Archiv der Kategorie: Kritik

103. Stück: Kinojahresrückblick 2020 – Top 5 und Flop 5

Das Jahr 2020 war für die Kulturbranche und die Kinos kein gutes Jahr. Bevor die Corona-Pandemie mit voller Wucht zuschlug, war ich immerhin 19-mal im Kino und zwischen der ersten und zweiten Welle habe ich es immerhin einmal ins Kino geschafft. Das würde also für eine Top 10 und Flop 10 genau ausreichen. Allerdings fände ich es ein wenig unfair, Filme, die ich nur mittelmäßig fand auf meine Topliste zu setzen und Filme, die immerhin ganz OK waren und mich nur nicht sonderlich vom Hocker gerissen haben, auf meiner Flopliste zu verewigen. Und da dieses Jahr ohnehin alles anders war, habe ich beschlossen, auch meinen Kinojahresrückblick ein wenig anders zu gestalten als sonst. Anstelle von zwei Beiträgen mit der Top 10 und der Flop 10 gibt es jetzt nur einen einzigen Beitrag und nur fünf Filme auf den jeweiligen Listen. Viel Spaß!

Top 5 der Kinofilme 2020

5. „1917“ von Sam Mendes

„1917“ von Sam Mendes ist ein geradlinig erzählter, atemlos spannender (Anti-)Kriegsfilm. Die Prämisse ist simpel: Zwei britische Soldaten sollen schnellstmöglich eine Botschaft an ein anderes britisches Bataillon überbringen, damit diese nicht in einen deutschen Hinterhalt geraten. Das Problem: Sie müssen durch das Niemandsland, wo überall feindliche Soldaten und Fallen lauern können.

Diese Ausgangssituation wird konsequent durchgespielt und quasi in einer Einstellung gezeigt – sodass die permanente Anspannung und Rastlosigkeit der beiden Protagonisten hautnah spürbar wird. Hinzu kommt eine schonungslose Darstellung der Zerstörung, des allgegenwärtigen Todes während des Krieges. Und das geht ziemlich an die Nieren. Ein bisschen schade dabei ist, dass die Figurencharakterisierung ein wenig auf der Strecke bleibt. Ansonsten wäre es sicher noch fesselnder geworden – vielleicht aber auch zu fesselnd.

Ich hätte nicht gedacht, dass mir der Film so gut gefallen würde. Eigentlich bin ich nur mitgekommen, um meinem Freund Gesellschaft zu leisten. Normalerweise finde ich Kriegsfilme schon aus Prinzip doof und wurde durch mein letztes Experiment in die Richtung – „Dunkirk“ von Christopher Nolan – in meiner Meinung bestätigt. Aber „1917“ ist wirklich stark.

Fazit: Lohnt sich! Ist aber nichts für schwache Nerven.

4. „Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl“ von Caroline Link

„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Caroline Link geht ans Herz. Ich habe das Buch zuletzt als Kind gelesen und fand es im Film aber hervorragend und stimmig umgesetzt. Dazu noch das wunderbare Spiel der kleinen Riva Krymalowski sowie insbesondere von Oliver Masucci und Carla Juri als ihre Eltern, Justus von Dohnányi als Onkel Julius und Ursula Werner als Heimpi – das lässt die Geschichte lebendig werden.

Das Heimweh, die Heimatlosigkeit und die Schwierigkeiten der Familie, sich an immer neuen Orten auf ihrer Flucht einzuleben und in ständiger Sorge um die Daheimgebliebenen zu leben, wird ebenso deutlich, wie die kleinen Glücksmomente: neue Freundschaften, Schokoladenkuchen, Erfolge in der Schule und im Beruf … Die Geschichte wird aus Sicht der kleinen Anna erzählt, die mit einem unerschütterlichen Optimismus und einer unbändigen Neugier ausgestattet ist. Trotzdem werden die Hintergründe der Handlung nicht verharmlost.

Fazit: Toller Film mit großartigen Schauspielern. Lohnt sich!

3. „Intrige“ von Roman Polanski

„Intrige“ von Roman Polanski ist ein fesselnder Thriller über einen der größten Justizskandale der französischen Geschichte: die Dreyfus-Affäre. Der Film fängt an mit der öffentlichen Degradierung des Artillerie-Hauptmanns Alfred Dreyfus. Ihm wird vorgeworfen, für das Deutsche Kaiserreich spioniert und damit Landesverrat begangen zu haben. Während ihm nach und nach jedes Kennzeichen seines militärischen Ranges und seiner Zugehörigkeit zum Militär von der Uniform gerissen wird, seine Waffen abgenommen und zerbrochen werden, ringt er mit der Fassung. Am Ende dieser quälenden Demütigung beteuert er seine Unschuld. Keiner glaubt ihm.

Der Film wird aus Sicht des Oberstleutnant Marie-Georges Picquart erzählt, der Alfred Dreyfus ausgebildet hat und zunächst als Beobachter im Prozess sitzt. Er wird dann jedoch zum Leiter des französischen Militärgeheimdienstes ernannt – und macht seine Arbeit zu gut. Er entdeckt Ungereimtheiten im Fall Dreyfus und stößt auf einen weiteren Verdächtigen, der viel eher als Täter infrage kommt. Er kann nicht anders, als seine Pflicht zu tun und handelt sich damit jede Menge Ärger mit dem gesamten französischen Militärapparat ein …

Das wird einerseits sehr nüchtern und sachlich erzählt, andererseits bauen die Ereignisse so gekonnt aufeinander auf, dass eine atemlose Spannung entsteht. Picquart stößt mit seinen Nachforschungen in ein Wespennest aus Vetternwirtschaft, Korruption, Dilettantismus, politischen Ränkespielen, Intrigen – und Antisemitismus.

Die Schauspieler in diesem Film sind durch die Bank weg großartig. Vor allem Louis Garrel als Alfred Dreyfus und Jean Dujardin als Marie-Georges Picquart spielen ihre Figuren mit beeindruckender Glaubwürdigkeit, Facettenreichtum, Tiefgang und Stolz.

Fazit: Unbedingt empfehlenswert, nicht nur für Geschichtsfans!

2. „Jojo Rabbit“ von Taika Waititi

„Jojo Rabbit“ von Taika Waititi ist übermütig, albern, durchgeknallt – und trotzdem berührt der Film zutiefst. Gerade durch den Kontrast des grotesken, dunkelschwarzen Humors und der ernsten Thematik wird die Grausamkeit des Faschismus umso deutlicher. Man versteht aber auch durch die kindliche Perspektive Jojos, was Kinder am Nationalsozialismus fasziniert haben mag, warum sich so viele von ihnen mit Freuden für die Hitlerjugend und schließlich als Kanonenfutter einspannen ließen. Es zeigt auch, wie leicht sich Menschen von Angst und Ideologie manipulieren lassen.

Gleichzeitig ist „Jojo Rabbit“ eine Coming-of-age-Geschichte, in der ein kleiner Junge unverhofft den Ernst des Lebens kennenlernt und seine Ideale, Wirklichkeitsbegriffe und sein Selbstverständnis plötzlich auf den Kopf gestellt sieht. Und behutsam, Schritt für Schritt, den Verlust seiner Gewissheiten zu überwinden lernt und dabei erwachsen wird. Der kleine Roman Griffin Davis spielt das übrigens hervorragend und ist von der ersten bis zur letzten Sekunde überzeugend. Scarlett Johansson als seine Mutter ist auch toll, aber ihre Rolle ist eben großartig geschrieben.

Fazit: Ein ungewöhnlicher und sehr gelungener Film! Unbedingt sehenswert!

1. „Coma“ von Nikita Argunov

„Coma“ von Nikita Argunov ist ein visuell überragender Thriller, der obendrein noch mit einer spannenden, wendungsreichen Story überzeugt. Ein wenig bietet sich bei der Thematik – eine Welt, in der Komapatienten leben und die aus ihren Erinnerungen zusammengesetzt ist – ein Vergleich mit „Inception“ an. Während in diesem ebenfalls hervorragenden Film jedoch im Wesentlichen die Story darin besteht, das Prinzip von Inception zu erklären, und ansonsten nicht viel passiert, wartet „Coma“ mit ausgeklügelten Plot Twists, vielschichtigen Charakteren mit komplexen Motiven, Philosophie, Ethik, Gesellschaftskritik und dem einen oder anderen satirischen Seitenhieb auf.

Fazit: Ein Film, den man nicht verpassen sollte!

Außer der Reihe: Der beste Animationsfilm in 2020 (und der einzige Animationsfilm, den ich 2020 im Kino gesehen habe)

„Weathering with You“ von Makoto Shinkai

„Weathering with You“ von Makoto Shinkai ist ein bezaubernder, märchenhafter Animationsfilm mit liebenswerten Charakteren, Humor und Melancholie. Die Coming-Of-Age-Geschichte eines 16-jährigen Oberschülers, der es zu Hause in seinem kleinen Dorf nicht mehr aushält und nach Tokyo abhaut, ist verwoben mit fantastischen Elementen, die dem Film etwas Mystisches verleihen. Aber erzählt wird diese Geschichte mit einer federleichten Poesie, sodass es nie schwermütig oder kitschig wird. Die Zeichnungen sind einfach wunderschön. Mit wie viel Liebe zum Detail hier jeder Lichtreflex, jeder Wassertropfen zum Leben erweckt wird, ist atemberaubend und verbreitet eine magische Wirkung.

Ich habe dennoch ein wenig gebraucht, um in die Handlung hineinzufinden, da sie stellenweise etwas merkwürdig ist. Doch dann wachsen einem die Figuren zunehmend ans Herz und man wünscht ihnen alles Gute. Und eine süße Katze kommt auch noch vor, das ist ja ohnehin aus meiner Sicht immer ein Pluspunkt.

Fazit: Zauberhafter, poetischer Animationsfilm, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Flop 5 der Kinofilme 2020

5. „Bombshell – Am Ende des Schweigens“ von Jay Roach

„Bombshell – Am Ende des Schweigens“ von Jay Roach ist leider nicht bissig, konsequent und mutig genug geraten, um als wirklich geniale Satire à la „Big Short“ oder „Vice“ durchzugehen. Das ist schade, denn Potenzial wäre genug dagewesen – bei diesem Stoff und diesem hervorragenden Cast. Die Schauspieler*innen sind zwar sehr gut, aber sie bleiben aufgrund des zu zahmen Drehbuchs hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Es scheint, als hätten sich die Macher nicht getraut, das Thema #metoo wirklich auszureizen – also Machtmissbrauch einflussreicher Männer in Bezug auf (junge) Frauen in der Berufswelt, unterschwelliger Sexismus, wie es sich für die betroffenen Frauen anfühlt … Vielleicht ist das Ganze auch noch zu frisch und zu aktuell, um die nötige Distanz aufzubringen, die eine Satire braucht.

