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68. Stück: Horrorfilme – Ein Genre für die geistig Schwachen?

Betrachtet man Horrorfilme mit der Brille der Vernunft und Logik, kann man schon mal daran zweifeln, ob Horrorfilme die intellektuellen Fähigkeiten ihrer Zuschauer wirklich ernst nehmen. Da wird dem Angreifer der Rücken zugedreht und ein kleines Päuschen gemacht, vom Gebrauch jeglicher Waffen abgesehen, prinzipiell darauf verzichtet das Licht anzuschalten, sich aufgeteilt anstatt mit vereinten Kräften den Eindringling zur Strecke zu bringen, oder sich in einem engen Raum ohne Fluchtweg versteckt.

Doch was wäre nun, wenn die Filmemacher ihr Publikum gar nicht für dumm verkaufen wollen, sondern einfach WISSEN, dass der gemeine Horrorfan nicht die hellste Kerze auf dem Leuchter ist? Oder anders gefragt: Ist das Horrorgenre eher auf eine kognitiv einfach gestrickte Zielgruppe ausgelegt? Und können intelligente Filmfans (oder diejenigen die sich dafür halten) Mainstream-Horrorstreifen überhaupt genießen?

Ich selbst bin ein großer Horrorfan, daher habe ich mir Verstärkung geholt, um diese Frage zu beantworten: Meine Kollegen Marco von Ma-Go Filmtipps und David vom Blog Haltstop. Schaut doch bei Gelegenheit mal auf ihren Blogs vorbei. Gemeinsam wollen wir im Gespräch der Sache auf den Grund gehen. Zur besseren Lesbarkeit werden unsere Beiträge in verschiedenen Farben dargestellt, damit jede Aussage der jeweiligen Person zugeordnet werden kann: Marcos Antworten sind schwarz, Davids Antworten sind rot und meine Antworten sind blau.

Hallo ihr beiden,
schön, dass ihr euch Zeit nehmt, euren Senf zu diesem Beitrag abzugeben. Sagt mal, mögt ihr eigentlich Horrorfilme?

Ich liebe gut gemachte Horrorfilme. Mit „gut gemacht“ meine ich, dass man mit den Figuren mitfiebert, die Jump-Scares zwar erahnt, aber dennoch nicht kommen sieht, und die Grundatmosphäre düster und gruselig ist. Außerdem lassen sich in gut gemachten Horrorfilmen auch psychologische Untiefen erkennen, die menschliche Urängste ansprechen. Dadurch entsteht eine Art Angstlust: Man sieht etwas, das eine Urangst berührt (zum Beispiel die vor dem Tod), gleichzeitig fühlt man sich aber in Sicherheit und kann die Angst so bewältigen. Und das macht Spaß. Schlechte Horrorfilme hingegen langweilen mit flachen Figurencharakterisierungen. Es gelingt nicht, eine Gruselatmosphäre zu etablieren und die Jump-Scares riecht man meilenweit gegen den Wind. Diese taugen höchstens (wenn sie so schlecht sind, dass sie schon wieder lustig sind) für einen unterhaltsamen Trash-Filmabend unter Freunden. Aber ich denke, jeder Film kann einen tieferen Blick lohnen. Schlechte Filme lassen sich wunderbar analysieren, um zu schauen, was gute Filme anders machen und warum es dort gelingt, den Zuschauer zu fesseln und bei anderen Filmen nicht.

Was mir in letzter Zeit den Horrorspaß des Öfteren vermiest hat, waren einige Leute im Publikum, die sich offenbar zu fünft eine Gehirnzelle teilen. Und der, der sie zuletzt hatte, hat sie aus Versehen ausgeniest und nun ist sie futsch. Die machen einem die ganze Gruselatmosphäre kaputt, wenn sie dazwischen quaken, dass sie gar keine Angst haben und sich nicht gruseln. Furchtbar. Ist euch das auch aufgefallen?

Ich muss ehrlich sagen: Ich bin generell kein großer Fan von Horrorfilmen. Ich erkenne für mich nie so richtig den Sinn oder den Spaß darin, sich zu gruseln und einer ,,extremen“ Emotion wie Angst auszusetzen.
Natürlich habe ich dennoch schon einige Horrorfilme gesehen – und zwar sowohl solche, die mir trotz meiner abgeneigten Haltung einigermaßen gefallen haben, aber auch solche, die ich anstrengend und nervig fand.
Welche Horrorfilme ich als gut und welche ich als schlecht einordnen würde, da kann ich mich nur an Isabelles Beschreibungen halten: Ist ein Horrorfilm eine Aneinanderreihung von Jump-Scares und mehr nicht, dann schalte ich nach wenigen Minuten aus. Steht aber die Spannung, die durch die Figuren oder die Handlung getragen wird, im Vordergrund, so kann ich nachvollziehen, wieso einem der Film gefällt.

Die „anstrengenden“ Besucher im Kino habe ich schon mehrfach wahrgenommen (bzw. aus meinem Freundeskreis berichtet bekommen). Ich denke, das hat damit zu tun, dass viele einen Horrorstreifen als eine ,,Mutprobe“ ansehen. Nur denke ich, dass es heute (zumindest im Mainstream-Kino) viel zu viele „Mutprobenfilme“ gibt, die – statt eine spannende Handlung zu erzählen – den Weltrekord für Jump-Scares brechen wollen.

Schön, dass ihr direkt zu Beginn das Publikum ansprecht, denn auch mir sind bei meinen letzten Horrorfilmsichtungen nervige Gestalten aufgefallen, bei denen man meinen könnte, sie seien zum ersten Mal im Kino oder überhaupt unter Menschen. Natürlich findet man Idioten genreübergreifend in allen Kinosälen rund um den Globus. Bei Horrorfilmen stelle ich jedoch ganz subjektiv eine deutliche Häufung fest. Es wird dazwischen gequasselt, mit dem Handy die nähere Umgebung abgeleuchtet oder lautstark über den laufenden Film abgeledert. Neulich meinte ein Schlauberger wohl, die nervenaufreibende Stille in einer Szene würde viel zu lange dauern. Kurzentschlossen durchbrach er die Spannung mit einem lauten „BUH!!!“, um die Begleitung neben sich so richtig zu erschrecken und sich dann lautstark über ihre Reaktion zu amüsieren. Die gruselige Atmosphäre war für die restlichen Besucher natürlich im Eimer.

Ob es sich bei diesem Verhalten um eine Strategie handelt, die eigene Furcht mit „Humor“ zu überspielen, oder um einen Mangel an Intelligenz respektive sozialer Kompetenz, lasse ich mal dahin gestellt. Habt ihr Ähnliches auch schon erlebt?

Ja, ich hatte neulich in Insidious: Chapter 3 auch so einen „Buh!“-Rufer. Ich glaube, das ist eine Art spätpubertärer Sinn für Humor kombiniert mit plumpem Balzverhalten. Der fand das ungemein witzig, seine Sitznachbarin zu erschrecken und wollte damit auf sich aufmerksam machen. Wie ein paarungsbereiter Ziegenbock auf Brautschau, die benehmen sich auch nicht gerade feinsinnig. Da könnte man noch sagen, die Hormone seien Schuld und vielleicht ist der normalerweise schlau, wenn er nicht gerade darauf aus ist, ein Weibchen zu begatten.

Aber manche Leute haben außer Stroh wirklich nicht viel im Kopf. Zum Beispiel Leute, die jeden Text laut (und schlecht) vorlesen müssen, der auf der Leinwand erscheint. In Wolf Creek 2 saßen ein paar Spezialisten hinter uns. Ein Straßenschild kam ins Bild, auf dem „Wolf Creek“ stand und selbst das mussten sie erst einmal vorlesen. Wenn ein Film ab 18 freigegeben ist, sollte man meinen, dass die Zuschauer die Grundschule abgeschlossen haben. Ich glaube, da fehlt es sowohl an Intelligenz als auch an sozialer Kompetenz. Ansonsten könnte man ja dumme Gedanken für sich behalten.

Dabei muss man allerdings bedenken, dass Deutsche generell sehr zivilisierte Kinogänger sind und wir es einfach nicht gewohnt sind, andere Gäste wirklich wahrzunehmen. In anderen Ländern – und ich kenne das selbst aus den USA – werden die Helden lauthals angefeuert, Ausrufe des Schreckens sind an der Tagesordnung und so weiter. Aber ich bin ehrlich: Mich würde das auch stören.

Apropos zivilisierte Kinogänger: Gab es da nicht letztes Jahr irgendwo einen Vorfall, bei dem Horrorfans ihre volle geistige Reife und kognitiven Kapazitäten zur Schau stellten?

Oh ja! Das war in Frankreich: in Marseille, Straßburg und Montpellier. Tausende Jugendliche haben sich anlässlich von Kinovorführungen des Horrorfilms „Annabelle“ (dem Prequel zu „Conjuring“) zusammengerottet und die Kinosäle auseinandergenommen (Filmstarts.de hat beispielsweise darüber berichtet.). Warum, weiß keiner. Ich denke, da fehlt es an Anstand und gesundem Menschenverstand. Ob man das als Dummheit bezeichnen will oder nicht, sei jedem selbst überlassen. Aber es ist sinnlos, achtlos und arschig. Man kann sich auch Hobbys suchen, die nicht das Eigentum anderer Leute beschädigen und anderen Menschen den Spaß am Filmegucken ruinieren. Man könnte ein Buch lesen oder mit Sport anfangen, wenn man nicht weiß, wohin mit seiner Energie.

