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93. Stück: Kinojahresrückblick 2018 – der größte Schrott

Zu einem cineastischen Jahresrückblick gehören natürlich auch die Filme, die mich 2018 am meisten enttäuscht, verärgert oder gelangweilt haben. Hier sind sie:

10. Bad Times at The El Royale

„Bad Times at the El Royale“ von Drew Goddard hat leider außer einer stylishen mise en scène und einem coolen Soundtrack nichts zu bieten. Das ist sehr schade, denn bei diesem Cast und dieser Ausgangssituation hätte man einen richtig tollen Neo-Noir und einen fesselnden, atmosphärisch dichten Thriller draus machen können.

Aber stattdessen franst die Geschichte total aus. Es werden zahlreiche Handlungsstränge aufgemacht, die alle in dem Hotel enden, und da zeigt sich ein explosives Konfliktpotenzial. Da muss man sich schon echt Mühe geben, damit da nichts Spannendes bei rauskommt – und genau das ist hier passiert. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen ins Leere, der Erzählrhythmus ist überhaupt nicht stimmig und das Tempo schleppt sich schneckengleich daher und wenn dann mal was passiert, wird das von den anderen Figuren irgendwie achselzuckend zur Kenntnis genommen, ohne dass das wirkliche Konsequenzen hat.

Fazit: Schöne Bilder, tolle Musik, gute Schauspieler, interessantes Setting und konfliktträchtige Ausgangslage reichen anscheinend nicht immer aus für einen gelungenen Thriller. Das war leider nichts, schade.

9. Catch Me

„Catch Me!“ von Jeff Tomsic fängt nicht schlecht an und hat eine ganz pfiffige Grundidee: eine Gruppe von Freunden spielen seit ihrer Kindheit stets im Mai zusammen Fangen – und einer von ihnen wurde noch nie geschnappt. Das soll sich nun ändern. Wie man gleich zu Beginn erfährt, beruht das Ganze auf einer wahren Geschichte – und ich weiß nicht, warum, aber irgendwie ist das fast immer ein Indiz dafür, dass der nachfolgende Film nicht so doll wird.

Vielleicht will man Rücksicht auf die noch lebenden Vorbilder nehmen und traut sich deswegen nicht, die Story und das Gagpotenzial voll auszureizen. Oder man verlässt sich darauf, dass wahre Geschichten sich quasi „von selbst erzählen“ und man da dramaturgisch nichts mehr machen muss (was ein Irrtum ist. Wie soll denn Spannung entstehen, wenn man eine Geschichte so erzählt: Erst passierte das. Dann das. Und dann das. Und dann war’s zuende.)

Jedenfalls fehlt es diesem Film an Biss, Rhythmus und Tempo, die Gags wiederholen sich zu oft, die Charakterzeichnung der Figuren ist dünn, die Konflikte bleiben an der Oberfläche. Das Ende ist zudem recht ernst und traurig, was so überhaupt nicht zum albernen, durchgeknallten Grundton des Films passen mag. Und wirklich viel passiert in dem Film auch nicht.

Fazit: Schade, daraus hätte man eine wunderbar bekloppte Komödie draus machen können, aber leider kommt die Handlung nicht wirklich in die Gänge und insgesamt wirkt das alles zu unausgewogen. Muss man nicht sehen.

8. Red Sparrow

„Red Sparrow“ von Francis Lawrence braucht leider fast 100 Minuten, um in die Puschen zu kommen, und ist entsprechend langweilig. Ich bin zwischendurch immer mal wieder weggenickt, zwischendurch war ich noch entspannt pinkeln, aber ich bin mit der Story trotzdem hinterhergekommen. Also habe ich anscheinend nichts Wesentliches verpasst, was mich zu dem Schluss verleitet, man hätte den Film problemlos und verlustfrei auf die Hälfte zusammenkürzen können.

Mich hat außerdem der künstliche russische Akzent von den russischen Figuren total genervt. Das entbehrt jeder Logik. Die Geschichte spielt im Wesentlichen in Russland, also ist Russisch die normale Sprache, nicht Englisch/Deutsch mit russischem Akzent. Wenn, hätte man überlegen können, den Amerikanern einen englischen Akzent zu verpassen, die aber haben normal gesprochen. Hätte auch im Original wenig Sinn ergeben, Englisch mit englischem Akzent zu sprechen, Höhö. Aber wenn man den Russen der Authentizität wegen einen russischen Akzent gibt, dann soll man wenigstens auch russische Schauspieler nehmen, die mit anderen Russen untereinander Russisch sprechen (mit Untertiteln) und nur mit Ausländern Englisch/Deutsch mit echtem russischen Akzent. Nicht dieser klischeehafte, gekünstelte Fake-Akzent, der total albern klingt.

Aber ich schweife ab. Daran kann man mal sehen, worüber ich den Film über so Zeit hatte, mir Gedanken zu machen.

Ansonsten, Jennifer Lawrence ist mal wieder hinreißend, die anderen machen ihre Sache auch prima und das Ende ist tatsächlich ganz pfiffig. Man braucht nur wirklich viel Geduld, bis man da hinkommt.

Fazit: Muss man nicht gesehen haben und wenn doch, dann lieber zu Hause, wo man vorspulen kann.

7. Der Nussknacker und die vier Reiche

„Der Nussknacker und die vier Reiche“ von Lasse Hallström und Joe Johnston ist leider nicht so gut gelungen, wie es der Trailer vermuten ließ. Die Kostüme, die mise en scène und die Musik Tschaikowskys sind das Beste an dem Film. Aber die Handlung ist dünn, vorhersehbar und nicht immer schlüssig, die Figuren wie vom Reißbrett, die Story lieblos zusammengeschustert (als hätte ein Algorithmus das Ganze geschrieben), die Dialoge tumb und witzlos, und die Spannungskurve so flach wie die Berge Norddeutschlands.

Dabei wirkte es im Trailer so, als würde man hier einen bezaubernden Märchenfilm mit liebenswerten Figuren, knuffeligen Tieren und fantasievollen, zum Leben erweckten Spielfiguren zu sehen bekommen. Ein Film, der sowohl Erwachsene unterhält als auch Kinder in eine andere Welt entführt und zum Träumen einlädt. Aber stattdessen ist der Film anscheinend einfach so hingerotzt worden, auf Basis vergangener Erfolge ermittelte Faktoren klischeehaft widergegeben und das so hohl, wie die Zinnsoldaten es sind.

Fazit: Leider sehr enttäuschend, ich würde vom Kinobesuch abraten.

6. Aquaman

„Aquaman“ von James Wan bekommt von mir nur deshalb 2 Sterne, weil ich ihn mir noch schlimmer vorgestellt hatte, als er letztendlich war. Als handelsüblicher, überraschungsfreier Standard-Action-Comic-Kracher nach Schema F ist er dann doch einigermaßen passabel. Mehr sollte man aber nun wirklich nicht erwarten.

Was bekommt man zu sehen? Viel CGI-Effektegewitter, eine schicke Unterwasserwelt, viel Action, gaaanz viele Muskeln (mein Kumpel, der mit im Kino saß, meinte: „So müssen sich wohl Frauen fühlen, wenn makellose Bikinischönheiten über die Leinwand schweben“) und zumindest ein paar nette Gags. Von denen aber einige recht albern sind und sich seltsam mit dem ansonsten bierernsten Grundton und der oberflächlichen, aber holzhammermäßig vorgetragenen, Ökobotschaft beißen.

Die Besetzung ist erstklassig, bloß Amber Heard kann ich nicht leiden, aber sie macht ihre Sache OK. Willem Dafoe ist glaube ich ziemlich unterfordert, Nicole Kidman ebenso. Ansonsten ist das aber soweit in Ordnung. Und man muss auch sagen, dass das Drehbuch den Schauspielern eine ziemlich hanebüchene Handlung und teils strunzdumme Dialoge vorgesetzt hat.

Fazit: Muss man nicht gesehen haben, zumindest nicht im Kino.

5. Hostiles

„Feinde – Hostiles“ von Scott Cooper hat mich leider sehr enttäuscht. An der filmischen Umsetzung lag das nicht – die Bilder sind grandios, die mise en scène wirkt authentisch, die Atmosphäre passend dazu düster und staubig. Aber tolle Bilder machen eben noch keinen guten Film – Erzählkunst macht einen guten Film. Kommt beides zusammen, haben wir einen meisterhaften Film.

Jedenfalls krankt es in diesem Film am Erzählrhythmus und Erzähltempo – das Ganze ist viel zu lang und langatmig. Die Figurencharakterisierung gelingt nur bei der Hauptfigur – und ja, es gibt nur eine Hauptfigur, auch wenn die Story und das Plakat suggerieren, es gäbe zwei. Und das führt mich zu meinem nächsten, und wichtigsten Kritikpunkt: die Figurenkonstellation.

Da steckte so viel Potenzial in der Ausgangssituation, dass da zwei Menschen aufeinander treffen, die allen Grund haben, sich zu verabscheuen. Ein rassistischer, überzeugter Soldat, dem das Töten im Blut liegt und der fest daran glaubt, dass Weiße was Besseres sind als die amerikanischen Ureinwohner auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite ein amerikanischer Ureinwohner, dem von Leuten wie Blocker die Heimat, Freunde, Familie, die eigene Würde genommen wurden.

Aber in der Geschichte geht es schließlich nur um Blocker und um seine Entwicklung – die anderen Figuren sind nur Staffage oder Stichwortgeber oder dienen dem einzigen Zweck, Blocker zum Handeln zu bewegen beziehungsweise auf seine Handlungen zu reagieren.

Der Apachenhäuptling Yellow Hawk hingegen bleibt eindimensional und setzt Blocker kaum etwas entgegen. Er macht auch nicht wirklich eine Entwicklung durch. Er ist zunächst einfach still, dann geht er über in seine Funktion des weisen, alten Mannes, der versucht, den starrsinnigen Rassisten Blocker zur Vernunft zu bringen.

Man wollte wohl das Klischee des „edlen Wilden“ bedienen, der sich dennoch seiner Rolle als Untergebener in Bezug auf den weißen Mann bewusst ist und nicht versucht, aufzumucken. Das aber macht den Film zu einem quälend langweiligen Machwerk mit fragwürdigem moralischen Subtext.

Wenn man einen Film über zwei Feinde macht, die sich einander annähern, dann müssen auch beide Figuren stark sein. Es muss knallen. Da muss das volle Konfliktpotenzial genutzt werden. Wenn nur einer vor sich hin brummelt und der andere kommt ganz sachlich und respektvoll an, dann kommt man doch überhaupt nicht richtig in eine Handlung rein. Das ist dann genauso spannend wie die Kurztheaterstücke, die ich als Kind mit meinen Stofftieren erfunden habe und die folgendermaßen abliefen:

Kuschelschaf zu Stoffesel: „Wollen wir Freunde sein?“
Stoffesel zu Kuschelschaf: „Jaaaaaa!“
Kuschelschaf zu Stoffesel: „Juhuuuu!“

Die anderen Apachen bleiben im Übrigen blass und setzen den weißen Soldaten auch nichts entgegen. Ab und zu darf sich eine Nebenfigur ein bisschen kritisch dazu äußern, dass doch die Weißen den amerikanischen Ureinwohnern ihr Land weggenommen hätten, und sie selbst die Besatzer seien. Aber die Apachen selbst dürfen das nicht sagen.

Die Komantschen, die sich genauso brutal verhalten wie die Soldaten, werden als gesichtslose Monstren dargestellt, die nichts Menschliches mehr an sich haben. Dass sie sich vielleicht verteidigen und die Besatzer vertreiben wollen, die ihnen ihren Lebensraum wegnehmen wollen, wird nicht einmal in Erwägung gezogen. Und natürlich ist das kein Grund, Menschen so grausam abzuschlachten. Aber welchen Grund haben denn die Soldaten, diese Menschen zu quälen, zu demütigen und zu ermorden?

Die weibliche Hauptfigur ist von der Charakterisierung her nur wenig facettenreicher und spannender als die „edlen Wilden“. Erst ist sie nur trauernde Witwe und verwaiste Mutter. Dann ist sie die Sanftmütige, die das Herz des harten Soldaten ein wenig erweicht, und sich dazu herablässt, sich mit den Apachenfrauen ganz normal höflich und freundlich zu unterhalten und sich mit ihnen – zwar nicht auf Augenhöhe, aber immerhin – anzufreunden. Ach so, und dann darf sie auch noch beurteilen, dass Blocker ein guter Mann sei. Weil er – Mini-Spoiler – am Ende die richtigen Leute abschlachtet und nicht mehr die falschen.

Fazit: Dieser Film ist ein einziges Ärgernis, wenn auch in schönen Bildern.

4. Death Wish

„Death Wish“ von Eli Roth ist ein seltsamer Film, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er Drama, Action, Thriller, Torture Porn, Splatter oder Komödie sein soll. Die erste Hälfte nimmt sich Zeit, verläuft beinahe etwas zäh, und schildert den Chirurgen Paul Kersey als gewissenhaften, pazifistischen und professionellen Zeitgenossen, der sich nicht provozieren und aus der Ruhe bringen lässt.

Wir erfahren weiterhin, dass die Gewalt und Kriminalität in Chicago eskaliert und die Polizei hoffnungslos überfordert ist, und dass im Krankenhaus ständig irgendwer seinen Schussverletzungen erliegt. Das könnte man jetzt natürlich nutzen, um die laxen Waffengesetze in den USA zu kritisieren. Tatsächlich wirken die Szenen im Waffengeschäft auch so absurd, dass man darin ein Potential zu einer solchen Kritik sehen könnte.

Doch das passt überhaupt gar nicht zum „Nur ein guter Kerl mit Waffe kann einen schlechten Kerl mit Waffe aufhalten“-Narrativ, das den Film letztendlich dominiert. Dieser friedfertige, selbstbeherrschte Mann macht nämlich nach der Ermordung seiner Frau eine völlige Kehrtwende. Zunächst stutzt er noch ein wenig, als sein Schwiegervater mit seinem Gewehr Wilderern hinterherballert und sagt, ein richtiger Mann müsse das Gesetz in die eigene Hand nehmen, wenn die Polizei nicht aus dem Quark kommt.

Aber als ihm die Waffe eines toten Gangsters im Krankenhaus buchstäblich vor die Füße fällt, macht es in seinem Kopf „Puff“ und er mutiert zum Rächer. Mit Kapuzenpulli und der Waffe macht er sich auf den Weg in eine superüble Gegend, hält Ausschau nach irgendwelchen Übeltätern und schießt dann die erstbesten Autodiebe über den Haufen. Und nein, das war keine Notwehr, spätestens dann nicht mehr, als er dem einen Verbrecher mitten in den Kopf schießt.

Darob diskutiert die Öffentlichkeit allen Ernstes darüber, ob der Typ das darf. Die meisten finden es total klasse, dass ein einzelner Kerl sich über das Gesetz schwingt, um nach eigenem Gutdünken Menschen hinzurichten. Vielleicht muss man NRA-Mitglied oder US-amerikanischer Republikaner sein, um das nachvollziehen zu können. Einige Todesszenen sind dann aber auch schon wieder so übertrieben, dass es lustig war. Wobei einem das Lachen bei dem Kontext echt im Halse stecken blieb.

Am Ende kommt die Polizei dem einsamen Rächer natürlich auf die Schliche, weil – vergessen wir das nicht – er ja eigentlich ein friedliebender Arzt ist und kein Berufskiller, und sich dementsprechend ziemlich dusselig anstellt. Da sollte man meinen, dass die Polizisten ihn verhaften, er vor Gericht und ins Gefängnis kommt, weil er ein Mörder ist. Nö. Der Polizist klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Retten Sie weiter Leben, das können Sie gut.“ – Da ist mir echt die Kinnlade heruntergeklappt.

Fazit: Lohnt sich nicht, der Film ist im Grunde sehr ärgerlich, haarsträubend und moralisch völlig daneben. Die Handlungslogik ist ebenfalls vermurkst. Die Figurenentwicklung und Figurenmotivation erschließt sich wohl nur schießwütigen Republikanern. Gerade in Zeiten, in denen quasi jede Woche ein Amoklauf und Massenmord mit Schusswaffen durch die Medien geht.

3. Hereditary

„Hereditary“ von Ari Aster hat mich neugierig gemacht, weil die Kritiker sich auf der einen Seite vor Lob überschlugen, die Zuschauerkritiken hingegen einen unterirdisch schlechten Film versprachen. Und da dachte ich, das wird so ähnlich wie bei „mother!“, der Film ist entweder völlig krank, aber gut – oder richtig grottig. Und da ich ja in Besitz einer Kino-Abokarte bin, kostete es mich nichts, das herauszufinden.

Na jedenfalls war ich ziemlich enttäuscht, denn der Film ist bis kurz vor dem Ende durchschnittlich und banal. Die einzigen starken Momente gehören Toni Collette, die als trauernde Mutter, die an ihrem Verstand zu zweifeln beginnt, absolut überzeugt. In diesen Szenen funktioniert „Hereditary“ denn auch im Zusammenspiel mit Gabriel Byrne und Alex Wolff sehr gut als Familiendrama. (Auch wenn ich finde, dass Alex Wolff viel zu alt für die Rolle ist, man sieht ihm einfach an, dass er schon 20 ist und keine 16/17 Jahre)

Die Gruselelemente funktionieren teilweise auch ganz gut, ich hab mich ein paar Mal ganz schön erschrocken, und die unheimliche Atmosphäre hält zumindest solange an, bis der Film auf sein lächerliches Finale zusteuert. Mich hat sogar das permanente Unglücksgeraune und Bassgedröhne nur ein bisschen genervt, weil ich doch wissen wollte, worauf dieser Film eigentlich hinauswill.

