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73. Stück: 31 Tage, 31 Filme – Folgen 27 bis 31, plus Sonderfolge

Folge 27: Welchen Film sollte deiner Meinung nach jeder gesehen haben?

Mit Ausnahme des Films, den ich am wenigsten mag (Folge 3), sollte man alle Filme mal gesehen haben, die ich in dieser Serie genannt habe. Aber ich möchte ja gern in jeder Folge einen Film vorstellen, den ich bisher noch nicht erwähnt habe.

Unter dem Eindruck der Attentate von Paris, bin ich immer noch erschüttert, fassungslos und unendlich traurig. Was motiviert Menschen bloß, andere Menschen grausam niederzumetzeln, die ihnen überhaupt nichts getan haben, die einfach nur in Ruhe und Frieden leben wollten? Woher kommt dieser fanatische, alles zerstörende Hass?

In diesem Sinne möchte ich heute Hass (La Haine) von Mathieu Kassovitz vorstellen. Obwohl der Film inzwischen 20 Jahre alt ist, hat er nichts an Aktualität eingebüßt. Die Handlung ist wie eine griechische Tragödie aufgebaut, in der die Hauptfiguren sehenden Auges in ihr Unglück stürzen, und trotzdem nicht fähig sind, etwas dagegen zu tun. Weil sie von Hass und Rachegefühlen vollkommen verblendet sind. Als Leitmotiv wird zum Schluss der Witz vom Mann erzählt, der vom Dach eines Wolkenkratzers fällt. Als er an den Fenstern der Stockwerke vorbeirast, denkt er: „Och, bis hierhin ist ja alles gut gegangen“.

Im Mittelpunkt stehen drei Freunde, der Araber Saïd, der Jude Vinz und der Schwarze Hubert, deren Bekannter von Polizisten verprügelt wurde. Vinz findet eine Polizeiwaffe und will einen Polizisten töten, falls ihr Kumpel an seinen Verletzungen sterben sollte.

Die Stimmung zwischen den Jugendlichen und den Polizisten ist von gegenseitigem Hass geprägt, die Fronten sind verhärtet, ein Dialog scheint nicht mehr möglich. Die Freunde ziehen durch Paris, dabei kommt es nicht nur zu Zusammenstößen mit der Polizei, sondern auch mit einer Gruppe von Nazis, die ebenfalls vom Hass zerfressen sind.

Am Ende kommt Vinz zur Vernunft und vertraut Hubert die Waffe an. Doch es ist bereits zu spät, die Gewaltspirale hat sie alle abwärts gezogen, der Aufprall nach dem Sturz vom Wolkenkratzer steht kurz bevor …

Ein ähnliches Thema und eine vergleichbare Erzählstruktur – wenn auch aus mehreren Perspektiven – behandelt der Film Wir sind jung. Wir sind stark von Burhan Qurbani aus dem Jahr 2014. Er schildert die Ereignisse rund um die Anschläge auf das Asylbewerberheim von 1995 in Rostock-Lichtenhagen.

Beide Filme sollte man unbedingt gesehen haben, vor allem Jugendliche, die manchmal nicht wissen, wohin mit sich, die Gefahr laufen, Fanatikern auf den Leim zu gehen, sollten sich Hass und Wir sind jung. Wir sind stark unbedingt ansehen. Hass kann man nur mit Güte begegnen, anders geht es nicht. Sonst zerfrisst er einen und man kommt aus der Gewaltspirale nicht mehr heraus. Noch schlimmer: Man zieht Unschuldige mit hinein.

Folge 28: Welchen Film sollte man unbedingt im Kino gesehen haben?

Jeder gute Film lohnt sich, im Kino gesehen zu werden. Zuhause vor dem Fernseher lässt man sich eher mal ablenken, sodass man sich nicht so leicht in einen Film hineinversenken kann. Im Kino ist es dunkel, man hat diese riesige Leinwand und der Ton kommt von allen Seiten. Da ist auch gleich die ganze Atmosphäre und Stimmung anders. Außerdem muss man Kinos unterstützen, damit sie nicht pleite gehen, insbesondere kleinere Programmkinos.

So, nach dieser kleinen Moralpredigt muss ich mich ja jetzt für einen Film entscheiden … ich finde, so Blockbusterfilme mit eindrucksvollen Spezialeffekten, intensiven Bildern, tollen Kostümen und Soundeffekten sollte man unbedingt im Kino sehen. Die fantastische Welt von Oz (2013, Regie: Sam Raimi) zum Beispiel sollte man auf jeden Fall im Kino sehen. Vor allem ist das auch einer der wenigen Filme, die 3D sinnvoll einsetzen. Oft sind 3D-Effekte allenfalls hübsches Beiwerk, sagen aber ansonsten nichts aus. Hier werden die 3D-Effekte tatsächlich mal genutzt, um die erzählte Welt zu erweitern und zu unterstützen, und auch, um etwas zu erzählen und darzustellen, was in 2D nicht so gut herüberkäme.

Folge 29: Welchen Film wolltest du schon immer sehen, bist aber nie dazu gekommen?

Ich hab schon eine ganze Ewigkeit M – Eine Stadt sucht einen Mörder auf DVD im Regal stehen, aber ich habe es noch nie geschafft, den Film zu sehen. Ich kenne nur ein paar Ausschnitte aus der Uni-Vorlesung, und das hat genügt, um mich neugierig zu machen. Aber wie das immer so ist mit DVDs und Aufzeichnungen – man denkt, man könnte es ja jederzeit gucken, es läuft nicht weg, man hat’s nicht eilig. Und letzten Endes guckt man es dann nie, weil immer irgendwas dazwischen kommt.

Deswegen mag ich es eigentlich auch ganz gern, Filme im Fernsehen zu gucken. Da hat man dann einen bestimmten Termin, wenn der Film läuft, und dann kommt einem nicht so leicht eine Ausrede in die Quere. Aber leider sind die Filme, sofern sie nicht auf ARD, ZDF, NDR, Arte oder 3Sat laufen, immer von Werbung zerhackstückt, das macht dann auch keinen Spaß.

Aber zum Glück habe ich M – Eine Stadt sucht einen Mörder ja auf DVD, das heißt, ich kann den Film jederzeit ohne Werbung gucken. 😉

(Übrigens fällt mir gerade auf, wie sehr sich dieser alte Trailer von neuen Trailern unterscheidet. Das wäre auch mal ein spannendes Thema)

Folge 30: Von welchem Film erwartest du in Zukunft am meisten?

Nein, nicht Star Wars. Ich werde mir den Film zwar ansehen, erwarte aber gar nichts, sondern hege lediglich die Hoffnung, dass er ganz unterhaltsam wird, so wie die alten Filme. Und ich hoffe, dass er nicht in Geballer, CGI-Effekten und schlechtem Schauspiel ertränkt wird, wie Episode 2 und 3 (Episode 1 war noch erträglich).

Ich freu mich schon riesig auf Pets, den neuen Animationsfilm der Minions-Erfinder. Im Trailer sieht man eine Reihe von Haustieren und was sie den ganzen Tag treiben, wenn Herrchen und/oder Frauchen aus dem Haus sind. Mehr weiß ich von dem Film noch nicht, aber das genügt mir, um jetzt schon ganz ungeduldig von einem Bein aufs andere zu hüpfen, bis endlich der 4. August 2016 ist und der Film in die Kinos kommt. Seufz, das ist noch sooooo lange hin.

Worauf ich ebenfalls sehr gespannt bin, ist die Verfilmung von Tschick, dem Roman von Wolfgang Herrndorf, über eine Jungsfreundschaft. Fatih Akin hat die Regie übernommen und ich glaube, das wird ziemlich gut.

Folge 31: Welchen Film wirst du als Nächstes sehen?

Nun bin ich tatsächlich schon ans Ende meiner Reihe „31 Tage, 31 Filme“ angekommen. Zum Abschluss habe ich einen besonders tollen Filmtipp für euch: Das brandneue Testament von Jaco van Dormael. Den schaue ich mir morgen an und freue mich schon sehr darauf, da ich ihn bereits im Sommer auf dem Hamburger Filmfestival gesehen und für absolut wunderbar befunden habe.