Ein Zeitzeuge berichtet vom „Annabelle“-Vorfall auf kino.de

Wenn man sich diese Vorkommnisse und unsere eigenen Erfahrungen vor Augen hält, könnte man schon den Eindruck bekommen, dass ein Teil des Horrorfilmpublikums nicht mehr alle Latten am Zaun hat. Neulich habe ich jedoch in der Psychologie heute einen interessanten Artikel mit dem Titel Du guckst und liest, was du bist gelesen, der diese These scheinbar widerlegt. Es geht um eine Studie der University of Cambridge über den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und filmischen Vorlieben. Filme und Bücher wurden in fünf „Mega-Genres“ eingeteilt. Eines davon war die Kategorie „Düster-Dämmriges“, die man auch „Horror/Mystery“ nennen könnte. Die Teilnehmer der Studie mussten Persönlichkeits- und Intelligenztests durchführen, einige grundlegende Angaben zu ihrer Biographie machen und letztlich verraten, welche Genres in Film und Literatur sie wie gerne sehen. Daraus ergab sich für Fans des Horrorgenres folgendes Profil:

„Das Dunkle in Film […] suchen […] Gemüter von oft wenig ausgeprägter Verträglichkeit und Liebenswürdigkeit, denen aber doch nicht selten eine intellektuelle Note eigen ist. Sie fahren nicht besonders auf Pflichten ab, ebenso wenig auf Umsicht, Rücksichtnahme, Moral, Einfühlung in andere. Sie sind überdurchschnittlich kreativ, einfallsreich, widerspruchsfreudig, extravertiert und selbstdarstellerisch.“

Das klingt zwar alles andere als sympathisch, spricht den Horrorfans jedoch keineswegs intellektuelle Fähigkeiten ab. Allerdings würde diese Beschreibung erklären, warum in Horrorfilmen gefühlt deutlich häufiger nervige Dumpfbacken sitzen. Was sagt ihr zu diesen Befunden? Und denkt ihr auch, dass sich auf Grundlage unseres Filmgeschmacks Aussagen über unsere Persönlichkeiten treffen lassen?

Prinzipiell denke ich schon, dass unsere Geschmäcker etwas über unsere Persönlichkeit verraten. Doch trotz meiner Vorliebe für dunkle und düstere Filme sehe ich mich als pflegeleichtes Persönchen, das im wahren Leben geradezu unerschütterlich fröhlich ist und es hasst, im Mittelpunkt zu stehen. So viel zum Thema extravertierte Selbstdarsteller.

Allerdings reizt mich am Horrorgenre nicht das Jonglieren mit Eingeweiden, Abhacken diverser Gliedmaßen oder Blutgespritze, sondern die psychologischen Untiefen, die sich dahinter verbergen. Über ironisch überspitzte Splatter à la „Machete Kills“ kann ich mich trotzdem prächtig amüsieren. Da möchte ich jetzt aber nicht so genau wissen, was das über meine psychologischen Untiefen aussagen mag.

Es erscheint logisch, dass Filme, die von den dunklen Seiten unserer Welt und vom Jenseits handeln, Menschen ansprechen, die es mit dem Einfühlungsvermögen nicht so haben. Doch ich bezweifle, dass sich das verallgemeinern lässt. Gerade, wenn man recht empathisch ist, interessiert man sich für die psychologischen Aspekte hinter den Schreckmomenten: Man möchte wissen, was sich hinter den Fassaden befindet. Horns ist hierfür ein spannendes Beispiel.

David sprach vorhin von Horrorfilmen als „Mutprobe“, du von „psychologischen Untiefen“. Das klingt nach deutlichen Unterschieden, wie man Filme dieses Genres sehen kann oder mit welcher Erwartungshaltung man ins Kino geht. Passend dazu möchte ich auf das Video The Problem with Horror Movies Today des Kollegen Chris Stuckmann aufmerksam machen: Darin fragt er, ob Horrorfans vergessen haben, was echter Horror ist.

Hauptsächlich bezieht sich Chris auf die beiden Horrorfilme The Babadook und Oculus (die ich beide noch nicht gesehen habe). Seiner Meinung nach wurden die Filme in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ausreichend gewürdigt. Er bemängelt, dass Zuschauer Horrorfilme häufig qualitativ an der Anzahl der Jump-Scares, des Designs der auftauchenden Monster und des Ekelgrads der blutigen Szenen beurteilen und Elemente wie die Filmatmosphäre, menschliche Urängste oder psychologische Untiefen oft vergessen oder ignorieren. Eure Meinung dazu bitte:

Das Video ist spannend und aufschlussreich. Oculus habe ich noch nicht gesehen, aber The Babadook war für mich einer der besten Horrorfilme des Jahres (wobei der Film bei uns in Deutschland erst 2015 gezeigt wurde). Ich habe mich keine einzige Sekunde gelangweilt. Im Gegenteil, ich rutschte immer tiefer in meinen Kinosessel und verspürte die ganze Zeit Unbehagen und Grusel. Die wenigen Jump-Scares waren dramaturgisch raffiniert und schlüssig eingeflochten. Sie dienten nicht der reinen Effekthascherei, sondern waren Teil der Geschichte. Chris Stuckmann findet in seinem Video gut gemachte Jump-Scares, die in die Handlung eingebunden sind, wunderbar. Aber diese völlig übertriebene Aneinanderreihung von plumpen Schreckmomenten ruinieren seiner Ansicht nach einen Horrorfilm.

Ich denke, so lässt sich erklären, weshalb Horrorfilme sowohl „Mutproben“ sein als auch psychologische Untiefen aufzeigen können. Das Genre gibt beides her und der Zuschauer kann die eine oder andere Erwartungshaltung einnehmen. Bei The Babadook hat der Trailer wohl bei vielen Zuschauern die Erwartungshaltung „Mutprobe“ hervorgerufen, doch der Grusel konzentrierte sich auf psychologische Untiefen. Dass dann viele enttäuscht sind, ist verständlich. Viele Rezipienten trennen jedoch nicht zwischen enttäuschter Erwartungshaltung und Film. Die sagen dann: „Der Film war scheiße, total schlecht gemacht, man sieht das Monster ja kaum, so ein Dreck!“, und dann kommt zum Schluss von der Tirade ein kleines „also mir hat er nicht gefallen“. Ein lieblos und berechnend aus effekthaschenden Jump-Scares zusammengeworfener Horrorfilm wird hingegen als gut gemacht empfunden, weil man sich möglichst oft erschrocken hat. Solche Filme sind nicht unbedingt schlecht, aber sie bleiben weniger im Gedächtnis. Wenn ich an The Babadook denke, läuft es mir eiskalt den Rücken rauf und runter. Wenn ich an Annabelle denke, weiß ich noch, dass ich die Puppe gruselig fand, aber an ihre Opfer, die eigentlichen Hauptfiguren, kann ich mich kaum noch erinnern. Der Kollege hier auf Moviepilot sieht das jedoch ganz anders:

Enttäuschter Fan auf Moviepilot.de

Enttäuschter Fan auf Moviepilot.de

Auf Filmstarts.de ist die Zuschauerreaktion nicht besser:

Enttäuschter Fan auf Filmstarts.de

Enttäuschter Fan auf Filmstarts.de

Und auch auf kino.de äußern Zuschauer ihren Unmut:

„Alles Mist!“, findet dieser Filmfan auf kino.de

Vielleicht wollen manche Filmfans sich einfach aufregen, wie hier auf kino.de:

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Der Fairness halber: Es gibt auch Zuschauer, die den Film richtig gut fanden:

Begeisterter Fan auf Moviepilot.de

Begeisterter Fan auf Moviepilot.de

Diese Erwartungshaltung ist vergleichbar mit Fastfood-Konsum. Man genießt das Essen nicht, schmeckt keine einzelnen Nuancen heraus (nicht, dass in klassischem Fastfood Geschmacksnuancen wären) und erwartet, dass das immer alles gleich schmeckt. Es geht um die reine, schnelle Nahrungsaufnahme. Angenommen, es würde ein Koch in einer Fastfood-Kette was Neues ausprobieren wollen und Koriander auf den Burger legen. Dann würden auch viele krakeelen, wie scheiße der schmeckt und dass der Koch keine Ahnung hat und gefeuert gehört. Die Jump-Scare-Parade liefert Schock und Horror in immer gleich schmeckenden Häppchen, die nach dem immer gleichen Rezept zusammengeklatscht werden. Das funktioniert, es erfüllt die Erwartungen und ab und zu macht das auch einfach Spaß. Aber auf Dauer lässt es einen nicht wirklich gesättigt und mit einem leeren Gefühl im Innern zurück.

Ich denke, Isabelle hat es hier ganz gut getroffen. Es ist die Frage, auf welche Art und Weise ein Horrorfilm geguckt wird bzw. geguckt werden will: Interessieren mich die Charaktere? Interessieren mich die Motive, das Spiel mit der Spannung, die Ungewissheit etc.? Dann ist es mir egal, wenn das Monster nicht hinter jeder zweiten Ecke hervorspringt, sondern sich nur wenige Male blicken lässt – dafür aber effektvoll. Gehe ich aber ins Kino mit dem Gedanken „Geil ey, Horror und so!1!11!!“, dann denke ich, interessiert mich nicht, wie die Spannung erzeugt wird, sondern nur, dass sie irgendwie da ist, damit der nächste Jump-Scare ordentlich sitzt.