Leider wussten die Macher das wohl selbst nicht so genau. Und so mäandert die Handlung vor sich hin, bis das Ganze dann mit einem Deus-ex-machina-Ende seinen misslungenen Abschluss findet. Immerhin hat der Schluss mir geholfen, mich zu entscheiden, wie ich den Film finde – nämlich schlecht. Weil’s aber vorher durchaus starke Momente gibt, erhält er immerhin 1,5 Sternchen.

Fazit: Den muss man sich nicht antun. Wer psychologisch feinsinnigen Grusel in Kombination mit einem Familiendrama sehen möchte, sollte sich lieber den großartigen „Babadook“ oder „Das Waisenhaus“ anschauen.

2. Mortal Engines – Krieg der Städte

„Mortal Engines“ von Christian Rivers versucht, in die Fußstapfen der „Hunger Games“-Reihe zu treten – und scheitert damit kläglich. Dabei stimmen die Voraussetzungen: eine dystopische Welt mit spannender Hintergrundgeschichte, eine stimmungsvolle mise en scène, tolle Kostüme, stylisher und cooler Steampunk-Look und keine allzu schlechten Schauspieler. Da müsste man doch was draus machen können, sollte man meinen.

Oder man pfeift komplett auf dramaturgischen Spannungsaufbau, erzählerische Stringenz, logische Handlungsstränge und vielschichtige Figuren und fährt so das ganze Potenzial mit Karacho in die Grütze. Und genau das ist hier passiert. Bleibt man anfangs noch neugierig, wie sich die Geschichte entwickelt und was alles dahintersteckt, weicht das anfängliche Interesse zunächst Konfusion und dann einer geradezu peinlichen Vorhersehbarkeit, um dann am Ende in Kitsch und Platitüden zu versumpfen.

Ich hatte am Anfang Schwierigkeiten, reinzukommen, weil alles recht hektisch durcheinander und viel zu schnell ging. Aber da konnte man wenigstens noch hoffen, dass sich das im Laufe der Handlung einpendelt, aufklärt und den Anfang einer Spannungskurve bildet. Aber dann konnte man die überraschend gemeinten Wendungen und Auflösungen von Rätseln schon drei Meilen gegen den Wind riechen – musste dann aber noch ewig warten, bis das Offensichtliche dann auch auf der Leinwand gezeigt wurde. Schnarch. Der Rhythmus der Erzählung war einfach hinten und vorne nicht stimmig und völlig unausgewogen.

So, das ist aber noch nicht alles. Diese Dialoge!!! Auweia! Captain Obvious trifft Disneyfilm. Dann hält sich zum Beispiel jemand gerade gut an etwas fest, um nicht herunterzufallen. „Halt dich gut fest!“, wird ihm dann geraten. Oder: „Ich kann das Ding nicht anhalten, die Bremsen sind kaputt!“ – „Du musst das Ding anhalten!“ (Ach, nee). Oder: „Lass uns irgendwohin fliegen!“ – „Ich folge dir überall hin!“ Und. So. Weiter.

Einen Pluspunkt habe ich dennoch: Die Haare von Anna Fang. Supercoole Frisur, will ich auch haben.

Fazit: Wer sich an Logiklöchern, dummen Dialogen, flachen Figuren, fehlender Spannungskurve und misslungenem Erzählrhythmus nicht stört, und Steampunk-Look liebt, dürfte diesem Film etwas abzugewinnen wissen. Ansonsten würde ich eher davon abraten.

1. Johnny English 3

„Johnny English – Man lebt nur dreimal“ von David Kerr ist eine lahmarschige, trutschige Agentenparodie mit einem gealterten Mr. Bean, bei der ich diverse Male eingenickt bin. Alle Gags – von denen die besten schon im Trailer verbraten wurden – laufen nach dem gleichen Schema ab: Jemand warnt Johnny English vor irgendwas, er sagt „Ach Quatsch, das passiert schon nicht, ich weiß Bescheid“ und dann passiert das doch. So riecht man den nächsten Witz dann auch schon 10 Minuten vorher und muss dann aber noch diese 10 Minuten warten, bis die Geschichte weitergeht. Wobei die auch echt nicht spannend ist. Wer der Bösewicht ist, ist schnell klar, trotzdem muss man noch 90 Minuten Klamauk ertragen, bis der endlich gefasst wird.

Währenddessen schlüpft Rowan Atkinson, der normalerweise ein hervorragender Schauspieler ist (wer „Black Adder“ noch nie gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen) von einem albernen Kostüm ins nächste, hampelt von einer peinlichen Situation in die nächste, tanzt sehr schlecht, sodass man sich etwas Sorgen um seinen Rücken macht, und rettet dann am Ende mal wieder das Vereinigte Königreich. Das alles in einem schleppenden Erzähltempo.

Einziges Highlight: Emma Thompson als Premierministerin. Sie erinnert ein wenig an Theresa May und hat sichtlich Spaß an ihrer Rolle.

Fazit: Den Film kann man sich sparen. Da sollte man lieber die alten Mr. Bean-Sketche noch mal anschauen.

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92. Stück: Kinojahresrückblick 2018 – die besten Filme und Animationsfilme

Ihr Lieben,

es ist wieder Zeit für meinen mittlerweile traditionellen Kinojahresrückblick. Zuerst stelle ich euch die Spielfilme und Animationsfilme des Jahres 2018 vor, die mir am besten gefallen oder mich am tiefsten berührt haben. Auf geht’s:

Die besten Spielfilme 2018:

10. Anna und die Apokalypse

„Anna and the Apocalypse“ von John McPhail ist ein wunderbarer Film. Witzig, aber auch berührend, mitreißende Musik und eine spannende Handlung. Das macht einfach Spaß. Gesehen habe ich den Film auf dem Fantasy Film Fest in Hamburg. Zum Glück scheint es ja auch einen regulären Starttermin in den deutschen Kinos zu geben – dann kann ich ihn mir noch mal ansehen.

Fazit: Unbedingt sehenswert!

(Edit: Ich habe den Film tatsächlich im Dezember noch einmal gesehen und beschlossen, ihn auch in meine Liste von Lieblingsweihnachtsfilmen aufzunehmen. Der ist einfach toll!)

9. I, Tonya

„I, Tonya“ von Craig Gillespie ist kein nüchternes Biopic, sondern erzählt die Geschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding auf humorvolle (fast schon sarkastische) und trotzdem berührende Art und Weise. Obwohl eigentlich alle Beteiligten an der Affäre rund um die Attacke auf Hardings Konkurrentin Nancy Kerrigan sowie auch Kerrigan selbst mehr oder weniger ziemliche Arschlöcher sind, wirken alle Figuren irgendwie sympathisch. Sogar die fürchterliche Mutter, die ihre Tochter wie eine Sklaventreiberin drillt und ihr jedes Selbstwertgefühl zerschmettert, kann den Zuschauer davon überzeugen, es gut gemeint zu haben.

Das ist nicht nur dem tollen Drehbuch und der großartigen Regie zu verdanken, sondern vor allem den grandiosen Schauspielern, die diese Figuren mit Leib, Seele und Leben füllen. Margot Robbie spielt einfach zum Niederknien und man vergisst völlig, dass man es nicht mit der echten Tonya Harding zu tun hat. Mal wirkt sie trotzig und pampig und ungerecht, dann wieder fiebert man mit ihr mit und wünscht sich nur das Beste für sie, mal rührt sie einen zu Tränen. Allison Janney, die Mutter, hat den Oscar völlig zu Recht als beste Nebendarstellerin bekommen. Wie es ihr gelingt, durch diese harte, sadistische, völlig verkorkste Schale doch noch hin und wieder einen winzigen Funken Mitgefühl für ihre Tochter aufblitzen zu lassen, ist einfach toll.

Doch auch die Männer in der Geschichte – allesamt absolute Volltrottel und Totalversager – scheinen es nie böse zu meinen, obwohl sie wirklich schreckliche Dinge tun. Selbst der prügelnde Ehemann schafft es, dass man zwischendurch fast ein bisschen Mitleid mit ihm hat.

Ganz nebenbei ist „I, Tonya“ aber auch eine Kritik an den elitären Strukturen hinter den Kulissen des Eiskunstlaufsports sowie an den elitären Strukturen in der Gesellschaft überhaupt. Es klingt zwar etwas patzig und kindisch, wenn Tonya sich beklagt, sie würde von der Jury schlechter bewertet als ihre Mitstreiterinnen, weil ihre White-Trash-Herkunft nicht in das schicke, tadellose All-American-Family-Image passt, das die Verantwortlichen gern transportieren müssen. Doch ein kurzes Gespräch mit einem Jurymitglied offenbart: sie hat völlig recht.

Ich kann mich sogar noch ein wenig an die Geschichte damals 1994 erinnern. Meine Eltern waren Team Nancy und konnten Tonya Harding nicht ausstehen. Jetzt in dem Film quasi ihre Seite der Geschichte zu sehen, war spannend, denn auch ich hatte mich von den Vorurteilen beeinflussen lassen.

Fazit: Sehenswert! Nicht verpassen!

8. BlackKklansman

„BlacKkKlansman“ von Spike Lee ist eine gelungene Satire, bei der einem das Lachen im Halse steckenbleibt. An der Oberfläche ist der Film lässig und witzig – aber die Geschichte, die er erzählt, ist bitterer Ernst. „BlacKkKlansman“ zeigt, wie aus (von den Betroffenen durchaus gut gemeinter) Ideologie Fanatismus wird.

Die Gestalten, die beim Ku Klux Klan mitmischen, werden dabei, wie ich finde, recht differenziert dargestellt. Da hat man die klassische Dumpftröte, verfressen und alkoholabhängig. Den hasserfüllten Irren, der zwar intelligent, aber vollkommen verblendet ist in seinem Fremdenhass. Den Intellektuellen, der rational erklärt, es gäbe nun einmal unterschiedliche Rassen, die unterschiedlich weit entwickelt sind, und wenn man das vermischt, brächte man die ganze „natürliche Ordnung“ durcheinander und das wäre eine Katastrophe. Man kann kritisch anmerken, dass zwar die Bandbreite an Ku Klux Klan-Mitgliedern differenziert dargestellt wird, die einzelnen Mitglieder es aber an Tiefgang vermissen lassen – aber mich hat das jetzt nicht gestört.

Die Black-Power-Bewegung wird im Gegensatz dazu eher als Bewegung in ihrer Gesamtheit dargestellt. Als Einzelmitglied lernt man nur Patrice etwas näher kennen. Aber meiner Meinung nach reicht das trotzdem, um den Ku Klux Klan und die Black-Power-Bewegung einander gegenüber zu stellen, und aufzuzeigen, wie Fanatismus entstehen und Ideologie zu Gewalt führen kann.

Wie aktuell das Ganze noch immer ist, macht das Ende schließlich deutlich.

Fazit: Lohnt sich!

7. The Disaster Artist

„The Disaster Artist“ von und mit James Franco ist ein irrwitziger Spaß, der die Geschichte rund um den wohl schlechtesten Film aller Zeiten – „The Room“ von und mit Tommy Wiseau – erzählt. Tommy ist ein mysteriöser, durchgeknallter Typ, von dem niemand weiß, woher er kommt, wie alt er ist und womit er sein Geld verdient. Er taucht irgendwann in der Schauspielschule von Greg Sestero auf, einem jungen, naiven und etwas schüchternen Schauspielschüler. Beide träumen von der großen Filmkarriere, aber wie Gregs Mutter es so treffend sagt: „Dafür braucht man Kontakte, man braucht Glück – und Talent.“

Autsch. Aber Tommy und Greg lassen sich nicht unterkriegen und beschließen irgendwann, ihren eigenen Film zu drehen: „The Room“. Es stellt sich heraus, dass Tommy offenbar steinreich ist, und so kauft er kurzerhand das beste Filmequipment, das es auf dem Markt gibt, mietet ein Filmstudio, engagiert Schauspieler und eine komplette Filmcrew … und dann geht’s los.

Die Dreharbeiten sind so chaotisch wie nur irgend möglich. Die Schauspieler wissen überhaupt nicht, was Tommy als Regisseur von ihnen will, was die Motive ihrer Figuren sein sollen, worum es in der Geschichte überhaupt geht, und was zum Teufel sie da eigentlich genau machen. Aber sie sind jung, brauchen das Geld und ertragen die Launen des doch sehr cholerischen Tommy. Wer den Film „The Room“ vorher gesehen hat, weiß, dass man ihm in jeder Sekunde ansieht, dass die Schauspieler nicht die geringste Ahnung haben, was sie gerade tun, sich aber nach Kräften bemühen, das Beste draus zu machen – und das ist immer noch echt mies.

Für den Zuschauer aber ist das urkomisch. Man leidet zwar mit den Schauspielern und der Filmcrew mit (insbesondere, wenn man selbst mal in der Branche gearbeitet oder sich selbst mal als Schauspieler versucht hat), aber das Ganze ist so absurd, dass man einfach lachen muss. Das ist ja manchmal so, dass eine Situation so furchtbar und irrsinnig ist, dass man die Wahl hat, darüber den Verstand zu verlieren oder darüber zu lachen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man den Film genauso lustig findet, wenn man „The Room“ noch nie gesehen hat oder wenn man noch nie irgendetwas mit Filmen oder Schauspielern zu tun hatte … möglicherweise findet man ihn dann trotzdem noch unterhaltsam, aber man kriegt nicht alle Anspielungen und Gags mit. Daher denke ich, der Film ist nicht unbedingt für jeden etwas.

Fazit: James Franco, sein Bruder Dave und sein Kumpel Seth Rogen sind im „Disaster Artist“ in absoluter Höchstform. Den Film sollte man nicht verpassen. Aber es empfiehlt sich, vorher „The Room“ zu schauen – auch, wenn der wirklich fürchterlich ist.

6. Animal World

„Animal World“ von Han Yan ist völlig durchgeknallt – und richtig gut! Was sich zunächst wie eine Art „Fight Club“ auf Koks anbahnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen Film, der sich keinem Genre zuordnen lässt.

Und gleichzeitig ist der Film ein Feuerwerk der Erzählkunst und fordert den Zuschauer mit mentalen Metadiegesen (Visionen, Tagträumen der Hauptfigur), einem unzuverlässigen Erzähler, der immer wieder betont, er sei verrückt – dabei aber fast am normalsten wirkt im Vergleich mit den anderen Figuren -, Allegorien (das Geschehen auf dem Schiff und das Spiel sind eine klare Kritik am Raubtierkapitalismus und an der daraus resultierenden Ungleichheit zwischen Arm und Reich), raffinierten Finten und einer fesselnden Spannungskurve sowie einem furiosen Erzählrhythmus. Da kann einem zwischendurch fast ein wenig schwindelig werden bei dem Tempo. Trotzdem kann man der Handlung stets gut folgen und man fiebert mit der Hauptfigur mit.

Es soll wohl noch eine Fortsetzung dieser chinesischen Manga-Verfilmung geben – ich bin schon gespannt und freu mich drauf.

Fazit: Sollte man sich nicht entgehen lassen, sobald sich die Gelegenheit bietet, ihn zu sehen.

5. Shape Of Water

„Shape of Water“ von Guillermo del Toro ist ein großartiger Film. Wie bereits in „Pans Labyrinth“ nutzt del Toro Märchen- und Fantasymotive, um eine Geschichte menschlicher Grausamkeit und Niedertracht zu erzählen. Dieses Mal befinden wir uns aber nicht im Spanien Francos während des zweiten Weltkriegs, sondern im Amerika der 50er Jahre zu Zeiten des Kalten Kriegs.

„Shape of Water“ kommt teilweise etwas witziger daher als „Pans Labyrinth“, doch die menschlichen Grausamkeiten gehen einem nicht minder an die Nieren. Mit welcher Arroganz, Hybris und widerwärtiger, kotzbröckiger Selbstherrlichkeit hier die Machthabenden (Männer und das Militär) mit Andersartigen und Untergebenen umgehen, ist nur schwer zu ertragen. Da bleibt einem das eine oder andere Lachen im Hals stecken. Wäre die märchenhafte Ausstattung, Musik und Erzählweise nicht, würde man es wohl gar nicht aushalten, wenn man auch nur einen Funken Menschlichkeit besitzt.

So aber entlarvt del Toro menschliche Abgründe, ohne seine Figuren explizit zu verdammen oder an den Pranger zu stellen. Sie sind Menschen und sie tun absolut furchtbare Dinge aus Machtgier und Versagensängsten. Währenddessen wachsen die stumme Elisa, ihre Freundin Zelda und ihr bester Freund und Nachbar Giles über sich hinaus, um der Liebe und der Gerechtigkeit eine Chance zu geben.

Ein bisschen schade ist, dass das Ende ein kleines bisschen schief und überzuckrig geraten ist. Das passt nicht so hundertprozentig zum restlichen Film. Aber vielleicht ist das auch in Ordnung so …

Fazit: Nicht verpassen! Und Taschentücher einpacken!