Was rüber kommt – und das ist den tollen Schauspielerinnen Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie zu verdanken – sind die Ängste und Sorgen, die diese Frauen umtreibt. Allerdings auch nur diese Frauen in Bezug auf einen Mann. Im Anschluss an den Film bleibt das Gefühl zurück, es handle sich um einen Einzelfall und nicht um ein prinzipiell überholtes System, das Machtmissbrauch einflussreicher Männer in Form von sexueller Belästigung und Sexismus begünstigt gegenüber Frauen, die im Berufsleben mit den Männern gleichziehen wollen.

Es lässt das grundsätzliche Problem, dass man als Frau im Beruf immer mehr oder weniger unterschwellig das Gefühl hat, man müsste sich mindestens dreimal so viel anstrengen wie Männer, um genauso erfolgreich zu sein. Man dürfte aber auch nicht zu ehrgeizig rüberkommen – sonst gilt man als zickig und spaßbefreit. Zu sexy darf man auch nicht sein – sonst gilt man als Schlampe oder muss sich irgendwelche Sprüche und „Witze“ anhören. Zu unsexy ist auch nicht gut – dann ist man ein verklemmtes Mauerblümchen. Und wenn man das als Frau anspricht, wird es abgewiegelt: „Neeeeiiiiin, ach Quatsch, da stellst du dich aber auch echt ein bisschen an. Also iiiiiich hab das ja noch niiiiiiie so erlebt, das musst du dir einbilden, entspann dich mal und mach dich locker.“ (Übrigens teilweise auch von anderen Frauen, die wohl einfach Glück hatten oder es mit Feingefühl nicht so haben). Und natürlich ist es auch eher selten so schlimm wie im Film. Meistens ist es eben nur so ein ganz leichtes, unterschwelliges Gefühl, dass man als Frau nicht hundertprozentig selbstverständlich frei darin ist, wie man sich kleidet und wie man sich verhält und ein ganz leises, flüsterndes Unbehagen, nicht gut genug zu sein so wie man ist. Und darüber schwebt dann immer ein „selber Schuld“ oder „das bildest du dir ein, stell dich nicht so an“.

Na ja … jedenfalls bin ich der Meinung, der Film war zu artig, hat sich zu sehr auf den Einzelfall konzentriert und am Ende den Eindruck hinterlassen, mit Erledigung dieses Einzelfalls sei auch das zugrundeliegende Problem gelöst. Was es nicht ist. Und das fand ich enttäuschend.

Fazit: Hm. Als halbdokumentarisch erzählter Film über den Fall Roger Ailes vs. Gretchen Carlson (und die anderen Frauen) durchaus gelungen. Als Satire über die der #metoo-Bewegung zugrundeliegenden Probleme bleibt der Film leider unter seinen Möglichkeiten. Schade.

4. „Das Vorspiel“ von Ina Weisse

„Das Vorspiel“ von Ina Weisse wurde als deutsche Version von „Whiplash“ angepriesen und entsprechend hoch waren auch meine Erwartungen an den Film. Diese wurden leider enttäuscht, denn während in „Whiplash“ die Dynamik zwischen Schüler und Lehrer für atemlose Spannung sorgt und man sich dem Sog dieses Psychoduells zwischen zwei musikalischen Genies auf Augenhöhe nicht entziehen kann, passiert in „Das Vorspiel“ eigentlich nichts – zumindest bis kurz vor Schluss. Der Schüler macht keine wirkliche Entwicklung durch und ist auch sonst keine schillernde, zwielichtige Gestalt wie Andrew Neiman. Er wirkt wie ein tapsiger Hundewelpe, der aus völlig verschüchterten Augen erstaunt in die Welt blickt und irgendwie nicht richtig zu wissen scheint, was er da eigentlich soll, wo er gerade steht. Er ist zwar ganz niedlich, aber bleibt leider langweilig und blass. Das liegt nicht am Schauspieler, der ist toll und sehr überzeugend, aber die Rolle ist einfach zu schwach charakterisiert und setzt der überehrgeizigen, überspannten Geigenlehrerin nichts entgegen.

Nina Hoss ist dabei noch das Beste am Film – wie sie die Geigenlehrerin spielt, der langsam alles in ihrem Leben entgleitet, ist großartig. Leider kann sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass einfach keine richtige Geschichte erzählt wird. Die anderen Schauspieler sind übrigens auch richtig gut – was für einen deutschen Film beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Was man vielleicht vorher wissen sollte: Ein Teil der Dialoge wird auf Französisch gesprochen und nicht untertitelt. Mir macht das nichts aus, ich bin selbst zweisprachig, aber es gab im Kinosaal ein ununterbrochenes Geraune, Gemurmel und Gebrumsel von Leuten, die ihre Schulfranzösischkenntnisse hervorkramten und versuchten, die Passagen zu übersetzen. Und mindestens zwei-drei dieser französischen Dialoge sind wesentlich entscheidend für die Handlung. Das fand ich ziemlich unglücklich.

Fazit: Leider sehr langweilig geraten, ich würde den Film nicht weiterempfehlen. Oder man schaut ihn sich irgendwann in Ruhe im Fernsehen an, dann nerven einen die anderen Zuschauer wenigstens nicht und man kann zwischendurch aufstehen und sich Tee kochen oder ein Brot schmieren.

3. „Bloodshot“ von Dave Wilson (II)

„Bloodshot“ von Dave Wilson (II) hätte ein passabler Mindgame-Movie werden können, hätte man die Pointe nicht schon im Trailer beziehungsweise im ersten Filmdrittel verraten. Was bleibt, ist ein austauschbarer Vin-Diesel-Actionkracher, der sich leider viel zu ernst nimmt. Die Figuren sind holzschnittartig, die Dialoge banal, die Spannungskurve flach, die Handlung vorhersehbar und wendungsarm.

Fazit: Schade, hätte das Potenzial für einen unterhaltsamen Film gehabt, aber das Pulver wurde viel zu früh verschossen. Muss man nicht gucken.

2. „Bad Boys For Life“ von Adil El Arbi & Bilall Fallah

„Bad Boys For Life“ von Adil El Arbi und Bilall Fallah ist leider von ein paar netten Gags abgesehen nicht so unterhaltsam geraten wie seine Vorgänger. Ist es zu Beginn noch ganz witzig und niedlich, die beiden harten Jungs als gealterte Männer zu sehen und weiß der Gegensatz zwischen dem ängstlichen Spießer Marcus und dem draufgängerischen Berufsjugendlichen Mike noch zu erheitern, verpufft dieser komische Effekt nach einer Weile. Zurück bleibt eine hanebüchene Rachegeschichte und jede Menge Action.

Gut, ein Action-Film braucht keine tiefgründige, gesellschaftskritische, philosophische oder sonstwie komplexe Handlung. Aber zumindest geradlinig und konsequent sollte ein gelungener Actionfilm sein. Wenn’s dann zwischendurch völlig unpassend sentimental oder sogar traurig wird, man davon aber gänzlich unberührt bleibt, weil man sich noch über irgendwelche mystischen Anklänge aus den Szenen davor wundert und sich fragt, was der Quatsch soll, dann macht das meiner Meinung nach nicht so viel Spaß.

Mir hätte der Film besser gefallen, wenn sie die Story einfacher gehalten hätten, dafür außerdem ein paar von den Arschwitzen gestrichen und das Ganze auf knackige 80-90 Minuten heruntergekürzt hätten. Na ja, aber immerhin: Der Nostalgie-Faktor hat schon einiges wieder wettgemacht. Martin Lawrence und Will Smith sind eben doch ein eingespieltes Duo – von daher gibt’s auch zwei Sterne und nicht bloß einen halben.

Fazit: Na ja, ich denke, den Film wird sich eh jeder anschauen, der die anderen beiden Vorgänger mochte. Ich finde nicht, dass sich das wirklich lohnt, aber davon sollte sich niemand abhalten lassen.

1. „Tenet“ von Christopher Nolan

Sooo, das hat mir gefehlt 🙂 Achtung, Leute, das wird ein Verriss. „Tenet“ von Christopher Nolan ist der erste Film, den ich seit Wiedereröffnung der Kinos nach dem Lockdown gesehen habe – und gleich ein Kandidat für den schlechtesten Film des Jahres 2020. Visuell ist der Film schon in Ordnung, stellenweise sogar ganz cool. Davon aber abgesehen stimmt in diesem Film einfach hinten und vorne (rückwärts und vorwärts, Hihi) überhaupt nichts und der ganze Kladderadatsch ergibt nicht den geringsten Sinn.

Jaaa, mag der eine oder andere protestieren, man dürfe „Tenet“ eben nicht mit dem Verstand begreifen wollen, sondern müsse ihn … ähm … öhm … irgendwie auf einer anderen Bewusstseinsebene wahrnehmen und auf sich wirken lassen. Nolan sei ja schließlich dafür bekannt, Verwirrspiele zu erschaffen, die den Verstand des Zuschauers, seine Gewohnheiten und Gewissheiten auf den Kopf stellen, die Grenzen der Vorstellungskraft sprengen und so weiter und so fort. Das stimmt ja auch. Und das ist ihm in „Memento“ und „Inception“ beispielsweise auch meisterhaft gelungen. In „Tenet“ aber nicht. Mein Eindruck ist, der feine Herr hat sich einfach auf seine persönlichen Geheimrezepte der vergangenen Filme verlassen, mit Zeit, Wahrnehmung und Erzählgewohnheiten wie immer herumgespielt und sah offensichtlich keine Veranlassung, seine eigenen Gewohnheiten mal zu hinterfragen und zu brechen.

Herausgekommen ist ein langweiliges, langatmiges, spannungsfreies Machwerk, das überhaupt nichts aussagt und beim Zuschauer nichts auslöst (außer Verwirrung). Es ist faul – denn Nolan hat sich auf seine bewährten Mätzchen verlassen und nichts wirklich Neues erzählt, genau genommen hat er einfach mal gar nichts erzählt, sondern nur ansatzweise coole, einigermaßen stylische Actionszenen aneinander gereiht. Es ist feige – denn Nolan drückt sich total offensichtlich darum, das Risiko einzugehen, die Handlung in irgendeine Richtung zu lenken. Jedesmal, wenn die Figuren im Film eine Frage stellen, was das Ganze eigentlich soll, wozu das alles dient oder Fragen zur Schlüssigkeit und Logik stellen, windet sich Nolan heraus und versucht gar nicht erst, dieses Herauswinden zu vertuschen: „Versuchen Sie gar nicht erst, das zu verstehen“, „Was passiert ist, ist passiert“, „Das ist halt ein Paradoxon“, „Nicht drüber nachdenken“, „Das wissen die, die’s wissen müssen“ und andere Plattitüden werden dann dem Fragesteller und dem Zuschauer vor die Füße geworfen und dann geht der Film eben weiter. Der Film ist außerdem eitel – denn er gefällt sich selbstverliebt darin, eine vermeintlich gute Idee gehabt zu haben, und diese platt zu walzen und auszureizen bis zum Gehtnichtmehr.

