Humor, echten Gefühlen oder Gesellschaftskritik keine Spur. Stattdessen wird zum x-ten Mal darüber schwadroniert, dass früher alles besser war, was für eine tiefe Männerfreundschaft einen mit seinen Kumpels verbindet, nur, weil man regelmäßig gemeinsam in einer versifften Kneipe saufen geht. Oder es wird ganz platt und unsubtil herausposaunt, was für ein perfekter/großartiger/fantastischer/bester Tag aller Zeiten es doch ist.

Wahlweise wird auch noch mit Trampelschritten der Liebe gehuldigt, vor allem im Schlager, indem mit absurder Inbrunst herumgetrötet wird, dass man durch die Nacht geht, gemeinsam den Sternenhimmel schön findet, nur Du und ich, ich und Du, Müllers Esel schubidu. ‚Tschuldigung, da sind gerade die Maultiere mit mir durchgegangen, zurück zum Thema. Am besten schmeißt man auch noch die Zahl Tausend mit in den Text, das kommt immer gut, weil „Tausend“ ja total viel ist, also fast schon „unendlich“. „Unendlichkeit“ ist dann auch so ein Wort, ebenso wie „Ewigkeit“, „Leidenschaft“, „spüren“, „Tag“ und „Nacht“, „Sonne“, „Mond“ und „Sterne“, die in keinem deutschen Schlagertext fehlen dürfen. Ich stelle mir das Texten solcher Lieder so vor: Man schmeißt diese ganzen wahnsinnig emotionalen Begriffe auf Zettelchen geschrieben in einen Pott, wirft vielleicht noch ein paar ferne Länder oder beliebte Urlaubsziele mit dazu, rührt einmal kräftig durch und zieht dann ein paar Wörter heraus. Daraus schustert man den Text dann zusammen. „Mit Dir durch die Unendlichkeit, mit Leidenschaft in die Ewigkeit, Dich spüren Tag und Nacht! Du und ich, ich und Du, wir schauen Sonne, Mond und tausend Sternen zu, im Himmel über Capri, wo ich die Liebe fand!“ Humpta-humpta-humpta!

Mich stört daran vor allem dieses Offensichtliche, dieses Platte, dieses Berechnende. Da hat man den Eindruck, die Leute haben sich überhaupt keine Mühe gegeben, das wirkt alles so unehrlich und unauthentisch. Wobei man da sicher auch noch differenzieren kann, ich denke schon, dass Silbermond, Juli, Xavier Naidoo und Co. sich bei ihren Texten was gedacht haben und das auch wirklich so meinen und ganz viel dabei fühlen. Es wirkt trotzdem immer alles so, als habe man sich einmal ein bestimmtes Schema ausgedacht und für gut befunden. Die Lieder sind dann keine individuellen Werke mehr, sondern es wird alles in dieses Schema gepresst, mit dem Ergebnis, dass nachher alles gleich klingt. Vielleicht erweckt das dann bei mir den Eindruck des „Unechten“, weil sich selbst das coolste Schema irgendwann abnutzt und oberflächlich wird. Möglicherweise fällt es mir auch nur deswegen negativ auf, weil ich das Schema besagter Musiker grauenhaft langweilig finde. Entspräche es meinem Geschmack, fände ich es vielleicht gar nicht schlimm.

In deutschen Filmen beziehungsweise Filmszenen, die ich nicht mag, fällt mir ebenfalls vor allem die fehlende Leichtigkeit und Subtilität auf. Gepaart wird das Plumpe, Platte, Schwere und Offensichtliche obendrein häufig mit einer viel zu angestrengten, gewollten, unignorierbaren Absicht, große Gefühle zu illustrieren sowie dem Klischee des Volks der Dichter und Denker in den Allerwertesten zu kriechen, indem man extra poetische Bilder und eine vermeintlich voll lyrische Sprache wählt. Ein Beispiel dafür ist Was nützt die Liebe in Gedanken von Achim von Borries. Die Schauspieler werden dann genötigt, ein völlig leeres, ausdrucksloses Gesicht zu machen, die Schultern nichtssagend hängen zu lassen und – schon wieder mit dünnem Stimmchen oder unverständlichem Genuschel – supernachdenkliche Platitüden vor sich hin zu hauchen. Am besten ist dann auch immer möglichst oft jemand nackt, idealerweise sieht man auch alles, damit alle wissen, wie überhaupt nicht verklemmt der Deutsche an sich ist. Die Filmmusik ist passend dazu ein unerträgliches Unglücksgeraune, das jede Szene mit Pathos verklebt wie eine im Rucksack ausgelaufene Flasche Multivitaminsaft. (Ich weiß, wovon ich rede, einem solchen Vorfall ist mein erstes Handy zum Opfer gefallen.)

Meistens werden die Bilder in blasse Grau- und Blautöne getaucht, damit alles noch viel melancholischer und nachdenklicher wirkt. Zu allem Überfluss wird aber auch dieses penetrant Öde nicht konsequent durchgezogen, sondern ab und zu wird’s total emotional. Dann brüllt plötzlich jemand los, und zwar so, dass man überhaupt nicht akustisch versteht, was gerade los ist. Das soll wohl authentisch wirken, tatsächlich aber wirkt es einfach nur aufgesetzt. Ganz besonders albern wird es, wenn deutsche Filme nicht so ganz wissen, wie sie anfangen oder aufhören sollen. Dann wird nämlich einfach getanzt. Ohne Grund und ziemlich ungelenk und tapsig vollführen die Figuren dann ein paar Tanzschrittchen. Das sieht man häufig im Tatort oder Polizeiruf 110. Was das soll, habe ich bislang noch nicht verstanden.

So weit meine kleine Tirade, was ist eure Meinung dazu?

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