Die oben angesprochene Studie zeigt, dass es den Leuten oft an Einfühlungsvermögen fehle und ich denke, diese Beobachtung deckt sich mit der oberflächlichen Betrachtung des Films: Mir ist egal, was mit den Figuren in der Handlung passiert, solange ich meinen Spaß habe und erschreckt werde. Verallgemeinern kann man das natürlich nicht: Gerade zum Beispiel Slasher-Franchises wie Freitag der 13te, Halloween usw. machen „den Bösen“ zum Star, der der Einzige ist, der in allen Filmen vorkommt. Somit bleibt dem Publikum nichts anderes übrig, als mit dem wahnsinnigen Killer zu sympathisieren. Mitunter hat das noch andere Gründe, zum Beispiel dass die Figuren selber etwas Schlimmes getan haben oder noch tun werden und es nur „recht“ ist, wenn sie weg vom Fenster sind.

Ich will in diesem Zusammenhang kurz den mahnenden Zeigefinger heben: Es scheint unterschiedliche Nutzungsmuster für Horrorfilme zu geben; das ist schon durch den Anfang dieses Artikels klar geworden: Wir haben solche, die sich über jeden Jump-Scare freuen, und wir haben jene, die sich auf einer anderen Ebene mit dem Film beschäftigen. Dennoch meine Frage: Was sagt uns das, wenn wir Filme nur noch für ihr Erschreckpotential gucken? Schauen wir demnächst Actionfilme nur noch für den Bodycount? Dramen nur noch, damit wir weinen können? Werden die Filme also nur noch Mittel zum Zweck? Geht uns die Medienkompetenz flöten? Werden wir zu gelangweilt, zu faul – zu blöd, um Filme in ihrer Gesamtheit zu sehen?

Dazu fällt mir die Poetik des Aristoteles und seine Definition der Tragödie ein:

„Die Tragödie ist Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung von bestimmter Größe, in anziehend geformter Sprache, wobei diese formenden Mittel in den einzelnen Abschnitten je verschieden angewandt werden. Nachahmung von Handelnden und nicht durch Bericht, die Jammer (eleos) und Schaudern (phobos) hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt.“

Demnach soll „Schaudern“, also Horror und Schrecken, beim Zuschauer eine Katharsis (Reinigung) auslösen und ihn von seiner eigenen Angst und seinen negativen Gefühlen befreien. Allerdings kann man Aristoteles auch so verstehen, dass das nur in Kombination mit „Jammer“, also im weiteren Sinne Mitgefühl, funktioniert. Das wäre die Komponente der psychologischen Untiefen, die die Schreckmomente miteinander zu einer Geschichte verknüpfen und dafür sorgen, dass wir uns für die Figuren und ihr Schicksal interessieren. So entsteht ein durchgehender Spannungsbogen.

Ich fürchte, es gibt jedoch tatsächlich viele Menschen, die Filmen gegenüber diese Fastfood-Mentalität an den Tag legen; sie können oder wollen keine Geduld mehr aufbringen, um einer psychologisch präzise erzählten Geschichte zu folgen, die ohne permanente Reizüberflutung auskommt. Ob das ein allgemeiner Trend ist? Ich weiß es nicht. Vielleicht. Mit den neuen Medien, Smartphones und Co. ist unser Leben immer schneller geworden und es prasseln immer mehr Reize gleichzeitig auf uns ein, mit denen wir umgehen müssen. Unsere Wahrnehmung hat sich dem bestimmt ein Stück weit angepasst. Wenn ich zum Beispiel heute Kinderfilme aus den 80ern gucke, die ich als Dreikäsehoch geliebt habe, merke ich, wie ich ungeduldig werde, weil ich das gemächliche Erzähltempo nicht mehr gewohnt bin.

Den Fastfood-Vergleich finde ich auch sehr passend. Zum Abschluss unseres Gesprächs möchte ich auf die Eingangsfrage zurückkommen: Sprechen heutige Horrorfilme eine geistig schwache oder anspruchslose Zielgruppe an? Auch wenn sich dieser Eindruck in alltäglichen Kinosituationen manchmal förmlich aufdrängt, halten wir fest, dass man dem Gros der Horrorfans geistige Kompetenzen zugestehen muss.

Vielmehr sind es irreführende Trailer und vorangegangene Filmerfahrungen der Zuschauer, die falsche Erwartungen davon schüren und verfestigen, wie Horrorfilme aufgebaut sein sollen und zu funktionieren haben. Wenn ein Film wie The Babadook oder It Follows diesen Erwartungen nicht entspricht, da er auf gängige Stilmittel verzichtet und andere Aspekte des Horrors in den Vordergrund rückt, fühlen sich viele Kinobesucher in ihrer Erwartung enttäuscht und reagieren verärgert, genervt und ungeduldig. Das ist schade, wird aber schwer zu ändern sein. Zumindest so lange Filme, die sich eines immer gleichen Musters bedienen, weiterhin so massentauglich vermarktet und gewinnbringend produziert werden, oder?

Das denke ich auch. Es wäre schöner, wenn die Trailer Erwartungen schürten, die der Film später auch erfüllt, damit jeder Film das Publikum bekommt, das er verdient. Aber Trailer sind immer eine Form von Werbung und die funktioniert leider nicht mit Ehrlichkeit. Niemand kauft einen Schokoriegel, der mit „macht fett und fördert Pickel“ oder ein Waschmittel, das mit „entfernt einen Teil der Flecken, die noch nicht eingetrocknet sind“ beworben wird.

Ja, ein Trailer ist eine Form von Werbung, und je nachdem, wie der Trailer aufgebaut ist, kann man dann auch ahnen, wie und wo der Hase lang läuft: Zeige ich in meinem Film eine Person, der Schlimmes passiert? Oder zeige ich erschreckende Momente? Ich gebe meinen Vorrednern abschließend recht. Es wäre interessant zu wissen bzw. genauer zu beobachten, ob man eine solche „Bewegung“ auch in anderen Genres feststellen kann, oder ob sich das doch (wir denken an die „Mutprobe“) nur auf den Horrorbereich bezieht.

Mit diesen Schlussworten möchten wir das Wort an euch weiterreichen. Schreibt uns euer Feedback in die Kommentare. Natürlich freuen wir uns über jeden Like, Re-Blogg und sonstigen Social-Media-Kram und hoffen auf eine nette Diskussion: Wie sind eure Erfahrungen mit Horrorfilmen und -fans und welche Erwartungen habt ihr selbst an Horrorfilme? Nennt uns eure Favoriten und absoluten Rohrkrepierer oder was euch sonst so zum Thema und/oder unserem Artikel auf dem Herzen liegt.

P. S.: Mehr zum Thema „Psychologie und Horror

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55. Stück: „Gone Girl“ von Gillian Flynn und die doppelte Ich-Perspektive

Nachdem mich der Film Gone Girl von David Fincher so gefesselt hat, wollte ich unbedingt das Buch von Gillian Flynn lesen. Die Verfilmung ist sehr gelungen, doch die literarische Vorlage ist noch besser. Man erfährt einfach noch mehr über die Motive, Gedanken und Gefühle der Figuren. Was ich besonders hervorragend fand, war der Einsatz der doppelten Ich-Perspektive im Roman Gone Girl. Das wird zwar im Film übernommen, kommt jedoch im Buch noch deutlicher zum Ausdruck. Es ist ja nicht immer ganz einfach, eine Geschichte aus der (beschränkten) Sicht einzelner Figuren zu erzählen. Das kann schnell daneben gehen, wenn diese Figuren nicht absolut präzise, vielschichtig, facettenreich, überraschend, geheimnisvoll, nachvollziehbar und individuell charakterisiert worden sind.

Ein Beispiel für eine misslungene doppelte Ich-Perspektive bietet der letzte Teil von Veronica Roths Divergent-Trilogie. Dort ist nie klar, ob nun Tris oder Four gerade die Geschichte erzählen, weil ihr Sprachstil sich zu stark ähnelt. Außerdem erscheinen ihre Gedanken, Gefühle, Gewissensbisse und Probleme zu ähnlich und werden auf zu ähnliche Weise von beiden gehandhabt. Da kommt man als Leser nicht nur durcheinander, es ist auch sehr langweilig und verdirbt viel Spannungspotential. Der Inhalt ist zwar trotzdem fesselnd, sodass die Buchreihe dennoch lesenswert ist. Aber man hätte mit etwas mehr schriftstellerischem Geschick noch mehr daraus machen können.

Wie das gelingt, zeigt also Gillian Flynn in Gone Girl. Wer die Geschichte noch nicht kennt und das Buch noch lesen oder den Film noch sehen will, sollte lieber nicht weiterlesen. Bei der Beschreibung der doppelten Ich-Perspektive muss ich vermutlich ziemlich viel spoilern.

Im ersten Teil stehen Nicks Schilderung des Geschehens und Amys Tagebucheinträge gleichberechtigt neben- und gegeneinander. Beide Ich-Erzähler buhlen um die Sympathie des Lesers – beide Figuren sind selbst Autoren/Schriftsteller und das spiegelt sich auch in ihrer Sprache wider. Sie erzählen die Ereignisse aus ihrer Sicht, haben dabei jedoch stets offenkundig ein Publikum im Hinterkopf. Das sollte immer bei Romanen der Fall sein, egal aus welcher Perspektive geschrieben wird. Doch bei der Ich-Perspektive muss das, sofern die Figuren nicht selbst auch Schriftsteller oder Geschichtenerzähler sind, verdeckt geschehen. Dass das hier nicht nötig ist, ist raffiniert und unterstützt die Spannung der Frage, was denn nun stimmt und was nicht.

