Archiv der Kategorie: Popkultur

87. Stück: Fragwürdige Handlungsmotivationen von Superschurken

Wäre ich Teil einer Superheldengeschichte, wäre ich bestimmt die nervige Reporterfreundin des Helden, die allen ständig mit lästigen Fragen auf den Wecker fällt. Oder ich wäre so eine von Selbstzweifeln zerfressene Superheldin, die sich über die Vergänglichkeit des Menschen und den Sinn des Lebens den Kopf zerbricht und darob vollkommen vergisst, ab und zu mal Leute zu retten. Gut, dass ich keine Superkräfte habe, die wären an mir total vergeudet. Superschurke könnte ich allerdings auch nicht sein. Klar, dafür bin ich zu nett und pazifistisch unterwegs, aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb ich als Oberbösewicht ungeeigneter nicht sein könnte. Ich bin der Meinung, die Fieslinge haben immer völlig bescheuerte Handlungsmotivationen.

Zum Beispiel die Sache mit der Weltherrschaft: Was soll man denn damit anfangen, wenn man sie hat? Natürlich klingt das erstmal cool, Herrscher über alle zu sein. Aber haben die Oberschurken sich mal überlegt, was das für ein logistischer Aufwand ist, eine solche Macht unter Kontrolle zu halten? Das nervt doch voll! Und dann wollen ständig alle irgendwas von einem. Mal in Ruhe ein Buch zu lesen oder einen gemütlichen Spaziergang im Grünen zu machen, kann man dann ein für allemal knicken. Die Work-Life-Balance ist dann ruckzuck im Eimer und man bekommt Burnout und kann die Weltherrschaft gar nicht so richtig genießen.

Außerdem wollen einem dann ständig irgendwelche anderen Schurken ans Leder, die selbst noch nicht kapiert haben, was für ein unsinniges Lebensziel die Weltherrschaft ist. Das macht einen dann natürlich zu Recht paranoid. Seelenfrieden kann man dann also auch in die Tonne treten. Ich glaube kaum, dass man als Weltherrscher Freundschaften pflegen oder eine harmonische Liebesbeziehung führen kann. Schließlich muss man sich ja die ganze Zeit fragen, ob die jetzt mit einem befreundet oder zusammen sein wollen, weil sie einen als Mensch mögen, oder um ein Stückchen von der Machttorte abzukriegen. Und für so ein stressiges, einsames, angsterfülltes Dasein allein an der Spitze soll man dann auch noch ständig Superhelden und deren Helfer abmurksen, obwohl die einem persönlich nichts getan haben? Das ist doch völlig Banane!

Manchmal geht es den Superschurken aber auch nicht in erster Linie um Weltherrschaft, sondern vor allem darum, eine „Herrenrasse“ auf der Erde anzusiedeln und alle „unwürdigen“ Menschen auszulöschen. Diese Bösewichte haben offenkundig keine Ahnung von Genetik. Rassen entstehen ja durch bewusste Zucht, das gibt es aktuell nur unter Haustieren. Und wenn man da zu lange herumzüchtet und ahnungslos sowie profitorientiert vor sich hin pfuscht, wird der Genpool immer kleiner und das führt zu Erbkrankheiten und Mutationen, die die Gesundheit und Lebensqualität erheblich einschränken. Nicht von ungefähr versucht man bei einigen überzüchteten Hunderassen, die etwa durch ihre platte Schnauze kaum noch Luft bekommen, andere Rassen einzukreuzen, um den Nachkommen wieder zu funktionstüchtigeren Sinnesorganen zu verhelfen. (Es gibt selbstverständlich auch seriöse Züchter, die darauf achten, dass ihre Tiere gesund und fit bleiben. Aber das ist mit sehr viel Aufwand und hohen Kosten verbunden.)

Unter Menschen gibt es keine Zucht und deswegen auch keine Rassen. So. Wenn jetzt ein bekloppter Oberfiesling sich in den Kopf setzt, eine Menschenzucht anzufangen, braucht er einen ausreichend großen Genpool und das ist ja auch schon wieder ein riesiger logistischer Aufwand, genug geeignete Menschen zu finden. Außerdem muss man diese Menschen ja auch noch irgendwie dazu bewegen, sich zu vermehren. Man muss ihnen also einreden, sie wären etwas Besseres als der ganze Rest der Welt. Dafür muss man sich dann irgendwelche wichtigen Posten und tollen Orden ausdenken, sich eine Ideologie überlegen, mit der man die Leute gehirnwaschen kann. Und dann besteht die ach so tolle „Herrenrasse“ nur noch aus hirnlosen Idioten und aufgeplusterten Wichtigtuern. Großartige Voraussetzungen für die Zucht gesunder Nachkommen. Die Tragzeit eines menschlichen Weibchens beträgt außerdem bekanntlich ganze neun Monate und in der Regel wird dann ein Junges geboren, das heißt, bis man da genug Menschen zusammenhat, um die Erde mit dieser tollen „Herrenrasse“ zu bevölkern, das dauert ewig.

Also wirklich, ich verstehe nicht, warum die Bösewichte in Superheldengeschichten (und in der realen Welt) es nicht einfach gut sein lassen. Woher kommt diese völlig irrationale Machtgier und diese jeder Logik entbehrende Überzeugung, etwas Besseres zu sein als alle anderen? Da muss man doch mal ein bisschen wirklichkeitsbezogen denken. Dann kommt man nämlich zu dem Schluss, dass es für alle Beteiligten sinnvoller wäre, seine eigenen Eitelkeiten hinten anzustellen, miteinander zu reden und sich gegenseitig zu unterstützen. Die, die viel von etwas haben, können denjenigen, die zu wenig davon haben, etwas abgeben. Das nennt sich teilen und funktioniert super, wenn alle mitmachen.

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78. Stück: Die präzise Eleganz der deutschen Sprache und wer sie zu nutzen weiß

In meinem letzten Essai „Wann deutsche Filme und Popmusik scheiße sind“ war ich ein bisschen gemein zu deutschsprachigen Bands und Filmen, die ich nicht leiden kann. Was ich an Silbermond, Juli, Revolverheld und Co. sowie Filmen à la Was nützt die Liebe in Gedanken im Wesentlichen hasse, ist die plumpe, unsubtile, humorlose und pathetische Art, mit der wunderbaren deutschen Sprache umzugehen und die fehlende Leichtigkeit. Es gibt aber auch Werke, die die Besonderheiten meiner Vatersprache (Eh oui, meine Muttersprache ist Französisch, meine patrie ist Deutschland) positiv für sich zu nutzen wissen. Jede Sprache hat ihre Eigenarten und sie können wundervoll sein, aber auch tückisch, wenn man nicht aufpasst. Bei Deutsch ist es vor allem die Klarheit und Präzision, die sehr stark sein kann – oder auch plump und humorlos. Im Deutschen kann man ganz genau das sagen, was man sagen will, indem man Wortteile nach Belieben neu zusammensetzt. Stellt man es ungeschickt an, wirkt es schnell zu offensichtlich und polterig. Pathos wirkt im Deutschen auch deshalb so albern, weil er vollkommen unnötig ist. Die Worte sind bereits klar und stark genug, da muss man nicht noch eins draufsetzen – im Gegenteil. Durch feine Untertreibung als Kontrast zur Deutlichkeit der Worte kann eine Leichtigkeit und Einfachheit erzeugt werden, die deutsche Filme und Lieder vor unerträglichem Schnulzkitsch bewahren. Ein paar deutschsprachige Künstler sind solche begnadeten Wortakrobaten, die mit Ausdrücken und Bedeutungen jonglieren können, tolle Geschichten erzählen und mit verschmitzter Ironie an den Oberflächen der Dinge kratzen.

