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99. Stück: Erfundene Filmkritiken oder Filme, die im Kino laufen könnten

Da zur Zeit die Kinos geschlossen sind, habe ich mir auf meiner Facebook-Seite ein Spiel ausgedacht: „Kritiken zu Filmen, die jetzt im Kino laufen könnten“. Ähnlich wie bei meiner Improgeschichten-Blogparade vor ein paar Jahren kann man mir ein paar Stichworte nennen (z. B. einen Regisseur, Schauspieler, einen Gegenstand, Ort der Handlung und/oder eine Figur) und ich erfinde dazu einen Film und schreibe eine Filmkritik darüber.

Die ersten 10 Ergebnisse möchte ich euch nun auf meinem Blog präsentieren. Viel Spaß beim Lesen!

(Und wer Lust bekommt, mir auch ein paar Stichworte zu nennen, kann das gern hier in den Kommentaren oder weiterhin auf Facebook tun)

1. Eine Liebeskomödie von Michael Bay? Warum nicht

„Die Braut des Godzilla“ von Michael Bay ist eine schräge Mischung aus Actionkracher und Liebeskomödie. Ich hätte Michael Bay nie für einen Romantiker gehalten, aber ich muss sagen, die Geschichte von Bill (Dolph Lundgren) und Maggie (Scarlett Johansson) geht stellenweise doch ans Herz.

Aber einmal von vorn: In „Die Braut des Godzilla“ geht es um den in die Jahre gekommenen Actionfilmschauspieler Bill, der sich in Tokio niedergelassen hat, und dort eigentlich am liebsten seinen Ruhestand genießen würde. Doch dann braucht seine bezaubernde Nachbarin Maggie dringend seine Hilfe. Ihr Haustier, eine Echse namens Zilli, hat ihren Lieblingsring verschluckt – und das ist nicht irgendein Schmuckstück, sondern ein magischer Ring. Das zumindest hat ihr ihre Großmutter erzählt, die ihr den Ring einst vermachte.

Was genau so magisch an dem Ring war, wusste Maggie auch nicht. Bei ihr hat er nie irgendeine außergewöhnliche Wirkung gezeigt. Aber offenbar bedurfte es dafür des Kontaktes mit den Verdauungssäften einer Echse. Denn Zilli fängt seit dem Malheur plötzlich unkontrolliert an zu wachsen. Das klingt zwar hanebüchen, funktioniert aber prima, weil Lundgren und Johansson wunderbar miteinander harmonieren. Da stimmt einfach die Chemie.

Jedenfalls – Achtung! SPOILER! – wird aus Zilli der berühmt-berüchtigte Godzilla. Können Bill und Maggie ihn aufhalten, bevor er ganz Tokio dem Erdboden gleichmacht? Das müsst ihr euch dann schon selbst ansehen.

Fazit: Herrlich bekloppt und sehenswert, besonders für Fans trashiger B-Movies und schrägen Humors. 3,5/5 Sternen.

2. Wenn Steven Spielberg auf Harry Potter trifft, …

„Der Aufstieg Voldemorts“ von Steven Spielberg spielt, wie auch die Filmreihe „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ im Harry-Potter-Universum, und zwar in der Zeit vor den Ereignissen rund um den berühmten Zauberlehrling, aber nach den Abenteuern von Newt Scamander.

Die Geschichte dreht sich um Harry Potters Eltern James und Lily sowie Professor Snape (gespielt von niemand Geringerem als Leonardo DiCaprio – der übrigens mit langen schwarzen Haaren ziemlich cool aussieht).

Es sind beunruhigende Zeiten, denn ein mächtiger Magier namens Tom Riddle hat seine dunkle Seite entdeckt und findet immer mehr Anhänger, die sich nicht länger von den Muggeln sagen lassen wollen, was sie zu tun und zu lassen haben – schließlich seien sie die höher entwickelte Rasse.

James, Lily und Snape betrachten die Entwicklungen mit Sorge und formieren eine Widerstandsgruppe. Professor McGonagall – in ihrer jüngeren Version gespielt von einer glänzend aufgelegten Charlize Theron – schließt sich ihnen an und gemeinsam kämpfen sie für das Gute.

Ich bin ja sowieso ein Riesen-Harry-Potter-Fan, von daher bin ich bei den Geschichten aus dieser Welt ein wenig unkritisch. Aber hier ist das wirklich besonders gut gelungen: tolle Schauspieler, sympathische Figuren (es macht einfach Spaß, die jüngeren Versionen von Snape, McGonagall und Co. zu erleben) und natürlich niedliche Tierwesen (ein Niffler ist auch wieder mit von der Partie! ❤ ), ein traumhafter Soundtrack (John Williams!) … was will man mehr?

Fazit: Ein Muss für Harry-Potter-Fans! Nicht verpassen. 4,5/5 Sternen.

3. Ein Beatles-Musical mit Riesenratten von Woody Allen

Mit „All you need is love“ hat sich Woody Allen wieder einmal an ein Musical gewagt – und ist damit nach einer längeren Reihe eher mittelmäßiger, belangloser Filme endlich wieder zu Höchstform aufgelaufen. Und er ist auch wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und hat die Handlung von „All you need is love“ nach New York verlegt.

Die Story: Der neurotische und nur mäßig erfolgreiche Drehbuchautor George Mueller (Robert Pattinson) will mit seinem nächsten Projekt seinen großen Durchbruch schaffen! Dann könnte er auch endlich seiner großen Liebe und Langzeitfreundin Stella (Kristen Stewart) einen Heiratsantrag machen. Das ist wirklich mal überfällig. Außerdem hat er den Verdacht, dass sie ihren Kollegen Hank viel attraktiver findet als ihn. So wie sie immer von Hank erzählt: er habe immer so tolle Ideen und sei ja so lustig und wirklich furchtlos und wie überzeugend er bei den Präsentationen vor den Kunden immer auftritt blablabla … blöder Hank, George hasst den Scheißkerl.

Jedenfalls will er Stella beweisen, dass er mindestens genauso mutig und cool sein kann wie dieser bescheuerte Angeber, der sich idiotisch viel darauf einbildet, Bierflaschen mit den Zähnen öffnen zu können, das wird sich schon noch rächen irgendwann und George wird dann ganz bestimmt nicht Hanks Zahnarztrechnung bedauern, das hat der Typ dann nicht anders verdient und – ach, ist ja auch egal, wo waren wir stehengeblieben? Genau, Georges neues Drehbuch. Der Film wird ein Neo-Noir mit Horrorelementen und philosophisch-psychologischem Überbau, vielleicht auch spirituell-religiös angehaucht, da ist sich George noch nicht so sicher. Um Stella seinen Wagemut zu beweisen und um authentische Inspirationen für sein Werk zu sammeln, will er selbst vor Ort in der Kanalisation New Yorks recherchieren, die Atmosphäre auf sich wirken lassen.

Aber halt! In der Kanalisation gibt es doch Ratten? George hasst die Viecher! Und bei seinem Glück gibt es gerade an der Stelle, wo er recherchiert, diese mutierten Riesenratten, von denen er irgendwo im Internet gelesen hat, was natürlich keine seriöse Quelle ist, aber es klang logisch, schließlich landet ja allerhand Dreck in der Kanalisation – abgelaufene Medikamente, chemische Abfälle, … – und wenn die Ratten das fressen (und Ratten fressen ALLES), dann ist es absolut naheliegend, dass sie mutieren und riesengroß werden! Vielleicht sollte er Stella einfach nur erzählen, dass er das macht, bleibt aber eigentlich gemütlich zu Hause auf der Couch in Sicherheit und recherchiert weiter im Internet. Doch dann will Stella unbedingt mitkommen …

Ach herrje! Aber George fasst sich ein Herz und sieht auch keinen souveränen Weg, aus der Nummer wieder herauszukommen, und so begeben sich Stella und George gemeinsam in die Kanalisation von New York. Allerdings nimmt George vorsichtshalber eine Falle für Riesenratten mit, die er selbst aus einem Umzugskarton, Büroklammern und Klebeband gebastelt hat – die Anleitung hat er auf YouTube entdeckt und die soll richtig gut funktionieren, da kann Hank sich aber gleich ganz hinten anstellen, so nämlich!
Spoiler! In der Kanalisation sind keine Riesenratten und die normalgroßen Nager sind scheu und verstecken sich vor den Menschen (sie haben viel mehr Angst vor George als er vor ihnen). Was aber stimmt, ist, dass sich allerhand chemisches Zeug in der Kanalisation befindet. Tollpatsch George stolpert und fällt in die stinkige Plörre und als er wieder auftaucht, hat er eine Vision: Jesus erscheint ihm und er hat eine Botschaft: All you need is love – alles, was du brauchst, ist Liebe. Das stimmt, denkt George, und macht Stella noch in der Kanalisation einen Heiratsantrag und steckt ihr eine Getränkedosenlasche als Ring an, die gerade vorbeigeschwommen kam.

Das Ganze ist wieder mit pointierten Dialogen, die im Affentempo hin und her schießen, nach typischer Woody-Allen-Manier gewürzt. Und – es ist ein Musical. Allen hat hier Beatles-Songs in Swing-Versionen zwischen die Dialoge eingebaut, was wunderbar funktioniert und für einen fantastischen Soundtrack sorgt!

Robert Pattinson und Kristen Stewart, einst das Traumpaar der Teenieschmonzettenreihe „Twighlight“, zeigen hier, dass sie – obwohl im wahren Leben längst kein Paar mehr – nach wie vor toll miteinander harmonieren können. Aber sie sind auch beide erwachsen geworden und haben dazugelernt. Haben sie in Twighlight noch wirklich, wirklich schlecht gespielt, sind die beiden hier erstaunlich überzeugend, unterhaltsam und ausdrucksstark.

Fazit: Ein Muss für Woody-Allen-Fans, für Musical-Fans und für Beatles-Fans! Nicht verpassen. 4,5/5 Sternen

4. Ein bayrisches Urgestein auf Hallig Hooge? Das kann ja heiter werden

„Hallig Hooge Herzenslust“ von Rosa von Praunheim ist zwar ein Heimatfilm, aber einer, der das Genre ironisch bricht und neu definiert.

Der Ur-Bayer Ottfried Fischer spielt darin den pensionierten Lehrer Alois Obermayer, den die Liebe von seinem bayerischen Dorf nach Hallig Hooge verschlagen hat. Kerstin heißt seine Herzensdame, ist Polizistin und wird gespielt von Katja Riemann. Doch es gibt Knatsch. Kerstin findet, Alois lasse sich zu sehr gehen, seit er in Rente ist. Alois findet, Kerstin solle sich mal entspannen und das Leben genießen.

Die kleinen Querelen zwischen den beiden verlieren jedoch an Bedeutung, als Kerstins jüngere Schwester Alina (Sarah Connor) plötzlich auf der Türschwelle steht. Sie ist Umweltaktivistin und hat dem falschen Unternehmen ans Bein gepinkelt. Der Stromkonzern Lattenwall bremse systematisch den Ausbau erneuerbarer Energien auf Hallig Hooge aus, berichtet sie. Sie hatte sich dort als Sekretärin des Konzern-CEOs Adrian Hansen (Matthias Schweighöfer) eingeschlichen und hat dann auch noch herausgefunden, dass dieser mit korrupten Politikern gemeinsame Sache macht – ein ziemlich großes Ding also.

Alois, Kerstin und Alina überlegen sich einen Schlachtplan – denn natürlich sind die wenigen Beweisstücke, die Alina vor ihrer Flucht im Büro von Adrian Hansen noch schnell sammeln konnte, zu nichts zu gebrauchen, da sie vor Gericht keinen Bestand hätten.

Alina erzählt beiläufig, wie sehr sie sich zusammenreißen musste, um diesem arroganten Lackaffen von Hansen nicht jedes Mal eine zu zimmern, sobald er seine große Klappe aufriss. Alina regt sich darüber auf, dass Hansen, dieser peinliche Berufsjugendliche, dieser lächerliche Hipster-Schnösel, sich chinesische Schriftzeichen tätowieren lassen wollte, von denen er meinte, sie lauteten „Mut und Stärke“ – völliger Quatsch, so Alina, die 10 Semester Sinologie studiert hat, die Schriftzeichen bedeuteten nur „Wer das liest, ist doof“.

Da fällt Alois etwas ein! Einer seiner ehemaligen Schüler, mit dem er noch befreundet ist, hat zusammen mit seinem Lebensgefährten ein Tattoo-Studio in München eröffnet. Er könnte sich doch mit einem mobilen Tätowier-Set bei Hansen vorstellig werden, sein Vertrauen gewinnen und ihn zum Reden bringen. Kerstin könnte ihre Kollegen mit ins Boot holen, um den Tätowierer zu verkabeln und Hansens Geständnis aufzuzeichnen. Ein gewagter Plan … ob er wohl gelingen wird?

Das Ganze ist tatsächlich recht spannend und Gesellschaftskritik und Politik kommen auch nicht zu kurz. Damit „Hallig Hooge Herzenslust“ aber nicht zu ernst wird, hat Rosa von Praunheim noch das deutsche Comedy-Urgestein Fips Asmussen zu einem Cameo-Auftritt überreden können – und der hat sichtlich Spaß daran, Alois, Kerstin und Alina bei ihrem Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft zu unterstützen.

Fazit: Endlich mal ein Heimatfilm, der nicht einfach nur kitschig, spießig und trutschig ist. Kann man sich gut angucken (wenn man die eine oder andere Logiklücke freundlich ignoriert). 3,5/5 Sternen.

5. Wikipedia als Stichwortgeber für einen Filmplot

„Eine total verrückte Klassenreise in einem durchgeknallten Zug“ von Regie-Neuling Dr. Klein ist eine Hommage an die alten „Die Lümmel von der ersten Bank“-Filme und eine Parodie auf amerikanische Highschool-Komödien. Man merkt der Produktion allerdings ihr spärliches Budget an – mal im positiven, mal im negativen Sinn.

Positiv sind die teils sehr witzigen und kreativen Einfälle und skurrilen Gags, die Dr. Klein in seine völlig hanebüchene Handlung eingebaut hat. Negativ ist aber vor allem seine Entscheidung, nur Laiendarsteller mit keinerlei Filmerfahrung engagiert zu haben. Die Hauptdarstellerin Gabrielle Zwiehoff, die die Geschichtslehrerin Barbara Patzek spielt, zum Beispiel ist eigentlich Juristin und gibt sich auch sichtlich Mühe – aber Schauspiel ist einfach nicht wirklich ihre Stärke. Das ist ja nicht schlimm – man kann und muss nicht alles können und müssen -, aber es stört halt doch das Filmvergnügen.

Obendrein hielt Dr. Klein es für eine fantastische Idee, seinen Laiendarstellern kein festes Drehbuch vorzugeben, sondern sie den ganzen Unfug improvisieren zu lassen. Und so entbehrt die Story wirklich jeder Logik. Aus irgendeinem Grund startet die Klassenreise, um die es hier zumindest dem Titel nach gehen soll, in Österreich, um dann auf nicht ansatzweise plausiblen Wegen plötzlich in Schweden auf der Eisenbahnstrecke Godsstråket genom Bergslagen in einem Zug zu enden.

Fazit: Nee, also, das war nichts. Peinlich, dilettantisch, nicht gut gemacht – den Film kann man sich sparen. 1/5 Sternen.

6. Quentin Tarantino als Romantiker? Das kommt dann davon:

„High Tide, Motherf*ckers!“ von Quentin Tarantino ist eine durchgeknallte Liebeskomödie mit einem bestens aufgelegten Russel Crowe in der Hauptrolle als Kapitän Zack Beauford, der ein mildes Alkoholproblem hat und aufgrund eines „Vorfalls“ an der italienischen Küste, als er den Touristen zeigen wollte, wie nah er ans Ufer fahren kann, ohne dass etwas passiert (es ist doch etwas passiert. Upsi!), keine Kreuzfahrtschiffe mehr befehligen darf. Er fühlt sich ungerecht behandelt und tut nun einfach auf seiner Yacht so, als wäre er immernoch Kapitän und alles wäre in bester Ordnung.

So könnte es auch ersteinmal weitergehen, würde Captain Beauford nicht auf hoher See, unterwegs auf seiner Yacht, einem Floß mit Schiffsbrüchigen begegnen und sie in einem Anfall von Nächstenliebe, der eigentlich sehr untypisch für ihn ist, auf seine Yacht holen.

Wir erfahren nun in Rückblenden und Episoden, wie die einzelnen Schiffbrüchigen auf das Floß gelangt sind, und dass es keineswegs Zufall ist, dass sie dann Captain Beauford und seiner Yacht begegnen – denn jeder von ihnen hat mit dem Kerl noch ein Hühnchen zu rupfen. Ganz besonders die mysteriöse Madame Yellow verfolgt ihre eigenen Pläne … und sie dürstet nach Rache. Die dann auch in gewohnter Tarantino-Manier äußerst blutig eskaliert. Eine Eismaschine spielt dabei eine ziemlich makabre Rolle – aber mehr verrate ich an dieser Stelle lieber nicht.

Aber halt! Soll der Film nicht eine Liebeskomödie sein? Das ist er auch tatsächlich. Denn unter den Schiffbrüchigen und Captain Beauford entspinnt sich ein turbulentes Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen nach bester Boulevard-Theater-Tradition … man darf also gespannt sein.

Fazit: Ein Riesenspaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte! 4,5/5 Sternen.

7. Wenn Caroline Link einen Film Noir mit Christoph Waltz drehen würde

Mit „Nachts sind alle Katzen grau“ begibt sich Caroline Link in ein für sie unbekanntes Genre: den Film Noir – und es funktioniert hervorragend.

In diesem kammerspielartigen Krimi schlüpft Christoph Waltz in die Rolle des abgeklärten, zu Depressionen neigenden Privatdetektivs Samuel „Sam“ Wallis – und zeigt damit, dass er noch mehr Facetten spielen kann als den durchgeknallten Oberbösewicht mit guten Manieren. Sein Sam hat es mit den guten Manieren jedenfalls nicht so – viel zu ineffizient, wenn es darum geht, Leute zum Reden zu bringen, ist seine Erfahrung. Und durchgeknallt ist er auch nicht – er hat nur ein leichtes Problem mit seiner Selbstbeherrschung (behauptet seine Ex-Frau Monika, die alte Spinatwachtel).

Eines Tages kommt die mysteriöse Femme fatale Sonja Solace in sein Büro – gespielt von Sibel Kekilli – und braucht seine Hilfe. Ihr Mann ist verschwunden und sie hat Angst, ihm könne etwas zugestoßen sein. Er habe wohl neben seinem eigentlichen Beruf als Filialleiter eines Supermarkts nicht ganz lupenreine Wetten im Internet betrieben und könnte möglicherweise den falschen Leuten dabei auf den Schlips getreten sein.

Sam und Sonja fangen an, im Supermarkt zu ermitteln. Dabei kommen sie sich allmählich näher … huiuiui, gefährlich! Vor allem in Anbetracht dessen, dass Sonjas Ehemann ihr einiges verschwiegen hat, was seine Internetwettgeschichten angeht – unter anderem, wie viele Schulden er hatte und bei wem.

Als Sonja und Sam eines Tages zurück in Sams Büro wollen, liegt ein Geschenk vor der Tür – hübsch verpackt, mit Geschenkband, Schleife, Firlefanz. Für eine Bombe ist es zu leicht, ticken tut das Päckchen auch nicht … die beiden beschließen, es zu öffnen. Sonja wird beim Anblick des Inhalts kreidebleich: ein blutiger Schraubenschlüssel und daneben eine einzige, dreckige Socke!

Wer hat die Botschaft geschickt und vor allem: Was bedeutet sie? Ist Sonja wirklich so unschuldig, wie sie tut? Was hat ihr Mann wirklich für Geschäfte gemacht? Fragen über Fragen, die Sam in einen Strudel der Emotionen werfen – ihn aber endlich wieder aus seiner Lethargie reißen. Doch sein Eifer wird nicht ohne Folgen bleiben …

Fazit: Ein spannender Krimi, düstere Atmosphäre und gute Schauspieler – lohnt sich! 4/5 Sternen.

8. Ein Horrorfilm im Zoo von Fatih Akin

„Blutdurst“ von Fatih Akin ist ein verstörender Horrorfilm mit einem furchteinflößenden Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle des Zoodirektors Jochen Begenhack, der in seiner Freizeit einem ziemlich eigentümlichen Hobby frönt: dem Züchten neuer Tierarten.

Gedreht hat Akin wieder einmal in seiner geliebten Heimatstadt Hamburg, dieses Mal ist der Tierpark Hagenbeck Ort des Geschehens. Die Handlung bleibt auch die ganze Zeit im Zoo beziehungsweise im Tropenaquarium. Obwohl der Tierpark recht weitläufig ist, schafft es Akin, eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen und das ständige Gefühl der Bedrohung durch die Atmosphäre wabern zu lassen.

Dabei kann er sich voll und ganz auf Moritz Bleibtreu verlassen, der die schleichend immer stärker werdende Paranoia und Wahnvorstellungen des Zoodirektors mit beängstigender Intensität spielt.

Ihm entgegen stehen drei Frauen: Die Reporterin Marina Andresen (Andrea Sawatzki), die Tierpflegerin Anna Peters (Cosma-Shiva Hagen) und die Unternehmensberaterin Inga von Hove (Helene Fischer). Alle drei befinden sich aus verschiedenen Gründen nach Feierabend noch im Zoo. Marina Andresen hat von der Freizeitbeschäftigung des Zoodirektors Wind bekommen und wittert eine Riesenstory. Anna Peters ist ihre Informantin – sie arbeitet im Aquarium bei den Krokodilen und hat den Zoodirektor auffallend oft dort herumstreifen sehen. Inga von Hove hingegen wurde vom Bruder des Zoodirektors (mit dem dieser in eine üble Familienfehde verwickelt ist) beauftragt, mal heimlich Nachforschungen anzustellen, ob der Direktor nicht vielleicht Gelder veruntreut oder anderen Schindluder betreibt, mit dem man ihn aus dem Geschäft drängen könnte – fies.

Nach und nach finden sich unsere vier Protagonisten im Aquarium wieder. Dort entdecken sie das geheime Zuchtlabor des Zoodirektors – und seine neueste Kreation, eine Kreuzung zwischen Hai, Krokodil und Piranha … und sie ist sehr, sehr hungrig.

Fazit: Ein gelungener Horrorfilm, bei dem sich der Grusel und die Spannung vor allem auf psychologischer Ebene abspielen – die blutrünstige Kreatur sieht man erst ganz zum Schluss und auch da wird sie nur angedeutet. Die Fantasie erledigt den Rest. Lohnt sich! 4/5 Sternen

9. Noch mal Michael Bay, aber dieses Mal im Weltall

„Das Raumschiff aus der Hölle“ von Michael Bay ist ein actiongeladener Science-Fiction-Quatsch, dessen Story zwar völlig an den Haaren herbeigezogen ist, der aber trotzdem einen Heidenspaß macht.