Ist man jedoch darauf angewiesen, den Bezug von der intradiegetischen (innerhalb der erzählten Welt) Figur zur extratextuellen (außerhalb der erzählten Welt) Leserschaft zu verstecken, läuft man Gefahr, dass der Leser sich nicht so gut mit der Figur identifizieren kann. Identifikation ist jedoch unverzichtbar, um Spannung und Unterhaltung zu kreieren. Schließlich soll es dem Leser nicht völlig egal sein, was mit den Figuren in der Geschichte passiert. Man muss die Figur nicht mögen, aber man muss sie zumindest ansatzweise verstehen und ihre Motive nachvollziehen können. Dann kann man selbst entscheiden, ob man die Art und Weise, wie sie ihre Motive verfolgt und umsetzt persönlich ablehnt oder gut findet. Die Ich-Perspektive mit verdecktem Publikumsbezug ist beispielsweise in Suzanne Collins‘ Hunger Games-Trilogie überaus gelungen. Man fiebert mit, was mit Katniss Everdeen passiert, ohne dass sie den Leser direkt anspricht, mit einbezieht oder sich für seine Meinung interessiert.

In Gone Girl hingegen versuchen beide Ich-Erzähler, den Leser auf ihre Seite zu ziehen. Ein wenig kommt man sich als Leser vor wie ein Kind inmitten eines fiesen Sorgerechtsstreits. „Du willst doch lieber bei der Mama wohnen, wir finden den Papa voll doof, oder?“ – „Bei der Mama kannst du aber nicht so viel Playstation spielen wie du möchtest und beim Papa gibt’s jeden Abend Pizza zum Abendbrot“ und so weiter.

Auf der einen Seite gibt es Nick, der eigentlich aus seiner Ehe herauswill, der seine Frau Amy nicht mehr erträgt, sich ihr nicht gewachsen sieht. Aber auch ein ganz normaler Feigling ist, der sich nicht so recht aus seiner Komfortzone heraustraut. Manchmal bringt er einen (besonders als weibliche Leserin) zum Augenrollen, dann wieder hat man Mitleid, kann ihn verstehen und findet ihn sympathisch.

Amy stellt sich in ihren Tagebucheinträgen als romantisch, naiv, verträumt und bis über beide Ohren verliebt dar. Wenn sie schildert, wie die Ehe immer schlimmer, Nick immer respektloser, gemeiner, aggressiver wird und sie nur noch vernachlässigt und wie Dreck behandelt, bekommt man Mitleid mit ihr, kann sie verstehen, findet sie sympathisch. Das Bild von Nick bekommt durch Amy erhebliche Kratzer. Das Bild von Amy bekommt durch Nick, wenn schon keine Kratzer, so doch zumindest viele Fragezeichen verpasst.

Am Ende vom ersten Teil steht es 1:0 für Amy. Nick hat sich als Lügner entpuppt, der dem Leser eine Affäre verheimlicht hat, außerdem wenden sich langsam nicht nur seine Schwiegereltern, sondern auch seine Zwillingsschwester – mit der er ein Herz und eine Seele normalerweise ist – von ihm ab beziehungsweise fangen an, an seiner Unschuld zu zweifeln. Der Leser verliert an Vertrauen in Nicks Perspektive, gewinnt jedoch an Vertrauen in Amys Darstellung der Ereignisse. Der Verdacht, Nick könnte tatsächlich seine Ehefrau umgebracht haben und verschwinden lassen, erhärtet sich. Seine Ich-Perspektive wird unzuverlässig.

Dann kommt der zweite Teil und schlagartig wird dem Leser klar: Amy hat ihn mit ihrer Ich-Perspektive in den Tagebüchern die ganze Zeit verarscht, an der Nase herumgeführt und manipuliert. Der Leser sollte sie ins Herz schließen und an Nicks Rechtschaffenheit zweifeln – und das ist ihr gelungen. Nun sind die beiden Perspektiven wieder gleichberechtigt in der Publikumsgunst und es steht nicht mehr die Frage im Vordergrund „War er’s oder war er’s nicht?“, sondern „Wie kommt Nick aus der Nummer bloß wieder heraus?“ sowie „Wird Amy erwischt?“

Die Sympathie oszilliert zwischen Nick und Amy – Einerseits hat sich Nick wirklich wie ein dämlicher Idiot benommen und sich rücksichtslos egoistisch aufgeführt und somit ist man auch ein kleines bisschen schadenfroh. Andererseits: So eine gemeine, harte Strafe hat er nun auch wieder nicht verdient, schließlich droht ihm nun die Todesstrafe, obwohl er nichts wirklich Schlimmes getan hat. Im Gegenzug muss man Amys Plan dann aber doch bewundern und irgendwie ist sie in ihrer zynischen Kaltschnäuzigkeit und eiskalten Analyse zwischenmenschlicher Beziehungen auch sehr witzig und unterhaltsam. Nichtsdestoweniger ist sie natürlich eine knallharte Superpsychopathin, die auch nicht vor Mord zurückschreckt, um ihren Willen durchzusetzen. Während sie getrennt sind, Nick um sein Leben fürchten muss und Amy erkennt, dass das Leben ohne Nick irgendwie doch nicht so toll ist, kommen sich die beiden näher. Nick wächst über sich hinaus, kommt aus seiner Lethargie heraus und Amy wird durch die Rückschläge während ihres Alleingangs ein wenig demütiger.

Wenn Amy im dritten Teil zu Nick zurückkehrt, ist er stärker geworden und sie ein bisschen schwächer. Sie sind plötzlich gleichberechtigte Gegner, die sich auf einer Stufe treffen. Dennoch belauern sich die beiden wie zwei feindliche Raubkatzen und der Tango wird weitergetanzt. In den Ich-Perspektiven wird klar, wie Nick zunächst noch versucht, Amy zu überlisten und zu überführen. Amy durchschaut das und hat natürlich entsprechende Vorkehrungen getroffen. Sie kriegt ihn schließlich mit einer tatsächlichen Schwangerschaft. Nick glaubt nun, aus der Ehe nicht mehr heraus zu können wegen des Babys und es scheint, als hätte Amy schließlich gewonnen. Doch Nicks letzter Beitrag zeigt ihn letztendlich als gleichberechtigten Partner für Amy, vor allem aber als den einzig möglichen Partner. Amys letzter Beitrag hingegen zeigt sie nach wie vor als Opfer ihrer Unsicherheiten – was sie nicht minder gefährlich macht.

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42. Stück: Theater, Kultur und das Internet

Vor einiger Zeit hatte ich in einem bekannten sozialen Netzwerk einmal eine interessante Diskussion mit einer Theatermacherin über die Vor- und Nachteile des Internets für die Theaterkunst. Sie sah im Internet eine Gefahr für die Kultur im Allgemeinen und die Theaterkunst im Besonderen und befürchtete, dass das Theater und die Kultur durch das Internet an Wert verlieren könnten. Ich habe den Eindruck, gerade im Bereich der „alten“ Medien gibt es nach wie vor ein großes Misstrauen gegenüber den „neuen“ Medien. Das ist wohl eine Art Konkurrenzdenken und es herrscht vielleicht unterschwellig die Angst vor, dass die neuen Medien die alten verdrängen könnten. Diese Angst gab es in der Vergangenheit häufiger als das Kino das Theater zu verdrängen drohte, als das Fernsehen das Kino zu verdrängen drohte und aktuell muss sich das Fernsehen gegen die Konkurrenz Internet wehren. Auf der anderen Seite gibt es das Theater, das Kino und das Fernsehen immer noch, trotz des Internets.

Mein Standpunkt in der Diskussion war, dass nicht alles, was neu und ungewohnt ist, automatisch schlecht sein und das Alte verdrängen muss. Schließlich kann man sich das Neue doch auch mit einer gewissen Neugier anschauen und gucken, wie man das für sich nutzen kann. Es muss doch nicht immer jeder in seiner eigenen Soße herumbrutzeln, sondern man kann doch auch mal interdisziplinär und medienübergreifend zusammenarbeiten und Mischformen finden. Oder man nutzt das Internet, um sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Das ist nämlich eine große Gefahr bei den Traditionalisten unter den Kulturschaffenden, dass sie ihr eigenes Süppchen kochen und sich für Dinge, die außerhalb dessen existieren, nicht interessieren. Ich finde das schade, denn schließlich ist es doch das Wesen der Kunst, Horizonte zu erweitern, neue Perspektiven aufzuzeigen, kontroverse Standpunkte zu diskutieren und die Welt ein kleines bisschen bunter, lebendiger und vielfältiger (und damit auch toleranter und offener) zu machen. Zumindest sehe ich das so.

Ein wunderbares Beispiel, wie Kulturschaffende von den neuen Medien, insbesondere dem Internet und seinen sozialen Netzwerken, profitieren können, ist die sogenannte „Revolution der Künstler“ mit ihrem „art but fair“-Logo, die sich in den letzten Monaten in rasender Geschwindigkeit entwickelt hat. Angefangen hat die Bewegung mit einer Facebook-Seite über „Die traurigsten und unverschämtesten Künstler-Gagen und Auditionerlebnisse“ und inzwischen haben sich mehr als 9000 Sympathisanten und Leidensgenossen aus den unterschiedlichsten künstlerischen Disziplinen zusammengefunden, die gemeinsam für faire Arbeitsbedingungen im Kunst- und Kulturbereich eintreten wollen.