Am besten schildere ich mal anhand einiger Beispiele, wie man die präzise Eleganz der deutschen Sprache gekonnt einsetzen kann. Meister der Ironie sind zum Beispiel Farin Urlaub von Die Ärzte und die Texter von Annett Louisan:

„Lasse redn“ verbirgt hinter seiner fröhlichen Melodie und den pfiffigen Reimen eine herrlich entlarvende Kritik am Spießertum, wie es sich durch die tägliche Lektüre der ‚Bild‘-Zeitung und das Lästern über Nachbarn und Bekannte bemerkbar macht. Aber anstatt plump zu wehklagen, wie unglaublich verabscheuungswürdig und moralisch daneben es doch ist, fiese Gerüchte über andere Leute in die Welt zu setzen und sich an den Problemen anderer Menschen zu ergötzen, wird hier einfach frech grinsend die ganze Tratscherei ins Absurde überspitzt. „Die Katze“ kommt mit ganz einfachen Worten aus, präzise wird beschrieben, wie sich eine Katze häufig aufführt: eigensinnig, unabhängig, aber unwiderstehlich. Der etwas träge Rhythmus passt wunderbar dazu. Durch Annett Louisans ironisch-lustvolle Interpretation bekommt das Lied jedoch auch etwas unterschwellig Erotisches, ohne es allerdings direkt auszusprechen. Täte sie dies, etwa wie im Schlager „Zieh dich aus, kleine Maus, mach dich nackig …“, würde diese prickelnde zweite Ebene verpuffen (Hihi, ver“Puff“en 😛 ).

Deutsch eignet sich außerdem hervorragend dafür, Geschichten zu erzählen, und zwar mit wenigen Worten, so wie ein paar Pinselstriche in einer gelungenen Skizze ein ganzes Bild entstehen lassen können. Ein Beispiel hierfür ist das Lied „Der Tantenmörder“ vom Theaterautor Frank Wedekind:

Bei dem Lied muss man allerdings aufpassen, dass man nicht durch eine plumpe, finstere Darstellung den tollen Text von Wedekind ruiniert. Das liegt dann aber nicht mehr an der Sprache, sondern an der Interpretation, die das, was der Text gekonnt vermieden und ausgelassen hat, mit Krampf aufpresst. Man darf als Schauspieler und Interpret nicht vergessen, dass das Publikum nicht blöd ist und des Lesens von Zwischentönen durchaus mächtig. Diese Version hier finde ich zum Beispiel nicht so gut:

Außerdem gibt es auch tatsächlich ein paar „Supernachdenklicher Deutschpop“-Lieder, die ich mag. Zum Beispiel höre ich sehr gern „Wolke 4“ von Philipp Dittberner & Marv oder „Herz über Kopf“ von Joris:

Ich mag zum einen die Schlichtheit der musikalischen Begleitung, die den Text optimal unterstreicht, ohne ihn zu überdecken. Die gewählten Wörter und ihre Anordnung sind einfach, aber drücken trotzdem viel aus, ohne dass man noch etwas dazupacken oder extra erklären müsste. Mit eleganter Präzision entstehen Bilder, werden Emotionen transportiert, ohne zu nerven oder dem Zuhörer mit einer Extraportion Plumpheit die gemeinte Bedeutung unter die Nase zu reiben.

Ironie, Leichtigkeit, tolle Geschichten in wenigen, präzisen und gut gewählten Wörtern sowie unterschwelliger Humor funktionieren nicht nur in der Musik, sondern auch in Filmen. Der Tatort Im Schmerz geboren mit Ulrich Tukur war zum Beispiel absolut genial. Der letzte Kölner Tatort Kartenhaus hat mich sogar zu Tränen gerührt. Sehr gut gefallen hat mir auch Wir sind jung. Wir sind stark von XY. Ab und zu gibt es eine Szene, die ich etwas übertrieben schwermütig-melancholisch und aufgesetzt fand, aber insgesamt wird hier aus verschiedenen Perspektiven ein genauer Blick auf die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen von 1992 geworfen, ohne zu urteilen oder die moralische Keule zu schwingen. Dass die Geschichte, die mit dem Brand einer Asylunterkunft endet, von erschreckender Realität ist, braucht dann nicht mehr extra dazugesagt zu werden. Nicht zu vergessen sind außerdem ein paar herausragende deutschsprachige Fernsehserien, die durch witzige Dialoge, tolle Figuren und Experimentierfreude glänzen, etwa Morgen hör ich auf, Der kleine Mann, Der Tatortreiniger, Dr. Psycho oder Stromberg.

Zum Schluss habe ich noch ein paar Lesetipps für euch:

  • Tschick von Wolfgang Herrndorf
  • Die kurzen und die langen Jahre von Thommie Bayer
  • Alle Toten fliegen hoch (Amerika) und die anderen Bücher von Joachim Meyerhoff
  • Der Sandmann und alles andere von E. T. A. Hoffmann
  • Lenz von Georg Büchner
  • Der Hofmeister und alles andere von Jakob Michael Reinhold Lenz
  • Die Schachnovelle und alles andere von Stefan Zweig
  • Das Schloss und alles andere von Franz Kafka
  • Die Gedichte und alles andere von Erich Kästner
  • Alles von Charlotte Link

Welche deutschsprachigen Lieder, Filme, Serien und Bücher mögt ihr besonders gern und warum?

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77. Stück: Wann deutsche Filme und Popmusik scheiße sind

Zuerst wollte ich diesen Essai „Warum deutsche Filme und Popmusik scheiße sind“ nennen, aber dann fielen mir immer mehr Beispiele von guten deutschen Filmen und gelungenen deutschsprachigen Liedern ein. Und da habe ich mich gefragt, was denn den Scheiß von guten Werken unterscheidet. Das ist gar nicht so einfach zu sagen, weil solche Urteile immer subjektiv sind, und das, was ich für grauenhaft erachte, andere wunderbar finden. Keiner von uns hat dann recht oder unrecht, es sind eben verschiedene Geschmäcker und Meinungen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es doch so ein paar Dinge gibt, die mir typisch Deutsch vorkommen, und zwar im negativen Sinne. Über die positiven Seiten der deutschen Sprache werde ich noch einmal gesondert einen Beitrag schreiben, heute geht es mal darum, was mich bei deutschsprachigen Machwerken oft stört.