Im Mittelpunkt der Handlung (oder das, was man als Vorwand für allerhand Prügeleien, Explosionen und Schießereien genommen hat) steht das Raumschiff Apokalyptika. Die ganze Geschichte spielt in einer alternativen Gegenwart, in der der Kalte Krieg nie ein Ende fand und die Amerikaner und Russen zu immer größenwahnsinnigeren Waffenexperimenten verleitet hat. Aktueller Höhepunkt: die Apokalyptika – eine über und über mit Waffen und Abwehrsystemen versehene Festung im Weltall, die in der Umlaufbahn der Erde patrouilliert und darauf wartet, dass die Russen sich endlich mal blicken lassen oder wenigstens ein paar angriffslustige Aliens, damit man die ganzen schönen Waffen auch mal benutzen kann. Aber nichts dergleichen passiert, die Apokalyptika und ihre Mannschaft sind allein im Weltraum.

Die Hauptrolle spielt niemand Geringeres als William Shatner. Er ist der gealterte Admiral John D. Burke – zynisch, resigniert, amtsmüde. Ihm zur Seite steht Colonel James McBain (Bruce Willis), dem allerdings die zunehmende Isolation auf dem Raumschiff ganz und gar nicht gut tut. Er trinkt zu viel, schluckt alle möglichen Medikamente, die er kriegen kann und fängt an, überall Gespenster zu sehen.

Die Situation eskaliert, als sich der Arzt des Raumschiffs, Jack Rambola (Sylvester Stallone), anfängt darüber zu wundern, warum die Medikamentenvorräte so schnell zur Neige gehen, und Nachforschungen anstellt. Er kommt McBain auf die Schliche und will ihn zur Rede stellen. Dieser sieht allerdings in dem Arzt eine riesenhafte Monsterversion von Spongebob und halluziniert, dass dieser ihm seine Gummibärchentüte stehlen will! Das lässt sich McBain nicht gefallen. Es kommt zum Gerangel, dann zieht Dr. Rambola plötzlich eine Waffe und will eigentlich einen Warnschuss abgeben – trifft dabei aber versehentlich Admiral Burke. Zum Glück ist es aber nur ein Streifschuss. Burke überlebt und entdeckt seine Lebensgeister neu – leider ist das für die anderen beiden Männer nicht von Vorteil, denn Burke ist auf Rache aus und er hat jede Menge bis dato ungenutzte Waffen zu seiner Verfügung …

Fazit: Perfekt für einen langweiligen Sonntag – Kopf aus, Film ab. 3,5/5 Sternen.

10. Ein Stummfilm mit Eddie Murphy? Herausforderung angenommen!

„The Master of Guns“ von den Wachowski-Geschwistern ist ein gewagtes filmisches Experiment: ein Stummfilm-Western mit Eddie Murphy in der Hauptrolle als Neelo Anderson, einem gestrauchelten Revolverhelden auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Den hofft er zu finden, indem er sich am Rande des kleinen Städtchens Riotcreek mit einem Freibad niederlässt.

Zunächst geht auch alles gut. Das Geschäft läuft nicht schlecht, er kann weitere Mitarbeiter einstellen. Die hübsche und toughe Anjelica (Margot Robbie) stellt sich bei ihm vor und will als Eisverkäuferin im Freibad arbeiten. Was sie Neelo verheimlicht: Sie ist vor ihrem gewalttätigen Ehemann, dem Sheriff des Nachbarorts Cliff Buchanan, geflohen, nachdem sie ihn dabei beobachtet hat, wie er heimlich Geschäfte mit dem Outlaw Butch „Mad Dog“ DeLorean macht.

Die Monate gehen ins Land und es wird Winter. Neelo will das Freibad für die Saison schließen, da kreuzen plötzlich Sheriff Buchanan und „Mad Dog“ DeLorean bei ihm auf – sie haben spitzgekriegt, wo Anjelica sich versteckt hält. Neelo muss sein Talent als Revolverheld erneut mobilisieren – aber wird es ihm gelingen oder ist er aus der Übung gekommen? Und was hat Anjelica vor, als sie den Sheriff und den Outlaw auf eine Tasse Tee in den Eisladen einlädt? Was ist in dem Teebeutel drin, den sie für die Zubereitung verwendet? Und was ist nun eigentlich der Sinn des Lebens?

Dass das alles als Stummfilm so hervorragend funktioniert und Eddie Murphy, der als Dampfplauderer berühmt und beliebt wurde, sich auch ohne gesprochene Worte überzeugend ausdrücken kann, hätte ich nicht gedacht. Und auch der tiefgründig-philosophische Überbau, mit dem die Wachowskis gern mal ihre Filme zermurksen (Stichwort: Jupiter Ascending), hält sich hier angenehm dezent im Hintergrund.

Fazit: Sehenswertes und gelungenes Experiment! Lohnt sich! 4,5/5 Sternen.


Das war es erst einmal. Ich hoffe, meine ausgedachten Filmplots haben euch gefallen. Ihr wollt mehr davon? Dann schreibt mir eure Stichworte in die Kommentare.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Film und Fernsehen, Kritik

98. Stück: Die besten und schlechtesten Filme der 2010er Jahre

In Anbetracht dessen, dass wir seit ein paar Tagen ein neues Jahrzehnt beschritten haben, halte ich es für angebracht, einen Kinorückblick auf das vergangene Jahrzehnt zu werfen.

Die Auswahl ist rein subjektiv und manchmal sind mehrere Filme aus einem Jahr dabei und aus einem anderen Jahr dafür keiner – manchmal sind die Kinojahre ja recht mittelmäßig, manchmal herausragend schlecht und manchmal herausragend gut.

Ich habe erst 2015 angefangen, meine Kinojahresrückblicke auf meinem Blog zu veröffentlichen. Für die Filme aus der zweiten Hälfte der 2010er Jahre habe ich daher die Kritik nur angerissen und dann den jeweiligen Kinojahresrückblick verlinkt. Für die Filme aus der ersten Hälfte der 2010er Jahre habe ich eine kleine Begründung formuliert, weswegen sie es auf meine Liste geschafft haben.

Die besten Filme von 2010 bis 2019

10. „Die Beste aller Welten“

„Die Beste aller Welten“ von Adrian Goiginger ist eine wunderbar leicht erzählte, tief berührende Mutter-Sohn-Geschichte. Gesehen habe ich den Film auf der Berlinale im Jahr 2017, zusammen mit einer Freundin, und wir waren richtig glücklich, dass wir nicht nur überhaupt noch Karten für eine Vorstellung ergattert hatten, sondern auch und vor allem, weil wir dabei so ein tolles Filmjuwel erwischt haben.

Der Film war auch der Favorit meines Kinojahresrückblicks von 2017 – dort könnt ihr auch die vollständige Kritik lesen.

9. „10 Cloverfield Lane“

„10 Cloverfield Lane“ von Dan Trachtenberg ist ein großartiges Kammerspiel und spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es ist allerdings möglicherweise für die Zuschauererwartung etwas ungeschickt, den Titel so nah an den Found-Footage-Film „Cloverfield“ anzulehnen. Viele erwarten daraufhin eine Fortsetzung, ein Spin-off oder ein Prequel – tatsächlich aber haben beide Filme kaum etwas miteinander zu tun. Ich fand’s gut, weil ich nicht so ein ‚creature feature‘-Katastrophenfilm-Fan bin, aber psychologisch feinsinnige Charakterzeichnung, tolle Schauspieler und intelligentes Storytelling liebe.

„10 Cloverfield Lane“ war der Favorit meines Kinojahresrückblicks von 2016 – dort gibt’s die vollständige Kritik zu lesen.

8. „Snowpiercer“

„Snowpiercer“ von Bong Joon-ho aus dem Jahr 2013 hat mich aus mehreren Gründen fasziniert und gefesselt. Da wäre einerseits das klaustrophobische Setting in einem Zug, der ohne anzuhalten durch eine vereiste Landschaft fährt. Dann ist die Prämisse des Films einfach, aber genial: In den hinteren Waggons sitzen die Armen, in den vorderen Waggons die Reichen – und dann gibt es eine Revolution, als einige der hinteren Waggon-Bewohner versuchen, sich nach vorne durchzukämpfen. Das klingt simpel, entfacht aber eine atemberaubende Spannung.

7. „The Artist“

„The Artist“ von Michel Hazanavicius aus dem Jahr 2011 ist ein moderner Stummfilm, der mich mit seiner Ästhetik, seiner liebenswerten Story und dem stimmigen Gesamteindruck überzeugt hat. Ein Film, der eine Hommage an den Stummfilm darstellt, und trotzdem als originelles, eigenständiges Werk hervorsticht.

6. „Joker“

„Joker“ von Todd Phillips ist ein erschütterndes Porträt einer tragischen Existenz, der nach und nach alles entgleitet. Die ganze Kritik gibt es in meinem Kinojahresrückblick von 2019.

5. „Rocketman“

„Rocketman“ von Dexter Fletcher hat mich einfach umgehauen. Der Film ist von 2019 und die vollständige Kritik könnt ihr in meinem neuesten Kinojahresrückblick lesen.

4. „Shutter Island“

„Shutter Island“ von Martin Scorsese aus dem Jahr 2010 dürfte wohl auf so mancher Bestenliste des vergangenen Jahrzehnts einen Platz gefunden haben. Dieser Psychothriller ist spannend, hintergründig, wendungsreich und wahnsinnig gut gespielt. Kurz: ein Meisterwerk.

3. „Whiplash“

Whiplash“ von Damien Chazelle ist ein pulsierender Musikfilm, ein fesselndes Drama und richtig großes Kino. Hier stimmt einfach alles: Der Rhythmus des Schlagzeugs geht so ins Blut, durch Mark und Bein, dass einen die Musik auch ohne große Jazzkenntnisse mitreißt. Die beiden Hauptfiguren, der junge, talentierte Schlagzeuger Andrew und sein Lehrer Terrence Fletcher, sind so facettenreich gestaltet, dass sie einem trotz ihrer unsympathischen Wesenszüge ans Herz wachsen, man mit ihnen fühlt und um sie bangt. Wie die zwei ihr psychologisches Duell ausfechten, ist von nervenzerfetzender Spannung.

„Whiplash“ war mein Zweitlieblingsfilm aus dem Kinojahr 2015.

2. „Inception“

Wie? Was? „Inception“ von Christopher Nolan aus dem Jahr 2010 nur auf dem zweiten Platz? Ja, tatsächlich – das liegt daran, dass der Film, so genial er auch ist, ein wenig an Schlagkraft verliert, je öfter man ihn sieht. Ich habe ihn im Studium für ein Referat gründlich hin und her analysiert und der Film hat mich schließlich auch auf mein Thema „Mentale Metadiegesen im zeitgenössischen Film“ meiner Masterarbeit gebracht. Aber anders als zum Beispiel „Fight Club“ wird „Inception“ leider beim wiederholten Gucken etwas schwächer. Trotzdem ist er nach wie vor ein herausragend guter Film!

1. „Ex Machina“

Bei „Ex Machina“ von Alex Garland merkt man, dass da ein Drehbuch- und Romanautor am Werk war. Die Geschichte erzählt sich fast von selbst, so hervorragend sind die Figuren in diesem klaustrophobischen Kammerspiel konzipiert (Hurra, eine Alliteration). Der Schauplatz, ein teils unterirdischer Bunker mitten im dichten Wald eines Tals im Gebirge, kann nur mit Hubschrauber erreicht werden. Die vier Figuren, die in dem Haus mehr oder weniger eingesperrt und von der Außenwelt isoliert sind, werden aufeinander losgelassen und was dann passiert ist von unheimlicher Eindringlichkeit.

„Ex Machina“ steht noch vor „Whiplash“ auf meiner Liste der besten Filme von 2015.

Die schlechtesten Filme von 2010 bis 2019

10. „Source Code“

„Source Code“ von Duncan Jones aus dem Jahr 2011 hat eigentlich eine spannende Story, die Mindgame-Elemente, Zeitreisen und Zeitschleifen enthält, und ist top besetzt. Trotzdem war der Film eine Riesenenttäuschung und driftet zu sehr ins Sentimentale ab. Man hätte so viel aus diesem Film machen können und hat das Potenzial nicht genutzt. Grund genug, auf dem zehnten Platz meiner Flops-des-Jahrzehnts-Liste zu landen.

9. „Johnny English 3“

„Johnny English – Man lebt nur dreimal“ von David Kerr ist eine lahmarschige, trutschige Agentenparodie mit einem gealterten Mr. Bean, bei der ich diverse Male eingenickt bin. Dieses unsägliche Machwerk hat es dann auch auf meine Flop-Liste 2018 auf den ersten Platz geschafft – dort könnt ihr auch die vollständige Kritik lesen.

8. „Der Dunkle Turm“

„Der Dunkle Turm“ von Nikolaj Arcel hat mich sehr enttäuscht. Eigentlich dachte ich, meine Erwartungen nicht sonderlich hochgeschraubt zu haben, da die Kritiken mau waren und es hieß, es wäre ein Best-of-Potpourri aus allen 8 Bänden der Fantasy-Buchreihe von Stephen King, keine werkgetreue Umsetzung.

Inzwischen habe ich alle acht Bände gelesen und finde den Film rückblickend sogar noch schlechter als 2017, wo er es nur auf Platz 6 der schlimmsten Flops geschafft hat.

7. „Eclipse – Biss zum Abendrot“

„Eclipse – Biss zum Abendrot“ von David Slade aus dem Jahr 2010 ist wie seine beiden Vorgänger einfach sehr schlecht gemacht. Und während die vollkommen idiotische Geschichte um Bella, Vampir Edward und Werwolf Jake in den Büchern noch so spannend geschrieben war, dass man mit den Figuren mitgefiebert hat, obwohl Bella eine dumme Pute ist, die die Errungenschaften weiblicher Emanzipation zugunsten teenagerüblichen Hormongeschwurbels mit Füßen tritt und Edward ein strunzlangweiliger Schnösel ohne Sinn für Humor ist, ist der Film wirklich doof. Hinzu kommt das erbärmlich schlechte Make-up und das nicht eben virtuose Spiel der Akteure.

6. „Ben Hur“

„Ben Hur“ von Timur Bekmambetov ist tatsächlich ziemlich schlecht. Nicht ganz so schlimm wie der Film, der es auf Platz 1 meiner Flops des Jahrzehnts geschafft hat – es gibt immerhin ein paar spannende Szenen und das Wagenrennen ist zugegebenermaßen sehr gelungen -, aber dennoch nicht gut gemacht. Warum ich das so sehe? Das lest ihr in meiner Flop-2016-Liste.

5. „Transcendence“

„Transcendence“ von Wally Pfister aus dem Jahr 2014 hat es insbesondere Hauptdarsteller Johnny Depp zu verdanken, auf Platz 5 dieser Liste gelandet zu sein. Dieser einst so geniale, außergewöhnliche Schauspieler agiert mit einer Lustlosigkeit und Langeweile, dass es den ganzen Film herunterzieht. Die Grundidee ist dabei spannend – das Bewusstsein eines Menschen wird vor seinem Tod in einen Computer hochgeladen -, aber was daraus gemacht wurde, ist einfach nur Murks.

4. „Glass“

„Glass“ von M. Night Shyamalan war langweilig und sogar noch schlimmer als der Vorgänger „Split“. Ich bin zwischendurch immer wieder eingeschlafen, ohne irgendwelche wesentlichen Informationen verpasst zu haben. Was ich sonst noch von dem Film halte, könnt ihr auf meiner Flop-2019-Liste nachlesen, wo er sich den zweiten Platz verdient hat.

3. „Benjamin Blümchen“

„Benjamin Blümchen“ von Tim Trachte ist so lieblos und handwerklich schlecht dahingerotzt, dass vom Charme des Hörspiels, dem ich als Kind so gern gelauscht habe, nichts übrig geblieben ist. Daher führt er auch völlig zu Recht meine Flop-2019-Liste an und hat es hier auf Platz 3 geschafft.

2. „Alien: Covenant“

„Alien: Covenant“ von Ridley Scott fand ich nicht nur total doof, er war auch schlecht gemacht. Deswegen hat er es auch an die Spitze meiner Flop-2017-Liste geschafft, wo ihr die vollständige Kritik lesen könnt.

1. „Jupiter Ascending“

„Jupiter Ascending“ von den Wachowski-Geschwistern ist ein ganz heißer Kandidat für die Goldene Himbeere – und zwar in sämtlichen Kategorien. Normalerweise würde ich ja diplomatisch sagen, dass ich ihn schlecht fand. Dieses Mal würde ich mich aber glatt dazu hinreißen lassen zu urteilen: Der ist einfach schlecht.

Und dieser Meinung bin ich immer noch. „Jupiter Ascending“ ist aus dem Jahr 2015 und seit ich meine Kinojahresrückblicke schreibe, ist mir noch kein schlechterer Film untergekommen.


Und? Was waren eure Lieblingsfilme aus dem vergangenen Jahrzehnt? Welche Filme fandet ihr richtig doof? Was haltet ihr von meiner Auswahl? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt 🙂

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93. Stück: Kinojahresrückblick 2018 – der größte Schrott

Zu einem cineastischen Jahresrückblick gehören natürlich auch die Filme, die mich 2018 am meisten enttäuscht, verärgert oder gelangweilt haben. Hier sind sie:

10. Bad Times at The El Royale

„Bad Times at the El Royale“ von Drew Goddard hat leider außer einer stylishen mise en scène und einem coolen Soundtrack nichts zu bieten. Das ist sehr schade, denn bei diesem Cast und dieser Ausgangssituation hätte man einen richtig tollen Neo-Noir und einen fesselnden, atmosphärisch dichten Thriller draus machen können.

Aber stattdessen franst die Geschichte total aus. Es werden zahlreiche Handlungsstränge aufgemacht, die alle in dem Hotel enden, und da zeigt sich ein explosives Konfliktpotenzial. Da muss man sich schon echt Mühe geben, damit da nichts Spannendes bei rauskommt – und genau das ist hier passiert. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen ins Leere, der Erzählrhythmus ist überhaupt nicht stimmig und das Tempo schleppt sich schneckengleich daher und wenn dann mal was passiert, wird das von den anderen Figuren irgendwie achselzuckend zur Kenntnis genommen, ohne dass das wirkliche Konsequenzen hat.

Fazit: Schöne Bilder, tolle Musik, gute Schauspieler, interessantes Setting und konfliktträchtige Ausgangslage reichen anscheinend nicht immer aus für einen gelungenen Thriller. Das war leider nichts, schade.

9. Catch Me

„Catch Me!“ von Jeff Tomsic fängt nicht schlecht an und hat eine ganz pfiffige Grundidee: eine Gruppe von Freunden spielen seit ihrer Kindheit stets im Mai zusammen Fangen – und einer von ihnen wurde noch nie geschnappt. Das soll sich nun ändern. Wie man gleich zu Beginn erfährt, beruht das Ganze auf einer wahren Geschichte – und ich weiß nicht, warum, aber irgendwie ist das fast immer ein Indiz dafür, dass der nachfolgende Film nicht so doll wird.

Vielleicht will man Rücksicht auf die noch lebenden Vorbilder nehmen und traut sich deswegen nicht, die Story und das Gagpotenzial voll auszureizen. Oder man verlässt sich darauf, dass wahre Geschichten sich quasi „von selbst erzählen“ und man da dramaturgisch nichts mehr machen muss (was ein Irrtum ist. Wie soll denn Spannung entstehen, wenn man eine Geschichte so erzählt: Erst passierte das. Dann das. Und dann das. Und dann war’s zuende.)

Jedenfalls fehlt es diesem Film an Biss, Rhythmus und Tempo, die Gags wiederholen sich zu oft, die Charakterzeichnung der Figuren ist dünn, die Konflikte bleiben an der Oberfläche. Das Ende ist zudem recht ernst und traurig, was so überhaupt nicht zum albernen, durchgeknallten Grundton des Films passen mag. Und wirklich viel passiert in dem Film auch nicht.

Fazit: Schade, daraus hätte man eine wunderbar bekloppte Komödie draus machen können, aber leider kommt die Handlung nicht wirklich in die Gänge und insgesamt wirkt das alles zu unausgewogen. Muss man nicht sehen.

8. Red Sparrow

„Red Sparrow“ von Francis Lawrence braucht leider fast 100 Minuten, um in die Puschen zu kommen, und ist entsprechend langweilig. Ich bin zwischendurch immer mal wieder weggenickt, zwischendurch war ich noch entspannt pinkeln, aber ich bin mit der Story trotzdem hinterhergekommen. Also habe ich anscheinend nichts Wesentliches verpasst, was mich zu dem Schluss verleitet, man hätte den Film problemlos und verlustfrei auf die Hälfte zusammenkürzen können.

Mich hat außerdem der künstliche russische Akzent von den russischen Figuren total genervt. Das entbehrt jeder Logik. Die Geschichte spielt im Wesentlichen in Russland, also ist Russisch die normale Sprache, nicht Englisch/Deutsch mit russischem Akzent. Wenn, hätte man überlegen können, den Amerikanern einen englischen Akzent zu verpassen, die aber haben normal gesprochen. Hätte auch im Original wenig Sinn ergeben, Englisch mit englischem Akzent zu sprechen, Höhö. Aber wenn man den Russen der Authentizität wegen einen russischen Akzent gibt, dann soll man wenigstens auch russische Schauspieler nehmen, die mit anderen Russen untereinander Russisch sprechen (mit Untertiteln) und nur mit Ausländern Englisch/Deutsch mit echtem russischen Akzent. Nicht dieser klischeehafte, gekünstelte Fake-Akzent, der total albern klingt.

Aber ich schweife ab. Daran kann man mal sehen, worüber ich den Film über so Zeit hatte, mir Gedanken zu machen.

Ansonsten, Jennifer Lawrence ist mal wieder hinreißend, die anderen machen ihre Sache auch prima und das Ende ist tatsächlich ganz pfiffig. Man braucht nur wirklich viel Geduld, bis man da hinkommt.

Fazit: Muss man nicht gesehen haben und wenn doch, dann lieber zu Hause, wo man vorspulen kann.