Der Plot und die Dialoge sind also schon mal Murks. Fiebert man wenigstens mit den Figuren mit? Nö. Der „Protagonist“ hat noch nicht einmal einen Namen. Man weiß überhaupt nicht, wer er ist, woher er kommt, was er will und was er nicht will, warum er das tut, was er tut, wieso, weshalb, warum er überhaupt in der Geschichte eine Rolle spielt. Das gilt für alle anderen Figuren auch. So gut kann kein Schauspieler sein, gegen eine so holzschnittartig konzipierte Figurencharakterisierung anzuspielen. Auch von Neil erfährt man überhaupt nichts über seine Motivation. Kat, die einzige Frauenfigur, soll wohl eine Hommage an die klassische Hitchcock-Blondine darstellen, wird aber so auf ihre Rolle als Mutter und misshandelte Ehefrau reduziert, dass es einfach nur sexistisch und ärgerlich ist. Warum man Kenneth Branagh einen irren Russen als Bösewicht spielen lässt und keinen irren Briten, erschließt sich ebenfalls nicht. Vielleicht, um irgendwie so eine Kalter-Krieg-Plotline mit dem Holzhammer in die Story zu prügeln und dabei kein Klischee auszulassen. Vielleicht auch nur, weil Kenneth Branagh Lust hatte, einen russischen Dialekt zu sprechen.

Fazit: Dieser Film ist faul, feige, eitel – und schlecht. Wen ein grottiges Drehbuch, fade Figurencharakterisierung, fehlende Handlungslogik respektive überhaupt keine Handlung, eine fehlende Spannungskurve, schauderhafte Dialoge und wie verloren wirkende Schauspieler nicht stören und wer sich die ganz coolen visuellen Effekte anschauen möchte, kann das natürlich trotzdem tun. Aber er/sie beschwere sich hinterher nicht, ich hätte nicht vorgewarnt.

+++ SPOILER +++ SPOILER +++ SPOILER +++
Wer den Film schon gesehen hat, kann mir vielleicht doch mal ein paar Fragen beantworten, die mich gestern Abend noch wach gehalten und im Traum verfolgt haben, weil sie überhaupt keinen Sinn ergeben. Oder ich bin zu blöd. Egal. Also, hier meine Fragen:

  • Warum bauen die Leute in der Zukunft überhaupt erst eine Waffe, die die ganze Welt auslöscht?
    Nachdem diese Waffe nun völlig idiotischerweise gebaut wurde, warum zerteilen sie das Ding in neun Teile und verstecken diese Teile irgendwo in der Vergangenheit, sodass die Teile in der Zukunft garantiert wieder auftauchen und irgendein Irrer in der Zwischenzeit ausreichend Gelegenheit hat, die neun Teile zusammen zu suchen, das Ding zusammenzubauen und die Welt zu zerstören? Warum zerstören sie die Waffe nicht wieder? Warum zerstören sie nicht wenigstens ein Teil davon? Warum zerteilen sie das Ding nur in 9 Teile, nicht in 99 oder 999? Warum sieht das Ding aus wie ein Phallus aus Schrott? Warum verstecken sie nicht wenigstens ein paar der Einzelteile in der Gegenwart, schießen sie auf den Mond oder sonstwo hin, dass der Irre in der Vergangenheit da nicht herankommt? Und braucht man den Schrott-Phallus überhaupt oder reicht der komische Algorithmus?
  • Warum wollen die Leute aus der Zukunft Krieg mit der Vergangenheit? Da schießen sie sich doch buchstäblich selbst ins Knie?
  • Irgendwann wird auch angedeutet, dass die Leute aus der Zukunft die Leute aus der Vergangenheit bestrafen wollen, weil die ihnen den Klimawandel eingebrockt haben. DIESE LEUTE HABEN EINE ZEITMASCHINE! DIE KÖNNEN ALLES RÜCKGÄNGIG MACHEN! Warum nutzen sie ihre Zeitmaschine nicht für etwas Sinnvolles, wie den Klimawandel zu verhindern, so lange es noch möglich ist? Sie könnten doch die Regierungen infiltrieren mit ihren Leuten und die Politik im Sinne des Klimaschutzes zu beeinflussen. Nein, das wäre ja zu naheliegend, lasst uns doch stattdessen unsere Zeitmaschine nutzen, um den dritten Weltkrieg anzuzetteln und alles Leben auf der Welt zu zerstören (Ja, Kat. Auch dein Sohn), muahahahahaha!
  • Der Irre hat die Möglichkeit, sich selbst mit der Zeitmaschine zu invertieren. Warum heilt der Typ nicht einfach seinen Bauchspeicheldrüsenkrebs damit, anstatt eine Superwaffe aus der Zukunft zusammen zu bauen und die Welt in die Luft zu jagen?

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99. Stück: Erfundene Filmkritiken oder Filme, die im Kino laufen könnten

Da zur Zeit die Kinos geschlossen sind, habe ich mir auf meiner Facebook-Seite ein Spiel ausgedacht: „Kritiken zu Filmen, die jetzt im Kino laufen könnten“. Ähnlich wie bei meiner Improgeschichten-Blogparade vor ein paar Jahren kann man mir ein paar Stichworte nennen (z. B. einen Regisseur, Schauspieler, einen Gegenstand, Ort der Handlung und/oder eine Figur) und ich erfinde dazu einen Film und schreibe eine Filmkritik darüber.

Die ersten 10 Ergebnisse möchte ich euch nun auf meinem Blog präsentieren. Viel Spaß beim Lesen!

(Und wer Lust bekommt, mir auch ein paar Stichworte zu nennen, kann das gern hier in den Kommentaren oder weiterhin auf Facebook tun)

1. Eine Liebeskomödie von Michael Bay? Warum nicht

„Die Braut des Godzilla“ von Michael Bay ist eine schräge Mischung aus Actionkracher und Liebeskomödie. Ich hätte Michael Bay nie für einen Romantiker gehalten, aber ich muss sagen, die Geschichte von Bill (Dolph Lundgren) und Maggie (Scarlett Johansson) geht stellenweise doch ans Herz.

Aber einmal von vorn: In „Die Braut des Godzilla“ geht es um den in die Jahre gekommenen Actionfilmschauspieler Bill, der sich in Tokio niedergelassen hat, und dort eigentlich am liebsten seinen Ruhestand genießen würde. Doch dann braucht seine bezaubernde Nachbarin Maggie dringend seine Hilfe. Ihr Haustier, eine Echse namens Zilli, hat ihren Lieblingsring verschluckt – und das ist nicht irgendein Schmuckstück, sondern ein magischer Ring. Das zumindest hat ihr ihre Großmutter erzählt, die ihr den Ring einst vermachte.

Was genau so magisch an dem Ring war, wusste Maggie auch nicht. Bei ihr hat er nie irgendeine außergewöhnliche Wirkung gezeigt. Aber offenbar bedurfte es dafür des Kontaktes mit den Verdauungssäften einer Echse. Denn Zilli fängt seit dem Malheur plötzlich unkontrolliert an zu wachsen. Das klingt zwar hanebüchen, funktioniert aber prima, weil Lundgren und Johansson wunderbar miteinander harmonieren. Da stimmt einfach die Chemie.

Jedenfalls – Achtung! SPOILER! – wird aus Zilli der berühmt-berüchtigte Godzilla. Können Bill und Maggie ihn aufhalten, bevor er ganz Tokio dem Erdboden gleichmacht? Das müsst ihr euch dann schon selbst ansehen.

Fazit: Herrlich bekloppt und sehenswert, besonders für Fans trashiger B-Movies und schrägen Humors. 3,5/5 Sternen.

2. Wenn Steven Spielberg auf Harry Potter trifft, …

„Der Aufstieg Voldemorts“ von Steven Spielberg spielt, wie auch die Filmreihe „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ im Harry-Potter-Universum, und zwar in der Zeit vor den Ereignissen rund um den berühmten Zauberlehrling, aber nach den Abenteuern von Newt Scamander.

Die Geschichte dreht sich um Harry Potters Eltern James und Lily sowie Professor Snape (gespielt von niemand Geringerem als Leonardo DiCaprio – der übrigens mit langen schwarzen Haaren ziemlich cool aussieht).

Es sind beunruhigende Zeiten, denn ein mächtiger Magier namens Tom Riddle hat seine dunkle Seite entdeckt und findet immer mehr Anhänger, die sich nicht länger von den Muggeln sagen lassen wollen, was sie zu tun und zu lassen haben – schließlich seien sie die höher entwickelte Rasse.

James, Lily und Snape betrachten die Entwicklungen mit Sorge und formieren eine Widerstandsgruppe. Professor McGonagall – in ihrer jüngeren Version gespielt von einer glänzend aufgelegten Charlize Theron – schließt sich ihnen an und gemeinsam kämpfen sie für das Gute.

Ich bin ja sowieso ein Riesen-Harry-Potter-Fan, von daher bin ich bei den Geschichten aus dieser Welt ein wenig unkritisch. Aber hier ist das wirklich besonders gut gelungen: tolle Schauspieler, sympathische Figuren (es macht einfach Spaß, die jüngeren Versionen von Snape, McGonagall und Co. zu erleben) und natürlich niedliche Tierwesen (ein Niffler ist auch wieder mit von der Partie! ❤ ), ein traumhafter Soundtrack (John Williams!) … was will man mehr?

Fazit: Ein Muss für Harry-Potter-Fans! Nicht verpassen. 4,5/5 Sternen.

3. Ein Beatles-Musical mit Riesenratten von Woody Allen

Mit „All you need is love“ hat sich Woody Allen wieder einmal an ein Musical gewagt – und ist damit nach einer längeren Reihe eher mittelmäßiger, belangloser Filme endlich wieder zu Höchstform aufgelaufen. Und er ist auch wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und hat die Handlung von „All you need is love“ nach New York verlegt.

Die Story: Der neurotische und nur mäßig erfolgreiche Drehbuchautor George Mueller (Robert Pattinson) will mit seinem nächsten Projekt seinen großen Durchbruch schaffen! Dann könnte er auch endlich seiner großen Liebe und Langzeitfreundin Stella (Kristen Stewart) einen Heiratsantrag machen. Das ist wirklich mal überfällig. Außerdem hat er den Verdacht, dass sie ihren Kollegen Hank viel attraktiver findet als ihn. So wie sie immer von Hank erzählt: er habe immer so tolle Ideen und sei ja so lustig und wirklich furchtlos und wie überzeugend er bei den Präsentationen vor den Kunden immer auftritt blablabla … blöder Hank, George hasst den Scheißkerl.

