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90. Stück: Kinojahresrückblick 2017 – Die 10 schlechtesten Filme

Zu einem zünftigen Kinojahresrückblick gehören natürlich auch die Filmflops 2017. Auf geht’s!

10. Atomic Blonde

„Atomic Blonde“ von David Leitch hat mich nicht so vom Hocker gehauen. Der Soundtrack war ganz cool, aber anders als der Trailer es vermuten ließ, wird nicht ein 80er-Kracher nach dem nächsten rausgehauen, sondern es werden nur einzelne Szenen mit Musik untermalt. Das sind dann aber auch die Highlights dieses insgesamt eher mauen Thrillers. Gut, Charlize Theron ist schon eine coole Socke und als Top-Agentin überzeugend. James McAvoy spielt den durchgeknallten, zwielichtigen Percival auch ganz gut. Sofia Boutella darf hübsch aussehen und macht das prima.

Die mise en scène kann man auch noch lobend hervorheben, die ist wirklich sehr stylish, ebenso die Kostüme (da habe ich 1989 modisch aber gaaanz anders in Erinnerung). Na ja. Aber da hört es dann halt leider auch schon auf. Man wollte wohl eine raffiniert vertrackte Story voller überraschender Wendungen und Ränkespiele inmitten des ausgehenden Kalten Kriegs zeigen. Darüber hat man aber offenbar völlig vergessen, sich mit der Figurenzeichnung etwas Mühe zu geben. Die Akteure wirken alle holzschnittartig, schablonenhaft und flach. Sie erzeugen keinerlei Sympathie oder Antipathie, es ist einem wurscht, was mit ihnen passiert.

Und dann kann noch so viel in einer Geschichte passieren – wenn es einem wurscht ist, wem dieser ganze Kladderadatsch widerfährt, ist einem auch die Handlung wurscht und dann kann man den Film insgesamt spannungsmäßig in die Tonne kloppen.

Fazit: Hübsche Fassade, nicht viel dahinter. Muss man nicht gesehen haben. Schade.

9. A Cure for Wellness

„A Cure for Wellness“ von Gore Verbinski glänzt mit tollen Bildern und enttäuscht mit einer mauen, wirr erzählten Story. Das ist schon wieder so ein Film, der nicht für normale Zuschauer, sondern für Filmstudenten gemacht ist, die ein Hausarbeitsthema brauchen. Zu analysieren und interpretieren gibt es viel: die Symbolkraft der Bilder und Motive, die intertextuellen Verweise auf Thomas Manns „Der Zauberberg“ (unerträglicher Schinken, nebenbei bemerkt) und Franz Kafkas „Das Schloss“ (merkwürdig und rätselhaft, bricht mittendrin ab und hinterlässt den Leser ratlos). Man kann auch das Genre Gothic Novel darin wiederfinden und einen Bezug zur schwarzen Romantik und den „Nachtstücken“ von E. T. A. Hoffmann herstellen, wenn man es drauf anlegt. Nicht zuletzt ist der Film außerdem eine Coming-of-Age-Geschichte und enthält etwas Sozialkritik, da der junge Lockhart das seelenlose Karrierestreben verkörpert, das die ganze Welt 2008 in die Finanzkrise stürzte und immer noch besteht. Durch die Konfrontation mit den Patienten des Sanatoriums erkennt er dann aber, was wirklich zählt, wächst über sich hinaus, lernt wieder zu leben und bla.

Das alles ist ja ganz hübsch. Aber es ist auch prätentiös, überambitioniert, eitel und selbstverliebt. Die Handlung und Logik der Erzählung und erzählten Welt bleiben dabei genauso auf der Strecke wie Spannung und Unterhaltung. Und nein, Unterhaltung und Anspruch schließen sich nicht zwingend aus, wie zum Beispiel der atmosphärisch und in Grundzügen der Geschichte ähnliche Film „Shutter Island“ gezeigt hat. In diesem Fall aber sieht man den Anspruch und die Mühe der Macher, aber es gibt immer wieder Szenen, die für die Handlung keine Rolle spielen und von der Folgerichtigkeit der erzählten Welt her widersprüchlich sind. Wahrscheinlich wollte man das Unheimliche der Geschichte betonen und deswegen ein paar ambivalente Bilder mittenhinein klatschen, aber gerade wenn man Ambivalenz herstellen will, muss man auf Logik achten.

Wenn eine Interpretationsmöglichkeit (z. B. „war alles nur geträumt“) genauso viel Sinn ergibt, wie eine dem entgegengesetzte Interpretationsmöglichkeit (z. B. „war alles Realität“), dann entsteht Ambivalenz, das Unheimliche, und das ist spannend. In diesem Fall aber gab es zum Ende nur eine schlüssige Interpretationsmöglichkeit und dass da zwischendurch noch ganz plump versucht wurde, eine weitere Interpretation zu ermöglichen, wirkte einfach nur gewollt und konstruiert.

Fazit: Kann man sich sparen. Es sei denn, man ist Filmstudent und auf der Suche nach einem Hausarbeitsthema.

8. A Ghost Story

„A Ghost Story“ von David Lowery ist der zweite Film dieses Jahr, den ich vorzeitig verlassen habe. Insofern als kleine Einschränkung, bevor ich diese Entscheidung begründe, meine Kritik wird sehr subjektiv. Objektiv betrachtet lässt sich sagen, dass Filmkritiker und Filmwissenschaftler den Film bestimmt klasse finden. Aus künstlerischer Sicht gibt es nichts zu meckern, die Erzählweise, die Inszenierung, die Kameraführung und Filmsprache sind ästhetisch schon … interessant. Na ja, aber wie das auch bei Essen ist, das interessant schmeckt, … dieser Film ist einfach sterbenslangweilig.

Es gibt keinerlei Möglichkeit, sich in die Figuren einzufühlen – sie haben noch nicht einmal Namen – die Kamera stellt sich irgendwo hin und filmt dann kommentarlos, was passiert. Problem: Es passiert nichts. Oder fast nichts. Wir sehen ein stinknormales Pärchen, das sich offenbar liebt, aber nicht auf eine außergewöhnliche Art und Weise, sondern ganz normal, wie im richtigen Leben. Gut, Realismus, Authentizität, Bla. Aber wenn ich das richtige Leben haben will, dann gehe ich nicht ins Kino, sondern vor die Tür.

Dann gibt es kaum Dialoge, die Kamera zeigt minutenlang (gefühlt stundenlang) dieselbe Einstellung, ab und zu latscht dann mal einer der Schauspieler ins Bild und wieder hinaus, und es wird seeehr viel geschwiegen. Schon klar, das soll dann poetisch sein oder so. Aber die besten Gedichte sind kurz. Das ist ja gerade der Witz an Lyrik. Also, der Film wäre sicherlich genauso künstlerisch ansprechend, dafür aber einigermaßen unterhaltsam gewesen, hätte man ihn auf 10-15 Minuten heruntergekürzt.

Musik gibt es auch kaum, was ja nicht unbedingt ein Manko sein muss, aber da in diesem Film einfach mal gar nichts passiert, hätte man sich doch über ein paar traurigschöne Melodien mehr gefreut.

Die Schauspieler spielen gut, aber sie spielen halt für sich und nicht fürs Publikum. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass der Film für die Schauspieler und den Regisseur, vielleicht noch für die Kritiker und Filmwissenschaftler gemacht wurde – aber nicht für die Zuschauer. Der Unterhaltungswert geht gegen Null, die 1,5 Sternchen gibt’s für die interessante Ästhetik.

Jedenfalls, als Rooney Mara dann 15 Minuten lang einen Kuchen aß und es hörte einfach nicht auf und sie isst ohne Scheiß den ganzen verdammten Kuchen auf!!! Dann sind wir gegangen. In dem Moment hat sie zwar den Kuchen aufgegessen und schickte sich an, selbigen ins Klo zu reihern, aber da waren wir dann schon zu dem Schluss gekommen, dass es wohl in diesem unerträglich langatmigen Stil weitergehen würde – und haben uns auf den Heimweg gemacht.

Fazit: Wenn man den Trailer gesehen hat, muss man den Film nicht mehr sehen. Oder man schaut ihn im Fernsehen, wenn man mal nicht schlafen kann. Lohnt sich nicht.

7. Dunkirk

„Dunkirk“ von Christopher Nolan war zwar nicht schlecht gemacht, ich fand ihn aber trotzdem langweilig. Deswegen drösel ich meine Kritik dieses Mal ein wenig auf: Erst beschreibe ich, was an dem Film gut war, dann, warum ich dennoch eingeschlafen bin. Die Bewertung setzt sich ebenso zusammen: 3 Sterne für den Film als solches, 0 Sterne von mir persönlich, also 1,5 Sterne im Durchschnitt.

„Dunkirk“ ist in einem dokumentarischen Stil gedreht, das Geschehen wird relativ wertfrei gezeigt, ohne dass sich eine deutliche Erzählinstanz einmischt. Dadurch wirkt der Film unvermittelt und authentisch. Raffiniert ist die Idee, die Ereignisse am Strand von Dünkirchen im Jahr 1940 aus drei verschiedenen Perspektiven in drei verschiedenen zeitlichen Abläufen zu zeigen. Die Ereignisse an Land mit den jungen Soldaten beschreibt eine Woche vor der Evakuierung, die Ereignisse an Bord des Fischerbootes finden innerhalb eines Tages statt, die Ereignisse in der Luft mit den Piloten innerhalb einer Stunde. Da muss man eigentlich die ganze Zeit aufmerksam bleiben, um da den Überblick zu behalten.

Und das führt mich auch schon direkt zu den Gründen, weshalb ich „Dunkirk“ doof fand. Dieser dokumentarische Stil ohne erzählerische Vermittlung ist total anstrengend. Authentizität macht eben noch lange keinen guten Film aus. Die Story fehlte komplett. Die Figuren hatten null Profil, boten null Identifikationsmöglichkeiten, waren unsympathisch, langweilig und austauschbar. Zumal die Schauspieler auch alle mehr oder weniger gleich aussahen, nur der blonde Sohn vom Fischerboot-Kapitän stach optisch heraus. Sonst war ich die ganze Zeit verwirrt, weil ich nicht genau wusste, wer wer ist. Die Schauspieler waren außerdem nicht sehr gut, vor allem Harry Styles sollte zurück zu seiner Boyband gehen und das mit der Filmerei lassen. Ich war am Ende ganz überrascht, als Tom Hardy plötzlich zu sehen war – ich hatte völlig vergessen, dass er da ja mitspielt. Cillian Murphy und Kenneth Branagh erkennt man auch, aber sonst … Einheitsbrei.

Gut, das war wohl dem Ziel der Authentizität geschuldet. So sahen die Soldaten und jungen Männer damals halt aus. Aber die Verwirrung hört ja nicht dabei auf. Man bekommt nur am Anfang die Sache mit den drei Zeitebenen mitgeteilt. Danach gibt es keinerlei Hinweise zu Datum und Uhrzeit. Wer es also da nicht geschnallt hat, kommt völlig durcheinander. Außerdem gibt es überhaupt keine Spannungskurve. Es bleibt von Anfang bis Ende auf einem hohen Level an Gerummse und Gewummer, sodass man von der Reizüberflutung völlig erschlagen wird. Der dröhnende Score von Hans Zimmer verschlimmert diesen Effekt auch noch. Bei sowas schlafe ich immer ein und das ist bei so einem Film, der keine Erzählinstanz als Orientierung für den Zuschauer bietet, natürlich Mist, weil man dann überhaupt nicht mehr durchblickt.

Schließlich muss ich noch ergänzen, dass ich mit Kriegsfilmen im Allgemeinen nicht viel anfangen kann. Antikriegsfilme mag ich, aber Nolan hat mit „Dunkirk“ keinen wirklichen Antikriegsfilm vorgelegt. Man kann ihn so interpretieren, man kann ihn aber auch als Kriegsfilm sehen. Das liegt an der dokumentarischen, neutralen Haltung des Films. Die Soldaten, die Leidtragenden des Kriegsgeschehens, hatten leider zu wenig Profil, um mit ihnen mitzufühlen. Bei den Piloten sah man fast nur die Augen (wie gesagt, Tom Hardy habe ich erst am Ende erkannt) und die Handlung in der Luft ist sehr hektisch. Auch keine gute Voraussetzung zum Mitfühlen.

Es blieben also eigentlich nur die drei Menschen auf dem Fischerboot. Und sicher, sie spiegeln die damalige Haltung der Daheimgebliebenen im zweiten Weltkrieg wider. Alle sind von der omnipräsenten Kriegspropaganda völlig verblendet und mit schwachsinnigen Ideen von Heldentum und Männlichkeit und Ehre und Vaterlandsblabla zerschwurbelt. Aber wenn man das nicht weiß, weil man in Geschichte aufgepasst hat, anständig erzogen wurde und gern ins Museum geht, um sich Ausstellungen zu Propaganda anzuschauen, dann glaubt man diesen Quatsch eventuell selbst. Das war mir zu pathetisch-patriotisch geschildert und ohne Sympathieträger, der sich diesem Unsinn entgegen stellt, hat man es als Zuschauer schwer, da zu differenzieren. Klar, es gab Cillian Murphy als traumatisierter Soldat als Gegenpart. Aber der wirkte unsympathisch.

Fazit: Wer Kriegsfilme mag und gut ausgeschlafen ist, kann sich „Dunkirk“ ja mal anschauen und sich selbst ein Bild machen. Der sollte sich von meiner persönlichen Abneigung gegenüber solcher Machwerke nicht abschrecken lassen. Wer meine Kritik nachvollziehen kann, sollte sich lieber noch mal „Im Westen nichts Neues“ oder „Full Metal Jacket“ oder „Good Morning, Vietnam“ ansehen.

6. Der Dunkle Turm

„Der Dunkle Turm“ von Nikolaj Arcel hat mich sehr enttäuscht. Eigentlich dachte ich, meine Erwartungen nicht sonderlich hochgeschraubt zu haben, da die Kritiken mau waren und es hieß, es wäre ein Best-of-Potpourri aus allen 8 Bänden der Fantasy-Buchreihe von Stephen King, keine werkgetreue Umsetzung. Zudem habe ich bislang nur den ersten Band gelesen und meinte daher, so schlimm könne der Film schon nicht werden. Außerdem: Idris Elba als Revolvermann Roland Deschain von Gilead und Matthew McConaughey als Der Mann in Schwarz? Was kann da schon schiefgehen?

Einiges.

An den beiden erwachsenen Schauspielern liegt es nicht, die machen ihre Sache prima und füllen ihre Rollen mit ihrem Charisma glaubwürdig aus. Matthew McConaughey trifft den Tonfall des Mann in Schwarz aus dem Buch hervorragend, eine Mischung aus amüsiert-arrogantem Zynismus, Kälte, Grausamkeit und Intelligenz. Ein wenig irritiert war ich nur von der wächsernen Struktur seines Gesichts in den Nahaufnahmen – schon wieder ein Botox-Opfer? Idris Elba ist perfekt für die Rolle des einsamen, desillusionierten und zwielichtigen Revolvermanns, der allmählich zum Ersatzvater für den Jungen Jake wird.

Der Schauspieler von Jake, Tom Taylor, spielt zwar soweit ganz gut, aber er ist für die Rolle leider ein paar Jahre zu alt. Ich will ja nicht sagen, dass es in dem Buch so-und-so war, aber in dem Buch ist Jake etwa 12 Jahre alt und eindeutig noch ein Kind. Der Jake im Film ist ein Teenager. Es ist aber meines Erachtens für die Geschichte von Bedeutung, dass Jake kein pubertierender Teenie ist, sondern ein verängstigtes, scheues, verunsichertes Kind. Ansonsten fällt es schwer, emotional mit ihm mitzufiebern, weil man den Eindruck hat, der kommt schon klar und kann sich selber helfen. Schießunterricht bekommt er obendrein auch noch, denn – wie wir ja alle wissen – kann nur ein guter Kerl mit einer Waffe schlechte Kerle mit Waffen aufhalten. Ein Grundsatz, den ich, lässt man Ironie und Sarkasmus beiseite, vollkommen bescheuert finde. Die Geschichte hat gelehrt, dass eher der Spruch „Gewalt erzeugt Gegengewalt“ zutrifft.

Man hat also keine wirkliche Identifikationsfigur in dem Film, was das Ganze schon mal schwierig macht. Obendrein hat man sich wohl mit der Idee des Best-of-Potpourris zu viel vorgenommen. Es funktioniert so einfach nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob bereits das Drehbuch Murks war oder ob sie hinterher mit dem Schnitt den Film versaut haben – vermutlich beides. Jedenfalls ist die Handlung völlig zerfahren, ausgefranst und oberflächlich. Hektisch springt das Geschehen zwischen Mitt-Welt und der Erde hin und her, dann muss man ja noch das mit dem Shining erklären, Familienprobleme und ein Trauma hat Jake auch noch (im Buch kann er sich kaum noch an seine Vergangenheit erinnern), und Ach ja! War da nicht noch was mit so einem Dunklen Turm?

