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101. Stück: Ist Stephen Kings „The Institute“ eine Metapher für einen maroden Staat?

Seit meinem Masterabschluss vor acht Jahren lese ich nur noch zum Vergnügen – trotzdem liest die Literaturwissenschaftlerin in mir immer ein bisschen mit und manchmal fällt mir in den Büchern, die ich lese, etwas auf, das ich spannend finde. Zuletzt ist mir das bei „The Institute“ von Stephen King so ergangen.

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Während ich voller Spannung eine Seite nach der nächsten umdrehte und atemlos der Geschichte des hochbegabten Luke Ellis und seiner Freunde folgte, dachte ich: Dieses Institut ist eine Metapher für den maroden Zustand eines Staates, dem es vor Jahrzehnten zu gut ging und bei dem die Verantwortlichen es versäumt haben, mit der Zeit zu gehen. Die Technik ist veraltet, die Einrichtung marode, wird weder gewartet noch gepflegt, es fehlt an allen Ecken und Enden an Innovationen, es werden seit den 50er Jahren dieselben Verfahren angewandt, um dieselben Thesen zu beweisen.

Der Grund für die Existenz des Instituts wurde seit Anbeginn niemals hinterfragt, automatisch wird davon ausgegangen, dass das, was man 1950 für die Wahrheit hielt, was damals dem Stand der Wissenschaft entsprechen mochte, auch fast 70 Jahre später Gültigkeit hat. Und alle machen Dienst nach Vorschrift, ohne Fragen zu stellen. Dabei geht es vorgeblich um das größere Wohl, die Rettung der Welt, das Gleichgewicht der Kräfte, damit der dritte Weltkrieg – ein Atomkrieg, der die Erde zerstören würde – verhindert wird. Und dass dafür Kinder mit telepathischen und telekinetischen Fähigkeiten wie Nutzvieh missbraucht werden müssen, das sieht man als notwendiges Übel, als alternativlos an.

Das Personal des Instituts fällt letzten Endes seiner eigenen Arroganz zum Opfer. Der vermeintliche Erfolg der letzten Jahrzehnte, der mutmaßlich notwendige, dem „Guten“ dienende Vorwand, hat diese Menschen denkfaul gemacht. Sie spulen Tag für Tag dasselbe Programm ab und haben dabei auch ihre Menschlichkeit vergessen. Was bleibt, ist ein Haufen seelenloser Bürokraten, Sadisten, verrückter Wissenschaftler und bequemer Handlanger, die ihr eigenes Tun nicht hinterfragen.

Interessant fand ich auch, dass im Institut Automaten für alkoholische Getränke und Zigaretten stehen und es von den Verantwortlichen nicht nur geduldet, sondern unterschwellig gefördert wird, wenn einige der Kinder alkoholabhängig und/oder zu Kettenrauchern werden. Süchtige stellen keine unbequemen Fragen, mucken nicht auf und tun alles, um an Chips für die Automaten zu kommen – sind also besonders unkompliziertes und williges Nutzvieh. Praktisch.

Ich finde, „Das Institut“ ist eines von Stephen Kings grimmigsten, bittersten und düstersten Büchern. Der Autor macht kein Geheimnis daraus, was er vom aktuellen US-amerikanischen Präsidenten hält – nämlich überhaupt nichts. Auf Stephen Kings Twitter-Account lässt sich seine Haltung gut nachvollziehen, zum Beispiel bei diesem Tweet oder hier. Und die Literaturwissenschaftlerin in mir quietschte bei der Lektüre von „Das Institut“ vor Vergnügen, weil der marode Zustand des Instituts und die vor Arroganz strotzenden Angestellten und ihrer durch Mangel an Niederlagen und fehlenden Widerspruch, fehlenden Hindernissen hervorgerufenen Nachlässigkeit, Übersättigung und Faulheit so sehr an Donald Trumps Regierung erinnern und dem, was er aus den Vereinigten Staaten gemacht hat.

Die USA sehen sich gern in der Rolle der Weltpolizei, der Retter der Welt, die zu den „Guten“ gehören und die Geschicke der Welt so leiten, dass alles im Gleichgewicht bleibt – unter der Führung der USA, natürlich. Und das nur, weil sie bei den Weltkriegen in den letzten Jahren die Alliierten unterstützt und so zu ihrem Sieg beigetragen haben. Dass sie seitdem keinen einzigen Krieg mehr so wirklich für sich entscheiden konnten, scheinen sie nicht zu realisieren. Immer wieder halten sie an derselben Strategie fest, in andere Länder einzufallen und dort vermeintlich das „größere Wohl“ einbringen zu wollen. Das wird von den Verantwortlichen nicht hinterfragt, niemand setzt ihnen wirklich etwas entgegen – das haben sie schon immer so gemacht, also warum sollten sie etwas daran ändern? Außerdem: Sie sind das großartigste Land der Welt, sie haben die großartigste Demokratie und die großartigsten Werte und sie meinen es ja nur gut, wenn sie andere zu ihrem Glück zwingen. Und das ist auch die Haltung, die die Verantwortlichen im Institut verinnerlicht haben.


Und, habt ihr Stephen Kings „The Institute“ schon gelesen? Was haltet ihr von meiner Interpretation? Blödsinn? Oder ist da vielleicht etwas dran? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt. 🙂

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