7. Der Nussknacker und die vier Reiche

„Der Nussknacker und die vier Reiche“ von Lasse Hallström und Joe Johnston ist leider nicht so gut gelungen, wie es der Trailer vermuten ließ. Die Kostüme, die mise en scène und die Musik Tschaikowskys sind das Beste an dem Film. Aber die Handlung ist dünn, vorhersehbar und nicht immer schlüssig, die Figuren wie vom Reißbrett, die Story lieblos zusammengeschustert (als hätte ein Algorithmus das Ganze geschrieben), die Dialoge tumb und witzlos, und die Spannungskurve so flach wie die Berge Norddeutschlands.

Dabei wirkte es im Trailer so, als würde man hier einen bezaubernden Märchenfilm mit liebenswerten Figuren, knuffeligen Tieren und fantasievollen, zum Leben erweckten Spielfiguren zu sehen bekommen. Ein Film, der sowohl Erwachsene unterhält als auch Kinder in eine andere Welt entführt und zum Träumen einlädt. Aber stattdessen ist der Film anscheinend einfach so hingerotzt worden, auf Basis vergangener Erfolge ermittelte Faktoren klischeehaft widergegeben und das so hohl, wie die Zinnsoldaten es sind.

Fazit: Leider sehr enttäuschend, ich würde vom Kinobesuch abraten.

6. Aquaman

„Aquaman“ von James Wan bekommt von mir nur deshalb 2 Sterne, weil ich ihn mir noch schlimmer vorgestellt hatte, als er letztendlich war. Als handelsüblicher, überraschungsfreier Standard-Action-Comic-Kracher nach Schema F ist er dann doch einigermaßen passabel. Mehr sollte man aber nun wirklich nicht erwarten.

Was bekommt man zu sehen? Viel CGI-Effektegewitter, eine schicke Unterwasserwelt, viel Action, gaaanz viele Muskeln (mein Kumpel, der mit im Kino saß, meinte: „So müssen sich wohl Frauen fühlen, wenn makellose Bikinischönheiten über die Leinwand schweben“) und zumindest ein paar nette Gags. Von denen aber einige recht albern sind und sich seltsam mit dem ansonsten bierernsten Grundton und der oberflächlichen, aber holzhammermäßig vorgetragenen, Ökobotschaft beißen.

Die Besetzung ist erstklassig, bloß Amber Heard kann ich nicht leiden, aber sie macht ihre Sache OK. Willem Dafoe ist glaube ich ziemlich unterfordert, Nicole Kidman ebenso. Ansonsten ist das aber soweit in Ordnung. Und man muss auch sagen, dass das Drehbuch den Schauspielern eine ziemlich hanebüchene Handlung und teils strunzdumme Dialoge vorgesetzt hat.

Fazit: Muss man nicht gesehen haben, zumindest nicht im Kino.

5. Hostiles

„Feinde – Hostiles“ von Scott Cooper hat mich leider sehr enttäuscht. An der filmischen Umsetzung lag das nicht – die Bilder sind grandios, die mise en scène wirkt authentisch, die Atmosphäre passend dazu düster und staubig. Aber tolle Bilder machen eben noch keinen guten Film – Erzählkunst macht einen guten Film. Kommt beides zusammen, haben wir einen meisterhaften Film.

Jedenfalls krankt es in diesem Film am Erzählrhythmus und Erzähltempo – das Ganze ist viel zu lang und langatmig. Die Figurencharakterisierung gelingt nur bei der Hauptfigur – und ja, es gibt nur eine Hauptfigur, auch wenn die Story und das Plakat suggerieren, es gäbe zwei. Und das führt mich zu meinem nächsten, und wichtigsten Kritikpunkt: die Figurenkonstellation.

Da steckte so viel Potenzial in der Ausgangssituation, dass da zwei Menschen aufeinander treffen, die allen Grund haben, sich zu verabscheuen. Ein rassistischer, überzeugter Soldat, dem das Töten im Blut liegt und der fest daran glaubt, dass Weiße was Besseres sind als die amerikanischen Ureinwohner auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite ein amerikanischer Ureinwohner, dem von Leuten wie Blocker die Heimat, Freunde, Familie, die eigene Würde genommen wurden.

Aber in der Geschichte geht es schließlich nur um Blocker und um seine Entwicklung – die anderen Figuren sind nur Staffage oder Stichwortgeber oder dienen dem einzigen Zweck, Blocker zum Handeln zu bewegen beziehungsweise auf seine Handlungen zu reagieren.

Der Apachenhäuptling Yellow Hawk hingegen bleibt eindimensional und setzt Blocker kaum etwas entgegen. Er macht auch nicht wirklich eine Entwicklung durch. Er ist zunächst einfach still, dann geht er über in seine Funktion des weisen, alten Mannes, der versucht, den starrsinnigen Rassisten Blocker zur Vernunft zu bringen.

Man wollte wohl das Klischee des „edlen Wilden“ bedienen, der sich dennoch seiner Rolle als Untergebener in Bezug auf den weißen Mann bewusst ist und nicht versucht, aufzumucken. Das aber macht den Film zu einem quälend langweiligen Machwerk mit fragwürdigem moralischen Subtext.

Wenn man einen Film über zwei Feinde macht, die sich einander annähern, dann müssen auch beide Figuren stark sein. Es muss knallen. Da muss das volle Konfliktpotenzial genutzt werden. Wenn nur einer vor sich hin brummelt und der andere kommt ganz sachlich und respektvoll an, dann kommt man doch überhaupt nicht richtig in eine Handlung rein. Das ist dann genauso spannend wie die Kurztheaterstücke, die ich als Kind mit meinen Stofftieren erfunden habe und die folgendermaßen abliefen:

Kuschelschaf zu Stoffesel: „Wollen wir Freunde sein?“
Stoffesel zu Kuschelschaf: „Jaaaaaa!“
Kuschelschaf zu Stoffesel: „Juhuuuu!“

Die anderen Apachen bleiben im Übrigen blass und setzen den weißen Soldaten auch nichts entgegen. Ab und zu darf sich eine Nebenfigur ein bisschen kritisch dazu äußern, dass doch die Weißen den amerikanischen Ureinwohnern ihr Land weggenommen hätten, und sie selbst die Besatzer seien. Aber die Apachen selbst dürfen das nicht sagen.

Die Komantschen, die sich genauso brutal verhalten wie die Soldaten, werden als gesichtslose Monstren dargestellt, die nichts Menschliches mehr an sich haben. Dass sie sich vielleicht verteidigen und die Besatzer vertreiben wollen, die ihnen ihren Lebensraum wegnehmen wollen, wird nicht einmal in Erwägung gezogen. Und natürlich ist das kein Grund, Menschen so grausam abzuschlachten. Aber welchen Grund haben denn die Soldaten, diese Menschen zu quälen, zu demütigen und zu ermorden?

Die weibliche Hauptfigur ist von der Charakterisierung her nur wenig facettenreicher und spannender als die „edlen Wilden“. Erst ist sie nur trauernde Witwe und verwaiste Mutter. Dann ist sie die Sanftmütige, die das Herz des harten Soldaten ein wenig erweicht, und sich dazu herablässt, sich mit den Apachenfrauen ganz normal höflich und freundlich zu unterhalten und sich mit ihnen – zwar nicht auf Augenhöhe, aber immerhin – anzufreunden. Ach so, und dann darf sie auch noch beurteilen, dass Blocker ein guter Mann sei. Weil er – Mini-Spoiler – am Ende die richtigen Leute abschlachtet und nicht mehr die falschen.

Fazit: Dieser Film ist ein einziges Ärgernis, wenn auch in schönen Bildern.

4. Death Wish

„Death Wish“ von Eli Roth ist ein seltsamer Film, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er Drama, Action, Thriller, Torture Porn, Splatter oder Komödie sein soll. Die erste Hälfte nimmt sich Zeit, verläuft beinahe etwas zäh, und schildert den Chirurgen Paul Kersey als gewissenhaften, pazifistischen und professionellen Zeitgenossen, der sich nicht provozieren und aus der Ruhe bringen lässt.

Wir erfahren weiterhin, dass die Gewalt und Kriminalität in Chicago eskaliert und die Polizei hoffnungslos überfordert ist, und dass im Krankenhaus ständig irgendwer seinen Schussverletzungen erliegt. Das könnte man jetzt natürlich nutzen, um die laxen Waffengesetze in den USA zu kritisieren. Tatsächlich wirken die Szenen im Waffengeschäft auch so absurd, dass man darin ein Potential zu einer solchen Kritik sehen könnte.

Doch das passt überhaupt gar nicht zum „Nur ein guter Kerl mit Waffe kann einen schlechten Kerl mit Waffe aufhalten“-Narrativ, das den Film letztendlich dominiert. Dieser friedfertige, selbstbeherrschte Mann macht nämlich nach der Ermordung seiner Frau eine völlige Kehrtwende. Zunächst stutzt er noch ein wenig, als sein Schwiegervater mit seinem Gewehr Wilderern hinterherballert und sagt, ein richtiger Mann müsse das Gesetz in die eigene Hand nehmen, wenn die Polizei nicht aus dem Quark kommt.

Aber als ihm die Waffe eines toten Gangsters im Krankenhaus buchstäblich vor die Füße fällt, macht es in seinem Kopf „Puff“ und er mutiert zum Rächer. Mit Kapuzenpulli und der Waffe macht er sich auf den Weg in eine superüble Gegend, hält Ausschau nach irgendwelchen Übeltätern und schießt dann die erstbesten Autodiebe über den Haufen. Und nein, das war keine Notwehr, spätestens dann nicht mehr, als er dem einen Verbrecher mitten in den Kopf schießt.

Darob diskutiert die Öffentlichkeit allen Ernstes darüber, ob der Typ das darf. Die meisten finden es total klasse, dass ein einzelner Kerl sich über das Gesetz schwingt, um nach eigenem Gutdünken Menschen hinzurichten. Vielleicht muss man NRA-Mitglied oder US-amerikanischer Republikaner sein, um das nachvollziehen zu können. Einige Todesszenen sind dann aber auch schon wieder so übertrieben, dass es lustig war. Wobei einem das Lachen bei dem Kontext echt im Halse stecken blieb.

Am Ende kommt die Polizei dem einsamen Rächer natürlich auf die Schliche, weil – vergessen wir das nicht – er ja eigentlich ein friedliebender Arzt ist und kein Berufskiller, und sich dementsprechend ziemlich dusselig anstellt. Da sollte man meinen, dass die Polizisten ihn verhaften, er vor Gericht und ins Gefängnis kommt, weil er ein Mörder ist. Nö. Der Polizist klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Retten Sie weiter Leben, das können Sie gut.“ – Da ist mir echt die Kinnlade heruntergeklappt.

Fazit: Lohnt sich nicht, der Film ist im Grunde sehr ärgerlich, haarsträubend und moralisch völlig daneben. Die Handlungslogik ist ebenfalls vermurkst. Die Figurenentwicklung und Figurenmotivation erschließt sich wohl nur schießwütigen Republikanern. Gerade in Zeiten, in denen quasi jede Woche ein Amoklauf und Massenmord mit Schusswaffen durch die Medien geht.

3. Hereditary

„Hereditary“ von Ari Aster hat mich neugierig gemacht, weil die Kritiker sich auf der einen Seite vor Lob überschlugen, die Zuschauerkritiken hingegen einen unterirdisch schlechten Film versprachen. Und da dachte ich, das wird so ähnlich wie bei „mother!“, der Film ist entweder völlig krank, aber gut – oder richtig grottig. Und da ich ja in Besitz einer Kino-Abokarte bin, kostete es mich nichts, das herauszufinden.

Na jedenfalls war ich ziemlich enttäuscht, denn der Film ist bis kurz vor dem Ende durchschnittlich und banal. Die einzigen starken Momente gehören Toni Collette, die als trauernde Mutter, die an ihrem Verstand zu zweifeln beginnt, absolut überzeugt. In diesen Szenen funktioniert „Hereditary“ denn auch im Zusammenspiel mit Gabriel Byrne und Alex Wolff sehr gut als Familiendrama. (Auch wenn ich finde, dass Alex Wolff viel zu alt für die Rolle ist, man sieht ihm einfach an, dass er schon 20 ist und keine 16/17 Jahre)

Die Gruselelemente funktionieren teilweise auch ganz gut, ich hab mich ein paar Mal ganz schön erschrocken, und die unheimliche Atmosphäre hält zumindest solange an, bis der Film auf sein lächerliches Finale zusteuert. Mich hat sogar das permanente Unglücksgeraune und Bassgedröhne nur ein bisschen genervt, weil ich doch wissen wollte, worauf dieser Film eigentlich hinauswill.

Leider wussten die Macher das wohl selbst nicht so genau. Und so mäandert die Handlung vor sich hin, bis das Ganze dann mit einem Deus-ex-machina-Ende seinen misslungenen Abschluss findet. Immerhin hat der Schluss mir geholfen, mich zu entscheiden, wie ich den Film finde – nämlich schlecht. Weil’s aber vorher durchaus starke Momente gibt, erhält er immerhin 1,5 Sternchen.

Fazit: Den muss man sich nicht antun. Wer psychologisch feinsinnigen Grusel in Kombination mit einem Familiendrama sehen möchte, sollte sich lieber den großartigen „Babadook“ oder „Das Waisenhaus“ anschauen.

2. Mortal Engines – Krieg der Städte

„Mortal Engines“ von Christian Rivers versucht, in die Fußstapfen der „Hunger Games“-Reihe zu treten – und scheitert damit kläglich. Dabei stimmen die Voraussetzungen: eine dystopische Welt mit spannender Hintergrundgeschichte, eine stimmungsvolle mise en scène, tolle Kostüme, stylisher und cooler Steampunk-Look und keine allzu schlechten Schauspieler. Da müsste man doch was draus machen können, sollte man meinen.

Oder man pfeift komplett auf dramaturgischen Spannungsaufbau, erzählerische Stringenz, logische Handlungsstränge und vielschichtige Figuren und fährt so das ganze Potenzial mit Karacho in die Grütze. Und genau das ist hier passiert. Bleibt man anfangs noch neugierig, wie sich die Geschichte entwickelt und was alles dahintersteckt, weicht das anfängliche Interesse zunächst Konfusion und dann einer geradezu peinlichen Vorhersehbarkeit, um dann am Ende in Kitsch und Platitüden zu versumpfen.

Ich hatte am Anfang Schwierigkeiten, reinzukommen, weil alles recht hektisch durcheinander und viel zu schnell ging. Aber da konnte man wenigstens noch hoffen, dass sich das im Laufe der Handlung einpendelt, aufklärt und den Anfang einer Spannungskurve bildet. Aber dann konnte man die überraschend gemeinten Wendungen und Auflösungen von Rätseln schon drei Meilen gegen den Wind riechen – musste dann aber noch ewig warten, bis das Offensichtliche dann auch auf der Leinwand gezeigt wurde. Schnarch. Der Rhythmus der Erzählung war einfach hinten und vorne nicht stimmig und völlig unausgewogen.

So, das ist aber noch nicht alles. Diese Dialoge!!! Auweia! Captain Obvious trifft Disneyfilm. Dann hält sich zum Beispiel jemand gerade gut an etwas fest, um nicht herunterzufallen. „Halt dich gut fest!“, wird ihm dann geraten. Oder: „Ich kann das Ding nicht anhalten, die Bremsen sind kaputt!“ – „Du musst das Ding anhalten!“ (Ach, nee). Oder: „Lass uns irgendwohin fliegen!“ – „Ich folge dir überall hin!“ Und. So. Weiter.

Einen Pluspunkt habe ich dennoch: Die Haare von Anna Fang. Supercoole Frisur, will ich auch haben.

Fazit: Wer sich an Logiklöchern, dummen Dialogen, flachen Figuren, fehlender Spannungskurve und misslungenem Erzählrhythmus nicht stört, und Steampunk-Look liebt, dürfte diesem Film etwas abzugewinnen wissen. Ansonsten würde ich eher davon abraten.

1. Johnny English 3

„Johnny English – Man lebt nur dreimal“ von David Kerr ist eine lahmarschige, trutschige Agentenparodie mit einem gealterten Mr. Bean, bei der ich diverse Male eingenickt bin. Alle Gags – von denen die besten schon im Trailer verbraten wurden – laufen nach dem gleichen Schema ab: Jemand warnt Johnny English vor irgendwas, er sagt „Ach Quatsch, das passiert schon nicht, ich weiß Bescheid“ und dann passiert das doch. So riecht man den nächsten Witz dann auch schon 10 Minuten vorher und muss dann aber noch diese 10 Minuten warten, bis die Geschichte weitergeht. Wobei die auch echt nicht spannend ist. Wer der Bösewicht ist, ist schnell klar, trotzdem muss man noch 90 Minuten Klamauk ertragen, bis der endlich gefasst wird.

Währenddessen schlüpft Rowan Atkinson, der normalerweise ein hervorragender Schauspieler ist (wer „Black Adder“ noch nie gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen) von einem albernen Kostüm ins nächste, hampelt von einer peinlichen Situation in die nächste, tanzt sehr schlecht, sodass man sich etwas Sorgen um seinen Rücken macht, und rettet dann am Ende mal wieder das Vereinigte Königreich. Das alles in einem schleppenden Erzähltempo.

Einziges Highlight: Emma Thompson als Premierministerin. Sie erinnert ein wenig an Theresa May und hat sichtlich Spaß an ihrer Rolle.

Fazit: Den Film kann man sich sparen. Da sollte man lieber die alten Mr. Bean-Sketche noch mal anschauen.

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92. Stück: Kinojahresrückblick 2018 – die besten Filme und Animationsfilme

Ihr Lieben,

es ist wieder Zeit für meinen mittlerweile traditionellen Kinojahresrückblick. Zuerst stelle ich euch die Spielfilme und Animationsfilme des Jahres 2018 vor, die mir am besten gefallen oder mich am tiefsten berührt haben. Auf geht’s:

Die besten Spielfilme 2018:

10. Anna und die Apokalypse

„Anna and the Apocalypse“ von John McPhail ist ein wunderbarer Film. Witzig, aber auch berührend, mitreißende Musik und eine spannende Handlung. Das macht einfach Spaß. Gesehen habe ich den Film auf dem Fantasy Film Fest in Hamburg. Zum Glück scheint es ja auch einen regulären Starttermin in den deutschen Kinos zu geben – dann kann ich ihn mir noch mal ansehen.

Fazit: Unbedingt sehenswert!

(Edit: Ich habe den Film tatsächlich im Dezember noch einmal gesehen und beschlossen, ihn auch in meine Liste von Lieblingsweihnachtsfilmen aufzunehmen. Der ist einfach toll!)

9. I, Tonya

„I, Tonya“ von Craig Gillespie ist kein nüchternes Biopic, sondern erzählt die Geschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding auf humorvolle (fast schon sarkastische) und trotzdem berührende Art und Weise. Obwohl eigentlich alle Beteiligten an der Affäre rund um die Attacke auf Hardings Konkurrentin Nancy Kerrigan sowie auch Kerrigan selbst mehr oder weniger ziemliche Arschlöcher sind, wirken alle Figuren irgendwie sympathisch. Sogar die fürchterliche Mutter, die ihre Tochter wie eine Sklaventreiberin drillt und ihr jedes Selbstwertgefühl zerschmettert, kann den Zuschauer davon überzeugen, es gut gemeint zu haben.

Das ist nicht nur dem tollen Drehbuch und der großartigen Regie zu verdanken, sondern vor allem den grandiosen Schauspielern, die diese Figuren mit Leib, Seele und Leben füllen. Margot Robbie spielt einfach zum Niederknien und man vergisst völlig, dass man es nicht mit der echten Tonya Harding zu tun hat. Mal wirkt sie trotzig und pampig und ungerecht, dann wieder fiebert man mit ihr mit und wünscht sich nur das Beste für sie, mal rührt sie einen zu Tränen. Allison Janney, die Mutter, hat den Oscar völlig zu Recht als beste Nebendarstellerin bekommen. Wie es ihr gelingt, durch diese harte, sadistische, völlig verkorkste Schale doch noch hin und wieder einen winzigen Funken Mitgefühl für ihre Tochter aufblitzen zu lassen, ist einfach toll.

Doch auch die Männer in der Geschichte – allesamt absolute Volltrottel und Totalversager – scheinen es nie böse zu meinen, obwohl sie wirklich schreckliche Dinge tun. Selbst der prügelnde Ehemann schafft es, dass man zwischendurch fast ein bisschen Mitleid mit ihm hat.

Ganz nebenbei ist „I, Tonya“ aber auch eine Kritik an den elitären Strukturen hinter den Kulissen des Eiskunstlaufsports sowie an den elitären Strukturen in der Gesellschaft überhaupt. Es klingt zwar etwas patzig und kindisch, wenn Tonya sich beklagt, sie würde von der Jury schlechter bewertet als ihre Mitstreiterinnen, weil ihre White-Trash-Herkunft nicht in das schicke, tadellose All-American-Family-Image passt, das die Verantwortlichen gern transportieren müssen. Doch ein kurzes Gespräch mit einem Jurymitglied offenbart: sie hat völlig recht.

Ich kann mich sogar noch ein wenig an die Geschichte damals 1994 erinnern. Meine Eltern waren Team Nancy und konnten Tonya Harding nicht ausstehen. Jetzt in dem Film quasi ihre Seite der Geschichte zu sehen, war spannend, denn auch ich hatte mich von den Vorurteilen beeinflussen lassen.

Fazit: Sehenswert! Nicht verpassen!

8. BlackKklansman

„BlacKkKlansman“ von Spike Lee ist eine gelungene Satire, bei der einem das Lachen im Halse steckenbleibt. An der Oberfläche ist der Film lässig und witzig – aber die Geschichte, die er erzählt, ist bitterer Ernst. „BlacKkKlansman“ zeigt, wie aus (von den Betroffenen durchaus gut gemeinter) Ideologie Fanatismus wird.

Die Gestalten, die beim Ku Klux Klan mitmischen, werden dabei, wie ich finde, recht differenziert dargestellt. Da hat man die klassische Dumpftröte, verfressen und alkoholabhängig. Den hasserfüllten Irren, der zwar intelligent, aber vollkommen verblendet ist in seinem Fremdenhass. Den Intellektuellen, der rational erklärt, es gäbe nun einmal unterschiedliche Rassen, die unterschiedlich weit entwickelt sind, und wenn man das vermischt, brächte man die ganze „natürliche Ordnung“ durcheinander und das wäre eine Katastrophe. Man kann kritisch anmerken, dass zwar die Bandbreite an Ku Klux Klan-Mitgliedern differenziert dargestellt wird, die einzelnen Mitglieder es aber an Tiefgang vermissen lassen – aber mich hat das jetzt nicht gestört.