Also aus erzählerischer Sicht ist das eine Katastrophe – und das bei Stephen King als Vorlage. Da hätte man sich doch einfach nur etwas enger am Buch zu orientieren brauchen, anstatt völlig unentschlossen zwischen Neuinterpretation, Hommage und eigenständigem Werk hin und her zu wanken und hinterher nichts davon wirklich zu sein. Mittendrin ploppen auf einmal in dem eigentlich düsteren, melancholischen Grundton des Films ein paar Gags auf (die auch ganz lustig sind, aber einfach überhaupt nicht zum Rest passen). Und bei dieser inkonsequenten Erzählweise bleiben Logiklöcher nicht aus. Roland widerspricht sich selbst, die Figuren scheinen ihre Handlungen nicht ganz zuende zu führen, es werden tausend Fässer aufgemacht – und keines wieder verschlossen. Mein Eindruck ist, da haben zu viele durchaus kreative Menschen zu viele Ideen gehabt – einige gut, andere schlecht – und wollten die partout mit in diesen Film quetschen. Und sowas geht eigentlich nie gut aus.

Fazit: So schade um das verschenkte Potenzial. Ich würde vom Kinobesuch abraten. Lest lieber die Bücher, ich für meinen Teil werde mir bei Gelegenheit die anderen sieben Bände auch noch zu Gemüte führen.

5. Plan B – Scheiß auf Plan A

„Plan B – Scheiß auf Plan A“ von Ufuk Genç und Michael Popescu hätte ein witziger Action-Klamauk werden können. Hätte man den Film auf ca. die Hälfte zusammengekürzt und sich durchgängig nicht ernst genommen, wäre nicht so extrem aufgefallen, dass die vier Jungs wirklich nicht spielen können. Also: gar nicht. Leider spielen sie so schlecht, dass sie sogar die professionellen Schauspieler wie Gedeon Burkhard oder Julia Dietze damit anstecken.

Trotzdem gibt es 1,5 Sternchen und nicht nur einen halben Stern, weil man den Jungs ansieht, dass sie Spaß an der Sache hatten. Und ich kann mir auch vorstellen, dass alle anderen Beteiligten sich ebenfalls wunderbar amüsiert haben während des Drehs. Außerdem gibt es ein paar wunderbar trockene, coole und witzige Sprüche und einige gelungene Gags. Die Geschichte ist außerdem so herrlich absurd und over the top an den Haaren herbeigezogen, dass es schon wieder lustig ist.

Doch dann nimmt sich der Film zwischendurch auch furchtbar ernst und schmeißt mit abgelutschten Plattitüden à la „Du mußt nur an dich glauben, dann schaffst du alles“ um sich. Aber es bleibt nicht bei harmlosen Kalenderweisheiten wie dieser, einige der Mottos sind ziemlich grenzwertig. Vor allem der Spruch „Lieber für etwas sterben als für nichts zu leben“ ist ja nun wirklich völliger Käse. Es ist ja wohl klar, dass man ausreichend Gründe zum Leben hat, wenn man Gründe hätte, für die es sich zu sterben lohnt. Und wenn man tot ist, kann man die gar nicht mehr genießen. Außerdem sind dann alle traurig, die einen gut leiden können. Das ist doch Mist. Immerhin wurde dieser Spruch nicht im religiösen oder patriotischen Kontext benutzt. Das ändert aber nichts daran, dass er gefährlicher Schwachsinn ist und Teenagern – die zur Hauptzielgruppe des Films zählen dürften, ich bin eigentlich schon viel zu alt – einen ziemlich üblen Flo ins Ohr setzen kann.

Na ja, und dann war der Film einfach viel zu lang und von der Dramaturgie her zu eintönig. Es gab immer ein Stückchen Handlung, dann eine lange Kampfszene. Dann wieder etwas Handlung und wieder eine lange Kampfszene. Die Choreografien der Prügelszenen ähnelten sich obendrein auch noch stark. Dadurch kam weder ausreichend Spannung noch genug Tempo auf, die eine Actionkomödie braucht, um wirklich von Anfang bis Ende zu unterhalten.

Fazit: Schade, ein durchaus sympathischer Haufen, die vier Freunde, aber die Umsetzung ist leider zu dilettantisch geraten. Und die ernst gemeinten Sprüche nerven. Lohnt sich nicht.

4. Assassin’s Creed

„Assassin’s Creed“ von Justin Kurzel war der erste Film, den ich dieses Jahr im Kino gesehen habe, und gleich ein Volltreffer … als Kandidat für den schlechtesten Film des Jahres. Dass er überhaupt ein halbes Sternchen bekommt, ist dem Umstand geschuldet, dass man nicht null Sterne vergeben kann, und dass Optik und Effekte ganz OK sind. Der Rest aber ist Schrott. Aber der Reihe nach: Die Geschichte allein ist schon vollkommen hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen. Aus unerfindlichen Gründen wollen Mitglieder des Templerordens die Weltherrschaft an sich reißen und die Menschheit versklaven (was sie mit ihrer Zeit anfangen, wenn sie dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt haben, bleibt indes ungeklärt). Zu diesem Zweck benötigen sie den Apfel Edens, also die Frucht vom Baum der Erkenntnis, den Eva gepflückt hat. Allein das Wort „Apfel“ ist schon derart profan, dass das Ganze völlig lächerlich wirkt. Noch alberner wird es, als man das gammelige Obst zu Gesicht bekommt und klar wird: die laufen alle hinter einer dämlichen Boccia-Kugel hinterher.

Jedenfalls, in dieser Boccia-Kugel ist irgendwie der DNA-Code-Dingens für den Freien Willen des Menschen drinne, und wenn man den Apfel in die Hand nimmt, fängt er an zu leuchten und man kann die Gedanken aller Menschen kontrollieren. Wie dem auch sei, die Tempelritter sind hinter dem Zauberbällchen her, was den sogenannten Assassinen nicht in den Kram passt. Die haben nämlich ein Kredo. Das besagt, dass sie frei sind und alles dürfen und nichts dagegen haben, dafür zu sterben. Und sie können gut kämpfen und auf Dächern cool herumposen wie die Ringeltauben.

Nun hätte man ja aus diesem Ansatz mit dem Freien Willen einen spannenden philosophischen Überbau schaffen können. Hat man aber nicht. Die Boccia-Kugel ist nichts weiter als ein Hitchcockscher McGuffin, ein Vorwand, um zwei gegnerische Parteien aufeinander losgehen zu lassen. Das ist aber noch nicht die einzige vertane Chance. Callum Lynch, die Hauptfigur, gespielt von einem heillos unterforderten Michael Fassbender, hat als Kind mit angesehen, wie sein Vater seine Mutter tötete, und wurde darob selbst zum Gewalttäter. Später wird er dann hingerichtet, in Wahrheit lebt er aber noch und kommt in die Forschungseinrichtung von Dr. Sophia Rikkin, gespielt von der wirklich überbewerteten Marion Cottillard. Dort hat er dann reichlich Gelegenheit, seinen durchtrainierten Prachtoberkörper pittoresk zu präsentieren. Die Ärztin erklärt, dass sie erforschen will, wie Aggression und Gewalt entstehen und wie sie sich verhindern ließen. Hochinteressant, wie gern hätte ich dazu ein paar Theorien, Gedankenspiele und Anregungen erfahren.

Aber nein, auch das bleibt bloße Behauptung und Vorwand, damit die Tempelritter und Assassinen sich gegenseitig zünftig die Fresse polieren können. Überhaupt spielt Marion Cottillard ihre Sophia auch unterirdisch schlecht. Bedeutungsschwanger hält sie ihre Smokey Eyes und perfekt geschminkten Lippen in die Kamera, trägt ihre eleganten Seidenblusen spazieren und sondert gelegentlich einen Satz ab, den sie jeglicher Bedeutung beraubt. Ihre Figur ist zudem mies konzipiert, ihre Motivation wird überhaupt nicht klar. Erst heißt es, sie lebe für die Forschung und wolle alles daran setzen, ihr Projekt zu verwirklichen und den Kern der Gewalt zu entschlüsseln. Und dann braucht es nur einen abgrundtief dummen Schlussdialog, und sie wirft alle ihre Ideale über den Haufen. „Du weißt, was jetzt passiert.“ „Ich kann das nicht.“ „Doch, du kannst.“ – Dö-döm! (Und auf dem Niveau waren ALLE Dialoge

Zwischendurch wird auch das Thema Generationenkonflikt gestreift, doch das bleibt ebenfalls ohne Folgen, ohne Bedeutung. Ansonsten rennen und hopsen die Assassinen munter durch die Gegend und werden von den Tempelrittern dabei verfolgt, die reichlich angepisst sind, weil ihnen jemand ihre Weltherrschaftspläne zu vereiteln gedenkt. Dass das Ganze in unterschiedlichen Zeit- und Bewusstseinsebenen spielt, hätte spannend werden können, ist aber auch völlig egal.

Fazit: Was. Für. Ein. Scheiß. Kann man sich sowas von sparen! Der war noch nicht einmal unfreiwillig komisch, wie „Ben Hur“, sondern einfach schlecht. Fast genauso mies wie „Jupiter Ascending“ – und das will was heißen.

3. Volt

„Volt“ von Tarek Ehlail war leider sehr enttäuschend. Das Thema, die Geschichte, sind hochaktuell, brisant und spannend. Da hätte so ein fesselnder Dystopiethriller draus werden können. Stattdessen ist das passiert, womit die „Tatort“-Filmemacher immer wieder vielversprechende Stoffe in die Bedeutungslosigkeit auswalzen: Das Privatgeschwurbel eines Einzelnen nahm den gesamten Fokus in Anspruch. Unterlegt wurde die Seelenpein des Polizisten Volt mit sinistrem Unglücksgeraune im Soundtrack, das mit dröhnenden Bässen die zernuschelten Dialoge übertönte.

Überhaupt, dieses Nuscheln! Das ist Til Schweigers Markenzeichen, aber das heißt nicht, dass man sich an ihm ein Beispiel nehmen sollte. Man lernt schließlich in der Schauspielausbildung (und da spreche ich aus Erfahrung) sowohl authentisch als auch deutlich zu sprechen, das ist ja gerade die Kunst, das Handwerk des Schauspielers, ansonsten könnte das jeder Dummdödel machen. Schon klar, das soll natürlich wirken, und alles. Tut. Es. Aber. Nicht!!! Es nervt einfach nur, wenn man nicht versteht, was die Leute sagen.

Außerdem fing die Handlung mittendrin und gleich auf voller Power an, das war nicht mehr zu steigern, und so fiel die Spannungskurve nach dem großen Knall am Anfang kontinuierlich ab. Die Figuren waren allesamt durch die Bank weg unsympathische Arschlöcher, man hat kein Stück mit der Hauptfigur Volt mitgefühlt, der war einfach nur ein völlig kaputtes, seelisches Wrack. Damit das auch jeder versteht, wurden so typisch deutsche, „emotionale“ Szenen eingebaut, die total gekünstelt und albern wirkten. Da boxt Volt in die Luft, vögelt mit einer drogensüchtigen Schabracke in einer zwielichtigen Underground-Spelunke oder taucht mit dem Kopf in der Badewanne unter und brüllt sich die Seele aus dem Leib. Dabei spielt Benno Führmann gut genug, dass man auch ohne diesen affektierten Filmstudentenangeberkram gemerkt hat, dass der Kerl völlig im Arsch ist.

Problem ist, das ist er von Anfang an. Und es ändert sich auch nicht wirklich was. Eigentlich möchte er die ganze Zeit sterben, aber scheint zu unentschlossen, um sich umzubringen. Die Liebesgeschichte mit der Schwester des Toten wirkt völlig an den Haaren herbeigezogen und man wundert sich, wie schnell das geht. Sowieso ist allein schon die Prämisse des Films unglaubwürdig und nicht schlüssig. Offenbar ist es in dieser dystopischen Welt ja so, dass die Armen in diesen Transitzonen dahinvegetieren, und die Reichen in feinen Siedlungen residieren. Die Armen haben gar nichts zu melden, werden ignoriert und keinen interessiert es, was mit ihnen passiert. Außerdem hat Volt ja nicht geplant, den Mann umzubringen, sondern es war halb Notwehr, halb Totschlag im Affekt. Da hätte er doch einfach gleich sagen können, dass er das war, und dann wäre die ganze Sache erledigt gewesen.

Fazit: Wer sich mit der Thematik Parallelgesellschaft in Vororten vs. Polizeigewalt und -willkür auseinandersetzen will, sollte sich lieber noch einmal „Hass“ von Mathieu Kassovitz anschauen. Der Film ist aufgebaut wie eine griechische Tragödie, hat eine starke Spannungskurve und sympathische Figuren, die eine Entwicklung durchmachen und nach klaren, nachvollziehbaren Motiven handeln, deren Schicksal einen kümmert. „Volt“ sollte wohl so etwas ähnliches werden, stattdessen war es eher wie ein überambitionierter, affektierter „Tatort“, wo die Idee noch das Beste an dem Ganzen war. Lohnt sich nicht.

2. Overdrive

„Overdrive“ von Antonio Negret war so belanglos, dass mein Kumpel und ich nach ca. 60 Minuten aus dem Film rausgegangen sind. Nach einem rasanten Start mit coolen Stunts wurde schnell klar: Es gibt keine Story. Die beiden Jungs waren unsympathisch und flach, die Deko-Mädels, die ihnen zur Seite gestellt wurden, damit sie umso viriler wirken, waren unsympathisch und flach und die Bösewichte (ja, es gibt mehrere) waren alle gleichermaßen fiese Psychos. Alle klopfen grenzdebilde Machosprüche um die Wette, zwischendurch scheitern sie mit halbherzigen Versuchen, durch abgeschmackte Kalendersprüche Tiefsinn und Gefühl einzubringen. Scott Eastwood spielt außerdem schlecht, beziehungsweise gar nicht. Er steht nur herum, hält seinen zugegebenermaßen prachtvollen Astralkörper in die Kamera und sieht gut aus.

Die Handlung, sofern vorhanden, entbehrt jeder Logik und Nachvollziehbarkeit. Dass eine „Meisterdiebin“ Polizisten beklaut, ist schon mal komplett dämlich. Dann suchen sich die zwei Brüder völlig willkürlich eine Gurkentruppe zusammen, die sie beim Autoklau unterstützen sollen. Alle stellen sich unglaublich dusselig an, sogar der Oberbösewicht (natürlich ein Deutscher, was denn sonst) ist ein Idiot und sichert sein unfassbar kostbares Auto über eine Alarmanlage, deren Code selbst für kurzsichtige Maulwürfe wie meine Wenigkeit entspannt aus drei Meter Entfernung zu lesen ist.

Ich vermute, dass die Kontaktperson und Komplizen der Jungs ein falsches Spiel betreiben, aber so lange haben wir es in diesem hanebüchenen Unfug nicht ausgehalten, um das mit Sicherheit zu wissen. Einzige Pluspunkte: Die Autos waren wirklich hübsch anzusehen und die Landschaftsaufnahmen von Marseille waren auch schön.

Fazit: Dieser Film ist Murks. Lohnt sich überhaupt nicht. Gut, dass ich dank Kino-Abo nichts bezahlt habe.

1. Alien: Covenant

„Alien: Covenant“ von Ridley Scott fand ich nicht nur total doof, er war auch schlecht gemacht. Die Special-Effects waren schon in Ordnung und in einer Actionszene hat mir ganz kurz der Atem gestockt – deswegen gibt es immerhin einen halben Stern. Aber ansonsten? Mann, war das banane. Und zwar so, dass es an Bananigkeit sogar „Jupiter Ascending“ Konkurrenz macht. Erst fing es sehr langweilig an, die Figuren waren alle flach und klischeehaft gestaltet, und waren überdies durch die Bank weg unsympathisch. Dann wurde es eklig. Dann wurde es wieder langweilig. Zwischendurch war es komplett bescheuert. Dann wieder eklig. Und zum Schluss gab es einen so offensichtlichen Plottwist, dass es einfach nur peinlich war.

Nun sollte ich vielleicht kurz dazu sagen, dass ich „Prometheus“ nicht gesehen habe (und nach diesem Quatsch auch nicht vorhabe, das nachzuholen) und von der „Alien“-Reihe nur den ersten Teil kenne. Der war zwar gut gemacht, aber so wirklich gefallen hat er mir auch nicht, weil die klaustrophobische Atmosphäre mir Übelkeit bereitet hat. Aber wenigstens war er spannend und ging echt an die Nieren. Und man hat mit Sigourney Weaver mitgefiebert.

Aber hier? Meine Fresse, was waren das alles für Trottel? Ein frischgebackener Captain, der wehklagt, dass man ihn nicht schon früher zum Captain gemacht hat, weil er gläubig sei. Es kann natürlich nicht daran liegen, dass er vielleicht kein guter Chef ist? Dass er als Naturwissenschaftler und vermeintlicher Weltraumexperte an ein unsichtbares Wesen glaubt, dass alles erschaffen hat? Naaaain, das kann nicht sein! Oder was ist denn die Daniels am Anfang für eine Lusche? „Ach, eigentlich wollte ich gar nicht ins All und wäre lieber auf der Erde geblieben, aber Dings wollte uuunbedingt am Arsch der Heide im Weltall eine Blockhütte am See bauen, und da bin ich halt mitgeflogen.“ Das Jahr 2104, und das ist alles, was von der weiblichen Emanzipation übrig geblieben ist? Tolle Wurst. Zum Glück bin ich bis dahin tot.

