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58. Stück: Die Gut-Böse-Dichotomie in „American Sniper“

Eines der größten Rätsel der diesjährigen Oscar-Nominierungen ist für mich Clint Eastwoods American Sniper*. Gut, Bradley Cooper spielt Chris Kyle ganz OK, aber der Film ist insgesamt schlichtweg plumpe Kriegspropaganda. Oder sehe nur ich das so, weil ich pazifistisch erzogen wurde? Ich denke, der Schlüssel dazu, ob man American Sniper für ein geniales Drama oder ein erbärmlich-offensichtliches Patriotengeschwurbel hält, liegt in der Gut-Böse-Dichotomie, die der Film propagiert. Die möchte ich gern analysieren und vielleicht klärt sich das Rätsel dann ja auf?

Der Film beginnt mit Chris Kyles erstem Einsatz im Irak und der Szene, in der er einen kleinen Jungen und seine Mutter erschießt, weil die eine Granate auf die amerikanischen Soldaten werfen wollen. Bevor er die tödlichen Schüsse abfeuert, geht es auf Zeitreise und in einer Rückblende wird gezeigt, wie der kleine Chris – etwa in dem Alter wie das Kind, das er im Begriff ist zu erschießen – mit Papa Kyle auf die Jagd geht. Papa Kyle ist ein beinharter, ungemein männlicher Mann, ohne auch nur ansatzweise Sinn für Humor oder Warmherzigkeit, der seinem kleinen Dreikäshoch weismacht, es wäre unfassbar maskulin, auf wehrlose, flauschige, knopfäugige Hirsche zu schießen. Was der Lütte dann auch prompt macht und den armen Hirsch mit einem Schuss erlegt. Daraufhin ist Papa Kyle stolz wie nichts auf seinen Steppke und indoktriniert ihn mit der Überzeugung, es sei eine Gabe, aus dem Hinterhalt nichts Böses ahnende Lebewesen hinzurichten, die niemandem auch nur ein Haar gekrümmt haben.

Nächste Szene, die Familie sitzt beim Abendessen. Die Mutter hat eigentlich gar nichts zu melden und der Vater schwadroniert weiter seine hinterwäldlerischen Männlichkeitsmythen in die Gegend. Der kleine Bruder von Chris ist etwas feinsinniger und sensibler als er und wurde in der Schule verprügelt. Das empfindet der Vater als persönlichen Affront und mit kaum verhohlener Verachtung schaut er seinen jüngeren Sohn an und dröhnt, es gäbe auf der Welt drei Arten von Menschen: Schafe, Wölfe und Hütehunde. Die Schafe duckmäusern sich durchs Leben und würden sich nicht wehren, die Wölfe greifen die Schafe an und töten sie, die Hütehunde verteidigen die Schafe vor den Wölfen. Die meisten Menschen wären Schafe und Hütehunde sehr selten. Als der Vater hört, dass Chris seinen Bruder verteidigt und die Schulrüpel seinerseits vermöbelt hat, nickt der Vater zufrieden. Wenigstens einen Hütehund in der Familie und nur einen Versager.

Jedenfalls erschießt Chris Kyle Jahre später diesen kleinen Jungen und dessen Mutter, so wie er damals auch den Hirsch abgeknallt hat. Gut, der Hirsch hatte keine Granate in der Hand und hat nicht Kyles Kollegen bedroht, also ein bisschen anders ist das schon. Und immerhin ist Kyle nach diesem ersten Menschenmord ziemlich fertig mit den Nerven. Das legt sich aber relativ schnell und dann sieht er die Einheimischen nur noch als Feinde an, als Wölfe. Das macht es vermutlich leichter, Menschen aus dem Hinterhalt zu ermorden, wenn man sie nicht als Menschen sieht, sondern als das Böse und sich selbst ebenfalls nicht als Menschen, sondern als das Gute.