In Das brandneue Testament geht es um Gott, der in der Geschichte ein fieser, sadistischer Kotzbrocken ist und in Brüssel wohnt. Er ist verheiratet und hat eine Tochter, Ea, die er ebenso wie seine Frau schikaniert und tyrannisiert. Auf seinem Computer entwirft er jeden Tag gemeine Regeln, um die Menschheit zu ärgern, zum Beispiel, dass das Brot immer mit der Marmeladenseite nach unten fällt oder genau in dem Moment das Telefon klingelt, wenn man es sich in der Badewanne gemütlich gemacht hat.

Ea hat irgendwann genug, hackt sich in Papas Computer und versendet an alle Menschen eine Nachricht mit ihrem genauen Todesdatum. Daraufhin bricht auf der Erde das Chaos aus, weil plötzlich alle die Tage, Monate und Jahre, die ihnen noch bleiben, möglichst auskosten wollen und jeder merkt, dass er für sein Leben und Glück selbst verantwortlich ist.

Die Geschichte allein strotzt nur so vor schrulligen und fantasievollen Einfällen. Jaco van Dormael hat diese herrliche Geschichte dann auch noch in bonbonbunte Farben getaucht, mit wundervoller Musik untermalt und mit pointierten, humorvollen Dialogen gewürzt. Die tollen Schauspieler, deren Spielfreude einfach mitreißend ist, füllen die liebenswerten Figuren mit Leben. Kurz: Der Film ist rundum gelungen und einfach toll!

Jaco van Dormael ist neben Woody Allen einer meiner Lieblingsregisseure. Allerdings hat er noch gar nicht so viele Spielfilme gedreht, Das brandneue Testament ist erst sein vierter abendfüllender Film, ansonsten hat er Kurzfilme, TV-Serien und Dokumentationen gedreht sowie im Theater Regie geführt.

Kennengelernt habe ich seine Arbeit durch den Film Mr. Nobody, den ich meiner geneigten Leserschaft ebenfalls wärmstens ans Herz legen möchte. Den Film habe ich später für meine Masterarbeit analysiert, weil er eine ganz besondere Erzählstruktur aufweist. Die Erzählebenen sind so miteinander verzweigt, dass erst ganz zum Schluss klar wird, was Traum, Erinnerung, Vorstellung und was Wirklichkeit innerhalb der erzählten Welt war. Auch hier sorgen liebenswerte Figuren, tolle Schauspieler (vor allem Jared Leto), skurrile Ideen, bunte Bilder, ein wunderbarer Soundtrack und tiefe, philosophische Fragen, die mit einer Leichtigkeit aufgeworfen werden, für Verzauberung. Und das ist es ja, wofür Filme da sind, oder nicht?

Sonderfolge: Welcher ist dein absoluter Lieblings-Weihnachtsfilm?

Weil es so schön war und es sich gerade anbietet, gibt es jetzt noch eine Zusatzfolge von „31 Tage, 31 Filme“ über Weihnachtsfilme.

Mein allerliebster Weihnachtsfilm ist Die Muppets-Weihnachtsgeschichte, mit Michael Caine als fieser Geizhals Ebeneezer Scrooge, Kermit als Bob Cratchit und Gonzo als Erzähler. Ich kenne den Film auswendig, aber ich kann ihn mir immer wieder anschauen und laut mitsingen. Da fühle ich immer, wie mich „der Geist der Weihnacht“ packt und ich wie Scrooge am Ende am liebsten jeden knuddeln würde, der nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Außerdem liebe ich den Weihnachtsfilmklassiker Ist das Leben nicht schön? mit James Stewart als junger Familienvater, der sich wegen finanzieller Probleme das Leben nehmen möchte. Ein Schutzengel, der sich seine Flügel erst noch durch eine gute Tat verdienen muss, bewahrt ihn davor und zeigt ihm, wie die Welt aussähe, wäre er nie geboren worden.

Ebenfalls ein toller Weihnachtsfilm ist Tasächlich … Liebe, ein Episodenfilm mit lauter liebenswerten Figuren, die die Liebe suchen, und teilweise auch finden.

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Die anderen Folgen der Reihe „31 Tage, 31 Filme“ findet ihr hier:

Folgen 1 bis 5

Folgen 6 bis 10

Folgen 11 bis 15

Folgen 16 bis 26

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70. Stück: 31 Tage, 31 Filme – Folgen 16 bis 26

16. Welches Genre bevorzugst du zum Entspannen?

Das kommt drauf an: Mal habe ich Lust auf Komödien und RomComs, mal steht mir der Sinn eher nach Splatter und Action zum Entspannen. Meine Lieblingskomödie „Mein Vetter Winnie“ habe ich ja schon verraten. Eine meiner Lieblings-RomComs ist „Die Hochzeit meines besten Freundes“ (1997) von P. J. Hogan mit Julia Roberts als fieses Miststück und einem tollen Soundtrack zum Mitsingen

Ein Splatterfilm, der mir einen Heidenspaß gemacht hat, war „Machete Kills“ (2013) von Robert Rodriguez. Die Handlung ist wurscht, es spritzen Blutfontänen fröhlich durch die Gegend, Gliedmaßen fliegen hinterher und Brüste werden zu Maschinengewehren umfunktioniert. Mel Gibson spielt einen oberfiesen Superschurken und Danny Trejo als schweigsamer Rächer Machete versucht, ihn platt zu machen. Toll!

Als Actionfilm hat mir „John Wick“ (2014) von Chad Stahelski richtig gut gefallen. Keanu Reeves als Actionheld ist einfach super, die Story ist schlicht, aber konsequent erzählt, die Motivation des Protagonisten kann jeder Tierfreund nachvollziehen, die Dialoge sind pointiert und lakonisch, die Schnitte sind im Rhythmus virtuos koordiniert, die Kampfszenen perfekt choreografiert und die düstere Atmosphäre verleiht dem Film eine edle Ästhetik. Sehr unterhaltsam, ohne dass man dabei groß nachdenken muss. Zum Entspannen genau das Richtige.

17. „In welchem Film kommt deine Lieblingsfigur vor?“

Auch hier musste ich wieder eine Weile überlegen. Katniss Everdeen und Peeta Mellark aus „Die Tribute von Panem“ finde ich toll, mag sie in den Büchern aber noch lieber als in den Filmen. Dann mag ich alle süßen Tierchen, vor allem Hammy, das Eichhörnchen, aus „Ab durch die Hecke“ und den Drachen Ohnezahn aus „Drachenzähmen leicht gemacht“ (der mich übrigens an den Kater einer Freundin erinnert). Ach und meine Schwester im Geiste, Lisa Simpson, natürlich. Aber ich würde schon gern eine menschliche Figur aus einem Realfilm nennen, vorzugsweise aus einem Film, der in dieser Reihe noch keine Erwähnung gefunden hat.

Und da kam ich auf die weiblichen Protagonisten aus „Grüne Tomaten“ von Jon Avnet aus dem Jahr 1991: Evelyn Couch (Kathy Bates), Ninny Threadgoode (Jessica Tandy) sowie Idgy Threadgoode (Mary Stuart Masterson) und Ruth Jamison (Marie-Louise Parker). Vor allem die Freundschaft, die sich zwischen den ungleichen Frauen auf beiden Zeitebenen entwickelt, ist für mich faszinierend und rührend zugleich. „Grüne Tomaten“ ist auch so ein Film, den ich mir immer und immer wieder anschauen kann und jedes Mal aufs Neue begeistert bin.

Am besten gefällt mir aus dem Quartett aber die anfangs biedere, verschüchterte Hausfrau Evelyn, die mithilfe ihrer Freundin, der älteren Dame Ninny, neuen Lebensmut entdeckt. Eine meiner Lieblingsszenen ist die auf dem Supermarktparkplatz. Zwei junge Tussis haben Evelyn den Parkplatz vor der Nase weggeschnappt, indem sie in falscher Richtung auf den Platz gefahren sind. Sie lachen sie aus und rufen: „Sehen Sie es ein, Lady. Wir sind jünger und schneller als Sie!“ Evelyn fährt daraufhin mit vollem Karacho den Wagen der blöden Ziegen zu Schrott und ruft: „Seht es ein, Ladys. Ich bin älter und viel besser versichert!“

Von Evelyn und Ninny, Idgie und Ruth bekomme ich immer gute Laune, wenn ich den Film sehe. Es ist, als sei man als Zuschauer selbst Teil dieser Freundschaft. Und ich heule trotzdem jedes Mal wieder bei denselben Szenen wie ein Schlosshund. „Grüne Tomaten“ ist einfach ein wundervoller Film!