4. Lady Bird

„Lady Bird“ von Greta Gerwig ist ein wunderbar tragikomischer Coming-of-Age-Film, der einem das Leben des ärmeren Teils der amerikanischen Bevölkerung vor Augen führt. Dabei rutscht er nie in Rührseligkeit ab – dafür sorgt der trockene, nüchterne Humor. Die Schauspieler füllen ihre Rollen voller Hingabe und Begeisterung mit Leben und harmonieren so schön im Ensemble miteinander, dass es ganz natürlich wirkt.

Fazit: Ein toller Film, solte man nicht verpassen!

3. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

„Three Billboard Outside Ebbing, Missouri“ von Martin McDonagh ist ein ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Film, der sich keinem Genre zuordnen lässt. Der lakonische Humor ist tiefschwarz gefärbt. Mal bleibt einem das Lachen im Hals stecken, dann wieder prustet man los, weil die Situation so absurd oder ein Spruch so ehrlich und trocken ist. Unter der komischen Oberfläche steckt die Geschichte aber voller kleiner Tragödien und Schicksalsschläge. Der Mord an Mildreds Tochter ist dabei nur einer davon. Jeder hat sein Päckchen zu tragen.

Aber – und das ist das Schöne an diesem Film, deren Figuren mit ihrem Facettenreichtum wie aus dem Leben gegriffen wirken – jeder trägt sein Päckchen so gut er kann, gibt sich Mühe, das Beste aus dem zu machen, was der Zufall ihm vor die Füße geworfen hat. Und jeder versucht im Grunde, Frieden zu finden und mit der eigenen Wut irgendwie zurechtzukommen. Das ist mal urkomisch, mal rührend, aber immer menschlich.

Fazit: Ein wunderbarer Film, den man nicht verpassen sollte.

2. A Quiet Place

„A Quiet Place“ von John Krasinski ist ein nervenzerreißender Horrorfilm, der seine Spannung vollständig aus seiner Prämisse zieht: Mach kein Geräusch, sonst stirbst du. Lange habe ich nicht mehr in einem Gruselfilm gesessen und so den Atem angehalten, mich so in die Sessellehnen verkrallt und mich bei jedem Laut so erschrocken wie hier. Schauspielern, Regie, Ton und Kamera gelingt es mit relativ einfachen Mitteln, eine unheimliche Atmosphäre ständiger Bedrohung und eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen, die einem zeitweilig das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Hinzu kommt, dass die Figuren und die Figurenkonstellation so aufgebaut sind, dass man sofort mit ihnen mitfühlt – das hervorragende Schauspiel tut sein Übriges.

Sicher kann man kritisieren, dass in diesem Film nicht viel passiert. Die Handlung besteht ja im Grunde darin, eine einzige Sache nicht zu tun, und das ist Krach. Es ist also vielmehr eine Nichthandlung, die die Story bestimmt. Das kann man doof finden, aber ich fand’s genial. Das funktioniert aber auch nur, weil der Erzählrhythmus darauf abgestimmt ist. Wenn man jetzt zum Beispiel ohne Schnitt, ohne Musik, ohne Nahaufnahme in der Totalen 10 Minuten lang eine Person zeigt, die nur dasitzt und Kuchen isst, wie bei „A Ghost Story“, funktioniert dieses Prinzip der Spannung durch Nichthandlung in keinster Weise.

Fazit: Ein großartiger Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Der Junge muss an die frische Luft

„Der Junge muss an die frische Luft“ von Caroline Link ist einfach rundum gelungen und ist mir richtig ans Herz gegangen. Man vergisst sogar die nervigen Popcornraschler, Dauermurmler, Von-hinten-in-den-Sitz-Treter und Lunge-aus-dem-Leib-Huster im Publikum, weil dieser Film den Zuschauer voll und ganz aufnimmt und in das Ruhrgebiet der 70er Jahre entführt.

Und was für ein tolles Ensemble da ein Fest der Schauspielkunst zelebriert, ich bin absolut begeistert. Allen voran der kleine Julius Weckauf als Hape ist einfach ein Naturtalent. Dabei habe ich heute Morgen noch in einem Interview gelesen, dass der Kleine gar nicht unbedingt Schauspieler sein will, sondern gern Gemüse anbaut und später Bauer oder Gärtner werden will. Sympathisch ist der Junge also auch noch.

Lachen und Weinen liegen hier sehr nah beieinander und manchmal passiert auch beides gleichzeitig. Die Figuren sind allesamt so liebenswert mit ihren Eigenarten, dass man gar nicht anders kann, als sie ins Herz zu schließen, und sich für die Dauer des Films vorzustellen, man wäre Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Nicht verpassen!

Die besten Animationsfilme 2018:

5. Cinderella The Cat

„Cinderella The Cat – La Gatta Cenerentola“ von Ivan Cappiello und Co. macht es einem am Anfang etwas schwer, in die Geschichte hineinzufinden – aber dann zieht einen die eigenwillige Optik doch in ihren Bann. Die etwas kantig gezeichneten und leicht ruckelig animierten Figuren entwickeln einen schrägen Charme, die Atmosphäre wirkt verträumt, melancholisch, aber auch etwas düster und unheimlich. Und dann ist da noch die Musik: wehmütig und sehnsüchtig auf der einen Seite, aber auch ironisch und humorvoll auf der anderen Seite.

Fazit: Ich denke, es lohnt sich, den Film mehr als einmal zu sehen, um sich wirklich darauf einzulassen und die Details voll zu erfassen. Aber auch beim ersten Mal fand ich ihn schon toll!

4. Spiderman: A New Universe

„Spider Man: A New Universe“ von Bob Persichetti und Co. ist ein visuell herausragender Animationsfilm und eine wunderbare Hommage an die amerikanische Comic- und Cartoontradition. Die leicht ruckelige, abgehackte Animation am Anfang ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, ebenso die kantige Optik im Siebdruck-Stil der Figuren – aber dann fühlt man sich kurze Zeit später mitten in das Comic-Multiversum der Spideys hineingezogen.

Die Story ist spannend erzählt und für eine Superheldengeschichte originell und einfallsreich. Spaß machen die vielen unterschiedlichen Spideys, die Dynamik zwischen ihnen und ihre leicht unterschiedlichen Werdegänge – die wiederum voller witziger Anspielungen an die Geschichte des Trickfilms und der Superheldenfilme stecken. Überhaupt kommt der Humor nicht zu kurz. Wobei ich mir vorstellen kann, dass der Film für ein erwachsenes Publikum amüsanter ist als für Kinder. Teenager finden in Miles und Gwen sicher noch Identifikationspotenzial, aber jüngere Kinder dürften sich eher langweilen.

Fazit: Also ich bin begeistert! Lohnt sich!

3. Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft

„Mirai – das Mädchen aus der Zukunft“ von Mamoru Hosoda ist ein wunderschön, detailreich animierter und virtuos gezeichneter Film, dem man ansieht, dass er mit viel Liebe und Hingabe gemacht wurde. Die Handlung ist im Prinzip unterkomplex: Ein kleiner Junge bekommt ein Schwesterchen und wird eifersüchtig, als seine Eltern dem Baby ihre ganze Aufmerksamkeit schenken. Er fühlt sich vernachlässigt, langweilt sich, weil seine Schwester noch viel zu klein ist, um mit ihr zu spielen, und plötzlich ist nicht mehr er der Niedlichste in der Familie, sondern sie. Gemeinheit.

Diese einfache Handlung wird jedoch mit Fantasyelementen kombiniert. Kun, so heißt der kleine Junge, begibt sich auf mehrere Zeitreisen und lernt dabei seine Schwester als Teenager, seine Mutter als Kind und seinen Urgroßvater als jungen Mann kennen. Dabei wird ihm klar, dass er sich mit seinem Trotz und seinem Schmollen selbst im Weg stand, er lernt Toleranz und die Liebe zu seiner Familie. Gut, es ist ein bisschen sentimental und vielleicht ein wenig bieder, aber trotzdem geht einem dabei das Herz auf.

Was ich außerdem spannend fand, war, dass man merkt, wie viel Menschen im Kern eigentlich gemeinsam haben, egal, woher und aus welcher Kultur sie kommen. Überall auf der Welt gibt es Familien, die mit der Vereinbarkeit von Kindern, Beruf und Beziehung kämpfen, gibt es Geschwister, die sich erst nicht ausstehen können, und später doch einen versöhnlichen, friedlichen Umgang miteinander lernen. Ich persönlich fand es außerdem interessant, mal die Perspektive des Erstgeborenen zu sehen und nachvollziehen zu können. Als Nesthäkchen in der Familie weiß man ja nicht, wie das ist, wenn man erst lernen muss, die Fürsorge und Aufmerksamkeit der Eltern mit einem Geschwisterchen zu teilen.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Vor allem, wenn man selbst Geschwister, Kinder, Nichten und Neffen hat, dürfte man sich in der Geschichte wiederfinden.

2. Isle Of Dogs

„Isle of Dogs – Ataris Reise“ von Wes Anderson ist ein wunderbar schräger Stop-Motion-Animationsfilm voller skurriler Einfälle und liebenswerter Figuren. Der Humor lockert die eigentlich ziemlich üble Geschichte um Hunde, die vorgeblich wegen einer grippeähnlichen Seuche namens Schnauzenfieber auf eine Müllinsel deportiert werden, auf. Running Gags wie die Abstimmungen im Hunderudel oder die Tratschlust der Vierbeiner, sobald ein neues Gerücht die Runde macht, sorgen zwischendurch immer wieder für Lacher.

Unter der Oberfläche aber ist „Isle of Dogs“ auch eine Parabel auf die Manipulationstechniken und Propagandamechanismen machthungriger Politiker. Für die Seuche gibt es bereits nach kurzer Zeit ein Heilmittel. Aber die Machthaber brauchen einen Sündenbock – in diesem Fall die Hunde -, um von ihren eigenen Schandtaten und Vergehen abzulenken und die Bevölkerung auf Linie zu halten. Das alles funktioniert jedoch ganz ohne Holzhammer oder erhobenen Zeigefinger. Die ganze Zeit bleibt der Film in einem märchenhaften, verspielten Tonfall.

Ein bisschen unfair fand ich als Katzennärrin, dass die Samtpfoten in dem Film nicht sehr gut wegkommen. Sie leisten den Machthabern Gesellschaft, genießen ihre Vormachtstellung, und lassen ihre Herrchen und Frauchen ohne zu zögern im Sticht, wenn’s Schwierigkeiten gibt. Das dürfte Vorurteile gegenüber den Stubentigern, die viele Menschen pflegen, die keine Ahnung von Katzen haben und wahrscheinlich selbst nie eine hatten, nicht gerade abbauen. Hunde sind treu und loyal, Katzen sind hinterhältige Opportunisten.

Das finde ich ein wenig schade, dass das in einem Film so vorkommt, der eigentlich aufzeigt, wie weit Vorurteile gehen können, wenn man sie nicht hinterfragt. Aber gut, das ist nur ein Randaspekt, der vermutlich kaum jemandem auffallen wird. Und es geht in dem Film nun mal eben auch nicht um Katzen, sondern um Hunde. Also ist das ein bisschen so, wie wenn man „Fight Club“ Frauenhass vorwirft, nur weil’s in dem Film um Männer und ihre Probleme geht, nicht um Frauen. Trotzdem wollte ich es mal angemerkt haben :-

Fazit: Ein toller Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Your Name

„Your Name“ von Makoto Shinkai ist einfach ein wunderbarer Film. Hinter dem Coming-of-Age-Plot mit leichtem Fantasy-Einschlag verbirgt sich eine poetische Geschichte, die philosophische Fragen stellt, ohne jemals ins Kitschige abzudriften. Die liebenswerten Figuren sind vielschichtig gestaltet und man vergisst zwischenzeitlich, dass es sich um Zeichnungen handelt, weil sie so echt wirken, als könnte man sie kennen.

Die visuelle Umsetzung ist grandios, die Bilder so schön, dass man darin versinken möchte. Obwohl am Anfang noch etwas unruhig durch Zuspätkommer und Popcornmampfer, war es nach kurzer Zeit mucksmäuschenstill im ausverkauften Kinosaal. Das habe ich so noch nicht erlebt.

Schade, dass „Your Name“ nicht im regulären Kinoprogramm läuft, sondern nur in vereinzelten Sondervorstellungen. Es ist zwar wohl ein US-Remake geplant, aber die Amis kriegen das garantiert nicht so gefühlvoll, tiefgründig, menschlich und poetisch hin.

Fazit: Wer die Chance dazu bekommt, den Film zu sehen, sollte das tun. Sonst hat man wirklich etwas verpasst.

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86. Stück: Die schlechtesten Filme in 2016

Die besten Filme in 2016 habe ich euch schon verraten. Aber ein filmischer Jahresrückblick darf natürlich auch die Flops nicht verleugnen.

Flop 10 2016: Die größten Enttäuschungen und schlechtesten Filmgurken des Jahres

10. „Café Society“

„Café Society“ von Woody Allen gehört leider zu den schwächeren Filmen meines Lieblingsregisseurs. Der launige Tonfall, die flotte Jazzmusik, Humor und pointierte Dialoge sowie die nostalgische Atmosphäre der höheren Gesellschaft in Hollywood und New York der 30er und 40er Jahre hat er wie gehabt exzellent getroffen … aber leider passiert darüber hinaus nicht wirklich was. Und wenn doch etwas passiert, wird es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen, und munter weitergeplaudert. Dadurch gerät die Handlung leider ins Belanglose, was schade ist, und meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre. Ich habe den Eindruck, Woody Allen hat diesen Film so zwischendurch als Fingerübung gemacht, oder weil er gerade nichts Besseres in der Schublade bereitliegen hatte.

Die Schauspieler machen ihre Sache prima und scheinen viel Spaß zu haben. Kristen Stewart hat mich positiv überrascht, habe ich sie doch noch immer als somnambules, devotes Frauchen aus den „Twilight“-Filmen in Erinnerung. Aber sie kann auch anders. Jesse Eisenbergs Körperhaltung bereitet mir indes ein wenig Sorgen. Der ist jünger als ich und hat schon einen Buckel wie ein 90-Jähriger. In ein paar Jahren hat der übelste Rückenprobleme, vielleicht sogar einen Bandscheibenvorfall. Das tut ja schon beim Zuschauen weh … also ein bisschen Kraftsport und ein Tanzkurs würden wirklich nicht schaden.

Fazit: Daran, dass ich mir über potenzielle Rückenbeschwerden des Hauptdarstellers Gedanken mache, während der Film läuft, kann man eigentlich auch schon erkennen, dass mich die Handlung nicht sonderlich gefesselt hat. Hoffentlich macht Woody Allen als nächstes wieder einen Thriller, das kann er nämlich richtig gut.

9. „The Hateful 8“

„The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino hat mich leider enttäuscht. Vielleicht ist es ja keine schlechte Idee von Tarantino, nur noch zwei Filme zu machen und sich dann aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass er allmählich anfängt, seine Ideen zu wiederholen und unnötig auszuwalzen (wobei Christoph Waltz dieses Mal nicht dabei ist, aber die Rolle von Tim Roth erinnert sehr, sehr stark an die typischen Christoph-Waltz-Figuren). Vielleicht bin ich aber auch einfach mit zu hohen Erwartungen in diesen Film gegangen, sodass ich deswegen enttäuscht bin.

Jedenfalls fand ich das Tempo vom Film unausgewogen, die Spannungskurve zu schlaff. Die erste Hälfte hat noch meine Neugier aufrechterhalten, obwohl das Erzähltempo da gemächlicher war. Aber so baute sich allmählich das gesamte Konstrukt, die brisante Figurenkonstellation auf, was für Spannung sorgte. In der zweiten Hälfte explodiert die Handlung, die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag, das Tempo wirkt übereilt, hektisch und gehetzt. Der Schluss ist dann wieder etwas zu langgezogen geraten. Das passte meiner Meinung nach alles nicht ganz zusammen, wirkte nicht stimmig.

Ich denke, dem Film hätte es gut getan, wenn er eine Stunde kürzer gewesen, dafür aber schneller auf den Punkt gekommen wäre und die Action etwas stimmiger verteilt hätte. Kammerspiele können sehr spannend sein, erst recht, wenn eine so konfliktträchtige Figurenkonstellation im Mittelpunkt steht. Die psychologische Spannung eines Kammerspiels über gut drei Stunden zu halten, ist jedoch äußerst schwierig, und in diesem Fall meines Erachtens nicht gelungen.

Fazit: Lieber noch mal einen der älteren Tarantino-Filme gucken oder Erwartungen ein wenig herunterschrauben.

8. „Legend“

„Legend“ von Brian Helgeland ist zwar eine fantastische Schauspielerleistung von Tom Hardy, aber als Film insgesamt nur mittelmäßig. Die große Stärke des Films – Tom Hardys wirklich virtuose Wandlungsfähigkeit in der Doppelrolle der Kray-Zwillinge – ist leider gleichzeitig auch seine Schwäche. Es scheint, als habe man sich zu sehr darauf verlassen, dass Hardy den Film schon trägt, und als habe man darüber die anderen Aspekte, die einen mittelmäßigen von einem herausragenden Film unterscheiden, vernachlässigt.