Dabei ignorieren sowohl Chris Kyle als auch der Film als solcher, dass es eine Frage der Perspektive ist, wer wen gegen wen verteidigt, wer das Gute, wer das Böse ist, wer ein Hütehund und wer ein Wolf. Übrigens hinkt dieser Hütehund-Wolf-Schaf-Vergleich meiner Meinung nach gewaltig, denn es wäre mir neu, dass Hütehunde mit Scharfschützengewehren auf die Dächer der Wolfshäuser klettern, sich dort verstecken und die Wölfe hinterrücks abknallen, sobald diese zähnefletschend aus ihren Höhlen kommen, während kein Schaf in der Nähe ist. Soweit ich weiß – man korrigiere mich gern, wenn ich mich irre, von Landwirtschaft verstehe ich nicht viel – läuft das so: Die Schafe weiden friedlich vor sich hin und der Hütehund passt auf, dass sie zusammenbleiben. Sollte irgendwann einmal ein Wolf auftauchen, was wohl nicht oft vorkommt, da Wölfe nicht mehr so weit verbreitet sind wie noch zu Gebrüder-Grimm-Zeiten, dann kläfft der Hütehund den an, sodass der Wolf sich trollt und woanders auf Futtersuche geht. Das funktioniert auch mit Eseln habe ich neulich gelesen. Wer schon mal einen Esel hat blöken hören, der kann sich vorstellen, dass Wölfe reißaus nehmen, sobald die sympathischen Langohren Alarm schlagen. Außerdem töten Raubtiere wie der Wolf andere Lebewesen nur aus zwei Gründen: 1) Sie fühlen sich bedroht und verteidigen sich / 2) Sie haben Hunger und brauchen Futter

Warum töten Chris Kyle und seine Kollegen in American Sniper? Am ehesten wohl, weil sie sich, ihre Familien, ihre Kultur und ihr Land bedroht sehen. Was also unterscheidet sie von Wölfen? Außerdem: Warum haben die Iraker in dem Film überhaupt aufgerüstet? Warum verstecken sie Waffen in ihren Wohnungen, schicken Kinder und Frauen mit Granaten vor? Möglicherweise, weil sie sich, ihre Familien, ihre Kultur und ihr Land bedroht sehen? Vielleicht auch gar nicht einmal zu Unrecht, schließlich sind die US-Amerikaner in ihr Land eingefallen und nicht umgekehrt. Was also unterscheidet die irakischen Kämpfer von den amerikanischen Kämpfern?

Richtig: Nichts.

Außer, dass sie sich in ihrem eigenen Land befinden und sich aus ihrer Sicht gegen Besatzer wehren.

Es wird in dem Film zwar einmal kurz angedeutet, dass die irakischen Terroristen auch ihre eigenen Landsleute grausam umbringen und dann könnte man natürlich sagen, die Amerikaner sind zu recht dort und helfen auch der unschuldigen Zivilbevölkerung. Allerdings gelingt es ihnen nicht, diese zu retten und wenn sie auf der Seite der Iraker stehen, warum kämpfen sie dann nicht mit ihnen zusammen gegen die Terroristen?

Man sieht: Sobald man diese Gut-Böse-Dichotomie ein wenig näher betrachtet, funktioniert sie nicht mehr. Sie lässt sich nur aufrecht erhalten, wenn man nicht darüber nachdenkt. Und wollen wir das wirklich? Wild gewordene Hütehunde, die blind jeden zerfetzen, der die Schafherde auch nur finster anguckt?

* Hier meine Kritik zu dem Film:

„American Sniper“ von Clint Eastwood ist ein schwieriger Film. Natürlich kann man bei dem kontroversen Inhalt keine leichte Unterhaltung erwarten, das ist klar. Aber ein spannendes, psychologisch tiefgründiges Drama hätte schon daraus werden können. Das ist auch das, was ich nach Sicht des Trailers erwartet habe, vor allem, weil Clint Eastwood sich bereits häufiger in der Vergangenheit (zum Beispiel im großartigen „Gran Torino“) als sensibler, feinsinniger und kluger Filmemacher erwiesen hat. Leider ist das meines Erachtens bei „American Sniper“ nicht gut gelungen.

Die Kriegsszenen sind sich untereinander sehr ähnlich, es ist keine wirkliche Steigerung oder Entwicklung zu sehen. Zwar macht Chris Kyle eine Wandlung durch, doch seine persönliche Entwicklung, seine Traumata, seine zerbrochenen Ideale und Träume, sein innerer Schmerz, den er bis zur Selbstaufgabe verleugnet (sonst könnte er seinen Job wohl auch nicht weiter ausführen) werden nur angedeutet. Die privaten Szenen zuhause mit seiner Frau und seinen Kindern, das Verhältnis zu seinem Bruder (was passiert eigentlich mit ihm? Diese Frage lässt der Film leider offen) kommen zu kurz. Es blitzen ab und zu ein paar Szenen und Momente auf, die das innere Grauen dieses Mannes erkennen lassen, doch sind diese zu selten. Der Erzählrhythmus ist irgendwie nicht ganz stimmig, die Kriegsszenen sind zu gleichförmig und lang, die Szenen, die zeigen, was der Krieg mit Chris Kyle macht, sind zu kurz und bleiben zu sehr an der Oberfläche.

