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65. Stück: 31 Tage, 31 Filme – Folgen 6 bis 10

Folge 6 „Welcher war der erste Film, den du im Kino gesehen hast?“

Ich muss ungefähr vier Jahre alt gewesen sein, als meine Tante Heidi mit meinem Cousin Simon und mir ins Kino ging. „Miez und Mops“, ein japanischer Tierfilm von 1986, stand auf dem Programm. Von da an hatte mich das Kino gepackt, als ich den Abenteuern des Katerchens Miez, das in einer Holzkiste in einen reißenden Strom gerät, und des Hundewelpen Mops, der verzweifelt versucht, seinen Freund zu retten, gebannt folgte.

Obwohl das jetzt schon fast dreißig Jahre her ist (Oh je, ich werde alt!), kann ich mich noch heute gut daran erinnern, wie fasziniert ich von der Atmosphäre in dem Kinosaal mit den plüschigen weinroten Sitzen, dem edlen Samtvorhang und der gespannten Erwartung beim Erlöschen des Lichts war. Meine Tante hatte für meinen Cousin und mich Eiskonfekt gekauft und mit meiner überschaubaren kulinarischen Lebenserfahrung zur damaligen Zeit war ich der Ansicht, noch nie etwas Köstlicheres gegessen zu haben.

Folge 7 „Welchen Film hast du am häufigsten gesehen?“

Puh … das weiß ich nicht so genau. „Die Hochzeit meines besten Freundes“ habe ich sehr oft gesehen und ich mag den Film immer noch. Unter anderem deswegen, weil ich den Soundtrack fröhlich mitsingen kann. Es kann aber sein, dass ich die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie noch häufiger gesehen habe, also greife ich die einfach mal exemplarisch (und zugegebenermaßen etwas willkürlich) heraus:

Ich liebe Zeitreise-Geschichten, weil ich diesen „Was wäre, wenn …?“-Gedanken unheimlich spannend finde. Ist es nicht auch der Kern dessen, was Geschichten und das Erzählen überhaupt ausmacht? Dass man eine bestimmte Ausgangssituation, eine Routine etabliert, und diese dann durchbricht, ändert, ins Chaos stürzt – und am Ende eine Veränderung zeigt? Außerdem gefällt mir die mutige Herausforderung, denen sich Autoren oder Filmemacher stellen, indem sie ihre erzählte Welt mit Zeitreisen durcheinander bringen. Denn Logik und Folgerichtigkeit mit Zeitreisen (vor allem, wenn die erzählte Welt nicht nur in einem Film, sondern mehreren Teilen in sich logisch bleiben muss) aufrecht zu erhalten, ist reichlich knifflig. In einem Essay auf „Hamburgische Dramaturgie 2.0“ hatte ich neulich darüber geschrieben, wie schwierig das ist und wie „Terminator“ meines Erachtens daran scheitert, eine Logik aufrecht zu erhalten (wobei ich zunächst nur die ersten beiden Teile kenne).

„Zurück in die Zukunft“ aber, und auch die beiden Fortsetzungen, gelingt es, trotz weitreichendem Kuddelmuddel und Beinahe-Großvaterparadoxon im ersten Teil, die Folgerichtigkeit von Ursache und Wirkung über die verschiedenen gezeigten Zeitebenen hinweg aufrecht zu erhalten.

Und das bereitet mir immer und immer wieder größtes Vergnügen. Aus diesem Grund freue ich mich auch schon auf den 21. Oktober 2015, den Tag, an dem Marty McFly im Film in der Zukunft landet. Da gibt es nämlich ein Triple-Feature mit der kompletten „Zurück in die Zukunft“-Trilogie im Kino. Auf der großen Leinwand! Wie oft ich die Filme dann gesehen haben werde, kann ich nicht sagen. Dass ich sie mir immer wieder ansehen kann, das allerdings schon.