Ich möchte überdies gern alle Leser dazu einladen, mir in den Kommentaren zu widersprechen oder auch zuzustimmen und Dinge zu ergänzen, die mir vielleicht nicht aufgefallen sind. Dann wird die Angelegenheit wenigstens ein bisschen intersubjektiv. 🙂

Am besten fange ich mit ein paar Beispielen deutschsprachiger Filme und Lieder an, die ich ganz schauderhaft finde. Silbermond, Juli, Revolverheld, Die Toten Hosen (zumindest den neueren Scheiß à la „Tage wie diese“, urgs 😛 ) und Xavier Naidoo sind beispielsweise Bands/Sänger, die mir zuverlässig mit ihrer Musik auf den Wecker fallen und ein genervtes „Roooh, nicht DIE schon wieder!“ begleitet von sofortigem Wechseln des Radiosenders hervorrufen. Ich nenne diese Musikrichtung gern „supernachdenklichen Deutschpop“, weil da auf Krampf versucht wird, megasensibel zu wirken und derbe poetisch rüberzukommen. Dann werden da entweder ganz melancholisch mit dünnem Stimmchen Platitüden ins Mikro gehaucht oder gewollt verwegen plattes, vor Pathos triefendes Klischeezeug gegrölt, um allen zu zeigen, wie ungemein emotional man gerade drauf ist. Die Melodien sind entweder so gut wie nicht vorhanden oder so simpel und unoriginell, dass es einen schon aggressiv macht vor Langeweile.

Wenn schon die musikalische Seite unerträglich ist, könnte zumindest ein schlauer, witziger, ironischer, leichter, liebenswerter oder zum Nachdenken anregender Text den ganzen Kram retten. Das tut er aber bei besagten Beispielen nicht. (Anmerkung am Rande: Das „meiner Meinung nach“ und „meines Erachtens“ etc. möge man sich bitte dazu denken) Im Gegenteil, da wird’s dann teilweise richtig schlimm. Von Leichtigkeit und Raffinesse, Humor, echten Gefühlen oder Gesellschaftskritik keine Spur. Stattdessen wird zum x-ten Mal darüber schwadroniert, dass früher alles besser war, was für eine tiefe Männerfreundschaft einen mit seinen Kumpels verbindet, nur, weil man regelmäßig gemeinsam in einer versifften Kneipe saufen geht. Oder es wird ganz platt und unsubtil herausposaunt, was für ein perfekter/großartiger/fantastischer/bester Tag aller Zeiten es doch ist.

Wahlweise wird auch noch mit Trampelschritten der Liebe gehuldigt, vor allem im Schlager, indem mit absurder Inbrunst herumgetrötet wird, dass man durch die Nacht geht, gemeinsam den Sternenhimmel schön findet, nur Du und ich, ich und Du, Müllers Esel schubidu. ‚Tschuldigung, da sind gerade die Maultiere mit mir durchgegangen, zurück zum Thema. Am besten schmeißt man auch noch die Zahl Tausend mit in den Text, das kommt immer gut, weil „Tausend“ ja total viel ist, also fast schon „unendlich“. „Unendlichkeit“ ist dann auch so ein Wort, ebenso wie „Ewigkeit“, „Leidenschaft“, „spüren“, „Tag“ und „Nacht“, „Sonne“, „Mond“ und „Sterne“, die in keinem deutschen Schlagertext fehlen dürfen. Ich stelle mir das Texten solcher Lieder so vor: Man schmeißt diese ganzen wahnsinnig emotionalen Begriffe auf Zettelchen geschrieben in einen Pott, wirft vielleicht noch ein paar ferne Länder oder beliebte Urlaubsziele mit dazu, rührt einmal kräftig durch und zieht dann ein paar Wörter heraus. Daraus schustert man den Text dann zusammen. „Mit Dir durch die Unendlichkeit, mit Leidenschaft in die Ewigkeit, Dich spüren Tag und Nacht! Du und ich, ich und Du, wir schauen Sonne, Mond und tausend Sternen zu, im Himmel über Capri, wo ich die Liebe fand!“ Humpta-humpta-humpta!

Mich stört daran vor allem dieses Offensichtliche, dieses Platte, dieses Berechnende. Da hat man den Eindruck, die Leute haben sich überhaupt keine Mühe gegeben, das wirkt alles so unehrlich und unauthentisch. Wobei man da sicher auch noch differenzieren kann, ich denke schon, dass Silbermond, Juli, Xavier Naidoo und Co. sich bei ihren Texten was gedacht haben und das auch wirklich so meinen und ganz viel dabei fühlen. Es wirkt trotzdem immer alles so, als habe man sich einmal ein bestimmtes Schema ausgedacht und für gut befunden. Die Lieder sind dann keine individuellen Werke mehr, sondern es wird alles in dieses Schema gepresst, mit dem Ergebnis, dass nachher alles gleich klingt. Vielleicht erweckt das dann bei mir den Eindruck des „Unechten“, weil sich selbst das coolste Schema irgendwann abnutzt und oberflächlich wird. Möglicherweise fällt es mir auch nur deswegen negativ auf, weil ich das Schema besagter Musiker grauenhaft langweilig finde. Entspräche es meinem Geschmack, fände ich es vielleicht gar nicht schlimm.

In deutschen Filmen beziehungsweise Filmszenen, die ich nicht mag, fällt mir ebenfalls vor allem die fehlende Leichtigkeit und Subtilität auf. Gepaart wird das Plumpe, Platte, Schwere und Offensichtliche obendrein häufig mit einer viel zu angestrengten, gewollten, unignorierbaren Absicht, große Gefühle zu illustrieren sowie dem Klischee des Volks der Dichter und Denker in den Allerwertesten zu kriechen, indem man extra poetische Bilder und eine vermeintlich voll lyrische Sprache wählt. Ein Beispiel dafür ist Was nützt die Liebe in Gedanken von Achim von Borries. Die Schauspieler werden dann genötigt, ein völlig leeres, ausdrucksloses Gesicht zu machen, die Schultern nichtssagend hängen zu lassen und – schon wieder mit dünnem Stimmchen oder unverständlichem Genuschel – supernachdenkliche Platitüden vor sich hin zu hauchen. Am besten ist dann auch immer möglichst oft jemand nackt, idealerweise sieht man auch alles, damit alle wissen, wie überhaupt nicht verklemmt der Deutsche an sich ist. Die Filmmusik ist passend dazu ein unerträgliches Unglücksgeraune, das jede Szene mit Pathos verklebt wie eine im Rucksack ausgelaufene Flasche Multivitaminsaft. (Ich weiß, wovon ich rede, einem solchen Vorfall ist mein erstes Handy zum Opfer gefallen.)

Meistens werden die Bilder in blasse Grau- und Blautöne getaucht, damit alles noch viel melancholischer und nachdenklicher wirkt. Zu allem Überfluss wird aber auch dieses penetrant Öde nicht konsequent durchgezogen, sondern ab und zu wird’s total emotional. Dann brüllt plötzlich jemand los, und zwar so, dass man überhaupt nicht akustisch versteht, was gerade los ist. Das soll wohl authentisch wirken, tatsächlich aber wirkt es einfach nur aufgesetzt. Ganz besonders albern wird es, wenn deutsche Filme nicht so ganz wissen, wie sie anfangen oder aufhören sollen. Dann wird nämlich einfach getanzt. Ohne Grund und ziemlich ungelenk und tapsig vollführen die Figuren dann ein paar Tanzschrittchen. Das sieht man häufig im Tatort oder Polizeiruf 110. Was das soll, habe ich bislang noch nicht verstanden.

So weit meine kleine Tirade, was ist eure Meinung dazu?