Am interessantesten in dem Film fand ich den Anfang, als in Rückblenden gezeigt wurde, wie Chris Kyle überhaupt Sniper geworden ist. Da bekam man einen Einblick in die amerikanische Heldenideologie, die mir als pazifistischer, bildungsbürgerlicher Europäerin völlig absurd vorkommt, die jedoch im Film glaubhaft und nachvollziehbar dargestellt wird. Diese Dreiteilung der Menschheit in Schafe, Wölfe und Hütehunde finde ich zwar Quatsch (vermutlich, weil ich in dieser Kategorisierung eindeutig ein Schaf bin und somit ein Loser), aber ich kann mir vorstellen, dass Menschen daran wirklich glauben. Und wer davon überzeugt ist und fest daran glaubt, ein Hütehund zu sein, der alle vor den bösen Wölfen beschützen muss, der findet das dann auch absolut logisch, in ein fremdes Land einzufallen und dort Leute zu erschießen, die man als böse betrachtet.

Ich hätte mir gewünscht, dass diese Überzeugung Kyles, die ja bis zum Schluss nicht wirklich ins Wanken gerät, etwas kritischer hinterfragt worden wäre. Allerdings beruht der Film auf Kyles Autobiographie, er gilt in den USA als Held, da ist es für einen US-amerikanischen Filmemacher wahrscheinlich nicht so naheliegend, den Heldenmythos zu demontieren. Das Hauptzielpublikum dürften außerdem diejenigen sein, die Kyle als Helden verehren und wenn man ihn dann im Kinofilm als gebrochenen, traumatisierten Menschen zeigt, den Krieg nicht als notwendig, sondern als sinnlos darstellt und Verständnis für die Soldaten aufbringt, die Zweifel an der vermeintlich gerechten Sache bekommen, wäre der Misserfolg vorprogrammiert.

Fazit: Insofern sehenswert, weil der Film zum Nachdenken anregt. Allerdings sollte man seine Erwartungen in Sachen Spannung vorher herunterschrauben.

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37. Stück: Moralisch ambivalente Figuren in zeitgenössischen US-Fernsehserien oder entspricht Walter White Dexters Beuteschema?

Themen meiner mündlichen Prüfung, dritte und letzte Folge „Moralisch ambivalente Figuren in zeitgenössischen US-Fernsehserien“. Folge 2, „Narrative Aspekte im Improvisationstheater nach Keith Johnstone“ gibt’s hier und Folge 1, „Versuch über das Unheimliche am Beispiel von E.T.A. Hoffmanns Nachtstücken“ gibt’s hier.

Eins muss man den US-Amerikanern lassen: Sie machen richtig gute Fernsehserien. Ein wichtiger Aspekt, weswegen US-Fernsehserien wie Dexter, Breaking Bad, Nip/Tuck, True Blood, Six Feet Under, The Walking Dead (um nur einige zu nennen) so richtig gut sind, ist die Charakterisierung und Konzeption der Figuren, insbesondere der Hauptfiguren. Generell ein großer Freund von Gesellschaftskritik und dem Aufwerfen heikler moralischer Fragen in literarischen, theatralen und medialen Texten, interessiert mich hierbei vor allem, wie die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischt werden. Es scheint, als hätte nach den krisengebeutelten letzten Jahren ein Wechsel im Weltbild stattgefunden. Ein dualistisches Weltbild mit den Guten auf „unserer Seite“ und den Bösen auf „ihrer Seite“ hat offenbar ausgedient und lässt sich nicht länger aufrecht erhalten. Kann man sich denn überhaupt noch sicher sein heute, was richtig und was falsch ist? Heiligt der Zweck immer die Mittel, wie es der Utilitarismus für moralisch richtig hält? Kommt es nur auf die Konsequenzen einer Handlung an? Ist es also gut, einen Menschen zu foltern, wenn am Ende dadurch ein Kind gerettet werden kann, das dieser Mensch entführt hat? Wie bewertet man, ob ein Zweck gut oder schlecht ist, wenn es doch immer mehrere Perspektiven und Standpunkte gibt? Das, was ich für gut befinde, kann einem anderen Menschen schaden und umgekehrt. Kann ich das denn immer hundertprozentig ausschließen? Oder gibt es – wie es Vertreter der Deontologie für moralisch richtig erachten – gewisse universelle moralische Regeln, an die man sich halten muss, um als moralisch guter Mensch zu gelten? Ist es also immer richtig, die Wahrheit zu sagen, auch wenn man einen anderen Menschen damit unnötig verletzt? Ist es immer falsch, einen Menschen zu töten, selbst wenn man sein eigenes Leben verteidigt?