Die Black-Power-Bewegung wird im Gegensatz dazu eher als Bewegung in ihrer Gesamtheit dargestellt. Als Einzelmitglied lernt man nur Patrice etwas näher kennen. Aber meiner Meinung nach reicht das trotzdem, um den Ku Klux Klan und die Black-Power-Bewegung einander gegenüber zu stellen, und aufzuzeigen, wie Fanatismus entstehen und Ideologie zu Gewalt führen kann.

Wie aktuell das Ganze noch immer ist, macht das Ende schließlich deutlich.

Fazit: Lohnt sich!

7. The Disaster Artist

„The Disaster Artist“ von und mit James Franco ist ein irrwitziger Spaß, der die Geschichte rund um den wohl schlechtesten Film aller Zeiten – „The Room“ von und mit Tommy Wiseau – erzählt. Tommy ist ein mysteriöser, durchgeknallter Typ, von dem niemand weiß, woher er kommt, wie alt er ist und womit er sein Geld verdient. Er taucht irgendwann in der Schauspielschule von Greg Sestero auf, einem jungen, naiven und etwas schüchternen Schauspielschüler. Beide träumen von der großen Filmkarriere, aber wie Gregs Mutter es so treffend sagt: „Dafür braucht man Kontakte, man braucht Glück – und Talent.“

Autsch. Aber Tommy und Greg lassen sich nicht unterkriegen und beschließen irgendwann, ihren eigenen Film zu drehen: „The Room“. Es stellt sich heraus, dass Tommy offenbar steinreich ist, und so kauft er kurzerhand das beste Filmequipment, das es auf dem Markt gibt, mietet ein Filmstudio, engagiert Schauspieler und eine komplette Filmcrew … und dann geht’s los.

Die Dreharbeiten sind so chaotisch wie nur irgend möglich. Die Schauspieler wissen überhaupt nicht, was Tommy als Regisseur von ihnen will, was die Motive ihrer Figuren sein sollen, worum es in der Geschichte überhaupt geht, und was zum Teufel sie da eigentlich genau machen. Aber sie sind jung, brauchen das Geld und ertragen die Launen des doch sehr cholerischen Tommy. Wer den Film „The Room“ vorher gesehen hat, weiß, dass man ihm in jeder Sekunde ansieht, dass die Schauspieler nicht die geringste Ahnung haben, was sie gerade tun, sich aber nach Kräften bemühen, das Beste draus zu machen – und das ist immer noch echt mies.

Für den Zuschauer aber ist das urkomisch. Man leidet zwar mit den Schauspielern und der Filmcrew mit (insbesondere, wenn man selbst mal in der Branche gearbeitet oder sich selbst mal als Schauspieler versucht hat), aber das Ganze ist so absurd, dass man einfach lachen muss. Das ist ja manchmal so, dass eine Situation so furchtbar und irrsinnig ist, dass man die Wahl hat, darüber den Verstand zu verlieren oder darüber zu lachen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man den Film genauso lustig findet, wenn man „The Room“ noch nie gesehen hat oder wenn man noch nie irgendetwas mit Filmen oder Schauspielern zu tun hatte … möglicherweise findet man ihn dann trotzdem noch unterhaltsam, aber man kriegt nicht alle Anspielungen und Gags mit. Daher denke ich, der Film ist nicht unbedingt für jeden etwas.

Fazit: James Franco, sein Bruder Dave und sein Kumpel Seth Rogen sind im „Disaster Artist“ in absoluter Höchstform. Den Film sollte man nicht verpassen. Aber es empfiehlt sich, vorher „The Room“ zu schauen – auch, wenn der wirklich fürchterlich ist.

6. Animal World

„Animal World“ von Han Yan ist völlig durchgeknallt – und richtig gut! Was sich zunächst wie eine Art „Fight Club“ auf Koks anbahnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen Film, der sich keinem Genre zuordnen lässt.

Und gleichzeitig ist der Film ein Feuerwerk der Erzählkunst und fordert den Zuschauer mit mentalen Metadiegesen (Visionen, Tagträumen der Hauptfigur), einem unzuverlässigen Erzähler, der immer wieder betont, er sei verrückt – dabei aber fast am normalsten wirkt im Vergleich mit den anderen Figuren -, Allegorien (das Geschehen auf dem Schiff und das Spiel sind eine klare Kritik am Raubtierkapitalismus und an der daraus resultierenden Ungleichheit zwischen Arm und Reich), raffinierten Finten und einer fesselnden Spannungskurve sowie einem furiosen Erzählrhythmus. Da kann einem zwischendurch fast ein wenig schwindelig werden bei dem Tempo. Trotzdem kann man der Handlung stets gut folgen und man fiebert mit der Hauptfigur mit.

Es soll wohl noch eine Fortsetzung dieser chinesischen Manga-Verfilmung geben – ich bin schon gespannt und freu mich drauf.

Fazit: Sollte man sich nicht entgehen lassen, sobald sich die Gelegenheit bietet, ihn zu sehen.

5. Shape Of Water

„Shape of Water“ von Guillermo del Toro ist ein großartiger Film. Wie bereits in „Pans Labyrinth“ nutzt del Toro Märchen- und Fantasymotive, um eine Geschichte menschlicher Grausamkeit und Niedertracht zu erzählen. Dieses Mal befinden wir uns aber nicht im Spanien Francos während des zweiten Weltkriegs, sondern im Amerika der 50er Jahre zu Zeiten des Kalten Kriegs.

„Shape of Water“ kommt teilweise etwas witziger daher als „Pans Labyrinth“, doch die menschlichen Grausamkeiten gehen einem nicht minder an die Nieren. Mit welcher Arroganz, Hybris und widerwärtiger, kotzbröckiger Selbstherrlichkeit hier die Machthabenden (Männer und das Militär) mit Andersartigen und Untergebenen umgehen, ist nur schwer zu ertragen. Da bleibt einem das eine oder andere Lachen im Hals stecken. Wäre die märchenhafte Ausstattung, Musik und Erzählweise nicht, würde man es wohl gar nicht aushalten, wenn man auch nur einen Funken Menschlichkeit besitzt.

So aber entlarvt del Toro menschliche Abgründe, ohne seine Figuren explizit zu verdammen oder an den Pranger zu stellen. Sie sind Menschen und sie tun absolut furchtbare Dinge aus Machtgier und Versagensängsten. Währenddessen wachsen die stumme Elisa, ihre Freundin Zelda und ihr bester Freund und Nachbar Giles über sich hinaus, um der Liebe und der Gerechtigkeit eine Chance zu geben.

Ein bisschen schade ist, dass das Ende ein kleines bisschen schief und überzuckrig geraten ist. Das passt nicht so hundertprozentig zum restlichen Film. Aber vielleicht ist das auch in Ordnung so …

Fazit: Nicht verpassen! Und Taschentücher einpacken!

4. Lady Bird

„Lady Bird“ von Greta Gerwig ist ein wunderbar tragikomischer Coming-of-Age-Film, der einem das Leben des ärmeren Teils der amerikanischen Bevölkerung vor Augen führt. Dabei rutscht er nie in Rührseligkeit ab – dafür sorgt der trockene, nüchterne Humor. Die Schauspieler füllen ihre Rollen voller Hingabe und Begeisterung mit Leben und harmonieren so schön im Ensemble miteinander, dass es ganz natürlich wirkt.

Fazit: Ein toller Film, solte man nicht verpassen!

3. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

„Three Billboard Outside Ebbing, Missouri“ von Martin McDonagh ist ein ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Film, der sich keinem Genre zuordnen lässt. Der lakonische Humor ist tiefschwarz gefärbt. Mal bleibt einem das Lachen im Hals stecken, dann wieder prustet man los, weil die Situation so absurd oder ein Spruch so ehrlich und trocken ist. Unter der komischen Oberfläche steckt die Geschichte aber voller kleiner Tragödien und Schicksalsschläge. Der Mord an Mildreds Tochter ist dabei nur einer davon. Jeder hat sein Päckchen zu tragen.

Aber – und das ist das Schöne an diesem Film, deren Figuren mit ihrem Facettenreichtum wie aus dem Leben gegriffen wirken – jeder trägt sein Päckchen so gut er kann, gibt sich Mühe, das Beste aus dem zu machen, was der Zufall ihm vor die Füße geworfen hat. Und jeder versucht im Grunde, Frieden zu finden und mit der eigenen Wut irgendwie zurechtzukommen. Das ist mal urkomisch, mal rührend, aber immer menschlich.

Fazit: Ein wunderbarer Film, den man nicht verpassen sollte.

2. A Quiet Place

„A Quiet Place“ von John Krasinski ist ein nervenzerreißender Horrorfilm, der seine Spannung vollständig aus seiner Prämisse zieht: Mach kein Geräusch, sonst stirbst du. Lange habe ich nicht mehr in einem Gruselfilm gesessen und so den Atem angehalten, mich so in die Sessellehnen verkrallt und mich bei jedem Laut so erschrocken wie hier. Schauspielern, Regie, Ton und Kamera gelingt es mit relativ einfachen Mitteln, eine unheimliche Atmosphäre ständiger Bedrohung und eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen, die einem zeitweilig das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Hinzu kommt, dass die Figuren und die Figurenkonstellation so aufgebaut sind, dass man sofort mit ihnen mitfühlt – das hervorragende Schauspiel tut sein Übriges.

Sicher kann man kritisieren, dass in diesem Film nicht viel passiert. Die Handlung besteht ja im Grunde darin, eine einzige Sache nicht zu tun, und das ist Krach. Es ist also vielmehr eine Nichthandlung, die die Story bestimmt. Das kann man doof finden, aber ich fand’s genial. Das funktioniert aber auch nur, weil der Erzählrhythmus darauf abgestimmt ist. Wenn man jetzt zum Beispiel ohne Schnitt, ohne Musik, ohne Nahaufnahme in der Totalen 10 Minuten lang eine Person zeigt, die nur dasitzt und Kuchen isst, wie bei „A Ghost Story“, funktioniert dieses Prinzip der Spannung durch Nichthandlung in keinster Weise.

Fazit: Ein großartiger Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Der Junge muss an die frische Luft

„Der Junge muss an die frische Luft“ von Caroline Link ist einfach rundum gelungen und ist mir richtig ans Herz gegangen. Man vergisst sogar die nervigen Popcornraschler, Dauermurmler, Von-hinten-in-den-Sitz-Treter und Lunge-aus-dem-Leib-Huster im Publikum, weil dieser Film den Zuschauer voll und ganz aufnimmt und in das Ruhrgebiet der 70er Jahre entführt.

Und was für ein tolles Ensemble da ein Fest der Schauspielkunst zelebriert, ich bin absolut begeistert. Allen voran der kleine Julius Weckauf als Hape ist einfach ein Naturtalent. Dabei habe ich heute Morgen noch in einem Interview gelesen, dass der Kleine gar nicht unbedingt Schauspieler sein will, sondern gern Gemüse anbaut und später Bauer oder Gärtner werden will. Sympathisch ist der Junge also auch noch.

Lachen und Weinen liegen hier sehr nah beieinander und manchmal passiert auch beides gleichzeitig. Die Figuren sind allesamt so liebenswert mit ihren Eigenarten, dass man gar nicht anders kann, als sie ins Herz zu schließen, und sich für die Dauer des Films vorzustellen, man wäre Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Nicht verpassen!

Die besten Animationsfilme 2018:

5. Cinderella The Cat

„Cinderella The Cat – La Gatta Cenerentola“ von Ivan Cappiello und Co. macht es einem am Anfang etwas schwer, in die Geschichte hineinzufinden – aber dann zieht einen die eigenwillige Optik doch in ihren Bann. Die etwas kantig gezeichneten und leicht ruckelig animierten Figuren entwickeln einen schrägen Charme, die Atmosphäre wirkt verträumt, melancholisch, aber auch etwas düster und unheimlich. Und dann ist da noch die Musik: wehmütig und sehnsüchtig auf der einen Seite, aber auch ironisch und humorvoll auf der anderen Seite.

Fazit: Ich denke, es lohnt sich, den Film mehr als einmal zu sehen, um sich wirklich darauf einzulassen und die Details voll zu erfassen. Aber auch beim ersten Mal fand ich ihn schon toll!

4. Spiderman: A New Universe

„Spider Man: A New Universe“ von Bob Persichetti und Co. ist ein visuell herausragender Animationsfilm und eine wunderbare Hommage an die amerikanische Comic- und Cartoontradition. Die leicht ruckelige, abgehackte Animation am Anfang ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, ebenso die kantige Optik im Siebdruck-Stil der Figuren – aber dann fühlt man sich kurze Zeit später mitten in das Comic-Multiversum der Spideys hineingezogen.

Die Story ist spannend erzählt und für eine Superheldengeschichte originell und einfallsreich. Spaß machen die vielen unterschiedlichen Spideys, die Dynamik zwischen ihnen und ihre leicht unterschiedlichen Werdegänge – die wiederum voller witziger Anspielungen an die Geschichte des Trickfilms und der Superheldenfilme stecken. Überhaupt kommt der Humor nicht zu kurz. Wobei ich mir vorstellen kann, dass der Film für ein erwachsenes Publikum amüsanter ist als für Kinder. Teenager finden in Miles und Gwen sicher noch Identifikationspotenzial, aber jüngere Kinder dürften sich eher langweilen.

Fazit: Also ich bin begeistert! Lohnt sich!

3. Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft

„Mirai – das Mädchen aus der Zukunft“ von Mamoru Hosoda ist ein wunderschön, detailreich animierter und virtuos gezeichneter Film, dem man ansieht, dass er mit viel Liebe und Hingabe gemacht wurde. Die Handlung ist im Prinzip unterkomplex: Ein kleiner Junge bekommt ein Schwesterchen und wird eifersüchtig, als seine Eltern dem Baby ihre ganze Aufmerksamkeit schenken. Er fühlt sich vernachlässigt, langweilt sich, weil seine Schwester noch viel zu klein ist, um mit ihr zu spielen, und plötzlich ist nicht mehr er der Niedlichste in der Familie, sondern sie. Gemeinheit.

Diese einfache Handlung wird jedoch mit Fantasyelementen kombiniert. Kun, so heißt der kleine Junge, begibt sich auf mehrere Zeitreisen und lernt dabei seine Schwester als Teenager, seine Mutter als Kind und seinen Urgroßvater als jungen Mann kennen. Dabei wird ihm klar, dass er sich mit seinem Trotz und seinem Schmollen selbst im Weg stand, er lernt Toleranz und die Liebe zu seiner Familie. Gut, es ist ein bisschen sentimental und vielleicht ein wenig bieder, aber trotzdem geht einem dabei das Herz auf.

Was ich außerdem spannend fand, war, dass man merkt, wie viel Menschen im Kern eigentlich gemeinsam haben, egal, woher und aus welcher Kultur sie kommen. Überall auf der Welt gibt es Familien, die mit der Vereinbarkeit von Kindern, Beruf und Beziehung kämpfen, gibt es Geschwister, die sich erst nicht ausstehen können, und später doch einen versöhnlichen, friedlichen Umgang miteinander lernen. Ich persönlich fand es außerdem interessant, mal die Perspektive des Erstgeborenen zu sehen und nachvollziehen zu können. Als Nesthäkchen in der Familie weiß man ja nicht, wie das ist, wenn man erst lernen muss, die Fürsorge und Aufmerksamkeit der Eltern mit einem Geschwisterchen zu teilen.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Vor allem, wenn man selbst Geschwister, Kinder, Nichten und Neffen hat, dürfte man sich in der Geschichte wiederfinden.

2. Isle Of Dogs

„Isle of Dogs – Ataris Reise“ von Wes Anderson ist ein wunderbar schräger Stop-Motion-Animationsfilm voller skurriler Einfälle und liebenswerter Figuren. Der Humor lockert die eigentlich ziemlich üble Geschichte um Hunde, die vorgeblich wegen einer grippeähnlichen Seuche namens Schnauzenfieber auf eine Müllinsel deportiert werden, auf. Running Gags wie die Abstimmungen im Hunderudel oder die Tratschlust der Vierbeiner, sobald ein neues Gerücht die Runde macht, sorgen zwischendurch immer wieder für Lacher.

Unter der Oberfläche aber ist „Isle of Dogs“ auch eine Parabel auf die Manipulationstechniken und Propagandamechanismen machthungriger Politiker. Für die Seuche gibt es bereits nach kurzer Zeit ein Heilmittel. Aber die Machthaber brauchen einen Sündenbock – in diesem Fall die Hunde -, um von ihren eigenen Schandtaten und Vergehen abzulenken und die Bevölkerung auf Linie zu halten. Das alles funktioniert jedoch ganz ohne Holzhammer oder erhobenen Zeigefinger. Die ganze Zeit bleibt der Film in einem märchenhaften, verspielten Tonfall.

Ein bisschen unfair fand ich als Katzennärrin, dass die Samtpfoten in dem Film nicht sehr gut wegkommen. Sie leisten den Machthabern Gesellschaft, genießen ihre Vormachtstellung, und lassen ihre Herrchen und Frauchen ohne zu zögern im Sticht, wenn’s Schwierigkeiten gibt. Das dürfte Vorurteile gegenüber den Stubentigern, die viele Menschen pflegen, die keine Ahnung von Katzen haben und wahrscheinlich selbst nie eine hatten, nicht gerade abbauen. Hunde sind treu und loyal, Katzen sind hinterhältige Opportunisten.

Das finde ich ein wenig schade, dass das in einem Film so vorkommt, der eigentlich aufzeigt, wie weit Vorurteile gehen können, wenn man sie nicht hinterfragt. Aber gut, das ist nur ein Randaspekt, der vermutlich kaum jemandem auffallen wird. Und es geht in dem Film nun mal eben auch nicht um Katzen, sondern um Hunde. Also ist das ein bisschen so, wie wenn man „Fight Club“ Frauenhass vorwirft, nur weil’s in dem Film um Männer und ihre Probleme geht, nicht um Frauen. Trotzdem wollte ich es mal angemerkt haben :-

Fazit: Ein toller Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Your Name

„Your Name“ von Makoto Shinkai ist einfach ein wunderbarer Film. Hinter dem Coming-of-Age-Plot mit leichtem Fantasy-Einschlag verbirgt sich eine poetische Geschichte, die philosophische Fragen stellt, ohne jemals ins Kitschige abzudriften. Die liebenswerten Figuren sind vielschichtig gestaltet und man vergisst zwischenzeitlich, dass es sich um Zeichnungen handelt, weil sie so echt wirken, als könnte man sie kennen.

Die visuelle Umsetzung ist grandios, die Bilder so schön, dass man darin versinken möchte. Obwohl am Anfang noch etwas unruhig durch Zuspätkommer und Popcornmampfer, war es nach kurzer Zeit mucksmäuschenstill im ausverkauften Kinosaal. Das habe ich so noch nicht erlebt.

Schade, dass „Your Name“ nicht im regulären Kinoprogramm läuft, sondern nur in vereinzelten Sondervorstellungen. Es ist zwar wohl ein US-Remake geplant, aber die Amis kriegen das garantiert nicht so gefühlvoll, tiefgründig, menschlich und poetisch hin.

Fazit: Wer die Chance dazu bekommt, den Film zu sehen, sollte das tun. Sonst hat man wirklich etwas verpasst.

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90. Stück: Kinojahresrückblick 2017 – Die 10 schlechtesten Filme

Zu einem zünftigen Kinojahresrückblick gehören natürlich auch die Filmflops 2017. Auf geht’s!

10. Atomic Blonde

„Atomic Blonde“ von David Leitch hat mich nicht so vom Hocker gehauen. Der Soundtrack war ganz cool, aber anders als der Trailer es vermuten ließ, wird nicht ein 80er-Kracher nach dem nächsten rausgehauen, sondern es werden nur einzelne Szenen mit Musik untermalt. Das sind dann aber auch die Highlights dieses insgesamt eher mauen Thrillers. Gut, Charlize Theron ist schon eine coole Socke und als Top-Agentin überzeugend. James McAvoy spielt den durchgeknallten, zwielichtigen Percival auch ganz gut. Sofia Boutella darf hübsch aussehen und macht das prima.

Die mise en scène kann man auch noch lobend hervorheben, die ist wirklich sehr stylish, ebenso die Kostüme (da habe ich 1989 modisch aber gaaanz anders in Erinnerung). Na ja. Aber da hört es dann halt leider auch schon auf. Man wollte wohl eine raffiniert vertrackte Story voller überraschender Wendungen und Ränkespiele inmitten des ausgehenden Kalten Kriegs zeigen. Darüber hat man aber offenbar völlig vergessen, sich mit der Figurenzeichnung etwas Mühe zu geben. Die Akteure wirken alle holzschnittartig, schablonenhaft und flach. Sie erzeugen keinerlei Sympathie oder Antipathie, es ist einem wurscht, was mit ihnen passiert.

Und dann kann noch so viel in einer Geschichte passieren – wenn es einem wurscht ist, wem dieser ganze Kladderadatsch widerfährt, ist einem auch die Handlung wurscht und dann kann man den Film insgesamt spannungsmäßig in die Tonne kloppen.

Fazit: Hübsche Fassade, nicht viel dahinter. Muss man nicht gesehen haben. Schade.

9. A Cure for Wellness

„A Cure for Wellness“ von Gore Verbinski glänzt mit tollen Bildern und enttäuscht mit einer mauen, wirr erzählten Story. Das ist schon wieder so ein Film, der nicht für normale Zuschauer, sondern für Filmstudenten gemacht ist, die ein Hausarbeitsthema brauchen. Zu analysieren und interpretieren gibt es viel: die Symbolkraft der Bilder und Motive, die intertextuellen Verweise auf Thomas Manns „Der Zauberberg“ (unerträglicher Schinken, nebenbei bemerkt) und Franz Kafkas „Das Schloss“ (merkwürdig und rätselhaft, bricht mittendrin ab und hinterlässt den Leser ratlos). Man kann auch das Genre Gothic Novel darin wiederfinden und einen Bezug zur schwarzen Romantik und den „Nachtstücken“ von E. T. A. Hoffmann herstellen, wenn man es drauf anlegt. Nicht zuletzt ist der Film außerdem eine Coming-of-Age-Geschichte und enthält etwas Sozialkritik, da der junge Lockhart das seelenlose Karrierestreben verkörpert, das die ganze Welt 2008 in die Finanzkrise stürzte und immer noch besteht. Durch die Konfrontation mit den Patienten des Sanatoriums erkennt er dann aber, was wirklich zählt, wächst über sich hinaus, lernt wieder zu leben und bla.