Jedenfalls will er Stella beweisen, dass er mindestens genauso mutig und cool sein kann wie dieser bescheuerte Angeber, der sich idiotisch viel darauf einbildet, Bierflaschen mit den Zähnen öffnen zu können, das wird sich schon noch rächen irgendwann und George wird dann ganz bestimmt nicht Hanks Zahnarztrechnung bedauern, das hat der Typ dann nicht anders verdient und – ach, ist ja auch egal, wo waren wir stehengeblieben? Genau, Georges neues Drehbuch. Der Film wird ein Neo-Noir mit Horrorelementen und philosophisch-psychologischem Überbau, vielleicht auch spirituell-religiös angehaucht, da ist sich George noch nicht so sicher. Um Stella seinen Wagemut zu beweisen und um authentische Inspirationen für sein Werk zu sammeln, will er selbst vor Ort in der Kanalisation New Yorks recherchieren, die Atmosphäre auf sich wirken lassen.

Aber halt! In der Kanalisation gibt es doch Ratten? George hasst die Viecher! Und bei seinem Glück gibt es gerade an der Stelle, wo er recherchiert, diese mutierten Riesenratten, von denen er irgendwo im Internet gelesen hat, was natürlich keine seriöse Quelle ist, aber es klang logisch, schließlich landet ja allerhand Dreck in der Kanalisation – abgelaufene Medikamente, chemische Abfälle, … – und wenn die Ratten das fressen (und Ratten fressen ALLES), dann ist es absolut naheliegend, dass sie mutieren und riesengroß werden! Vielleicht sollte er Stella einfach nur erzählen, dass er das macht, bleibt aber eigentlich gemütlich zu Hause auf der Couch in Sicherheit und recherchiert weiter im Internet. Doch dann will Stella unbedingt mitkommen …

Ach herrje! Aber George fasst sich ein Herz und sieht auch keinen souveränen Weg, aus der Nummer wieder herauszukommen, und so begeben sich Stella und George gemeinsam in die Kanalisation von New York. Allerdings nimmt George vorsichtshalber eine Falle für Riesenratten mit, die er selbst aus einem Umzugskarton, Büroklammern und Klebeband gebastelt hat – die Anleitung hat er auf YouTube entdeckt und die soll richtig gut funktionieren, da kann Hank sich aber gleich ganz hinten anstellen, so nämlich!
Spoiler! In der Kanalisation sind keine Riesenratten und die normalgroßen Nager sind scheu und verstecken sich vor den Menschen (sie haben viel mehr Angst vor George als er vor ihnen). Was aber stimmt, ist, dass sich allerhand chemisches Zeug in der Kanalisation befindet. Tollpatsch George stolpert und fällt in die stinkige Plörre und als er wieder auftaucht, hat er eine Vision: Jesus erscheint ihm und er hat eine Botschaft: All you need is love – alles, was du brauchst, ist Liebe. Das stimmt, denkt George, und macht Stella noch in der Kanalisation einen Heiratsantrag und steckt ihr eine Getränkedosenlasche als Ring an, die gerade vorbeigeschwommen kam.

Das Ganze ist wieder mit pointierten Dialogen, die im Affentempo hin und her schießen, nach typischer Woody-Allen-Manier gewürzt. Und – es ist ein Musical. Allen hat hier Beatles-Songs in Swing-Versionen zwischen die Dialoge eingebaut, was wunderbar funktioniert und für einen fantastischen Soundtrack sorgt!

Robert Pattinson und Kristen Stewart, einst das Traumpaar der Teenieschmonzettenreihe „Twighlight“, zeigen hier, dass sie – obwohl im wahren Leben längst kein Paar mehr – nach wie vor toll miteinander harmonieren können. Aber sie sind auch beide erwachsen geworden und haben dazugelernt. Haben sie in Twighlight noch wirklich, wirklich schlecht gespielt, sind die beiden hier erstaunlich überzeugend, unterhaltsam und ausdrucksstark.

Fazit: Ein Muss für Woody-Allen-Fans, für Musical-Fans und für Beatles-Fans! Nicht verpassen. 4,5/5 Sternen

4. Ein bayrisches Urgestein auf Hallig Hooge? Das kann ja heiter werden

„Hallig Hooge Herzenslust“ von Rosa von Praunheim ist zwar ein Heimatfilm, aber einer, der das Genre ironisch bricht und neu definiert.

Der Ur-Bayer Ottfried Fischer spielt darin den pensionierten Lehrer Alois Obermayer, den die Liebe von seinem bayerischen Dorf nach Hallig Hooge verschlagen hat. Kerstin heißt seine Herzensdame, ist Polizistin und wird gespielt von Katja Riemann. Doch es gibt Knatsch. Kerstin findet, Alois lasse sich zu sehr gehen, seit er in Rente ist. Alois findet, Kerstin solle sich mal entspannen und das Leben genießen.

Die kleinen Querelen zwischen den beiden verlieren jedoch an Bedeutung, als Kerstins jüngere Schwester Alina (Sarah Connor) plötzlich auf der Türschwelle steht. Sie ist Umweltaktivistin und hat dem falschen Unternehmen ans Bein gepinkelt. Der Stromkonzern Lattenwall bremse systematisch den Ausbau erneuerbarer Energien auf Hallig Hooge aus, berichtet sie. Sie hatte sich dort als Sekretärin des Konzern-CEOs Adrian Hansen (Matthias Schweighöfer) eingeschlichen und hat dann auch noch herausgefunden, dass dieser mit korrupten Politikern gemeinsame Sache macht – ein ziemlich großes Ding also.

Alois, Kerstin und Alina überlegen sich einen Schlachtplan – denn natürlich sind die wenigen Beweisstücke, die Alina vor ihrer Flucht im Büro von Adrian Hansen noch schnell sammeln konnte, zu nichts zu gebrauchen, da sie vor Gericht keinen Bestand hätten.

Alina erzählt beiläufig, wie sehr sie sich zusammenreißen musste, um diesem arroganten Lackaffen von Hansen nicht jedes Mal eine zu zimmern, sobald er seine große Klappe aufriss. Alina regt sich darüber auf, dass Hansen, dieser peinliche Berufsjugendliche, dieser lächerliche Hipster-Schnösel, sich chinesische Schriftzeichen tätowieren lassen wollte, von denen er meinte, sie lauteten „Mut und Stärke“ – völliger Quatsch, so Alina, die 10 Semester Sinologie studiert hat, die Schriftzeichen bedeuteten nur „Wer das liest, ist doof“.

Da fällt Alois etwas ein! Einer seiner ehemaligen Schüler, mit dem er noch befreundet ist, hat zusammen mit seinem Lebensgefährten ein Tattoo-Studio in München eröffnet. Er könnte sich doch mit einem mobilen Tätowier-Set bei Hansen vorstellig werden, sein Vertrauen gewinnen und ihn zum Reden bringen. Kerstin könnte ihre Kollegen mit ins Boot holen, um den Tätowierer zu verkabeln und Hansens Geständnis aufzuzeichnen. Ein gewagter Plan … ob er wohl gelingen wird?

Das Ganze ist tatsächlich recht spannend und Gesellschaftskritik und Politik kommen auch nicht zu kurz. Damit „Hallig Hooge Herzenslust“ aber nicht zu ernst wird, hat Rosa von Praunheim noch das deutsche Comedy-Urgestein Fips Asmussen zu einem Cameo-Auftritt überreden können – und der hat sichtlich Spaß daran, Alois, Kerstin und Alina bei ihrem Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft zu unterstützen.

Fazit: Endlich mal ein Heimatfilm, der nicht einfach nur kitschig, spießig und trutschig ist. Kann man sich gut angucken (wenn man die eine oder andere Logiklücke freundlich ignoriert). 3,5/5 Sternen.

5. Wikipedia als Stichwortgeber für einen Filmplot

„Eine total verrückte Klassenreise in einem durchgeknallten Zug“ von Regie-Neuling Dr. Klein ist eine Hommage an die alten „Die Lümmel von der ersten Bank“-Filme und eine Parodie auf amerikanische Highschool-Komödien. Man merkt der Produktion allerdings ihr spärliches Budget an – mal im positiven, mal im negativen Sinn.

Positiv sind die teils sehr witzigen und kreativen Einfälle und skurrilen Gags, die Dr. Klein in seine völlig hanebüchene Handlung eingebaut hat. Negativ ist aber vor allem seine Entscheidung, nur Laiendarsteller mit keinerlei Filmerfahrung engagiert zu haben. Die Hauptdarstellerin Gabrielle Zwiehoff, die die Geschichtslehrerin Barbara Patzek spielt, zum Beispiel ist eigentlich Juristin und gibt sich auch sichtlich Mühe – aber Schauspiel ist einfach nicht wirklich ihre Stärke. Das ist ja nicht schlimm – man kann und muss nicht alles können und müssen -, aber es stört halt doch das Filmvergnügen.

Obendrein hielt Dr. Klein es für eine fantastische Idee, seinen Laiendarstellern kein festes Drehbuch vorzugeben, sondern sie den ganzen Unfug improvisieren zu lassen. Und so entbehrt die Story wirklich jeder Logik. Aus irgendeinem Grund startet die Klassenreise, um die es hier zumindest dem Titel nach gehen soll, in Österreich, um dann auf nicht ansatzweise plausiblen Wegen plötzlich in Schweden auf der Eisenbahnstrecke Godsstråket genom Bergslagen in einem Zug zu enden.

Fazit: Nee, also, das war nichts. Peinlich, dilettantisch, nicht gut gemacht – den Film kann man sich sparen. 1/5 Sternen.

6. Quentin Tarantino als Romantiker? Das kommt dann davon:

„High Tide, Motherf*ckers!“ von Quentin Tarantino ist eine durchgeknallte Liebeskomödie mit einem bestens aufgelegten Russel Crowe in der Hauptrolle als Kapitän Zack Beauford, der ein mildes Alkoholproblem hat und aufgrund eines „Vorfalls“ an der italienischen Küste, als er den Touristen zeigen wollte, wie nah er ans Ufer fahren kann, ohne dass etwas passiert (es ist doch etwas passiert. Upsi!), keine Kreuzfahrtschiffe mehr befehligen darf. Er fühlt sich ungerecht behandelt und tut nun einfach auf seiner Yacht so, als wäre er immernoch Kapitän und alles wäre in bester Ordnung.

So könnte es auch ersteinmal weitergehen, würde Captain Beauford nicht auf hoher See, unterwegs auf seiner Yacht, einem Floß mit Schiffsbrüchigen begegnen und sie in einem Anfall von Nächstenliebe, der eigentlich sehr untypisch für ihn ist, auf seine Yacht holen.