Letztes Jahr hatte ich mir ja bereits in meinem Essay über die Situation der Schauspieler ein Gedankenspiel ausgedacht, was wäre, wenn einfach mal alle Schauspieler und Kulturschaffenden streiken würden. Es scheint leider in der menschlichen Natur zu liegen, schöne Dinge erst zu schätzen, wenn einmal der Verlust derselben miterlebt wurde. Sonst hält man sie offenbar für selbstverständlich und was selbstverständlich ist, ist nicht kostbar, also auch nichts wert. Das ist zwar blöd, aber so ist das halt. Es muss ja auch kein Generalstreik sein, aber dass zumindest mal in irgendeiner Weise darauf aufmerksam gemacht wird, in aller Deutlichkeit, dass Kunst, Kultur, Theater und Medien überlebenswichtig sind, egal um welche Branche oder Disziplin es sich handelt. Wir sitzen da ja ohnehin alle in einem Boot, ob wir uns jetzt bloggend, singend, schreibend, darstellend, organisierend oder forschend mit den Themen Theater, Kunst, Kultur und Medien auseinandersetzen, das wird ja alles als Spaß an der Freude betrachtet, anstatt als „vernünftiger Broterwerbsjob“. Dabei sollte es doch möglich sein, Freude am Tun und angemessene Entlohnung zu vereinen. Wie dem auch sei, man kann ja so idealistisch sein, wie man will, wenn man da allein gegen Windmühlen kämpft, kann man die Aussicht auf Erfolg aber auch gleich mal wieder vergessen. Und jetzt kommt das Internet ins Spiel. Durch das Internet können Menschen kostenlos ihre Gedanken unter die Leute bringen (zugegebenermaßen ist das gleichzeitig Segen und Fluch), ihr Können zeigen, Werbung für sich machen, Aufmerksamkeit erregen und durch die sozialen Netzwerke auf Gleichgesinnte treffen und sich mit ihnen zusammentun. Es ist denke ich wichtig, dass Kulturschaffende jeder Sparte an einem Strang ziehen und sich gegenseitig helfen, mit Rat und Tat zur Seite stehen, dass erfahrene Profis den Anfängern dabei helfen, sich nach dem Abschluss oder auch schon während der Ausbildung zu orientieren. Die müssen ja auch erst einmal lernen, seriöse Angebote von Abzocke-Angeboten zu unterscheiden, lernen, wie viel Gage sie verlangen können und sollten, was zu den Bewerbungsunterlagen unbedingt dazugehört, und so weiter. Diese ganzen unsexy Notwendigkeiten, ohne die keiner einen Fuß in die Tür bekommt. Und man muss wissen, bis wann ist es OK, Studentenjobs und Praktika zu machen oder Projekte mit Freunden, um Erfahrung zu sammeln. Irgendwann kommt nämlich der Punkt, da hat man dann erstmal genug gelernt, genug Kontakte geknüpft und sich vernetzt, und dann muss man anfangen, Geld zu verdienen, ganz profan. Da ist man als Anfänger noch ganz orientierungslos, aber im Internet kann man sich mit „alten Hasen“ beraten und diese wiederum können von den jungen Leuten neue Impulse und Ideen bekommen. Da kann man sich gegenseitig helfen und inspirieren.

Ich weiß, ich schmeiß hier gerade übelst mit metaphorischen Gänseblümchen durch die Gegend, aber ich halte das einfach für keine gute Idee, neue Medien zu verteufeln, anstatt sich mal mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen, die sich durch eine Verknüpfung von Altem und Neuem ergeben können. Übrigens finde ich auch, dass das Internet nicht nur Möglichkeiten für Kulturschaffende untereinander bietet, sondern auch die Kommunikation zwischen ihnen und dem Publikum ganz neue Wege gehen kann. Das Thalia Theater in Hamburg ist da teilweise schon sehr innovativ. So haben beispielsweise Zuschauer die Möglichkeit, über die Stücke, die sie dort gesehen haben, auf deren Homepage eine Kurzkritik oder einen Kommentar zu schreiben. Oder letztes Jahr gab es ein – wie ich finde – ziemlich interessantes Experiment. Da durften die Zuschauer teilweise über das Internet drei Stücke auswählen, die auf den kommenden Spielplan gesetzt wurden. Es gab zwar reichlich Genörgel von Theaterkritikern, weil sie das für eine doofe Idee hielten, ich weiß aber gar nicht warum. Vermutlich, weil das Fußvolk ja gar nicht genug Ahnung hat, um entscheiden zu können, was es sehen will, oder etwas in der Richtung. Ich finde das super, denn auf diese Weise weckt man das Interesse des Publikums am Theater. Und wenn sie Stücke wählen, die kein vernünftiger Dramaturg jemals ausgesucht hätte, kann das doch eine wunderbare Möglichkeit sein, auch künstlerisch einmal über den Tellerrand zu gucken.

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36. Stück: Narrative Aspekte im Improvisationstheater nach Keith Johnstone oder wie improvisiert man eine Geschichte?

Themen meiner mündlichen Prüfung, Folge 2: „Narrative Aspekte im Improvisationstheater nach Keith Johnstone“. Folge 1 „Das Unheimliche in E.T.A. Hoffmanns Nachtstücken“ gibt’s hier.

Wer schon einmal eine Vorstellung von Improvisationstheater miterlebt hat, weiß, dass es dabei oft sehr lustig zugeht. Das liegt vermutlich daran, dass die einzelnen improvisierten Szenen in der Regel recht kurz sind und somit an Sketche erinnern, die im Grunde so was wie gespielte und dargestellte Witze sind. Was Keith Johnstone jedoch eigentlich im Sinn hatte, als er anfing sein Konzept des Theatersports zu entwickeln, war das Erzählen von Geschichten. Seiner Ansicht nach (und auch meiner) bleibt von einem Improvisationsabend nichts haften, wenn den Szenen eine Grundlage fehlt und sie einfach nur billige Gags aneinander reihen. Diese Grundlage stellt die Geschichte dar.

Nun ist es ja beim Improvisationstheater anders als in der Literatur, im Film oder im Drama, da die Geschichten nicht schon feststehen, sondern erst auf der Bühne unmittelbar in dem Moment entstehen. Während man also bei Drehbüchern, literarischen Texten und Dramen die verschiedenen Ereignisse, Handlungen und Geschehen immer wieder neu und anders ordnen und störende, unpassende Elemente wieder streichen oder neue hinzufügen kann, hat man diese Möglichkeit beim Improvisationstheater nicht. Das Erzählen von Geschichten funktioniert hier also ein wenig anders. Man kann nicht planen und sollte das auch am Besten gar nicht erst versuchen, da man sonst seine eigene Fantasie und die seines Spielpartners bremst.

Johnstone hat sich daher eine Reihe von Spielen, Tricks und Übungen ausgedacht, die die Fantasie der Spieler beflügeln und die spontane Kreativität anregen. Dabei sollten die Spieler aber auch „da sein“, also im Moment hellwach sein und nicht vorausdenken, da sie sonst nicht mehr darauf achten können, was ihr Partner macht. Auf diese Weise können durch das Akzeptieren von (Spiel-)Angeboten Handlungen in Gang gebracht werden. Johnstone spricht hierbei davon, eine Routine zu etablieren. Durch neue (Spiel-)Angebote und das Akzeptieren derselben wird die Routine durchbrochen und eine neue Routine entsteht, die wiederum durchbrochen wird. Da aber aneinandergereihtes Geschehen ohne Kausalzusammenhang noch keine Geschichte ergibt, müssen diese einzelnen Elemente miteinander logisch und folgerichtig verknüpft werden. Daher wehrt Johnstone auch jegliche Versuche seiner Schüler ab, „originell“ sein zu wollen. Weil man damit auf Klischees zurückgreift, anstatt bei einer Handlung zu bleiben und diese so weit wie möglich voranzutreiben. Eine weitere Empfehlung ist, die Handlung auf der Bühne im Hier und Jetzt stattfinden zu lassen. Es ist spannender, Leute auf einer Party zu sehen, als Leute zu sehen, die sich über die Party von letzter Nacht unterhalten.

Das Unterbrechen einer Routine und das Herstellen von Zusammenhängen sind also wichtige narrative Aspekte im Improvisationstheater. Johnstone nennt das Etablieren einer Routine die „Plattform“ und das Unterbrechen der Routine „Kippen“. Wichtig hierbei ist, dass das Kippen die Spieler verändert, sonst wurde die Routine nicht wirklich unterbrochen. Die Plattform ist wichtig, damit von ihr das Kippen unterschieden werden kann. Wenn die Spieler mit einem Sofort-Problem oder gleich mit einem Konflikt die Bühne betreten, ist es sehr schwierig, daraus noch eine Handlung und eine Geschichte zu entwickeln. In der Erzähltheorie spricht man hierbei von einer Zustandsveränderung. Eine Geschichte ist allerdings erst fertig, wenn es ein Ende gibt. Natürlich sind auch offene Enden denkbar, aber da die Szenen beim Improvisationstheater kurz und knackig sind, ist es hierbei oft effektiver, wenn man in einer Schlusspointe etwas vom Anfang wieder aufgreift. Damit schließt sich der Kreis und der Zuschauer freut sich.