Die Handlung dümpelt vor sich hin, ohne wirklich Fahrt aufzunehmen. Es sind zwar pflichtgemäß die meisten Handlungsmotive für das Genre Gangsterfilm vorhanden: Aufstieg und Fall der Gangstergrößen, Drogen, Gier, Gewalt und Wahnsinn führen zum Absturz, eine junge hübsche Frau, die sich wünscht, ihr Mann möge ehrlich werden … Aber der Rhythmus ist zu unentschlossen, das Tempo nicht stimmig, die Spannungskurve kaum zu erkennen. Die mise en scène ist durchaus gelungen, man fühlt sich ins London der 60er Jahre hineinversetzt. Der Soundtrack ist nicht schlecht. Aber es reißt einen nicht wirklich mit.

Irgendwie wirkt der Film ein wenig … feige. Als hätte man sich nicht so recht entschließen können, ob man die Kray-Zwillinge nun als brutale, skrupellose Gangster oder als eigentlich ganz sympathische Halunken darstellen wollte. Und statt zu versuchen, sie zunächst richtig sympathisch einzuführen, damit hinterher die Fallhöhe größer ist, wenn sie sich als brutale, skrupellose Gangster entpuppen, wabert es die ganze Zeit irgendwo dazwischen. Das macht es schwierig, mit den Figuren mitzufiebern, trotz dem tollen Schauspiel. Wenn man den Film mit anderen Gangsterfilmen vergleicht, wie zum Beispiel „Goodfellas“, dann wirkt er leider etwas schwach.

Fazit: Tom Hardy in der Doppelrolle lohnt schon das Ansehen, aber ein Muss ist der Film trotzdem nicht.

7. „Ice Age – Kollision voraus!“

„Ice Age – Kollision voraus!“ ist der fünfte Teil der Reihe und nicht sonderlich einfallsreich. Scrat rettet wieder einmal den Film vor der völligen Belanglosigkeit und sorgt für die meisten Lacher, ansonsten ist die Handlung dieses Mal wirklich mau. Ein riesiger Komet rast auf die Erde zu und die Freunde Manni, Diego und Sid nebst Anhang müssen sie retten[spoiler], was sie auch schaffen[/spoiler]. Ja. Das war’s auch schon. Ach so, und dann gibt’s noch ganz viel Familienschnulz, schließlich muss man die über 90 Minuten ja irgendwie füllen. Die Dialoge triefen vor klischeehaftem Platitüdenkitschquark, alle haben sich lieb und die Konflikte lösen sich sämtlich in Wohlgefallen auf. Na gut, man will vermutlich der Hauptzielgruppe (Familien mit Kindern) den Popo pudern, deswegen muss man dann die Figuren so Zeugs sagen lassen wie „Hach, unser kleines Mädchen ist erwachsen geworden“, „Man muss loslassen“ und überhaupt, man müsse nur an sich glauben und sich selbst treu bleiben, dann schaffe man alles, lebe deine Träume, aber träume nicht dein Leben, ein Leben ohne Lächeln ist ein verlorener Tag und Morgenstund hat Gold im Mund.

Fazit: Ist nicht wirklich toll, aber auch nicht komplett scheiße. Scrat ist super und der Film insgesamt zwar überraschungsfrei und so tiefsinnig wie eine Pfütze im Hochsommer, aber die restlichen Figuren sind nach wie vor niedlich, sodass das Ganze immerhin ganz nett ist und in jedem Fall eine prima Beschäftigung, um dem Hamburger Schmuddelwetter zu entkommen.

6. „Victor Frankenstein“

„Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ von Paul McGuigan kommt einfach nicht aus dem Quark und enttäuscht auf ganzer Linie. Dabei ist der Ansatz interessant: Die Geschichte wird aus Sicht von Igor, Frankensteins Assistenten, erzählt und würde somit einen neuen Blickwinkel auf die altbekannte Handlung erlauben. Mit Daniel Radcliffe als Igor, James McAvoy als Victor Frankenstein und Dr. Moriarty-äh-Andrew Scott als Inspector Turpin ist der Film auch noch herausragend besetzt, sogar die Love-Interest-Alibifrau Jessica Brown Findlay als Lorelei macht einen tollen Job und schafft es, ihrer Nebenfigur Profil und Persönlichkeit zu verleihen. Die mise en scène und die Kostüme sind ebenfalls großartig und entführen den Zuschauer in das London des späten 19. Jahrhunderts. Nach einem starken Anfang mit spannender, actiongeladener Fluchtszene ebbt der Film jedoch komplett ab und dümpelt danach trantütig seinem viel zu späten Ende entgegen.

Das Problem bei „Victor Frankenstein“ ist, dass zu viel behauptet und zu wenig gesagt, gedacht, gefühlt und getan wird. Man sieht und hört fast zwei Stunden lang vier Talking Heads beim Moralisieren und Thesenaufstellen zu. Dabei stehen Victor Frankenstein, Inspektor Turpin und Lorelei jeweils für eine bestimmte These in Bezug auf das Erschaffen von neuem Leben durch den Menschen. Frankenstein, wahnsinnig vor Ehrgeiz, will unbedingt Leben erschaffen, weil [spoiler]er Schuldgefühle wegen seines toten Bruders hat [/spoiler]oder so. Inspektor Turpin glaubt laut Drehbuch ganz doll an Gott, was sich daran erkennen lässt, dass ständig in Nahaufnahme das Kreuz und der Rosenkranz gezeigt werden, die er fest in den Händen hält. Deswegen ist er aus Prinzip dagegen, dass der Mensch Gott spielt und damit basta. Lorelei hingegen ist die Stimme des Herzens und der Liebe, sie ermutigt Igor, auf sein Gewissen zu hören und seiner Intuition zu vertrauen (merkt dabei aber nicht, dass sie Igor genauso bequatscht und in ihre – wenn auch menschlich-liebevolle – Ideologie einzubinden und zu manipulieren versucht.) Das ist eigentlich hochspannend und mit etwas mehr Tempo, pointierten Dialogen, raffinierten Schnitten und schärferer, entschlossenerer Figurencharakterisierung wäre das auch eine coole Sache geworden. Insbesondere dadurch, dass mit dem Vierten im Bunde, Hauptfigur und Erzähler Igor, eine Zwischenstellung inmitten dieser drei grundverschiedenen Positionen vorhanden ist. Er verspürt den Wissensdurst, Forschergeist und Ehrgeiz von Frankenstein, spürt jedoch die Menschenliebe und das unbestimmte Gefühl schlechten Gewissens beim Gedanken, den Toten nicht ihre Ruhe zu gönnen, wie Lorelei. Und ein leichtes Unbehagen beim Gedanken, Gott zu spielen, grummelt da auch in seinem Hinterkopf, wenn auch nicht so fanatisch wie beim Inspektor.

Leider hat das nicht geklappt. Die Figur des Inspektors wirkt völlig überflüssig und redundant, er findet immer nur das heraus, was der Zuschauer schon längst weiß, und hinkt mit seinen Erkenntnissen im Vergleich zur Zuschauerinformiertheit meilenweit hinterher. Sein Glaube wirkt aufgesetzt und überzeugt kein Stück, es sei denn, man ist ohnehin selber strenggläubig und von vorneherein prinzipiell seiner Meinung, aber dann schaut man sich ja so einen Film gar nicht erst an. Mit Ausnahme Igors machen keine der Figuren eine Entwicklung durch, sie haben von Anfang an dieselbe Einstellung, dieselbe Haltung und lassen sich durch nichts davon abbringen. Wie Engelchen und Teufelchen, Über-Ich und Es zerren sie alle an Igor und seinem Selbstverständnis, seinem Gewissen, und wollen ihn auf ihre Seite ziehen. Das passiert aber so lahm und lustlos, dass keinerlei Spannung entsteht. Die an sich fantastischen Schauspieler werden – so scheint es – vom Regisseur völlig alleine gelassen. Mit großer Anstrengung schwimmen sie gegen das zähe Drehbuch, die wächserne Figurenkonzeption und die starren Dialoge an, ohne dass es ihnen gelingt, irgendwo Fuß zu fassen.

Fazit: Der Film hätte Potenzial gehabt, ist aber komplett in die Grütze gegangen. Schade. Lohnt sich nicht.

5. „Das Morgan Projekt“

„Das Morgan Projekt“ von Luke Scott hatte eine interessante Grundidee, aber das war’s dann auch schon. Als Kurzfilm hätte das wunderbar funktioniert und wäre spannend geworden. Für einen abendfüllenden Spielfilm jedoch war das zu wenig. Die überraschend gemeinte Pointe am Schluss hatte ich – die ich für gewöhnlich schwer von Begriff bin – bereits nach fünf Minuten geahnt und musste dann noch 85 Minuten darauf warten, dass das dann auch bestätigt wurde.

Im Grunde wird fast der ganze Film auch schon im Titel verraten, es fehlt nur der Zusatz „Das Morgan Projekt scheitert“. In den ersten zehn bis 15 Minuten wird das Morgan Projekt erklärt – wie gesagt, interessante Grundidee mit der KI und der genetischen Modifikation künstlicher Menschen – und der Rest zeigt dann, wie dieses Projekt gründlich in die Grütze geht und in einem Blutbad endet. Dann noch kurz die vorhersehbare Pointe und fertig ist die Laube.

Mit einer etwas detailreicheren Figurencharakterisierung hätte man aus dem Film viel mehr machen können. Stattdessen bleiben alle Figuren flach, holzschnittartig und langweilig. Es ist einem als Zuschauer vollkommen gleichgültig, was mit ihnen passiert, welche Entscheidungen sie treffen und warum. Eigentlich sollte man zumindest mit Morgan mitfiebern und Sympathien für sie empfinden, damit ihre spätere Entwicklung einen kümmert und etwas bedeutet.

Das ist schade um die Schauspieler, die eigentlich ihre Sache ganz gut machen – so gut es eben geht, wenn einem das Drehbuch so wenig Material zum Arbeiten liefert. Vor allem Anya Taylor-Joy scheint mir eigentlich eine gute Schauspielerin und ein vielversprechendes Nachwuchstalent zu sein. Doch nun ist das nach „The Witch“ schon der zweite Film mit ihr in der Hauptrolle, der echt nicht gelungen war und sein Potenzial in die Tonne getreten hat. Ärgerlich!

Fazit: Lohnt sich nicht. Dann lieber „Ex Machina“ noch mal gucken.

4. „Batman V Superman“

„Batman v Superman“ von Zack Snyder hat mich enttäuscht. Ich dachte, bei all den schlechten Kritiken kann er so schlimm nicht sein …

Doch.

Es lag vielleicht auch daran, dass ich „Man of Steel“ nicht mehr so im Kopf hatte und mich mit den Comicvorlagen nicht auskenne – ich habe bislang nur die Filme gesehen. Deswegen habe ich in der ersten Hälfte überhaupt nicht kapiert, was die Leute alle eigentlich für ein Problem haben. Warum hassen plötzlich alle Superman? Wieso hat Batman ihn so auf den Kieker? Wer ist der Flugheini, mit dem sich Superman zu Beginn prügelt und dabei die ganze Stadt zermalmt? Wieso ist der Rollstuhltyp pissig auf Bruce Wayne, der ihm das Leben gerettet hat? Was genau will Lex Luthor eigentlich? Fragen über Fragen …

Das Unterhaltendste an dem Film war dann auch die Pause, wo meine beiden Begleiter mir zumindest einen Teil der Fragen beantworten konnten und sich der Herr neben uns vergnügt einmischte, um über Sinn und Logik von Superheldenfilmen zu diskutieren. Gut, den Seitenhieb, wenn man Logik suche, könne man sich ja Rosamunde-Pilcher-Filme anschauen, hätte man mit etwas bösem Willen als eine Spur frauenfeindlich interpretieren können. Aber na ja, ich habe mich auch über die männliche Eitelkeit dieser beiden Superhelden lustig gemacht, also hab ich quasi angefangen 😛 Die männliche Eitelkeit dieser beiden Supertrottel, die nicht peilen, dass sie beide denselben Feind haben, ist aber auch wirklich albern! Überhaupt ist dieser Konflikt völlig an den Haaren herbeigezogen und einfach nur idiotisch. Auf der anderen Seite, wäre Batman zu Superman hingegangen und hätte gesagt „Moinsen, du sachma, dieser Lex Luthor, ne, das ist doch ein vollkommen wahnsinniger, gemeingefährlicher Psychopath, der die Welt zerstören will. Wollen wir den nicht zusammen aufhalten, ist lustiger als alleine“ und Superman hätte dann geantwortet: „OK“ -> Dann wäre der Film ja schon nach einer Minute aus gewesen und man hätte keinen Grund gehabt, lauter Sachen in die Luft zu jagen. Und das geht ja nun auch nicht.

Die zweite Hälfte war dann nicht ganz so schlimm, dann musste man auch nicht mehr so lange auf Wonder Woman warten – die übrigens supercoole Kleider tragen durfte, nur so nebenbei. Dann haben sich die beiden Gockel ja auch endlich zusammengerauft und man musste diesen vollkommen lächerlichen Männerzickenkrieg, das Säbelgerassel und den Schwanzvergleich nicht länger ertragen.

Die Dialoge waren platt und dümmlich, die Story hanebüchen und wirr erzählt, ohne Vorkenntnisse kaum nachvollziehbar. Ben Affleck trägt als Batman seinen einen Gesichtsausdruck tapfer spazieren, wirkt ansonsten aber ziemlich lustlos. Man kann argumentieren, dass auch sein Batman völlig am Arsch ist und seine Darstellung somit zur Figur passt. Es ist aber auch so, dass er es nicht besser kann. Henry Cavill als Superman macht seinen Job OK. Die wunderbare Amy Adams ist als Lois Lane gnadenlos unterfordert. Der Einzige, bei dem es Spaß macht, zuzugucken, ist Jesse Eisenberg als vollkommen durchgeknallter Lex Luthor. Er erinnert zuweilen fast an Heath Ledger als Joker.

Fazit: Ach, das reicht, wenn man den Trailer gesehen hat.

3. „The Witch“

„The Witch“ von Robert Eggers hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich hatte subtilen Grusel, psychologischen Tiefgang und emotional berührende, menschliche Dramen à la „Babadook“ oder „Das Waisenhaus“ erwartet, doch die Figuren laden einen hier überhaupt nicht dazu ein, mit ihnen mitzufiebern und auf ein gutes Ende für sie zu hoffen. Wie soll denn da Spannung und Schrecken in einem Horrorfilm entstehen, wenn man die Figuren nicht leiden kann? Dann ist es einem doch völlig wumpe, was mit ihnen passiert. Gut, ich muss dazu sagen, ich bin da nicht ganz objektiv. Ich kann diesen religiösen Fanatismus, den man über allen gesunden Menschenverstand stellt, einfach nicht nachvollziehen. Meine Güte, dann interpretieren die Heinis im Dorf die Bibel eben anders als der Familienvater, das ist doch kein Grund, stur auf seinem Recht zu beharren und dafür in Kauf zu nehmen, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Vor allem ist das einfach nur extrem dumm, wenn man ohne diese Gemeinschaft nichts zustande kriegt und einem die ganze Familie in der Einöde durchdreht. Aber gut, das war halt die Prämisse des Films, sonst hätte es keine Geschichte gegeben.

Übrigens beruht dieser Film teilweise auf historischen Dokumenten, solche ähnlichen Vorkommnisse hat es also wirklich im 17. Jahrhundert in den USA gegeben. Gemixt wurde dies mit Volkssagen, was ich eigentlich einen interessanten, spannenden Ansatz finde. Trotzdem reicht das nicht aus für einen letzten Endes fiktionalen Film. Da muss man auch ein wenig Erzählkunst anwenden, Spannung aufbauen, die Figuren so charakterisieren, dass sie um die Gunst der Zuschauer buhlen. Es sei denn, man will partout einen öden, schnarchlangweiligen Film machen, dann ist das aber dem Publikum gegenüber unfair, den Kram als Horror- oder Gruselfilm zu verkaufen. Am Ende [spoiler]wird zwar noch mal tüchtig herumgesplattert, aber ohne den Humor von Quentin Tarantino wirkt das einfach nur völlig daneben, bescheuert und albern.[/spoiler] Na ja, wenigstens dauert der Unsinn nicht viel mehr als 90 Minuten.