Auf jeden Fall benehmen sich so ziemlich alle Crewmitglieder wie die letzten Dummdödel. „Oh! Ein merkwürdiges, rätselhaftes Signal von einem Planeten, den wir bisher noch gar nicht bemerkt hatten! Lass uns hinfliegen und nachsehen!“ oder „Hui, landen wir einfach mal irgendwo auf dem Planeten und latschen dann einfach durch die Gegend, tatschen alles an, schmeißen unsere Zigarettenkippen in die Gegend und machen gleich mal wieder dieselben Fehler wie auf der Erde. Wir sind fertig mit dem alten Planeten, her mit dem neuen, was kostet die Welt, Jucheiassa!“

Dann wird es wie gesagt eklig, weil die Alienschleimmonster auf den Plan treten. Dann geht es noch total unoriginell um Gottkomplexe, Narzissmus, das, was die Welt im Innersten zusammenhält, Schöpfung und Blockflöten. Ja, genau: Blockflöten. Bis zu dieser Szene unbedingt sitzenbleiben, das ist das Beste am ganzen Film, da immerhin unfreiwillig komisch.

Fazit: Gut, dass ich meine Kino-Abokarte habe und nichts (zusätzlich) bezahlt habe. Dann hat der Schrott wenigstens nichts gekostet und ich habe einen Kandidaten mehr für meine Schlimmste-Filme-2017-Liste am Jahresende. Kurz: Lohnt sich nicht!


Und wie fandet ihr die Filme auf der Liste? Auch schlimm oder ganz OK, vielleicht sogar genial? Schreibt es mir in den Kommentaren 🙂


Hier gibt’s die Filmflops 2016.

Hier findet ihr die Filme, die ich 2015 am furchtbarsten fand.

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89. Stück: Kinojahresrückblick 2017 – Die 10 besten Filme

Und schon wieder ist ein Jahr herum. Zeit für meinen Kinorückblick 2017. Hier kommen erst einmal die zehn Filme, die mir dieses Jahr am besten gefallen haben. Widerspruch und Zustimmung könnt ihr wie immer in die Kommentare schreiben 🙂

10. Kong: Skull Island

„Kong: Skull Island“ von Jordan Vogt-Roberts war viel besser, als ich gedacht hätte. Dieses Mal konnte ich es mir im Vorfeld nicht ganz verkneifen, Kritiken zu dem Film zu lesen, und hatte mich durch Stichwörter wie „flache Figuren“, „dünne Story“ und „pompöse Effekte“ auf eine strunzlangweilige Reizüberflutungsorgie eingestellt – und diese Erwartungshaltung wurde im positiven Sinne enttäuscht. Sicher, die Story ist schon ziemlich unterkomplex. Über die Figuren erfährt man nur das Nötigste, wirklich zum Mitfühlen anregen tun sie in der Tat nicht. Und bei den Effekten wird mächtig geklotzt.

Aber: Wenn man die Insel als Hauptfigur der Geschichte sieht, die Handlung außerdem im historischen und aktuellen politischen Kontext betrachtet, finde ich die Figurenkonzeption und überschaubare Story eigentlich ganz stimmig. Jede Figur steht sozusagen für eine bestimmte politische, gesellschaftliche Position, sie sind Typen, keine Charaktere. Sprich: Sie ähneln eher Schachfiguren als echten Menschen. Ihre Konstellation ist bewusst so aufgebaut, dass es zu Konflikten kommen muss. Das kann man vorhersehbar finden, aber ich fand, es hatte etwas von einer Versuchsanordnung und entfaltete durch ihre Klarheit und Einfachheit eine eigene Spannung.

Außerdem gab es verschiedene Identifikationsfiguren und je nachdem, mit welcher Einstellung und Sichtweise man selbst sympathisiert, ändert sich auch die Lesart des Films. Eine solche Ambivalenz im Interpretationspotenzial ist doch spannend! Ich selbst konnte mich in die Fotografin bestens hineinversetzen und auch die Reaktion von Conrad nachvollziehen. Ebenso fand ich Kongs Verhalten absolut plausibel und es erinnerte mich an die Debatten um den Umgang mit sogenannten Kampfhunden. Können Tiere überhaupt von Natur aus böse sein? Oder reagieren sie nur aggressiv, weil sie ihr Revier, ihr Leben oder ihre Ressourcen verteidigen und Angst haben? Und wie sieht es mit dem Tier Mensch aus? Andererseits wurden diese Urzeitechsen ja als grundböse Wesen dargestellt – wobei die wahrscheinlich auch einfach Hunger hatten und wenn ich jahrtausendelang ohne Sonnenlicht und frische Luft unter der Erde leben müsste, hätte ich wahrscheinlich auch eine Scheißlaune.

Mit der Einstellung und dieser komischen Soldatenehre von Packard und seinen Männern konnte ich allerdings zugegebenermaßen wenig anfangen. Aber ich fand es trotzdem glaubhaft geschildert, sodass ich immerhin gemerkt habe, dass ich beim Thema Militär, Krieg, Loyalität unter Soldaten und dieser unüberwindbaren Hierarchiestruktur innerhalb der Truppe schlichtweg an meine Vorstellungsgrenzen stoße. Und das ist auch hochinteressant, wenn man plötzlich realisiert, dass die eigene Sichtweise nicht die einzig mögliche ist 🙂 Es ist also nicht selbstverständlich, pazifistisch und vernünftig vorzugehen, man kann auch wie Cpt. Ahab seinen Moby Dick oder eben Col. Packard seinen King Kong jagt, obsessiv, rachsüchtig, nachtragend und idiotisch handeln und es ist trotzdem menschlich.

Darüber hinaus war die optische Gestaltung des Films zugegebenermaßen sehr gelungen und beeindruckend. Ich denke aber nicht, dass das der einzige Pluspunkt war.

Fazit: Lohnt sich! Und nach dem Abspann sitzen bleiben, da kommt noch was (auch wenn ich fürchte, dass das, was noch kommt, tatsächlich reines Monsteractiongewitter sein wird.)

9. Baby Driver

„Baby Driver“ von Edgar Wright ist ein Film, der Spaß macht. Zumindest dann, wenn man verschmerzen kann, dass die Story nicht die Hauptrolle spielt, sondern die Musik. Schnitt, Einstellungen, Bilder, Schauspiel – alles ist exakt auf den Rhythmus der Songs getimt, die Baby hört. Das ist so stimmig und präzise, dass es eine Freude ist! So kann es gehen, wenn Handwerk und Talent eine perfekte Einheit bilden.

Die Handlung ist um die Musik herum gestrickt, fast scheint es, als hätte man zuerst den Soundtrack zusammengestellt, dann die Bilder dazu kreiert, und erst am Ende eine Art Alibi-Geschichte erfunden, um die einzelnen Szenen und Rhythmen miteinander zu verknüpfen. Mir hat das gefallen. Und ich habe zu Hause als Erstes gleich wieder meinen alten MP3-Player hervorgekramt, ihn aufgeladen und die Tage drauf mit zur Arbeit genommen. Gute Entscheidung.

Einziges Manko (und Grund dafür, weshalb es 4 und nicht 5 Sterne gibt): Die Figurenzeichnung und das Ende. Vor allem die weibliche Hauptrolle fand ich etwas schwach und flach. Lily James hat ihre Sache gut gemacht, keine Frage. Aber hätte man ihrer Figur nicht noch etwas mehr Ecken und Kanten geben können? Sie ist einfach nur ein ganz normaler, verliebter Teenie mit Abenteuerlust und mehr nicht. In Teenie-Romanzen à la „Twilight“ ist das ja Teil des Programms, aber in dem Film hätte ich mir doch noch etwas mehr Charakter gewünscht. Das Ende war zwar konsequent, aber ziemlich trostlos – das hat das Filmvergnügen etwas getrübt.

Fazit: Von kleinen Schwächen abgesehen ein toller Film, der sich lohnt!

8. Planet der Affen 3: Survival

„Planet der Affen: Survival“ von Matt Reeves ist ein durch und durch gelungener Abschluss der Trilogie. Hier stimmt einfach alles: Timing, Musik, Bilder und Schnitt, Spiel und Charakterzeichnung, Handlung und Spannungskurve. Trotz der nicht unerheblichen Länge von 140 Minuten langweilt man sich keinen Augenblick. Die Entwicklung Caesars mitzuerleben ist fesselnd und nachvollziehbar.

Ich staune immer noch, was für einen Sprung die Technik in den letzten zehn Jahren gemacht hat. Man vergisst komplett, dass es sich nicht um echte Affen handelt, sondern um Schauspieler, die mit dem Motion-Capture-Verfahren Computeranimationen zum Leben erwecken. Die Mimik und Gestik ist so detailreich, dass die echten Schauspieler dagegen fast verblassen. Und immerhin spielt Woody Harrelson mit, das will also was heißen.

Einziges Mini-Manko: Das 3D hätte nicht zwingend Not getan.

Fazit: Wer schon die ersten beiden Teile der Reihe mochte, sollte den dritten Teil nicht verpassen!

7. T2: Trainspotting

„T2: Trainspotting“ von Danny Boyle ist eine stimmige Fortsetzung des ersten Teils aus dem Jahr 1996. Es empfiehlt sich aber unbedingt, „Trainspotting“ vorher noch einmal zu sehen, denn vor allem im direkten Vergleich entfaltet der zweite Teil seine Kraft. Die liegt nicht, wie im 20 Jahre älteren Film, in der anarchischen Radikalität, der wilden, durchgeknallten Ästhetik und dem rasanten Tempo. Sondern die Stärke von „T2“ liegt in seinem nostalgischen Grundton. Das könnte fast schon melancholisch anmuten, wäre da nicht der lakonische, rabenschwarze Humor, der bereits den ersten Teil davor bewahrt hatte, den Zuschauer vollkommen hoffnungslos und niedergeschlagen zurückzulassen.

Alle sind erwachsen geworden: Die Antihelden Spud, Sick Boy, Beckbie und Mark Renton. Die Crew hinter der Kamera. Und die Zuschauer vor den Leinwänden. Als ich den Film zum ersten Mal sah (das war nicht im Kino, damals war ich noch zu jung), war ich glaube ich so um die 20 und hatte zwar mit Drogen nichts am Hut, konnte aber dieses Lebensgefühl nachempfinden. Dass man nicht so recht weiß, wo einen das Leben hinführen wird, man will nicht verspießern und will seinen eigenen Weg gehen, aber in welche Richtung? Keine Ahnung. Also lässt man sich erst einmal treiben, die Zukunft liegt noch weit entfernt, irgendwo und irgendwann, man wird schon sehen.

Inzwischen bin ich Mitte 30, zehn Jahre älter als die Helden aus dem ersten Teil, zehn Jahre jünger als die gealterten, ernüchterten Helden aus dem zweiten Teil. Und es ist spannend zu sehen, wie man sich selbst verändert hat und wo man sich eventuell vielleicht noch hin entwickelt, wenn man nicht aufpasst und Gelegenheiten verstreichen lässt, die sich auftun. Ich bin ehrlich gesagt heilfroh, nicht mehr in meinen Zwanzigern zu sein und irgendwie herumzuwurschteln, ohne so recht zu wissen, was ich eigentlich will. Die Dreißiger sind eine unheimlich spannende Zeit – ich glaube, in diesem Jahrzehnt entscheidet sich, ob man mit Mitte 40 wie die Männer in der Geschichte da steht, auf sein Leben zurückblickt, und fast alles bereut, was man getan hat. Oder ob man auf sein bisheriges Leben zurückblickt und denkt: Ach, das war schon alles in Ordnung so, ich hab getan, was ich konnte und ich habe mich stetig weiter entwickelt. Und es ist noch lange nicht vorbei, da geht noch was, und ich freue mich drauf. Tja. Mal schauen, wie ich in zehn Jahren dann dastehe.

Fazit: Eine wunderbare Ergänzung zum ersten Teil, etwas nostalgisch, etwas wehmütig, aber trotzdem mit einer Prise Optimismus, die etwas Versöhnliches an sich hat. Lohnt sich für alle, die den ersten Teil gesehen und geliebt haben!

6. Die irre Heldentour des Billy Lynn

„Die irre Heldentour des Billy Lynn“ von Ang Lee ist im Grunde eine bitterböse Satire, die den amerikanischen Heldenmythos und sämtliche fadenscheinigen Gründe für den Armee-Einsatz im Nahen Osten demontiert. Warum man für diese intelligente Tragikomödie in der deutschen Übersetzung wieder einmal einen völlig blöden Titel gewählt hat, der eher an billigen Klamauk und kalauerlastige Klamotten erinnert, ist mir allerdings ein Rätsel. Wenigstens das „irre“ hätte man doch wohl weglassen können, „Die Heldentour des Billy Lynn“ hätte es doch auch getan … Na ja, ich habe keine Ahnung, wer das entscheidet und ich weiß nicht, was diese Leute gelernt haben, sehr viel kann es aber nicht gewesen sein und besonders kompetent scheinen sie auch nicht zu sein. Einmal mit Profis arbeiten und so weiter.

Aber ich schweife ab.

In dem Film geht es um eine Gruppe von Elite-Soldaten, die eine Propagandatour durch ihre US-amerikanische Heimat machen, bevor sie zurück in den Irak in den Krieg müssen. Ihre letzte Station führt sie zu einem Football-Spiel, wo sie in der Halbzeitshow als Helden präsentiert werden sollen. Billy Lynn vor allem wird zum Kriegshelden hochstilisiert, weil er einem tödlich verletzten Kameraden zu Hilfe eilte und einen „Feind“ tötete. Für ihn war es der schlimmste Tag seines Lebens, aber alle anderen bejubeln ihn.

Es wird klar, wie sehr die Öffentlichkeit von der Propagandamaschinerie beeinflusst wird, und dass im Grunde niemand so genau wissen will, wie der Alltag der jungen Leute, die für die Interessen macht- und geldgieriger Politiker in Kriegsgebieten vollkommen zweckfrei ihren Arsch hinhalten, eigentlich aussieht. Keiner will wissen, wie es den Jungs – denn es sind im Grunde tatsächlich noch Kinder – wirklich geht, wie traumatisiert und vollkommen am Ende sie sind. Stattdessen wollen sie ihre Helden beklatschen, sich selbst mit ihrem Patriotismus gut finden, und mit Politik nichts zu tun haben. Die Einzige, die heraussticht, ist Billys Schwester Kathryn – aber sie allein hat keine Chance, ihren Bruder aus dem Militärsystem herauszuholen. Er kennt nichts anderes, er kann nichts anderes, und nur seine Kameraden, die dasselbe durchgemacht haben wie er, können das verstehen.

Für Faeson, die Cheerleaderin, in die Billy sich verguckt, ist er im Grunde nichts weiter als eine Trophäe. Während sie ihn mit Rehaugen und Wimpernklimpern anschaut, verspricht für ihn zu beten und ihm Honig um den nicht vorhandenen Bart schmiert, will sie eigentlich nur mit einem amerikanischen Helden schlafen. Aber Billy sieht sich nicht als Held, er tut, was er tut, weil er keine Wahl hat.

Fazit: Ein kluger, wichtiger und trotzdem unterhaltsamer Film – auch, wenn die Handlung insgesamt recht übersichtlich ist. Ich denke nicht, dass er die Resonanz bekommen wird, die er verdient. Aber er lohnt sich auf jeden Fall.

5. Happy Deathday

„Happy Deathday“ von Christopher Landon ist eine Art Horrorversion von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – und absolut großartig! Ich weiß gerade gar nicht, wo ich mit meinem Lob anfangen soll … die Schauspieler sind (zumindest mir) alle unbekannt, machen ihre Sache aber super. Die Figuren sind mit Ausnahme Carters stark überzeichnet, fast schon karikaturesk. Und das ist gar nicht so einfach, das trotzdem glaubwürdig zu spielen, auf eine Weise, dass man mit den Figuren mitfühlt und mitfiebert. Vor allem Jessica Rothe als Tree spielt überzeugend, wie sie mit jeder Wiederholung der Zeitschleife von ihrer Riesenmiststückigkeit immer weiter abkommt.

Den ganzen Film durchzieht ein satirischer, sarkastischer Unterton, sodass auch die sich langsam (und ebenfalls nachvollziehbar) entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Tree und Carter nie ins allzu Kitschige, Kalenderspruchartige abdriftet. Trotzdem bleibt es spannend und wird nie albern, der Film nimmt seine Figuren und ihr Anliegen (Trees Mördersuche vor allem) stets ernst, ohne dass es aber rührselig wird. Die whodunit-Geschichte hält sogar ein paar Wendungen bereit, die ich an dieser Stelle aber natürlich nicht verrate.

Fazit: Toller Film! Lohnt sich!

4. The Founder

„The Founder“ von John Lee Hancock ist eine bitterböse Satire, die auf einer wahren Geschichte beruht, und einem das Lachen immer mal wieder im Hals stecken lässt. In diesem Lehrstück über Arschloch-Kapitalismus und Nullsummenspiele sind die skrupellosen Narzissten am Ende die Sieger, die gutmütigen, ehrlichen und fleißigen Menschen, die sich mit Geduld, Leidenschaft und Disziplin etwas Wunderbares aufgebaut haben, gucken in die Röhre. (Nullsummenspieler sind Menschen, die davon ausgehen, dass es nur einen Sieger geben kann, wenn es auch einen Verlierer gibt. Der eine gewinnt (+1), der andere verliert (-1), und addiert man das, kommt Null heraus (1 + (-1) = 1 – 1 = 0). Nicht-Nullsummenspieler sind Menschen, die an Win-Win-Situationen glauben, ebenso daran, dass es Momente gibt, in denen alle verlieren können.