Die (Spiel-)Angebote lassen sich noch weiter ausdifferenzieren. So gibt es Kontrollangebote, wenn der Spieler, der das Angebot macht bereits das ganze Problem und die ganze Situation ausformuliert und dem Mitspieler keine Möglichkeit mehr lässt, noch etwas hinzuzufügen. So kommt natürlich keine Handlung und schon gar keine Geschichte zustande. Das ist so, als würde man in einem Interview nur „Ja“- und „Nein“-Fragen stellen. Dann kann man langweilige und spannende Angebote machen. Ein langweiliges Angebot muss aber keine langweilige Szene zur Folge haben, erst Recht nicht, wenn man diese über-akzeptiert. Ein Improvisationsspiel, mit dem man das Über-Akzeptieren langweiliger Angebote trainieren kann, ist das Spiel „Es ist Dienstag“. Der Name des Spiels bezieht sich hierbei auf ein besonders langweiliges Angebot. „Welchen Tag haben wir heute?“ – „Es ist Dienstag“. Und das kann nun mit einer übertriebenen emotionalen Reaktion über-akzeptiert werden. Die meisten Improvisationsspieler werden dann verzweifelt oder wütend („Dienstag!? Das sagst du mir JETZT!? Heute habe ich doch meine Prüfung, davon hängt der ganze restliche Fortlauf meines Lebens ab und du sagst, es ist Dienstag!?“), aber man kann natürlich auch extrem traurig oder fröhlich werden. Wenn man mit seiner Tirade fertig ist, macht man wiederum ein langweiliges Angebot, z. B. „Ist noch Kaffee da?“, woraufhin der andere durchdreht. Das ergibt ohne Kausalzusammenhang zwar noch keine Geschichte, trainiert aber das Machen und Akzeptieren von Angeboten und macht Spaß. Ein spannendes Angebot wäre zum Beispiel, wenn der eine Spieler andeutet, dass der andere aus dem Gefängnis oder einer Anstalt für psychisch gestörte Schwerverbrecher entflohen ist („Johnny, haben sie dich entlassen? Ich dachte du hättest lebenslänglich!“). Eine weitere Übung ist, dass einer langweilige Angebote macht und der andere sie akzeptiert und seinerseits ein spannendes Angebot macht. Auch sehr unterhaltsam. Schließlich gibt es noch blinde Angebote, bei der der eine Spieler überhaupt nichts festlegt und alles offen lässt, zum Beispiel, indem er seinem Mitspieler etwas hinhält und sagt: „Halt mal kurz“. Dann muss der Mitspieler definieren, worum es sich handelt und kommt gar nicht darum herum, seine Fantasie und Kreativität anzukurbeln. Das kann man beispielsweise mit dem Geschenke-Spiel trainieren. Ein Spieler schenkt einem anderen etwas, ohne anzudeuten, was es ist. Der andere muss dann dadurch, dass er seine Arme weiter ausbreitet oder mimt, dass etwas sehr schwer ist, definieren, was er geschenkt bekommen hat. Dann schenkt er dem ersten wieder etwas und so fort. Das ergibt allerdings noch keine Geschichte.

Eine weitere, sehr schöne Übung, um seinen Spielpartner definieren zu lassen, worum es geht und gleichzeitig eine Geschichte entstehen zu lassen, ist das „Stimmchen-Spiel“. Ein Spieler versteckt sich hinter dem Vorhang und ein anderer Spieler betritt die Bühne. Wichtig ist, dass der Spieler, der die Bühne betritt nicht darauf wartet, dass das Stimmchen von dem Spieler aus dem Off kommt. Sonst ist er nicht im Moment und fängt an zu planen und macht sich seine Fantasie und Kreativität kaputt. Der Spieler auf der Bühne ist also mit einer Tätigkeit beschäftigt, vielleicht sucht er Pilze im Wald oder räumt seine Wohnung auf oder kocht sich Abendessen. Dann wird er in dieser Tätigkeit von dem Stimmchen unterbrochen (Unterbrechen der Routine, Kippen der Plattform). Dann muss er definieren, worum es sich bei dem Stimmchen handelt. Im Wald kann er zum Beispiel einer sprechenden Maus begegnen. Beim Wohnungaufräumen trifft er vielleicht auf eine Kakerlake, die seine Hilfe braucht. Und beim Abendessen kochen kann das Gemüse ihn darum bitten, sein Leben zu verschonen. Das für den Zuschauer unsichtbare Wesen, dem das Stimmchen gehört, muss also definiert werden und dann muss auch diese Routine, die Begegnung mit dem Wesen, unterbrochen werden. Das kleine Wesen hat dann ein Problem und braucht Hilfe oder es ist wütend und auf Rache aus. Auch hier ist es wichtig, dass die Spieler definieren, worum es geht, da sie sonst durch das Hinauszögern einer Entscheidung den Handlungsverlauf zum Stocken bringen. Enden tut die Szene dann zum Beispiel, indem die Anfangstätigkeit wieder aufgegriffen wird, nachdem das Problem gelöst wurde.

Auch beim Stimmchenspiel ist der Kausalzusammenhang für das Entstehen einer Geschichte unerlässlich. Das heißt, dass Geheimnisse, die aufgebaut wurden, aufgeklärt werden müssen und Konflikte, die etabliert wurden, gelöst und zuende geführt werden. Wenn Elemente eingeführt werden, die für die Handlung keinen Sinn ergeben, ist das ein gebrochenes Versprechen an das Publikum, das darauf mit Enttäuschung reagiert. Im Improvisationstheater ist es meistens üblich, dass man das Publikum mit einbezieht, indem man es um Vorschläge bittet. Johnstone rät davon ab, weil Zuschauer oft originell sein wollen und dann auf die Frage nach einem Ort „Auf dem Klo“ antworten, womit man nicht wirklich viel anfangen kann. Wenn man die Zuschauer um Vorschläge bittet, sollte man also nur die Vorschläge aufgreifen, mit denen man auch etwas anfangen kann und seine Versprechen auch einlösen.

Ich liebäugele schon seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, ob sich dieses Prinzip des spontanen Geschichte-Erzählens nicht auch auf das Medium Internet und die sozialen Netzwerke übertragen lässt. Vielleicht teste ich das demnächst einfach mal auf meiner Facebook-Seite, dass ich ein paar Vorschläge der User (das Publikum im Internet) sammle und dann durch das Etablieren und Durchbrechen einer Routine und das Wiederaufgreifen von eingeführten Elementen daraus eine Geschichte spinne …

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32. Stück: Zur unsinnigen Trennung von E- und U-Kultur

Wir Deutschen sind alles in allem ein ziemlich kauziges Völkchen. Wir finden immer alles „schlimm“, insbesondere Benzinpreise, und überhaupt ist das Leben ja auch kein Ponyhof und eine überaus ernstzunehmende Sache. Vielleicht ist deswegen eine unserer wohl merkwürdigsten Eigenheiten, dass wir alles in unserer Kultur in E(rnst) und U(nterhaltsam) zerteilen. Schließlich muss man sich ja an irgendetwas orientieren, damit man sich im Chaos dieser „schlimmen“ Welt zurechtfindet. Und das geht ganz besonders prima, wenn man den Umstand ignoriert, dass besagte Welt nicht einfach nur aus zwei unvereinbaren, sich feindlich gegenüber stehenden Dichotomien besteht, sondern aus einer unübersichtlichen Vielzahl von Zwischenzuständen, dass es nicht nur ‚Schwarz‘ und ‚Weiß‘ gibt, sondern auch noch ein Sammelsurium an Grautönen, Farben und verschiedensten Nuancen. Da kann einem schon schwindelig werden. Dann lieber alles schön in zwei Schubladen stecken, Etikett für alle Ewigkeiten drauf kleben und jeder weiß Bescheid.

So verständlich das alles auch sein mag, ich finde das langweilig. Und borniert. Dumm. Ärgerlich. Das führt nämlich dazu, dass plötzlich nur noch als ‚Kunst‘ angesehen wird, was so wenig Spaß und Freude wie nur irgend möglich bereitet. Je weniger zugänglich, desto höher der Kunstfaktor. Wenn etwas auch nur annähernd im Verdacht steht, unterhaltsam sein zu wollen, kommen die ganzen Kunstrichter aus ihren Löchern gekrochen und rümpfen arrogant das empfindliche Näschen, wie das Murmeltier ‚Phil‘ am 2. Februar und sagen schlechtes Wetter voraus. Igitt, das ist ja Unterhaltung, Pfui! – spucken sie dann von ihrem Podest auf den Pöbel herab.