Das alles ist ja ganz hübsch. Aber es ist auch prätentiös, überambitioniert, eitel und selbstverliebt. Die Handlung und Logik der Erzählung und erzählten Welt bleiben dabei genauso auf der Strecke wie Spannung und Unterhaltung. Und nein, Unterhaltung und Anspruch schließen sich nicht zwingend aus, wie zum Beispiel der atmosphärisch und in Grundzügen der Geschichte ähnliche Film „Shutter Island“ gezeigt hat. In diesem Fall aber sieht man den Anspruch und die Mühe der Macher, aber es gibt immer wieder Szenen, die für die Handlung keine Rolle spielen und von der Folgerichtigkeit der erzählten Welt her widersprüchlich sind. Wahrscheinlich wollte man das Unheimliche der Geschichte betonen und deswegen ein paar ambivalente Bilder mittenhinein klatschen, aber gerade wenn man Ambivalenz herstellen will, muss man auf Logik achten.

Wenn eine Interpretationsmöglichkeit (z. B. „war alles nur geträumt“) genauso viel Sinn ergibt, wie eine dem entgegengesetzte Interpretationsmöglichkeit (z. B. „war alles Realität“), dann entsteht Ambivalenz, das Unheimliche, und das ist spannend. In diesem Fall aber gab es zum Ende nur eine schlüssige Interpretationsmöglichkeit und dass da zwischendurch noch ganz plump versucht wurde, eine weitere Interpretation zu ermöglichen, wirkte einfach nur gewollt und konstruiert.

Fazit: Kann man sich sparen. Es sei denn, man ist Filmstudent und auf der Suche nach einem Hausarbeitsthema.

8. A Ghost Story

„A Ghost Story“ von David Lowery ist der zweite Film dieses Jahr, den ich vorzeitig verlassen habe. Insofern als kleine Einschränkung, bevor ich diese Entscheidung begründe, meine Kritik wird sehr subjektiv. Objektiv betrachtet lässt sich sagen, dass Filmkritiker und Filmwissenschaftler den Film bestimmt klasse finden. Aus künstlerischer Sicht gibt es nichts zu meckern, die Erzählweise, die Inszenierung, die Kameraführung und Filmsprache sind ästhetisch schon … interessant. Na ja, aber wie das auch bei Essen ist, das interessant schmeckt, … dieser Film ist einfach sterbenslangweilig.

Es gibt keinerlei Möglichkeit, sich in die Figuren einzufühlen – sie haben noch nicht einmal Namen – die Kamera stellt sich irgendwo hin und filmt dann kommentarlos, was passiert. Problem: Es passiert nichts. Oder fast nichts. Wir sehen ein stinknormales Pärchen, das sich offenbar liebt, aber nicht auf eine außergewöhnliche Art und Weise, sondern ganz normal, wie im richtigen Leben. Gut, Realismus, Authentizität, Bla. Aber wenn ich das richtige Leben haben will, dann gehe ich nicht ins Kino, sondern vor die Tür.

Dann gibt es kaum Dialoge, die Kamera zeigt minutenlang (gefühlt stundenlang) dieselbe Einstellung, ab und zu latscht dann mal einer der Schauspieler ins Bild und wieder hinaus, und es wird seeehr viel geschwiegen. Schon klar, das soll dann poetisch sein oder so. Aber die besten Gedichte sind kurz. Das ist ja gerade der Witz an Lyrik. Also, der Film wäre sicherlich genauso künstlerisch ansprechend, dafür aber einigermaßen unterhaltsam gewesen, hätte man ihn auf 10-15 Minuten heruntergekürzt.

Musik gibt es auch kaum, was ja nicht unbedingt ein Manko sein muss, aber da in diesem Film einfach mal gar nichts passiert, hätte man sich doch über ein paar traurigschöne Melodien mehr gefreut.

Die Schauspieler spielen gut, aber sie spielen halt für sich und nicht fürs Publikum. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass der Film für die Schauspieler und den Regisseur, vielleicht noch für die Kritiker und Filmwissenschaftler gemacht wurde – aber nicht für die Zuschauer. Der Unterhaltungswert geht gegen Null, die 1,5 Sternchen gibt’s für die interessante Ästhetik.

Jedenfalls, als Rooney Mara dann 15 Minuten lang einen Kuchen aß und es hörte einfach nicht auf und sie isst ohne Scheiß den ganzen verdammten Kuchen auf!!! Dann sind wir gegangen. In dem Moment hat sie zwar den Kuchen aufgegessen und schickte sich an, selbigen ins Klo zu reihern, aber da waren wir dann schon zu dem Schluss gekommen, dass es wohl in diesem unerträglich langatmigen Stil weitergehen würde – und haben uns auf den Heimweg gemacht.

Fazit: Wenn man den Trailer gesehen hat, muss man den Film nicht mehr sehen. Oder man schaut ihn im Fernsehen, wenn man mal nicht schlafen kann. Lohnt sich nicht.

7. Dunkirk

„Dunkirk“ von Christopher Nolan war zwar nicht schlecht gemacht, ich fand ihn aber trotzdem langweilig. Deswegen drösel ich meine Kritik dieses Mal ein wenig auf: Erst beschreibe ich, was an dem Film gut war, dann, warum ich dennoch eingeschlafen bin. Die Bewertung setzt sich ebenso zusammen: 3 Sterne für den Film als solches, 0 Sterne von mir persönlich, also 1,5 Sterne im Durchschnitt.

„Dunkirk“ ist in einem dokumentarischen Stil gedreht, das Geschehen wird relativ wertfrei gezeigt, ohne dass sich eine deutliche Erzählinstanz einmischt. Dadurch wirkt der Film unvermittelt und authentisch. Raffiniert ist die Idee, die Ereignisse am Strand von Dünkirchen im Jahr 1940 aus drei verschiedenen Perspektiven in drei verschiedenen zeitlichen Abläufen zu zeigen. Die Ereignisse an Land mit den jungen Soldaten beschreibt eine Woche vor der Evakuierung, die Ereignisse an Bord des Fischerbootes finden innerhalb eines Tages statt, die Ereignisse in der Luft mit den Piloten innerhalb einer Stunde. Da muss man eigentlich die ganze Zeit aufmerksam bleiben, um da den Überblick zu behalten.

Und das führt mich auch schon direkt zu den Gründen, weshalb ich „Dunkirk“ doof fand. Dieser dokumentarische Stil ohne erzählerische Vermittlung ist total anstrengend. Authentizität macht eben noch lange keinen guten Film aus. Die Story fehlte komplett. Die Figuren hatten null Profil, boten null Identifikationsmöglichkeiten, waren unsympathisch, langweilig und austauschbar. Zumal die Schauspieler auch alle mehr oder weniger gleich aussahen, nur der blonde Sohn vom Fischerboot-Kapitän stach optisch heraus. Sonst war ich die ganze Zeit verwirrt, weil ich nicht genau wusste, wer wer ist. Die Schauspieler waren außerdem nicht sehr gut, vor allem Harry Styles sollte zurück zu seiner Boyband gehen und das mit der Filmerei lassen. Ich war am Ende ganz überrascht, als Tom Hardy plötzlich zu sehen war – ich hatte völlig vergessen, dass er da ja mitspielt. Cillian Murphy und Kenneth Branagh erkennt man auch, aber sonst … Einheitsbrei.

Gut, das war wohl dem Ziel der Authentizität geschuldet. So sahen die Soldaten und jungen Männer damals halt aus. Aber die Verwirrung hört ja nicht dabei auf. Man bekommt nur am Anfang die Sache mit den drei Zeitebenen mitgeteilt. Danach gibt es keinerlei Hinweise zu Datum und Uhrzeit. Wer es also da nicht geschnallt hat, kommt völlig durcheinander. Außerdem gibt es überhaupt keine Spannungskurve. Es bleibt von Anfang bis Ende auf einem hohen Level an Gerummse und Gewummer, sodass man von der Reizüberflutung völlig erschlagen wird. Der dröhnende Score von Hans Zimmer verschlimmert diesen Effekt auch noch. Bei sowas schlafe ich immer ein und das ist bei so einem Film, der keine Erzählinstanz als Orientierung für den Zuschauer bietet, natürlich Mist, weil man dann überhaupt nicht mehr durchblickt.

Schließlich muss ich noch ergänzen, dass ich mit Kriegsfilmen im Allgemeinen nicht viel anfangen kann. Antikriegsfilme mag ich, aber Nolan hat mit „Dunkirk“ keinen wirklichen Antikriegsfilm vorgelegt. Man kann ihn so interpretieren, man kann ihn aber auch als Kriegsfilm sehen. Das liegt an der dokumentarischen, neutralen Haltung des Films. Die Soldaten, die Leidtragenden des Kriegsgeschehens, hatten leider zu wenig Profil, um mit ihnen mitzufühlen. Bei den Piloten sah man fast nur die Augen (wie gesagt, Tom Hardy habe ich erst am Ende erkannt) und die Handlung in der Luft ist sehr hektisch. Auch keine gute Voraussetzung zum Mitfühlen.

Es blieben also eigentlich nur die drei Menschen auf dem Fischerboot. Und sicher, sie spiegeln die damalige Haltung der Daheimgebliebenen im zweiten Weltkrieg wider. Alle sind von der omnipräsenten Kriegspropaganda völlig verblendet und mit schwachsinnigen Ideen von Heldentum und Männlichkeit und Ehre und Vaterlandsblabla zerschwurbelt. Aber wenn man das nicht weiß, weil man in Geschichte aufgepasst hat, anständig erzogen wurde und gern ins Museum geht, um sich Ausstellungen zu Propaganda anzuschauen, dann glaubt man diesen Quatsch eventuell selbst. Das war mir zu pathetisch-patriotisch geschildert und ohne Sympathieträger, der sich diesem Unsinn entgegen stellt, hat man es als Zuschauer schwer, da zu differenzieren. Klar, es gab Cillian Murphy als traumatisierter Soldat als Gegenpart. Aber der wirkte unsympathisch.

Fazit: Wer Kriegsfilme mag und gut ausgeschlafen ist, kann sich „Dunkirk“ ja mal anschauen und sich selbst ein Bild machen. Der sollte sich von meiner persönlichen Abneigung gegenüber solcher Machwerke nicht abschrecken lassen. Wer meine Kritik nachvollziehen kann, sollte sich lieber noch mal „Im Westen nichts Neues“ oder „Full Metal Jacket“ oder „Good Morning, Vietnam“ ansehen.

6. Der Dunkle Turm

„Der Dunkle Turm“ von Nikolaj Arcel hat mich sehr enttäuscht. Eigentlich dachte ich, meine Erwartungen nicht sonderlich hochgeschraubt zu haben, da die Kritiken mau waren und es hieß, es wäre ein Best-of-Potpourri aus allen 8 Bänden der Fantasy-Buchreihe von Stephen King, keine werkgetreue Umsetzung. Zudem habe ich bislang nur den ersten Band gelesen und meinte daher, so schlimm könne der Film schon nicht werden. Außerdem: Idris Elba als Revolvermann Roland Deschain von Gilead und Matthew McConaughey als Der Mann in Schwarz? Was kann da schon schiefgehen?

Einiges.

An den beiden erwachsenen Schauspielern liegt es nicht, die machen ihre Sache prima und füllen ihre Rollen mit ihrem Charisma glaubwürdig aus. Matthew McConaughey trifft den Tonfall des Mann in Schwarz aus dem Buch hervorragend, eine Mischung aus amüsiert-arrogantem Zynismus, Kälte, Grausamkeit und Intelligenz. Ein wenig irritiert war ich nur von der wächsernen Struktur seines Gesichts in den Nahaufnahmen – schon wieder ein Botox-Opfer? Idris Elba ist perfekt für die Rolle des einsamen, desillusionierten und zwielichtigen Revolvermanns, der allmählich zum Ersatzvater für den Jungen Jake wird.

Der Schauspieler von Jake, Tom Taylor, spielt zwar soweit ganz gut, aber er ist für die Rolle leider ein paar Jahre zu alt. Ich will ja nicht sagen, dass es in dem Buch so-und-so war, aber in dem Buch ist Jake etwa 12 Jahre alt und eindeutig noch ein Kind. Der Jake im Film ist ein Teenager. Es ist aber meines Erachtens für die Geschichte von Bedeutung, dass Jake kein pubertierender Teenie ist, sondern ein verängstigtes, scheues, verunsichertes Kind. Ansonsten fällt es schwer, emotional mit ihm mitzufiebern, weil man den Eindruck hat, der kommt schon klar und kann sich selber helfen. Schießunterricht bekommt er obendrein auch noch, denn – wie wir ja alle wissen – kann nur ein guter Kerl mit einer Waffe schlechte Kerle mit Waffen aufhalten. Ein Grundsatz, den ich, lässt man Ironie und Sarkasmus beiseite, vollkommen bescheuert finde. Die Geschichte hat gelehrt, dass eher der Spruch „Gewalt erzeugt Gegengewalt“ zutrifft.

Man hat also keine wirkliche Identifikationsfigur in dem Film, was das Ganze schon mal schwierig macht. Obendrein hat man sich wohl mit der Idee des Best-of-Potpourris zu viel vorgenommen. Es funktioniert so einfach nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob bereits das Drehbuch Murks war oder ob sie hinterher mit dem Schnitt den Film versaut haben – vermutlich beides. Jedenfalls ist die Handlung völlig zerfahren, ausgefranst und oberflächlich. Hektisch springt das Geschehen zwischen Mitt-Welt und der Erde hin und her, dann muss man ja noch das mit dem Shining erklären, Familienprobleme und ein Trauma hat Jake auch noch (im Buch kann er sich kaum noch an seine Vergangenheit erinnern), und Ach ja! War da nicht noch was mit so einem Dunklen Turm?

Also aus erzählerischer Sicht ist das eine Katastrophe – und das bei Stephen King als Vorlage. Da hätte man sich doch einfach nur etwas enger am Buch zu orientieren brauchen, anstatt völlig unentschlossen zwischen Neuinterpretation, Hommage und eigenständigem Werk hin und her zu wanken und hinterher nichts davon wirklich zu sein. Mittendrin ploppen auf einmal in dem eigentlich düsteren, melancholischen Grundton des Films ein paar Gags auf (die auch ganz lustig sind, aber einfach überhaupt nicht zum Rest passen). Und bei dieser inkonsequenten Erzählweise bleiben Logiklöcher nicht aus. Roland widerspricht sich selbst, die Figuren scheinen ihre Handlungen nicht ganz zuende zu führen, es werden tausend Fässer aufgemacht – und keines wieder verschlossen. Mein Eindruck ist, da haben zu viele durchaus kreative Menschen zu viele Ideen gehabt – einige gut, andere schlecht – und wollten die partout mit in diesen Film quetschen. Und sowas geht eigentlich nie gut aus.

Fazit: So schade um das verschenkte Potenzial. Ich würde vom Kinobesuch abraten. Lest lieber die Bücher, ich für meinen Teil werde mir bei Gelegenheit die anderen sieben Bände auch noch zu Gemüte führen.

5. Plan B – Scheiß auf Plan A

„Plan B – Scheiß auf Plan A“ von Ufuk Genç und Michael Popescu hätte ein witziger Action-Klamauk werden können. Hätte man den Film auf ca. die Hälfte zusammengekürzt und sich durchgängig nicht ernst genommen, wäre nicht so extrem aufgefallen, dass die vier Jungs wirklich nicht spielen können. Also: gar nicht. Leider spielen sie so schlecht, dass sie sogar die professionellen Schauspieler wie Gedeon Burkhard oder Julia Dietze damit anstecken.

Trotzdem gibt es 1,5 Sternchen und nicht nur einen halben Stern, weil man den Jungs ansieht, dass sie Spaß an der Sache hatten. Und ich kann mir auch vorstellen, dass alle anderen Beteiligten sich ebenfalls wunderbar amüsiert haben während des Drehs. Außerdem gibt es ein paar wunderbar trockene, coole und witzige Sprüche und einige gelungene Gags. Die Geschichte ist außerdem so herrlich absurd und over the top an den Haaren herbeigezogen, dass es schon wieder lustig ist.

Doch dann nimmt sich der Film zwischendurch auch furchtbar ernst und schmeißt mit abgelutschten Plattitüden à la „Du mußt nur an dich glauben, dann schaffst du alles“ um sich. Aber es bleibt nicht bei harmlosen Kalenderweisheiten wie dieser, einige der Mottos sind ziemlich grenzwertig. Vor allem der Spruch „Lieber für etwas sterben als für nichts zu leben“ ist ja nun wirklich völliger Käse. Es ist ja wohl klar, dass man ausreichend Gründe zum Leben hat, wenn man Gründe hätte, für die es sich zu sterben lohnt. Und wenn man tot ist, kann man die gar nicht mehr genießen. Außerdem sind dann alle traurig, die einen gut leiden können. Das ist doch Mist. Immerhin wurde dieser Spruch nicht im religiösen oder patriotischen Kontext benutzt. Das ändert aber nichts daran, dass er gefährlicher Schwachsinn ist und Teenagern – die zur Hauptzielgruppe des Films zählen dürften, ich bin eigentlich schon viel zu alt – einen ziemlich üblen Flo ins Ohr setzen kann.

Na ja, und dann war der Film einfach viel zu lang und von der Dramaturgie her zu eintönig. Es gab immer ein Stückchen Handlung, dann eine lange Kampfszene. Dann wieder etwas Handlung und wieder eine lange Kampfszene. Die Choreografien der Prügelszenen ähnelten sich obendrein auch noch stark. Dadurch kam weder ausreichend Spannung noch genug Tempo auf, die eine Actionkomödie braucht, um wirklich von Anfang bis Ende zu unterhalten.

Fazit: Schade, ein durchaus sympathischer Haufen, die vier Freunde, aber die Umsetzung ist leider zu dilettantisch geraten. Und die ernst gemeinten Sprüche nerven. Lohnt sich nicht.

4. Assassin’s Creed

„Assassin’s Creed“ von Justin Kurzel war der erste Film, den ich dieses Jahr im Kino gesehen habe, und gleich ein Volltreffer … als Kandidat für den schlechtesten Film des Jahres. Dass er überhaupt ein halbes Sternchen bekommt, ist dem Umstand geschuldet, dass man nicht null Sterne vergeben kann, und dass Optik und Effekte ganz OK sind. Der Rest aber ist Schrott. Aber der Reihe nach: Die Geschichte allein ist schon vollkommen hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen. Aus unerfindlichen Gründen wollen Mitglieder des Templerordens die Weltherrschaft an sich reißen und die Menschheit versklaven (was sie mit ihrer Zeit anfangen, wenn sie dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt haben, bleibt indes ungeklärt). Zu diesem Zweck benötigen sie den Apfel Edens, also die Frucht vom Baum der Erkenntnis, den Eva gepflückt hat. Allein das Wort „Apfel“ ist schon derart profan, dass das Ganze völlig lächerlich wirkt. Noch alberner wird es, als man das gammelige Obst zu Gesicht bekommt und klar wird: die laufen alle hinter einer dämlichen Boccia-Kugel hinterher.

Jedenfalls, in dieser Boccia-Kugel ist irgendwie der DNA-Code-Dingens für den Freien Willen des Menschen drinne, und wenn man den Apfel in die Hand nimmt, fängt er an zu leuchten und man kann die Gedanken aller Menschen kontrollieren. Wie dem auch sei, die Tempelritter sind hinter dem Zauberbällchen her, was den sogenannten Assassinen nicht in den Kram passt. Die haben nämlich ein Kredo. Das besagt, dass sie frei sind und alles dürfen und nichts dagegen haben, dafür zu sterben. Und sie können gut kämpfen und auf Dächern cool herumposen wie die Ringeltauben.

Nun hätte man ja aus diesem Ansatz mit dem Freien Willen einen spannenden philosophischen Überbau schaffen können. Hat man aber nicht. Die Boccia-Kugel ist nichts weiter als ein Hitchcockscher McGuffin, ein Vorwand, um zwei gegnerische Parteien aufeinander losgehen zu lassen. Das ist aber noch nicht die einzige vertane Chance. Callum Lynch, die Hauptfigur, gespielt von einem heillos unterforderten Michael Fassbender, hat als Kind mit angesehen, wie sein Vater seine Mutter tötete, und wurde darob selbst zum Gewalttäter. Später wird er dann hingerichtet, in Wahrheit lebt er aber noch und kommt in die Forschungseinrichtung von Dr. Sophia Rikkin, gespielt von der wirklich überbewerteten Marion Cottillard. Dort hat er dann reichlich Gelegenheit, seinen durchtrainierten Prachtoberkörper pittoresk zu präsentieren. Die Ärztin erklärt, dass sie erforschen will, wie Aggression und Gewalt entstehen und wie sie sich verhindern ließen. Hochinteressant, wie gern hätte ich dazu ein paar Theorien, Gedankenspiele und Anregungen erfahren.

Aber nein, auch das bleibt bloße Behauptung und Vorwand, damit die Tempelritter und Assassinen sich gegenseitig zünftig die Fresse polieren können. Überhaupt spielt Marion Cottillard ihre Sophia auch unterirdisch schlecht. Bedeutungsschwanger hält sie ihre Smokey Eyes und perfekt geschminkten Lippen in die Kamera, trägt ihre eleganten Seidenblusen spazieren und sondert gelegentlich einen Satz ab, den sie jeglicher Bedeutung beraubt. Ihre Figur ist zudem mies konzipiert, ihre Motivation wird überhaupt nicht klar. Erst heißt es, sie lebe für die Forschung und wolle alles daran setzen, ihr Projekt zu verwirklichen und den Kern der Gewalt zu entschlüsseln. Und dann braucht es nur einen abgrundtief dummen Schlussdialog, und sie wirft alle ihre Ideale über den Haufen. „Du weißt, was jetzt passiert.“ „Ich kann das nicht.“ „Doch, du kannst.“ – Dö-döm! (Und auf dem Niveau waren ALLE Dialoge

Zwischendurch wird auch das Thema Generationenkonflikt gestreift, doch das bleibt ebenfalls ohne Folgen, ohne Bedeutung. Ansonsten rennen und hopsen die Assassinen munter durch die Gegend und werden von den Tempelrittern dabei verfolgt, die reichlich angepisst sind, weil ihnen jemand ihre Weltherrschaftspläne zu vereiteln gedenkt. Dass das Ganze in unterschiedlichen Zeit- und Bewusstseinsebenen spielt, hätte spannend werden können, ist aber auch völlig egal.

Fazit: Was. Für. Ein. Scheiß. Kann man sich sowas von sparen! Der war noch nicht einmal unfreiwillig komisch, wie „Ben Hur“, sondern einfach schlecht. Fast genauso mies wie „Jupiter Ascending“ – und das will was heißen.

3. Volt

„Volt“ von Tarek Ehlail war leider sehr enttäuschend. Das Thema, die Geschichte, sind hochaktuell, brisant und spannend. Da hätte so ein fesselnder Dystopiethriller draus werden können. Stattdessen ist das passiert, womit die „Tatort“-Filmemacher immer wieder vielversprechende Stoffe in die Bedeutungslosigkeit auswalzen: Das Privatgeschwurbel eines Einzelnen nahm den gesamten Fokus in Anspruch. Unterlegt wurde die Seelenpein des Polizisten Volt mit sinistrem Unglücksgeraune im Soundtrack, das mit dröhnenden Bässen die zernuschelten Dialoge übertönte.