18. Welcher Film enthält deinen Lieblingsbösewicht

Ich hatte hier bereits bei der Blogparade über die 10 besten Filmfieslinge von „Singende Lehrerin“ mitgemacht und hatte dabei Terrence Fletcher aus „Whiplash“ zu meinem Lieblingsbösewicht gekürt. Da ich aber meiner verehrten Leserschaft in dieser Reihe gern etwas Neues bieten möchte, werde ich einen tollen Filmbösewicht nehmen, den ich in meiner Top 10 aus Vergesslichkeit sträflich vernachlässigt hatte: Heath Ledger als ‚Joker‘ in „Batman: The Dark Knight“.

Ein guter Filmbösewicht darf nicht einfach nur böse und irre sein und das war’s dann. Die Rolle des Jokers birgt in der Tat die Gefahr, ihn einfach nur als völlig durchgeknallt zu spielen und wie ein aufgescheuchtes Huhn hysterisch gackernd über die Leinwand zu pesen. Doch Heath Ledger hat daraus einen gebrochenen Charakter gemacht, vielschichtig, ambivalent, schillernd und furchteinflößend.

Man erahnt unter dem verschmierten Make-up, der verzerrten Clownsfratze, dass sich ein Mensch darunter verbirgt, der einst hehre Ideale gehabt haben mag und immer tiefer in den Fanatismus abgedriftet ist. Dennoch scheint er genau zu wissen, was er tut. Seine Motivation bleibt ein Stück weit rätselhaft, doch verkörpert er mit seiner radikalen anarchistischen Haltung ein kompromissloses Freiheitsprinzip. Er ist vollkommen unabhängig und tut oder lässt, was er will.

Damit berührt er eine dunkle Seite, die wohl in jedem Menschen schlummert. Wer träumt nicht hin und wieder davon, niemandem Rechenschaft schuldig und vollkommen frei zu sein? Gleichzeitig wissen wir natürlich auch, dass das nun mal eben nicht geht, wir sind soziale Wesen, da muss man sich an bestimmte Regeln des Zusammenlebens halten. Trotzdem glaube ich, dass der Joker in den meisten Menschen daher ambivalente Gefühle hervorruft und so für Gänsehaut sorgt.

In diesem Sinne: Ich hoffe, Heath Ledger ruht in Frieden, die Schauspielwelt hat mit ihm ein großes Talent verloren.

19. Welcher Film hat dich zuletzt stark beeindruckt?

Dieses Jahr haben mich vor allem „Whiplash“ und „Ex Machina“ stark beeindruckt. Da ich diese beiden großartigen Filme nicht gegeneinander ausspielen möchte, indem ich mich für einen von beiden entscheide, gibt es in dieser Folge ausnahmsweise mal zwei Filme.

„Whiplash“ und „Ex Machina“ haben mich beide aus mehreren Gründen beeindruckt: Die Figurenkonstellation und Figurencharakterisierung ist bei diesen Filmen so raffiniert gemacht, dass sich die Geschichte sozusagen von selbst erzählt. Die Figuren verkörpern gleichzeitig eine bestimmte Idee oder Haltung, die der der anderen Figuren entgegen steht. Das birgt viel Zündstoff für Konflikte. Zu Beginn wird eine bestimmte, recht konkrete und einfache Ausgangssituation etabliert, in die die verschiedenen Figuren geworfen werden. Das Uhrwerk ist aufgezogen, und nun kann es abschnurren. Die Dynamik, die dabei entsteht, ist mitreißend und spannend bis zum Schluss. Ähnlich wie bei einem Fußballspiel kann man seine „Mannschaft“, seine bevorzugte Figur/Idee/Haltung wählen und mitfiebern, wer zum Schluss „gewinnt“. Das ist hervorragendes erzählerisches Handwerk.

Bei „Whiplash“ kommt außerdem noch der fesselnde Soundtrack mit dazu, der sich perfekt in die Handlung und die Dramaturgie schmiegt. Die Schnitte sind rhythmisch optimal an den Rhythmus der Musik angepasst. Die Spannung und Dynamik zwischen dem jungen, ehrgeizigen Andrew Neiman und dem verbitterten, zynischen Terrence Fletcher werden durch den Soundtrack auf die Spitze getrieben. Der Puls des Films überträgt sich auf den Zuschauer und saugt ihn mit in die Geschichte. Und ich hab Lust bekommen, wieder mit Klavierspielen anzufangen. Leider habe ich gar keinen Platz für ein Klavier. Obwohl … hier im Wohnzimmer ist noch ein freies Eckchen …

„Ex Machina“ fesselt zusätzlich durch die Zukunftsvision und die gesellschaftliche Komponente der Geschichte. Was bereits bei der „Terminator“-Reihe mit wenig Logik und viel Krach-Bumm (was dem Unterhaltungswert keinen Abbruch tut) und in der „Matrix“-Trilogie thematisiert wurde, wird hier seelenruhig in einem Kammerspiel verhandelt: Künstliche Intelligenz und wie sie die menschliche Intelligenz schließlich überflügelt.

Also, wer die Filme noch nicht gesehen hat: Holt es nach.

20. Welcher Film hat dich am meisten enttäuscht?

An sich bedeutet Enttäuschung lediglich, dass man von einer Täuschung befreit wurde. Man hat sich etwas vorgemacht, ist von scheinbaren Tatsachen ausgegangen, die in Wahrheit gar nicht bestanden und dann bekommt man das vor die Füße geklatscht und steht erstmal da wie bestellt und nicht abgeholt. Und dann ist man sauer. Vielleicht ärgert man sich über sich selbst, weil man sich so blöd in eine Vorstellung verrannt hat, die mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt. Aber was im ersten Moment im Bewusstsein ankommt, ist, dass Enttäuschungen ätzend sind und man ist erst einmal sauer auf den Auslöser der Enttäuschung.

Filme enttäuschen mich in der Regel dann, wenn ich mich zuvor durch den Trailer, Kritiken oder Inhaltsangaben auf etwas eingestimmt habe, was dann nicht kam. Manchmal enttäuschen mich auch schlechte Literaturverfilmungen von Büchern, die ich sehr gern gelesen habe. Das war zum Beispiel bei „Insurgent – Die Bestimmung 2“ der Fall. Der Schreibstil im Buch war schon mies, aber die Handlung war spannend. Im Film haben sie die spannende Handlung auf ca. 5 Minuten zusammengestampft und den Rest mit der unfassbar (und auch im Buch) langweiligen Liebesgeschichte zwischen den beiden unsympathischen Hauptfiguren reduziert. Das war einfach nur schlecht. Und weil ich gehofft respektive gedacht hatte, dass der Film besser wird als das Buch, war ich enttäuscht.

Noch schlimmer enttäuscht hat mich zuletzt „Birdman“ von Alejandro González Iñárritu. Im Trailer und von der Inhaltsbeschreibung her schien der Film eine witzige Satire auf den Theaterbetrieb im Allgemeinen und den Broadway im Besonderen zu sein. Es sah danach aus, als würden Hollywood, Schauspieler, Stars und Sternchen, der gesammelte Jahrmarkt der Eitelkeiten durch den Kakao gezogen, und zwar auf vergnügliche Art und Weise. Ein bisschen wie „Bullets over Broadway“ von Woody Allen (einer meiner Lieblingsfilme).

Doch es kam anders: Der Film ist anstrengend, mühsam und zäh. Es geht im Wesentlichen um die inneren Dämonen und Selbstzweifel eines durch und durch unsympathischen Egomanen, der in Selbstmitleid ertrinkt und mit sich selbst nicht klar kommt. Ab und zu blitzen ein paar komische Momente auf, insbesondere Edward Norton lockert den eitlen Quark ein wenig auf mit seiner überdrehten Art. Aber dann wird wieder wahnsinnig viel geredet und geschwafelt und die Kamera macht nie Pause! Klar, das ist innovativ und künstlerisch wertvoll … aber so anstrengend! Nur, weil etwas Kunst ist, muss es doch nicht quälend langweilig sein!

Immerhin: Schlecht ist der Film nicht. Er ist handwerklich gut gemacht, dagegen lässt sich nichts sagen. Das bietet die Möglichkeit, den Film nach der Ent-Täuschung noch einmal zu sehen und dann wirkt er vielleicht nicht mehr so schlimm. Mal schauen, möglicherweise probiere ich das aus. Irgendwann.