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76. Stück: Liebster Award Nominierung, numéro quatre

Nun hat es mich bereits zum vierten Mal erwischt 🙂 Dieses Mal hat mich Friedl von Grimm vom Blog Trivial für den Liebster Award nominiert. So, nicht lange schnacken, auf geht’s zur fröhlichen Frage-Antwort-Runde (dieses Mal durfte ich mir Fragen aus Friedls Repertoire aussuchen):

1. Welcher Film fängt deine Persönlichkeit am besten ein?

Ich find’s immer schwierig, seine eigene Persönlichkeit allumfassend richtig einzuschätzen. Das hängt ja auch immer vom eigenen Selbstwertgefühl ab, wie man sich selbst sieht, und das verfälscht die Einschätzung. So denke ich zum Beispiel von mir, ich sei schüchtern, zutiefst lächerlich und ziemlich neurotisch. Aber aus mir unerfindlichen Gründen scheine ich nach außen hin nicht so zu wirken, also ist meine Selbsteinschätzung vielleicht kompletter Käse und ich bin in Wahrheit voll toll. So, jetzt habe ich mich erfolgreich mehrere Sätze mit meinem Geschwafel um eine Antwort gedrückt 😛

Aber ich will meine Leser auch nicht enttäuschen … Zuletzt konnte ich mich aus oben genannten Gründen vor allem mit der Figur Lisa aus dem Animationsfilm Anomalisa von Charlie Kaufman identifizieren. Meine Kritik zu dem Film findet ihr auf meiner Facebook-Seite.

2. Wann und warum bist du das letzte Mal ausgerastet?

Bis ich mal richtig wütend werde, das dauert. Ich bin im Großen und Ganzen ein recht duldsamer Mensch, der gern seine Ruhe hat und Streit nicht ausstehen kann. Gegen eine sachliche Diskussion mit spannenden Argumenten unter zivilisierten Leuten habe ich gar nichts, im Gegenteil, das macht mir Spaß. Aber Streit, wo man sich gegenseitig verbal unter die Gürtellinie haut und versucht, gegenseitig zu demütigen und sich selbst zu erhöhen, wo man sich gegenseitig anschreit und am Ende alle stinksauer aufeinander sind, ist in meinen Augen alles andere als zielführend und zweckdienlich. Das eigentliche Problem wird in solchen Schimpforgien doch nie geklärt, sondern alle Beteiligten wollen nur Dampf ablassen. Sprich, hinterher ist das Problem immer noch da, doch anstatt Ideen für eine Lösung oder einen Kompromiss gesammelt zu haben, habe ich eine Scheißlaune und bin fürchterlich unglücklich.

Es bedarf also vorher einer langen, langen Reihe immer wiederkehrender Kränkungen, die sich allmählich aufstapeln, bis mir irgendwann der Kragen platzt. Das kann dann schonmal mehrere Jahre dauern, bis ich dann tatsächlich explodiere, vorher versuche ich immer, Konflikte friedlich zu klären. Aber leider gibt es Menschen, die keinen Bock auf friedliche Klärung haben, und es auf Streit absehen, warum auch immer. Insofern erinnere ich mich an einen denkwürdigen Moment mit meinem ehemaligen besten Freund vor mittlerweile rund 13 Jahren (da kann man mal sehen, wie selten ich ausraste 😉 ), der mich jahrelang immer als unehrlich, hinterfotzig, rücksichtslos, verlogen, falsch, lästig und weißichwasnoch bezeichnet hatte. Ich habe das irgendwann selbst geglaubt und mich glücklich geschätzt, dass er sich überhaupt mit mir minderwertigem Subjekt abgab. Bis es mir irgendwann gereicht hat. In der Zwischenzeit war ich mit meinem Freund zusammengekommen, also vielleicht habe ich dadurch ein bisschen Selbstvertrauen zurückgewonnen. Jedenfalls hat mich besagter Ex-bester-Freund an einem Abend wieder als niederträchtiges Miststück behandelt und mit allerlei Beleidigungen und verbalen Demütigungen bombardiert, und ich bin die ganze Zeit ruhig geblieben. Habe die Zähne zusammengebissen, die Tirade stoisch ertragen und es beim Aussteigen noch geschafft, lächelnd und zähneknirschend gute Nacht zu sagen. Aber kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen, bin ich einfach explodiert. „Leck mich doch am Arsch!“ habe ich gebrüllt und – ganz untypisch für mich – mir in dem Moment keine Gedanken darüber gemacht, dass ich mit meinem Geschrei eventuell die Nachbarn aufgeweckt haben könnte.

Dann hörte ich die Reifen quietschen. „Fuck! Er hat mich gehört!“, schoss mir durch den Kopf, da kam er auch schon auf mich zugestapft und blitzte mich aus wütenden Augen an. „Was hast du da gerade gesagt?“, zischte er und ich hielt seinem Blick stand und wiederholte, er könne mich mal am Arsch lecken. Zack, da schubst er mich auf die Straße, ich fliege im hohen Bogen auf meinen Allerwertesten und bleibe verdattert sitzen. Er stapft zurück zum Auto und fährt davon. Es hat dann noch ein paar Monate gedauert, bis wir uns endgültig zerstritten hatten, aber dieser Ausraster ist mir im Gedächtnis geblieben.

3. Salziges oder süßes Popcorn? Oder gemischt, wie ich es präferiere?

Ehrlich gesagt, mag ich Popcorn gar nicht mal so besonders. Es schmeckt nach Presspappe und die Hüllen von den Maiskörnern schieben sich zwischen die Zähne und da bleiben sie dann, schneiden einem ins Zahnfleisch, bis man sie mit Zahnstocher oder Zahnbürste herausangeln kann. Aber wenn ich Popcorn esse, dann gern die süße Variante.

4. Welches Verhalten, was eigentlich nicht nett ist, hast du durchaus perfektioniert?

Na ja, ich bin zugegebenermaßen ganz gern mal altklug. In der Regel habe ich dann auch wirklich recht, aber mir ist dann auch sehr daran gelegen, dass der andere das auch einsieht, sonst habe ich ja nichts davon, recht zu haben. Manchmal macht es mir dann auch Spaß, dumme Kommentare auf Facebook und Co. höflich und mit logischer Argumentation zu zerpflücken. Mir ist dabei völlig klar, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist, und Idioten, die dumme Kommentare schreiben, für nichts auf der Welt ihr Oberstübchen bemühen und einsehen würden, dass sie kompletten Schwachsinn geschrieben haben. Aber bis zu einem gewissen Grad amüsiert es mich dann, wenn diese Vollpfosten sich selbst entlarven mit ihrer arroganten, selbstgefälligen, aber völlig bescheuerten Reaktion. Meistens kommt entweder gar nichts zurück (das heißt, ich hatte das letzte Wort, Ätsch! 😛 ) oder es kommt sowas wie „Ja, da muss man halt schon intelligent sein, um das so zu sehen wie ich. Ich bin dann mal raus aus der Diskussion, ihr seid mir alle zu dumm.“ Klassischer Fall von Projektion, jaja.

5. Deine Top 5 für eine legendäre Karaokesession.

Juhu! Ich liiiiiiebe Karaoke! Also:

1. „Tainted Love“ von Soft Cell

2. „Basket Case“ von Green Day

3. „Bohemian Rhapsody“ von Queen

4. „Sweet Dreams (are made of this)“ von Annie Lennox

5. „Faith“ von George Michael

6. Bist du Befürworter der These, dass Künstler (egal, ob Filmschaffende, Musiker, Maler etc.) nur etwas Großartiges erschaffen können, wenn sie unglücklich sind? Warum?