Folge 8: „Nenne einen Film deines Lieblingsregisseurs (oder Lieblingsschauspielers)“

Lieblingsschauspielerinnen und -schauspieler habe ich viele, daher entscheide ich mich für einen Film meines Lieblingsregisseurs. Alfred Hitchcock finde ich toll, aber Woody Allen ist noch mehr ein Bruder im Geiste für mich. Mein Lieblingsfilm von Woody Allen ist „Bullets over Broadway“ über einen erfolglosen Bühnenautor in den 20er Jahren, der einen Deal mit dem lokalen Mafiaboss schließt, um sein neuestes Werk realisieren zu können. Bedingung ist, dass Olive, die Geliebte des Paten, in dem Stück mitspielt. Leider hat sie kein Talent und das Stück ist furchtbar. Außerdem nervt Cheech, Olives Bodyguard, der ihr nicht von der Seite weicht und nach und nach seine literarische Begabung entdeckt. Er schreibt das Stück um und es wird ein Erfolg. Nur Olive droht alles zu ruinieren …

In „Bullets over Broadway“ treffen der intellektuelle, selbstironische Witz von Woody Allen mit einer hervorragend erzählten Geschichte, skurrilen Figuren, einem wunderbaren Soundtrack und atmosphärischer sowie detailfreudiger mise en scène zusammen. Darin zeigt sich, wie herausragend Woody Allen sein Handwerk beherrscht, als Regisseur, Geschichtenerzähler und Filmemacher.

Ich habe den Film 1995 mit meiner Mutter zusammen im Kino gesehen, nachdem ich im Radio zwei Karten gewonnen hatte. Die Frage war „Welcher Schauspieler hat zwei Jahre hintereinander den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen?“ Antwort: „Tom Hanks. 1994 für ‚Philadelphia‘, 1995 für ‚Forrest Gump‘.“ Später brachten mein Darstellendes-Spiel-Kurs am Gymnasium und ich das Stück auf die Bühne. Wie gern hätte ich die Olive gespielt! Aber als Leiterin einer Heiltanz-Gruppe (die im ursprünglichen Film nicht vorkommt) hatte ich ebenfalls meinen Spaß.

Folge 9: „Welches ist der schlechteste Film deines Lieblingsregisseurs?“

Der schlechteste Film von Woody Allen? Ich schwanke zwischen „To Rome with Love“ und „Schmalspurganoven“ … „Schmalspurganoven“ hat eine witzige Geschichte, ist aber in der Umsetzung zu brav geraten. „To Rome with Love“ ist ein Episodenfilm, der zwischendurch zu stark ins Alberne abdriftet. Beide Filme haben gemein, dass sie bemüht wirken, dass der Humor nicht richtig zündet und die meisten Gags Rohrkrepierer sind.

Ich denke „Schmalspurganoven“ hat mir eine Spur besser gefallen als „To Rome with Love“, aber es ist wirklich nur minimal. Woody Allens Liebeserklärung an die italienische Hauptstadt kommt leider nie wirklich in die Gänge, die Figuren sind flach und wecken keine Sympathien, die einzelnen Episoden fügen sich nicht so wirklich zu einer Einheit zusammen. Dadurch bleibt jegliche Spannung auf der Strecke und da auch der Humor zu harmlos und niedlich ist, bleibt der Film langweilig und belanglos.

Ganz anders hingegen ist Woody Allens Liebeserklärung an die französische Hauptstadt, „Midnight in Paris“ geraten. Ein wunderbarer, verträumter Film, der von der Stimmung an „Bullets over Broadway“ heranreicht.

In den letzten Jahren hat sich Woody Allen vom Komödiengenre wegbewegt und sich dem Thriller-Drama-Genre zugewandt. Eine großartige Entscheidung! „Match Point“, „Cassandra’s Dream“, „Blue Jasmine“ sind fesselnd, lassen das Blut in den Adern gefrieren und hinterlassen einen Eindruck, den man so schnell nicht wieder loswird.

Folge 10: „Nenne den lustigsten Film, den du kennst“

Ich bin leicht zu erheitern und ein dankbares Publikum, was Komödien betrifft. Es ist relativ selten, dass ich über lustige Filme nicht lachen kann. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die ganze Zeit nur Pipikakapenistittenwitzchen gefrotzelt werden, ohne dass sonst irgendetwas passiert. „Movie 43“ ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie provokativ und witzig gemeinte Ekelscherze einen kompletten Film ruinieren.

Warum ist das so?