Obwohl aber dieser Ray Kroc wirklich ein amoralischer, profitgieriger, hinterhältiger, niederträchtiger, eingebildeter Mistkerl ist, muss man doch seine Beharrlichkeit bewundern. Das muss man ihm lassen, was er sich in den Kopf gesetzt hat, das zieht er auch durch, ohne Rücksicht auf Verluste, und ohne Skrupel, wenn er dabei über Leichen gehen muss – wenn auch nur im übertragenen Sinn. Er ist der personifizierte Raubtier-Kapitalismus, wie er im Finanzwesen grassiert und die Welt immer wieder in Wirtschaftskrisen stürzt, dabei aber trotzdem nicht totzukriegen ist. Denn die Verlierer sind am Ende nicht die Raubtiere, sondern die, die sich aus Anstand weigern, bei diesem menschenverachtenden Zirkus mitzuspielen.

Dass Kroc trotz seines nicht zu leugnenden Arschlochtums nicht vollkommen unsympathisch wirkt, liegt vor allem an Michael Keatons Darstellung des unverschämten Gauners. Er spielt ihn als einen Mann, der die Chance seines Lebens im richtigen Moment erkannt hat, und seinen Traum voller Hingabe verfolgt, dabei aufs Ganze geht, und an seiner Vision festhält. Das ändert nichts daran, dass er ein elender Schuft ist, der von Fair Play überhaupt nichts hält, aber man glaubt ihm, dass er zwar den Schaden anderer in Kauf nimmt auf seinem Weg die Karriereleiter hinauf, sie aber nicht ins Messer laufen lässt, weil er Spaß daran hat, andere zu quälen. Er ist durch und durch ein Egozentriker mit Größenwahnkomplex, aber kein Sadist.

Fazit: Lohnt sich! Macht Spaß und regt zum Nachdenken an!

3. Die Taschendiebin

„Die Taschendiebin“ von Park Chan-Wook ist ein raffiniert erzählter Film, der sich gar nicht so leicht in ein Genre einordnen lässt. Elemente des Thrillers und Krimis treffen auf psychologisches Drama vor historischer Kulisse, die erotischen Szenen gehen in Richtung Softporno und ein wenig torture porn ist auch dabei ebenso wie gelegentlicher ironischer Humor. Die Geschichte ist unterteilt in drei Kapitel, wobei jedes überwiegend aus der Perspektive einer der drei Hauptfiguren erzählt wird. Tatsächlich sind es auch diese Figuren und ihre Konstellation zueinander, die die Handlung gestalten und vorantreiben. Die überraschenden Wendungen tun ihr Übriges, um keine Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen und die Spannung zu halten.

Ich muss zugeben, dass mir die erotischen und die Folter-Szenen teilweise ein wenig zu extrem und unsubtil waren. Aber das ist eine Geschmacksfrage, für die Dramaturgie und Handlung des Films sind diese Passagen durchaus sinnvoll.

Fazit: Ein toller, ungewöhnlicher Film, unbedingt sehenswert!

2. Hell or High Water

„Hell Or High Water“ von David Mackenzie ist ein toller Film! Hier stimmt einfach alles: Die Figurenzeichnung ist differenziert und feinfühlig, die Motive der handelnden Personen nachvollziehbar; sie wirken authentisch, glaubwürdig – und sympathisch. Selbst der kriminelle ältere Bruder kann nicht immer verbergen, dass er auch seine guten Seiten hat. Ben Foster und Chris Pine (der – obwohl ein paar Monate älter – das Nesthäkchen der beiden spielt) harmonieren wunderbar als Brüder, die es nicht leicht hatten in ihrem Leben, und die einmal das Richtige tun wollen, auch wenn sie dafür gegen das Gesetz verstoßen müssen. Aber der gute Wille allein rechtfertigt dann doch nicht immer die Mittel.

Jeff Bridges als Ermittler, der kurz vor seiner Pensionierung steht, ergänzt als Antagonist das Ensemble, und überzeugt mit seiner zwar mürrischen, aber auch von Neugier und Freude an der Arbeit geprägten Art. Er hat eigentlich gar keine Lust auf den Ruhestand, aber er merkt auch, dass er körperlich nicht mehr der Jüngste ist. Seinen Spürsinn hat er jedoch nicht verloren.

Es ist eine Art Robin-Hood-Geschichte, inmitten der texanischen Einöde, und es hätte schauderhaft moralisch, strunzlangweilig oder rührselig werden können. Ist es aber nicht. Im Gegenteil, das ernste Thema wird durch den lakonischen Humor immer wieder aufgelockert, und das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Polizisten und den Brüdern bleibt durchweg spannend. Man wünscht diesen Menschen alles Glück der Welt und weiß dennoch, dass es so nicht ausgehen kann.

Ganz nebenbei bekommt man in diesem wunderbar erzählten Film auch eine Seite der USA präsentiert, die man sonst nicht so oft sieht. Viele sind Opfer der Bankenkrise geworden, haben Schulden und wissen nicht, wie sie die jemals bezahlen sollen. Ihre Würde und ihren Stolz bewahren sie sich trotzdem. Das hat allerdings nichts Kitschiges oder Heldenhaftes an sich – jeder versucht so gut es geht zu überleben. Für mich persönlich fand ich die Mentalität der Texaner sehr schräg, für die Waffen zu tragen so selbstverständlich ist wie für mich, immer ein Buch in der Tasche zu haben. Auch die großen Reden, die sie schwingen, wen sie nicht alles umlegen und ausweiden und als Bettvorleger verwenden wollen, fand ich reichlich merkwürdig. Aber dabei wirkten sie so aufrichtig, dass man merkte, das ist für sie so eine Art Bürgerpflicht und auf ihre Weise versuchen sie nur, sich anständig zu verhalten.

Fazit: Großartiger Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Die Beste aller Welten

„Die Beste aller Welten“ von Adrian Goiginger ist eine wunderbar leicht erzählte, tief berührende Mutter-Sohn-Geschichte. Gesehen habe ich den Film auf der Berlinale, zusammen mit einer Freundin, und wir waren richtig glücklich, dass wir nicht nur überhaupt noch Karten für eine Vorstellung ergattert hatten, sondern auch und vor allem, weil wir dabei so ein tolles Filmjuwel erwischt haben. Ich hatte vorher nur kurz den Inhalt überflogen: Kleiner Junge wächst bei drogensüchtiger Mutter auf. Und da hatte ich befürchtet, das könnte schwere Kost oder überambitionierter Kunstquark werden … aber nichts davon trifft zu.

Künstlerisch gut gemacht ist er auf jeden Fall, aber eben auch handwerklich, schauspielerisch und erzählerisch hervorragend gelungen. Die Traum- und Fantasiesequenzen des kleinen Adrian sind einerseits unheimlich, andererseits aber auch poetisch und verleihen dem Film eine federleichte Magie. Die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt einfach – besonders zwischen Verena Altenberger als Mutter und Jeremy Miliker als Adrian funkelt und strahlt es. Doch auch insgesamt ist dies eine großartige Ensembleleistung. Auch, als die Schauspieler und der Regisseur nach dem Film auf die Bühne kamen, war noch eine Verbindung zwischen ihnen zu spüren. Der Regisseur und sein kleiner Alter Ego schienen sich ebenfalls toll zu verstehen. (Ich habe überhaupt erst am Ende begriffen, dass die Geschichte autobiographisch war

Noch hat sich kein Verleih gefunden, aber ich hoffe sehr, dass dies gelingt. Es wäre einfach zu schade, anderen Kinogängern diesen Film vorzuenthalten.

Fazit: Einfach toll! Bei erstbester Gelegenheit unbedingt reingehen! (Anmerkung: Inzwischen lief der Film auch regulär im Kino <3!)

Mein Favorit unter den Animationsfilmen dieses Jahr war übrigens „Coco“:

„Coco“ von Lee Unkrich und Adrian Molina ist ein wunderbarer Film, der richtig ans Herz geht. Die Optik, das Setting und die Handlung erinnern zwar stark an „Manolo und das Buch des Lebens“ aus dem Jahr 2015 – dennoch können meines Erachtens beide Filme nebeneinander existieren. Beide Filme sind mit viel Liebe zum Detail und einer überbordenden Farbenfreude gestaltet, mitreißende Musik bestimmt den Soundtrack und die Helden (hier ein kleiner Junge, in „Manolo“ ein erwachsener Mann) sind beide gleichermaßen liebenswert und man wünscht ihnen alles Glück der Erde.

Ich habe mich außerdem darüber gefreut, dass der niedliche Hund aus dem Trailer tatsächlich eine wichtige Rolle in „Coco“ spielt. Unter all der Niedlichkeit, der Farbenpracht und den mexikanischen Klängen verbarg sich aber auch eine anrührende Geschichte mit Tiefgang. Klar, es ging im Kern um Familienwerte, wie das bei Disney so üblich ist. Aber hier war es ohne Kitsch, ohne Pathos, mit realistischen Problemen und vielschichtigen Charakteren geschildert. Es war nicht so, dass sich alle einfach so lieb hatten, weil sie eine Familie sind. Sondern alle mussten sich zusammenreißen, Mitgefühl zeigen, aufeinander zugehen, um miteinander auszukommen und Frieden mit den Wunden längst vergangener Enttäuschungen umzugehen.

Der Nachteil dabei ist allerdings, dass der Film es schwer haben dürfte, den Erwartungen eines Publikums gerecht zu werden, die sich inzwischen an ein recht hohes Erzähltempo gewöhnt haben. Es ist nicht leicht zu sagen, wer die Zielgruppe dieses – wie ich finde – kleinen Filmjuwels sein soll. Für Kinder ist er meiner Meinung nach zu ernst und stellenweise recht gruselig. Für Erwachsene ist er nicht lustig/ironisch genug. Von Teenagern fange ich gar nicht erst an. Entsprechend saßen wir gestern Abend auch nur mit vielleicht 10-20 Leuten im Kinosaal – und dann waren das auch noch außer uns lauter Vollidioten, die die ganze Zeit dazwischengeblökt und Offensichtlichkeiten herausposaunt haben.

Angesichts dieser Quote von 98 bis 99 Prozent Vollidioten wundert es mich nebenbei bemerkt dann aber auch gar nicht, dass sich Leute so massiv über die Länge (22 Minuten) des Vorfilms „Olaf taut auf“ beschwert haben, dass Disney den Kurzfilm in den USA aus dem Programm genommen hat. Sicher, kleine Kinder so lange ruhig zu halten, ist nicht einfach. Aber wie gesagt, ich finde, der Film ist ohnehin nichts für ganz kleine Kinder. Ich fand „Olaf“ nicht zu lang. Er war genau richtig und sehr niedlich, wenn auch etwas unterkomplex in der Handlung. Vielleicht könnte man aber überlegen, ob man dann bei der Werbung und den Trailern ein wenig kürzt, zumindest in den Nachmittagsvorstellungen, anstatt ihn gleich ganz rauszunehmen.

Fazit: „Coco“ ist ein Film, dem man eine Chance geben sollte. Es lohnt sich!


Meinen Jahresrückblick 2016 findet ihr hier.

Den Jahresrückblick 2015 gibt’s hier.

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86. Stück: Die schlechtesten Filme in 2016

Die besten Filme in 2016 habe ich euch schon verraten. Aber ein filmischer Jahresrückblick darf natürlich auch die Flops nicht verleugnen.

Flop 10 2016: Die größten Enttäuschungen und schlechtesten Filmgurken des Jahres

10. „Café Society“

„Café Society“ von Woody Allen gehört leider zu den schwächeren Filmen meines Lieblingsregisseurs. Der launige Tonfall, die flotte Jazzmusik, Humor und pointierte Dialoge sowie die nostalgische Atmosphäre der höheren Gesellschaft in Hollywood und New York der 30er und 40er Jahre hat er wie gehabt exzellent getroffen … aber leider passiert darüber hinaus nicht wirklich was. Und wenn doch etwas passiert, wird es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen, und munter weitergeplaudert. Dadurch gerät die Handlung leider ins Belanglose, was schade ist, und meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre. Ich habe den Eindruck, Woody Allen hat diesen Film so zwischendurch als Fingerübung gemacht, oder weil er gerade nichts Besseres in der Schublade bereitliegen hatte.

Die Schauspieler machen ihre Sache prima und scheinen viel Spaß zu haben. Kristen Stewart hat mich positiv überrascht, habe ich sie doch noch immer als somnambules, devotes Frauchen aus den „Twilight“-Filmen in Erinnerung. Aber sie kann auch anders. Jesse Eisenbergs Körperhaltung bereitet mir indes ein wenig Sorgen. Der ist jünger als ich und hat schon einen Buckel wie ein 90-Jähriger. In ein paar Jahren hat der übelste Rückenprobleme, vielleicht sogar einen Bandscheibenvorfall. Das tut ja schon beim Zuschauen weh … also ein bisschen Kraftsport und ein Tanzkurs würden wirklich nicht schaden.

Fazit: Daran, dass ich mir über potenzielle Rückenbeschwerden des Hauptdarstellers Gedanken mache, während der Film läuft, kann man eigentlich auch schon erkennen, dass mich die Handlung nicht sonderlich gefesselt hat. Hoffentlich macht Woody Allen als nächstes wieder einen Thriller, das kann er nämlich richtig gut.

9. „The Hateful 8“

„The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino hat mich leider enttäuscht. Vielleicht ist es ja keine schlechte Idee von Tarantino, nur noch zwei Filme zu machen und sich dann aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass er allmählich anfängt, seine Ideen zu wiederholen und unnötig auszuwalzen (wobei Christoph Waltz dieses Mal nicht dabei ist, aber die Rolle von Tim Roth erinnert sehr, sehr stark an die typischen Christoph-Waltz-Figuren). Vielleicht bin ich aber auch einfach mit zu hohen Erwartungen in diesen Film gegangen, sodass ich deswegen enttäuscht bin.

Jedenfalls fand ich das Tempo vom Film unausgewogen, die Spannungskurve zu schlaff. Die erste Hälfte hat noch meine Neugier aufrechterhalten, obwohl das Erzähltempo da gemächlicher war. Aber so baute sich allmählich das gesamte Konstrukt, die brisante Figurenkonstellation auf, was für Spannung sorgte. In der zweiten Hälfte explodiert die Handlung, die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag, das Tempo wirkt übereilt, hektisch und gehetzt. Der Schluss ist dann wieder etwas zu langgezogen geraten. Das passte meiner Meinung nach alles nicht ganz zusammen, wirkte nicht stimmig.

Ich denke, dem Film hätte es gut getan, wenn er eine Stunde kürzer gewesen, dafür aber schneller auf den Punkt gekommen wäre und die Action etwas stimmiger verteilt hätte. Kammerspiele können sehr spannend sein, erst recht, wenn eine so konfliktträchtige Figurenkonstellation im Mittelpunkt steht. Die psychologische Spannung eines Kammerspiels über gut drei Stunden zu halten, ist jedoch äußerst schwierig, und in diesem Fall meines Erachtens nicht gelungen.

Fazit: Lieber noch mal einen der älteren Tarantino-Filme gucken oder Erwartungen ein wenig herunterschrauben.

8. „Legend“

„Legend“ von Brian Helgeland ist zwar eine fantastische Schauspielerleistung von Tom Hardy, aber als Film insgesamt nur mittelmäßig. Die große Stärke des Films – Tom Hardys wirklich virtuose Wandlungsfähigkeit in der Doppelrolle der Kray-Zwillinge – ist leider gleichzeitig auch seine Schwäche. Es scheint, als habe man sich zu sehr darauf verlassen, dass Hardy den Film schon trägt, und als habe man darüber die anderen Aspekte, die einen mittelmäßigen von einem herausragenden Film unterscheiden, vernachlässigt.

Die Handlung dümpelt vor sich hin, ohne wirklich Fahrt aufzunehmen. Es sind zwar pflichtgemäß die meisten Handlungsmotive für das Genre Gangsterfilm vorhanden: Aufstieg und Fall der Gangstergrößen, Drogen, Gier, Gewalt und Wahnsinn führen zum Absturz, eine junge hübsche Frau, die sich wünscht, ihr Mann möge ehrlich werden … Aber der Rhythmus ist zu unentschlossen, das Tempo nicht stimmig, die Spannungskurve kaum zu erkennen. Die mise en scène ist durchaus gelungen, man fühlt sich ins London der 60er Jahre hineinversetzt. Der Soundtrack ist nicht schlecht. Aber es reißt einen nicht wirklich mit.

Irgendwie wirkt der Film ein wenig … feige. Als hätte man sich nicht so recht entschließen können, ob man die Kray-Zwillinge nun als brutale, skrupellose Gangster oder als eigentlich ganz sympathische Halunken darstellen wollte. Und statt zu versuchen, sie zunächst richtig sympathisch einzuführen, damit hinterher die Fallhöhe größer ist, wenn sie sich als brutale, skrupellose Gangster entpuppen, wabert es die ganze Zeit irgendwo dazwischen. Das macht es schwierig, mit den Figuren mitzufiebern, trotz dem tollen Schauspiel. Wenn man den Film mit anderen Gangsterfilmen vergleicht, wie zum Beispiel „Goodfellas“, dann wirkt er leider etwas schwach.