Die Beantwortung dieser Fragen ist gar nicht so einfach. Es scheint, als sei diese Erkenntnis nun auch bei den Fernsehserien-Autoren angelangt. Nehmen wir einmal das Beispiel Dexter. Der freundliche Serienmörder von nebenan, der seinen Tötungsdrang nur an schlechten und bösen Menschen stillt. Ein Deontologist würde sagen, Dexter ist selbst ein schlechter Mensch, weil er tötet, lügt und betrügt. Basta. Schön einfach. Für einen Utilitaristen gestaltet sich das Problem schon etwas kniffliger, weil es hierbei ja darum geht, was für die meisten Menschen besser ist. Gesetzt den Fall, dass Dexter wirklich nur Menschen tötet, die abgrundtief böse sind, unschuldige Menschen ermorden und auch nicht damit aufhören und die die Polizei nicht fangen kann, wäre er also ein guter Mensch, weil er ja die Unschuldigen vor den Bösen schützt. Aber auch diese einfache Antwort wird uns von den Serienautoren vorenthalten. Denn Dexter macht Fehler und Dexter irrt sich. Außerdem legt er manchmal absichtlich falsche Spuren oder unterschlägt Beweise, damit die Polizei den Verbrecher laufen lassen muss und er ihn selbst erledigen kann. Eine solche Aktion in der vierten Staffel hat zur Folge, dass (SPOILER!) seine Frau Rita vom Trinity Killer ermordet wird. Er macht sich also selbst etwas vor, wenn er erklärt, er würde nur böse Menschen umbringen, die die Polizei nicht erwischen konnte. Auch, wie Dexter böse Menschen definiert, erscheint etwas willkürlich. Nun ist es in Deutschland ohnehin als moralisch verwerflich angesehen, Menschen in gute (= verdient zu leben) und schlechte (= verdient es nicht, zu leben) Menschen einzuteilen, weil das aus bekannten historischen Gründen negativ konnotiert ist. Eine Einstellung, die ich im Übrigen teile. Aber nun ist Dexter ja nicht die Realität und in der erzählten Wirklichkeit Dexters scheint es zahlreiche Menschen zu geben, deren einziger Daseinsgrund darin besteht, Unschuldige und Kinder abzuschlachten. Verständlich, dass Dexter da der Meinung ist, dass die gestoppt werden müssen. Aber ist Dexter denn so viel besser als die Leute, die er umbringt? Durch den Kodex, den ihm sein Ziehvater beigebracht hat, kann man sich das vielleicht ein bisschen schönreden und sagen, Na ja, immerhin ist er ein klein wenig nicht ganz so schlimm. Aber was ist, wenn Harry, Dexters Ziehvater, falsch lag und Dexters Serienmördertum war ursprünglich kein angeborenes unausweichliches Schicksal? Dann hat er mit dem Kodex ganz schön was verbockt und ein Monster erschaffen. Diese Möglichkeit wird angedeutet, als Dexter davon erfährt, dass Harry sich umgebracht hat. Jetzt, als Erwachsener, da er sein ganzes bewusstes Leben damit verbracht hat, dass er sich für einen Serienmörder hält, lässt sich das wohl nicht mehr rückgängig machen. Ursprünglich aber denke ich, seine Aggression hätte man auch anders kanalisieren können (als Schlachter, Extremsportler oder Künstler).