Überhaupt, dieses Nuscheln! Das ist Til Schweigers Markenzeichen, aber das heißt nicht, dass man sich an ihm ein Beispiel nehmen sollte. Man lernt schließlich in der Schauspielausbildung (und da spreche ich aus Erfahrung) sowohl authentisch als auch deutlich zu sprechen, das ist ja gerade die Kunst, das Handwerk des Schauspielers, ansonsten könnte das jeder Dummdödel machen. Schon klar, das soll natürlich wirken, und alles. Tut. Es. Aber. Nicht!!! Es nervt einfach nur, wenn man nicht versteht, was die Leute sagen.

Außerdem fing die Handlung mittendrin und gleich auf voller Power an, das war nicht mehr zu steigern, und so fiel die Spannungskurve nach dem großen Knall am Anfang kontinuierlich ab. Die Figuren waren allesamt durch die Bank weg unsympathische Arschlöcher, man hat kein Stück mit der Hauptfigur Volt mitgefühlt, der war einfach nur ein völlig kaputtes, seelisches Wrack. Damit das auch jeder versteht, wurden so typisch deutsche, „emotionale“ Szenen eingebaut, die total gekünstelt und albern wirkten. Da boxt Volt in die Luft, vögelt mit einer drogensüchtigen Schabracke in einer zwielichtigen Underground-Spelunke oder taucht mit dem Kopf in der Badewanne unter und brüllt sich die Seele aus dem Leib. Dabei spielt Benno Führmann gut genug, dass man auch ohne diesen affektierten Filmstudentenangeberkram gemerkt hat, dass der Kerl völlig im Arsch ist.

Problem ist, das ist er von Anfang an. Und es ändert sich auch nicht wirklich was. Eigentlich möchte er die ganze Zeit sterben, aber scheint zu unentschlossen, um sich umzubringen. Die Liebesgeschichte mit der Schwester des Toten wirkt völlig an den Haaren herbeigezogen und man wundert sich, wie schnell das geht. Sowieso ist allein schon die Prämisse des Films unglaubwürdig und nicht schlüssig. Offenbar ist es in dieser dystopischen Welt ja so, dass die Armen in diesen Transitzonen dahinvegetieren, und die Reichen in feinen Siedlungen residieren. Die Armen haben gar nichts zu melden, werden ignoriert und keinen interessiert es, was mit ihnen passiert. Außerdem hat Volt ja nicht geplant, den Mann umzubringen, sondern es war halb Notwehr, halb Totschlag im Affekt. Da hätte er doch einfach gleich sagen können, dass er das war, und dann wäre die ganze Sache erledigt gewesen.

Fazit: Wer sich mit der Thematik Parallelgesellschaft in Vororten vs. Polizeigewalt und -willkür auseinandersetzen will, sollte sich lieber noch einmal „Hass“ von Mathieu Kassovitz anschauen. Der Film ist aufgebaut wie eine griechische Tragödie, hat eine starke Spannungskurve und sympathische Figuren, die eine Entwicklung durchmachen und nach klaren, nachvollziehbaren Motiven handeln, deren Schicksal einen kümmert. „Volt“ sollte wohl so etwas ähnliches werden, stattdessen war es eher wie ein überambitionierter, affektierter „Tatort“, wo die Idee noch das Beste an dem Ganzen war. Lohnt sich nicht.

2. Overdrive

„Overdrive“ von Antonio Negret war so belanglos, dass mein Kumpel und ich nach ca. 60 Minuten aus dem Film rausgegangen sind. Nach einem rasanten Start mit coolen Stunts wurde schnell klar: Es gibt keine Story. Die beiden Jungs waren unsympathisch und flach, die Deko-Mädels, die ihnen zur Seite gestellt wurden, damit sie umso viriler wirken, waren unsympathisch und flach und die Bösewichte (ja, es gibt mehrere) waren alle gleichermaßen fiese Psychos. Alle klopfen grenzdebilde Machosprüche um die Wette, zwischendurch scheitern sie mit halbherzigen Versuchen, durch abgeschmackte Kalendersprüche Tiefsinn und Gefühl einzubringen. Scott Eastwood spielt außerdem schlecht, beziehungsweise gar nicht. Er steht nur herum, hält seinen zugegebenermaßen prachtvollen Astralkörper in die Kamera und sieht gut aus.

Die Handlung, sofern vorhanden, entbehrt jeder Logik und Nachvollziehbarkeit. Dass eine „Meisterdiebin“ Polizisten beklaut, ist schon mal komplett dämlich. Dann suchen sich die zwei Brüder völlig willkürlich eine Gurkentruppe zusammen, die sie beim Autoklau unterstützen sollen. Alle stellen sich unglaublich dusselig an, sogar der Oberbösewicht (natürlich ein Deutscher, was denn sonst) ist ein Idiot und sichert sein unfassbar kostbares Auto über eine Alarmanlage, deren Code selbst für kurzsichtige Maulwürfe wie meine Wenigkeit entspannt aus drei Meter Entfernung zu lesen ist.

Ich vermute, dass die Kontaktperson und Komplizen der Jungs ein falsches Spiel betreiben, aber so lange haben wir es in diesem hanebüchenen Unfug nicht ausgehalten, um das mit Sicherheit zu wissen. Einzige Pluspunkte: Die Autos waren wirklich hübsch anzusehen und die Landschaftsaufnahmen von Marseille waren auch schön.

Fazit: Dieser Film ist Murks. Lohnt sich überhaupt nicht. Gut, dass ich dank Kino-Abo nichts bezahlt habe.

1. Alien: Covenant

„Alien: Covenant“ von Ridley Scott fand ich nicht nur total doof, er war auch schlecht gemacht. Die Special-Effects waren schon in Ordnung und in einer Actionszene hat mir ganz kurz der Atem gestockt – deswegen gibt es immerhin einen halben Stern. Aber ansonsten? Mann, war das banane. Und zwar so, dass es an Bananigkeit sogar „Jupiter Ascending“ Konkurrenz macht. Erst fing es sehr langweilig an, die Figuren waren alle flach und klischeehaft gestaltet, und waren überdies durch die Bank weg unsympathisch. Dann wurde es eklig. Dann wurde es wieder langweilig. Zwischendurch war es komplett bescheuert. Dann wieder eklig. Und zum Schluss gab es einen so offensichtlichen Plottwist, dass es einfach nur peinlich war.

Nun sollte ich vielleicht kurz dazu sagen, dass ich „Prometheus“ nicht gesehen habe (und nach diesem Quatsch auch nicht vorhabe, das nachzuholen) und von der „Alien“-Reihe nur den ersten Teil kenne. Der war zwar gut gemacht, aber so wirklich gefallen hat er mir auch nicht, weil die klaustrophobische Atmosphäre mir Übelkeit bereitet hat. Aber wenigstens war er spannend und ging echt an die Nieren. Und man hat mit Sigourney Weaver mitgefiebert.

Aber hier? Meine Fresse, was waren das alles für Trottel? Ein frischgebackener Captain, der wehklagt, dass man ihn nicht schon früher zum Captain gemacht hat, weil er gläubig sei. Es kann natürlich nicht daran liegen, dass er vielleicht kein guter Chef ist? Dass er als Naturwissenschaftler und vermeintlicher Weltraumexperte an ein unsichtbares Wesen glaubt, dass alles erschaffen hat? Naaaain, das kann nicht sein! Oder was ist denn die Daniels am Anfang für eine Lusche? „Ach, eigentlich wollte ich gar nicht ins All und wäre lieber auf der Erde geblieben, aber Dings wollte uuunbedingt am Arsch der Heide im Weltall eine Blockhütte am See bauen, und da bin ich halt mitgeflogen.“ Das Jahr 2104, und das ist alles, was von der weiblichen Emanzipation übrig geblieben ist? Tolle Wurst. Zum Glück bin ich bis dahin tot.

Auf jeden Fall benehmen sich so ziemlich alle Crewmitglieder wie die letzten Dummdödel. „Oh! Ein merkwürdiges, rätselhaftes Signal von einem Planeten, den wir bisher noch gar nicht bemerkt hatten! Lass uns hinfliegen und nachsehen!“ oder „Hui, landen wir einfach mal irgendwo auf dem Planeten und latschen dann einfach durch die Gegend, tatschen alles an, schmeißen unsere Zigarettenkippen in die Gegend und machen gleich mal wieder dieselben Fehler wie auf der Erde. Wir sind fertig mit dem alten Planeten, her mit dem neuen, was kostet die Welt, Jucheiassa!“

Dann wird es wie gesagt eklig, weil die Alienschleimmonster auf den Plan treten. Dann geht es noch total unoriginell um Gottkomplexe, Narzissmus, das, was die Welt im Innersten zusammenhält, Schöpfung und Blockflöten. Ja, genau: Blockflöten. Bis zu dieser Szene unbedingt sitzenbleiben, das ist das Beste am ganzen Film, da immerhin unfreiwillig komisch.

Fazit: Gut, dass ich meine Kino-Abokarte habe und nichts (zusätzlich) bezahlt habe. Dann hat der Schrott wenigstens nichts gekostet und ich habe einen Kandidaten mehr für meine Schlimmste-Filme-2017-Liste am Jahresende. Kurz: Lohnt sich nicht!


Und wie fandet ihr die Filme auf der Liste? Auch schlimm oder ganz OK, vielleicht sogar genial? Schreibt es mir in den Kommentaren 🙂


Hier gibt’s die Filmflops 2016.

Hier findet ihr die Filme, die ich 2015 am furchtbarsten fand.

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89. Stück: Kinojahresrückblick 2017 – Die 10 besten Filme

Und schon wieder ist ein Jahr herum. Zeit für meinen Kinorückblick 2017. Hier kommen erst einmal die zehn Filme, die mir dieses Jahr am besten gefallen haben. Widerspruch und Zustimmung könnt ihr wie immer in die Kommentare schreiben 🙂

10. Kong: Skull Island

„Kong: Skull Island“ von Jordan Vogt-Roberts war viel besser, als ich gedacht hätte. Dieses Mal konnte ich es mir im Vorfeld nicht ganz verkneifen, Kritiken zu dem Film zu lesen, und hatte mich durch Stichwörter wie „flache Figuren“, „dünne Story“ und „pompöse Effekte“ auf eine strunzlangweilige Reizüberflutungsorgie eingestellt – und diese Erwartungshaltung wurde im positiven Sinne enttäuscht. Sicher, die Story ist schon ziemlich unterkomplex. Über die Figuren erfährt man nur das Nötigste, wirklich zum Mitfühlen anregen tun sie in der Tat nicht. Und bei den Effekten wird mächtig geklotzt.

Aber: Wenn man die Insel als Hauptfigur der Geschichte sieht, die Handlung außerdem im historischen und aktuellen politischen Kontext betrachtet, finde ich die Figurenkonzeption und überschaubare Story eigentlich ganz stimmig. Jede Figur steht sozusagen für eine bestimmte politische, gesellschaftliche Position, sie sind Typen, keine Charaktere. Sprich: Sie ähneln eher Schachfiguren als echten Menschen. Ihre Konstellation ist bewusst so aufgebaut, dass es zu Konflikten kommen muss. Das kann man vorhersehbar finden, aber ich fand, es hatte etwas von einer Versuchsanordnung und entfaltete durch ihre Klarheit und Einfachheit eine eigene Spannung.

Außerdem gab es verschiedene Identifikationsfiguren und je nachdem, mit welcher Einstellung und Sichtweise man selbst sympathisiert, ändert sich auch die Lesart des Films. Eine solche Ambivalenz im Interpretationspotenzial ist doch spannend! Ich selbst konnte mich in die Fotografin bestens hineinversetzen und auch die Reaktion von Conrad nachvollziehen. Ebenso fand ich Kongs Verhalten absolut plausibel und es erinnerte mich an die Debatten um den Umgang mit sogenannten Kampfhunden. Können Tiere überhaupt von Natur aus böse sein? Oder reagieren sie nur aggressiv, weil sie ihr Revier, ihr Leben oder ihre Ressourcen verteidigen und Angst haben? Und wie sieht es mit dem Tier Mensch aus? Andererseits wurden diese Urzeitechsen ja als grundböse Wesen dargestellt – wobei die wahrscheinlich auch einfach Hunger hatten und wenn ich jahrtausendelang ohne Sonnenlicht und frische Luft unter der Erde leben müsste, hätte ich wahrscheinlich auch eine Scheißlaune.

Mit der Einstellung und dieser komischen Soldatenehre von Packard und seinen Männern konnte ich allerdings zugegebenermaßen wenig anfangen. Aber ich fand es trotzdem glaubhaft geschildert, sodass ich immerhin gemerkt habe, dass ich beim Thema Militär, Krieg, Loyalität unter Soldaten und dieser unüberwindbaren Hierarchiestruktur innerhalb der Truppe schlichtweg an meine Vorstellungsgrenzen stoße. Und das ist auch hochinteressant, wenn man plötzlich realisiert, dass die eigene Sichtweise nicht die einzig mögliche ist 🙂 Es ist also nicht selbstverständlich, pazifistisch und vernünftig vorzugehen, man kann auch wie Cpt. Ahab seinen Moby Dick oder eben Col. Packard seinen King Kong jagt, obsessiv, rachsüchtig, nachtragend und idiotisch handeln und es ist trotzdem menschlich.

Darüber hinaus war die optische Gestaltung des Films zugegebenermaßen sehr gelungen und beeindruckend. Ich denke aber nicht, dass das der einzige Pluspunkt war.

Fazit: Lohnt sich! Und nach dem Abspann sitzen bleiben, da kommt noch was (auch wenn ich fürchte, dass das, was noch kommt, tatsächlich reines Monsteractiongewitter sein wird.)

9. Baby Driver

„Baby Driver“ von Edgar Wright ist ein Film, der Spaß macht. Zumindest dann, wenn man verschmerzen kann, dass die Story nicht die Hauptrolle spielt, sondern die Musik. Schnitt, Einstellungen, Bilder, Schauspiel – alles ist exakt auf den Rhythmus der Songs getimt, die Baby hört. Das ist so stimmig und präzise, dass es eine Freude ist! So kann es gehen, wenn Handwerk und Talent eine perfekte Einheit bilden.

Die Handlung ist um die Musik herum gestrickt, fast scheint es, als hätte man zuerst den Soundtrack zusammengestellt, dann die Bilder dazu kreiert, und erst am Ende eine Art Alibi-Geschichte erfunden, um die einzelnen Szenen und Rhythmen miteinander zu verknüpfen. Mir hat das gefallen. Und ich habe zu Hause als Erstes gleich wieder meinen alten MP3-Player hervorgekramt, ihn aufgeladen und die Tage drauf mit zur Arbeit genommen. Gute Entscheidung.

Einziges Manko (und Grund dafür, weshalb es 4 und nicht 5 Sterne gibt): Die Figurenzeichnung und das Ende. Vor allem die weibliche Hauptrolle fand ich etwas schwach und flach. Lily James hat ihre Sache gut gemacht, keine Frage. Aber hätte man ihrer Figur nicht noch etwas mehr Ecken und Kanten geben können? Sie ist einfach nur ein ganz normaler, verliebter Teenie mit Abenteuerlust und mehr nicht. In Teenie-Romanzen à la „Twilight“ ist das ja Teil des Programms, aber in dem Film hätte ich mir doch noch etwas mehr Charakter gewünscht. Das Ende war zwar konsequent, aber ziemlich trostlos – das hat das Filmvergnügen etwas getrübt.

Fazit: Von kleinen Schwächen abgesehen ein toller Film, der sich lohnt!

8. Planet der Affen 3: Survival

„Planet der Affen: Survival“ von Matt Reeves ist ein durch und durch gelungener Abschluss der Trilogie. Hier stimmt einfach alles: Timing, Musik, Bilder und Schnitt, Spiel und Charakterzeichnung, Handlung und Spannungskurve. Trotz der nicht unerheblichen Länge von 140 Minuten langweilt man sich keinen Augenblick. Die Entwicklung Caesars mitzuerleben ist fesselnd und nachvollziehbar.

Ich staune immer noch, was für einen Sprung die Technik in den letzten zehn Jahren gemacht hat. Man vergisst komplett, dass es sich nicht um echte Affen handelt, sondern um Schauspieler, die mit dem Motion-Capture-Verfahren Computeranimationen zum Leben erwecken. Die Mimik und Gestik ist so detailreich, dass die echten Schauspieler dagegen fast verblassen. Und immerhin spielt Woody Harrelson mit, das will also was heißen.

Einziges Mini-Manko: Das 3D hätte nicht zwingend Not getan.

Fazit: Wer schon die ersten beiden Teile der Reihe mochte, sollte den dritten Teil nicht verpassen!

7. T2: Trainspotting

„T2: Trainspotting“ von Danny Boyle ist eine stimmige Fortsetzung des ersten Teils aus dem Jahr 1996. Es empfiehlt sich aber unbedingt, „Trainspotting“ vorher noch einmal zu sehen, denn vor allem im direkten Vergleich entfaltet der zweite Teil seine Kraft. Die liegt nicht, wie im 20 Jahre älteren Film, in der anarchischen Radikalität, der wilden, durchgeknallten Ästhetik und dem rasanten Tempo. Sondern die Stärke von „T2“ liegt in seinem nostalgischen Grundton. Das könnte fast schon melancholisch anmuten, wäre da nicht der lakonische, rabenschwarze Humor, der bereits den ersten Teil davor bewahrt hatte, den Zuschauer vollkommen hoffnungslos und niedergeschlagen zurückzulassen.

Alle sind erwachsen geworden: Die Antihelden Spud, Sick Boy, Beckbie und Mark Renton. Die Crew hinter der Kamera. Und die Zuschauer vor den Leinwänden. Als ich den Film zum ersten Mal sah (das war nicht im Kino, damals war ich noch zu jung), war ich glaube ich so um die 20 und hatte zwar mit Drogen nichts am Hut, konnte aber dieses Lebensgefühl nachempfinden. Dass man nicht so recht weiß, wo einen das Leben hinführen wird, man will nicht verspießern und will seinen eigenen Weg gehen, aber in welche Richtung? Keine Ahnung. Also lässt man sich erst einmal treiben, die Zukunft liegt noch weit entfernt, irgendwo und irgendwann, man wird schon sehen.

Inzwischen bin ich Mitte 30, zehn Jahre älter als die Helden aus dem ersten Teil, zehn Jahre jünger als die gealterten, ernüchterten Helden aus dem zweiten Teil. Und es ist spannend zu sehen, wie man sich selbst verändert hat und wo man sich eventuell vielleicht noch hin entwickelt, wenn man nicht aufpasst und Gelegenheiten verstreichen lässt, die sich auftun. Ich bin ehrlich gesagt heilfroh, nicht mehr in meinen Zwanzigern zu sein und irgendwie herumzuwurschteln, ohne so recht zu wissen, was ich eigentlich will. Die Dreißiger sind eine unheimlich spannende Zeit – ich glaube, in diesem Jahrzehnt entscheidet sich, ob man mit Mitte 40 wie die Männer in der Geschichte da steht, auf sein Leben zurückblickt, und fast alles bereut, was man getan hat. Oder ob man auf sein bisheriges Leben zurückblickt und denkt: Ach, das war schon alles in Ordnung so, ich hab getan, was ich konnte und ich habe mich stetig weiter entwickelt. Und es ist noch lange nicht vorbei, da geht noch was, und ich freue mich drauf. Tja. Mal schauen, wie ich in zehn Jahren dann dastehe.

Fazit: Eine wunderbare Ergänzung zum ersten Teil, etwas nostalgisch, etwas wehmütig, aber trotzdem mit einer Prise Optimismus, die etwas Versöhnliches an sich hat. Lohnt sich für alle, die den ersten Teil gesehen und geliebt haben!

6. Die irre Heldentour des Billy Lynn

„Die irre Heldentour des Billy Lynn“ von Ang Lee ist im Grunde eine bitterböse Satire, die den amerikanischen Heldenmythos und sämtliche fadenscheinigen Gründe für den Armee-Einsatz im Nahen Osten demontiert. Warum man für diese intelligente Tragikomödie in der deutschen Übersetzung wieder einmal einen völlig blöden Titel gewählt hat, der eher an billigen Klamauk und kalauerlastige Klamotten erinnert, ist mir allerdings ein Rätsel. Wenigstens das „irre“ hätte man doch wohl weglassen können, „Die Heldentour des Billy Lynn“ hätte es doch auch getan … Na ja, ich habe keine Ahnung, wer das entscheidet und ich weiß nicht, was diese Leute gelernt haben, sehr viel kann es aber nicht gewesen sein und besonders kompetent scheinen sie auch nicht zu sein. Einmal mit Profis arbeiten und so weiter.

Aber ich schweife ab.

In dem Film geht es um eine Gruppe von Elite-Soldaten, die eine Propagandatour durch ihre US-amerikanische Heimat machen, bevor sie zurück in den Irak in den Krieg müssen. Ihre letzte Station führt sie zu einem Football-Spiel, wo sie in der Halbzeitshow als Helden präsentiert werden sollen. Billy Lynn vor allem wird zum Kriegshelden hochstilisiert, weil er einem tödlich verletzten Kameraden zu Hilfe eilte und einen „Feind“ tötete. Für ihn war es der schlimmste Tag seines Lebens, aber alle anderen bejubeln ihn.

Es wird klar, wie sehr die Öffentlichkeit von der Propagandamaschinerie beeinflusst wird, und dass im Grunde niemand so genau wissen will, wie der Alltag der jungen Leute, die für die Interessen macht- und geldgieriger Politiker in Kriegsgebieten vollkommen zweckfrei ihren Arsch hinhalten, eigentlich aussieht. Keiner will wissen, wie es den Jungs – denn es sind im Grunde tatsächlich noch Kinder – wirklich geht, wie traumatisiert und vollkommen am Ende sie sind. Stattdessen wollen sie ihre Helden beklatschen, sich selbst mit ihrem Patriotismus gut finden, und mit Politik nichts zu tun haben. Die Einzige, die heraussticht, ist Billys Schwester Kathryn – aber sie allein hat keine Chance, ihren Bruder aus dem Militärsystem herauszuholen. Er kennt nichts anderes, er kann nichts anderes, und nur seine Kameraden, die dasselbe durchgemacht haben wie er, können das verstehen.