Fazit: Tom Hardy in der Doppelrolle lohnt schon das Ansehen, aber ein Muss ist der Film trotzdem nicht.

7. „Ice Age – Kollision voraus!“

„Ice Age – Kollision voraus!“ ist der fünfte Teil der Reihe und nicht sonderlich einfallsreich. Scrat rettet wieder einmal den Film vor der völligen Belanglosigkeit und sorgt für die meisten Lacher, ansonsten ist die Handlung dieses Mal wirklich mau. Ein riesiger Komet rast auf die Erde zu und die Freunde Manni, Diego und Sid nebst Anhang müssen sie retten[spoiler], was sie auch schaffen[/spoiler]. Ja. Das war’s auch schon. Ach so, und dann gibt’s noch ganz viel Familienschnulz, schließlich muss man die über 90 Minuten ja irgendwie füllen. Die Dialoge triefen vor klischeehaftem Platitüdenkitschquark, alle haben sich lieb und die Konflikte lösen sich sämtlich in Wohlgefallen auf. Na gut, man will vermutlich der Hauptzielgruppe (Familien mit Kindern) den Popo pudern, deswegen muss man dann die Figuren so Zeugs sagen lassen wie „Hach, unser kleines Mädchen ist erwachsen geworden“, „Man muss loslassen“ und überhaupt, man müsse nur an sich glauben und sich selbst treu bleiben, dann schaffe man alles, lebe deine Träume, aber träume nicht dein Leben, ein Leben ohne Lächeln ist ein verlorener Tag und Morgenstund hat Gold im Mund.

Fazit: Ist nicht wirklich toll, aber auch nicht komplett scheiße. Scrat ist super und der Film insgesamt zwar überraschungsfrei und so tiefsinnig wie eine Pfütze im Hochsommer, aber die restlichen Figuren sind nach wie vor niedlich, sodass das Ganze immerhin ganz nett ist und in jedem Fall eine prima Beschäftigung, um dem Hamburger Schmuddelwetter zu entkommen.

6. „Victor Frankenstein“

„Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ von Paul McGuigan kommt einfach nicht aus dem Quark und enttäuscht auf ganzer Linie. Dabei ist der Ansatz interessant: Die Geschichte wird aus Sicht von Igor, Frankensteins Assistenten, erzählt und würde somit einen neuen Blickwinkel auf die altbekannte Handlung erlauben. Mit Daniel Radcliffe als Igor, James McAvoy als Victor Frankenstein und Dr. Moriarty-äh-Andrew Scott als Inspector Turpin ist der Film auch noch herausragend besetzt, sogar die Love-Interest-Alibifrau Jessica Brown Findlay als Lorelei macht einen tollen Job und schafft es, ihrer Nebenfigur Profil und Persönlichkeit zu verleihen. Die mise en scène und die Kostüme sind ebenfalls großartig und entführen den Zuschauer in das London des späten 19. Jahrhunderts. Nach einem starken Anfang mit spannender, actiongeladener Fluchtszene ebbt der Film jedoch komplett ab und dümpelt danach trantütig seinem viel zu späten Ende entgegen.

Das Problem bei „Victor Frankenstein“ ist, dass zu viel behauptet und zu wenig gesagt, gedacht, gefühlt und getan wird. Man sieht und hört fast zwei Stunden lang vier Talking Heads beim Moralisieren und Thesenaufstellen zu. Dabei stehen Victor Frankenstein, Inspektor Turpin und Lorelei jeweils für eine bestimmte These in Bezug auf das Erschaffen von neuem Leben durch den Menschen. Frankenstein, wahnsinnig vor Ehrgeiz, will unbedingt Leben erschaffen, weil [spoiler]er Schuldgefühle wegen seines toten Bruders hat [/spoiler]oder so. Inspektor Turpin glaubt laut Drehbuch ganz doll an Gott, was sich daran erkennen lässt, dass ständig in Nahaufnahme das Kreuz und der Rosenkranz gezeigt werden, die er fest in den Händen hält. Deswegen ist er aus Prinzip dagegen, dass der Mensch Gott spielt und damit basta. Lorelei hingegen ist die Stimme des Herzens und der Liebe, sie ermutigt Igor, auf sein Gewissen zu hören und seiner Intuition zu vertrauen (merkt dabei aber nicht, dass sie Igor genauso bequatscht und in ihre – wenn auch menschlich-liebevolle – Ideologie einzubinden und zu manipulieren versucht.) Das ist eigentlich hochspannend und mit etwas mehr Tempo, pointierten Dialogen, raffinierten Schnitten und schärferer, entschlossenerer Figurencharakterisierung wäre das auch eine coole Sache geworden. Insbesondere dadurch, dass mit dem Vierten im Bunde, Hauptfigur und Erzähler Igor, eine Zwischenstellung inmitten dieser drei grundverschiedenen Positionen vorhanden ist. Er verspürt den Wissensdurst, Forschergeist und Ehrgeiz von Frankenstein, spürt jedoch die Menschenliebe und das unbestimmte Gefühl schlechten Gewissens beim Gedanken, den Toten nicht ihre Ruhe zu gönnen, wie Lorelei. Und ein leichtes Unbehagen beim Gedanken, Gott zu spielen, grummelt da auch in seinem Hinterkopf, wenn auch nicht so fanatisch wie beim Inspektor.

Leider hat das nicht geklappt. Die Figur des Inspektors wirkt völlig überflüssig und redundant, er findet immer nur das heraus, was der Zuschauer schon längst weiß, und hinkt mit seinen Erkenntnissen im Vergleich zur Zuschauerinformiertheit meilenweit hinterher. Sein Glaube wirkt aufgesetzt und überzeugt kein Stück, es sei denn, man ist ohnehin selber strenggläubig und von vorneherein prinzipiell seiner Meinung, aber dann schaut man sich ja so einen Film gar nicht erst an. Mit Ausnahme Igors machen keine der Figuren eine Entwicklung durch, sie haben von Anfang an dieselbe Einstellung, dieselbe Haltung und lassen sich durch nichts davon abbringen. Wie Engelchen und Teufelchen, Über-Ich und Es zerren sie alle an Igor und seinem Selbstverständnis, seinem Gewissen, und wollen ihn auf ihre Seite ziehen. Das passiert aber so lahm und lustlos, dass keinerlei Spannung entsteht. Die an sich fantastischen Schauspieler werden – so scheint es – vom Regisseur völlig alleine gelassen. Mit großer Anstrengung schwimmen sie gegen das zähe Drehbuch, die wächserne Figurenkonzeption und die starren Dialoge an, ohne dass es ihnen gelingt, irgendwo Fuß zu fassen.

Fazit: Der Film hätte Potenzial gehabt, ist aber komplett in die Grütze gegangen. Schade. Lohnt sich nicht.

5. „Das Morgan Projekt“

„Das Morgan Projekt“ von Luke Scott hatte eine interessante Grundidee, aber das war’s dann auch schon. Als Kurzfilm hätte das wunderbar funktioniert und wäre spannend geworden. Für einen abendfüllenden Spielfilm jedoch war das zu wenig. Die überraschend gemeinte Pointe am Schluss hatte ich – die ich für gewöhnlich schwer von Begriff bin – bereits nach fünf Minuten geahnt und musste dann noch 85 Minuten darauf warten, dass das dann auch bestätigt wurde.

Im Grunde wird fast der ganze Film auch schon im Titel verraten, es fehlt nur der Zusatz „Das Morgan Projekt scheitert“. In den ersten zehn bis 15 Minuten wird das Morgan Projekt erklärt – wie gesagt, interessante Grundidee mit der KI und der genetischen Modifikation künstlicher Menschen – und der Rest zeigt dann, wie dieses Projekt gründlich in die Grütze geht und in einem Blutbad endet. Dann noch kurz die vorhersehbare Pointe und fertig ist die Laube.

Mit einer etwas detailreicheren Figurencharakterisierung hätte man aus dem Film viel mehr machen können. Stattdessen bleiben alle Figuren flach, holzschnittartig und langweilig. Es ist einem als Zuschauer vollkommen gleichgültig, was mit ihnen passiert, welche Entscheidungen sie treffen und warum. Eigentlich sollte man zumindest mit Morgan mitfiebern und Sympathien für sie empfinden, damit ihre spätere Entwicklung einen kümmert und etwas bedeutet.

Das ist schade um die Schauspieler, die eigentlich ihre Sache ganz gut machen – so gut es eben geht, wenn einem das Drehbuch so wenig Material zum Arbeiten liefert. Vor allem Anya Taylor-Joy scheint mir eigentlich eine gute Schauspielerin und ein vielversprechendes Nachwuchstalent zu sein. Doch nun ist das nach „The Witch“ schon der zweite Film mit ihr in der Hauptrolle, der echt nicht gelungen war und sein Potenzial in die Tonne getreten hat. Ärgerlich!

Fazit: Lohnt sich nicht. Dann lieber „Ex Machina“ noch mal gucken.

4. „Batman V Superman“

„Batman v Superman“ von Zack Snyder hat mich enttäuscht. Ich dachte, bei all den schlechten Kritiken kann er so schlimm nicht sein …

Doch.

Es lag vielleicht auch daran, dass ich „Man of Steel“ nicht mehr so im Kopf hatte und mich mit den Comicvorlagen nicht auskenne – ich habe bislang nur die Filme gesehen. Deswegen habe ich in der ersten Hälfte überhaupt nicht kapiert, was die Leute alle eigentlich für ein Problem haben. Warum hassen plötzlich alle Superman? Wieso hat Batman ihn so auf den Kieker? Wer ist der Flugheini, mit dem sich Superman zu Beginn prügelt und dabei die ganze Stadt zermalmt? Wieso ist der Rollstuhltyp pissig auf Bruce Wayne, der ihm das Leben gerettet hat? Was genau will Lex Luthor eigentlich? Fragen über Fragen …

Das Unterhaltendste an dem Film war dann auch die Pause, wo meine beiden Begleiter mir zumindest einen Teil der Fragen beantworten konnten und sich der Herr neben uns vergnügt einmischte, um über Sinn und Logik von Superheldenfilmen zu diskutieren. Gut, den Seitenhieb, wenn man Logik suche, könne man sich ja Rosamunde-Pilcher-Filme anschauen, hätte man mit etwas bösem Willen als eine Spur frauenfeindlich interpretieren können. Aber na ja, ich habe mich auch über die männliche Eitelkeit dieser beiden Superhelden lustig gemacht, also hab ich quasi angefangen 😛 Die männliche Eitelkeit dieser beiden Supertrottel, die nicht peilen, dass sie beide denselben Feind haben, ist aber auch wirklich albern! Überhaupt ist dieser Konflikt völlig an den Haaren herbeigezogen und einfach nur idiotisch. Auf der anderen Seite, wäre Batman zu Superman hingegangen und hätte gesagt „Moinsen, du sachma, dieser Lex Luthor, ne, das ist doch ein vollkommen wahnsinniger, gemeingefährlicher Psychopath, der die Welt zerstören will. Wollen wir den nicht zusammen aufhalten, ist lustiger als alleine“ und Superman hätte dann geantwortet: „OK“ -> Dann wäre der Film ja schon nach einer Minute aus gewesen und man hätte keinen Grund gehabt, lauter Sachen in die Luft zu jagen. Und das geht ja nun auch nicht.

Die zweite Hälfte war dann nicht ganz so schlimm, dann musste man auch nicht mehr so lange auf Wonder Woman warten – die übrigens supercoole Kleider tragen durfte, nur so nebenbei. Dann haben sich die beiden Gockel ja auch endlich zusammengerauft und man musste diesen vollkommen lächerlichen Männerzickenkrieg, das Säbelgerassel und den Schwanzvergleich nicht länger ertragen.

Die Dialoge waren platt und dümmlich, die Story hanebüchen und wirr erzählt, ohne Vorkenntnisse kaum nachvollziehbar. Ben Affleck trägt als Batman seinen einen Gesichtsausdruck tapfer spazieren, wirkt ansonsten aber ziemlich lustlos. Man kann argumentieren, dass auch sein Batman völlig am Arsch ist und seine Darstellung somit zur Figur passt. Es ist aber auch so, dass er es nicht besser kann. Henry Cavill als Superman macht seinen Job OK. Die wunderbare Amy Adams ist als Lois Lane gnadenlos unterfordert. Der Einzige, bei dem es Spaß macht, zuzugucken, ist Jesse Eisenberg als vollkommen durchgeknallter Lex Luthor. Er erinnert zuweilen fast an Heath Ledger als Joker.

Fazit: Ach, das reicht, wenn man den Trailer gesehen hat.

3. „The Witch“

„The Witch“ von Robert Eggers hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich hatte subtilen Grusel, psychologischen Tiefgang und emotional berührende, menschliche Dramen à la „Babadook“ oder „Das Waisenhaus“ erwartet, doch die Figuren laden einen hier überhaupt nicht dazu ein, mit ihnen mitzufiebern und auf ein gutes Ende für sie zu hoffen. Wie soll denn da Spannung und Schrecken in einem Horrorfilm entstehen, wenn man die Figuren nicht leiden kann? Dann ist es einem doch völlig wumpe, was mit ihnen passiert. Gut, ich muss dazu sagen, ich bin da nicht ganz objektiv. Ich kann diesen religiösen Fanatismus, den man über allen gesunden Menschenverstand stellt, einfach nicht nachvollziehen. Meine Güte, dann interpretieren die Heinis im Dorf die Bibel eben anders als der Familienvater, das ist doch kein Grund, stur auf seinem Recht zu beharren und dafür in Kauf zu nehmen, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Vor allem ist das einfach nur extrem dumm, wenn man ohne diese Gemeinschaft nichts zustande kriegt und einem die ganze Familie in der Einöde durchdreht. Aber gut, das war halt die Prämisse des Films, sonst hätte es keine Geschichte gegeben.

Übrigens beruht dieser Film teilweise auf historischen Dokumenten, solche ähnlichen Vorkommnisse hat es also wirklich im 17. Jahrhundert in den USA gegeben. Gemixt wurde dies mit Volkssagen, was ich eigentlich einen interessanten, spannenden Ansatz finde. Trotzdem reicht das nicht aus für einen letzten Endes fiktionalen Film. Da muss man auch ein wenig Erzählkunst anwenden, Spannung aufbauen, die Figuren so charakterisieren, dass sie um die Gunst der Zuschauer buhlen. Es sei denn, man will partout einen öden, schnarchlangweiligen Film machen, dann ist das aber dem Publikum gegenüber unfair, den Kram als Horror- oder Gruselfilm zu verkaufen. Am Ende [spoiler]wird zwar noch mal tüchtig herumgesplattert, aber ohne den Humor von Quentin Tarantino wirkt das einfach nur völlig daneben, bescheuert und albern.[/spoiler] Na ja, wenigstens dauert der Unsinn nicht viel mehr als 90 Minuten.

Nichtsdestotrotz kann ich verstehen, warum der Film so gute Kritiken in der Presse bekommen hat. Für Cineasten, Intellektuelle und Irgendwas-mit-Medien-und-Film-Studenten bietet dieser Mumpitz nämlich einige Interpretationsansätze. Wer was mit Filmen oder Erzähltheorie oder Kulturwissenschaften studiert, aufgemerkt: Hier kommen ein paar Ideen für Hausarbeiten. So kann man den Film zum Beispiel historisch analysieren und gucken, wie die Originaldokumente eingebunden wurden, vielleicht auch eine Parallele zu unserer heutigen Zeit ziehen und schauen, wo uns religiöser Fanatismus und wahnhafte Verblendung heutzutage begegnen. Man kann aber auch wunderbar eine psychoanalytische Interpretation nach Freudschem Vorbild an dem Film versuchen. Wir haben da ein junges Mädchen und ihren jüngeren Bruder, die allmählich ihre Sexualität entdecken, und huch!, der Bruder wird sich gewahr, dass seine Schwester Brüste bekommt. Die Mutter wird rasend eifersüchtig auf die Tochter, der Vater hat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu ihr. Herrlich, ein Fest für Freudianer, da haben wir Inzest (oder fast), Kastrationskomplexe (der Vater hackt dauernd Holz wie ein Verrückter, weil er nämlich sonst nichts kann, also sprichwörtlich impotent ist), Penisneid, Ödipus-Komplex und auch noch gleich zwei gar prächtige Phallussymbole in Form der [spoiler]Hörner des satanischen Ziegenbocks[/spoiler]. Und man kann außerdem die Wirklichkeitskonstruktion im Film auseinander nehmen: Was ist in der erzählten Welt real passiert, was waren nur Träume, Visionen, Einbildungen, die dem schleichenden Wahn aufgrund von Mangelernährung, Isolation, Einsamkeit, Trauer, Langeweile und religiösem Übereifer geschuldet sind?

Fazit: Sofern man nicht studiert und ein Seminarthema sucht oder sich gern 90 Minuten lang im Kino quält, weil er meint, je öder ein Film, desto anspruchsvoller ist er und desto schlauer, toller und besser ist man selbst, weil man den Käse erträgt, kann man sich den Film sparen.