Meiner Meinung nach kommt es sowohl bei Komödien als auch bei Tragödien, Dramen, Thrillern, Krimis, etc. darauf an, dass eine Geschichte erzählt wird. Das muss nicht immer hochkomplex sein, aber selbst „Die nackte Kanone“, „Helden in Strumpfhosen“, „Scary Movie 1“ oder „Spaceballs“ haben zwischen den ganzen virtuosen Blödeleien eine Handlung, die diese zu einer Geschichte verknüpfen. Auch ist es wichtig, dass der Zuschauer nicht permanent darauf hingewiesen wird, wie unfassbar komisch sich die Filmemacher selber finden. Das passiert bei „Movie 43“ andauernd. Der Schrott besteht aus mehreren Kurzfilmen, die einen bestimmten Gag im Mittelpunkt haben, zum Beispiel, dass Hugh Jackman Eier am Kinn baumeln hat. Und dann wird ewig auf diesem einen, sowieso schon mal nicht lustigen Gag, herumgekaut, bis auch der letzte Vollpfosten kapiert hat, dass er jetzt gefälligst zu lachen hat. Wenn ein Machwerk mir vorschreibt, was ich zu fühlen habe, dann fühle ich absichtlich das Gegenteil. Ätsch.

Also, ein wirklich nachhaltig lustiger Film braucht eine Geschichte und Figuren sowie Schauspieler und Leute hinter der Kamera, die diese Geschichte ernst nehmen. Warum bringen Buster Keaton, Charlie Chaplin und Laurel und Hardy selbst heute noch so viele Menschen zum Lachen? Weil sie ihre Figuren niemals um eine Pointe Willen bloßgestellt, lächerlich gemacht – kurz: verraten haben. Eine gute Komödie muss wahrhaftig sein.

Aber was macht den Film dann komisch? Was unterscheidet ihn von einem Drama?

Timing und Tempo sind eine Sache, die aus einer eigentlich ernsten Geschichte eine Komödie machen. Außerdem werden die Ereignisse und Figuren leicht überspitzt dargestellt. Das darf nicht zu übertrieben ausfallen, sonst verliert die Handlung an Ehrlichkeit und die Komik wirkt aufgesetzt.

Ein Beispiel für eine solche gelungene Komödie und deswegen stellvertretend für die lustigsten Filme, die ich kenne ist „Mein Vetter Winnie“ (1992) von Jonathan Lynn mit einem glänzend aufgelegten Joe Pesci in der Titelrolle und einer grandiosen Marisa Tomei. Die Chemie zwischen den beiden Schauspielern stimmt einfach, das Timing, die Dialoge sitzen auf den Punkt. Die Geschichte ist skurril, aber innerhalb der erzählten Welt ist sie wahrhaftig, logisch und konsequent.

In „Mein Vetter Winnie“ geht es um zwei Freunde, die auf einer Reise in ein kleines amerikanisches Kaff geraten. Sie holen Essen an einer Raststätte und beim Hinausgehen merken sie, dass sie vergessen haben, eine Dose Thunfisch zu bezahlen. Sie fahren weiter, doch dann werden sie von der Polizei angehalten. In dem Glauben, es gehe um den Thunfischdosen-Diebstahl, werden sie verhört und erst, als sie ihre Schandtat gestanden haben, stellt sich heraus: Es geht um Mord. Nun tritt besagter Vetter Winnie auf den Plan, der Anwalt ist und versucht, die beiden Freunde aus ihrer misslichen Lage zu befreien …

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Die ersten fünf Folgen des Blogprojekts 31 Tage, 31 Filme findet ihr hier.

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62. Stück: Blogprojekt 31 Tage, 31 Filme – Folgen 1 bis 5

Ich wurde von Ma-Go Filmtipps zum Blogprojekt „31 Tage, 31 Filme“ eingeladen. Die Einladung findet ihr hier und die Regeln findet ihr hier auf Lenas Filmblog „To the Lighthouse“.

Ich werde ab heute etwa jede Woche eine bestimmte Filmfrage beantworten und ein wenig was über den Film erzählen. Die Einzelfolgen findet ihr auf meiner Facebookseite. In diesem Beitrag habe ich die ersten fünf Folgen zusammengefasst.