Wir erfahren nun in Rückblenden und Episoden, wie die einzelnen Schiffbrüchigen auf das Floß gelangt sind, und dass es keineswegs Zufall ist, dass sie dann Captain Beauford und seiner Yacht begegnen – denn jeder von ihnen hat mit dem Kerl noch ein Hühnchen zu rupfen. Ganz besonders die mysteriöse Madame Yellow verfolgt ihre eigenen Pläne … und sie dürstet nach Rache. Die dann auch in gewohnter Tarantino-Manier äußerst blutig eskaliert. Eine Eismaschine spielt dabei eine ziemlich makabre Rolle – aber mehr verrate ich an dieser Stelle lieber nicht.

Aber halt! Soll der Film nicht eine Liebeskomödie sein? Das ist er auch tatsächlich. Denn unter den Schiffbrüchigen und Captain Beauford entspinnt sich ein turbulentes Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen nach bester Boulevard-Theater-Tradition … man darf also gespannt sein.

Fazit: Ein Riesenspaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte! 4,5/5 Sternen.

7. Wenn Caroline Link einen Film Noir mit Christoph Waltz drehen würde

Mit „Nachts sind alle Katzen grau“ begibt sich Caroline Link in ein für sie unbekanntes Genre: den Film Noir – und es funktioniert hervorragend.

In diesem kammerspielartigen Krimi schlüpft Christoph Waltz in die Rolle des abgeklärten, zu Depressionen neigenden Privatdetektivs Samuel „Sam“ Wallis – und zeigt damit, dass er noch mehr Facetten spielen kann als den durchgeknallten Oberbösewicht mit guten Manieren. Sein Sam hat es mit den guten Manieren jedenfalls nicht so – viel zu ineffizient, wenn es darum geht, Leute zum Reden zu bringen, ist seine Erfahrung. Und durchgeknallt ist er auch nicht – er hat nur ein leichtes Problem mit seiner Selbstbeherrschung (behauptet seine Ex-Frau Monika, die alte Spinatwachtel).

Eines Tages kommt die mysteriöse Femme fatale Sonja Solace in sein Büro – gespielt von Sibel Kekilli – und braucht seine Hilfe. Ihr Mann ist verschwunden und sie hat Angst, ihm könne etwas zugestoßen sein. Er habe wohl neben seinem eigentlichen Beruf als Filialleiter eines Supermarkts nicht ganz lupenreine Wetten im Internet betrieben und könnte möglicherweise den falschen Leuten dabei auf den Schlips getreten sein.

Sam und Sonja fangen an, im Supermarkt zu ermitteln. Dabei kommen sie sich allmählich näher … huiuiui, gefährlich! Vor allem in Anbetracht dessen, dass Sonjas Ehemann ihr einiges verschwiegen hat, was seine Internetwettgeschichten angeht – unter anderem, wie viele Schulden er hatte und bei wem.

Als Sonja und Sam eines Tages zurück in Sams Büro wollen, liegt ein Geschenk vor der Tür – hübsch verpackt, mit Geschenkband, Schleife, Firlefanz. Für eine Bombe ist es zu leicht, ticken tut das Päckchen auch nicht … die beiden beschließen, es zu öffnen. Sonja wird beim Anblick des Inhalts kreidebleich: ein blutiger Schraubenschlüssel und daneben eine einzige, dreckige Socke!

Wer hat die Botschaft geschickt und vor allem: Was bedeutet sie? Ist Sonja wirklich so unschuldig, wie sie tut? Was hat ihr Mann wirklich für Geschäfte gemacht? Fragen über Fragen, die Sam in einen Strudel der Emotionen werfen – ihn aber endlich wieder aus seiner Lethargie reißen. Doch sein Eifer wird nicht ohne Folgen bleiben …

Fazit: Ein spannender Krimi, düstere Atmosphäre und gute Schauspieler – lohnt sich! 4/5 Sternen.

8. Ein Horrorfilm im Zoo von Fatih Akin

„Blutdurst“ von Fatih Akin ist ein verstörender Horrorfilm mit einem furchteinflößenden Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle des Zoodirektors Jochen Begenhack, der in seiner Freizeit einem ziemlich eigentümlichen Hobby frönt: dem Züchten neuer Tierarten.

Gedreht hat Akin wieder einmal in seiner geliebten Heimatstadt Hamburg, dieses Mal ist der Tierpark Hagenbeck Ort des Geschehens. Die Handlung bleibt auch die ganze Zeit im Zoo beziehungsweise im Tropenaquarium. Obwohl der Tierpark recht weitläufig ist, schafft es Akin, eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen und das ständige Gefühl der Bedrohung durch die Atmosphäre wabern zu lassen.

Dabei kann er sich voll und ganz auf Moritz Bleibtreu verlassen, der die schleichend immer stärker werdende Paranoia und Wahnvorstellungen des Zoodirektors mit beängstigender Intensität spielt.

Ihm entgegen stehen drei Frauen: Die Reporterin Marina Andresen (Andrea Sawatzki), die Tierpflegerin Anna Peters (Cosma-Shiva Hagen) und die Unternehmensberaterin Inga von Hove (Helene Fischer). Alle drei befinden sich aus verschiedenen Gründen nach Feierabend noch im Zoo. Marina Andresen hat von der Freizeitbeschäftigung des Zoodirektors Wind bekommen und wittert eine Riesenstory. Anna Peters ist ihre Informantin – sie arbeitet im Aquarium bei den Krokodilen und hat den Zoodirektor auffallend oft dort herumstreifen sehen. Inga von Hove hingegen wurde vom Bruder des Zoodirektors (mit dem dieser in eine üble Familienfehde verwickelt ist) beauftragt, mal heimlich Nachforschungen anzustellen, ob der Direktor nicht vielleicht Gelder veruntreut oder anderen Schindluder betreibt, mit dem man ihn aus dem Geschäft drängen könnte – fies.

Nach und nach finden sich unsere vier Protagonisten im Aquarium wieder. Dort entdecken sie das geheime Zuchtlabor des Zoodirektors – und seine neueste Kreation, eine Kreuzung zwischen Hai, Krokodil und Piranha … und sie ist sehr, sehr hungrig.

Fazit: Ein gelungener Horrorfilm, bei dem sich der Grusel und die Spannung vor allem auf psychologischer Ebene abspielen – die blutrünstige Kreatur sieht man erst ganz zum Schluss und auch da wird sie nur angedeutet. Die Fantasie erledigt den Rest. Lohnt sich! 4/5 Sternen

9. Noch mal Michael Bay, aber dieses Mal im Weltall

„Das Raumschiff aus der Hölle“ von Michael Bay ist ein actiongeladener Science-Fiction-Quatsch, dessen Story zwar völlig an den Haaren herbeigezogen ist, der aber trotzdem einen Heidenspaß macht.

Im Mittelpunkt der Handlung (oder das, was man als Vorwand für allerhand Prügeleien, Explosionen und Schießereien genommen hat) steht das Raumschiff Apokalyptika. Die ganze Geschichte spielt in einer alternativen Gegenwart, in der der Kalte Krieg nie ein Ende fand und die Amerikaner und Russen zu immer größenwahnsinnigeren Waffenexperimenten verleitet hat. Aktueller Höhepunkt: die Apokalyptika – eine über und über mit Waffen und Abwehrsystemen versehene Festung im Weltall, die in der Umlaufbahn der Erde patrouilliert und darauf wartet, dass die Russen sich endlich mal blicken lassen oder wenigstens ein paar angriffslustige Aliens, damit man die ganzen schönen Waffen auch mal benutzen kann. Aber nichts dergleichen passiert, die Apokalyptika und ihre Mannschaft sind allein im Weltraum.

Die Hauptrolle spielt niemand Geringeres als William Shatner. Er ist der gealterte Admiral John D. Burke – zynisch, resigniert, amtsmüde. Ihm zur Seite steht Colonel James McBain (Bruce Willis), dem allerdings die zunehmende Isolation auf dem Raumschiff ganz und gar nicht gut tut. Er trinkt zu viel, schluckt alle möglichen Medikamente, die er kriegen kann und fängt an, überall Gespenster zu sehen.

Die Situation eskaliert, als sich der Arzt des Raumschiffs, Jack Rambola (Sylvester Stallone), anfängt darüber zu wundern, warum die Medikamentenvorräte so schnell zur Neige gehen, und Nachforschungen anstellt. Er kommt McBain auf die Schliche und will ihn zur Rede stellen. Dieser sieht allerdings in dem Arzt eine riesenhafte Monsterversion von Spongebob und halluziniert, dass dieser ihm seine Gummibärchentüte stehlen will! Das lässt sich McBain nicht gefallen. Es kommt zum Gerangel, dann zieht Dr. Rambola plötzlich eine Waffe und will eigentlich einen Warnschuss abgeben – trifft dabei aber versehentlich Admiral Burke. Zum Glück ist es aber nur ein Streifschuss. Burke überlebt und entdeckt seine Lebensgeister neu – leider ist das für die anderen beiden Männer nicht von Vorteil, denn Burke ist auf Rache aus und er hat jede Menge bis dato ungenutzte Waffen zu seiner Verfügung …

Fazit: Perfekt für einen langweiligen Sonntag – Kopf aus, Film ab. 3,5/5 Sternen.

10. Ein Stummfilm mit Eddie Murphy? Herausforderung angenommen!

„The Master of Guns“ von den Wachowski-Geschwistern ist ein gewagtes filmisches Experiment: ein Stummfilm-Western mit Eddie Murphy in der Hauptrolle als Neelo Anderson, einem gestrauchelten Revolverhelden auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Den hofft er zu finden, indem er sich am Rande des kleinen Städtchens Riotcreek mit einem Freibad niederlässt.

Zunächst geht auch alles gut. Das Geschäft läuft nicht schlecht, er kann weitere Mitarbeiter einstellen. Die hübsche und toughe Anjelica (Margot Robbie) stellt sich bei ihm vor und will als Eisverkäuferin im Freibad arbeiten. Was sie Neelo verheimlicht: Sie ist vor ihrem gewalttätigen Ehemann, dem Sheriff des Nachbarorts Cliff Buchanan, geflohen, nachdem sie ihn dabei beobachtet hat, wie er heimlich Geschäfte mit dem Outlaw Butch „Mad Dog“ DeLorean macht.

Die Monate gehen ins Land und es wird Winter. Neelo will das Freibad für die Saison schließen, da kreuzen plötzlich Sheriff Buchanan und „Mad Dog“ DeLorean bei ihm auf – sie haben spitzgekriegt, wo Anjelica sich versteckt hält. Neelo muss sein Talent als Revolverheld erneut mobilisieren – aber wird es ihm gelingen oder ist er aus der Übung gekommen? Und was hat Anjelica vor, als sie den Sheriff und den Outlaw auf eine Tasse Tee in den Eisladen einlädt? Was ist in dem Teebeutel drin, den sie für die Zubereitung verwendet? Und was ist nun eigentlich der Sinn des Lebens?