2. „Ben Hur“

„Ben Hur“ von Timur Bekmambetov ist tatsächlich ziemlich schlecht. Nicht ganz so schlimm wie „Jupiter Ascending“ – es gibt immerhin ein paar spannende Szenen und das Wagenrennen ist zugegebenermaßen sehr gelungen -, aber dennoch nicht gut gemacht. Aber ich fange mal ganz von vorne an:

Es waren einmal zwei dauerpubertierende Knalltüten, die sich ständig gegenseitig beweisen mussten, wer den Größten hat. Der eine hatte Minderwertigkeitskomplexe und lief deswegen immer mit ausgekugelter Unterlippe und dauerbeleidigtem Schmollmund herum. Der andere war ein ganz normaler Trottel, der das Glück hatte, in eine wohlhabende Familie hineingeboren worden zu sein, und später das Pech hatte, dass sein Bruder ein rachsüchtiger, eitler Gockel ist, der den Machthabern partout in den Allerwertesten kriechen wollte. [spoiler]Er landet als Sklave in einer Galeere, sie geht unter, er nicht. Dann taucht Morgan Freeman auf, guckt weise und brummt einen Kalenderspruch nach dem nächsten vor sich hin (er ist auch der Erzähler der ganzen Chose, schildert das Geschehen jedoch etwas pathetischer und salbungsvoller als meine Wenigkeit, die ich für dümmliche Schwanzvergleiche unter zwei Idioten nichts übrig habe). Und dann gibt’s ein (wie gesagt, fesselnd inszeniertes) Wagenrennen, dezent symbolträchtig fährt der Heini, der zu den Guten gehört, mit vier weißen Pferden und der Abtrünnige mit dem Backpfeifengesicht mit vier schwarzen Pferden im Kreis.

Überraschung: Der Gute gewinnt, wenn auch knapp. Dann könnte der Film eigentlich zuende sein, aber man muss ja irgendwie noch rechtfertigen, dass zwischendurch Jesus auftaucht und spricht, wie der Kater von Shrek (aber nicht so süße Stiefelchen anhat). Warum er wie der Klischee-Latino vom Dienst daherkommt, wird nicht erklärt, aber auf jeden Fall sagt Jesus viele schlaue Sachen (denen ich auch zustimmen würde) und ist ein sehr netter Kerl. Gekreuzigt wird er trotzdem und dann fängt es ganz dramatisch an zu regnen und dieser Wunderregen heilt schwuppdiwupp die leprakranken Mutter und Schwester von Ben Hur. Mit dem Bruder ist zum Schluss auch wieder alles paletti, auch, wenn er nicht nur das Rennen, sondern auch ein Bein verloren hat und seine Soldatenehre in die Tonne kloppen kann. Der Film endet schließlich damit, dass sich alle wieder vertragen und fröhlich durch die Gegend reiten und die beiden Knalltüten wieder um die Wette pesen.[/spoiler]

Zum Glück ist der Film aber nicht so lang. Allerdings hätte man sich schon etwas mehr Mühe geben und Zeit lassen können, um die Charakterzeichnung etwas komplexer zu gestalten. Die Figurenmotivation wirkte aufgesetzt und nicht nachvollziehbar. Die Leute haben getan, was sie getan haben, weil es im Drehbuch stand, nicht, weil es einer inneren Logik der Figurencharakterisierung und Logik der erzählten Welt folgte. Bis zum Wagenrennen rast der Film durch die einzelnen Ereignisstationen, frühstückt sie möglichst schnell ab, danach versinkt der ganze Murks in Schmalz und religiösem Quatsch. Das war dann nur noch unfreiwillig komisch, soweit, dass ich meine ganze Selbstbeherrschung auffahren musste, um nicht „Always look on the bright side of life“ *phüphü-phüphü-phüphüphüphü* zu singen / zu pfeifen.

Ach so, und noch was: Den Film mit Charlton Heston habe ich nie gesehen – ich habe diese Version also ohne Vergleichsmöglichkeiten angeschaut.

Fazit: Der Film wirkt lieblos heruntergenudelt, die Figuren sind flach, die Inszenierung gehetzt und unausgegoren, die Schauspieler wirken wie Falschgeld und orgeln mäßig motiviert ihren Text herunter. Ein guter Film sieht anders aus. Kann man sich aus Jux aber trotzdem mal anschauen, wenn er zum Beispiel auf Netflix läuft.

1. „Die Bestimmung – Allegiant“

„Die Bestimmung – Allegiant“ von Robert Schwentke ist der dritte Teil der Verfilmungen der Romantrilogie von Veronica Roth. Aus unerfindlichen Gründen wurde auch der dritte Band der Romanreihe für die Filmadaption in zwei Teile zerhackstückt. Damit das überhaupt einigermaßen zu rechtfertigen ist, hat man sich kurzerhand fast vollständig von der literarischen Vorlage gelöst und einen eigenen Quark zusammengerührt. Geblieben sind die Namen der Figuren und die Ausgangssituation mit den fünf Fraktionen, dem Chaos nach deren Zusammenbruch sowie das Setting in der Stadt Chicago. Das, was sich hinter der Mauer befindet, entspricht ebenfalls zumindest grob vom Prinzip her dem, was im Buch beschrieben wird.

Das, was aus der spannenden, interessanten Ausgangssituation gemacht wird, ist leider völliger Mist. Die Dialoge bestehen – wie auch schon in der misslungenen Verfilmung von „Die Auserwählten in der Brandwüste“ – im Wesentlichen aus „Lauft!“ „Kommt schnell!“ und „Wir müssen hier weg!“ (Ach, nee!?). Immerhin, und das ist eine Verbesserung im Vergleich zum zweiten Teil der Filmreihe, turteln Four und Tris diesesmal mangels Zeit und Gelegenheit weniger miteinander herum, sodass man dieses unsympathische Liebespaar nicht zu oft ertragen muss. Nur schade, dass auch die sympathischen Nebenfiguren zu kurz kommen, insbesondere Peter, der nicht nur mit dem großartigen Miles Teller besetzt, sondern als Figur bereits im Buch schon am spannendsten war, wird hier holzschnittartig zu einem simplen Verräter zusammengestampft.

Und es tut mir leid, aber es ist einfach albern, Teenagerrollen mit erwachsenen Männern zu besetzen, denen man ansieht, dass sie fast 30 sind. Theo James ist halt einfach kein herausragender Schauspieler und wäre als Lichtdouble von Moritz Bleibtreu besser aufgehoben. Gegen Shailene Woodley habe ich im Grunde nichts, aber auch sie bleibt flach und langweilig.

Die dürftige Handlung wurde künstlich aufgeplüscht, indem willkürlich ständig irgendwelche Schießereien, Kämpfe und Prügeleien auf Teufel komm‘ raus ausbrechen. Zum Glück haben sie alle so tolle Waffen und ausreichend Munition, ansonsten wäre das Revolutionspielen ruckzuck vorbei. Da hat man sich wohl ganz an das heilige Motto gehalten, dass einen Bösewicht mit Waffe nur ein guter Held mit Waffe aufhalten könne. Schön, dass das immerhin auf der Leinwand zuverlässig funktioniert, aber ich habe noch ein Motto für meine werte Leserschaft: „Don’t try this at home, kids“ – In der Realität ist es immer noch so, dass Gewalt grundsätzlich Gegengewalt erzeugt und nur eine friedliche Lösung eine echte, nachhaltige Lösung ist. Im Buch wurde das zwar auch nicht so ganz beherzigt, aber ein wenig vielschichtiger war das Ganze dann doch.

Wirklich spannend wird es dementsprechend auch nicht. Ein bisschen Nervenkitzel kam erst auf, als eine Maus im Kinosaal frech von rechts nach links durchs Parkett huschte und ein paar Minuten später von links nach rechts zurücksauste. Verständlich, so wie viele Kinobesucher mit Popcorn herumsauen und nach dem Kinobesuch halbvolle Nacho-Schalen mit Käsesoße auf den Sitzen und dem Fußboden liegen lassen. Da würde ich mich als Maus auch wie im Schlaraffenland fühlen. Die sind ja eigentlich auch ganz niedlich, die Tierchen. Aber eingedenk der Tatsache, dass sie Krankheiten übertragen können, möchte man sie vielleicht nicht so gerne wenige Meter entfernt durch den Kinosaal flitzen sehen.

Fazit: Dieser Film ist Murks, kann man sich sparen. Lest lieber die Bücher.

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85. Stück: Die besten Filme in 2016

Das Jahr 2016 war ein sehr filmreiches Jahr – ich habe meine Kino-Abo-Karte großzügig genutzt. Hier kommt nun ein ganz objektives, überhaupt nicht willkürliches Ranking, welche Filme mir am besten gefallen haben. (Anmerkung: Ich gehe nicht vom Produktionsjahr aus, sondern von dem Jahr, in dem ich den Film im Kino gesehen habe).

Top 10 – Diese Filme haben mich 2016 am meisten beeindruckt oder begeistert:

10. „Elvis & Nixon“

„Elvis & Nixon“ von Liza Johnson ist ein wunderbarer kleiner Film, der sowohl die Entertainer-Legende Elvis Presley als auch den Unsympathen vom Dienst Richard Nixon von einer überraschenden Seite zeigt. Michael Shannon und Kevin Spacey spielen ihre Figuren mit einer Freude, die ansteckend ist, und schaffen es, den skurrilen Charakteren etwas Liebenswertes und Menschliches zu verleihen. Außerdem harmonieren die beiden prächtig miteinander und man wird in diesem Film Zeuge wirklich hervorragender Schauspielkunst.

Elvis Presley wirkt einerseits weltfremd und abgehoben, andererseits aber auch rührend kindlich in seinem unbedingten Willen, seinem Land zu helfen. Er erinnert ein wenig an Til Schweiger, der der deutschen Bundeswehr tonnenweise Nutella ins Krisengebiet liefern lässt. Und Richard Nixon wird bei seiner Begegnung mit dem Künstler, den er vorher genervt so schnell wie möglich abwimmeln wollte, plötzlich zu einem umgänglichen, neugierigen und vergnügten Menschen. Wer hätte gedacht, dass diese beiden Persönlichkeiten Gemeinsamkeiten haben könnten?

Fazit: Lohnt sich! Also nicht nur die großen Blockbuster wie „Star Wars: Rogue One“ schauen, sondern ruhig auch mal den leisen, zurückhaltenden Filmjuwelen eine Chance geben.

9. „Hail, Caesar!“

„Hail, Caesar!“ von den Coen-Brüdern macht unheimlich Spaß. Nur schade, dass er so kurz ist, er hätte auch noch ein paar Minuten länger unterhalten. Aber besser so als andersherum. Das Schöne an dem Film ist, dass alle Figuren sympathisch und im Kern eigentlich nett sind. Niemand will hier irgendwem schaden, niemand ist boshaft oder absichtlich gemein. Natürlich haben alle auch ihre Schwächen und Fehler, bauen Mist oder verrennen sich in Ideen, die mit der Realität nicht vereinbar sind. Aber dabei sind die Figuren tapsig und naiv, glauben Gutes zu tun oder bemühen sich wenigstens – das ist zur Abwechslung einfach mal toll.

Fazit: Lohnt sich!

8. „The Revenant“

Nachdem ich „Birdman“ von Alejandro González Iñárritu reichlich langatmig und affektiert fand, war ich skeptisch, ob ich mir „The Revenant“ vom selben Regisseur anschauen sollte. Zum Glück bin ich seit ein paar Wochen stolze Besitzerin eines Kino-Flatrate-Abos. Zum Glück deshalb, weil ich mir den Film sonst aus Geiz und Vorbehalt nicht angesehen und wirklich etwas verpasst hätte. Eines schon mal vorweg: Die Golden Globes sind vollkommen berechtigt und ich denke, der eine oder andere Oscar müsste auch drin sein. Und zwar endlich einmal für Leonardo DiCaprio. Das kann ja wohl nicht angehen, dass er wieder nur eine Nominierung bekommt.

DiCaprio sowie Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter und alle anderen Schauspieler sind einfach großartig! Das ist fantastisches Handwerk und Talent, das vom Regisseur absolut gekonnt in Szene gesetzt wurde. Die eigentliche Hauptrolle aber spielt die Natur in „The Revenant“. Normalerweise bedeutet es, dass mich die Handlung ins Halbkoma langweilt, wenn mir die tolle Landschaft auffällt. Dann denke ich hinterher: „Na ja … war schön gefilmt *gähn*“ Die Handlung ist hier zwar auch nicht sonderlich komplex, halt eine Rachegeschichte, aber sie ist so eng mit der Natur verflochten, dass sich daraus eine ganz eigentümliche Spannung entwickelt. Trotz der 157 Minuten lief ich keine Sekunde Gefahr einzuschlafen.

Fazit: Der Film ist richtig gut! Unbedingt anschauen!

7. „Die Melodie des Meeres“

„Die Melodie des Meeres“ von Tomm Moore ist ein wunderschöner Zeichentrickfilm. In nostalgisch anmutenden, zweidimensionalen Aquarellbildern und mit liebevoll gestalteten Figuren wird eine Märchengeschichte aus dem Reich der keltischen Mythologie erzählt. Untermalt werden die zauberhaften Bilder von einer geheimnisvollen, keltisch-traditionell klingenden Musik. Das Grundthema sind Verlust und der Umgang mit Trauer und anderen negativen Gefühlen.

Für Kinder könnte das eventuell zu ernst sein und das stille, ruhige, verträumte Erzähltempo zu langsam. Ich hatte zumindest den Eindruck, dass die Kleinen im Publikum ein wenig Schwierigkeiten hatten, sich zu konzentrieren. Leider gibt es nicht viele Erwachsene, die sich ihren Sinn fürs Geheimnisvolle und Magische bewahrt haben, und das nicht als albernen Kinderkram abtun. So wenige Vorstellungen, wie es von diesem kleinen Filmjuwel gab, lassen nicht darauf hoffen, dass es ein größeres Publikum erreicht.

6. „Raum“

„Raum“ von Lenny Abrahamson ist ein stiller Film, der einem an die Nieren geht. Das Erzähltempo ist zwar recht gemächlich und es passiert – zumindest bei der äußerlich sichtbaren Handlung – nicht viel. Dennoch fand ich den Film spannend und ergreifend. Wie die Mutter und ihr kleiner Sohn sich zunächst im Raum ihre eigene Welt aufgebaut haben, um zu überleben, und hinterher erst allmählich wieder Schritt für Schritt mühsam zurück in die wirkliche Welt finden, ist erschütternd und von Brie Larson sowie Jacob Tremblay eindrucksvoll und überzeugend gespielt.

Fazit: Ein ungewöhnlicher Film, der mit leisen Tönen zu berühren weiß. Lohnt sich!

5. „The Big Short“

„The Big Short“ von Adam McKay liefert einen unterhaltsamen und erschütternden Einblick in die Hintergründe der Finanzkrise von 2008. Ich habe mich nie wirklich für Weltwirtschaft interessiert, für Aktienkurse und diesen ganzen Kram. Aber ich kann es nicht leiden, wenn ich etwas nicht verstehe, und während der Krise flogen mir immer mehr völlig unverständliche Begriffe um die Ohren, die mich dann doch neugierig gemacht haben. „Subprimes“, „Hedgefonds“, „CPO“, „Hypothekenanleihen“, … da wird einem schwindelig. Der Film holt so ahnungslose Trottel wie mich, die ernsthaft noch daran glauben, man könnte mit ehrlicher Arbeit einigermaßen reich werden, dort ab, wo sie stehen. Bei den wichtigsten Begriffen hält der Film kurz inne, erläutert die Bedeutung, veranschaulicht das Prinzip mit einem Beispiel, und dann geht es mit der Geschichte weiter.

Für Leute, die sich damit schon gut auskennen, und denen bei diesem ganzen Bankersprech nicht der Kopf schwirrt, ist das womöglich eine störende Unterbrechung des Erzählflusses. Doch mir hat das gefallen, weil ich den Eindruck habe, tatsächlich einiges gelernt und begriffen zu haben. Außerdem ist der Grundtonfall des Films durchaus humorvoll, die Protagonisten irgendwie sympathisch – auch, wenn sie streng genommen ganz schön skrupellose Arschlöcher sind, die sich an der Dummheit und den Träumen armer Menschen bereichern.

Obwohl ich jetzt das Prinzip verstanden habe – es ist eigentlich relativ simpel – bin ich trotzdem fassungslos. Wie! Kann! Man! Nur! Gerade, weil das Prinzip so einfach ist, hätte man es doch als Branchenkenner sofort durchschauen müssen. Das heißt, die Beteiligten haben alle fröhlich mitgezockt und auf die Konsequenzen gepfiffen. Und warum auch nicht? Die Wirtschaft hat sich wieder erholt, das tut sie immer irgendwie, und wer das Geld hat, hat das Sagen. Trotzdem stellt sich mir die Frage: Haben die denn überhaupt gar kein Verantwortungsgefühl? Überhaupt kein Mitgefühl?

Fazit: Ein wichtiger Film, der an die Nieren geht, aber trotzdem unterhält und informiert. Lohnt sich! Und ich schau mir jetzt ein Katzenvideo an, um meinen Glauben an das Gute in der Welt wieder etwas aufzubauen.