Nee, das halte ich für ein Gerücht. Genauso, wie ich es für Quatsch halte, dass man als Künstler partout seinen Horizont mit Drogen, Alkohol und anderen Schummelhilfsmitteln „erweitern“ muss, damit das, was man fabriziert, als Kunst gilt. Das Wesentliche ist, dass man etwas zu erzählen, mitzuteilen hat, und natürlich genug Begabung in dem künstlerischen Bereich besitzt, um seine Aussage auch cool zu verpacken und im Zuschauer etwas auszulösen. Ein gelungenes Kunstwerk, also etwas künstlerisch Großartiges, verändert den Zuschauer. Ob der Künstler dabei unglücklich ist oder eigentlich soweit zufrieden, ist dabei meiner Meinung nach Nebensache. Es kann aber natürlich sein, dass man sich eher mitteilen möchte, wenn es bei einem selbst gerade nicht so rund läuft. Das ist ja in den Nachrichten nicht anders, Katastrophen haben einfach einen größeren Sensationswert und sind scheinbar interessanter und bemerkenswerter. Dass alles supi ist, sollte ja eigentlich Normalzustand sein, und dann ist natürlich alles spannend, was davon abweicht.

7. Welche Selbstmordmethode würdest du wählen?

Solche kontroversen Fragen und Gedankenspiele mag ich. Ich habe überhaupt nicht vor, mich jemals umzubringen, aber angenommen, ich bin irgendwann ein totales Gemüse, das gar nichts mehr alleine machen kann und nur noch von Geräten am Leben erhalten wird. Dann hoffe ich, dass jemand diese Geräte ausknipst. Das ist dann nicht wirklich Selbstmord, sondern Sterbehilfe, was auch schon wieder ein anderes, superkontroverses Thema ist. Aber ich persönlich für mich würde das in einem solchen Fall befürworten.

8. Welchen Genremix würdest du gerne mal auf der Leinwand sehen?

So, wieder ein leichteres Thema 🙂 Ich find’s cool, wenn man zwei oder mehrere Genres kombiniert, die scheinbar auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen. Ein Action-Splatter-Musical fände ich mal lustig.

9. Welche Musik empfindest du als zeitlos schön?

Manche klassische Stücke – nicht alle, manche sind auch einfach strunzlangweilig – finde ich zeitlos schön, zum Beispiel „Barcarolle“ von Jacques Offenbach aus „Hoffmanns Erzählungen“.

10. Glaubst du, dass man in der heutigen Zeit noch etwas wahrhaftig Originelles kreieren kann?

Ach, nö, ich glaube, das kann man knicken. Die Frage ist auch, ob man denn überhaupt immer was Originelles kreieren muss? Ich denke – und da bin ich ganz ein Kind der Postmoderne – dass man Motive, Geschichten, Archetypen und Versatzstücke, die es bereits gibt, wunderbar kombinieren, variieren, anders und neu erzählen kann.

11. Was passierte bei deinem letzten unangenehmen, schlechten oder peinlichen Erlebnis und wie bist du damit umgegangen?

Mir passieren so oft Dinge, die mir selbst total peinlich sind, dass ich mich da inzwischen gut dran gewöhnt habe. Meistens schätze ich das Ganze auch als viel peinlicher ein, als es eigentlich war. Üblicherweise laufe ich dann gefühlt puterrot an, möchte am liebsten im Boden versinken und nie, nie wieder auftauchen. Aber jedes Mal überlebe ich peinliche Situationen und – das ist übrigens das Tolle am Älterwerden – weiß das inzwischen. Das heißt, ich bin schon megastolz auf mich, wenn ich nicht vor allen Leuten anfange zu flennen, sondern es noch bis zum Klo schaffe. Da heule ich mich dann ein paar Minuten aus, atme ein paar Mal tief durch, klopf mir den Staub von den Schultern, wuschel meine Frisur zurecht und gehe wieder raus. Und dann stelle ich fest, das war alles gar nicht so schlimm, und ich kann sogar was draus lernen.

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74. Stück: Liebster-Award Nominierung, die Zweite

Ich wurde von Singende Lehrerin für den Liebster-Award nominiert. Die Regeln und meine erste Nominierung findet ihr hier. Und nun komme ich zu den Fragen 🙂

1. Wie stehst du zum Selfie-Wahn?

Das nervt mich ungemein, überhaupt, wie alle immer mit ihren Smartphones herumtüddeln, geht mir fürchterlich auf den Senkel. Ich selbst habe noch ein ganz altes Handy, das hat noch nicht einmal ein Farbdisplay, dafür aber vernünftige Tasten und ich kann damit telefonieren und SMS schreiben. Mehr braucht ein Telefon eigentlich nicht. Aber da bin ich wohl ein Dinosaurier … Was seltsam ist, weil ich ja in der Internetbranche arbeite, da sollte ich eigentlich ständig irgendwie vernetzt sein. Stattdessen bin ich ganz froh, dass ich auf dem Weg zur Arbeit, nach Hause oder sonstwohin ein ganz normales, analoges Buch lesen kann und nicht auch noch in meiner Freizeit dauernd auf einen – noch dazu viel zu kleinen – Bildschirm starren muss.

Selfies mache ich ab und zu mit meinem Fotoapparat – der immerhin ist schon digital. Aber meine analoge Spiegelreflexkamera habe ich trotzdem noch, ich habe sie aber zugegebenermaßen länger nicht mehr benutzt. Da ist so eine Digitalkamera schon um Einiges praktischer. Das Ding ist, wenn ich Fotos mache, dann bin ich selbst halt nie mit drauf – es sei denn, ich mache ein Selbstportrait, wie Selfies früher einmal hießen. Deswegen mache ich das dann doch manchmal. Aber was ich extrem lästig finde, sind diese ganzen eitlen, selbstverliebten Möchtegernpromis, die sich an-dau-ernd selbst knipsen, dabei ein unfassbar dämliches, sexy gemeintes Gesicht machen, und das dann auf Instagram teilen. Und unsereiner darf dann da wieder eine News drüber schreiben.

2. Couch Potato oder Fitness-Guru?

Ach, da bin ich wohl so ein Mittelding. Wenn ich zu lange auf der Couch versumpfe, werde ich blöd im Kopf. Dann kriege ich einen Rappel und muss irgendwie raus und mich bewegen. Ich gehe jetzt auch seit ca. 1,5 Jahren regelmäßig dreimal die Woche zum Sport, wenn nichts dazwischen kommt, und es macht mir tatsächlich Spaß. Obwohl ich früher, bedingt durch den Schulsport, immer dachte, Sport sei scheiße. Als Fitness-Guru würde ich mich trotzdem nicht bezeichnen, da ich weit davon entfernt bin, Spitzensportlerin zu sein. Ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die allen, die danach fragen oder auch nicht, ihre sportlichen Leistungen unter die Nase reiben. Das interessiert doch keine Sau.