21. Welcher Film hat dich zum ersten Mal so richtig gefesselt?

Ich bin ein riesiger Krimi- und Psychothriller-Fan und liebe es, wenn ein Film so spannend ist, dass sich meine Fingernägel in die Armlehnen bohren und ich immer tiefer in den Sessel rutsche. Wenn die Geschichte ganz zum Schluss eine unerwartete Wendung nimmt, die den Film nachträglich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt und für einen Aha-Effekt sorgt, hat der Film mich gepackt. In der Fachsprache spricht man von „final plot twists“, die vor allem sogenannte Mindfuck-Movies kennzeichnen (oder Mindgame bzw. Mindbender, wenn man sich etwas gewählter ausdrücken möchte).

Soweit ich mich erinnern kann, war der erste Film dieser Art für mich „Zwielicht“ von Gregory Hoblit aus dem Jahr 1996. Richard Gere spielt einen Staranwalt, der daran gewöhnt ist, seine Fälle zu gewinnen. Aber er langweilt sich und sucht nach einer neuen Herausforderung, die ihm schließlich in Gestalt des Messdieners Aaron Stampler (Edward Norton) begegnet. Der junge Mann wird verdächtigt, den Erzbischof von Chicago ermordet zu haben, viele Indizien sprechen dafür. Er selbst scheint sich nicht erinnern zu können …

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Edward Norton gibt in „Zwielicht“ sein Schauspieldebüt und zeigt bereits da, wie wandelbar er ist. Richard Gere spielt seine Paraderolle des leicht arroganten, erfolgsverwöhnten Schönlings, allerdings bekommt dieses Image im Laufe des Films Risse. Norton und Gere spielen hervorragend zusammen und werfen sich gegenseitig die Bälle zu. Das Ende – so viel kann ich vielleicht doch preisgeben – lässt einem schließlich das Blut in den Adern gefrieren.

22. Welcher Film enthält deine Lieblingsszene?

Meine Lieblingsszene ist aus „Meine Vetter Winnie“. Der frischgebackene Anwalt Winnie ist mit seiner Verlobten Lisa in ein Südstaatenkaff gereist, um seinem Cousin aus der Patsche zu helfen. Dieser wurde zusammen mit seinem Kumpel des Mordes angeklagt, aber beide sind unschuldig. Das zu beweisen, erweist sich als schwierig, da die Dorfbewohner den Städtern voreingenommen begegnen und sie am liebsten selbst an den nächsten Baum knüpfen würden.

Winnie will deshalb unbedingt vor Gericht einen super Eindruck machen und sich beim Staatsanwalt einschleimen. Der Staatsanwalt hat ihn gefragt, ob er mit auf die Jagd kommt und Winnie hat zugesagt und weiß nicht, was er anziehen soll. Lisa ist sauer, dass ihr Verlobter ein unschuldiges Tier erschießen will. Sie stürmt ins Bad und knallt die Tür zu. Nun kommt meine Lieblingsszene (aus dem Gedächtnis zitiert, ich hab nur die englische Version auf YouTube gefunden):

Winnie: Was ist mit diesen Hosen? Kann ich die anziehen?

Lisa: Stell dir vor, du wärst ein Hirsch. Du spazierst durch den Wald, du bekommst Durst. Du erspähst einen kleinen Bach. Du näherst deine weichen, warmen Hirschlippen dem kühlen, klaren Wasser …
BÄM! Eine verdammte Kugel reißt dir den halben Kopf weg und eh du dich versiehst liegt dein Gehirn in kleinen blutigen Stückchen in der Gegend ‚rum!!!!
Und nun frage ich dich: Würde es dich auch nur einen Scheißdreck interessieren, welche HOSEN der Hurensohn trägt, der dich erschossen hat?

(ca. ab 1:35)

Nun habe ich „Mein Vetter Winnie“ aber bereits als meine Lieblingskomödie vorgestellt, daher möchte ich hier noch eine meiner Lieblingsszenen aus einem Film schildern, den ich noch nicht erwähnt habe: „Die Blues Brothers“

Das ist jetzt allerdings schwierig, aus dem Film eine Lieblingsszene herauszupicken, weil er einfach durchweg genial ist. Repräsentativ möchte ich die Szene in der Country-Kneipe nennen, wo Jake und Elwood sich einen Auftritt erschummelt haben. Sie müssen, völlig gegen ihren Willen und ihre musikalische Überzeugung, Country-Schlager schmettern. Wie sie die Schnulzen mit steinerner Miene ins Mikrofon raunen, ist einfach großartig.

23. Welcher Film hat den besten Anfang oder das beste Ende?

Ein bester Filmanfang will mir gerade nicht einfallen … gute Filmanfänge ziehen mich sofort in die Geschichte hinein, sodass ich gebannt verfolge, wie es weitergeht – und wie es endet. Das heißt, ich erinnere mich dann eher an den ganzen Film oder an das Ende, das ja der ganzen Geschichte zum Schluss noch einen völlig neuen Dreh geben kann. Schlechte Enden hingegen können einen an sich passablen Film komplett ruinieren. Ich werde also gleich etwas über eines meiner Lieblingsfilmenden erzählen.

Mein Bloggerkollege von Ma-Go Filmtipps warf in seinem Post zum besten Filmende die Frage auf, ob es überhaupt gute und schlechte Enden gibt, oder ob es nicht vielmehr gute und schlechte Filme gebe, und dazu passende oder nicht passende Enden. Das finde ich ganz spannend, aber ich selbst würde sagen, dass passende Enden gleichzeitig auch gute Enden sind. Klar, wenn man vorher ein heilloses Durcheinander angerichtet hat und als Drehbuchautor selbst nicht mehr durchblickt, worauf man eigentlich hinauswollte, ist es natürlich schwierig, ein passendes, gutes Ende zu finden. Ich sag nur: „Lost“ (zwar eine Serie und kein Film, dennoch ist das für mich das Paradebeispiel eines beschissenen Endes).

Ich mag es ja, wenn das Ende überraschend ist, ein cleverer „final plot twist“ eingebaut ist, der aber trotzdem innerhalb der erzählten Welt logisch und folgerichtig ist. Das ist für mich ein gelungenes Ende. Es gibt natürlich auch Enden, die nur logisch und folgerichtig, aber nicht überraschend sind, die sind auch gut, bleiben aber weniger im Gedächtnis haften (zum Beispiel ist es nicht überraschend, dass sich in „Schlaflos in Seattle“ und anderen RomComs die beiden Turteltäubchen am Ende kriegen, aber schön und logisch ist es trotzdem).

Vorsicht, jetzt kommen Spoiler, für Menschen, die „Inception“ und „Fight Club“ noch nicht gesehen haben!

Das Ende von „Inception“ fand ich damals im Kino, als ich den Film das erste Mal gesehen hatte, absolut genial. Ich saß mit offenem Mund da und dachte „Ach. Du. Scheiße.“ Anders als bei „final plot twists“, die im Nachhinein die Geschichte erklären, und ihr einen neuen Dreh verleihen, öffnet das Ende von „Inception“ die Filmhandlung für Interpretationen. Der Kreisel dreht sich weiter … wird er noch umkippen? Oder nicht? Ist Cobb im Traum gefangen? Oder ist er wieder aufgewacht und alles ist gut? Beide Möglichkeiten bestehen gleichberechtigt nebeneinander. Allerdings habe ich festgestellt, dass die Wucht von dem Ende bei „Inception“ nachlässt, wenn man den Film häufiger sieht und ihn ein wenig auseinander analysiert. Ich hatte über den Film ein Referat gehalten und versucht, nach Hinweisen zu schauen, die eine der Interpretationsmöglichkeiten zum Schluss stärker stützt als die andere. Aber die Spannung hat dadurch nachgelassen.

Anders bei „Fight Club“, dort erklärt das Ende die vorangegangene Handlung eindeutig, ohne dass noch eine zweite Interpretationsmöglichkeit eröffnet wird. Nun könnte man sagen, das ist dann ja langweilig, wenn man das Ende kennt, den Film dann noch mal zu gucken oder zu analysieren. Witzigerweise ist aber das Gegenteil der Fall. Beim ersten Mal fand ich „Fight Club“ doof, ich dachte: Pff, prügelnde Möchtegern-Machos mit Luxusproblemchen, bescheuert!