4. „Arrival“

„Arrival“ von Denis Villeneuve ist ein ungewöhnlicher Science-Fiction-Film mit zutiefst pazifistischer Botschaft. Da soll noch mal einer sagen, Geisteswissenschaften wären zu nichts nutze. Ha! Bäm! Ätschibätsch! Sind sie nämlich doch! Zumindest, wenn man sich wie Dr. Louise Banks (Amy Adams) in dem Film mit Linguistik beschäftigt und mit Kommunikation auskennt, kann man die Menschheit offenbar vor einem intergalaktischen Mordskonflikt bewahren. Gut, sie bekommt dabei Hilfe vom Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner). Und das Militär stellt ihr immerhin die benötigten Mittel zur Verfügung, die wohl insgesamt von Steuergeldern finanziert sein dürften, also hat genaugenommen jeder irgendwie mehr oder weniger dazu beigetragen, dass die Wissenschaftler ihre Arbeit machen können.

Aber nichtsdestoweniger zeigte „Arrival“ ganz deutlich, dass man mit Köpfchen, Miteinanderreden und Völkerverständigung viel mehr bewirken kann, als mit Säbelgerassel, Muskelspielen, sogenanntem Stärkezeigen, Krachbummpardauz-Waffengedöns und dem ganzen restlichen Idiotenkram, den Populisten und ihre Anhänger für so zielführend und zweckdienlich erachten.

Dabei ist die Geschichte ausgeklügelt, raffiniert erzählt, hält ein paar spannende Wendungen parat, konzentriert sich dabei jedoch vor allem auf seine Hauptfigur Louise und ihre Annäherung an die fremde Spezies. Auf diese Weise kann man dem Film optimal folgen und er ist trotz langsamem, ruhigem Erzähltempo keinen Augenblick langweilig.

Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass Zuschauer, die mit anderen Erwartungen in den Film hineingehen – zum Beispiel einen Actionthriller mit Alienmonstern sehen wollen – dem gemächlichen Tempo womöglich mit Ungeduld begegnen. Mich hat’s nicht gestört und ich fand’s super.

Fazit: Lohnt sich auf jeden Fall! Ein kluger Science-Fiction-Film, der zum Nachdenken anregt.

3. „Sausage Party“

„Sausage Party – Es geht um die Wurst“ von Conrad Vernon und Greg Tiernan ist absolut genialer Schwachsinn. Bei diesem krawallklamaukigen Rundumschlag wird so ziemlich jede Regel politischer Korrektheit gebrochen, jedes nur erdenkliche Tabu gebrochen und vermutlich jedem auf den religiösen oder ideologischen Schlips getreten, der sich einen solchen umgebunden hat. Weil das aber so fair verteilt ist und ausnahmslos jeder sein Fett weg bekommt, ist es auf seine Weise auch schon wieder politisch korrekt – ein moralisches Paradox, und das finde ich gut.

Wenn man mal die ganzen Klischees, Vorurteile, im Grunde kleinlichen Streitereien zwischen den Kulturen, so herrlich respektlos um die Ohren gehauen bekommt, merkt man erst recht, wie albern und lächerlich diese eigentlich sind. Ich bin der Meinung, der Film sollte Pflicht werden für den Religionsunterricht an Schulen. So Kinder, das mit den Göttern ist alles Quatsch, das haben sich nur irgendwelche Leute mal ausgedacht, um Sachen zu erklären, die sie nicht erklären konnten, damit sich alle besser fühlen, aber dann haben die Leute das ernsthaft geglaubt, und dann ist die ganze Chose ein minibisschen aus dem Ruder gelaufen. Und schwupps haben wir Weltfrieden. Na ja … man wird doch wohl noch träumen dürfen.

2. „Tony Erdmann“

„Toni Erdmann“ von Maren Ade ist ein ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Film. Über 160 Minuten lang kommt er ohne Musik aus, nur die Hintergrundgeräusche sind zu hören. Es gibt keinen Vorspann, der Zuschauer wird in die Handlung mittenhinein geworfen. Eine steile Spannungskurve ist nicht zu erkennen, vielmehr ist es, als würde die Kamera einen zufälligen Lebensabschnitt von Winfried Conradi (Peter Simonischek) und seiner Tochter Ines (Sandra Hüller) einfangen und beobachten. Obwohl es zwischendurch immer wieder Leerstellen und Pausen gibt, in denen scheinbar nichts passiert und die Motivation der Figuren im Dunkeln bleibt, wird der Film nie langweilig. Man bleibt irgendwie am Ball, möchte wissen, wie es weitergeht, hofft für und bangt um Winfried und Ines, dass es ihnen gut geht und sie sich einander annähern.

Die Geschichte ist einfühlsam erzählt, aber es wird nie sentimental. Dafür sorgt der schräge Humor, der die ernsten Themen immer wieder auflockert. Manchmal aber bleibt einem das Lachen im Hals stecken, zum Beispiel, wenn Winfried den rumänischen Arbeitern rät, den Humor nicht zu verlieren, obwohl diese vermutlich bald kein Zuhause mehr haben. Überhaupt ist der Film gespickt von Sozialkritik in alle möglichen Richtungen. Der Kontrast zwischen der armen Bevölkerung in Rumänien und den erfolgsverwöhnten Managern, für die ihre Mitarbeiter bloße Zahlen und Menschenmaterial sind, die aber dennoch feige sind und nicht die Bösen sein wollen, wird deutlich gemacht. Die Schwierigkeiten von Frauen in Führungspositionen, von männlichen Platzhirschen ernst genommen und akzeptiert zu werden, kommt ebenfalls zum Ausdruck. Und schließlich erzählt „Toni Erdmann“ auch von Generationskonflikten, komplizierten Familienbanden … und Liebe.

Fazit: Ein rundum gelungener, besonderer Film, absolut sehenswert!

1. „10 Cloverfield Lane“

„10 Cloverfield Lane“ von Dan Trachtenberg ist ein großartiges Kammerspiel und spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es ist allerdings möglicherweise für die Zuschauererwartung etwas ungeschickt, den Titel so nah an den Found-Footage-Film „Cloverfield“ anzulehnen. Viele erwarten daraufhin eine Fortsetzung, ein Spin-off oder ein Prequel – tatsächlich aber haben beide Filme kaum etwas miteinander zu tun. Ich fand’s gut, weil ich nicht so ein ‚creature feature‘-Katastrophenfilm-Fan bin, aber psychologisch feinsinnige Charakterzeichnung, tolle Schauspieler und intelligentes Storytelling liebe.

„Cloverfield“ war von der Machart interessant und das Storytelling war auch da zumindest innovativ. In „10 Cloverfield Lane“ aber wachsen einem die Figuren mehr ans Herz und man fiebert mit ihnen mit; ein wichtiger Aspekt, wenn man nachhaltig Spannung erzeugen und das Publikum in irgendeiner Weise berühren will. Das ist in diesem Film meiner Meinung nach geglückt.

Das liegt nicht nur an dem tollen Drehbuch, dem virtuosen Schnitt und der bedrückenden mise en scène, sondern auch und vor allem an den drei Hauptdarstellern, die sich gegenseitig die Bälle zuspielen. John Goodman als zwielichtiger Verschwörungstheoretiker lässt einem abwechselnd das Blut in den Adern gefrieren und den Wunsch verspüren, ihn in den Arm zu nehmen. Mary Elizabeth Winstead gelingt das Kunststück, ihre Michelle sympathisch wirken zu lassen, obwohl sie es faustdick hinter den Ohren hat und durchaus kratzbürstig und durchtrieben sein kann. John Gallagher Jr. als Emmett wirkt wie jemand, dem man vertrauen kann, aber stimmt wirklich alles, was er sagt?

Anders als zum Beispiel in Quentin Tarantinos Kammerspiel „The Hateful Eight“ wird das Zusammenspiel zwischen den drei eingesperrten, grundverschiedenen Personen nicht langweilig. Vielleicht, weil es nicht so viele Menschen sind, zwischen denen die Handlung zu sehr in Stücke gerissen wird. Die Atmosphäre, die Handlung bleiben hochkonzentriert, konsequent und spannend. Trotzdem gibt es zwischendurch skurrile, absurde Momente, die die nervenaufreibende Spannung zwischendurch ein wenig lösen, sodass sich neue Spannung aufbauen kann. Die ganze Situation im Bunker wirkt kafkaesk. Ohne mehr verraten zu wollen: Das Ende ist auf jeden Fall eine Überraschung und steht im starken Kontrast zum restlichen Film.

Fazit: Ganz unvoreingenommen reingegangen und begeistert herausgekommen. Unbedingt empfehlenswert!

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78. Stück: Die präzise Eleganz der deutschen Sprache und wer sie zu nutzen weiß

In meinem letzten Essai „Wann deutsche Filme und Popmusik scheiße sind“ war ich ein bisschen gemein zu deutschsprachigen Bands und Filmen, die ich nicht leiden kann. Was ich an Silbermond, Juli, Revolverheld und Co. sowie Filmen à la Was nützt die Liebe in Gedanken im Wesentlichen hasse, ist die plumpe, unsubtile, humorlose und pathetische Art, mit der wunderbaren deutschen Sprache umzugehen und die fehlende Leichtigkeit. Es gibt aber auch Werke, die die Besonderheiten meiner Vatersprache (Eh oui, meine Muttersprache ist Französisch, meine patrie ist Deutschland) positiv für sich zu nutzen wissen. Jede Sprache hat ihre Eigenarten und sie können wundervoll sein, aber auch tückisch, wenn man nicht aufpasst. Bei Deutsch ist es vor allem die Klarheit und Präzision, die sehr stark sein kann – oder auch plump und humorlos. Im Deutschen kann man ganz genau das sagen, was man sagen will, indem man Wortteile nach Belieben neu zusammensetzt. Stellt man es ungeschickt an, wirkt es schnell zu offensichtlich und polterig. Pathos wirkt im Deutschen auch deshalb so albern, weil er vollkommen unnötig ist. Die Worte sind bereits klar und stark genug, da muss man nicht noch eins draufsetzen – im Gegenteil. Durch feine Untertreibung als Kontrast zur Deutlichkeit der Worte kann eine Leichtigkeit und Einfachheit erzeugt werden, die deutsche Filme und Lieder vor unerträglichem Schnulzkitsch bewahren. Ein paar deutschsprachige Künstler sind solche begnadeten Wortakrobaten, die mit Ausdrücken und Bedeutungen jonglieren können, tolle Geschichten erzählen und mit verschmitzter Ironie an den Oberflächen der Dinge kratzen.

Am besten schildere ich mal anhand einiger Beispiele, wie man die präzise Eleganz der deutschen Sprache gekonnt einsetzen kann. Meister der Ironie sind zum Beispiel Farin Urlaub von Die Ärzte und die Texter von Annett Louisan:

„Lasse redn“ verbirgt hinter seiner fröhlichen Melodie und den pfiffigen Reimen eine herrlich entlarvende Kritik am Spießertum, wie es sich durch die tägliche Lektüre der ‚Bild‘-Zeitung und das Lästern über Nachbarn und Bekannte bemerkbar macht. Aber anstatt plump zu wehklagen, wie unglaublich verabscheuungswürdig und moralisch daneben es doch ist, fiese Gerüchte über andere Leute in die Welt zu setzen und sich an den Problemen anderer Menschen zu ergötzen, wird hier einfach frech grinsend die ganze Tratscherei ins Absurde überspitzt. „Die Katze“ kommt mit ganz einfachen Worten aus, präzise wird beschrieben, wie sich eine Katze häufig aufführt: eigensinnig, unabhängig, aber unwiderstehlich. Der etwas träge Rhythmus passt wunderbar dazu. Durch Annett Louisans ironisch-lustvolle Interpretation bekommt das Lied jedoch auch etwas unterschwellig Erotisches, ohne es allerdings direkt auszusprechen. Täte sie dies, etwa wie im Schlager „Zieh dich aus, kleine Maus, mach dich nackig …“, würde diese prickelnde zweite Ebene verpuffen (Hihi, ver“Puff“en 😛 ).

Deutsch eignet sich außerdem hervorragend dafür, Geschichten zu erzählen, und zwar mit wenigen Worten, so wie ein paar Pinselstriche in einer gelungenen Skizze ein ganzes Bild entstehen lassen können. Ein Beispiel hierfür ist das Lied „Der Tantenmörder“ vom Theaterautor Frank Wedekind:

Bei dem Lied muss man allerdings aufpassen, dass man nicht durch eine plumpe, finstere Darstellung den tollen Text von Wedekind ruiniert. Das liegt dann aber nicht mehr an der Sprache, sondern an der Interpretation, die das, was der Text gekonnt vermieden und ausgelassen hat, mit Krampf aufpresst. Man darf als Schauspieler und Interpret nicht vergessen, dass das Publikum nicht blöd ist und des Lesens von Zwischentönen durchaus mächtig. Diese Version hier finde ich zum Beispiel nicht so gut:

Außerdem gibt es auch tatsächlich ein paar „Supernachdenklicher Deutschpop“-Lieder, die ich mag. Zum Beispiel höre ich sehr gern „Wolke 4“ von Philipp Dittberner & Marv oder „Herz über Kopf“ von Joris:

Ich mag zum einen die Schlichtheit der musikalischen Begleitung, die den Text optimal unterstreicht, ohne ihn zu überdecken. Die gewählten Wörter und ihre Anordnung sind einfach, aber drücken trotzdem viel aus, ohne dass man noch etwas dazupacken oder extra erklären müsste. Mit eleganter Präzision entstehen Bilder, werden Emotionen transportiert, ohne zu nerven oder dem Zuhörer mit einer Extraportion Plumpheit die gemeinte Bedeutung unter die Nase zu reiben.

Ironie, Leichtigkeit, tolle Geschichten in wenigen, präzisen und gut gewählten Wörtern sowie unterschwelliger Humor funktionieren nicht nur in der Musik, sondern auch in Filmen. Der Tatort Im Schmerz geboren mit Ulrich Tukur war zum Beispiel absolut genial. Der letzte Kölner Tatort Kartenhaus hat mich sogar zu Tränen gerührt. Sehr gut gefallen hat mir auch Wir sind jung. Wir sind stark von XY. Ab und zu gibt es eine Szene, die ich etwas übertrieben schwermütig-melancholisch und aufgesetzt fand, aber insgesamt wird hier aus verschiedenen Perspektiven ein genauer Blick auf die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen von 1992 geworfen, ohne zu urteilen oder die moralische Keule zu schwingen. Dass die Geschichte, die mit dem Brand einer Asylunterkunft endet, von erschreckender Realität ist, braucht dann nicht mehr extra dazugesagt zu werden. Nicht zu vergessen sind außerdem ein paar herausragende deutschsprachige Fernsehserien, die durch witzige Dialoge, tolle Figuren und Experimentierfreude glänzen, etwa Morgen hör ich auf, Der kleine Mann, Der Tatortreiniger, Dr. Psycho oder Stromberg.

Zum Schluss habe ich noch ein paar Lesetipps für euch:

  • Tschick von Wolfgang Herrndorf
  • Die kurzen und die langen Jahre von Thommie Bayer
  • Alle Toten fliegen hoch (Amerika) und die anderen Bücher von Joachim Meyerhoff
  • Der Sandmann und alles andere von E. T. A. Hoffmann
  • Lenz von Georg Büchner
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Welche deutschsprachigen Lieder, Filme, Serien und Bücher mögt ihr besonders gern und warum?

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77. Stück: Wann deutsche Filme und Popmusik scheiße sind

Zuerst wollte ich diesen Essai „Warum deutsche Filme und Popmusik scheiße sind“ nennen, aber dann fielen mir immer mehr Beispiele von guten deutschen Filmen und gelungenen deutschsprachigen Liedern ein. Und da habe ich mich gefragt, was denn den Scheiß von guten Werken unterscheidet. Das ist gar nicht so einfach zu sagen, weil solche Urteile immer subjektiv sind, und das, was ich für grauenhaft erachte, andere wunderbar finden. Keiner von uns hat dann recht oder unrecht, es sind eben verschiedene Geschmäcker und Meinungen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es doch so ein paar Dinge gibt, die mir typisch Deutsch vorkommen, und zwar im negativen Sinne. Über die positiven Seiten der deutschen Sprache werde ich noch einmal gesondert einen Beitrag schreiben, heute geht es mal darum, was mich bei deutschsprachigen Machwerken oft stört.

Ich möchte überdies gern alle Leser dazu einladen, mir in den Kommentaren zu widersprechen oder auch zuzustimmen und Dinge zu ergänzen, die mir vielleicht nicht aufgefallen sind. Dann wird die Angelegenheit wenigstens ein bisschen intersubjektiv. 🙂

Am besten fange ich mit ein paar Beispielen deutschsprachiger Filme und Lieder an, die ich ganz schauderhaft finde. Silbermond, Juli, Revolverheld, Die Toten Hosen (zumindest den neueren Scheiß à la „Tage wie diese“, urgs 😛 ) und Xavier Naidoo sind beispielsweise Bands/Sänger, die mir zuverlässig mit ihrer Musik auf den Wecker fallen und ein genervtes „Roooh, nicht DIE schon wieder!“ begleitet von sofortigem Wechseln des Radiosenders hervorrufen. Ich nenne diese Musikrichtung gern „supernachdenklichen Deutschpop“, weil da auf Krampf versucht wird, megasensibel zu wirken und derbe poetisch rüberzukommen. Dann werden da entweder ganz melancholisch mit dünnem Stimmchen Platitüden ins Mikro gehaucht oder gewollt verwegen plattes, vor Pathos triefendes Klischeezeug gegrölt, um allen zu zeigen, wie ungemein emotional man gerade drauf ist. Die Melodien sind entweder so gut wie nicht vorhanden oder so simpel und unoriginell, dass es einen schon aggressiv macht vor Langeweile.