Gibt es irgendwann nicht mehr die Möglichkeit, eine von den Halbgöttern der selbsternannten und anerkannten Kulturexperten als ‚Unterhaltung‘ abgewertete Gattung, weiterhin als solche zu ‚diffamieren‘, wird einfach ein neuer Fachbegriff in die Runde geworfen, der es erlaubt, die Trennung zwischen E- und U-Kultur aufrecht zu erhalten. So nennt man jetzt gezeichnete Geschichten, die was fürs Fußvolk und somit der ‚Unterhaltung‘ zuzurechnen sind, weiterhin „Comics“ und gezeichnete Geschichten, die wegen literarischer Vorlagen oder wegen ihrer offensichtlichen und anerkannten historischen oder politischen Themen als ‚Ernst‘ betrachtet werden können, „Graphic Novels“. Hurra! Da freut sich das Kunstrichter-Herz, Weltbild bleibt trotz Paradigmenwechsels im Kunstverständnis der Allgemeinheit weiterhin intakt. Dass die allgemein als „Comics“ arrogant von oben herab abqualifizierte Reihe der Lustigen Taschenbücher ebenfalls immer wieder anerkannte Meisterwerke der Literaturgeschichte zeichnerisch adaptiert (so geschehen mit Die Leiden des jungen Werther von Goethe, Der geteilte Visconte von Italo Calvino oder auch Krieg und Frieden von Tolstoi) wird geflissentlich ignoriert. Dass die als Kindergeschichten und somit ebenfalls als „Comics“ beleidigten Abenteuer von Asterix und Obelix, Tim und Struppi oder Johan und Pfiffikus ebenfalls historische Fakten aufbereiten und politische Fragestellungen verhandeln, wird genauso wenig beachtet. Dabei ist doch genau das gerade spannend: Wo verbergen sich ‚ernste‘ Themen hinter einer Maske von ‚Unterhaltung‘ und wo ist das ‚Unterhaltsame‘ an prinzipiell ‚ernsten‘ Sachverhalten?

Dinge, die NUR das Eine ODER das Andere sind, sind eindimensional und langweilig. Ich bin mir aber sicher, dass sich in den meisten kulturellen und künstlerischen Erzeugnissen, sowohl ernste, als auch unterhaltsame Elemente und Aspekte finden lassen. Man muss nur mal mit ein wenig Neugier und freundlich gesinnter Offenheit diese Erzeugnisse betrachten und bereit sein, sich überraschen zu lassen und Dinge zu entdecken, die man nicht erwartet hätte. Gegebenenfalls muss man auch erkennen, dass man wider Erwarten doch voreingenommen war und dass man seine für gegeben anerkannten Meinungen und Standpunkte doch noch mal relativieren muss. Das allein macht nämlich schon Spaß und Freude und ist ‚unterhaltsam‘. Einfach nur zu gucken, in welche Schublade man etwas stecken und welches Etikett man draufkleben kann, um vor den anderen elitären Snobs als wahrer Kunstkenner dazustehen, ist fürchterlich langweilig. Und borniert. Dumm. Ärgerlich.

Nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch noch das andere Extrem, dass man versucht, reine ‚Unterhaltung‘ zu machen und alles ‚Ernste‘ auszuschließen. Zuletzt ist mit diesem Versuch Thomas Gottschalk grandios gescheitert. Keiner wollte seine Talkshow sehen. Meiner Meinung nach lag es daran, dass sich alle – inklusive Gottschalk selbst – auf den Unterhaltungsfaktor vom Entertainment-Gott(schalk) verlassen und dabei vollkommen ausgeblendet haben, dass man auch ruhig über tatsächliche Inhalte und ‚ernste‘ Themen in einer trotzdem unterhaltsamen Vorabend-Talkshow reden kann. Dass man sich auch ruhig etwas dabei denken darf und auch gerne ein Konzept hinter dem Ganzen stehen mag. Auch Dieter Bohlen macht allmählich diese Erfahrung, DSDS befindet sich derzeit in einer Zuschauerkrise. Das ist auch kein Wunder, hat uns doch The Voice of Germany kürzlich demonstriert, wie ‚unterhaltsam‘ tatsächlich qualitativ hochwertige Gesangswettbewerbe, eine faire Behandlung ‚ernst‘ zu nehmender Kandidaten und wirklich vorhandene Begabung sein können. Bohlen orientiert sich dementsprechend um und versucht schon die Kleinsten mit seinem neuen Format DSDS Kids zu ködern und sie mit der Aufrechterhaltung des Grabens zwischen E- und U-Kultur zu indoktrinieren. Wir werden sehen, ob er damit Erfolg hat. Vermutlich ja. Die armen Kinder. Und armes Deutschland.

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31. Stück: Ohne Kultur geht die Welt zugrunde

Einstein soll einmal Folgendes gesagt haben: „Zwei Dinge sind unendlich. Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht so sicher.“ In letzter Zeit fühlen sich wieder einmal ein paar Kulturbanausen bemüßigt, die Stimmigkeit dieses Bonmots mit hanebüchenen Forderungen und polemischer Aufbereitung gefährlichen Halbwissens unter Beweis zu stellen. Die staatlichen Subventionen für Kunst und Kultur sollten um 50% gekürzt werden und überhaupt, wozu brauchen wir dieses vielfältige kulturelle Angebot, da können wir doch ruhig einfach mal Museen und Theater schließen, das stört doch keinen, das merkt doch keiner.

Wirklich nicht?

Dass darüber jetzt ernsthaft diskutiert wird und diesen wichtigtuerischen, selbstgerechten Hanswürsten auch noch eine Bühne geboten wird, finde ich extrem ärgerlich. Deswegen nenne ich hier auch keine Namen und Titel, weil ich keine Lust habe, diesen Pappnasen auch noch Publicity zu bescheren. Das fehlte ja gerade noch. Dass die Gefahr besteht, mir meinerseits nun gefährliches Halbwissen zu unterstellen, da ich mich zugegebenermaßen weigere, für dieses grobe Unfugsgeschreibsel auch nur eine Sekunde meiner Lebenszeit zu opfern, ist mir hierbei durchaus bewusst und nehme ich billigend in Kauf. Tatsache ist, dass besagte Schwachköpfe mit ihren Thesen nicht auf taube Ohren stoßen, sondern offensichtlich eine Debatte aufgreifen, die zurzeit in Deutschland in der Luft liegt. Höchste Zeit also, dass meine Wenigkeit sich der Frage nach dem Nutzen von Kultur und staatlichen Subventionen derselben widmet.

Es ist so: Ohne Kultur geht die Welt zugrunde. Nicht mehr und nicht weniger. Eine Welt ohne Museen, Theater, Archive und Kinos ist eine Welt ohne Geschichten und somit eine Welt ohne Geschichte. In einer Welt ohne Geschichte, ohne Vergangenheit, gibt es aber nur die Gegenwart, in der wir gezwungen sind, alles auf immer und ewig zu wiederholen. Ohne Kultur gibt es kein kollektives Gedächtnis, keine Erinnerung mehr, nur noch kollektive Amnesie. Eine Welt, in der das Vergessen regiert, öffnet der Dummheit Tür und Tor. Mit der Dummheit kommt die Intoleranz, in der alles in ‚Gut‘ und ‚Böse‘, ‚Wir‘ und ‚Ihr‘, ‚Schwarz‘ und ‚Weiß‘ unterteilt wird. Vielfalt und Zwischentöne verschwinden und unvereinbare Gegensätze stehen sich feindlich gegenüber. Ein hervorragender Nährboden für die abstrusesten Ideologien. Derart aufgehetzt, neigt die Menschheit zu Hass, Mord und Totschlag und dann ist der nächste Völkermord nur noch eine Frage der Zeit.

Nun haben besagte Dummschwätzer nicht die Abschaffung aller kultureller Einrichtungen und die Streichung aller Subventionen gefordert. Wenn sie das getan hätten, hätten sie vermutlich auch tatsächlich niemanden gefunden, der ihnen beipflichtet oder es zumindest für keine Zeitverschwendung hält, über ihre Thesen zu reflektieren. Was mich beunruhigt, ist, dass selbst die Streichung von 50% der Subventionen für Kultur und die Schließung einiger Museen und Theater, ein Schritt in eine völlig falsche Richtung ist, die über kurz oder lang tatsächlich oben beschriebene fatale Entwicklung befördert.

Es gibt doch jetzt schon überall zuwenig Geld für kulturelle Einrichtungen. Da kann man doch unmöglich etwas streichen, das ist ein ganz falsches Signal, man zeigt damit: „Pfff, mir doch egal, dann verlangt halt mal höhere Eintrittspreise oder so, ihr seid ja auch ein Wirtschaftsunternehmen, also wirtschaftet gefälligst einfach besser.“ Das ist respektlos, borniert, egozentrisch und kurzsichtig. Wenn Eintrittspreise erhöht werden, verkleinert sich die Gruppe derer, die sich die Eintrittskarten leisten können. Schlussendlich geht das nach hinten los, da dann vielleicht pro Karte mehr eingenommen, aber weniger verkauft wird. Und das führt über kurz oder lang zu einer Klassengesellschaft, in der sich nur noch Besserverdienende Kultur und Bildung leisten können, während die ärmere Bevölkerung zur Unbildung verdammt wird. Das darf in einer Demokratie nicht sein. Brecht hatte einmal die utopische Idee, den ‚kleinen Kreis‘ der Theater-Kenner zu einem ‚großen Kreis‘ zu machen, indem er jedem Bürger gleich welcher Herkunft die ‚Kunst der Betrachtung‘ beibringen wollte. Diese ‚Kunst der Betrachtung‘ kann jeder erlernen, indem er einfach so oft wie möglich ins Theater geht und ganz genau hinschaut und das Gesehene kritisch reflektiert. Ein derart gebildetes Theaterpublikum, so der utopisch-romantische Gedanke dahinter, würde schließlich auch außerhalb des Theatersaals aktiv zur Verbesserung gesellschaftlicher Missstände beitragen. Eigentlich schade, dass das nur in der Theorie funktioniert, in der Praxis aber an unverbesserlichen, bornierten Sturköpfen scheitert, die immer nur auf den schnellen Profit und eine möglichst hohe Prestigeträchtigkeit schielen.