Dass das alles als Stummfilm so hervorragend funktioniert und Eddie Murphy, der als Dampfplauderer berühmt und beliebt wurde, sich auch ohne gesprochene Worte überzeugend ausdrücken kann, hätte ich nicht gedacht. Und auch der tiefgründig-philosophische Überbau, mit dem die Wachowskis gern mal ihre Filme zermurksen (Stichwort: Jupiter Ascending), hält sich hier angenehm dezent im Hintergrund.

Fazit: Sehenswertes und gelungenes Experiment! Lohnt sich! 4,5/5 Sternen.


Das war es erst einmal. Ich hoffe, meine ausgedachten Filmplots haben euch gefallen. Ihr wollt mehr davon? Dann schreibt mir eure Stichworte in die Kommentare.

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98. Stück: Die besten und schlechtesten Filme der 2010er Jahre

In Anbetracht dessen, dass wir seit ein paar Tagen ein neues Jahrzehnt beschritten haben, halte ich es für angebracht, einen Kinorückblick auf das vergangene Jahrzehnt zu werfen.

Die Auswahl ist rein subjektiv und manchmal sind mehrere Filme aus einem Jahr dabei und aus einem anderen Jahr dafür keiner – manchmal sind die Kinojahre ja recht mittelmäßig, manchmal herausragend schlecht und manchmal herausragend gut.

Ich habe erst 2015 angefangen, meine Kinojahresrückblicke auf meinem Blog zu veröffentlichen. Für die Filme aus der zweiten Hälfte der 2010er Jahre habe ich daher die Kritik nur angerissen und dann den jeweiligen Kinojahresrückblick verlinkt. Für die Filme aus der ersten Hälfte der 2010er Jahre habe ich eine kleine Begründung formuliert, weswegen sie es auf meine Liste geschafft haben.

Die besten Filme von 2010 bis 2019

10. „Die Beste aller Welten“

„Die Beste aller Welten“ von Adrian Goiginger ist eine wunderbar leicht erzählte, tief berührende Mutter-Sohn-Geschichte. Gesehen habe ich den Film auf der Berlinale im Jahr 2017, zusammen mit einer Freundin, und wir waren richtig glücklich, dass wir nicht nur überhaupt noch Karten für eine Vorstellung ergattert hatten, sondern auch und vor allem, weil wir dabei so ein tolles Filmjuwel erwischt haben.

Der Film war auch der Favorit meines Kinojahresrückblicks von 2017 – dort könnt ihr auch die vollständige Kritik lesen.

9. „10 Cloverfield Lane“

„10 Cloverfield Lane“ von Dan Trachtenberg ist ein großartiges Kammerspiel und spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es ist allerdings möglicherweise für die Zuschauererwartung etwas ungeschickt, den Titel so nah an den Found-Footage-Film „Cloverfield“ anzulehnen. Viele erwarten daraufhin eine Fortsetzung, ein Spin-off oder ein Prequel – tatsächlich aber haben beide Filme kaum etwas miteinander zu tun. Ich fand’s gut, weil ich nicht so ein ‚creature feature‘-Katastrophenfilm-Fan bin, aber psychologisch feinsinnige Charakterzeichnung, tolle Schauspieler und intelligentes Storytelling liebe.

„10 Cloverfield Lane“ war der Favorit meines Kinojahresrückblicks von 2016 – dort gibt’s die vollständige Kritik zu lesen.

8. „Snowpiercer“

„Snowpiercer“ von Bong Joon-ho aus dem Jahr 2013 hat mich aus mehreren Gründen fasziniert und gefesselt. Da wäre einerseits das klaustrophobische Setting in einem Zug, der ohne anzuhalten durch eine vereiste Landschaft fährt. Dann ist die Prämisse des Films einfach, aber genial: In den hinteren Waggons sitzen die Armen, in den vorderen Waggons die Reichen – und dann gibt es eine Revolution, als einige der hinteren Waggon-Bewohner versuchen, sich nach vorne durchzukämpfen. Das klingt simpel, entfacht aber eine atemberaubende Spannung.

7. „The Artist“

„The Artist“ von Michel Hazanavicius aus dem Jahr 2011 ist ein moderner Stummfilm, der mich mit seiner Ästhetik, seiner liebenswerten Story und dem stimmigen Gesamteindruck überzeugt hat. Ein Film, der eine Hommage an den Stummfilm darstellt, und trotzdem als originelles, eigenständiges Werk hervorsticht.

6. „Joker“

„Joker“ von Todd Phillips ist ein erschütterndes Porträt einer tragischen Existenz, der nach und nach alles entgleitet. Die ganze Kritik gibt es in meinem Kinojahresrückblick von 2019.

5. „Rocketman“

„Rocketman“ von Dexter Fletcher hat mich einfach umgehauen. Der Film ist von 2019 und die vollständige Kritik könnt ihr in meinem neuesten Kinojahresrückblick lesen.

4. „Shutter Island“

„Shutter Island“ von Martin Scorsese aus dem Jahr 2010 dürfte wohl auf so mancher Bestenliste des vergangenen Jahrzehnts einen Platz gefunden haben. Dieser Psychothriller ist spannend, hintergründig, wendungsreich und wahnsinnig gut gespielt. Kurz: ein Meisterwerk.

3. „Whiplash“

Whiplash“ von Damien Chazelle ist ein pulsierender Musikfilm, ein fesselndes Drama und richtig großes Kino. Hier stimmt einfach alles: Der Rhythmus des Schlagzeugs geht so ins Blut, durch Mark und Bein, dass einen die Musik auch ohne große Jazzkenntnisse mitreißt. Die beiden Hauptfiguren, der junge, talentierte Schlagzeuger Andrew und sein Lehrer Terrence Fletcher, sind so facettenreich gestaltet, dass sie einem trotz ihrer unsympathischen Wesenszüge ans Herz wachsen, man mit ihnen fühlt und um sie bangt. Wie die zwei ihr psychologisches Duell ausfechten, ist von nervenzerfetzender Spannung.

„Whiplash“ war mein Zweitlieblingsfilm aus dem Kinojahr 2015.

2. „Inception“

Wie? Was? „Inception“ von Christopher Nolan aus dem Jahr 2010 nur auf dem zweiten Platz? Ja, tatsächlich – das liegt daran, dass der Film, so genial er auch ist, ein wenig an Schlagkraft verliert, je öfter man ihn sieht. Ich habe ihn im Studium für ein Referat gründlich hin und her analysiert und der Film hat mich schließlich auch auf mein Thema „Mentale Metadiegesen im zeitgenössischen Film“ meiner Masterarbeit gebracht. Aber anders als zum Beispiel „Fight Club“ wird „Inception“ leider beim wiederholten Gucken etwas schwächer. Trotzdem ist er nach wie vor ein herausragend guter Film!

1. „Ex Machina“

Bei „Ex Machina“ von Alex Garland merkt man, dass da ein Drehbuch- und Romanautor am Werk war. Die Geschichte erzählt sich fast von selbst, so hervorragend sind die Figuren in diesem klaustrophobischen Kammerspiel konzipiert (Hurra, eine Alliteration). Der Schauplatz, ein teils unterirdischer Bunker mitten im dichten Wald eines Tals im Gebirge, kann nur mit Hubschrauber erreicht werden. Die vier Figuren, die in dem Haus mehr oder weniger eingesperrt und von der Außenwelt isoliert sind, werden aufeinander losgelassen und was dann passiert ist von unheimlicher Eindringlichkeit.

„Ex Machina“ steht noch vor „Whiplash“ auf meiner Liste der besten Filme von 2015.

Die schlechtesten Filme von 2010 bis 2019

10. „Source Code“

„Source Code“ von Duncan Jones aus dem Jahr 2011 hat eigentlich eine spannende Story, die Mindgame-Elemente, Zeitreisen und Zeitschleifen enthält, und ist top besetzt. Trotzdem war der Film eine Riesenenttäuschung und driftet zu sehr ins Sentimentale ab. Man hätte so viel aus diesem Film machen können und hat das Potenzial nicht genutzt. Grund genug, auf dem zehnten Platz meiner Flops-des-Jahrzehnts-Liste zu landen.

9. „Johnny English 3“

„Johnny English – Man lebt nur dreimal“ von David Kerr ist eine lahmarschige, trutschige Agentenparodie mit einem gealterten Mr. Bean, bei der ich diverse Male eingenickt bin. Dieses unsägliche Machwerk hat es dann auch auf meine Flop-Liste 2018 auf den ersten Platz geschafft – dort könnt ihr auch die vollständige Kritik lesen.

8. „Der Dunkle Turm“

„Der Dunkle Turm“ von Nikolaj Arcel hat mich sehr enttäuscht. Eigentlich dachte ich, meine Erwartungen nicht sonderlich hochgeschraubt zu haben, da die Kritiken mau waren und es hieß, es wäre ein Best-of-Potpourri aus allen 8 Bänden der Fantasy-Buchreihe von Stephen King, keine werkgetreue Umsetzung.

Inzwischen habe ich alle acht Bände gelesen und finde den Film rückblickend sogar noch schlechter als 2017, wo er es nur auf Platz 6 der schlimmsten Flops geschafft hat.

7. „Eclipse – Biss zum Abendrot“

„Eclipse – Biss zum Abendrot“ von David Slade aus dem Jahr 2010 ist wie seine beiden Vorgänger einfach sehr schlecht gemacht. Und während die vollkommen idiotische Geschichte um Bella, Vampir Edward und Werwolf Jake in den Büchern noch so spannend geschrieben war, dass man mit den Figuren mitgefiebert hat, obwohl Bella eine dumme Pute ist, die die Errungenschaften weiblicher Emanzipation zugunsten teenagerüblichen Hormongeschwurbels mit Füßen tritt und Edward ein strunzlangweiliger Schnösel ohne Sinn für Humor ist, ist der Film wirklich doof. Hinzu kommt das erbärmlich schlechte Make-up und das nicht eben virtuose Spiel der Akteure.

6. „Ben Hur“

„Ben Hur“ von Timur Bekmambetov ist tatsächlich ziemlich schlecht. Nicht ganz so schlimm wie der Film, der es auf Platz 1 meiner Flops des Jahrzehnts geschafft hat – es gibt immerhin ein paar spannende Szenen und das Wagenrennen ist zugegebenermaßen sehr gelungen -, aber dennoch nicht gut gemacht. Warum ich das so sehe? Das lest ihr in meiner Flop-2016-Liste.

5. „Transcendence“

„Transcendence“ von Wally Pfister aus dem Jahr 2014 hat es insbesondere Hauptdarsteller Johnny Depp zu verdanken, auf Platz 5 dieser Liste gelandet zu sein. Dieser einst so geniale, außergewöhnliche Schauspieler agiert mit einer Lustlosigkeit und Langeweile, dass es den ganzen Film herunterzieht. Die Grundidee ist dabei spannend – das Bewusstsein eines Menschen wird vor seinem Tod in einen Computer hochgeladen -, aber was daraus gemacht wurde, ist einfach nur Murks.