Nichtsdestotrotz kann ich verstehen, warum der Film so gute Kritiken in der Presse bekommen hat. Für Cineasten, Intellektuelle und Irgendwas-mit-Medien-und-Film-Studenten bietet dieser Mumpitz nämlich einige Interpretationsansätze. Wer was mit Filmen oder Erzähltheorie oder Kulturwissenschaften studiert, aufgemerkt: Hier kommen ein paar Ideen für Hausarbeiten. So kann man den Film zum Beispiel historisch analysieren und gucken, wie die Originaldokumente eingebunden wurden, vielleicht auch eine Parallele zu unserer heutigen Zeit ziehen und schauen, wo uns religiöser Fanatismus und wahnhafte Verblendung heutzutage begegnen. Man kann aber auch wunderbar eine psychoanalytische Interpretation nach Freudschem Vorbild an dem Film versuchen. Wir haben da ein junges Mädchen und ihren jüngeren Bruder, die allmählich ihre Sexualität entdecken, und huch!, der Bruder wird sich gewahr, dass seine Schwester Brüste bekommt. Die Mutter wird rasend eifersüchtig auf die Tochter, der Vater hat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu ihr. Herrlich, ein Fest für Freudianer, da haben wir Inzest (oder fast), Kastrationskomplexe (der Vater hackt dauernd Holz wie ein Verrückter, weil er nämlich sonst nichts kann, also sprichwörtlich impotent ist), Penisneid, Ödipus-Komplex und auch noch gleich zwei gar prächtige Phallussymbole in Form der [spoiler]Hörner des satanischen Ziegenbocks[/spoiler]. Und man kann außerdem die Wirklichkeitskonstruktion im Film auseinander nehmen: Was ist in der erzählten Welt real passiert, was waren nur Träume, Visionen, Einbildungen, die dem schleichenden Wahn aufgrund von Mangelernährung, Isolation, Einsamkeit, Trauer, Langeweile und religiösem Übereifer geschuldet sind?

Fazit: Sofern man nicht studiert und ein Seminarthema sucht oder sich gern 90 Minuten lang im Kino quält, weil er meint, je öder ein Film, desto anspruchsvoller ist er und desto schlauer, toller und besser ist man selbst, weil man den Käse erträgt, kann man sich den Film sparen.

2. „Ben Hur“

„Ben Hur“ von Timur Bekmambetov ist tatsächlich ziemlich schlecht. Nicht ganz so schlimm wie „Jupiter Ascending“ – es gibt immerhin ein paar spannende Szenen und das Wagenrennen ist zugegebenermaßen sehr gelungen -, aber dennoch nicht gut gemacht. Aber ich fange mal ganz von vorne an:

Es waren einmal zwei dauerpubertierende Knalltüten, die sich ständig gegenseitig beweisen mussten, wer den Größten hat. Der eine hatte Minderwertigkeitskomplexe und lief deswegen immer mit ausgekugelter Unterlippe und dauerbeleidigtem Schmollmund herum. Der andere war ein ganz normaler Trottel, der das Glück hatte, in eine wohlhabende Familie hineingeboren worden zu sein, und später das Pech hatte, dass sein Bruder ein rachsüchtiger, eitler Gockel ist, der den Machthabern partout in den Allerwertesten kriechen wollte. [spoiler]Er landet als Sklave in einer Galeere, sie geht unter, er nicht. Dann taucht Morgan Freeman auf, guckt weise und brummt einen Kalenderspruch nach dem nächsten vor sich hin (er ist auch der Erzähler der ganzen Chose, schildert das Geschehen jedoch etwas pathetischer und salbungsvoller als meine Wenigkeit, die ich für dümmliche Schwanzvergleiche unter zwei Idioten nichts übrig habe). Und dann gibt’s ein (wie gesagt, fesselnd inszeniertes) Wagenrennen, dezent symbolträchtig fährt der Heini, der zu den Guten gehört, mit vier weißen Pferden und der Abtrünnige mit dem Backpfeifengesicht mit vier schwarzen Pferden im Kreis.

Überraschung: Der Gute gewinnt, wenn auch knapp. Dann könnte der Film eigentlich zuende sein, aber man muss ja irgendwie noch rechtfertigen, dass zwischendurch Jesus auftaucht und spricht, wie der Kater von Shrek (aber nicht so süße Stiefelchen anhat). Warum er wie der Klischee-Latino vom Dienst daherkommt, wird nicht erklärt, aber auf jeden Fall sagt Jesus viele schlaue Sachen (denen ich auch zustimmen würde) und ist ein sehr netter Kerl. Gekreuzigt wird er trotzdem und dann fängt es ganz dramatisch an zu regnen und dieser Wunderregen heilt schwuppdiwupp die leprakranken Mutter und Schwester von Ben Hur. Mit dem Bruder ist zum Schluss auch wieder alles paletti, auch, wenn er nicht nur das Rennen, sondern auch ein Bein verloren hat und seine Soldatenehre in die Tonne kloppen kann. Der Film endet schließlich damit, dass sich alle wieder vertragen und fröhlich durch die Gegend reiten und die beiden Knalltüten wieder um die Wette pesen.[/spoiler]

Zum Glück ist der Film aber nicht so lang. Allerdings hätte man sich schon etwas mehr Mühe geben und Zeit lassen können, um die Charakterzeichnung etwas komplexer zu gestalten. Die Figurenmotivation wirkte aufgesetzt und nicht nachvollziehbar. Die Leute haben getan, was sie getan haben, weil es im Drehbuch stand, nicht, weil es einer inneren Logik der Figurencharakterisierung und Logik der erzählten Welt folgte. Bis zum Wagenrennen rast der Film durch die einzelnen Ereignisstationen, frühstückt sie möglichst schnell ab, danach versinkt der ganze Murks in Schmalz und religiösem Quatsch. Das war dann nur noch unfreiwillig komisch, soweit, dass ich meine ganze Selbstbeherrschung auffahren musste, um nicht „Always look on the bright side of life“ *phüphü-phüphü-phüphüphüphü* zu singen / zu pfeifen.

Ach so, und noch was: Den Film mit Charlton Heston habe ich nie gesehen – ich habe diese Version also ohne Vergleichsmöglichkeiten angeschaut.

Fazit: Der Film wirkt lieblos heruntergenudelt, die Figuren sind flach, die Inszenierung gehetzt und unausgegoren, die Schauspieler wirken wie Falschgeld und orgeln mäßig motiviert ihren Text herunter. Ein guter Film sieht anders aus. Kann man sich aus Jux aber trotzdem mal anschauen, wenn er zum Beispiel auf Netflix läuft.

1. „Die Bestimmung – Allegiant“

„Die Bestimmung – Allegiant“ von Robert Schwentke ist der dritte Teil der Verfilmungen der Romantrilogie von Veronica Roth. Aus unerfindlichen Gründen wurde auch der dritte Band der Romanreihe für die Filmadaption in zwei Teile zerhackstückt. Damit das überhaupt einigermaßen zu rechtfertigen ist, hat man sich kurzerhand fast vollständig von der literarischen Vorlage gelöst und einen eigenen Quark zusammengerührt. Geblieben sind die Namen der Figuren und die Ausgangssituation mit den fünf Fraktionen, dem Chaos nach deren Zusammenbruch sowie das Setting in der Stadt Chicago. Das, was sich hinter der Mauer befindet, entspricht ebenfalls zumindest grob vom Prinzip her dem, was im Buch beschrieben wird.

Das, was aus der spannenden, interessanten Ausgangssituation gemacht wird, ist leider völliger Mist. Die Dialoge bestehen – wie auch schon in der misslungenen Verfilmung von „Die Auserwählten in der Brandwüste“ – im Wesentlichen aus „Lauft!“ „Kommt schnell!“ und „Wir müssen hier weg!“ (Ach, nee!?). Immerhin, und das ist eine Verbesserung im Vergleich zum zweiten Teil der Filmreihe, turteln Four und Tris diesesmal mangels Zeit und Gelegenheit weniger miteinander herum, sodass man dieses unsympathische Liebespaar nicht zu oft ertragen muss. Nur schade, dass auch die sympathischen Nebenfiguren zu kurz kommen, insbesondere Peter, der nicht nur mit dem großartigen Miles Teller besetzt, sondern als Figur bereits im Buch schon am spannendsten war, wird hier holzschnittartig zu einem simplen Verräter zusammengestampft.

Und es tut mir leid, aber es ist einfach albern, Teenagerrollen mit erwachsenen Männern zu besetzen, denen man ansieht, dass sie fast 30 sind. Theo James ist halt einfach kein herausragender Schauspieler und wäre als Lichtdouble von Moritz Bleibtreu besser aufgehoben. Gegen Shailene Woodley habe ich im Grunde nichts, aber auch sie bleibt flach und langweilig.

Die dürftige Handlung wurde künstlich aufgeplüscht, indem willkürlich ständig irgendwelche Schießereien, Kämpfe und Prügeleien auf Teufel komm‘ raus ausbrechen. Zum Glück haben sie alle so tolle Waffen und ausreichend Munition, ansonsten wäre das Revolutionspielen ruckzuck vorbei. Da hat man sich wohl ganz an das heilige Motto gehalten, dass einen Bösewicht mit Waffe nur ein guter Held mit Waffe aufhalten könne. Schön, dass das immerhin auf der Leinwand zuverlässig funktioniert, aber ich habe noch ein Motto für meine werte Leserschaft: „Don’t try this at home, kids“ – In der Realität ist es immer noch so, dass Gewalt grundsätzlich Gegengewalt erzeugt und nur eine friedliche Lösung eine echte, nachhaltige Lösung ist. Im Buch wurde das zwar auch nicht so ganz beherzigt, aber ein wenig vielschichtiger war das Ganze dann doch.

Wirklich spannend wird es dementsprechend auch nicht. Ein bisschen Nervenkitzel kam erst auf, als eine Maus im Kinosaal frech von rechts nach links durchs Parkett huschte und ein paar Minuten später von links nach rechts zurücksauste. Verständlich, so wie viele Kinobesucher mit Popcorn herumsauen und nach dem Kinobesuch halbvolle Nacho-Schalen mit Käsesoße auf den Sitzen und dem Fußboden liegen lassen. Da würde ich mich als Maus auch wie im Schlaraffenland fühlen. Die sind ja eigentlich auch ganz niedlich, die Tierchen. Aber eingedenk der Tatsache, dass sie Krankheiten übertragen können, möchte man sie vielleicht nicht so gerne wenige Meter entfernt durch den Kinosaal flitzen sehen.

Fazit: Dieser Film ist Murks, kann man sich sparen. Lest lieber die Bücher.

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85. Stück: Die besten Filme in 2016

Das Jahr 2016 war ein sehr filmreiches Jahr – ich habe meine Kino-Abo-Karte großzügig genutzt. Hier kommt nun ein ganz objektives, überhaupt nicht willkürliches Ranking, welche Filme mir am besten gefallen haben. (Anmerkung: Ich gehe nicht vom Produktionsjahr aus, sondern von dem Jahr, in dem ich den Film im Kino gesehen habe).

Top 10 – Diese Filme haben mich 2016 am meisten beeindruckt oder begeistert:

10. „Elvis & Nixon“

„Elvis & Nixon“ von Liza Johnson ist ein wunderbarer kleiner Film, der sowohl die Entertainer-Legende Elvis Presley als auch den Unsympathen vom Dienst Richard Nixon von einer überraschenden Seite zeigt. Michael Shannon und Kevin Spacey spielen ihre Figuren mit einer Freude, die ansteckend ist, und schaffen es, den skurrilen Charakteren etwas Liebenswertes und Menschliches zu verleihen. Außerdem harmonieren die beiden prächtig miteinander und man wird in diesem Film Zeuge wirklich hervorragender Schauspielkunst.

Elvis Presley wirkt einerseits weltfremd und abgehoben, andererseits aber auch rührend kindlich in seinem unbedingten Willen, seinem Land zu helfen. Er erinnert ein wenig an Til Schweiger, der der deutschen Bundeswehr tonnenweise Nutella ins Krisengebiet liefern lässt. Und Richard Nixon wird bei seiner Begegnung mit dem Künstler, den er vorher genervt so schnell wie möglich abwimmeln wollte, plötzlich zu einem umgänglichen, neugierigen und vergnügten Menschen. Wer hätte gedacht, dass diese beiden Persönlichkeiten Gemeinsamkeiten haben könnten?

Fazit: Lohnt sich! Also nicht nur die großen Blockbuster wie „Star Wars: Rogue One“ schauen, sondern ruhig auch mal den leisen, zurückhaltenden Filmjuwelen eine Chance geben.

9. „Hail, Caesar!“

„Hail, Caesar!“ von den Coen-Brüdern macht unheimlich Spaß. Nur schade, dass er so kurz ist, er hätte auch noch ein paar Minuten länger unterhalten. Aber besser so als andersherum. Das Schöne an dem Film ist, dass alle Figuren sympathisch und im Kern eigentlich nett sind. Niemand will hier irgendwem schaden, niemand ist boshaft oder absichtlich gemein. Natürlich haben alle auch ihre Schwächen und Fehler, bauen Mist oder verrennen sich in Ideen, die mit der Realität nicht vereinbar sind. Aber dabei sind die Figuren tapsig und naiv, glauben Gutes zu tun oder bemühen sich wenigstens – das ist zur Abwechslung einfach mal toll.

Fazit: Lohnt sich!

8. „The Revenant“

Nachdem ich „Birdman“ von Alejandro González Iñárritu reichlich langatmig und affektiert fand, war ich skeptisch, ob ich mir „The Revenant“ vom selben Regisseur anschauen sollte. Zum Glück bin ich seit ein paar Wochen stolze Besitzerin eines Kino-Flatrate-Abos. Zum Glück deshalb, weil ich mir den Film sonst aus Geiz und Vorbehalt nicht angesehen und wirklich etwas verpasst hätte. Eines schon mal vorweg: Die Golden Globes sind vollkommen berechtigt und ich denke, der eine oder andere Oscar müsste auch drin sein. Und zwar endlich einmal für Leonardo DiCaprio. Das kann ja wohl nicht angehen, dass er wieder nur eine Nominierung bekommt.

DiCaprio sowie Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter und alle anderen Schauspieler sind einfach großartig! Das ist fantastisches Handwerk und Talent, das vom Regisseur absolut gekonnt in Szene gesetzt wurde. Die eigentliche Hauptrolle aber spielt die Natur in „The Revenant“. Normalerweise bedeutet es, dass mich die Handlung ins Halbkoma langweilt, wenn mir die tolle Landschaft auffällt. Dann denke ich hinterher: „Na ja … war schön gefilmt *gähn*“ Die Handlung ist hier zwar auch nicht sonderlich komplex, halt eine Rachegeschichte, aber sie ist so eng mit der Natur verflochten, dass sich daraus eine ganz eigentümliche Spannung entwickelt. Trotz der 157 Minuten lief ich keine Sekunde Gefahr einzuschlafen.

Fazit: Der Film ist richtig gut! Unbedingt anschauen!

7. „Die Melodie des Meeres“

„Die Melodie des Meeres“ von Tomm Moore ist ein wunderschöner Zeichentrickfilm. In nostalgisch anmutenden, zweidimensionalen Aquarellbildern und mit liebevoll gestalteten Figuren wird eine Märchengeschichte aus dem Reich der keltischen Mythologie erzählt. Untermalt werden die zauberhaften Bilder von einer geheimnisvollen, keltisch-traditionell klingenden Musik. Das Grundthema sind Verlust und der Umgang mit Trauer und anderen negativen Gefühlen.

Für Kinder könnte das eventuell zu ernst sein und das stille, ruhige, verträumte Erzähltempo zu langsam. Ich hatte zumindest den Eindruck, dass die Kleinen im Publikum ein wenig Schwierigkeiten hatten, sich zu konzentrieren. Leider gibt es nicht viele Erwachsene, die sich ihren Sinn fürs Geheimnisvolle und Magische bewahrt haben, und das nicht als albernen Kinderkram abtun. So wenige Vorstellungen, wie es von diesem kleinen Filmjuwel gab, lassen nicht darauf hoffen, dass es ein größeres Publikum erreicht.

6. „Raum“

„Raum“ von Lenny Abrahamson ist ein stiller Film, der einem an die Nieren geht. Das Erzähltempo ist zwar recht gemächlich und es passiert – zumindest bei der äußerlich sichtbaren Handlung – nicht viel. Dennoch fand ich den Film spannend und ergreifend. Wie die Mutter und ihr kleiner Sohn sich zunächst im Raum ihre eigene Welt aufgebaut haben, um zu überleben, und hinterher erst allmählich wieder Schritt für Schritt mühsam zurück in die wirkliche Welt finden, ist erschütternd und von Brie Larson sowie Jacob Tremblay eindrucksvoll und überzeugend gespielt.

Fazit: Ein ungewöhnlicher Film, der mit leisen Tönen zu berühren weiß. Lohnt sich!

5. „The Big Short“

„The Big Short“ von Adam McKay liefert einen unterhaltsamen und erschütternden Einblick in die Hintergründe der Finanzkrise von 2008. Ich habe mich nie wirklich für Weltwirtschaft interessiert, für Aktienkurse und diesen ganzen Kram. Aber ich kann es nicht leiden, wenn ich etwas nicht verstehe, und während der Krise flogen mir immer mehr völlig unverständliche Begriffe um die Ohren, die mich dann doch neugierig gemacht haben. „Subprimes“, „Hedgefonds“, „CPO“, „Hypothekenanleihen“, … da wird einem schwindelig. Der Film holt so ahnungslose Trottel wie mich, die ernsthaft noch daran glauben, man könnte mit ehrlicher Arbeit einigermaßen reich werden, dort ab, wo sie stehen. Bei den wichtigsten Begriffen hält der Film kurz inne, erläutert die Bedeutung, veranschaulicht das Prinzip mit einem Beispiel, und dann geht es mit der Geschichte weiter.

Für Leute, die sich damit schon gut auskennen, und denen bei diesem ganzen Bankersprech nicht der Kopf schwirrt, ist das womöglich eine störende Unterbrechung des Erzählflusses. Doch mir hat das gefallen, weil ich den Eindruck habe, tatsächlich einiges gelernt und begriffen zu haben. Außerdem ist der Grundtonfall des Films durchaus humorvoll, die Protagonisten irgendwie sympathisch – auch, wenn sie streng genommen ganz schön skrupellose Arschlöcher sind, die sich an der Dummheit und den Träumen armer Menschen bereichern.