Folge 1: „Welchen Film hast du zuletzt gesehen?“

Das war „The Avengers: Age of Ultron“ von Joss Whedon, gestern im Kino. Meine vollständige Kritik findet ihr im Vorgängerpost. Kurz gesagt: Ich fand den Film belanglos. Routinierte Superhelden-Action ohne Überraschungen, ohne Sozialkritik, ohne Tiefgang, ohne interessante Figuren, ohne nennenswerten Soundtrack, ohne Story.

Außerdem habe ich mich über den (nur notdürftig) verkappten Sexismus aufgeregt und über den kitschigen Beziehungs-Liebes-Schmu genervt aufgestöhnt und mit den Augen rotiert. Wenn ich Liebesgeschwurbel sehen möchte, gucke ich einen Liebesfilm. Wenn ich Superhelden-Action sehe, erwarte ich Spannung, Humor, witzige Dialoge, einen fetzigen Soundtrack und Spaß an der Freude wie in „Guardians of the Galaxy“. Oder düsteren, philosophischen Tiefgang und Sozialkritik wie in „Watchmen“.

Ein paar lustige Dialoge gab’s in „The Avengers“ schon, aber insgesamt bleibt doch ein Eindruck von „Den Film hätte ich mir auch sparen können“.

Folge 2 „Nenne deinen Lieblingsfilm“

Eine einfache Frage, scheinbar … Aber die Antwort ist schwierig. Ich habe viele Lieblingsfilme, wie vermutlich jeder Kinojunkie fällt es mir schwer, da einen einzigen Favoriten herauszupicken. Bei einigen Filmen wie „Zurück in die Zukunft“, „Die Blues Brothers“ oder „Pulp Fiction“ war es Liebe auf den ersten Blick, inzwischen kann ich die Dialoge auswendig mitsprechen, singe bei den Liedern lauthals mit und kann die Filme trotzdem immer wieder schauen.

Dann gibt es noch Filme, die waren mir am Anfang suspekt und wurden dann mit jedem Gucken immer besser, „Fight Club“ zum Beispiel.

Heute möchte ich jedoch einen Film vorstellen, der nicht so bekannt ist wie die eben Genannten: „Commitments“ von Alan Parker nach dem Roman „Dublin Beat“ von Roddy Doyle. Darin geht es um arbeitslose Jugendliche im Irland der 90er Jahre, die eine Soulband gründen.

Auch bei „Commitments“, den ich zufällig vor rund 16-17 Jahren auf dem alten Röhrenfernseher meiner Eltern auf Arte guckte, war es Liebe auf den ersten Blick. Dachte ich vorher, Soul wäre das verpopte, oberflächliche, glattgebügelt-langweilig-perfekte Gejaule einer Mariah Carey oder einer Whitney Houston (selig, ihre Musik habe ich immer gehasst, aber sie tat mir leid), wurde ich mit diesem Film eines Besseren belehrt. Meine musikalischen Teenagerjahre verbrachte ich zu Beginn neben dem Radio sitzend, Eurodance lauschend und darauf wartend, meine Lieblingshits auf Kassette aufnehmen zu können (die Mixtapes mit Dazwischengequake von den Moderatoren habe ich immer noch).

Dann aber entdeckte ich durch die „Commitments“ den Soul und den Blues für mich. Erdig, ehrlich, dunkel, rauh, tiefgründig und von kratziger Schönheit sangen die jungen Musiker Klassiker wie „Mustang Sally“, „Bye bye Baby“, „Too many fish in the sea“ oder „At the Dark End of the Street“. Die meisten Original-Interpreten sind inzwischen gestorben, Wilson Pickett zum Beispiel. Aber die Musik lebt weiter und wird mich bis zum Ende begleiten.