4. „Glass“

„Glass“ von M. Night Shyamalan war langweilig und sogar noch schlimmer als der Vorgänger „Split“. Ich bin zwischendurch immer wieder eingeschlafen, ohne irgendwelche wesentlichen Informationen verpasst zu haben. Was ich sonst noch von dem Film halte, könnt ihr auf meiner Flop-2019-Liste nachlesen, wo er sich den zweiten Platz verdient hat.

3. „Benjamin Blümchen“

„Benjamin Blümchen“ von Tim Trachte ist so lieblos und handwerklich schlecht dahingerotzt, dass vom Charme des Hörspiels, dem ich als Kind so gern gelauscht habe, nichts übrig geblieben ist. Daher führt er auch völlig zu Recht meine Flop-2019-Liste an und hat es hier auf Platz 3 geschafft.

2. „Alien: Covenant“

„Alien: Covenant“ von Ridley Scott fand ich nicht nur total doof, er war auch schlecht gemacht. Deswegen hat er es auch an die Spitze meiner Flop-2017-Liste geschafft, wo ihr die vollständige Kritik lesen könnt.

1. „Jupiter Ascending“

„Jupiter Ascending“ von den Wachowski-Geschwistern ist ein ganz heißer Kandidat für die Goldene Himbeere – und zwar in sämtlichen Kategorien. Normalerweise würde ich ja diplomatisch sagen, dass ich ihn schlecht fand. Dieses Mal würde ich mich aber glatt dazu hinreißen lassen zu urteilen: Der ist einfach schlecht.

Und dieser Meinung bin ich immer noch. „Jupiter Ascending“ ist aus dem Jahr 2015 und seit ich meine Kinojahresrückblicke schreibe, ist mir noch kein schlechterer Film untergekommen.


Und? Was waren eure Lieblingsfilme aus dem vergangenen Jahrzehnt? Welche Filme fandet ihr richtig doof? Was haltet ihr von meiner Auswahl? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt 🙂

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97. Stück: Kinojahresrückblick 2019 – die niederschmetterndsten Enttäuschungen

Auch 2019 gab es wieder Filme, die so grottenschlecht waren, dass sie sich einen Platz auf meiner Flop-Liste verdient haben. Die da wären:

10. „Hellboy – Call of Darkness“

„Hellboy – Call of Darkness“ von Neil Marshall haben mein Kumpel und ich nach etwa der Hälfte des Films verlassen, weil er einfach langweilig war. Der sprang unmotiviert von einem Ort zum nächsten, irgendwelche Leute tauchten auf und wurden dahingemetzelt, es ging irgendwie um Hexen, Vampire, Wahrsager, Leute, die mit Toten reden können, Nazis, Leuten, die nicht altern, das ultimative Böse und Dämonen. Die Dialoge waren überwiegend flach, nur wenige Gags waren immerhin so amüsant, dass sie mir ein kurzes „Höhö“ entlockten, ansonsten waren da auch einige Fehlzünder dabei.

Das Ganze hatte keinen wirklichen roten Faden, wirkte zerfahren, inkonsequent, unentschlossen und man hatte den Eindruck, die wissen alle selber gar nicht, was sie eigentlich für eine Geschichte erzählen wollen. Die Figuren waren obendrein so flach und oberflächlich konzipiert, dass man überhaupt nicht mit ihnen mitfühlen konnte. Das war alles total egal, was passiert ist.

Natürlich muss man meine Kritik mit Vorbehalt lesen, da ich nicht beurteilen kann, ob der Film in der zweiten Hälfte womöglich doch noch aus dem Quark gekommen ist, die angerissenen Handlungsfetzen irgendwann doch noch zu einer Einheit zusammengeflossen sind und einem die Figuren vielleicht doch noch ans Herz wachsen. Aber ich denke, wenn das in der ersten Stunde schon nicht passiert ist, wäre das schon sehr unwahrscheinlich, wenn da noch was kommt.

Fazit: Völlig belangloser Film. Noch nicht einmal so schlecht, dass man sich darüber aufregen und einen saftigen Verriss schreiben könnte. Und auch nicht auf eine Weise schlecht, dass man es als unfreiwillige Komik werten und trotz mieser Qualität seinen Spaß haben könnte. Sondern einfach nur egal. Kann man sich sparen.

9. „Ad Astra – Zu den Sternen“

„Ad Astra“ von James Gray habe ich größtenteils verschlafen, weil er sich im quälend langsamen Erzähltempo dahinschleppt, zäh und mühsam und anstrengend. Brad Pitt spielt toll und in den Momenten, in denen ich kurz aus meinem Schlummer aufgetaucht bin, konnte ich erkennen, dass der Film visuell stark geworden ist. Möglicherweise gibt’s auch irgendeine Botschaft dahinter, die ich aber buchstäblich verpennt habe.

Aber im Wesentlichen zieht der Film einen einfach nur fürchterlich herunter. Die Hauptfigur ist so emotional verkorkst und abgestumpft, lebensmüde und weiß gar nicht, was sie will, laboriert da an ihrem Vaterkomplex herum und mäandert ohne konkreten Plan fatalistisch ihrem Schicksal entgegen … Puh. Als Psychogramm eines depressiven Astronauten ist das ja sehr treffend, aber wenn die Filmhandlung quasi nur daraus besteht, ist es schwierig, Spannung aufzubauen.

Fazit: Och nö, den muss man nicht gucken. Dann lieber „Interstellar“ noch mal anschauen und dort das Ende ignorieren.

8. „Willkommen in Marwen“

„Willkommen in Marwen“ von Robert Zemeckis ist leider ziemlich lahm geraten. Die Animationen der Puppenszenen sind zwar einwandfrei und das Ganze ist auch gut gespielt – vor allem von Steve Carell als Mark Hogancamp -, aber irgendwie kommt der Film einfach nicht aus dem Quark.

Mir scheint, es wurde sich zu sehr darauf verlassen, dass es sich hierbei um eine wahre Geschichte handelt und dass die von alleine schon dramatisch genug ist – ohne, dass man da noch dramaturgisch etwas tun müsste. Dem ist aber leider nicht so. Ob eine Geschichte nun einen wahren Hintergrund hat oder komplett frei erfunden ist: die Erzählmechanismen, um Spannung aufzubauen, eine Handlungskurve zu kreieren und Empathie für die Figuren zu wecken, sind dieselben. Und die haben hier gefehlt.

Das Ergebnis: Der Film ist sehr zäh und langatmig erzählt, die Hauptfigur berührt trotz ihres schweren Schicksals nicht, die Frauen bleiben oberflächlich charakterisiert und beinahe wirken die Puppen lebendiger und facettenreicher als die lebenden Vorbilder in der realen Welt. Die einzigen Momente, wo man mal ein wenig mit den Figuren mitfühlt, sind die, wo Mark Hogancamp versucht, seiner Nachbarin näher zu kommen und man ihr ansieht, dass sie ihn nicht verletzen will und ihn gern hat, aber nun mal eben kein romatisches Interesse an ihm hegt und sich Vorwürfe macht, zu nett zu ihm gewesen zu sein und ihm falsche Hoffnungen gemacht zu haben.

Ansonsten wird hier sehr viel Potenzial verschenkt. Jegliche Ansätze, die die Geschichte spannend machen könnten, wie das Auftauchen von Nicols Ex-Freund, laufen einfach ins Leere. Möglichkeiten, Gesellschaftskritik zu üben und die Folgen männlichen Sexismus (aka toxischer Männlichkeit) aufzuzeigen, werden ignoriert. Und dann fand ich auch, dass der ganze Film so einen positiven Sexismus gegenüber Frauen ausströmte, den ich persönlich als ziemlich penetrant empfand. Da war nicht immer ganz einfach zu trennen, ob das die Hauptfigur betrifft, oder ob das die Aussage des Films ist, wie sanftmütig, mitfühlend und zart und liebreizend wir Frauen doch alle sind. Das fand ich leicht gönnerhaft. Aber ich bin da auch ziemlich schnell genervt von sowas …

Im Prinzip passiert in dem Film nicht viel. Die Fantasiewelt mit den Puppen ist schon recht dramatisch, manchmal aber auch etwas dick aufgetragen. Und die Verbindung zwischen Hogancamps Ängsten und der Fantasiewelt wurde auch deutlich – das war schon gut gemacht. Aber der Film an sich, in seiner Gesamtheit, war langweilig. Und das hätte nicht sein müssen.

Fazit: Muss man nicht sehen. Schade.

7. „Es – Kapitel 2“

„Es 2“ von Andy Muschietti war nicht sehr gut. Was mich an Teil 1 bereits gestört hatte – die nicht wirklich gruseligen Schockmomente, die unglaubwürdigen Special-Effects, die viel zu plumpen, grotesken Horrorfiguren, die völlig unsubtil ins Bild poltern – haben mich in Teil 2 genauso genervt. Man sieht einfach zu viel. Nach dem ersten kurzen Aufzucken aufgrund des Jumpscares weiß man Bescheid und dann ist es einfach nicht mehr gruselig.

Das Unheimliche, das im Buch die gesamte Atmosphäre durchzieht und umwabert, das im ersten Teil wenigstens ansatzweise zu spüren war, fehlt hier leider. Es gibt nur wenige starke Momente, die erahnen lassen, was aus dem Film hätte werden können, wären die Schockmomente subtiler ausgefallen und hätte man der Atmosphäre und den Figuren mehr Raum gelassen.

Die Schauspieler sind allerdings toll – leider ist die Charakterzeichnung der Figuren teils etwas dünn geraten, sodass nicht alle gleichermaßen glänzen können. Jessica Chastain und James McAvoy haben normalerweise sehr viel mehr drauf. Auch den erwachsenen Ben-Darsteller fand ich etwas blass. Die erwachsenen Eddie und Richie waren aber richtig klasse.

Fazit: Vielleicht kann das Buch einfach nicht adäquat filmisch umgesetzt werden (wobei ich noch Tim Curry als Pennywise in Erinnerung habe, als ich als Kind mal aus Versehen ein Stück aus der alten Verfilmung gesehen hatte – das finde ich heute noch gruselig und ich trau mich bis heute nicht, die alten Filme noch mal zu sehen). Jedenfalls war ich sowohl vom ersten als auch vom zweiten Teil ziemlich enttäuscht.

6. „After Passion“

„After Passion“ von Jenny Gage ist wirklich nicht gut gemacht und ganz objektiv betrachtet ein schlechter Film. Subjektiv betrachtet hatte ich trotzdem meinen Spaß. Ohne irgendetwas über den Film oder die Buchvorlagen zu wissen, bin ich vollkommen ohne Plan, aber dank Kino-Abokarte kostenlos, in diese Teenie-Schmonzette hineingestolpert. Ein Freund von mir hatte den Film vorgeschlagen und ich dachte: Warum nicht?