3. Lässt du dich gerne von Hypes um gewisse Filme und Franchises anstecken?

Eigentlich nicht, da schlummert in mir wohl so ein kleiner Hipster, der ab und zu mal aufpiepst und nölt: „Neeeee, wenn alle das so toll finden, dann finde ich das jetzt mal doof.“ Aber ich kann’s dann trotzdem nicht verhindern, dass mich gelegentlich mal die Neugier packt. Zuletzt ist mir das bei Star Wars – Das Erwachen der Macht passiert. Bereut habe ich es dann aber nicht, der Film war ganz unterhaltsam und hat Spaß gemacht.

4. Advent und Weihnachten – Stress oder pure (Vor-)Freude?

Beides, ich gehe gern auf die Suche nach schönen Geschenken für meine Lieblingsmenschen, ich futtere sehr gern Plätzchen und ich mag die Stimmung mit den Weihnachtsmärkten, dem Tannenduft und den Lichtern überall. Die Vorweihnachtszeit ist allerdings immer recht stressig, weil plötzlich alle noch alles Mögliche zum Jahresende erledigen wollen und eine riesige Hektik vom Zaun brechen. Außerdem sind dann viele Kollegen in den letzten beiden Dezemberwochen in Urlaub, und trotzdem müssen wir genauso viele Artikel produzieren wie jeden Monat – mit weniger Leuten und weniger Arbeitstagen. Das bedeutet natürlich auch Stress und jede Menge Überstunden. Ist Weihnachten dann aber da, entspanne ich mich schnell wieder und zwischen den Feiertagen zu arbeiten ist immer schön muckelig.

5. In welches Land würdest du eigentlich gerne einmal reisen, traust dich aber nicht so recht (Weil du Flugangst hast? Weil du Angst vor Krankheiten hast? Weil du niemanden hast, der dich begleiten würde? Weil die Sicherheitslage in diesem Land prekär ist? Weil das viel Geld kosten würde?…)?

Offen gestanden bin ich ein ziemliches Gewohnheitstier und für mich bedeutet Wegfahren immer einen Riesenstress. Deswegen verreise ich generell nicht sehr gern. Wenn, dann fahre ich gern in Länder, in denen ich mich verständigen kann, und gehe dann in einer ausgewählten Stadt auf Entdeckungstour – natürlich nicht, ohne mich vorher mit Reiseführer und auf diversen Internetseiten über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten informiert und ein wenig vorgeplant zu haben. Ich plane jetzt nicht alles streng durch, aber ich mache mir im Vorfeld Gedanken, was ich mir anschauen möchte, was es für nette Restaurants und Läden gibt. Auf meiner Wunschliste stehen derzeit noch Irland, England und Belgien, wobei ich in England und Belgien schon mal war, aber in London nur ganz kurz für drei-vier Stunden und in Brüssel nur auf der Durchreise. Amsterdam würde ich gern auch noch einmal länger besuchen, da war ich bisher auch nur für ein paar Stunden. Dort gibt es nämlich ein Katzenkabinett mit echten Katzen, die dort herumlaufen – für mich als verhinderte verrückte Katzenlady genau das Richtige.

Ansonsten fahre ich gern Freunde besuchen, die in anderen Städten wohnen, zum Klönen, Spielen und gemütlich Zusammensitzen. Die wundern sich dann immer, warum ich keine Lust habe, in ferne Länder zu reisen. Irgendwie scheint das der Normalfall zu sein, dass man sowas klasse findet. Aber ich find’s einfach klasse, wenn ich in einer Stadt selbstständig alles erkunden kann, zwischendurch ein Schwätzchen mit den Einheimischen halten kann – und dafür nicht so weit wegfahren muss. Ferne Länder entdecke ich dann lieber in meiner Vorstellung, in Büchern, Filmen und Erzählungen von Freunden, denen Reisen wirklich Spaß macht.

6. Welches Lied musst du immer ganz laut aufdrehen, wenn du es anhörst?

Oooh, da gibt’s mehrere 🙂 „Think“ von Aretha Franklin zum Beispiel. Ebenfalls toll: „Basket Case“ von Green Day und „Ich bin reich“ von Die Ärzte (überhaupt so ziemlich alles von der besten Band der Welt 😉 ). Mein armer Freund muss dann immer ertragen, dass ich laut mitsinge, wenn die Lieder im Radio laufen 😛

7. Was vermisst du am meisten, wenn du einmal längere Zeit nicht bloggen kannst?

Beim Bloggen schreibe ich einfach drauflos, pfeife auf Google und SEO (Search Engine Optimization = Suchmaschinenoptimierung) und tippe nach Herzenslust meine Gedanken in die Tasten. Manchmal lese ich hinterher noch mal kurz drüber, meistens publiziere ich es jedoch direkt. Diese Freiheit vermisse ich ein wenig, wenn ich eine Weile keine Zeit zum Bloggen hatte. Für die Arbeit schreiben macht mir auch sehr großen Spaß, aber da muss ich auf Einiges achten und muss mich an bestimmte Vorgaben halten.

8. Wie bist du eigentlich auf den Namen deines Blogs gekommen?

Das hatte ich ganz am Anfang, in meinem allerersten Post „Die Grundidee“ geschildert. Ursprünglich wollte ich aus „Hamburgische Dramaturgie 2.0“ einen reinen Theaterblog machen, damals hatte ich vor, mich für den Dramaturgie-Studiengang an der Hochschule für Musik und Theater zu bewerben, und den Theaterblog wollte ich machen, um Arbeitsproben vorstellen zu können. (Die Bewerbung war erfolglos, aber letzten Endes war das gut so. Als Online-Redakteurin bin ich definitiv mehr in meinem Element 🙂 )

Für den Namen habe ich mich an einem meiner Lieblingstheaterleute aus der Geschichte der deutschsprachigen Literatur orientiert: Gotthold Ephraim Lessing. Seine Stücke – bürgerliche Trauerspiele wie „Emilia Galotti“ oder Lehrstücke wie „Nathan der Weise“ – sind heutzutage etwas altmodisch und schwer nachvollziehbar (wobei das Thema in „Nathan der Weise“ immer noch erschreckend aktuell ist: Religionskriege). Aber seine Theatertheorie, die er in der originalen Hamburgischen Dramaturgie dargelegt hat, die ist auch heute noch spannend und aktuell. Der Zusatz „2.0“ kam dann dadurch, dass ich meine Gedanken und Beobachtungen der Hamburger Theaterlandschaft und zum Theater allgemein ins Internet verlegt hatte, anstatt sie in einem Buch aufzuschreiben. Später merkte ich dann, dass ich mich nicht mehr nur aufs Theater beschränken, sondern auch etwas über Literatur, Filme, Fernsehen und Popkultur hier schreiben wollte. So hat sich der Blog dann weiterentwickelt.

9. Wissen deine ArbeitskollegInnen von deinem Blog?

Ja, ich denke schon. Ich freu mich dann immer, wenn mich jemand auf einen Blogartikel anspricht. Genauso, wie ich mich über jeden Kommentar freue 😉

10. Giltst du als Nerd in deinem Bekanntenkreis? Oder kannst du das an- und abschalten? Oder siehst du dich gar nicht als Nerd?