Dann kam das Ende: Tyler Durden und der Erzähler sind ein- und dieselbe Person. Uff, damit hatte ich beim ersten Mal überhaupt nicht gerechnet. Und dann dachte ich, ich muss den Film noch mal sehen, mal gucken, welche Hinweise ich übersehen habe. Das hat mich neugierig gemacht und beim zweiten Mal fand ich den Film spannend, beim dritten Mal richtig lustig. Und dann habe ich über „Fight Club“ eine Hausarbeit geschrieben und die Frage gestellt, welchem Genre man diesen durchgeknallten Streifen zuordnen könne.

Durch das Ende kann man „Fight Club“ als RomCom sehen, aber auch als Satire, Thriller, Actionfilm oder „Mindfuck movie“. Ein wenig Raum zur Interpretation bleibt also dennoch. Und es macht Spaß, ein wenig Detektiv zu spielen und den Film nach Hinweisen zu durchsuchen, die auf das Ende hindeuten. Daher gefällt mir das Ende von „Fight Club“ noch besser als das von „Inception“, weil der Film auch bei Kenntnis des „final plot twists“ spannend und unterhaltsam bleibt, und sogar besser wird.

24. Welcher ist der traurigste Film, den du kennst?

Grundsätzlich bin ich ziemlich nah am Wasser gebaut und ich fange schon an zu heulen, wenn ich ein YouTube-Video gucke, in dem ein unfassbar flauschiges Kätzchen gerettet wird. Das heißt, ich vergieße auch im Kino immer wieder das eine oder andere Tränchen. Bei „Unterwegs nach Cold Mountain“ haben eine Freundin und ich so herzzerreißend geschluchzt (und wohl auch recht laut), dass wir von den anderen Zuschauern genervt zur Räson gezischt werden mussten. Aber die Geschichte habe ich ja schon erzählt, als ich einen Film schildern wollte, der mich an jemanden erinnert.

Einer der traurigsten Filme, die ich kenne, ist „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni aus dem Jahr 1997. Die erste Hälfte des Films ist heiter, bunt und fröhlich, eine Komödie, die eine romantische Liebesgeschichte erzählt. Aber dann kippt die Stimmung, als die Hauptfigur Guido (Roberto Benigni) mit seinem kleinen Sohn ins KZ kommt und Guidos Frau Dora ihnen folgt. Guido versucht alles, um seinen Sohn zu schützen und erzählt ihm, das KZ sei ein Spiel, er müsse sich an bestimmte Regeln halten, dann gewinne er zum Schluss einen echten Panzer.

Durch die lustige erste Hälfte und die Schilderungen Guidos vom KZ als Spiel wirkt der eigentliche Schrecken der Handlung umso grausamer. Der Film trifft direkt ins Herz und geht an die Nieren. Auch lange, nachdem der Abspann gelaufen ist, klingt die traurige Geschichte noch nach. Ich brauche nur die Musik zu hören, schon fange ich wieder an zu heulen.

25. Welche ist die gelungenste Verfilmung einer literarischen Vorlage?

Grundsätzlich finde ich es immer spannend, eine Literaturverfilmung mit ihrer Vorlage zu vergleichen. Manchmal habe ich zuerst den Film gesehen und möchte mehr über die Figuren und die Hintergrundgeschichte erfahren – dann lese ich hinterher das Buch. Oder ich habe den ersten Teil einer Buchserie im Kino gesehen und bin zu neugierig und ungeduldig, um den Fortgang der Geschichte als Verfilmung abzuwarten. Dann lese ich den ersten Band, nachdem ich den Film gesehen habe, und die weiteren Bücher, bevor ich die Filme kenne. Schließlich gibt es noch den Fall, dass mich ein Buch gefesselt hat und ich einfach so einen Spaß an der Geschichte hatte, dass ich sie noch einmal als Film sehen möchte. Und dann kommt es auch gelegentlich vor, dass ich eine Geschichte grundsätzlich interessant fand und nur den Schreibstil nicht mochte – dann kann eine Verfilmung eigentlich nur besser sein.

Ein Beispiel für Letzteres ist für mich „Herr der Ringe“. Tolkien war ja in erster Linie Sprachwissenschaftler und hatte sich diese großartige Welt um die Hobbits ausgedacht. Das ist eine beeindruckende Leistung und dafür respektiere ich ihn. Aber: „Herr der Ringe“ ist fürchterlich langatmig geschrieben, das Buch ist langweilig und anstrengend zu lesen und die Handlung geht in schier endlosen Landschaftsbeschreibungen und Liedern (die ohne Melodie eigentlich auch echt keinen Sinn ergeben) unter, die Figurencharakterisierung bietet – zumindest für mich – keine Gelegenheit, mit den Figuren mitzufiebern und mich für ihr Schicksal zu interessieren. Die Filme sind insofern besser, dass sie kürzer sind. Außerdem hört man bei den Liedern eine Melodie und die öden Beschreibungen konnten durch atemberaubende Bilder ersetzt werden. Daher ist „Herr der Ringe“ in jedem Fall eine gelungene Verfilmung.

Da ich das „Herr der Ringe“-Universum trotzdem nicht sonderlich mag, ist es aber für mich nicht die „gelungenste“ Literaturverfilmung.

Bis vor ein paar Monaten wäre meine Lieblingsliteraturverfilmung noch „Abbitte“ von Joe Wright nach dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan. Die verschachtelte Erzählstruktur aus dem Buch wurde geschickt in die Filmsprache übersetzt, die Schauspieler sind alle toll (Benedict Cumber*quiiiiiietsch*batch sowieso), die Bilder verbreiten eine Atmosphäre, die optimal zur Geschichte und zur Handlung passt. Und es wurde nicht zu viel an den Figuren und an der Hintergrundgeschichte herumgekürzt.

Nun habe ich aber neulich „Er ist wieder da“ von David Wnendt nach dem Roman von Timur Vermes gesehen und diese Literaturverfilmung hat meinen bisherigen Favoriten vom Thron gestoßen.

Warum?

David Wnendt hat einen Weg gefunden, der literarischen Vorlage treu zu bleiben und trotzdem ein eigenständiges Werk zu erschaffen. Der Roman ist aus Sicht von Adolf Hitler erzählt und er zieht einen Großteil seines grotesken Humors aus dem Zusammenprall zwischen den Zeiten. Gleichzeitig erlaubt diese Perspektive, sich in Hitler hineinzuversetzen, sodass man als Leser vor sich selbst erschrickt, weil man plötzlich nicht mehr die Möglichkeit hat, Hitler als Monster abzutun. Und weil man merkt, dass man möglicherweise ebenfalls auf ihn hereingefallen wäre vor 80 Jahren.

Im Film kann man das nicht so gut machen, dass man die ganze Zeit Hitler im Off erzählen lässt, das hätte nicht die gleiche Wirkung entfaltet wie im Roman, weil es irgendwann den Zuschauer ermüdet hätte. Um dieses Problem zu lösen, hat Wnendt die Figur des Fabian Sawatzki ausgebaut (im Buch heißt er Frank Sawatzki und spielt nur eine Nebenrolle). Er ist ein Filmemacher, der zunächst die große Chance auf eine sensationelle Doku wittert, als er Adolf Hitler trifft, den er erst für einen Komiker hält. Als Zuschauer macht man nun die Entwicklung von Sawatzki mit, man wird von ihm sozusagen an die Hand genommen, und erst hält man das Ganze für einen Witz. Später ist man fasziniert, bevor die Faszination dem Entsetzen weicht. Und das ist großartig!

26. Nenne deinen liebsten Filmklassiker

Oha. Da ist jetzt aber ein Riesenfass aufgesprungen. Denn was genau ist eigentlich ein Filmklassiker? Mein Bloggerkollege von Ma-Go Filmtipps hatte als Definition vorgeschlagen: „Ein Filmklassiker ist ein Film, der im Hinblick auf die Charakterisierung seiner Figuren oder in inhaltlicher, technischer, moralischer oder gestalterischer Hinsicht als Vorbild für andere Filme fungiert oder ein Porträt einer Kultur oder geschichtlichen Epoche darstellt.“ Da fehlt aber meiner Meinung nach noch der zeitliche Aspekt, denn sonst wären ja alle Filme der letzten Jahre, die etwas Innovatives enthielten, jetzt schon Klassiker. Und das ist meiner Meinung nach nicht ganz stimmig. Filme wie „Fight Club“ oder „Pulp Fiction“, die für damalige Verhältnisse aufgrund ihres unzuverlässigen Erzählens (noch so ein Riesenfass!) fast schon revolutionär waren, haben zwar inzwischen ihren festen Platz im filmkulturellen Gedächtnis bekommen. Dennoch würde ich sie eher als Kultfilm, nicht als Klassiker bezeichnen, obwohl sie für nachfolgende, sogenannte Mindfuck-Filme (an der Uni bevorzugten wir „Mindgame“ oder „Mindbender“) Vorbild waren.