Wenn schon die musikalische Seite unerträglich ist, könnte zumindest ein schlauer, witziger, ironischer, leichter, liebenswerter oder zum Nachdenken anregender Text den ganzen Kram retten. Das tut er aber bei besagten Beispielen nicht. (Anmerkung am Rande: Das „meiner Meinung nach“ und „meines Erachtens“ etc. möge man sich bitte dazu denken) Im Gegenteil, da wird’s dann teilweise richtig schlimm. Von Leichtigkeit und Raffinesse, Humor, echten Gefühlen oder Gesellschaftskritik keine Spur. Stattdessen wird zum x-ten Mal darüber schwadroniert, dass früher alles besser war, was für eine tiefe Männerfreundschaft einen mit seinen Kumpels verbindet, nur, weil man regelmäßig gemeinsam in einer versifften Kneipe saufen geht. Oder es wird ganz platt und unsubtil herausposaunt, was für ein perfekter/großartiger/fantastischer/bester Tag aller Zeiten es doch ist.

Wahlweise wird auch noch mit Trampelschritten der Liebe gehuldigt, vor allem im Schlager, indem mit absurder Inbrunst herumgetrötet wird, dass man durch die Nacht geht, gemeinsam den Sternenhimmel schön findet, nur Du und ich, ich und Du, Müllers Esel schubidu. ‚Tschuldigung, da sind gerade die Maultiere mit mir durchgegangen, zurück zum Thema. Am besten schmeißt man auch noch die Zahl Tausend mit in den Text, das kommt immer gut, weil „Tausend“ ja total viel ist, also fast schon „unendlich“. „Unendlichkeit“ ist dann auch so ein Wort, ebenso wie „Ewigkeit“, „Leidenschaft“, „spüren“, „Tag“ und „Nacht“, „Sonne“, „Mond“ und „Sterne“, die in keinem deutschen Schlagertext fehlen dürfen. Ich stelle mir das Texten solcher Lieder so vor: Man schmeißt diese ganzen wahnsinnig emotionalen Begriffe auf Zettelchen geschrieben in einen Pott, wirft vielleicht noch ein paar ferne Länder oder beliebte Urlaubsziele mit dazu, rührt einmal kräftig durch und zieht dann ein paar Wörter heraus. Daraus schustert man den Text dann zusammen. „Mit Dir durch die Unendlichkeit, mit Leidenschaft in die Ewigkeit, Dich spüren Tag und Nacht! Du und ich, ich und Du, wir schauen Sonne, Mond und tausend Sternen zu, im Himmel über Capri, wo ich die Liebe fand!“ Humpta-humpta-humpta!

Mich stört daran vor allem dieses Offensichtliche, dieses Platte, dieses Berechnende. Da hat man den Eindruck, die Leute haben sich überhaupt keine Mühe gegeben, das wirkt alles so unehrlich und unauthentisch. Wobei man da sicher auch noch differenzieren kann, ich denke schon, dass Silbermond, Juli, Xavier Naidoo und Co. sich bei ihren Texten was gedacht haben und das auch wirklich so meinen und ganz viel dabei fühlen. Es wirkt trotzdem immer alles so, als habe man sich einmal ein bestimmtes Schema ausgedacht und für gut befunden. Die Lieder sind dann keine individuellen Werke mehr, sondern es wird alles in dieses Schema gepresst, mit dem Ergebnis, dass nachher alles gleich klingt. Vielleicht erweckt das dann bei mir den Eindruck des „Unechten“, weil sich selbst das coolste Schema irgendwann abnutzt und oberflächlich wird. Möglicherweise fällt es mir auch nur deswegen negativ auf, weil ich das Schema besagter Musiker grauenhaft langweilig finde. Entspräche es meinem Geschmack, fände ich es vielleicht gar nicht schlimm.

In deutschen Filmen beziehungsweise Filmszenen, die ich nicht mag, fällt mir ebenfalls vor allem die fehlende Leichtigkeit und Subtilität auf. Gepaart wird das Plumpe, Platte, Schwere und Offensichtliche obendrein häufig mit einer viel zu angestrengten, gewollten, unignorierbaren Absicht, große Gefühle zu illustrieren sowie dem Klischee des Volks der Dichter und Denker in den Allerwertesten zu kriechen, indem man extra poetische Bilder und eine vermeintlich voll lyrische Sprache wählt. Ein Beispiel dafür ist Was nützt die Liebe in Gedanken von Achim von Borries. Die Schauspieler werden dann genötigt, ein völlig leeres, ausdrucksloses Gesicht zu machen, die Schultern nichtssagend hängen zu lassen und – schon wieder mit dünnem Stimmchen oder unverständlichem Genuschel – supernachdenkliche Platitüden vor sich hin zu hauchen. Am besten ist dann auch immer möglichst oft jemand nackt, idealerweise sieht man auch alles, damit alle wissen, wie überhaupt nicht verklemmt der Deutsche an sich ist. Die Filmmusik ist passend dazu ein unerträgliches Unglücksgeraune, das jede Szene mit Pathos verklebt wie eine im Rucksack ausgelaufene Flasche Multivitaminsaft. (Ich weiß, wovon ich rede, einem solchen Vorfall ist mein erstes Handy zum Opfer gefallen.)

Meistens werden die Bilder in blasse Grau- und Blautöne getaucht, damit alles noch viel melancholischer und nachdenklicher wirkt. Zu allem Überfluss wird aber auch dieses penetrant Öde nicht konsequent durchgezogen, sondern ab und zu wird’s total emotional. Dann brüllt plötzlich jemand los, und zwar so, dass man überhaupt nicht akustisch versteht, was gerade los ist. Das soll wohl authentisch wirken, tatsächlich aber wirkt es einfach nur aufgesetzt. Ganz besonders albern wird es, wenn deutsche Filme nicht so ganz wissen, wie sie anfangen oder aufhören sollen. Dann wird nämlich einfach getanzt. Ohne Grund und ziemlich ungelenk und tapsig vollführen die Figuren dann ein paar Tanzschrittchen. Das sieht man häufig im Tatort oder Polizeiruf 110. Was das soll, habe ich bislang noch nicht verstanden.

So weit meine kleine Tirade, was ist eure Meinung dazu?

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75. Stück: Liebster-Award-Nominierung, die Dritte

Und hier ist auch schon die nächste Liebster-Award-Nominierung 🙂 Dieses Mal hat mich mein Bloggerkollege von Haltstop zurücknominiert, den ich nach meiner ersten Liebster-Award-Nominierung erkoren hatte. Ersteinmal vielen lieben Dank dafür 😀 Dann werde ich mal die spannenden Fragen beantworten:

1. Was macht für Dich den Reiz eines fiktiven Films/Buchs/etc. aus?

Ich mag das „Was wäre, wenn …“-Spiel in fiktiven Geschichten. Erzählungen allgemein – egal in welchem Medium oder mit welchem Grad an Wirklichkeitsübereinstimmung – werden für mich dann reizvoll, wenn ich mich da irgendwie in die Situation oder das Gedankenspiel hineinversetzen kann. Das hängt oft sehr stark von der Figurencharakterisierung ab: Sind die Figuren so beschrieben und dargestellt, dass ich etwas an ihnen finde, was mir bekannt vorkommt, womit ich mich identifizieren kann? Wenn ich die Motive einer Figur überhaupt nicht nachvollziehen kann, verliert die ganze Geschichte für mich an Reiz.

Darüber hinaus kann ich mich auch für tolles Handwerk und hervorragenden Stil bei Filmen, Büchern, Theaterinszenierungen und Fernsehsendungen begeistern. Ist die Geschichte jedoch langweilig und die Motive der Figuren schwer nachvollziehbar, genügt es nicht, dass das Werk gut gemacht ist. Für mich steht die Handlung – die unmittelbar mit den Figuren verknüpft ist – stets im Vordergrund.

2. Du trittst Deinem größten Idol aus der Welt des Films/Buchs/etc. gegenüber. Was würdest Du ihn fragen oder ihm sagen?

Hier geht es um reale Menschen, nehme ich an? Ich glaube, wenn ich plötzlich Woody Allen, Jaco van Dormael oder Stephen King gegenüberstände, würde ich überhaupt kein Wort herausbringen. Da würde ich nur „Ääähm! Ööööhm! I like your *läuft-puterrot-an* *schweißausbrüche* *atemnot* *kieks* books/films“ sagen, mich für mein peinliches Auftreten in Grund und Boden schämen, ganz schnell verschwinden und mich über mich selbst wahnsinnig ärgern. Ich bin da leider superschüchtern 😦

Einmal angenommen, ich wäre nicht so eine lächerliche, peinliche, verdruckste Erscheinung, wenn ich irgendwem Berühmtes gegenüberstehe, den ich aufrichtig bewundere, was würde ich dann tun? Sowas zu fragen wie „Wie kommen Sie auf Ihre Ideen?“ ist ja schonmal unfassbar bescheuert, weil das Autoren und Filmemacher ständig in Interviews hören. Aber vielleicht würde ich sie fragen, ob sie auch manchmal Selbstzweifel haben, ob sie manchmal denken, das taugt doch überhaupt nichts, was ich hier mache, … und was Sie dann dagegen tun. Das fände ich spannend.

3. Wann wird für Dich ein Film/Buch/etc. langweilig?

Also, wenn ich die Figurenmotivation nicht nachvollziehen kann, das hatte ich ja in der ersten Frage schon geschrieben, dann langweile ich mich und ärgere mich. Was ich ebenfalls nicht ausstehen kann, ist schlechter Stil, schluderiges Handwerk und schnarchige Dialoge, die vor Klischees nur so triefen. Wenn dann noch die Macher dieses Schrotts sich eitel aufplustern und behaupten, das soll aber so, und sie hätten sich schon was dabei gedacht (was, das verraten sie selbstredend nicht), und wer das nicht versteht, der sei ihrer Kunst eben nicht würdig und ein Idiot, dann finde ich das so langweilig, dass mir die Hutschnur platzt. Dann kann ich mich darüber auch ziemlich leidenschaftlich echauffieren, und mein Freund denkt dann immer, jetzt spinnt sie wieder rum 😀 Also ganz allgemein langweilt es mich ins Unermessliche, wenn ich den Eindruck habe, da hat nur irgendsoein eingebildeter Fatzke seine persönlichen Eitelkeiten in einen Film oder ein Buch gefurzt, so ein höchstens mittelmäßig begabter Schnösel macht sich da wichtig und hört sich gerne reden oder liest sich gerne schreiben, aber es sagt überhaupt rein gar nichts aus. Bäh, sowas hasse ich! 😛

4. Was denkst Du: Wieso wird die Musik nicht öfters zum Geschichtenerzählen genutzt?

Oh, das ist interessant, ich gehe ja ab und zu noch zum erzähltheoretischen Kolloquium (ETK) an der Uni Hamburg, und da haben wir schon des Öfteren über narrative Songs – also Lieder, in denen eine Geschichte erzählt wird – gesprochen. Das gibt es also schon, und finde ich auch spannend. Das Lieblingsbeispiel von meinem Masterarbeitsprüfer ist dabei „Buenos Tardes Amigo“ von Ween:

Ich denke, das wird nicht so oft gemacht, weil Lieder der Textform Lyrik näher sind als der Prosa. Und bei Lyrik geht es mehr um Bilder und Gefühle, weniger um Geschichten. Das eine muss das andere natürlich nicht ausschließen, aber einfach durch die Kürze von Gedichten und Liedern ist es dort schwieriger, eine zusammenhängende Handlung zu entfalten.

5. Freitagabend, Kinozeit. Du hast die Wahl: Blockbuster-Streifen oder Indiefilm? Für was entscheidest Du Dich, und wieso?

Das kommt darauf an, worum es in den Filmen geht. Wenn der Indiefilm, der zur Auswahl steht, irgendsoein eitler Kunstkram ist, der keine richtige Geschichte erzählt, sondern, den man auf „einer anderen, emotionalen Ebene rezipieren muss“, dann wähle ich lieber den Blockbuster-Streifen. Ist der Blockbuster-Streifen aber so ein dämlicher Macho-Geballer-Schwachsinn ohne Story, dann nehme ich eher den Indiefilm.

6. Gibt es eine Filmreihe, bei der Dir auch noch der 3., 4., 5.,.. Teil gefällt?

Bei Stirb langsam haben mir bisher alle Teile gefallen. Wobei, die ersten Teile sind immer noch am besten, aber die neueren Filme waren immerhin guckbar 🙂

7. Welche Figur ist für Dich interessanter: Der Held oder der Bösewicht?

Meistens finde ich den Bösewicht spannender als den Helden. Der Held muss halt in der Regel die Vorbildfunktion und moralische Instanz verkörpern, der hat nicht so viel Spielraum bei der Charakterisierung. Der Bösewicht hingegen hat alle Freiheiten, da kann man die Figur mit viel mehr Facetten und Persönlichkeitszügen ausstatten. Wobei das ja in letzter Zeit modern ist, den Helden auch mal an sich und seiner „Mission“ zweifeln zu lassen, dass der nicht mehr so perfekt und unfehlbar ist. Das kann dann wieder interessant werden. Es sei denn, man übertreibt, vergisst ein wenig Humor dabei, und zeigt einen Ich-bezogenen, weinerlichen Schluffi, der die ganze Zeit herumlamentiert: „Ach und Weh! Was ist bloß meine Bestimmung! Was ist der Sinn meiner Existenz!“ Das regt mich dann ja schon wieder auf! 😀

8. Spectre kommt in wenigen Tagen ins Kino. Welcher ist Dein Lieblings-Bond-Film?

Eindeutig Casino Royale! James Bond ist in dem Film nicht nur ein Frauenheld und hübsch anzuschauen, sondern zeigt da tatsächlich auch mal ein wenig Persönlichkeit, aber ohne dabei ins Weinerliche abzudriften. Spannend!

9. Gehst Du manchmal in Kinovorstellungen, ohne Dich vorher über den Film informiert zu haben (keine Trailer, Kritiken etc.)?

Selten, meistens machen mich Trailer neugierig, oder ich habe irgendwo ein Bröckchen von der Handlung mitbekommen, der mich interessiert hat. Ich versuche aber meistens, vorher nicht so viele Kritiken zu lesen, um mich nicht allzusehr beeinflussen zu lassen.

10. Du kannst die Zeit zurückdrehen und eine schlechte Casting-Entscheidung in einem Film ändern. Welche Rolle würdest Du mit wem neu besetzen?

Hayden Christensen als Anakin Skywalker in Star Wars Episode II und Episode III. Meine Güte, war der scheiße! Da hätte man doch Ryan Philippe nehmen können, der hätte das wesentlich besser gemacht.

11. Wieso braucht die Welt eigentlich genau Deinen Blog?

Die Frage ist fies 😛 Wahrscheinlich würde sich die Welt auch noch weiter drehen, wenn es meinen Blog nicht gäbe. Insofern „braucht“ die Welt meinen Blog eigentlich gar nicht. Aber das ist vielleicht auch nicht wichtig … mir macht es einfach Spaß, hier meine Gedanken zu Film, Fernsehen, Kultur, Theater und Literatur auszubreiten, und noch mehr Spaß macht es mir, wenn ich mich mit anderen Menschen darüber austauschen kann.


So, dieses Mal nominiere ich meinen lieben Kollegen von Haltstop zurück 🙂

Die Fragen sind die, die ich bei meiner zweiten Nominierung bereits genannt hatte 🙂

1. Eine Zombie-Apokalypse bricht aus: Was tust du, warum und wie schätzt du deine Überlebenschancen ein?

2. Welches Endzeitszenario hältst du für wahrscheinlicher und warum: Ein Killervirus rafft die Mehrheit der Menschen dahin? Der dritte Weltkrieg findet statt, alle bewerfen sich mit Atom- und Wasserstoffbomben, die Welt wird unbewohnbar? Der Klimawandel und der menschliche Raubbau an der Umwelt fordern ihren Tribut? Wir werden von einem kolossalen Kometen zermalmt? Oder etwas vollkommen anderes?

3. Hand aufs Herz: Was hältst du von der Todesstrafe?

4. Selbstjustiz: Unter gewissen Umständen verständlich? Oder grundsätzlich falsch?

5. Til Schweiger: Genialer Marketingstratege oder aufgeblasener Angeber?

6. Was ist für dich der schlechteste Film aller Zeiten und warum?

7. Du bemerkst einen Troll-Kommentar auf deinem Blog: Wie reagierst du?

8. Jemand schreibt Blödsinn oder menschenverachtende Kackscheiße im Internet: Kannst du widerstehen oder pöbelst du dagegen?

9. Welches Buch hat dich zuletzt so richtig gefesselt?

10. Gibt es eine Eigenschaft, die dich an deinen Mitmenschen ganz besonders nervt? Welche?

11. Wie lange betreibst du deinen Blog schon und was hat dich dazu bewogen, damit anzufangen?

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