Für Faeson, die Cheerleaderin, in die Billy sich verguckt, ist er im Grunde nichts weiter als eine Trophäe. Während sie ihn mit Rehaugen und Wimpernklimpern anschaut, verspricht für ihn zu beten und ihm Honig um den nicht vorhandenen Bart schmiert, will sie eigentlich nur mit einem amerikanischen Helden schlafen. Aber Billy sieht sich nicht als Held, er tut, was er tut, weil er keine Wahl hat.

Fazit: Ein kluger, wichtiger und trotzdem unterhaltsamer Film – auch, wenn die Handlung insgesamt recht übersichtlich ist. Ich denke nicht, dass er die Resonanz bekommen wird, die er verdient. Aber er lohnt sich auf jeden Fall.

5. Happy Deathday

„Happy Deathday“ von Christopher Landon ist eine Art Horrorversion von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – und absolut großartig! Ich weiß gerade gar nicht, wo ich mit meinem Lob anfangen soll … die Schauspieler sind (zumindest mir) alle unbekannt, machen ihre Sache aber super. Die Figuren sind mit Ausnahme Carters stark überzeichnet, fast schon karikaturesk. Und das ist gar nicht so einfach, das trotzdem glaubwürdig zu spielen, auf eine Weise, dass man mit den Figuren mitfühlt und mitfiebert. Vor allem Jessica Rothe als Tree spielt überzeugend, wie sie mit jeder Wiederholung der Zeitschleife von ihrer Riesenmiststückigkeit immer weiter abkommt.

Den ganzen Film durchzieht ein satirischer, sarkastischer Unterton, sodass auch die sich langsam (und ebenfalls nachvollziehbar) entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Tree und Carter nie ins allzu Kitschige, Kalenderspruchartige abdriftet. Trotzdem bleibt es spannend und wird nie albern, der Film nimmt seine Figuren und ihr Anliegen (Trees Mördersuche vor allem) stets ernst, ohne dass es aber rührselig wird. Die whodunit-Geschichte hält sogar ein paar Wendungen bereit, die ich an dieser Stelle aber natürlich nicht verrate.

Fazit: Toller Film! Lohnt sich!

4. The Founder

„The Founder“ von John Lee Hancock ist eine bitterböse Satire, die auf einer wahren Geschichte beruht, und einem das Lachen immer mal wieder im Hals stecken lässt. In diesem Lehrstück über Arschloch-Kapitalismus und Nullsummenspiele sind die skrupellosen Narzissten am Ende die Sieger, die gutmütigen, ehrlichen und fleißigen Menschen, die sich mit Geduld, Leidenschaft und Disziplin etwas Wunderbares aufgebaut haben, gucken in die Röhre. (Nullsummenspieler sind Menschen, die davon ausgehen, dass es nur einen Sieger geben kann, wenn es auch einen Verlierer gibt. Der eine gewinnt (+1), der andere verliert (-1), und addiert man das, kommt Null heraus (1 + (-1) = 1 – 1 = 0). Nicht-Nullsummenspieler sind Menschen, die an Win-Win-Situationen glauben, ebenso daran, dass es Momente gibt, in denen alle verlieren können.

Obwohl aber dieser Ray Kroc wirklich ein amoralischer, profitgieriger, hinterhältiger, niederträchtiger, eingebildeter Mistkerl ist, muss man doch seine Beharrlichkeit bewundern. Das muss man ihm lassen, was er sich in den Kopf gesetzt hat, das zieht er auch durch, ohne Rücksicht auf Verluste, und ohne Skrupel, wenn er dabei über Leichen gehen muss – wenn auch nur im übertragenen Sinn. Er ist der personifizierte Raubtier-Kapitalismus, wie er im Finanzwesen grassiert und die Welt immer wieder in Wirtschaftskrisen stürzt, dabei aber trotzdem nicht totzukriegen ist. Denn die Verlierer sind am Ende nicht die Raubtiere, sondern die, die sich aus Anstand weigern, bei diesem menschenverachtenden Zirkus mitzuspielen.

Dass Kroc trotz seines nicht zu leugnenden Arschlochtums nicht vollkommen unsympathisch wirkt, liegt vor allem an Michael Keatons Darstellung des unverschämten Gauners. Er spielt ihn als einen Mann, der die Chance seines Lebens im richtigen Moment erkannt hat, und seinen Traum voller Hingabe verfolgt, dabei aufs Ganze geht, und an seiner Vision festhält. Das ändert nichts daran, dass er ein elender Schuft ist, der von Fair Play überhaupt nichts hält, aber man glaubt ihm, dass er zwar den Schaden anderer in Kauf nimmt auf seinem Weg die Karriereleiter hinauf, sie aber nicht ins Messer laufen lässt, weil er Spaß daran hat, andere zu quälen. Er ist durch und durch ein Egozentriker mit Größenwahnkomplex, aber kein Sadist.

Fazit: Lohnt sich! Macht Spaß und regt zum Nachdenken an!

3. Die Taschendiebin

„Die Taschendiebin“ von Park Chan-Wook ist ein raffiniert erzählter Film, der sich gar nicht so leicht in ein Genre einordnen lässt. Elemente des Thrillers und Krimis treffen auf psychologisches Drama vor historischer Kulisse, die erotischen Szenen gehen in Richtung Softporno und ein wenig torture porn ist auch dabei ebenso wie gelegentlicher ironischer Humor. Die Geschichte ist unterteilt in drei Kapitel, wobei jedes überwiegend aus der Perspektive einer der drei Hauptfiguren erzählt wird. Tatsächlich sind es auch diese Figuren und ihre Konstellation zueinander, die die Handlung gestalten und vorantreiben. Die überraschenden Wendungen tun ihr Übriges, um keine Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen und die Spannung zu halten.

Ich muss zugeben, dass mir die erotischen und die Folter-Szenen teilweise ein wenig zu extrem und unsubtil waren. Aber das ist eine Geschmacksfrage, für die Dramaturgie und Handlung des Films sind diese Passagen durchaus sinnvoll.

Fazit: Ein toller, ungewöhnlicher Film, unbedingt sehenswert!

2. Hell or High Water

„Hell Or High Water“ von David Mackenzie ist ein toller Film! Hier stimmt einfach alles: Die Figurenzeichnung ist differenziert und feinfühlig, die Motive der handelnden Personen nachvollziehbar; sie wirken authentisch, glaubwürdig – und sympathisch. Selbst der kriminelle ältere Bruder kann nicht immer verbergen, dass er auch seine guten Seiten hat. Ben Foster und Chris Pine (der – obwohl ein paar Monate älter – das Nesthäkchen der beiden spielt) harmonieren wunderbar als Brüder, die es nicht leicht hatten in ihrem Leben, und die einmal das Richtige tun wollen, auch wenn sie dafür gegen das Gesetz verstoßen müssen. Aber der gute Wille allein rechtfertigt dann doch nicht immer die Mittel.

Jeff Bridges als Ermittler, der kurz vor seiner Pensionierung steht, ergänzt als Antagonist das Ensemble, und überzeugt mit seiner zwar mürrischen, aber auch von Neugier und Freude an der Arbeit geprägten Art. Er hat eigentlich gar keine Lust auf den Ruhestand, aber er merkt auch, dass er körperlich nicht mehr der Jüngste ist. Seinen Spürsinn hat er jedoch nicht verloren.

Es ist eine Art Robin-Hood-Geschichte, inmitten der texanischen Einöde, und es hätte schauderhaft moralisch, strunzlangweilig oder rührselig werden können. Ist es aber nicht. Im Gegenteil, das ernste Thema wird durch den lakonischen Humor immer wieder aufgelockert, und das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Polizisten und den Brüdern bleibt durchweg spannend. Man wünscht diesen Menschen alles Glück der Welt und weiß dennoch, dass es so nicht ausgehen kann.

Ganz nebenbei bekommt man in diesem wunderbar erzählten Film auch eine Seite der USA präsentiert, die man sonst nicht so oft sieht. Viele sind Opfer der Bankenkrise geworden, haben Schulden und wissen nicht, wie sie die jemals bezahlen sollen. Ihre Würde und ihren Stolz bewahren sie sich trotzdem. Das hat allerdings nichts Kitschiges oder Heldenhaftes an sich – jeder versucht so gut es geht zu überleben. Für mich persönlich fand ich die Mentalität der Texaner sehr schräg, für die Waffen zu tragen so selbstverständlich ist wie für mich, immer ein Buch in der Tasche zu haben. Auch die großen Reden, die sie schwingen, wen sie nicht alles umlegen und ausweiden und als Bettvorleger verwenden wollen, fand ich reichlich merkwürdig. Aber dabei wirkten sie so aufrichtig, dass man merkte, das ist für sie so eine Art Bürgerpflicht und auf ihre Weise versuchen sie nur, sich anständig zu verhalten.

Fazit: Großartiger Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Die Beste aller Welten

„Die Beste aller Welten“ von Adrian Goiginger ist eine wunderbar leicht erzählte, tief berührende Mutter-Sohn-Geschichte. Gesehen habe ich den Film auf der Berlinale, zusammen mit einer Freundin, und wir waren richtig glücklich, dass wir nicht nur überhaupt noch Karten für eine Vorstellung ergattert hatten, sondern auch und vor allem, weil wir dabei so ein tolles Filmjuwel erwischt haben. Ich hatte vorher nur kurz den Inhalt überflogen: Kleiner Junge wächst bei drogensüchtiger Mutter auf. Und da hatte ich befürchtet, das könnte schwere Kost oder überambitionierter Kunstquark werden … aber nichts davon trifft zu.

Künstlerisch gut gemacht ist er auf jeden Fall, aber eben auch handwerklich, schauspielerisch und erzählerisch hervorragend gelungen. Die Traum- und Fantasiesequenzen des kleinen Adrian sind einerseits unheimlich, andererseits aber auch poetisch und verleihen dem Film eine federleichte Magie. Die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt einfach – besonders zwischen Verena Altenberger als Mutter und Jeremy Miliker als Adrian funkelt und strahlt es. Doch auch insgesamt ist dies eine großartige Ensembleleistung. Auch, als die Schauspieler und der Regisseur nach dem Film auf die Bühne kamen, war noch eine Verbindung zwischen ihnen zu spüren. Der Regisseur und sein kleiner Alter Ego schienen sich ebenfalls toll zu verstehen. (Ich habe überhaupt erst am Ende begriffen, dass die Geschichte autobiographisch war

Noch hat sich kein Verleih gefunden, aber ich hoffe sehr, dass dies gelingt. Es wäre einfach zu schade, anderen Kinogängern diesen Film vorzuenthalten.

Fazit: Einfach toll! Bei erstbester Gelegenheit unbedingt reingehen! (Anmerkung: Inzwischen lief der Film auch regulär im Kino <3!)

Mein Favorit unter den Animationsfilmen dieses Jahr war übrigens „Coco“:

„Coco“ von Lee Unkrich und Adrian Molina ist ein wunderbarer Film, der richtig ans Herz geht. Die Optik, das Setting und die Handlung erinnern zwar stark an „Manolo und das Buch des Lebens“ aus dem Jahr 2015 – dennoch können meines Erachtens beide Filme nebeneinander existieren. Beide Filme sind mit viel Liebe zum Detail und einer überbordenden Farbenfreude gestaltet, mitreißende Musik bestimmt den Soundtrack und die Helden (hier ein kleiner Junge, in „Manolo“ ein erwachsener Mann) sind beide gleichermaßen liebenswert und man wünscht ihnen alles Glück der Erde.

Ich habe mich außerdem darüber gefreut, dass der niedliche Hund aus dem Trailer tatsächlich eine wichtige Rolle in „Coco“ spielt. Unter all der Niedlichkeit, der Farbenpracht und den mexikanischen Klängen verbarg sich aber auch eine anrührende Geschichte mit Tiefgang. Klar, es ging im Kern um Familienwerte, wie das bei Disney so üblich ist. Aber hier war es ohne Kitsch, ohne Pathos, mit realistischen Problemen und vielschichtigen Charakteren geschildert. Es war nicht so, dass sich alle einfach so lieb hatten, weil sie eine Familie sind. Sondern alle mussten sich zusammenreißen, Mitgefühl zeigen, aufeinander zugehen, um miteinander auszukommen und Frieden mit den Wunden längst vergangener Enttäuschungen umzugehen.

Der Nachteil dabei ist allerdings, dass der Film es schwer haben dürfte, den Erwartungen eines Publikums gerecht zu werden, die sich inzwischen an ein recht hohes Erzähltempo gewöhnt haben. Es ist nicht leicht zu sagen, wer die Zielgruppe dieses – wie ich finde – kleinen Filmjuwels sein soll. Für Kinder ist er meiner Meinung nach zu ernst und stellenweise recht gruselig. Für Erwachsene ist er nicht lustig/ironisch genug. Von Teenagern fange ich gar nicht erst an. Entsprechend saßen wir gestern Abend auch nur mit vielleicht 10-20 Leuten im Kinosaal – und dann waren das auch noch außer uns lauter Vollidioten, die die ganze Zeit dazwischengeblökt und Offensichtlichkeiten herausposaunt haben.

Angesichts dieser Quote von 98 bis 99 Prozent Vollidioten wundert es mich nebenbei bemerkt dann aber auch gar nicht, dass sich Leute so massiv über die Länge (22 Minuten) des Vorfilms „Olaf taut auf“ beschwert haben, dass Disney den Kurzfilm in den USA aus dem Programm genommen hat. Sicher, kleine Kinder so lange ruhig zu halten, ist nicht einfach. Aber wie gesagt, ich finde, der Film ist ohnehin nichts für ganz kleine Kinder. Ich fand „Olaf“ nicht zu lang. Er war genau richtig und sehr niedlich, wenn auch etwas unterkomplex in der Handlung. Vielleicht könnte man aber überlegen, ob man dann bei der Werbung und den Trailern ein wenig kürzt, zumindest in den Nachmittagsvorstellungen, anstatt ihn gleich ganz rauszunehmen.

Fazit: „Coco“ ist ein Film, dem man eine Chance geben sollte. Es lohnt sich!


Meinen Jahresrückblick 2016 findet ihr hier.

Den Jahresrückblick 2015 gibt’s hier.

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86. Stück: Die schlechtesten Filme in 2016

Die besten Filme in 2016 habe ich euch schon verraten. Aber ein filmischer Jahresrückblick darf natürlich auch die Flops nicht verleugnen.

Flop 10 2016: Die größten Enttäuschungen und schlechtesten Filmgurken des Jahres

10. „Café Society“

„Café Society“ von Woody Allen gehört leider zu den schwächeren Filmen meines Lieblingsregisseurs. Der launige Tonfall, die flotte Jazzmusik, Humor und pointierte Dialoge sowie die nostalgische Atmosphäre der höheren Gesellschaft in Hollywood und New York der 30er und 40er Jahre hat er wie gehabt exzellent getroffen … aber leider passiert darüber hinaus nicht wirklich was. Und wenn doch etwas passiert, wird es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen, und munter weitergeplaudert. Dadurch gerät die Handlung leider ins Belanglose, was schade ist, und meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre. Ich habe den Eindruck, Woody Allen hat diesen Film so zwischendurch als Fingerübung gemacht, oder weil er gerade nichts Besseres in der Schublade bereitliegen hatte.

Die Schauspieler machen ihre Sache prima und scheinen viel Spaß zu haben. Kristen Stewart hat mich positiv überrascht, habe ich sie doch noch immer als somnambules, devotes Frauchen aus den „Twilight“-Filmen in Erinnerung. Aber sie kann auch anders. Jesse Eisenbergs Körperhaltung bereitet mir indes ein wenig Sorgen. Der ist jünger als ich und hat schon einen Buckel wie ein 90-Jähriger. In ein paar Jahren hat der übelste Rückenprobleme, vielleicht sogar einen Bandscheibenvorfall. Das tut ja schon beim Zuschauen weh … also ein bisschen Kraftsport und ein Tanzkurs würden wirklich nicht schaden.

Fazit: Daran, dass ich mir über potenzielle Rückenbeschwerden des Hauptdarstellers Gedanken mache, während der Film läuft, kann man eigentlich auch schon erkennen, dass mich die Handlung nicht sonderlich gefesselt hat. Hoffentlich macht Woody Allen als nächstes wieder einen Thriller, das kann er nämlich richtig gut.

9. „The Hateful 8“

„The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino hat mich leider enttäuscht. Vielleicht ist es ja keine schlechte Idee von Tarantino, nur noch zwei Filme zu machen und sich dann aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass er allmählich anfängt, seine Ideen zu wiederholen und unnötig auszuwalzen (wobei Christoph Waltz dieses Mal nicht dabei ist, aber die Rolle von Tim Roth erinnert sehr, sehr stark an die typischen Christoph-Waltz-Figuren). Vielleicht bin ich aber auch einfach mit zu hohen Erwartungen in diesen Film gegangen, sodass ich deswegen enttäuscht bin.

Jedenfalls fand ich das Tempo vom Film unausgewogen, die Spannungskurve zu schlaff. Die erste Hälfte hat noch meine Neugier aufrechterhalten, obwohl das Erzähltempo da gemächlicher war. Aber so baute sich allmählich das gesamte Konstrukt, die brisante Figurenkonstellation auf, was für Spannung sorgte. In der zweiten Hälfte explodiert die Handlung, die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag, das Tempo wirkt übereilt, hektisch und gehetzt. Der Schluss ist dann wieder etwas zu langgezogen geraten. Das passte meiner Meinung nach alles nicht ganz zusammen, wirkte nicht stimmig.

Ich denke, dem Film hätte es gut getan, wenn er eine Stunde kürzer gewesen, dafür aber schneller auf den Punkt gekommen wäre und die Action etwas stimmiger verteilt hätte. Kammerspiele können sehr spannend sein, erst recht, wenn eine so konfliktträchtige Figurenkonstellation im Mittelpunkt steht. Die psychologische Spannung eines Kammerspiels über gut drei Stunden zu halten, ist jedoch äußerst schwierig, und in diesem Fall meines Erachtens nicht gelungen.

Fazit: Lieber noch mal einen der älteren Tarantino-Filme gucken oder Erwartungen ein wenig herunterschrauben.

8. „Legend“

„Legend“ von Brian Helgeland ist zwar eine fantastische Schauspielerleistung von Tom Hardy, aber als Film insgesamt nur mittelmäßig. Die große Stärke des Films – Tom Hardys wirklich virtuose Wandlungsfähigkeit in der Doppelrolle der Kray-Zwillinge – ist leider gleichzeitig auch seine Schwäche. Es scheint, als habe man sich zu sehr darauf verlassen, dass Hardy den Film schon trägt, und als habe man darüber die anderen Aspekte, die einen mittelmäßigen von einem herausragenden Film unterscheiden, vernachlässigt.

Die Handlung dümpelt vor sich hin, ohne wirklich Fahrt aufzunehmen. Es sind zwar pflichtgemäß die meisten Handlungsmotive für das Genre Gangsterfilm vorhanden: Aufstieg und Fall der Gangstergrößen, Drogen, Gier, Gewalt und Wahnsinn führen zum Absturz, eine junge hübsche Frau, die sich wünscht, ihr Mann möge ehrlich werden … Aber der Rhythmus ist zu unentschlossen, das Tempo nicht stimmig, die Spannungskurve kaum zu erkennen. Die mise en scène ist durchaus gelungen, man fühlt sich ins London der 60er Jahre hineinversetzt. Der Soundtrack ist nicht schlecht. Aber es reißt einen nicht wirklich mit.

Irgendwie wirkt der Film ein wenig … feige. Als hätte man sich nicht so recht entschließen können, ob man die Kray-Zwillinge nun als brutale, skrupellose Gangster oder als eigentlich ganz sympathische Halunken darstellen wollte. Und statt zu versuchen, sie zunächst richtig sympathisch einzuführen, damit hinterher die Fallhöhe größer ist, wenn sie sich als brutale, skrupellose Gangster entpuppen, wabert es die ganze Zeit irgendwo dazwischen. Das macht es schwierig, mit den Figuren mitzufiebern, trotz dem tollen Schauspiel. Wenn man den Film mit anderen Gangsterfilmen vergleicht, wie zum Beispiel „Goodfellas“, dann wirkt er leider etwas schwach.

Fazit: Tom Hardy in der Doppelrolle lohnt schon das Ansehen, aber ein Muss ist der Film trotzdem nicht.

7. „Ice Age – Kollision voraus!“

„Ice Age – Kollision voraus!“ ist der fünfte Teil der Reihe und nicht sonderlich einfallsreich. Scrat rettet wieder einmal den Film vor der völligen Belanglosigkeit und sorgt für die meisten Lacher, ansonsten ist die Handlung dieses Mal wirklich mau. Ein riesiger Komet rast auf die Erde zu und die Freunde Manni, Diego und Sid nebst Anhang müssen sie retten[spoiler], was sie auch schaffen[/spoiler]. Ja. Das war’s auch schon. Ach so, und dann gibt’s noch ganz viel Familienschnulz, schließlich muss man die über 90 Minuten ja irgendwie füllen. Die Dialoge triefen vor klischeehaftem Platitüdenkitschquark, alle haben sich lieb und die Konflikte lösen sich sämtlich in Wohlgefallen auf. Na gut, man will vermutlich der Hauptzielgruppe (Familien mit Kindern) den Popo pudern, deswegen muss man dann die Figuren so Zeugs sagen lassen wie „Hach, unser kleines Mädchen ist erwachsen geworden“, „Man muss loslassen“ und überhaupt, man müsse nur an sich glauben und sich selbst treu bleiben, dann schaffe man alles, lebe deine Träume, aber träume nicht dein Leben, ein Leben ohne Lächeln ist ein verlorener Tag und Morgenstund hat Gold im Mund.

Fazit: Ist nicht wirklich toll, aber auch nicht komplett scheiße. Scrat ist super und der Film insgesamt zwar überraschungsfrei und so tiefsinnig wie eine Pfütze im Hochsommer, aber die restlichen Figuren sind nach wie vor niedlich, sodass das Ganze immerhin ganz nett ist und in jedem Fall eine prima Beschäftigung, um dem Hamburger Schmuddelwetter zu entkommen.

6. „Victor Frankenstein“

„Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ von Paul McGuigan kommt einfach nicht aus dem Quark und enttäuscht auf ganzer Linie. Dabei ist der Ansatz interessant: Die Geschichte wird aus Sicht von Igor, Frankensteins Assistenten, erzählt und würde somit einen neuen Blickwinkel auf die altbekannte Handlung erlauben. Mit Daniel Radcliffe als Igor, James McAvoy als Victor Frankenstein und Dr. Moriarty-äh-Andrew Scott als Inspector Turpin ist der Film auch noch herausragend besetzt, sogar die Love-Interest-Alibifrau Jessica Brown Findlay als Lorelei macht einen tollen Job und schafft es, ihrer Nebenfigur Profil und Persönlichkeit zu verleihen. Die mise en scène und die Kostüme sind ebenfalls großartig und entführen den Zuschauer in das London des späten 19. Jahrhunderts. Nach einem starken Anfang mit spannender, actiongeladener Fluchtszene ebbt der Film jedoch komplett ab und dümpelt danach trantütig seinem viel zu späten Ende entgegen.