Obwohl ich jetzt das Prinzip verstanden habe – es ist eigentlich relativ simpel – bin ich trotzdem fassungslos. Wie! Kann! Man! Nur! Gerade, weil das Prinzip so einfach ist, hätte man es doch als Branchenkenner sofort durchschauen müssen. Das heißt, die Beteiligten haben alle fröhlich mitgezockt und auf die Konsequenzen gepfiffen. Und warum auch nicht? Die Wirtschaft hat sich wieder erholt, das tut sie immer irgendwie, und wer das Geld hat, hat das Sagen. Trotzdem stellt sich mir die Frage: Haben die denn überhaupt gar kein Verantwortungsgefühl? Überhaupt kein Mitgefühl?

Fazit: Ein wichtiger Film, der an die Nieren geht, aber trotzdem unterhält und informiert. Lohnt sich! Und ich schau mir jetzt ein Katzenvideo an, um meinen Glauben an das Gute in der Welt wieder etwas aufzubauen.

4. „Arrival“

„Arrival“ von Denis Villeneuve ist ein ungewöhnlicher Science-Fiction-Film mit zutiefst pazifistischer Botschaft. Da soll noch mal einer sagen, Geisteswissenschaften wären zu nichts nutze. Ha! Bäm! Ätschibätsch! Sind sie nämlich doch! Zumindest, wenn man sich wie Dr. Louise Banks (Amy Adams) in dem Film mit Linguistik beschäftigt und mit Kommunikation auskennt, kann man die Menschheit offenbar vor einem intergalaktischen Mordskonflikt bewahren. Gut, sie bekommt dabei Hilfe vom Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner). Und das Militär stellt ihr immerhin die benötigten Mittel zur Verfügung, die wohl insgesamt von Steuergeldern finanziert sein dürften, also hat genaugenommen jeder irgendwie mehr oder weniger dazu beigetragen, dass die Wissenschaftler ihre Arbeit machen können.

Aber nichtsdestoweniger zeigte „Arrival“ ganz deutlich, dass man mit Köpfchen, Miteinanderreden und Völkerverständigung viel mehr bewirken kann, als mit Säbelgerassel, Muskelspielen, sogenanntem Stärkezeigen, Krachbummpardauz-Waffengedöns und dem ganzen restlichen Idiotenkram, den Populisten und ihre Anhänger für so zielführend und zweckdienlich erachten.

Dabei ist die Geschichte ausgeklügelt, raffiniert erzählt, hält ein paar spannende Wendungen parat, konzentriert sich dabei jedoch vor allem auf seine Hauptfigur Louise und ihre Annäherung an die fremde Spezies. Auf diese Weise kann man dem Film optimal folgen und er ist trotz langsamem, ruhigem Erzähltempo keinen Augenblick langweilig.

Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass Zuschauer, die mit anderen Erwartungen in den Film hineingehen – zum Beispiel einen Actionthriller mit Alienmonstern sehen wollen – dem gemächlichen Tempo womöglich mit Ungeduld begegnen. Mich hat’s nicht gestört und ich fand’s super.

Fazit: Lohnt sich auf jeden Fall! Ein kluger Science-Fiction-Film, der zum Nachdenken anregt.

3. „Sausage Party“

„Sausage Party – Es geht um die Wurst“ von Conrad Vernon und Greg Tiernan ist absolut genialer Schwachsinn. Bei diesem krawallklamaukigen Rundumschlag wird so ziemlich jede Regel politischer Korrektheit gebrochen, jedes nur erdenkliche Tabu gebrochen und vermutlich jedem auf den religiösen oder ideologischen Schlips getreten, der sich einen solchen umgebunden hat. Weil das aber so fair verteilt ist und ausnahmslos jeder sein Fett weg bekommt, ist es auf seine Weise auch schon wieder politisch korrekt – ein moralisches Paradox, und das finde ich gut.

Wenn man mal die ganzen Klischees, Vorurteile, im Grunde kleinlichen Streitereien zwischen den Kulturen, so herrlich respektlos um die Ohren gehauen bekommt, merkt man erst recht, wie albern und lächerlich diese eigentlich sind. Ich bin der Meinung, der Film sollte Pflicht werden für den Religionsunterricht an Schulen. So Kinder, das mit den Göttern ist alles Quatsch, das haben sich nur irgendwelche Leute mal ausgedacht, um Sachen zu erklären, die sie nicht erklären konnten, damit sich alle besser fühlen, aber dann haben die Leute das ernsthaft geglaubt, und dann ist die ganze Chose ein minibisschen aus dem Ruder gelaufen. Und schwupps haben wir Weltfrieden. Na ja … man wird doch wohl noch träumen dürfen.

2. „Tony Erdmann“

„Toni Erdmann“ von Maren Ade ist ein ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Film. Über 160 Minuten lang kommt er ohne Musik aus, nur die Hintergrundgeräusche sind zu hören. Es gibt keinen Vorspann, der Zuschauer wird in die Handlung mittenhinein geworfen. Eine steile Spannungskurve ist nicht zu erkennen, vielmehr ist es, als würde die Kamera einen zufälligen Lebensabschnitt von Winfried Conradi (Peter Simonischek) und seiner Tochter Ines (Sandra Hüller) einfangen und beobachten. Obwohl es zwischendurch immer wieder Leerstellen und Pausen gibt, in denen scheinbar nichts passiert und die Motivation der Figuren im Dunkeln bleibt, wird der Film nie langweilig. Man bleibt irgendwie am Ball, möchte wissen, wie es weitergeht, hofft für und bangt um Winfried und Ines, dass es ihnen gut geht und sie sich einander annähern.

Die Geschichte ist einfühlsam erzählt, aber es wird nie sentimental. Dafür sorgt der schräge Humor, der die ernsten Themen immer wieder auflockert. Manchmal aber bleibt einem das Lachen im Hals stecken, zum Beispiel, wenn Winfried den rumänischen Arbeitern rät, den Humor nicht zu verlieren, obwohl diese vermutlich bald kein Zuhause mehr haben. Überhaupt ist der Film gespickt von Sozialkritik in alle möglichen Richtungen. Der Kontrast zwischen der armen Bevölkerung in Rumänien und den erfolgsverwöhnten Managern, für die ihre Mitarbeiter bloße Zahlen und Menschenmaterial sind, die aber dennoch feige sind und nicht die Bösen sein wollen, wird deutlich gemacht. Die Schwierigkeiten von Frauen in Führungspositionen, von männlichen Platzhirschen ernst genommen und akzeptiert zu werden, kommt ebenfalls zum Ausdruck. Und schließlich erzählt „Toni Erdmann“ auch von Generationskonflikten, komplizierten Familienbanden … und Liebe.

Fazit: Ein rundum gelungener, besonderer Film, absolut sehenswert!

1. „10 Cloverfield Lane“

„10 Cloverfield Lane“ von Dan Trachtenberg ist ein großartiges Kammerspiel und spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es ist allerdings möglicherweise für die Zuschauererwartung etwas ungeschickt, den Titel so nah an den Found-Footage-Film „Cloverfield“ anzulehnen. Viele erwarten daraufhin eine Fortsetzung, ein Spin-off oder ein Prequel – tatsächlich aber haben beide Filme kaum etwas miteinander zu tun. Ich fand’s gut, weil ich nicht so ein ‚creature feature‘-Katastrophenfilm-Fan bin, aber psychologisch feinsinnige Charakterzeichnung, tolle Schauspieler und intelligentes Storytelling liebe.

„Cloverfield“ war von der Machart interessant und das Storytelling war auch da zumindest innovativ. In „10 Cloverfield Lane“ aber wachsen einem die Figuren mehr ans Herz und man fiebert mit ihnen mit; ein wichtiger Aspekt, wenn man nachhaltig Spannung erzeugen und das Publikum in irgendeiner Weise berühren will. Das ist in diesem Film meiner Meinung nach geglückt.

Das liegt nicht nur an dem tollen Drehbuch, dem virtuosen Schnitt und der bedrückenden mise en scène, sondern auch und vor allem an den drei Hauptdarstellern, die sich gegenseitig die Bälle zuspielen. John Goodman als zwielichtiger Verschwörungstheoretiker lässt einem abwechselnd das Blut in den Adern gefrieren und den Wunsch verspüren, ihn in den Arm zu nehmen. Mary Elizabeth Winstead gelingt das Kunststück, ihre Michelle sympathisch wirken zu lassen, obwohl sie es faustdick hinter den Ohren hat und durchaus kratzbürstig und durchtrieben sein kann. John Gallagher Jr. als Emmett wirkt wie jemand, dem man vertrauen kann, aber stimmt wirklich alles, was er sagt?

Anders als zum Beispiel in Quentin Tarantinos Kammerspiel „The Hateful Eight“ wird das Zusammenspiel zwischen den drei eingesperrten, grundverschiedenen Personen nicht langweilig. Vielleicht, weil es nicht so viele Menschen sind, zwischen denen die Handlung zu sehr in Stücke gerissen wird. Die Atmosphäre, die Handlung bleiben hochkonzentriert, konsequent und spannend. Trotzdem gibt es zwischendurch skurrile, absurde Momente, die die nervenaufreibende Spannung zwischendurch ein wenig lösen, sodass sich neue Spannung aufbauen kann. Die ganze Situation im Bunker wirkt kafkaesk. Ohne mehr verraten zu wollen: Das Ende ist auf jeden Fall eine Überraschung und steht im starken Kontrast zum restlichen Film.

Fazit: Ganz unvoreingenommen reingegangen und begeistert herausgekommen. Unbedingt empfehlenswert!

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80. Stück: „Lenz“ von Cornelia Rainer auf dem Theaterfestival von Avignon 2016

Dieses Jahr habe ich es endlich mal wieder zum Theaterfestival nach Avignon geschafft und mir „Lenz“ von Cornelia Rainer angeschaut. Das letzte Mal in Avignon ist bereits acht Jahre her, 2008 war ich wie auch schon 2007 und 2005 mit dem deutsch-französischen Forum (später Plattform) für junge Kunst auf dem Theaterfestival und hatte mir in einem einwöchigen Vorstellungsmarathon teilweise drei Vorstellungen am Tag angeschaut. Dieses Jahr läuft alles etwas minimalistischer ab, es war etwas nervig, die Theaterkarten von Deutschland aus zu kaufen, aber wie sich nun herausgestellt hat, hat sich der Aufwand definitiv gelohnt, für alle anderen Vorstellungen des „In“-Festivals sind die Tickets inzwischen ausverkauft. Dafür haben wir uns aus dem „Off“-Festival noch zwei Vorstellungen herausgepickt, ein Clownsstück (das niedlich und amüsant war, aber zwischendurch auch ein paar Längen hatte) und heute Abend schauen wir ein Soulkonzert mit Coverliedern von Otis Redding sowie Stepptanz ❤ Ich glaube, das wird super.

Nun aber erst einmal zu "Lenz": Erzählt wird die Geschichte von Jakob Michael Reinhold Lenz, Dichter des Sturm und Drang, einst Weggefährte von Goethe, bevor die beiden sich – aus heutzutage nicht eindeutig bekannten Gründen – entzweiten. Goethe hatte Glück, gute Kontakte, wurde alt und hatte deswegen nachhaltig Erfolg und ist auch heute noch jedem bekannt. Lenz geriet in Vergessenheit und starb mit 41 Jahren unter ungeklärten Umständen in Moskau – er wurde einfach tot auf der Straße gefunden. Wirklich vermisst hatte ihn zu diesem Zeitpunkt wohl niemand mehr … Lenz hatte psychische Probleme, welche genau, ist schwer zu sagen. Womöglich schizophrene Schübe, abwechselnd manische und depressive Phasen, allgemein war er wohl einfach zu feinfühlig, eigenartig und verschroben für seine Welt. Diesen Zustand hatte Büchner versucht, mit seinem Text, dem Romanfragment "Lenz", zu veranschaulichen, und ich finde, das ist ihm gut gelungen. Cornelia Rainer hat ebenfalls versucht, Lenz' Gefühlswelt greifbar zu machen, hat sich dabei im Wesentlichen auf Büchners Text gestützt, aber auch Gedichte und Textausschnitte von Lenz selbst sowie Notizen des Pfarrers Oberlin, in dessen Haus in den Bergen der Dichter für ein paar Wochen Zuflucht gefunden hatte. Diese Wochen sind es, auf die Büchner sich konzentriert und die auch in der Inszenierung erzählt werden.

Im Innenhof des Lycée Saint Joseph ist unter freiem Himmel die Bühne aufgebaut. Darauf zu sehen ist eine Holzachterbahn, die für die Berglandschaft steht, aber auch metaphorisch Lenz' emotionale Verfassung widerspiegelt. Begleitet werden die Schauspieler von einem Perkussionisten, der mal die Holzachterbahn, mal Requisiten und Kulisse, mal ein Schlagzeug als Instrument benutzt. Die Klänge, die dabei herauskommen, sind mal mehr, mal weniger harmonisch und unterstreichen den Eindruck, den man von der inneren Zerrissenheit und dem Gefühlswirrwarr des Dichters durch das intensive Spiel von Markus Meyer erlangt.

Das klingt jetzt alles ziemlich schwermütig, zäh und freudlos. Aber das war es nicht, denn die Schauspieler ergänzen sich wunderbar, sind mit Freude bei der Sache und spielen mit einer Leichtigkeit und Natürlichkeit, die das schwere, traurige Thema ausgleichen und lebendig wirken lassen. In knapp 100 Minuten wird Lenz' Schicksal auf diese Weise verdichtet und in konzentrierter Atmosphäre unterhaltsam und berührend erzählt. Kurz: Das war toll!

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79. Stück: „Der Circle“ von Dave Eggers – Versuch einer differenzierten Betrachtung

Normalerweise bin ich bei Hypes immer etwas skeptisch und tendiere dazu, das Gehypte absichtlich zu ignorieren. So ging es mir auch bei Dave Eggers‘ „Der Circle“, aber schließlich war ich doch neugierig – vor allem, weil ich selbst in der Internetwelt arbeite und mich das Thema des Buchs allein deshalb schon reizte: Die 24-jährige Mae Holland fängt bei der großen Internetfirma ‚Circle‘ im Kundendienst an (dort ganz berufsjugendlich-hip als ‚Customer Experience‘ bezeichnet) und macht eine steile Karriere. Die Firma weist einige Parallelen zu dem auf, was man so von Google hört, und das ist wahrscheinlich Absicht. An den Job gekommen ist Mae dank ihrer Freundin Annie, die dort zur Führungsriege gehört. An der Spitze des Circles stehen die ‚drei Weisen‘ Ty Gospodinov (Ähnlichkeiten mit Mark Zuckerberg sind bestimmt rein zufällig), Eamon Bailey und Tom Stenton. Außerdem spielen noch Maes Eltern eine Rolle, ihr Vater ist an Multipler Sklerose erkrankt und muss mit der Krankenversicherung kämpfen, um ordentlich versorgt zu werden. Wichtig ist überdies Maes Ex-Freund Mercer, der mit ihrer schönen neuen Internetwelt, wo Transparenz, ständige Erreichbarkeit und die totale Daueroffenbarung alles sind, überhaupt nichts anfangen kann.

Kritiker haben „Der Circle“ mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Wenn man mal bei Google (!) nach „Der Circle Kritik“ sucht, stellt sich an erster Stelle gleich die Frage „Ist ‚Der Circle‘ ein gutes Buch?“ und ich finde, das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Einige schimpfen, das Werk sei ein „schlechter Roman“ oder ein „langweiliges dickes Buch“, andere vergleichen es mit George Orwells „1984“ oder mit Aldous Huxleys „Brave New World“. Meine Meinung liegt wohl irgendwo dazwischen, aber ich werde mal versuchen, sie aufzudröseln. Ab hier können sich womöglich ein paar Spoiler einschleichen, also, wer das Buch noch ganz unvoreingenommen rezipieren möchte, sollte nun nicht weiterlesen. Alle anderen sind dazu eingeladen, ihre Ansichten zu „Der Circle“ in den Kommentaren mitzuteilen.

„Der Circle“: Spannender Inhalt, schlechter Stil?

Die meisten Nörgler kritisieren insbesondere den Stil des Romans. In der Erzähltheorie werden immer mindestens zwei Ebenen eines fiktionalen Werks unterschieden, das „Was“ (histoire, story, …) und das „Wie“ (discours, …). Gelegentlich monieren Profimeckerer auch das „Was“ von „Der Circle“ und schimpfen, das sei ja alles gar nicht neu, was da beschrieben wird, heute bereits möglich und teilweise auch schon Realität. Nun, da kann ich nicht wirklich etwas dagegen sagen, ich befasse mich beruflich weniger mit den technischen Möglichkeiten des Internets und mehr mit Inhalten. Also, vielleicht ist das heute schon möglich und nicht unwahrscheinlich, dass man sämtliche Internetdienste unter eine Identität fasst, diese Identität überprüft wird, sodass man im Netz nicht mehr anonym ist. Teilweise ist das bei Facebook ja schon so, dass sie bei Profilen prüfen, ob es den Namen wirklich gibt und man wirklich derjenige ist, als der man sich ausgibt. Auch die Idee mit SeeChange ist im Grunde einfach Google Street View und ähnliches weitergesponnen. Na ja, und die ständige Erreichbarkeit und private Belanglosigkeiten, die in der Netzöffentlichkeit breitgetreten werden, sind ebenfalls Realität. Allerdings finde ich das ehrlich gesagt deswegen nicht weniger interessant, sondern umso erschreckender, dass die Welt, die in „Der Circle“ dargestellt wird, so nah dran an unserer Wirklichkeit ist. Dass technische Möglichkeiten, die es heute schon gibt, lediglich weitergesponnen werden, macht doch alles noch aktueller und gruseliger.