Darum würde ich die Definition wie folgt ergänzen:

Ein Filmklassiker ist ein Film, der im Hinblick auf die Figurencharakterisierung, in inhaltlicher, erzählerischer, technischer, moralischer oder gestalterischer Hinsicht als Vorbild für andere Filme fungiert oder ein Porträt einer Kultur oder geschichtlichen Epoche darstellt. Gleichzeitig ist ein Filmklassiker aber bereits so alt, dass man vergisst, dass er seinerzeit innovativ war.

Schließlich war jeder Klassiker einmal revolutionär. Der Zug, der in die Bahnstation La Ciotat einfährt, die Frauen, die aus der Fabrik kommen oder der Gärtner mit dem Gartenschlauch, der nassgespritzt wird, waren Ende des 19. Jahrhunderts eine Sensation. Heutzutage aber würden solche Filme nicht mehr den Zuschauergeschmack treffen, weil sie heute nicht mehr innovativ sind. Damals aber waren sie es, man muss es sich aber erst bewusst machen, um es nicht zu vergessen. Gleiches gilt für die ersten Science-Fiction-Filme von Georges Méliès, die ersten längeren Stummfilme, die ersten Tonfilme, die ersten Farbfilme und bald auch für die ersten 3D-Filme.

Einer meiner Lieblingsfilmklassiker in diesem Sinne ist „Jules und Jim“ von François Truffaut aus dem Jahr 1962. Es geht um eine Dreiecksbeziehung (heute würde man das wohl polyamore Beziehung nennen) zwischen dem Franzosen Jim, dem Österreicher Jules und Catherine, einer freiheitsliebenden, durchgeknallten jungen Frau, die sich gegen alle Konventionen sträubt. Aber sie ist auch rastlos, unzufrieden, kompliziert und radikal. Dass das Ganze nicht gut ausgehen kann, erahnt man von Anfang an.

Trotzdem bleiben die Männer befreundet, auch, als sie im ersten Weltkrieg eigentlich Feinde sein müssten, auch, als Jules Catherine heiratet, sie aber offen ein Verhältnis mit Jim eingeht, der dann sogar bei den beiden einzieht. Jules möchte nur, dass Catherine glücklich ist. Aber sie ist unfähig, glücklich zu sein …

Ich mag die melancholische Grundstimmung des Films, die aber stets zuversichtlich bleibt und nie in Selbstmitleid, emotionalen Gefühlsquark oder langweilige Seelenbeschau abdriftet. Dadurch berührt einen der Film, alle Figuren wachsen einem ans Herz. Das entfaltet einen Zauber, der auch nach mehrmaligem Sehen und auch nach über 50 Jahren immer noch wirkt.


31 Tage, 31 Filme – Folgen 11 bis 15

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66. Stück: 31 Tage, 31 Filme – Folgen 11 bis 15

Folge 11 „Welchen Film würdest du deinen Kindern zeigen?“

Hmmm … ich schwanke zwischen „Wolf Creek 2“ und „Machete kills“. Oder doch lieber „Fight Club“? Der Nachwuchs muss schließlich zeitnah an die Widrigkeiten des Daseins herangeführt werden. Selbstverständlich wird dann auch abends vor dem Einschlafen eine Folge „American Horror Story“ geguckt.

OK. Spaß beiseite.

Meinen noch nicht vorhandenen Kindern würde ich natürlich Tier-, Zeichentrick- und Animationsfilme zeigen, wie „Miez und Mops“ (mein erster Film), „Bambi“ oder „Ab durch die Hecke“. Problematisch könnte es werden, wenn zwischendurch etwas Trauriges oder Rührendes passiert. Mama fängt bei sowas immer sofort an zu flennen. Ich bin nicht sicher, ob mich meine Dreikäsehochs dann noch ansatzweise ernst nähmen.

Nichtsdestotrotz gehören eine umfassende Film-, Literatur-, Theater- und Comic-Bildung sowie Museumsbesuche zu einer erfüllten Kindheit meines Erachtens dazu und deswegen werden meine zukünftigen Kinder mit Kultur, Wissen und Geschichten zugeballert.

Mein Lieblingsfilm als Kind war „In einem Land vor unserer Zeit“ mit dem kleinen Dino Littlefoot und seinen Freunden, die auf der Suche nach dem fruchtbaren großen Tal sind, nachdem ihre alte Heimat verdorrt ist. Ein großer Graben hat zudem das Land in zwei Teile zerrissen und die Mini-Dinos von ihren Familien getrennt. Sie hoffen, sie im großen Tal wiederzutreffen. Der Zeichentrickfilm ist mit liebevollen Figuren, wunderschönen Bildern, toller Musik ausgestattet, die Geschichte ist fesselnd und ganz nebenbei lernen Kinder beim Zuschauen wichtige Lektionen über die Bedeutung von Freundschaften und darüber, dass man nicht so schnell aufgeben sollte. Vermutlich würde ich auch hier an einer bestimmten Stelle in herzzerreißende Tränen ausbrechen, dennoch ist das ein Film, den ich auf jeden Fall meinen Kindern zeigen würde.

Folge 12 „Die siebte DVD in deinem Regal von rechts“

„Vergiss mein nicht!“ von Michel Gondry aus dem Jahr 2004. Was für ein wunderbarer Film! Ich hatte ihn damals relativ spontan allein im Kino gesehen, weil ich niemanden gefunden hatte, der ihn sich mit mir anschauen wollte beziehungsweise, der so kurzfristig Zeit hatte. Der Raum im kleinen Programmkino „Die Koralle“ war insgesamt nur spärlich befüllt … der Film war nicht so intensiv beworben worden und Michel Gondry macht ja ganz gern eher seltsame Filme, die wohl nicht jeder zugänglich findet. „Vergiss mein nicht!“ ist da jedoch eine Ausnahme wie ich finde.

Die fantasievollen Bilder, die in Joels Erinnerungen/Träumen spielen (im narratologischen Fachchinesisch: Die mentalen Metadiegesen), sind nicht nur künstlerisch und ästhetisch eindrucksvoll, sondern vor allem in eine spannende Geschichte eingebettet, sodass der Film auch für Menschen unterhaltsam ist, die nicht Film oder Erzähltheorie studiert haben. Unter anderem dieser Film hat mich acht Jahre nach meinem Kinobesuch dazu inspiriert, meine Masterarbeit zum Thema „Mentale Metadiegesen im zeitgenössischen Film“ zu schreiben.

Jim Carrey, den ich in seinen Komödien normalerweise nicht mag, zeigt hier, was für ein fantastischer, feinsinniger und ausdrucksstarker Schauspieler er in Wahrheit ist. In „Die Truman Show“ hatte sich das ja bereits angedeutet, aber in „Vergiss mein nicht!“ zerreißt er einem das Herz mit seinem Liebeskummer wegen Clementine (Kate Winslet). Die Erinnerung an den Film und wie die beiden um ihre Liebe kämpfen verursacht mir noch immer Gänsehaut.

Folge 13 „Welcher Film landete zuletzt aus einem Spontankauf in deinem Regal?“

Ehrlich gesagt, bin ich absolut unspontan. Ich plane ganz gern im Voraus und liebe es, To-Do-Listen auszutüfteln und abzuhaken. Überraschungen sind nicht so meins und Ungewissheiten ertrage ich nur mit Mühe. Mein letzter Spontankauf ist dementsprechend schon Ewigkeiten her. In der Zeit, in der ich für meine Masterarbeit über „Mentale Metadiegesen im zeitgenössischen Film“ recherchiert habe und möglichst viele Filme brauchte, in denen geistige Zustände jeder Art (Erinnerungen, Träume, Vorstellungen, Sterbevisionen, Nahtoderfahrungen, Drogenrausch, Migräne- oder Wahnattacken etc.) als Erzählung in der Erzählung dargestellt wurden, habe ich häufiger mal unbesehen DVDs gekauft. Viele der Filme habe ich nach Abgabe meiner Masterarbeit weiterverschenkt, weil ich sie zwar gut für meine Thesen nutzen konnte, aber nicht besonders mochte.