Ein ganz anderer Fall moralischer Ambivalenz findet sich in der Serie Breaking Bad. Während in Dexter ein böser Mensch gezeigt wird, der gelegentlich mal gute Entscheidungen trifft (z. B. ein Serienmörder rettet einer Unschuldigen das Leben) gerät der an sich gute Mensch, der harmlose Chemielehrer Walter White aus Breaking Bad, in eine Verkettung unglücklicher Umstände (allen voran eine Lungenkrebsdiagnose im Endstadium) und trifft eine Reihe schlechter Entscheidungen (er kocht Methamphetamin, tötet Menschen, belügt seine Familie, erpresst andere und spinnt Intrigen). Bewertet man Walter nach den Konsequenzen seiner Entscheidungen, ist er moralisch ziemlich tief gefallen. Bewertet man ihn nach seinen Absichten, ist das schon wieder eine andere Sache, da er die meisten seiner schlechten Entscheidungen vorgeblich trifft, um seine Familie nach seinem Tod versorgt zu wissen. Allerdings stellt sich auch hier die Frage nach seinen wahren, vielleicht auch unbewussten Motiven. Denn – und da hat er mit Dexter etwas gemeinsam – auch Walter redet sich seine Missetaten schön und bildet sich ein, es ginge um einen höheren, besseren Zweck. Während Dexter die Unschuldigen mit seinen Handlungen zu schützen glaubt, glaubt Walter, er tue das alles nur für seine Familie. Aber wenn es nur um das Wohl seiner Familie geht, warum akzeptiert er nicht das Angebot seiner alten Studienfreunde und Forscherkollegen, ihn zu unterstützen? Warum muss er anfangen, eine der zurzeit schlimmsten und tödlichsten Drogen zu kochen? Warum hört er nicht auf, als er genug Geld beisammen hat? Walter handelt auch aus verletztem Stolz, aus Egoismus und aus Gier heraus. Er ist ein Feigling, der sich selbst die Hände nicht schmutzig machen will. Er erpresst und nötigt Jesse, die Drecksarbeit zu erledigen, sei es das Dealen auf der Straße, das Geldeintreiben oder das Beseitigen unliebsamer Konkurrenz. Seine Morde lassen sich zumindest bis zum Ende der dritten Staffel mit etwas gutem Willen als Notwehr rechtfertigen. Wobei er einige Menschen auch tötet oder sterben lässt, um Jesse zu schützen, für den er trotz allem Ärger mit der Zeit väterliche Gefühle entwickelt. Aber (SPOILER!) warum Gale? Der hat ihm doch nun wirklich nichts getan. Da sehe ich eine Tendenz, dass er immer skrupelloser wird und immer weniger zögert, bevor er einen Menschen umbringt, um seinen eigenen Allerwertesten aus der Schlinge zu ziehen. Das wird sich dann in der vierten Staffel zeigen, die ich hier schon als DVD liegen habe, aber noch keine Zeit gefunden habe, sie zu gucken. Die ist dann übrigens auch die vorletzte Staffel, also ist zu vermuten, dass alles noch viel viel schlimmer wird.

Was ich mich nun frage, angenommen, man würde die erzählten Welten von Breaking Bad und Dexter miteinander verknüpfen und Walter White auf Dexter prallen lassen. Würde Dexter Walter als einen Menschen betrachten, der beseitigt werden muss und seinem Beuteschema entspricht? Immerhin bringt er Menschen um, zum Teil aus Eigennutz und es ist nicht abzusehen, dass er damit aufhört. Von den Leuten, für deren Tod er indirekt durch die Herstellung der Droge und durch den Flugzeugabsturz verantwortlich ist, einmal ganz zu schweigen. Das ist doch für Dexter zumeist ein ausreichendes Kriterium für seine Opfer. Der weitere Kontext interessiert ihn ja nicht. Der Trinity Killer hatte zwar auch Familie und Kinder, wie Walter, aber er war auch zu seiner eigenen Familie ein Tyrann und ein Monster. Walter ist das nicht. Wie auch Dexter – noch eine Gemeinsamkeit – ist ihm daran gelegen, seine Familie und die Menschen, die er als Familie betrachtet (Jesse) zu schützen und zu versorgen. Es ist also auch möglich, dass die Beiden sich prima verstehen würden. Ansonsten gebe ich dieses Gedankenspiel mal an meine werte Leserschaft weiter: Ist Walter White ein Bösewicht im Dexterschen Sinne, der beseitigt werden müsste? Oder sind die beiden sich ähnlicher als es auf den ersten Blick den Anschein hat?

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