Aber was ist mit dem Stil? Kritikpunkte sind die platte, kunstlose Sprache, die teilweise merkwürdig und holprig anmutenden Formulierungen, hölzerne Dialoge, Holzhammer-Metaphern, die auch noch ausführlich für die ganz Doofen erklärt werden. Außerdem wird die Figurenkonzeption kritisiert, da kein wirklicher Sympathieträger sich herauskristallisiert. Es fällt schwer, sich mit den Figuren zu identifizieren, sich in sie hineinzufühlen und ihre Motive nachzuvollziehen. Vor allem Hauptfigur Mae gibt Rätsel auf und hinterlässt einen zum Schluss mit dem Gefühl, gerade über 500 Seiten lang einem absoluten Miststück gefolgt zu sein. Das stimmt schon, der Stil ist oberflächlich, unempathisch, plump und … nun … hässlich. Einige Stellen sind so langatmig, dass ich sie kurzerhand überflogen habe, und teilweise saß ich kopfschüttelnd da und dachte, Alter! Kann sich der Autor bitte mal ein bisschen mehr Mühe geben!? Aber ist „Der Circle“ deswegen scheiße?

„Der Circle“ regt zum Nachdenken an

Das Figurenpersonal, das sich dem Leser von „Der Circle“ präsentiert, lebt bereits in einer Welt ständiger Erreichbarkeit, Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit. Für echtes Mitgefühl bleibt keine Zeit mehr, wahre Empfindungen sind nicht mehr möglich, wenn es nur noch ums Präsentieren und Performen geht. Reste davon lassen sich bei Maes Eltern und ihrem Ex-Freund Mercer erkennen, auch Ty lässt zum Schluss ein wenig Reue über den Verlust des echten Lebens zugunsten des im Internet inszenierten aufblitzen. Doch diese Menschen gehen in dieser schönen neuen Welt unter. Und das zeigt der Roman zwar etwas plakativ, aber durchaus klar, deutlich und eindrucksvoll. Der Stil passt im Prinzip perfekt zur Mentalität der Personen, die in dieser Welt das Sagen haben, und da Hauptfigur Mae ebenfalls dazugehört, ist es nur konsequent, dass die Art und Weise, mit der Sprache umzugehen, ihrem Denken entspricht. Es ist zuweilen schwer auszuhalten, weil die passive Aggressivität der Gute-Laune-Terroristen im ‚Circle‘, dieser gnadenlose Narzissmus seiner Mitarbeiter, die totale Ich-Bezogenheit und Ignoranz gegenüber Andersdenkenden einem an die Nieren geht, teilweise aber so grotesk überspitzt wirkt, dass es fast schon komisch ist. Nur, dass einem das Lachen im Hals steckenbleibt, weil es wirklich solche Menschen gibt, die das ernst meinen.

In meiner Kritik zu Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ hatte ich die Frage gestellt, ob es sich dabei um eine Dystopie oder Utopie handelt. Auch bei „Der Circle“ ist das meiner Meinung nach nicht eindeutig. Ich denke, das liegt daran, dass beide Romane nicht aus Sicht der Verliererseite erzählt werden, sondern aus Sicht der Gewinnerseite oder zumindest derer, die von den Entwicklungen in der Geschichte profitieren. Das führt mich zu der Annahme, dass es immer eine Frage der Perspektive ist, ob bestimmte Entwicklungen in der Geschichte als positiv oder negativ wahrgenommen werden.

Dadurch kommt man ins Grübeln, man hinterfragt seine eigenen Gewohnheiten und überlegt, wie viel von dem, was man im Internet preisgibt eitle Selbstdarstellung ist (schrieb sie in ihrem Blog 😛 ) und wie viel von dem wirklich hundertprozentig ehrlich ist. Außerdem bin ich jetzt doch wieder am zweifeln, ob ich mein uraltes Steinzeit-Handy, das mir seit rund 13-14 Jahren gute Dienste leistet, wirklich durch ein Smartphone ersetzen sollte …

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72. Stück: Die grottigsten Schrottfilme 2015

Nachdem ich eben schon die 10 besten Filme und 5 tollsten Animationsfilme von 2015 aufgezählt habe, komme ich nun zu den schlimmsten Kinoerlebnissen von 2015. Einige dieser Filme sind objektiv betrachtet der hinterletzte Mist, andere fand ich doof, obwohl sie objektiv betrachtet nicht schlecht gemacht waren. Wie immer sind Diskussionen, Proteste und andere Meinungen willkommen und erwünscht.

Die schlechtesten Filme 2015: Top 10

10. „Mac Beth“

„MacBeth“ von Justin Kurzel ist ein sehr guter Film und eine überzeugende, werktreue Umsetzung des Shakespeare-Stücks. Aber wirklich gefallen hat mir der Film trotzdem nicht. Mit diesem Urteil habe ich bereits meinen Freund in völlige Verwirrung gestürzt, aber manchmal ist es ja wirklich so, dass man einen Film einfach nicht mag, obwohl man anerkennt, dass er objektiv gut gemacht ist. Ähnlich ging es mir bei „Birdman“, aber da war ich zusätzlich noch enttäuscht, weil ich den Film als witzig erwartet hatte und dann war er vor allem zäh.

Bei „MacBeth“ hatte ich ehrlich gesagt nichts erwartet, ich war einfach neugierig, weil ich das Stück zuletzt als Schulaufführung an meinem Gymnasium gesehen hatte und wissen wollte, wie sie es als Film umsetzen. Die Schauspieler sind hervorragend, die Kulisse wirkt authentisch, die Kampfszenen sind überzeugend und wirken realistisch. Die Zeit und die Atmosphäre sind gut eingefangen, die Figuren vielschichtig, eigentlich gibt’s also nichts zu meckern. Dennoch hat der Film mich nicht so gefesselt wie damals die Schulaufführung.

Meine Theorie ist nun, dass der Film vielleicht zu viel Wert auf Authentizität und Werktreue gelegt hat, und darüber vernachlässigt hat, für Spannung zu sorgen. Die entsteht nämlich vor allem dann, wenn man mit den Figuren mitfiebert, emotional an sie andockt, und um sie bangt. Nun sind die beiden Hauptfiguren, das Ehepaar MacBeth, aber so extrem unsympathisch und ihre Motive sind – vor allem aus heutiger Sicht – nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, dass man die ganze Zeit darauf wartet, dass es mit den beiden endlich ein Ende nimmt. Klar, das liegt auch an der Geschichte, da sind die MacBeths eben keine Sympathieträger. Aber trotzdem sollte man ihre Denke, ihre Motivation, nachvollziehbar machen. Vielleicht muss man dann Abstriche bei der Werktreue machen, aber das macht man im Theater bei klassischen Stücken ja auch. Wer Werktreue haben möchte, kann ja den Text lesen.

Wenn man aber einen Text in einem anderen Medium umsetzt, muss man ihn für dieses Medium anpassen. Beim Theater geht es heutzutage nicht mehr um Realismus, da werden die Geschichten oft abstrakt erzählt oder der Text aufs Wesentliche zusammengekürzt. Die Distanz, die durch Verssprache nun einmal zwischen den Figuren und dem Zuschauer entsteht, wird im Theater durch den Live-Charakter überbrückt. Im Film hat man diesen direkten Kontakt zwischen Schauspielern auf der Bühne und Publikum im Zuschauersaal nicht, da bilden die Leinwand und der zeitliche Abstand eine Distanz. Kommt dann noch die Verssprache obendrauf sowie die schwierig nachzuvollziehende Motivation der Figuren, wird die Distanz so groß, dass es kaum noch möglich ist, den Zuschauer emotional mitzunehmen und somit Spannung zu erzeugen.

9. „Man lernt nie aus“

„Man lernt nie aus“ von Nancy Meyers ist eine nette Wohlfühlkomödie, bei der man sich entspannt zurücklehnen und den Kopf abschalten kann. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Der Film ist insofern gelungen, dass er die Erwartungen, die er im Trailer geweckt hat, erfüllt: Alle sind nett zueinander, keiner hat wirklich schlimme Sorgen und niemand hat irgendwelche fiesen, gemeinen Seiten in seiner Persönlichkeit. Der ganze Film ist wie eingehüllt in eine fluffige Zuckerwatteflauschwolke, die ab und zu rosa Glitzerherzchen regnen lässt. Ich persönlich fand, die Geschichte hätte man genausogut in 80 Minuten erzählen können, anstatt in 122 Minuten, aber das ist vielleicht auch Geschmackssache, wie lange man diese konzentrierte Süßigkeit aushält.

Schade fand ich, dass die tollen Schauspieler so wenig zu tun hatten, weil sich alle Konfliktchen früher oder später in Wohlgefallen aufgelöst haben und keine der Figuren einen mehrdimensionalen Charakter hatte. Im Prinzip mussten sie einfach nur ihren Text aufsagen, Robert De Niro musste regelmäßig freundlich lächeln (was er sehr gut kann und was ihn wie einen knuddeligen Teddybär-Opi wirken lässt) und Anne Hathaway durfte hin und wieder den Hundeblick aufsetzen. Allerdings waren ihre Kleider richtig toll, also, wenn es ihr Label wirklich gäbe, würde ich da auf jeden Fall mal vorbeischauen. Doch sie kann mehr, als hübsch und niedlich aussehen, das hat sie spätestens in „Les Misérables“ bewiesen.

Für meinen Geschmack hätte man noch mehr aus dem Generationsthema machen können. Da hätte der Film ruhig einen bissigeren Humor vertragen. Außerdem gefällt es mir nicht, dass das Thema „Frauen in Führungspositionen“ so verniedlicht dargestellt wurde. Man hat sich ein bisschen pflichtbewusst über Sexismus aufgeregt und darüber, was für ein negatives Image sogenannte Karrierefrauen noch immer haben, aber das wirkte in dieser Regenbogenblümchenwelt wie ein albernes Luxusproblem, das niemand ernst nehmen muss.

Fazit: So, nun bin ich auch schon fertig mit meinem Genörgel. Um einen grauen Regentag ein bisschen erträglicher zu machen, taugt dieser muckelige Wohlfühlfilm allemal.

8. „Die Frau in Schwarz 2“

„Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes“ von Tom Harper schafft es leider nicht ganz, an seinen Vorgänger heranzukommen. Die gruselige Atmosphäre ist zwar weitestgehend gelungen und bei den Schockmomenten habe ich mich auch jedesmal erschrocken. Aber die Geschichte ist nicht ganz so rund geworden, die Figuren nicht ganz so facettenreich wie im ersten Teil.

Die Idee, die Handlung in den zweiten Weltkrieg zu verlegen und die Evakuierung von Kindern als Startpunkt für den Gruselplot zu nehmen, war eigentlich gut. Leider wurde aus der Idee nicht wirklich viel gemacht. Die Liebesgeschichte mit Harry hat zudem ein bisschen von der Schaurigkeit wieder herausgenommen. Im ersten Teil war es gerade spannend, dass die Hauptfigur so einsam und verloren war, dadurch wurde nachvollziehbar, warum er das Drama um die Frau in Schwarz unbedingt aufklären wollte.

Nun wurde zwar auch Eve eine traurige Vergangenheit auferlegt, aber wer den ersten Teil gesehen hatte (und ich nehme an, das haben die meisten, die sich den zweiten Teil anschauen), kannte ja das Geheimnis schon und somit bot dies kein Spannungspotential mehr.

Also, alles in allem insgesamt nicht schlecht, kann man sich angucken und man fühlt sich gut unterhalten und gruselt sich. Aber man verpasst nicht allzu viel, wenn man ihn nicht gesehen hat.

7. „True Story“

„True Story – Spiel um Macht“ von Rupert Goold hat mich nicht überzeugt, was jedoch nicht heißt, dass der Film schlecht ist. Wir waren zu viert im Kino und ich war die Einzige, die sich hinterher über das (meines Erachtens) vergeudete Potenzial ereifert hat. Ich denke, das liegt vor allem an James Franco: Die Glaubwürdigkeit des Films steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit der Figur des Christian Longo. Glaubt man ihm, was er erzählt, vertraut ihm und entwickelt Sympathie für ihn (übernimmt also sozusagen die Perspektive von Michael Finkel), dann findet man den Film spannend.

Ich für meinen Teil habe aber die ganze Zeit James Francos Rolle als dümmliche eitle Knalltüte aus „The Interview“ und sein Katy-Perry-Duett mit ‚Kim Jong Un‘ im Hinterkopf gehabt und ihm nicht eine Sekunde lang irgendetwas abgekauft. Daher konnte ich keinen Anknüpfungspunkt finden, um mich in die Geschichte richtig einzuhaken und fand den Film fürchterlich langatmig und vorhersehbar.

Das ist eigentlich schade, denn der Stoff, die Story und die Ausgangssituation sind interessant, da hätte man einen nervenzerfetzenden Thriller mit nachdenklich stimmenden Drama-Elementen draus machen können. Vielleicht hätte es etwas gebracht, wenn James Franco und Jonah Hill die Rollen getauscht hätten. James Franco hätte die Figur des eitlen Journalisten, der seinen Berufsethos sehr großzügig auslegt, sicher sehr gut und überzeugend gespielt und da hätte auch sein Knalltütengesicht gepasst. Jonah Hill traue ich indes zu, dass er das Undurchschaubare des Christian Longo besser hingekriegt hätte als James Franco.

Trotzdem hat der Film spannende Fragen aufgeworfen, insbesondere die nach der Wahrheit in „wahren Geschichten“ wie Reportagen, Biografien und Geständnissen. Ist es ethisch vertretbar, die Tatsachen ein wenig zu raffen, zu konzentrieren, anders anzuordnen, um eine bestimmte Aussage zu verdeutlichen, selbst wenn die Wahrheit dadurch leicht verfälscht wird? Wie glaubhaft sind Selbstdarstellungen? Ist es überhaupt möglich, eine Geschichte zu erzählen, die 100 Prozent den Tatsachen entspricht? Schließlich findet bereits durch das Erzählen eine Auswahl und Anordnung statt, die schon verfälschend wirken kann. Die Figuren in dem Film scheitern alle mit ihrem Wahrheitsanspruch und auch dem Film selbst scheint es nicht zu gelingen, den eigenen Wahrheitsanspruch zu erfüllen.

Eine Sache noch: Die Figur der Jill hätte man mehr Tiefe und Ambivalenz verleihen oder sie sich sparen können. Von Anfang an ist sie dauerbeleidigt, ohne zu sagen, was sie hat, ist passiv aggressiv, zickig, vertraut ihrem Partner nicht, guckt die ganze Zeit muksch aus der Wäsche und trägt nicht viel zur Handlung bei. Was soll denn das?

6. „Birdman“

Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“ von Alejandro González Iñárritu hinterlässt mich zwiegespalten. Der Film macht es einem aus Unterhaltungssicht betrachtet nicht leicht, ihn zu mögen. Er ist sperrig, anstrengend, schräg, merkwürdig, bizarr, skurril, surreal, verrückt, mühsam und unbequem. Und das ist eigentlich wieder gut. Aber irgendwie … ich glaube – und das ist nur mein persönliches Urteil, das nichts über die Qualität des Films aussagt – mir war das zu viel des Guten.

Die Geisteswissenschaftlerin und ausgebildete Schauspielerin in mir jubelte über die vielen Seitenhiebe auf die Theater- und Filmbranche, den Jahrmarkt künstlerischer Eitelkeiten, satirischen Pointen, großartigen Bezüge, Andeutungen und philosophischen Anklänge. Mit dem Verstand betrachtet also ein Meisterwerk, ein gefundenes Fressen für Filmkritiker und andere Cineasten. Auch für Psychologen gäbe es da eine Menge zu analysieren und interpretieren.

Mit dem Herzen betrachtet war mir das aber alles viel zu intellektuell verquast, zu künstlerisch überambitioniert, zu überheblich, selbstgefällig, wichtigtuerisch, arrogant in seinem übertrieben metaphorischen Spiel mit Symbolen und Realitäten. Als wäre der Regisseur in dieselbe Falle getappt, wie sein Protagonist: Etwas Bedeutungsvolles schaffen wollen und von niemandem wirklich verstanden werden.

Vielleicht war das aber auch der Gedanke dahinter, dass man diesen Film nicht mit den normalen Sehgewohnheiten, Erzählkonventionen etc. betrachten, sondern ihn auf einer anderen Ebene wahrnehmen soll. Oder so. Wie sich Künstler das dann halt immer so schönreden, wenn sie etwas fabriziert haben, was beim Massenpublikum nicht ankommt. Die haben die Message nicht begriffen, sowieso ist das ja auch eine Auszeichnung, wenn der mainstreamverkorkste Pöbel einen doof findet und blablabla. Also, selbst wenn dem so ist und das sollte bewusst für Unverständnis sorgen, dann ist das zwar gelungen, aber nicht neu.