Folge 3 „Welcher ist dein absoluter Hassfilm?“

Diese Frage ist ähnlich knifflig zu beantworten, wie die nach meinem Lieblingsfilm. Es gibt Filme, die sind gut gemacht, künstlerisch wertvoll oder aus cineastisch-analytischer Sicht interessant – aber strunzlangweilig. Dazu gehören „Birdman“ oder dieser unerträgliche Kunstkram von Straub&Huillet „Antigone“, der wie ein abgefilmtes, sehr langweiliges Theaterstück inszeniert ist. Solche Filme machen mich vor Langeweile immer aggressiv, weil ich am liebsten in die Handlung eingreifen und den Figuren sagen möchte „Alter! Jetzt kommt aber mal in die Puschen!“ … aber Hass? Nee. Damit würde ich diesen Filmen meines Erachtens Unrecht tun, schließlich sind sie ja nicht schlecht gemacht und es lässt sich künstlerisch oder analytisch etwas damit anfangen, nur aus Unterhaltungssicht sind sie nach meinem Geschmack misslungen.

Dann gibt es noch die Filme, die unbestreitbar handwerklich schlecht gemacht sind. Dazu gehören „Jupiter Ascending“ oder „Movie 43“. Auch sie sind keine wirklichen Hassfilme, weil sie einfach so grottig sind, dass jedes derart starke Gefühl wie Hass an ihnen vollkommen verschwendet wäre.

Was aber sind Hassfilme dann? Für mich sind das Streifen, die ohne Hingabe, ohne Liebe, ohne Humor, ohne künstlerischen Anspruch routiniert und berechnend heruntergedreht wurden. Filme, die sich einfach nur zum Ziel gesetzt haben, den Massengeschmack – oder das, was sie dafür halten – zu bedienen, dabei ihren Zuschauern aber kein Krümelchen Grips zutrauen. Filme, die plumpe Klischees aneinanderreihen, Stammtisch-Herrenwitzchen reißen und in denen sich die Beteiligten scheinbar an sich selbst ergötzen. Solche Filme finde ich schlichtweg zum Kotzen. Stellvertretend möchte ich in diesem Sinne Matthias Schweighöfers „Der Schlussmacher“ zu meinem absoluten Hassfilm ernennen.

Folge 4: Welchen Film würdest du dir kein zweites Mal ansehen?

Diese Frage finde ich insofern knifflig, als dass sich die Antwort darauf ja von letzter Woche „Welcher ist dein absoluter Hassfilm?“ unterscheiden sollte. Also, Filme die ich hasse, würde ich mir natürlich kein weiteres Mal ansehen, das ist klar. Auch Filme, die einfach nur schlecht waren (aber nicht so schlecht, dass man sie schon wieder als unterhaltsamen Trash ansehen könnte) selbstverständlich auch nicht. Bei verquasten Kunstfilmen kommt es darauf an … manchmal findet man ja doch ein paar interessante Aspekte, wenn man darüber nachdenkt, die ein erneutes Gucken sinnvoll erscheinen lassen. Bei „Birdman“ zum Beispiel, habe ich noch nicht entschieden, ob eine erneute Sichtung ihn nicht weniger langatmig und anstrengend erscheinen ließe. Eventuell schaue ich noch einmal rein, wenn er mal im Fernsehen läuft.

Filme, die ich zwar beim ersten Mal ganz OK fand, aber die ich kein zweites Mal sehen würde sind solche, die mir irgendwie nichts gebracht haben. Wenn ein Film zwar eine auserzählte Geschichte hat, aber sehr lustig und unterhaltsam war, schaue ich ihn mir gern immer mal wieder an („Die Hochzeit meines besten Freundes“ habe ich sicher sechs oder sieben Mal gesehen und finde ihn immer noch prima). Hat ein Film beim ersten Mal Fragen aufgeworfen, mich zum Nachdenken angeregt oder mich hinterher nicht wieder losgelassen, gucke ich ihn ebenfalls gern weitere Male („Fight Club“ zum Beispiel, oder aktuell „Ex Machina“).

Wenn jedoch ein Film – meistens sind es ernst gemeinte Blockbuster mit dünner Story und viel Getöse und Special-Effects-Exzessen – mich weder intellektuell noch humoristisch gefordert oder begeistert hat, aber dennoch handwerklich in Ordnung war und mich nicht durch das Durchkauen dämlicher Klischees verärgert hat (wie mein Hassfilm „Der Schlussmacher“), dann ist das so ein typischer „War ganz nett, muss ich aber nicht noch mal sehen“-Film.