Einen aber habe ich behalten: „Requiem for a Dream“ (2000 Regie: Darren Aronofsky)

Dieser Film beschäftigt sich am Beispiel von vier Personen mit dem Thema Sucht und Abhängigkeit. Sara Goldfarb nimmt Abnehmpillen, die Speed enthalten, um wieder in ihr Lieblingskleid zu passen, weil sie sich einbildet und davon träumt, in ihre Lieblings-Game-Show eingeladen zu werden. Ihr Sohn Harry, seine Freundin Marion und sein Kumpel Tyrone werden heroinabhängig. Auch sie haben Träume, die unter anderem wegen ihrer Sucht zum Scheitern verurteilt sind. Harry und Marion wollen eine Modeboutique eröffnen, alle drei Freunde träumen vom großen Geld und davon seriös zu werden. Sie fangen an zu dealen und kommen aus dem Strudel des Scheiterns nicht mehr heraus.

„Requiem for a Dream“ geht an die Nieren. Selten habe ich einen so tieftraurigen Film gesehen, der das Thema Sucht so schonungslos und trotzdem poetisch behandelt. Arronofsky nimmt seine Figuren durchweg ernst und schildert sie mit Zuneigung und Mitgefühl. Das wird durch das sensible Spiel von Ellen Burstyn, Jared Leto, Jennifer Connelly und Marlon Wayans noch unterstützt. Sie spielen ihre Figuren mit so viel Hingabe, Empathie und Ehrlichkeit, dass man vollkommen vergisst, dass es sich um fiktionale und nicht um echte Menschen handelt. Ein Spontankauf, den ich nicht bereut habe.

Folge 14: „Welcher Film hat die schönste Filmmusik?“

Diese Frage ist für mich besonders schwierig zu beantworten, da ich selten explizit auf die Musik achte, wenn ich einen Film schaue. Idealerweise schmiegt sich die Musik auch so gut an die Handlung und Stimmung des Films, dass sie als Teil des Ganzen erscheint und nicht so stark auffällt.

Bei einigen Filmen hingegen fällt mir die Musik dann doch als besonders schön auf, zum Beispiel in Wong Kar Wais herzzerbrechendem Film „In the Mood for Love“ oder in Jaco Van Dormaels wunderbarem „Mr. Nobody“. Allerdings kann ich da nicht hundertprozentig unterscheiden, was Original ist und welche Musik es schon vor den Filmen gab. Dazu kenne ich mich – Asche auf mein Haupt – in Musikgeschichte zu wenig aus.

Ich habe also mein Gedächtnis durchwühlt, bei welchem Film mir die Originalmusik besonders gut gefallen hat und bin schließlich bei „Forrest Gump“ hängengeblieben. Die Musik von Alan Silvestri ist wirklich toll und passt hervorragend zur Filmhandlung und zur Atmosphäre. Ich mag überdies auch sein „Zurück in die Zukunft“-Thema.

Folge 15: „Welcher Film hat dich überzeugt, obwohl er aus einem von dir nicht bevorzugtem Genre stammt?“

Das Genre, mit dem man mich wohl am ehesten jagen kann, sind ernst gemeinte Fantasyfilme. Wenn sie ironisch oder lustig oder in einen Genremix eingeflochten sind, ist das was anderes, aber so Fantasy à la „Herr der Ringe“ finde ich für gewöhnlich unfassbar öde. Da habe ich dann immer den Eindruck, die Filmemacher / Autoren haben ihre ganze Energie und Fantasie dafür verbraucht, eine neue Welt zu kreieren und dabei ganz vergessen, eine Geschichte zu erzählen, in der spannende, facettenreiche Figuren irgendetwas Interessantes machen. Und mit „interessant“ meine ich nicht, Lieder zu singen, auf komische Wesen zu treffen und ab und zu mal zu kämpfen.

In den „Harry Potter“-Filmen ist es gelungen, sowohl eine neue Welt zu kreieren als auch spannende Figuren aufeinander treffen zu lassen und eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Allerdings ist das den grandiosen Buchvorlagen geschuldet und spielt zur Hälfte in unserer Welt, also passt es nicht wirklich als Antwort auf die Frage.

So, und nun muss ich erst einmal grübeln. Denn in der Regel schaue ich mir Fantasyfilme gar nicht erst an, wenn zu erwarten ist, dass ich sie doof finde. Habe ich es doch einmal versucht, fand ich sie dann auch meistens doof. „Dungeons and Dragons“? Megadoof. Und furchtbar gespielt. Bäh! „Jupiter Ascending“? Breiten wir den Mantel des Schweigens über dieses in jeder Hinsicht misslungene Machwerk. „Star Wars“? Na ja. Ganz nett. Muss man ja auch irgendwie gut finden, wenn man nicht will, dass einem alle die Freundschaft kündigen.

„Der Sternwanderer“ ist zwar auch eher eine Fantasykomödie, aber damit ich meiner werten Leserschaft in dieser Folge keine Antwort schuldig bleibe, entscheide ich mich jetzt einfach dafür. Der war nämlich sehr unterhaltsam und hat Spaß gemacht.


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65. Stück: 31 Tage, 31 Filme – Folgen 6 bis 10

Folge 6 „Welcher war der erste Film, den du im Kino gesehen hast?“

Ich muss ungefähr vier Jahre alt gewesen sein, als meine Tante Heidi mit meinem Cousin Simon und mir ins Kino ging. „Miez und Mops“, ein japanischer Tierfilm von 1986, stand auf dem Programm. Von da an hatte mich das Kino gepackt, als ich den Abenteuern des Katerchens Miez, das in einer Holzkiste in einen reißenden Strom gerät, und des Hundewelpen Mops, der verzweifelt versucht, seinen Freund zu retten, gebannt folgte.

Obwohl das jetzt schon fast dreißig Jahre her ist (Oh je, ich werde alt!), kann ich mich noch heute gut daran erinnern, wie fasziniert ich von der Atmosphäre in dem Kinosaal mit den plüschigen weinroten Sitzen, dem edlen Samtvorhang und der gespannten Erwartung beim Erlöschen des Lichts war. Meine Tante hatte für meinen Cousin und mich Eiskonfekt gekauft und mit meiner überschaubaren kulinarischen Lebenserfahrung zur damaligen Zeit war ich der Ansicht, noch nie etwas Köstlicheres gegessen zu haben.

Folge 7 „Welchen Film hast du am häufigsten gesehen?“

Puh … das weiß ich nicht so genau. „Die Hochzeit meines besten Freundes“ habe ich sehr oft gesehen und ich mag den Film immer noch. Unter anderem deswegen, weil ich den Soundtrack fröhlich mitsingen kann. Es kann aber sein, dass ich die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie noch häufiger gesehen habe, also greife ich die einfach mal exemplarisch (und zugegebenermaßen etwas willkürlich) heraus:

Ich liebe Zeitreise-Geschichten, weil ich diesen „Was wäre, wenn …?“-Gedanken unheimlich spannend finde. Ist es nicht auch der Kern dessen, was Geschichten und das Erzählen überhaupt ausmacht? Dass man eine bestimmte Ausgangssituation, eine Routine etabliert, und diese dann durchbricht, ändert, ins Chaos stürzt – und am Ende eine Veränderung zeigt? Außerdem gefällt mir die mutige Herausforderung, denen sich Autoren oder Filmemacher stellen, indem sie ihre erzählte Welt mit Zeitreisen durcheinander bringen. Denn Logik und Folgerichtigkeit mit Zeitreisen (vor allem, wenn die erzählte Welt nicht nur in einem Film, sondern mehreren Teilen in sich logisch bleiben muss) aufrecht zu erhalten, ist reichlich knifflig. In einem Essay auf „Hamburgische Dramaturgie 2.0“ hatte ich neulich darüber geschrieben, wie schwierig das ist und wie „Terminator“ meines Erachtens daran scheitert, eine Logik aufrecht zu erhalten (wobei ich zunächst nur die ersten beiden Teile kenne).

„Zurück in die Zukunft“ aber, und auch die beiden Fortsetzungen, gelingt es, trotz weitreichendem Kuddelmuddel und Beinahe-Großvaterparadoxon im ersten Teil, die Folgerichtigkeit von Ursache und Wirkung über die verschiedenen gezeigten Zeitebenen hinweg aufrecht zu erhalten.