Meine Freunde sind noch schlimmere Nerds als ich, da falle ich nicht weiter auf 😛 Ich bin wohl schon ein bisschen so ein Bücher- und Kulturnerd. Ich gehe zum Beispiel auch total gern ins Museum, das macht mir aufrichtig Spaß. Das können dann auch nicht unbedingt alle meine Bekannten und Freunde nachvollziehen. Aber wenn ich weiß, da ist eine spannende Ausstellung, auf die von meinen Freunden keiner Lust hat, frage ich meine Mutter, die lässt sich dafür genauso begeistern wie ich.

11. Du veröffentlichst einen Artikel: Wann schaust du nach, ob du schon ein “Gefällt mir” oder einen Kommentar dazu bekommen hast? Sei ehrlich!

Hahaha 😀 Da bin ich voll ungeduldig, meistens lade ich gleich in den ersten fünf Minuten die Seite mit meinem aktuellen Machwerk drei- bis viermal neu, und hoffe, dass irgendeine Reaktion kam. Das ist natürlich völliger Quatsch, so schnell geht das gar nicht. Aber irgendwie bin ich dann immer so neugierig.


So, in meiner ersten Fassung von dem Post hatte ich die Nominierungen von anderen Blogs weggelassen. Aber inzwischen sind mir doch ein paar spannende Fragen eingefallen. Ich nominiere für den Liebster Award die folgenden Blogs (zufällige Auswahl aus den Blogs, denen ich folge, und die bei der letzten Nominierung nicht dabei waren):

Die Quadrataugenrunde

Maunzendemaus

Motion Picture Maniac

Depressiver Optimist

Wer nicht auf der Liste steht, aber trotzdem Lust hat, die Fragen zu beantworten, kann dies natürlich trotzdem tun 🙂

Hier nun zu meinen Fragen:

1. Eine Zombie-Apokalypse bricht aus: Was tust du, warum und wie schätzt du deine Überlebenschancen ein?

2. Welches Endzeitszenario hältst du für wahrscheinlicher und warum: Ein Killervirus rafft die Mehrheit der Menschen dahin? Der dritte Weltkrieg findet statt, alle bewerfen sich mit Atom- und Wasserstoffbomben, die Welt wird unbewohnbar? Der Klimawandel und der menschliche Raubbau an der Umwelt fordern ihren Tribut? Wir werden von einem kolossalen Kometen zermalmt? Oder etwas vollkommen anderes?

3. Hand aufs Herz: Was hältst du von der Todesstrafe?

4. Selbstjustiz: Unter gewissen Umständen verständlich? Oder grundsätzlich falsch?

5. Til Schweiger: Genialer Marketingstratege oder aufgeblasener Angeber?

6. Was ist für dich der schlechteste Film aller Zeiten und warum?

7. Du bemerkst einen Troll-Kommentar auf deinem Blog: Wie reagierst du?

8. Jemand schreibt Blödsinn oder menschenverachtende Kackscheiße im Internet: Kannst du widerstehen oder pöbelst du dagegen?

9. Welches Buch hat dich zuletzt so richtig gefesselt?

10. Gibt es eine Eigenschaft, die dich an deinen Mitmenschen ganz besonders nervt? Welche?

11. Wie lange betreibst du deinen Blog schon und was hat dich dazu bewogen, damit anzufangen?

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64. Stück: „Rocco Darsow“ von René Pollesch im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses am 17. Juni 2015

Liebe und Realität

Nach längerer postdramatischer Theaterabstinenz habe ich letzte Woche Rocco Darsow von René Pollesch im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg angeschaut – und war begeistert! Die Bühne besteht aus einer überdimensionalen Torte (mit essbaren Elementen), zwei Leinwänden und einem riesigen schwarzen Totenkopf, der aus der Mitte herausragt. Die Hälfte des kurzen Stücks verbringen die Schauspieler Martin Wuttke, Bettina Stucky, Christoph Luser und Sachiko Hara innerhalb des Totenkopfs. Sie werden dabei gefilmt und die Bilder werden live auf die Leinwände projiziert. Dies ist ein für Pollesch typischer Verfremdungseffekt, der dem Zuschauer offenbart, dass er sich gleichzeitig in einem Theaterstück (also einer Fiktion) und in der Realität befindet.

Polleschs Stücke lassen sich wie eine fortgesetzte Work in progress betrachten. Es wird nicht jedesmal eine abgeschlossene Geschichte erzählt, sondern es werden verschiedene Themen aus den Bereichen Leben, Lieben, Wirtschaft und Gesellschaft verhandelt. Dabei treten manche Leitmotive häufiger auf als andere und werden nicht nur von einem Stück zum nächsten wieder aufgegriffen, sondern auch innerhalb eines Stücks wiederholt. Jedoch sind diese Wiederholungen nicht exakt gleich, sondern stets leicht variiert. Das liegt daran, dass Pollesch seine Stücke nicht erst schreibt und dann seinen Schauspielern vorsetzt. Er entwickelt seine Texte gemeinsam mit den Schauspielern im Probenprozess, wobei die Leitmotive und wiederkehrenden Themen von jedem Schauspieler ein wenig anders betont und interpretiert werden.

Die Themen, die in Rocco Darsow im Mittelpunkt stehen, sind die Liebe, die Realität, das Sein. Der Totenkopf in der Mitte erinnert – das wird im Stück auch explizit gesagt – an den Terminator, nachdem seine menschliche Hülle verbrannt ist. Dieser intertextuelle Verweis auf einen der Klassiker der Popkultur und einen der bekanntesten Zeitreise-Filmen stellt die Frage: Was ist Realität? Schließlich wird in Terminator durch das Großvaterparadoxon die Realität innerhalb der erzählten Welt durcheinander gebracht, sodass sich nachher kaum logisch entwirren lässt, wo die Ursache und wo die Folge der Handlungen sind, die die erzählte Wirklichkeit bestimmen. In wechselnden Variationen stellen die Schauspieler in Rocco Darsow immer wieder die Frage, wie Realität zustande kommt. Wenn eine Person einer anderen ihre leidenschaftliche Liebe gesteht, wird Letztere durch diese Aussage dann erst zur Geliebten? Oder war sie es schon vorher? „Und ist nicht das die Realität, die immer so tut als wäre sie schon da, aber sie ist immer erst nachträglich da.“

Trotz solcher Texte, die für Gehirnknoten sorgen, ist Rocco Darsow sehr witzig und unterhaltsam geraten. Auch das begegnet dem Zuschauer regelmäßig in Polleschs Stücken, dass die durchweg hervorragenden Schauspieler voller Spielfreude das Publikum mitreißen. Das rasende Tempo, in dem die Texte vorgetragen werden, der ehrliche Tonfall, die Mischung aus Umgangssprache und Fachbegriffen regen zum Nachdenken an, ohne zu belehren.

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49. Stück: Faszination „Germany’s Next Topmodel“ – eine Mutmaßung

Bis zu diesem Jahr habe ich mich immer standhaft geweigert, mir „Germany’s Next Topmodel“ zu Gemüte zu führen. „Die machen doch nichts, stehen nur rum oder latschen so nen Steg runter, so einen Scheiß gucke ich nicht“, war stets meine Devise. Aber dieses Jahr habe ich jetzt doch ein paar Mal reingeschaut und habe festgestellt, dass es doch ein Beruf ist, zu dem auch Talent und Handwerk gehören und den nicht jeder ausführen kann, der einfach nur groß und dünn ist. Das ist natürlich ein bisschen peinlich, dass jemand, der eine Schauspielausbildung hat und jetzt mit Schreiben seine Brötchen verdient, von einem anderen Beruf denkt „Das kann ja wohl jeder“. Denn das ist ja genau das Problem von allen kreativen und/oder künstlerischen Berufen, dass Außenstehende denken, das könne jeder und sei nichts, wofür man eine fundierte Ausbildung bräuchte und überhaupt seien das ja wohl nur Hobbys und da kann man froh sein, wenn man das überhaupt ausüben darf und soll nicht auch noch verlangen, von dem damit (wenn überhaupt) verdienten Geld leben zu können.