Durchgehend positiv aufgefallen sind mir jedoch die Schauspieler. Wie Michael Keaton, Edward Norton, Naomi Watts und Co. sich selbst und ihren Beruf voller Spielfreude durch den Kakao ziehen macht sehr viel Spaß – intellektuelles Gestakse hin oder her. Diese Szenen haben sich in jedem Fall gelohnt.

Nur schade, dass der Film dann doch sehr lang war und zum Ende hin immer eigenartiger wurde. Mein Freund (selbst Kameramann) hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der gesamte Streifen wie in einer einzigen Kamerafahrt, mit kaum sichtbaren Schnitten gedreht wurde. Vielleicht fand ich ihn auch deswegen so anstrengend, denn das ist ja sehr innovativ, die Sehgewohnheiten zu torpedieren, aber von sowas wird man ein wenig seekrank. Da fehlt dann einfach die Struktur. Aber auf jeden Fall ist der Film interessant, ich denke, das lässt sich nicht leugnen. Ob man ihn nun genial findet – oder furchtbar.

P. S.: In der kino.de-Kritik steht, dass Edward Norton alias Mike Shiner es mit dem Method Acting zu genau nimmt. Das ist so nicht ganz richtig, denn beim Method Acting (entwickelt von Lee Strasberg auf Grundlage einiger Aspekte der Schauspieltheorien von Konstantin Stanislawski) geht es nicht darum, dass alles auf der Bühne/vor der Kamera echt sein muss. Das ist dann ja kein Schauspiel mehr, wenn’s echt ist.

Beim Method Acting nutzt der Schauspieler seine eigenen Erinnerungen, um Gefühle wachzurufen und diese der Figur zur Verfügung zu stellen. Das ist so der Grundgedanke dahinter. Dass man das, was auf der Bühne gezeigt wird, tatsächlich tut, geht eher in Richtung Performance. So wie Marina Abramovic, die sich einen Stern in die Bauchdecke geritzt hat und dann blutend vor dem Publikum stand, bis endlich jemand aufgestanden und ihr geholfen hat. Das ist was völlig anderes.

5. „American Sniper“

American Sniper“ von Clint Eastwood ist ein schwieriger Film. Natürlich kann man bei dem kontroversen Inhalt keine leichte Unterhaltung erwarten, das ist klar. Aber ein spannendes, psychologisch tiefgründiges Drama hätte schon daraus werden können. Das ist auch das, was ich nach Sicht des Trailers erwartet habe, vor allem, weil Clint Eastwood sich bereits häufiger in der Vergangenheit (zum Beispiel im großartigen „Gran Torino“) als sensibler, feinsinniger und kluger Filmemacher erwiesen hat. Leider ist das meines Erachtens bei „American Sniper“ nicht gut gelungen.

Die Kriegsszenen sind sich untereinander sehr ähnlich, es ist keine wirkliche Steigerung oder Entwicklung zu sehen. Zwar macht Chris Kyle eine Wandlung durch, doch seine persönliche Entwicklung, seine Traumata, seine zerbrochenen Ideale und Träume, sein innerer Schmerz, den er bis zur Selbstaufgabe verleugnet (sonst könnte er seinen Job wohl auch nicht weiter ausführen) werden nur angedeutet. Die privaten Szenen zuhause mit seiner Frau und seinen Kindern, das Verhältnis zu seinem Bruder (was passiert eigentlich mit ihm? Diese Frage lässt der Film leider offen) kommen zu kurz. Es blitzen ab und zu ein paar Szenen und Momente auf, die das innere Grauen dieses Mannes erkennen lassen, doch sind diese zu selten. Der Erzählrhythmus ist irgendwie nicht ganz stimmig, die Kriegsszenen sind zu gleichförmig und lang, die Szenen, die zeigen, was der Krieg mit Chris Kyle macht, sind zu kurz und bleiben zu sehr an der Oberfläche.

Am interessantesten in dem Film fand ich den Anfang, als in Rückblenden gezeigt wurde, wie Chris Kyle überhaupt Sniper geworden ist. Da bekam man einen Einblick in die amerikanische Heldenideologie, die mir als pazifistischer, bildungsbürgerlicher Europäerin völlig absurd vorkommt, die jedoch im Film glaubhaft und nachvollziehbar dargestellt wird. Diese Dreiteilung der Menschheit in Schafe, Wölfe und Hütehunde finde ich zwar Quatsch (vermutlich, weil ich in dieser Kategorisierung eindeutig ein Schaf bin und somit ein Loser), aber ich kann mir vorstellen, dass Menschen daran wirklich glauben. Und wer davon überzeugt ist und fest daran glaubt, ein Hütehund zu sein, der alle vor den bösen Wölfen beschützen muss, der findet das dann auch absolut logisch, in ein fremdes Land einzufallen und dort Leute zu erschießen, die man als böse betrachtet.

Ich hätte mir gewünscht, dass diese Überzeugung Kyles, die ja bis zum Schluss nicht wirklich ins Wanken gerät, etwas kritischer hinterfragt worden wäre. Allerdings beruht der Film auf Kyles Autobiographie, er gilt in den USA als Held, da ist es für einen US-amerikanischen Filmemacher wahrscheinlich nicht so naheliegend, den Heldenmythos zu demontieren. Das Hauptzielpublikum dürften außerdem diejenigen sein, die Kyle als Helden verehren und wenn man ihn dann im Kinofilm als gebrochenen, traumatisierten Menschen zeigt, den Krieg nicht als notwendig, sondern als sinnlos darstellt und Verständnis für die Soldaten aufbringt, die Zweifel an der vermeintlich gerechten Sache bekommen, wäre der Misserfolg vorprogrammiert.

Fazit: Insofern sehenswert, weil der Film zum Nachdenken anregt. Allerdings sollte man seine Erwartungen in Sachen Spannung vorher herunterschrauben.

4. „The Avengers 2: Age of Ultron“

„Avengers: Age of Ultron“ von Joss Whedon war … so mittel. Erwartet hatte ich ein furioses Action-Spektakel mit viel Krachbumm, erhofft hatte ich eine spannende Handlung mit witzigen Dialogen. Es sind leider nur meine Erwartungen erfüllt worden. Übertroffen wurden sie nicht. Aber das ist ja auch schon mal was.

Zwischendurch gibt es witzige Schlagabtäusche, launige Dialoge, ein wenig Ironie. Das sind die Stellen, die mir gefallen haben. Dann gibt es sehr, sehr viele Szenen, in denen unter ohrenbetäubendem Getöse alles Mögliche zu Bruch geht. Das war zu erwarten, nichtsdestotrotz schlafe ich bei solchem Spezialleffekte-Exzess immer ein. Wobei das jetzt aber auch nicht so schlimm ist, man verpasst nichts von der Handlung (weil es keine gibt).

Ärgerlich fand ich jedoch die einen oder anderen sexistischen Metadiskurse, und ich meine damit nicht, dass zum Beispiel Scarlett Johansson einen engen Strampelanzug trägt. Sie hat eine tolle Figur und kann sowas tragen, außerdem muss sich die von ihr gespielte Superheldin ja auch bewegen können und Strampelanzüge sind überaus bequem. Des Weiteren finde ich es unsinnig, am Aussehen gutaussehender Menschen herumzumäkeln, weil man selber vielleicht nicht so toll aussieht. Was ich aber unmöglich finde, ist, wenn Frauen so dargestellt werden, als wäre es für sie alle das ultimative Glückseligkeitsziel, Mutter zu werden und wenn sie es nicht können, dann sind sie nichts wert. ‚Natasha Romanoff‘ sagt in dem Film allen Ernstes: „Ich wurde zwangsweise sterilisiert, ich bin ein Monster.“ Entschuldigung, bitte, was!? Und ‚Hawkeye‘ kann seinen Job als Superheld trotz Kinder auch nur ausführen, weil seine Frau ihm bedingungslos den Rücken freihält und am Ende der Welt in einem Farmhaus den ganzen Tag allein mit den Kindern ist und den Haushalt schmeißt. Natürlich mit links, ohne eigenen Willen, ohne eigene Bedürfnisse. Ein Träumchen. Grummel.

Gut, aber davon abgesehen ist der Film durchaus unterhaltsam und man bekommt das, was der Trailer verspricht.

Fazit: Kann man sich angucken. Muss man aber nicht.

3. „Maze Runner 2: Die Auserwählten in der Brandwüste“

„Maze Runner 2 – Die Auserwählten in der Brandwüste“ von Wes Ball ist ganz anders als das Buch. Die Namen, die Ausgangssituation und ein paar Szenen stimmen mit der literarischen Vorlage überein, mehr eigentlich nicht. Wenn es einem gelingt, Buch und Film als unabhängige, eigenständige Werke zu sehen, kann man sich trotzdem von beiden gut unterhalten lassen. Der Film zeichnet sich vor allem durch atemberaubende Stunts, nervenzerfetzende Action und eine eindrucksvolle mise en scène aus (das ist das, was man sieht, wenn man das Bild anhält, also die visuelle Inszenierung, aber auch Kostüme, Requisiten, etc.).

Aber: Leider ist das Tempo etwas unausgewogen. Mal geht es im Affenzahn durch die Gegend, und der Film macht da weiter, wo der erste Teil aufgehört hat. Die Dialoge bestehen überwiegend aus „Komm“, „Mach schnell“, „Beeil dich“, „Wir müssen hier weg!“ und „Los!“ Das ist auf Dauer ermüdend, außerdem bleibt überhaupt keine Zeit für die Charakterzeichnung der Figuren und Hinweise auf die Hintergrundgeschichte. Teilweise bekommt man gar nicht mit, wie die Leute überhaupt heißen. Und wenn es dann mal einen erwischt, fragt man sich: „Wer war das noch mal?“, anstatt Rotz und Wasser über den Verlust zu heulen. Von Jorge und Brenda abgesehen, bleiben alle Figuren langweilig, blass und flach. Jorge und Brenda aber sind super und werten den Film erheblich auf.

Dann gibt es zwischendurch auch ein paar rührselige Szenen, in denen die Figuren etwas Trauriges aus ihrer Vergangenheit erzählen. Das wirkt aber im Vergleich zu dem restlichen Überschalltempo fehl am Platz, unglaubwürdig und plump. Da wäre es vielleicht spannender gewesen, nicht so viel auf einmal in einen Film zu packen, sondern sich lieber auf ein paar wenige, wichtige Handlungspunkte zu konzentrieren und sich dafür etwas mehr Zeit und Mühe zu geben.

2. „Die Bestimmung 2: Insurgent“

„Die Bestimmung – Insurgent“ von Robert Schwentke hat mich sehr enttäuscht. Wer den Film mochte und ihn sich nicht madig machen lassen will, sollte am besten nicht weiterlesen. Denn was jetzt folgt, ist ein Verriss:

Inzwischen habe ich die Bücher von Veronica Roth gelesen und finde sie zwar nicht gut geschrieben, aber trotzdem spannend und vor allem inhaltlich interessant. Die Geschichte, die Welt in der sie spielt, die Hintergründe, die Grundidee sind super. Und deswegen habe ich mir diesen Film angeschaut, in der Hoffnung, die stilistischen Makel der noch jungen Autorin fallen bei der visuellen Umsetzung weg. Unter anderem haben mich im Buch gestört, dass die Autorin ständig mehrmals hintereinander ähnliche Formulierungen und einen fast identischen Satzbau verwendet, sodass einem die Erzähler (Tris selbst, im dritten Teil abwechselnd mit Four) fürchterlich auf den Keks gehen. Die spannende Handlung aber machte das im Buch wett.

Im Film nicht. Schlimmer noch: Die Verfilmung hat es tatsächlich geschafft, die Hauptfiguren noch unsympathischer erscheinen zu lassen, die Handlung noch weiter zu kürzen, die Hintergründe noch oberflächlicher abzufertigen und die Nebenfiguren noch nebensächlicher zu gestalten. Das Ergebnis ist eine schleimtriefende Teenie-Schmonzette, die mehr in Richtung „Twilight“ geht als in „Die Tribute von Panem“. Nun fand ich „Twilight“ aber ganz unterhaltsam, weil das so offenkundig bescheuert war, dass es einfach schon wieder Spaß gemacht hat. „Die Bestimmung“ aber behandelt ja durchaus ein spannendes Thema, das gesellschaftsrelevant und sozialkritisch ist. Die dystopische Welt, die Veronica Roth kreiert hat, ist eine durchaus denkbare Eskalation und Weiterentwicklung der heutigen politischen Verhältnisse.

Aber hat das der Film in irgendeiner Weise genutzt? Nö. Stattdessen drehen sich von den knapp zwei Stunden 90 Minuten nur um das Beziehungsgeschwurbel zwischen Fräulein Selbsthass und Monsieur Aushilfs-Moritz-Bleibtreu. Nichts gegen Shailene Woodley, sie ist keine schlechte Schauspielerin. Aber in diesem Film speziell hat sie mich genervt. Im Buch konnte man das ja wenigstens noch schnell überfliegen, wenn sie wieder ankam mit ihrem „Ach und Weh, ich bin an allem Schuld, ich bin der schlimmste Mensch der Welt blablabla“. Bevor man mich falsch versteht: Sie hat allen Grund sich Vorwürfe zu machen und das ist ja alles ganz menschlich. Doch dieses egozentrische In-sich-selbst-Herumgewühle muss man nicht fast zwei Stunden lang auswalzen, sondern es genügt, wenn das ab und zu aufblitzt.

Fazit: Lohnt sich nicht. Lest lieber das Buch.

1. „Jupiter Ascending“

„Jupiter Ascending“ von den Wachowski-Geschwistern ist ein ganz heißer Kandidat für die Goldene Himbeere – und zwar in sämtlichen Kategorien. Normalerweise würde ich ja diplomatisch sagen, dass ich ihn schlecht fand. Dieses Mal würde ich mich aber glatt dazu hinreißen lassen zu urteilen: Der ist einfach schlecht.

Aber einmal ganz von vorne. Die Heldin Jupiter Jones erzählt, wie sich ihre Eltern kennen gelernt haben, was an Kitsch eigentlich nur noch davon überboten wird, dass ihre Tante ihr weissagt, dass sie zu Großem bestimmt sei. Und (was noch viel wichtiger ist), dass sie ihre große Liebe treffen wird. Gähn. Schnarch. Sülz.

Da putzt sie also tagein tagaus Toiletten, hasst ihr Leben und melancholisiert so nichtsahnend vor sich hin, da tauchen plötzlich so komische Alienviecher bei ihr auf und wollen ihr ans Leder. Nicht nett. Vor allem, weil sich dahinter einfach nur ein schnöder Erbschaftsstreit zwischen rivalisierenden Adelssprössen einer uralten außerirdischen Familie verbirgt. Und die arme Jupiter wird mir nichts dir nichts zum Spielball der dekadenten Brut.

Man hätte daraus eine witzige Satire machen können, die übertriebenes Wirtschaftsstreben auf die Schippe nimmt und kritisch-humorvoll beleuchtet. Die Szene in der intergalaktischen Behörde (die überhaupt nicht zum restlichen Film passte) hat es angedeutet. Man hätte eine urkomische Parodie auf Auserwählten-Wischiwaschi und Heldengeschwurbel-Fantasy-ScienceFiction-Quatsch machen können. Oder einfach nur ein launiges Effektespektakel à la „Guardians of the Galaxy“. Von mir aus hätte da auch ein romantischer Märchenfilm und eine schmachtige Liebesschnulze draus werden können.

Aber es hat nicht sollen sein.

Was gibt es stattdessen? Flache Figurenkonzeption, die schon fast an Nulldimensionalität grenzt. Die Schauspieler hatten überhaupt nichts anderes zu tun als dekorativ im Bild herumzustehen oder dekorativ durchs Bild zu fegen. Mila Kunis kulleräugt sich durch ihre Figur und tapst wie ein verknallter Backfisch durch den Special-Effects-Salat. Channing Tatum stehen die spitzen Ohren zwar super, ansonsten guckt er nur grimmig in die Gegend und knurrt von Selbsthass und Abgeklärtheit getönten Unfug vor sich hin. Jupiter kennt den Kerl keine zwei Sekunden und ist sich schon sicher, dass das ihre große Liebe ist. Sowas nennt man Verzweiflung, keine Liebe. Und die anderen Figuren und Schauspieler sind keinen Deut besser. Was nicht an den Schauspielern liegt, sondern an diesem himmelschreiend schlechten Skript.

Die an sich simple Geschichte wird völlig verquast erzählt, ohne dass das irgendwie philosophische oder gesellschaftskritische oder sonstwie interessante Fragen aufwerfen würde. Nein, es ist einfach nur durcheinander, verworren, unstrukturiert, unentschlossen und witzlos. Und diese Dialoge!!! Unterirdisch wäre noch eine zu positive Bezeichnung. Da gibt es ja in jeder Seifenoper oder in Rosamunde-Pilcher-Filmen noch pointiertere Texte.

Fazit: Das Geld kann man sich aber sowas von sparen. Da kann man sich auch gleich „Matrix III“ noch mal antun.

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