Das Problem bei „Victor Frankenstein“ ist, dass zu viel behauptet und zu wenig gesagt, gedacht, gefühlt und getan wird. Man sieht und hört fast zwei Stunden lang vier Talking Heads beim Moralisieren und Thesenaufstellen zu. Dabei stehen Victor Frankenstein, Inspektor Turpin und Lorelei jeweils für eine bestimmte These in Bezug auf das Erschaffen von neuem Leben durch den Menschen. Frankenstein, wahnsinnig vor Ehrgeiz, will unbedingt Leben erschaffen, weil [spoiler]er Schuldgefühle wegen seines toten Bruders hat [/spoiler]oder so. Inspektor Turpin glaubt laut Drehbuch ganz doll an Gott, was sich daran erkennen lässt, dass ständig in Nahaufnahme das Kreuz und der Rosenkranz gezeigt werden, die er fest in den Händen hält. Deswegen ist er aus Prinzip dagegen, dass der Mensch Gott spielt und damit basta. Lorelei hingegen ist die Stimme des Herzens und der Liebe, sie ermutigt Igor, auf sein Gewissen zu hören und seiner Intuition zu vertrauen (merkt dabei aber nicht, dass sie Igor genauso bequatscht und in ihre – wenn auch menschlich-liebevolle – Ideologie einzubinden und zu manipulieren versucht.) Das ist eigentlich hochspannend und mit etwas mehr Tempo, pointierten Dialogen, raffinierten Schnitten und schärferer, entschlossenerer Figurencharakterisierung wäre das auch eine coole Sache geworden. Insbesondere dadurch, dass mit dem Vierten im Bunde, Hauptfigur und Erzähler Igor, eine Zwischenstellung inmitten dieser drei grundverschiedenen Positionen vorhanden ist. Er verspürt den Wissensdurst, Forschergeist und Ehrgeiz von Frankenstein, spürt jedoch die Menschenliebe und das unbestimmte Gefühl schlechten Gewissens beim Gedanken, den Toten nicht ihre Ruhe zu gönnen, wie Lorelei. Und ein leichtes Unbehagen beim Gedanken, Gott zu spielen, grummelt da auch in seinem Hinterkopf, wenn auch nicht so fanatisch wie beim Inspektor.

Leider hat das nicht geklappt. Die Figur des Inspektors wirkt völlig überflüssig und redundant, er findet immer nur das heraus, was der Zuschauer schon längst weiß, und hinkt mit seinen Erkenntnissen im Vergleich zur Zuschauerinformiertheit meilenweit hinterher. Sein Glaube wirkt aufgesetzt und überzeugt kein Stück, es sei denn, man ist ohnehin selber strenggläubig und von vorneherein prinzipiell seiner Meinung, aber dann schaut man sich ja so einen Film gar nicht erst an. Mit Ausnahme Igors machen keine der Figuren eine Entwicklung durch, sie haben von Anfang an dieselbe Einstellung, dieselbe Haltung und lassen sich durch nichts davon abbringen. Wie Engelchen und Teufelchen, Über-Ich und Es zerren sie alle an Igor und seinem Selbstverständnis, seinem Gewissen, und wollen ihn auf ihre Seite ziehen. Das passiert aber so lahm und lustlos, dass keinerlei Spannung entsteht. Die an sich fantastischen Schauspieler werden – so scheint es – vom Regisseur völlig alleine gelassen. Mit großer Anstrengung schwimmen sie gegen das zähe Drehbuch, die wächserne Figurenkonzeption und die starren Dialoge an, ohne dass es ihnen gelingt, irgendwo Fuß zu fassen.

Fazit: Der Film hätte Potenzial gehabt, ist aber komplett in die Grütze gegangen. Schade. Lohnt sich nicht.

5. „Das Morgan Projekt“

„Das Morgan Projekt“ von Luke Scott hatte eine interessante Grundidee, aber das war’s dann auch schon. Als Kurzfilm hätte das wunderbar funktioniert und wäre spannend geworden. Für einen abendfüllenden Spielfilm jedoch war das zu wenig. Die überraschend gemeinte Pointe am Schluss hatte ich – die ich für gewöhnlich schwer von Begriff bin – bereits nach fünf Minuten geahnt und musste dann noch 85 Minuten darauf warten, dass das dann auch bestätigt wurde.

Im Grunde wird fast der ganze Film auch schon im Titel verraten, es fehlt nur der Zusatz „Das Morgan Projekt scheitert“. In den ersten zehn bis 15 Minuten wird das Morgan Projekt erklärt – wie gesagt, interessante Grundidee mit der KI und der genetischen Modifikation künstlicher Menschen – und der Rest zeigt dann, wie dieses Projekt gründlich in die Grütze geht und in einem Blutbad endet. Dann noch kurz die vorhersehbare Pointe und fertig ist die Laube.

Mit einer etwas detailreicheren Figurencharakterisierung hätte man aus dem Film viel mehr machen können. Stattdessen bleiben alle Figuren flach, holzschnittartig und langweilig. Es ist einem als Zuschauer vollkommen gleichgültig, was mit ihnen passiert, welche Entscheidungen sie treffen und warum. Eigentlich sollte man zumindest mit Morgan mitfiebern und Sympathien für sie empfinden, damit ihre spätere Entwicklung einen kümmert und etwas bedeutet.

Das ist schade um die Schauspieler, die eigentlich ihre Sache ganz gut machen – so gut es eben geht, wenn einem das Drehbuch so wenig Material zum Arbeiten liefert. Vor allem Anya Taylor-Joy scheint mir eigentlich eine gute Schauspielerin und ein vielversprechendes Nachwuchstalent zu sein. Doch nun ist das nach „The Witch“ schon der zweite Film mit ihr in der Hauptrolle, der echt nicht gelungen war und sein Potenzial in die Tonne getreten hat. Ärgerlich!

Fazit: Lohnt sich nicht. Dann lieber „Ex Machina“ noch mal gucken.

4. „Batman V Superman“

„Batman v Superman“ von Zack Snyder hat mich enttäuscht. Ich dachte, bei all den schlechten Kritiken kann er so schlimm nicht sein …

Doch.

Es lag vielleicht auch daran, dass ich „Man of Steel“ nicht mehr so im Kopf hatte und mich mit den Comicvorlagen nicht auskenne – ich habe bislang nur die Filme gesehen. Deswegen habe ich in der ersten Hälfte überhaupt nicht kapiert, was die Leute alle eigentlich für ein Problem haben. Warum hassen plötzlich alle Superman? Wieso hat Batman ihn so auf den Kieker? Wer ist der Flugheini, mit dem sich Superman zu Beginn prügelt und dabei die ganze Stadt zermalmt? Wieso ist der Rollstuhltyp pissig auf Bruce Wayne, der ihm das Leben gerettet hat? Was genau will Lex Luthor eigentlich? Fragen über Fragen …

Das Unterhaltendste an dem Film war dann auch die Pause, wo meine beiden Begleiter mir zumindest einen Teil der Fragen beantworten konnten und sich der Herr neben uns vergnügt einmischte, um über Sinn und Logik von Superheldenfilmen zu diskutieren. Gut, den Seitenhieb, wenn man Logik suche, könne man sich ja Rosamunde-Pilcher-Filme anschauen, hätte man mit etwas bösem Willen als eine Spur frauenfeindlich interpretieren können. Aber na ja, ich habe mich auch über die männliche Eitelkeit dieser beiden Superhelden lustig gemacht, also hab ich quasi angefangen 😛 Die männliche Eitelkeit dieser beiden Supertrottel, die nicht peilen, dass sie beide denselben Feind haben, ist aber auch wirklich albern! Überhaupt ist dieser Konflikt völlig an den Haaren herbeigezogen und einfach nur idiotisch. Auf der anderen Seite, wäre Batman zu Superman hingegangen und hätte gesagt „Moinsen, du sachma, dieser Lex Luthor, ne, das ist doch ein vollkommen wahnsinniger, gemeingefährlicher Psychopath, der die Welt zerstören will. Wollen wir den nicht zusammen aufhalten, ist lustiger als alleine“ und Superman hätte dann geantwortet: „OK“ -> Dann wäre der Film ja schon nach einer Minute aus gewesen und man hätte keinen Grund gehabt, lauter Sachen in die Luft zu jagen. Und das geht ja nun auch nicht.

Die zweite Hälfte war dann nicht ganz so schlimm, dann musste man auch nicht mehr so lange auf Wonder Woman warten – die übrigens supercoole Kleider tragen durfte, nur so nebenbei. Dann haben sich die beiden Gockel ja auch endlich zusammengerauft und man musste diesen vollkommen lächerlichen Männerzickenkrieg, das Säbelgerassel und den Schwanzvergleich nicht länger ertragen.

Die Dialoge waren platt und dümmlich, die Story hanebüchen und wirr erzählt, ohne Vorkenntnisse kaum nachvollziehbar. Ben Affleck trägt als Batman seinen einen Gesichtsausdruck tapfer spazieren, wirkt ansonsten aber ziemlich lustlos. Man kann argumentieren, dass auch sein Batman völlig am Arsch ist und seine Darstellung somit zur Figur passt. Es ist aber auch so, dass er es nicht besser kann. Henry Cavill als Superman macht seinen Job OK. Die wunderbare Amy Adams ist als Lois Lane gnadenlos unterfordert. Der Einzige, bei dem es Spaß macht, zuzugucken, ist Jesse Eisenberg als vollkommen durchgeknallter Lex Luthor. Er erinnert zuweilen fast an Heath Ledger als Joker.

Fazit: Ach, das reicht, wenn man den Trailer gesehen hat.

3. „The Witch“

„The Witch“ von Robert Eggers hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich hatte subtilen Grusel, psychologischen Tiefgang und emotional berührende, menschliche Dramen à la „Babadook“ oder „Das Waisenhaus“ erwartet, doch die Figuren laden einen hier überhaupt nicht dazu ein, mit ihnen mitzufiebern und auf ein gutes Ende für sie zu hoffen. Wie soll denn da Spannung und Schrecken in einem Horrorfilm entstehen, wenn man die Figuren nicht leiden kann? Dann ist es einem doch völlig wumpe, was mit ihnen passiert. Gut, ich muss dazu sagen, ich bin da nicht ganz objektiv. Ich kann diesen religiösen Fanatismus, den man über allen gesunden Menschenverstand stellt, einfach nicht nachvollziehen. Meine Güte, dann interpretieren die Heinis im Dorf die Bibel eben anders als der Familienvater, das ist doch kein Grund, stur auf seinem Recht zu beharren und dafür in Kauf zu nehmen, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Vor allem ist das einfach nur extrem dumm, wenn man ohne diese Gemeinschaft nichts zustande kriegt und einem die ganze Familie in der Einöde durchdreht. Aber gut, das war halt die Prämisse des Films, sonst hätte es keine Geschichte gegeben.

Übrigens beruht dieser Film teilweise auf historischen Dokumenten, solche ähnlichen Vorkommnisse hat es also wirklich im 17. Jahrhundert in den USA gegeben. Gemixt wurde dies mit Volkssagen, was ich eigentlich einen interessanten, spannenden Ansatz finde. Trotzdem reicht das nicht aus für einen letzten Endes fiktionalen Film. Da muss man auch ein wenig Erzählkunst anwenden, Spannung aufbauen, die Figuren so charakterisieren, dass sie um die Gunst der Zuschauer buhlen. Es sei denn, man will partout einen öden, schnarchlangweiligen Film machen, dann ist das aber dem Publikum gegenüber unfair, den Kram als Horror- oder Gruselfilm zu verkaufen. Am Ende [spoiler]wird zwar noch mal tüchtig herumgesplattert, aber ohne den Humor von Quentin Tarantino wirkt das einfach nur völlig daneben, bescheuert und albern.[/spoiler] Na ja, wenigstens dauert der Unsinn nicht viel mehr als 90 Minuten.

Nichtsdestotrotz kann ich verstehen, warum der Film so gute Kritiken in der Presse bekommen hat. Für Cineasten, Intellektuelle und Irgendwas-mit-Medien-und-Film-Studenten bietet dieser Mumpitz nämlich einige Interpretationsansätze. Wer was mit Filmen oder Erzähltheorie oder Kulturwissenschaften studiert, aufgemerkt: Hier kommen ein paar Ideen für Hausarbeiten. So kann man den Film zum Beispiel historisch analysieren und gucken, wie die Originaldokumente eingebunden wurden, vielleicht auch eine Parallele zu unserer heutigen Zeit ziehen und schauen, wo uns religiöser Fanatismus und wahnhafte Verblendung heutzutage begegnen. Man kann aber auch wunderbar eine psychoanalytische Interpretation nach Freudschem Vorbild an dem Film versuchen. Wir haben da ein junges Mädchen und ihren jüngeren Bruder, die allmählich ihre Sexualität entdecken, und huch!, der Bruder wird sich gewahr, dass seine Schwester Brüste bekommt. Die Mutter wird rasend eifersüchtig auf die Tochter, der Vater hat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu ihr. Herrlich, ein Fest für Freudianer, da haben wir Inzest (oder fast), Kastrationskomplexe (der Vater hackt dauernd Holz wie ein Verrückter, weil er nämlich sonst nichts kann, also sprichwörtlich impotent ist), Penisneid, Ödipus-Komplex und auch noch gleich zwei gar prächtige Phallussymbole in Form der [spoiler]Hörner des satanischen Ziegenbocks[/spoiler]. Und man kann außerdem die Wirklichkeitskonstruktion im Film auseinander nehmen: Was ist in der erzählten Welt real passiert, was waren nur Träume, Visionen, Einbildungen, die dem schleichenden Wahn aufgrund von Mangelernährung, Isolation, Einsamkeit, Trauer, Langeweile und religiösem Übereifer geschuldet sind?

Fazit: Sofern man nicht studiert und ein Seminarthema sucht oder sich gern 90 Minuten lang im Kino quält, weil er meint, je öder ein Film, desto anspruchsvoller ist er und desto schlauer, toller und besser ist man selbst, weil man den Käse erträgt, kann man sich den Film sparen.

2. „Ben Hur“

„Ben Hur“ von Timur Bekmambetov ist tatsächlich ziemlich schlecht. Nicht ganz so schlimm wie „Jupiter Ascending“ – es gibt immerhin ein paar spannende Szenen und das Wagenrennen ist zugegebenermaßen sehr gelungen -, aber dennoch nicht gut gemacht. Aber ich fange mal ganz von vorne an:

Es waren einmal zwei dauerpubertierende Knalltüten, die sich ständig gegenseitig beweisen mussten, wer den Größten hat. Der eine hatte Minderwertigkeitskomplexe und lief deswegen immer mit ausgekugelter Unterlippe und dauerbeleidigtem Schmollmund herum. Der andere war ein ganz normaler Trottel, der das Glück hatte, in eine wohlhabende Familie hineingeboren worden zu sein, und später das Pech hatte, dass sein Bruder ein rachsüchtiger, eitler Gockel ist, der den Machthabern partout in den Allerwertesten kriechen wollte. [spoiler]Er landet als Sklave in einer Galeere, sie geht unter, er nicht. Dann taucht Morgan Freeman auf, guckt weise und brummt einen Kalenderspruch nach dem nächsten vor sich hin (er ist auch der Erzähler der ganzen Chose, schildert das Geschehen jedoch etwas pathetischer und salbungsvoller als meine Wenigkeit, die ich für dümmliche Schwanzvergleiche unter zwei Idioten nichts übrig habe). Und dann gibt’s ein (wie gesagt, fesselnd inszeniertes) Wagenrennen, dezent symbolträchtig fährt der Heini, der zu den Guten gehört, mit vier weißen Pferden und der Abtrünnige mit dem Backpfeifengesicht mit vier schwarzen Pferden im Kreis.

Überraschung: Der Gute gewinnt, wenn auch knapp. Dann könnte der Film eigentlich zuende sein, aber man muss ja irgendwie noch rechtfertigen, dass zwischendurch Jesus auftaucht und spricht, wie der Kater von Shrek (aber nicht so süße Stiefelchen anhat). Warum er wie der Klischee-Latino vom Dienst daherkommt, wird nicht erklärt, aber auf jeden Fall sagt Jesus viele schlaue Sachen (denen ich auch zustimmen würde) und ist ein sehr netter Kerl. Gekreuzigt wird er trotzdem und dann fängt es ganz dramatisch an zu regnen und dieser Wunderregen heilt schwuppdiwupp die leprakranken Mutter und Schwester von Ben Hur. Mit dem Bruder ist zum Schluss auch wieder alles paletti, auch, wenn er nicht nur das Rennen, sondern auch ein Bein verloren hat und seine Soldatenehre in die Tonne kloppen kann. Der Film endet schließlich damit, dass sich alle wieder vertragen und fröhlich durch die Gegend reiten und die beiden Knalltüten wieder um die Wette pesen.[/spoiler]

Zum Glück ist der Film aber nicht so lang. Allerdings hätte man sich schon etwas mehr Mühe geben und Zeit lassen können, um die Charakterzeichnung etwas komplexer zu gestalten. Die Figurenmotivation wirkte aufgesetzt und nicht nachvollziehbar. Die Leute haben getan, was sie getan haben, weil es im Drehbuch stand, nicht, weil es einer inneren Logik der Figurencharakterisierung und Logik der erzählten Welt folgte. Bis zum Wagenrennen rast der Film durch die einzelnen Ereignisstationen, frühstückt sie möglichst schnell ab, danach versinkt der ganze Murks in Schmalz und religiösem Quatsch. Das war dann nur noch unfreiwillig komisch, soweit, dass ich meine ganze Selbstbeherrschung auffahren musste, um nicht „Always look on the bright side of life“ *phüphü-phüphü-phüphüphüphü* zu singen / zu pfeifen.

Ach so, und noch was: Den Film mit Charlton Heston habe ich nie gesehen – ich habe diese Version also ohne Vergleichsmöglichkeiten angeschaut.

Fazit: Der Film wirkt lieblos heruntergenudelt, die Figuren sind flach, die Inszenierung gehetzt und unausgegoren, die Schauspieler wirken wie Falschgeld und orgeln mäßig motiviert ihren Text herunter. Ein guter Film sieht anders aus. Kann man sich aus Jux aber trotzdem mal anschauen, wenn er zum Beispiel auf Netflix läuft.

1. „Die Bestimmung – Allegiant“

„Die Bestimmung – Allegiant“ von Robert Schwentke ist der dritte Teil der Verfilmungen der Romantrilogie von Veronica Roth. Aus unerfindlichen Gründen wurde auch der dritte Band der Romanreihe für die Filmadaption in zwei Teile zerhackstückt. Damit das überhaupt einigermaßen zu rechtfertigen ist, hat man sich kurzerhand fast vollständig von der literarischen Vorlage gelöst und einen eigenen Quark zusammengerührt. Geblieben sind die Namen der Figuren und die Ausgangssituation mit den fünf Fraktionen, dem Chaos nach deren Zusammenbruch sowie das Setting in der Stadt Chicago. Das, was sich hinter der Mauer befindet, entspricht ebenfalls zumindest grob vom Prinzip her dem, was im Buch beschrieben wird.

Das, was aus der spannenden, interessanten Ausgangssituation gemacht wird, ist leider völliger Mist. Die Dialoge bestehen – wie auch schon in der misslungenen Verfilmung von „Die Auserwählten in der Brandwüste“ – im Wesentlichen aus „Lauft!“ „Kommt schnell!“ und „Wir müssen hier weg!“ (Ach, nee!?). Immerhin, und das ist eine Verbesserung im Vergleich zum zweiten Teil der Filmreihe, turteln Four und Tris diesesmal mangels Zeit und Gelegenheit weniger miteinander herum, sodass man dieses unsympathische Liebespaar nicht zu oft ertragen muss. Nur schade, dass auch die sympathischen Nebenfiguren zu kurz kommen, insbesondere Peter, der nicht nur mit dem großartigen Miles Teller besetzt, sondern als Figur bereits im Buch schon am spannendsten war, wird hier holzschnittartig zu einem simplen Verräter zusammengestampft.

Und es tut mir leid, aber es ist einfach albern, Teenagerrollen mit erwachsenen Männern zu besetzen, denen man ansieht, dass sie fast 30 sind. Theo James ist halt einfach kein herausragender Schauspieler und wäre als Lichtdouble von Moritz Bleibtreu besser aufgehoben. Gegen Shailene Woodley habe ich im Grunde nichts, aber auch sie bleibt flach und langweilig.

Die dürftige Handlung wurde künstlich aufgeplüscht, indem willkürlich ständig irgendwelche Schießereien, Kämpfe und Prügeleien auf Teufel komm‘ raus ausbrechen. Zum Glück haben sie alle so tolle Waffen und ausreichend Munition, ansonsten wäre das Revolutionspielen ruckzuck vorbei. Da hat man sich wohl ganz an das heilige Motto gehalten, dass einen Bösewicht mit Waffe nur ein guter Held mit Waffe aufhalten könne. Schön, dass das immerhin auf der Leinwand zuverlässig funktioniert, aber ich habe noch ein Motto für meine werte Leserschaft: „Don’t try this at home, kids“ – In der Realität ist es immer noch so, dass Gewalt grundsätzlich Gegengewalt erzeugt und nur eine friedliche Lösung eine echte, nachhaltige Lösung ist. Im Buch wurde das zwar auch nicht so ganz beherzigt, aber ein wenig vielschichtiger war das Ganze dann doch.

Wirklich spannend wird es dementsprechend auch nicht. Ein bisschen Nervenkitzel kam erst auf, als eine Maus im Kinosaal frech von rechts nach links durchs Parkett huschte und ein paar Minuten später von links nach rechts zurücksauste. Verständlich, so wie viele Kinobesucher mit Popcorn herumsauen und nach dem Kinobesuch halbvolle Nacho-Schalen mit Käsesoße auf den Sitzen und dem Fußboden liegen lassen. Da würde ich mich als Maus auch wie im Schlaraffenland fühlen. Die sind ja eigentlich auch ganz niedlich, die Tierchen. Aber eingedenk der Tatsache, dass sie Krankheiten übertragen können, möchte man sie vielleicht nicht so gerne wenige Meter entfernt durch den Kinosaal flitzen sehen.

Fazit: Dieser Film ist Murks, kann man sich sparen. Lest lieber die Bücher.

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