Und das bereitet mir immer und immer wieder größtes Vergnügen. Aus diesem Grund freue ich mich auch schon auf den 21. Oktober 2015, den Tag, an dem Marty McFly im Film in der Zukunft landet. Da gibt es nämlich ein Triple-Feature mit der kompletten „Zurück in die Zukunft“-Trilogie im Kino. Auf der großen Leinwand! Wie oft ich die Filme dann gesehen haben werde, kann ich nicht sagen. Dass ich sie mir immer wieder ansehen kann, das allerdings schon.

Folge 8: „Nenne einen Film deines Lieblingsregisseurs (oder Lieblingsschauspielers)“

Lieblingsschauspielerinnen und -schauspieler habe ich viele, daher entscheide ich mich für einen Film meines Lieblingsregisseurs. Alfred Hitchcock finde ich toll, aber Woody Allen ist noch mehr ein Bruder im Geiste für mich. Mein Lieblingsfilm von Woody Allen ist „Bullets over Broadway“ über einen erfolglosen Bühnenautor in den 20er Jahren, der einen Deal mit dem lokalen Mafiaboss schließt, um sein neuestes Werk realisieren zu können. Bedingung ist, dass Olive, die Geliebte des Paten, in dem Stück mitspielt. Leider hat sie kein Talent und das Stück ist furchtbar. Außerdem nervt Cheech, Olives Bodyguard, der ihr nicht von der Seite weicht und nach und nach seine literarische Begabung entdeckt. Er schreibt das Stück um und es wird ein Erfolg. Nur Olive droht alles zu ruinieren …

In „Bullets over Broadway“ treffen der intellektuelle, selbstironische Witz von Woody Allen mit einer hervorragend erzählten Geschichte, skurrilen Figuren, einem wunderbaren Soundtrack und atmosphärischer sowie detailfreudiger mise en scène zusammen. Darin zeigt sich, wie herausragend Woody Allen sein Handwerk beherrscht, als Regisseur, Geschichtenerzähler und Filmemacher.

Ich habe den Film 1995 mit meiner Mutter zusammen im Kino gesehen, nachdem ich im Radio zwei Karten gewonnen hatte. Die Frage war „Welcher Schauspieler hat zwei Jahre hintereinander den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen?“ Antwort: „Tom Hanks. 1994 für ‚Philadelphia‘, 1995 für ‚Forrest Gump‘.“ Später brachten mein Darstellendes-Spiel-Kurs am Gymnasium und ich das Stück auf die Bühne. Wie gern hätte ich die Olive gespielt! Aber als Leiterin einer Heiltanz-Gruppe (die im ursprünglichen Film nicht vorkommt) hatte ich ebenfalls meinen Spaß.

Folge 9: „Welches ist der schlechteste Film deines Lieblingsregisseurs?“

Der schlechteste Film von Woody Allen? Ich schwanke zwischen „To Rome with Love“ und „Schmalspurganoven“ … „Schmalspurganoven“ hat eine witzige Geschichte, ist aber in der Umsetzung zu brav geraten. „To Rome with Love“ ist ein Episodenfilm, der zwischendurch zu stark ins Alberne abdriftet. Beide Filme haben gemein, dass sie bemüht wirken, dass der Humor nicht richtig zündet und die meisten Gags Rohrkrepierer sind.

Ich denke „Schmalspurganoven“ hat mir eine Spur besser gefallen als „To Rome with Love“, aber es ist wirklich nur minimal. Woody Allens Liebeserklärung an die italienische Hauptstadt kommt leider nie wirklich in die Gänge, die Figuren sind flach und wecken keine Sympathien, die einzelnen Episoden fügen sich nicht so wirklich zu einer Einheit zusammen. Dadurch bleibt jegliche Spannung auf der Strecke und da auch der Humor zu harmlos und niedlich ist, bleibt der Film langweilig und belanglos.

Ganz anders hingegen ist Woody Allens Liebeserklärung an die französische Hauptstadt, „Midnight in Paris“ geraten. Ein wunderbarer, verträumter Film, der von der Stimmung an „Bullets over Broadway“ heranreicht.

In den letzten Jahren hat sich Woody Allen vom Komödiengenre wegbewegt und sich dem Thriller-Drama-Genre zugewandt. Eine großartige Entscheidung! „Match Point“, „Cassandra’s Dream“, „Blue Jasmine“ sind fesselnd, lassen das Blut in den Adern gefrieren und hinterlassen einen Eindruck, den man so schnell nicht wieder loswird.

Folge 10: „Nenne den lustigsten Film, den du kennst“

Ich bin leicht zu erheitern und ein dankbares Publikum, was Komödien betrifft. Es ist relativ selten, dass ich über lustige Filme nicht lachen kann. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die ganze Zeit nur Pipikakapenistittenwitzchen gefrotzelt werden, ohne dass sonst irgendetwas passiert. „Movie 43“ ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie provokativ und witzig gemeinte Ekelscherze einen kompletten Film ruinieren.

Warum ist das so?

Meiner Meinung nach kommt es sowohl bei Komödien als auch bei Tragödien, Dramen, Thrillern, Krimis, etc. darauf an, dass eine Geschichte erzählt wird. Das muss nicht immer hochkomplex sein, aber selbst „Die nackte Kanone“, „Helden in Strumpfhosen“, „Scary Movie 1“ oder „Spaceballs“ haben zwischen den ganzen virtuosen Blödeleien eine Handlung, die diese zu einer Geschichte verknüpfen. Auch ist es wichtig, dass der Zuschauer nicht permanent darauf hingewiesen wird, wie unfassbar komisch sich die Filmemacher selber finden. Das passiert bei „Movie 43“ andauernd. Der Schrott besteht aus mehreren Kurzfilmen, die einen bestimmten Gag im Mittelpunkt haben, zum Beispiel, dass Hugh Jackman Eier am Kinn baumeln hat. Und dann wird ewig auf diesem einen, sowieso schon mal nicht lustigen Gag, herumgekaut, bis auch der letzte Vollpfosten kapiert hat, dass er jetzt gefälligst zu lachen hat. Wenn ein Machwerk mir vorschreibt, was ich zu fühlen habe, dann fühle ich absichtlich das Gegenteil. Ätsch.

Also, ein wirklich nachhaltig lustiger Film braucht eine Geschichte und Figuren sowie Schauspieler und Leute hinter der Kamera, die diese Geschichte ernst nehmen. Warum bringen Buster Keaton, Charlie Chaplin und Laurel und Hardy selbst heute noch so viele Menschen zum Lachen? Weil sie ihre Figuren niemals um eine Pointe Willen bloßgestellt, lächerlich gemacht – kurz: verraten haben. Eine gute Komödie muss wahrhaftig sein.

Aber was macht den Film dann komisch? Was unterscheidet ihn von einem Drama?

Timing und Tempo sind eine Sache, die aus einer eigentlich ernsten Geschichte eine Komödie machen. Außerdem werden die Ereignisse und Figuren leicht überspitzt dargestellt. Das darf nicht zu übertrieben ausfallen, sonst verliert die Handlung an Ehrlichkeit und die Komik wirkt aufgesetzt.

Ein Beispiel für eine solche gelungene Komödie und deswegen stellvertretend für die lustigsten Filme, die ich kenne ist „Mein Vetter Winnie“ (1992) von Jonathan Lynn mit einem glänzend aufgelegten Joe Pesci in der Titelrolle und einer grandiosen Marisa Tomei. Die Chemie zwischen den beiden Schauspielern stimmt einfach, das Timing, die Dialoge sitzen auf den Punkt. Die Geschichte ist skurril, aber innerhalb der erzählten Welt ist sie wahrhaftig, logisch und konsequent.

In „Mein Vetter Winnie“ geht es um zwei Freunde, die auf einer Reise in ein kleines amerikanisches Kaff geraten. Sie holen Essen an einer Raststätte und beim Hinausgehen merken sie, dass sie vergessen haben, eine Dose Thunfisch zu bezahlen. Sie fahren weiter, doch dann werden sie von der Polizei angehalten. In dem Glauben, es gehe um den Thunfischdosen-Diebstahl, werden sie verhört und erst, als sie ihre Schandtat gestanden haben, stellt sich heraus: Es geht um Mord. Nun tritt besagter Vetter Winnie auf den Plan, der Anwalt ist und versucht, die beiden Freunde aus ihrer misslichen Lage zu befreien …

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Die ersten fünf Folgen des Blogprojekts 31 Tage, 31 Filme findet ihr hier.

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