Aber wozu braucht es denn überhaupt staatliche Subventionen? Das kann doch auch überwiegend alles privat finanziert werden, wie in Großbritannien. Dass in Großbritannien Leute aus dem Film The Artist laufen, weil es ein schwarzweißer Stummfilm ist, wird bei diesem Argument dann lieber nicht erwähnt. Wir brauchen staatliche Subventionen für unsere Kultur, sonst können wir das vergessen, dass wir jemals wieder kritische, unbequeme Kunst zu sehen bekommen, die dann zwar nicht unbedingt schön ist, aber ein wichtiger Teil der kulturellen Vielfalt und ein unverzichtbarer Anstoß zu gesellschaftlichen Diskussionen und Debatten, wie der jüngste Vorfall um Rodrigo Garcías Stück Gòlgota Picknick zu den Hamburger Lessingtagen zeigt. Angenommen, es würden nur noch Privatleute die Kunst und Kultur in Deutschland bestimmen. Dann hieße es, wer das Geld hat, hat das Sagen. Ich glaube kaum, dass Volker Lösch dann noch einmal eine Inszenierung wie Marat, was ist aus unserer Revolution geworden? oder Hänsel und Gretel gehn Mümmelmannsberg auf die Bühne des Schauspielhauses bringen könnte. Zudem schließen staatliche Subventionen ja nicht aus, dass sich zusätzlich Privatleute mit ihrem Privatvermögen für kulturelle Projekte und Institutionen engagieren, das nennt sich dann Sponsoring. Auch das ist wichtig und notwendig, aber allein auf Sponsoring für die Finanzierung von Kunst und Kultur angewiesen zu sein, bedeutete das Verschwinden von Vielfalt und letzten Endes von Kreativität.

Nun ist aber eines nicht ganz verkehrt: Die derzeitige Subventionierungspolitik für Kunst und Kultur ist weit davon entfernt eitel Sonnenschein zu sein. Streichungen, Kürzungen, Schließungen dürfen nicht sein, aber es ist anscheinend für Kunst und Kultur chronisch zuwenig Geld da. Was also tun? Uns dem beugen und damit trösten, wir müssten alle sparen? Nein. Ich finde, so lange genug Geld da ist, um ehemaligen Bundespräsidenten 200.000 Euro pro Jahr, plus Büro, Personal, etc. in den Hintern zu pusten (man verzeihe mir meine empörungsbedingt saloppe Ausdrucksweise) und zig-millionen Steuergelder in ein niemals fertig werdendes Prestigeprojekt in der Hamburger Hafencity zu versenken oder tropische Palmen in Hamburg-Rahlstedt zu pflanzen, die ihren ersten Winter nicht heil überstehen, kann mir keiner erzählen, es wäre kein Geld da. Es IST Geld da, es wird nur nicht fair verteilt. Was wir also wirklich mal ernsthaft diskutieren sollten, wäre die Frage danach, wer warum wieviel Geld bekommt und wer warum nicht. Ich gehe zum Beispiel davon aus, dass ich Normalsterbliche mir niemals in meinem ganzen Leben eine Eintrittskarte für die Elbphilharmonie werde leisten können, so sie denn überhaupt eines Tages mal fertig ist. Und ich wage zu behaupten, dass die wenigsten dies werden tun können. Warum also Steuergelder von allen für ihren Bau aufwenden? Das ist zum Beispiel wirklich mal etwas, bei dem ich eine rein private Finanzierung befürworten würde. Dann können diejenigen, die sich später den Eintritt leisten können auch gleich das Ding finanzieren und das, was zurzeit an staatlichen Subventionierungen darin verpufft, für andere Projekte genutzt werden, die einer breiteren Bevölkerungsmasse zugänglich sein werden. Dies gilt meiner Ansicht nach für alle diese superteuren Prestige-Angeber-Projekte.

Woran es meiner Meinung nach außerdem krankt, ist der totale Mangel an Risikobereitschaft bei der Nachwuchsförderung. Gefördert wird nur Altbewährtes, weil man damit besser Erfolg und Misserfolg (der natürlich rein monetärer Natur ist) berechnet werden kann. Als Nachwuchstalent in der Kunst- und Kulturbranche hat man so gut wie gar keine Möglichkeiten, einen Fuß in die Tür zu bekommen und seine kreativen Projekte umzusetzen und bekannt zu machen. Mit dem Ergebnis, dass dann im Fernsehen die immergleichen Gesichter in den Filmen und Talkshows zu sehen sind und die immergleichen Themen verhandelt werden. Warum zum Beispiel ist es in Frankreich möglich, einen Film wie The Artist zu drehen, in Deutschland aber nicht? Weil die Franzosen ihre Kultur schätzen, auch wertschätzen und bereit sind, sie zu unterstützen. In Deutschland schaut man gerne mal naserümpfend auf alles herab, was auch nur annähernd unterhaltsam ist, mit der Grundhaltung, was Spaß macht sei keine Kunst. Durch eine gerechtere Subventionierung, mehr Mut zum Risiko und einer gewagteren Nachwuchsförderung aber könnte man diesen alteingesessenen Standesdünkel endlich mal anfangen aufzulösen. Und das ist in Deutschland allmählich bitternötig.

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28. Stück: ‚The Artist‘ – Ein Stummfilm im 21. Jahrhundert

Man erzählt sich, dass der neue Film des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius The Artist im britischen Liverpool für einigen Aufruhr gesorgt hat. Grund dafür, dass einige Zuschauer den Saal wutschnaubend verließen und ihr Geld zurückverlangten war, dass es sich hierbei um einen Stummfilm handelt. In Schwarzweiß. In 2D. Im 21. Jahrhundert. Darf man das? Muss das sein? Die Liverpooler Kunstbanausen sagen „Nein!“. Ich finde, es ist schon beeindruckend, wie man so konsequent ignorant sein kann, um nicht mitzubekommen, dass ein Film, über den zurzeit jeder spricht, der einen Preis nach dem anderen einheimst, der für zahlreiche Oscars nominiert ist, ein schwarzweißer Stummfilm ist.

Wie dem auch sei, neugierig geworden, habe auch ich mir diesen Film gestern Abend zu Gemüte geführt. Ich kann mich dem Urteil der Liverpooler Kulturmuffel in keinster Weise anschließen. Schaut man sich den Film mit Interesse und Neugier bis zum Schluss an, stellt sich nämlich heraus, dass es nicht einfach nur irgendein schwarzweißer Stummfilm ist, sondern ein schwarzweißer Stummfilm im 21. Jahrhundert.
Was bedeutet das? Michel Hazanavicius konnte sich im 21. Jahrhundert zwischen den unterschiedlichsten Stilen und Arten entscheiden, um seine Geschichte vom Auf- und Abstieg zweier Schauspieler und ihrer Liebe zueinander zu erzählen. Er hätte sie auch in Farbe, 3D, im Cinemascope-Verfahren, mit ohrenbetäubenden Soundeffekten, etc. erzählen können. Aber er hat sich bewusst für schwarzweiß und stumm entschieden. Diese selbstauferlegte Beschränkung der Mittel ermöglicht ihm, die verbleibenden Mittel umso intensiver zu nutzen. The Artist verfügt über eine unglaubliche Bildsprache, die vor Metaphern nur so überfließt. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Traumsequenz, in der George plötzlich die Geräusche um sich herum wahrnimmt, selbst aber stumm bleibt. Überhaupt wird im Film immer wieder selbstreferentiell auf seinen eigenen Status als Stummfilm Bezug genommen. Das Stumme und das Sprechen sind deutliche Leitmotive, mit denen teils nachdenklich, teils ironisch gespielt wird. Wenn Geräusche im Film auftauchen – und das tun sie, es ist also kein ‚reiner‘ Stummfilm – wirken sie beinahe befremdlich, wenn nicht sogar erschreckend, als würde man in die Stummfilm-Welt des George Valentin mit hineingezogen.

Ein weiterer Punkt, der einen schwarzweißen Stummfilm im 21. Jahrhundert interessant macht, ist das inzwischen immense Filmrepertoire, das sich über die letzten 117 Jahre angesammelt hat. Durch das Fernsehen und das Internet sind die Zugangsbarrieren zu diesem Filmrepertoire inzwischen immer niedriger geworden, so dass man bei seinen Zuschauern auch eine gewisse Filmbildung erwarten kann (es sei denn, man ist ein Liverpooler Anti-Cineast). Das ermöglicht Filmemachern, diverse Filmzitate in ihre Filme einzubauen, die von einem Großteil des Publikums verstanden werden. Hier wurde nicht nur mit der Form des Stummfilms und den Leitmotiven des Stummen und des Sprechens gespielt, sondern auch auf Filme wie Citizen Kane, Filmen mit Fred Astaire und Ginger Rogers, Zorro, Die drei Musketiere und andere Abenteuerfilme aus der Stummfilmära Bezug genommen.

Es ist ein Spiel mit Bildern, Genres, Motiven, Zitaten und Metaphern, das The Artist präsentiert. Wenn am Ende das erste gesprochene Wort ertönt, ist das Spiel vorbei, die Bilder aber wirken noch lange nach.

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