Also, Asche auf mein Haupt, da habe ich dem Modelberuf offenkundig Unrecht getan. Denn was man bei „GNTM“ wunderbar sehen kann ist, dass es eben doch nicht so einfach ist, sich in hohen Absätzen elegant und sicher zu bewegen. Und dass es auch gar nicht so leicht ist, vernünftig vor einer Fotokamera zu posen, sodass das  nachher gut aussieht. Was man allerdings auch gut sehen konnte – und da hält sich mein schlechtes Gewissen wegen der banausenhaften Verkennung des Modelstands dann doch in Grenzen – ist, dass die Modelwelt offenbar keine Ahnung vom Schauspielerberuf hat. In der Folge „Extreme Edition“ sollten die Models nämlich eine Szene in einem Restaurant spielen, wo sie furchtbar sauer auf einen Kerl waren. Später sollten sie dann für einen Werbespot so tun als würde ihnen irgendein kaltes Teegesöff unfassbar gut schmecken. Das Ergebnis war durch die Bank weg einfach nur beschämend. Gut, was soll man auch machen, wenn man als Regieanweisung hat: „Sei mal richtig sauer“. Oder: „Sei mal glücklich“. Das ist doch klar, dass da nur hysterisches, sinnentleertes Gekreische oder ein sinnloses Grinsen bei rumkommen. Beim Schauspiel geht es nicht darum, Gefühle darzustellen, sondern darum, was die Figur will und was sie wie tut, um es zu bekommen. Warum ist man wütend und wie äußert sich die Wut? Warum ist man glücklich und wie zeigt man dieses Glück?

Auf jeden Fall wird nicht nur der Schauspielerberuf dadurch völlig verkehrt dargestellt, sondern die Mädchen werden auch noch dabei blamiert. Einen großen Teil der Faszination von „GNTM“ macht meiner Meinung nach eine Mischung aus Fremdscham und Schadenfreude aus. Das ist sehr sehr peinlich, was die Mädchen da teilweise alles mit sich machen lassen und auch das, was sie teilweise für Probleme halten ist mehr als lächerlich. Augenbrauen zu bleich gefärbt, Rabäääääh, Haare abschneiden, heuuuuuul, die hat gesagt, dass die gesagt hat, dass ich gesagt hab, dass sie gesagt hat, mimimimimi. Gleichzeitig kristallisieren sich recht schnell in dieser Sendung Feindbilder und Sympathieträger heraus und dann ist das ein bisschen wie Fußball gucken. Man freut sich, wenn die Feindbild-Kandidatinnen Misserfolge einstecken müssen und man freut sich, wenn die Lieblingskandidatinnen Erfolge verbuchen können.

Was ich bei der „Extreme Edition“ außerdem festgestellt habe, ist, dass es ziemlich viel Spaß zu machen scheint, Kostüme und Mode zu designen und umzusetzen. Ich kann also verstehen, wenn man diese Sendung guckt und hinterher sagt, ich hätte Lust Kostüm- oder Modedesign zu studieren. Was ich nicht verstehe, ist, wie junge Mädchen durch diese Sendung ernsthaft Lust haben können, Model zu werden. Denn ich habe nicht den Eindruck, dass der Beruf da groß geschönt dargestellt wird. Vielleicht ein bisschen, denn ich denke, ähnlich wie beim Schauspiel, wenn man nicht Heidi Klum und Wolfgang Joop kennen lernt, sondern ein ganz normales Model ohne Vitamin B ist, dann ist das noch tausend Mal schwieriger, in der Branche Fuß zu fassen, sodass man davon leben kann.

Und wenn man Fuß gefasst hat, was dann? Als Model ist man ja im Grunde, böse gesagt, ein lebender Kleiderständer. Die Aufgabe von Models ist, Produkte, Kleidung und Kosmetik so zu präsentieren, dass Leute das Zeug unbedingt haben wollen und bei nächstbester Gelegenheit kaufen. Aber Models sind nicht diejenigen, die kreativ sein, eigene Vorschläge machen oder eigene Ideen haben dürfen. Die sollen tun, was ihnen gesagt wird und das war es dann auch schon. Und zum Dank darf man sich dann wie Schlachtvieh behandeln und wie Ware begutachten lassen. Wer will das denn?

Das zumindest ist mein Eindruck, den ich durch „Germany’s Next Topmodel“ gewonnen habe. Trotzdem wollen alle diese Mädchen unbedingt als Nummer eins aus dieser gruseligen Serie hervorgehen. Dabei haben sich die wenigsten Gewinnerinnen der letzten Jahre dauerhaft einen Namen in der Modelbranche gemacht. Einige üben jetzt einen ganz anderen Beruf aus, andere tingeln von Show zu Show und von anderen hört man gar nichts mehr. Und die Mädchen, die da teilnehmen, da ist die Älteste grad mal Anfang 20 oder so, die meisten sind so 16-18 Jahre jung. Die haben doch noch gar nicht das Selbstbewusstsein, um sich mit heiler Seele in diesem Haifischbecken von Modebranche zu behaupten. Auch nicht die, die so selbstbewusst tun und herumposaunen, sie wären die Beste. Das glauben sie vielleicht, aber sie plappern einfach nur Phrasen nach, die sie vermutlich in den letzten Staffeln oder bei irgendwelchen anderen Castingshows aufgeschnappt haben.

Außerdem schneiden die das ja hinterher auch so zusammen, dass sich bestimmte Kandidatentypen herauskristallisieren. Man darf ja auch nicht vergessen, dass es nicht darum geht, wohltätigerweise kleinen Mädchen eine Traumkarriere zu ermöglichen, sondern darum, Kohle zu scheffeln und Fernsehdeutschland zu unterhalten. Also braucht man bestimmte Typen, bestimmte Klischees, mit denen sich jeder Zuschauer identifizieren oder das er ablehnen kann. Die Zicke, die sich für was Besseres hält, die Liebe, die immer vermitteln will, die Doofe, die immer irgendwelche dummen Sachen in fragwürdiger Grammatik vom Stapel lässt, die Süße, die ein bisschen naiv, aber zum Knuddeln ist, die Emotionale, die immer gleich anfängt zu flennen, die Schicksalsgebeutelte, die meint, die Sendung wäre ihre letzte Chance, im Leben noch irgendwas Schönes zu erleben, die Natürliche, die man gern als Freundin hätte, und so weiter. Am Anfang waren noch ein paar Mädchen dabei, die sich nicht einem dieser Typen zuordnen ließen und deren Gesicht man sich nicht merken konnte. Die scheiden jetzt nach und nach aus. Diejenigen, die die Show unterhaltsam machen, sind die, die bis zum Schluss drinbleiben.

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