Stellvertretend möchte ich hierfür die „Fluch der Karibik“-Filme nennen. Wobei ich nach dem dritten Teil dann schon dachte, jetzt brauche ich mir den vierten oder fünften (wie viele Teile gibt’s inzwischen???) auch nicht mehr anzugucken. Noch mal würde ich die drei ersten Filme auf jeden Fall nicht sehen.

Folge 5: „Welcher Film erinnert dich an jemanden?“

Eine spannende Frage, wie ich finde. Und mir fallen auch gleich ein paar schöne Beispiele ein. „Stadt der Engel“ habe ich als Teenager mit zwei Freundinnen geschaut und weil ich damals nicht ansatzweise auch nur einen Hauch von Sinn für Romantik hatte und den Film furchtbar kitschig fand (inzwischen nicht mehr), bekam ich in der traurigsten Szene einen Lachanfall. Meine Freundinnen waren ziemlich sauer auf mich und mir ist das heute noch total peinlich. Damals aber sah ich mich im Recht.

Ein anderer, sehr trauriger Liebesfilm, den ich rund zehn Jahre später sah, war „Unterwegs nach Cold Mountain“, den ich mit meiner Freundin Stephi, der besten Fotografin der Welt (hier ihre Seite), anschaute. In der Zwischenzeit hatte sich bei mir doch ein kleiner Sinn für Romantik gebildet und wir beiden saßen da und schluchzten wie die Schlosshunde. Während wir eine Familienpackung Taschentücher vollheulten, wurden wir von allen Seiten ange“psch“t, aber wir konnten nicht aufhören zu weinen, weil der Film so unglaublich traurig war. *schnief* Noch heute ist mir dieses Kino-Erlebnis in bleibender Erinnerung und obwohl es gerade nicht so klingt: Wir hatten einen Riesenspaß!

Bei „James Bond: Stirb an einem anderen Tag“ von 2002 muss ich außerdem immer an meinen Schatz denken und wie wir Anfang 2003 zusammengekommen sind. Beide eher schüchternen Naturells hatten wir uns zwei Jahre lang beim gemeinsamen Improtheater spielen kennen gelernt und beschnuppert, uns aber nie getraut, mal miteinander auszugehen, obwohl wir uns schon eine ganze Weile sympathisch fanden. Mein Ex-Freund (mit dem ich noch befreundet bin) bekam mit, dass ich mich verguckt hatte und drohte, mich höchstselbst zu verpetzen, wenn ich nicht umgehend anrufen und ein Date vorschlagen würde. Das saß natürlich.

Ich rief also bei meinem Freund an, brabbelte vor lauter Nervosität irgendein zusammenhangloses Zeug und schloss schließlich mit dem Vorschlag, gemeinsam ins Kino zu gehen. Er hörte sich alles geduldig an und erklärte sich einverstanden. Welchen Film ich denn sehen wolle? Natürlich wollte ich zeigen, wie total cool ich bin, und schlug den aktuellen „James Bond“-Film vor (obwohl ich James Bond vor Daniel Craig immer für ziemlich doof hielt). Fand er gut.

Wir haben uns also diesen Film angeguckt und an diesen kann ich mich tatsächlich kaum noch erinnern. Madonna hat mit einem Florett herumgefuchtelt, glaube ich. Und Halle Berry hatte einen orangefarbenen Bikini an. Pierce Brosnan war James Bond. Mehr weiß ich nicht. Lässig wie ich bin, habe ich für das Diner nach dem Kino McDonald’s vorgeschlagen und da saßen wir nun, mümmelten pappige Burger und unterhielten uns über alles Mögliche – nur nicht darüber, wie „es mit uns weitergehen“ sollte. Kurz bevor wir die letzte Bahn verpassten, machten wir uns auf den Rückweg und ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und fragte ihn, was denn nun sei. Wusste er nicht so recht. Ich war mir auch unsicher.

Zusammengekommen sind wir dann schließlich einen Monat später, als Freunde von mir mich kurzerhand vor seinem Haus aus dem Auto warfen und sagten: So, nu mach ma! Das war vor zwölf Jahren und es war gut so.

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