Ergebnis: Wir beide haben den Altersdurchschnitt im Kinosaal mindestens verdoppelt und mein Kumpel war im Prinzip der Hahn im Korb. Und wir beide waren vermutlich ziemlich nervige Mitzuschauer, weil wir uns die ganze Zeit gegenseitig Lästereien über den Quatsch, der da auf der Leinwand zu sehen war, zugeflüstert und uns beömmelt haben. Normalerweise sind wir diejenigen, die sich über solche rücksichtslosen Zeitgenossen echauffieren und schimpfen, wie man nur so schlecht erzogen sein kann – jetzt waren wir selber mal die Schnatterköppe im Saal. Interessante Erfahrung.

Aber zurück zum Film und warum der so schlecht war: Die Erwartung, die am Anfang geweckt wird, wird nicht erfüllt. Sowas ist aus Storytelling-Sicht natürlich schon mal richtig Murks. Man kann doch dem Zuschauer nicht versprechen, dass Tessa voll die krasse Wandlung durchmacht und von der braven Streberin zur verruchten Femme fatale mutiert, wenn das nachher gar nicht passiert. Nö. Wir sehen hier eine etwas artige, ehrgeizige und intelligente, ansonsten aber ganz normale junge Studienanfängerin, die durch die Begegnung mit Hardin lernt, aus sich heraus zu kommen, ihre sinnliche Seite entdeckt, und an Selbstvertrauen und Entschlossenheit gewinnt. Sie bleibt sie selbst, sie öffnet sich halt nur mehr. Das ist schön für sie, aber wo ist denn da das Drama?

Und was ist Hardin bitteschön für ein misslungener Bad Boy? Gut, der führt sich am Anfang auf wie ein Vollidiot, ist arrogant und dauerbeleidigt, aber man merkt doch ziemlich schnell, dass das nur Gepose ist. Ich fand’s zum Beispiel ziemlich unrealistisch, dass diese angebliche Leseratte nur schnieke Hardcover im Regal hatte. Also, ich als echte Leseratte und Tochter einer echten Leseratte würde niiiiiemals den wertvollen Platz in meinem Bücherregal mit fancy Hardcovern zustellen. Außerdem: Die Dinger sind scheiße schwer, die kann ich doch gar nicht in meiner Handtasche mit mir herumtragen, da hole ich mir doch ’nen Bandscheibenvorfall. Nee, ich hab meine Bücherregale (genau: plural) hauptsächlich mit Taschenbüchern vollgestellt, einige sind in Ermangelung von genügend Platz in zweiter Reihe geparkt, überall in der Wohnung liegen weitere Taschenbücher herum verstreut – und man sieht, dass sie gelesen wurden. Von daher wirkte Hardins Bücherwurmerei auf mich reichlich aufgesetzt und angeberisch, nicht echt. Na gut, aber Tessa sah das anscheinend anders.

Seine Tattoos sahen aus wie Abziehbildchen und nur weil man eine schicke Lederjacke und schwarze T-Shirts trägt, ist man noch lange kein böser Junge. Ich hab auch eine schwarze Lederjacke und schwarze T-Shirts und bin die Friedfertigkeit in Person. Und zwischendurch hatte der dann so einen putzigen Dackelblick drauf, dass ich ihm am liebsten einen Keks und einen Kakao angeboten hätte.

Wobei ich aber auch positiv anmerken möchte, dass die Anziehung zwischen Tessa und Hardin in den – jugendfrei und züchtig gehaltenen – Fummelszenen durchaus rüberkam. Und jaaa, hätte sich ein gut aussehender Typ vor 20 Jahren mit mir in der Bücherei einschließen lassen, um mir was vorzulesen, das hätte ich schon ziiiemlich heiß gefunden. Hach.

Aber immerhin macht Hardin im Gegensatz zu Tessa tatsächlich eine Wandlung durch. Ist er am Anfang noch der verkrachte, depressive, verschlossene, egozentrische Dummdödel, wird er durch Tessa zu einem ehrlichen, feinfühligen jungen Mann, der nicht nur um das eigene Herzeleid kreist, sondern sich auch für andere Menschen interessiert. Und so geben sie sich auch beide etwas: Hardin wird durch Tessa empathischer, Tessa merkt, dass sie in Ordnung ist, wie sie ist, und zu sich zu stehen.

Insofern finde ich auch die Liebesgeschichte zwischen Tessa und Hardin gar nicht mal so ärgerlich, sondern eigentlich ganz süß. Also kein rückständiges „Hauptsache, ich kann bis in alle Ewigkeit jung und schön und mit meinem Schnuckelhasi zusammen sein, scheiß auf Ausbildung, eigene Pläne und Gedöns“-Beziehungsbild à la Twilight. Und auch kein nerviges „Ich opfere mich für dich auf“ „Oh nein, ICH opfere mich für DICH auf“ Theater wie in Divergent.

Allerdings geht man ja eigentlich nicht ins Kino, um eine eigentlich ganz possierliche Teenie-Liebesgeschichte zu sehen, mit der man – wären das die eigenen Kinder – absolut einverstanden wäre. Sondern man will ja Spannung, Drama, Schmerz, Versöhnung und alles sehen, worauf man im echten Leben ganz prächtig verzichten kann, aber das eine Geschichte eben aufregend macht.

Was gibt es sonst noch zu meckern? Ach ja, die Dialoge. Grauenhaft. Die Schauspieler? Na ja. Ziemlich hölzern. Die Nebenfiguren? Schnarch. Die mise en scène? Lieblos. Kostüme, Make-up? Klischeehaft. Spannungskurve? LOL.

Fazit: Harmloser, süßer Teeniefilm, den man sich aus Jux angucken kann, auch wenn er echt schlimm ist.

5. „Terminator 6: Dark Fate“

„Terminator 6 – Dark Fate“ von Tim Miller schließt an die Ereignisse des zweiten Teils an – und das mit einem sehr starken Anfang. Leider lässt der Film nach diesen tollen ersten zehn Minuten immer weiter nach. Man hat überhaupt keine Zeit, die Protagonistinnen richtig kennenzulernen, da sind sie schon auf der Flucht. Und dann laufen sie vor dem bösen Terminator quasi den ganzen restlichen Film davon und man fragt sich, was ist eigentlich der Punkt, worauf wollen sie hinaus, was ist die Pointe? Dann erfährt man ca. 30 Minuten vor Schluss kurz die Pointe, denkt sich: Aha, und dann gibt’s noch einen ewig langen, ermüdenden Showdown und dann ist der Film vorbei. Also alles in allem ein recht belangloses Machwerk.

Die Idee, ein weibliches Dreiergespann in den Fokus der Handlung zu setzen, ist ja ganz nett. Aber vor allem nett gemeint – und das finde ich persönlich immer sehr gönnerhaft. Oho, seht her, wir sind ja so modern, unsere Helden haben keinen Penis, dafür aber Brüste. Potzblitz, was sind wir innovativ! Fakt ist aber: Holzschnittartig und oberflächlich charakterisierte Figuren vom Reißbrett sind langweilig – unabhängig vom Geschlecht. Wie es auch anders geht, hat im Übrigen „Captain Marvel“ ganz wunderbar gezeigt.

Fazit: Kann man sich sparen.

4. „X-Men: Dark Phoenix“

„X-Men: Dark Phoenix“ von Simon Kinberg ist eine logisch fragwürdige Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten und trotz überschaubarer Länge von 114 Minuten stinklangweilig geraten. Die Dialoge sind hölzern, redundant und flach. Die Figurenkonzeption ist weder schlüssig noch vielschichtig, ihre Motive nicht nachvollziehbar, die Konflikte zwischen den Figuren uninteressant. Die an sich hervorragenden Schauspieler können dabei überhaupt nicht vernünftig arbeiten und zeigen, was sie drauf haben, weil sie im Wesentlichen stylish herumposen und Platitüden absondern müssen.

Der Plot ergibt nicht wirklich einen Sinn. Irgendwie hätte ich jetzt bei einem Film, der „Dark Phoenix“ heißt, erwartet, dass es im Wesentlichen um Jean Grey und ihren Umgang mit ihren neu erworbenen Superkräften geht. Man erfährt zwar, wie sie zu diesen Superkräften gekommen ist und wie sie selbige überhaupt nicht unter Kontrolle hat und wie sie sich einsam und verbittert zurückzieht und Rachegefühle hegt. Aber parallel gibt es noch eine überhaupt nicht logische Handlung, – Achtung, Spoiler! – in der irgendwelche gestaltwandlerischen Außerirdische sich Jeans Kräfte bemächtigen wollen, weil die Kraft, von der sie genannte Kräfte erhalten hat, einst ihren Planeten zerstörte. Und deswegen wollen sie die Kräfte selber haben, um alles Leben auf der Erde zu vernichten und sich selbst dort einzunisten – ungeachtet dessen, dass die Kräfte ja vielleicht auch die Erde zerstören und unbewohnbar machen könnten. Also wie gesagt: total unlogisch.

Ebenfalls unlogisch: Warum ballern die Wachmänner und Polizisten auf Gestalten, die offenbar Kugeln abwehren können, einfach immer weiter drauf los? Das ist doch dumm!

Nun haben sich die Macher aber ganz pfiffig gedacht: Wer braucht schon eine Story und Figuren, mit denen man mitfiebert, wenn man das schwache Drehbuch einfach mit gaaanz viel CGI-Effekten umsetzen kann? Ja, und so ist das Ergebnis dann auch geworden.

Fazit: Ganz ehrlich? Diesen Film kann man sich sowas von sparen!

3. „Rambo 5: Last Blood“

„Rambo 5: Last Blood“ von Adrian Grunberg ist eigentlich nur in den letzten 20 Minuten ganz unterhaltsam – bis dahin zieht sich der Film wie Kaugummi und reiht ein Klischee ans nächste. Es ist ja schon ein bisschen witzig, dass die Bösen so richtig böse sind, die Schlampen so richtig schlampig, die Guten so richtig gut und rechtschaffen … aber das Ding ist, dass das im Film alles bierernst gemeint ist und nicht als ironische Überspitzung, um die Klischees zu entlarven. So werden sie eher bestätigt.

Obwohl im Film ganz furchtbare Dinge passieren, lässt es einen kalt, weil es so übertrieben ist – für unfreiwillige Komik ist es aber schon wieder zu schrecklich. Das Ergebnis ist, dass keine Spannung entsteht – wie auch, wenn das Schicksal der Figuren einen nicht berührt – und der Film trotz angenehmer Länge von rund 100 Minuten echt schwerfällig und mühsam wirkt. Ich bin zwischendurch auch immer mal wieder weggedöst und hätte wohl ein sehr geruhsames Nickerchen die ersten 80 Minuten lang machen können, ohne etwas zu verpassen – wären da nicht meine Mitzuschauer im Kino gewesen.

Von meinen Freunden und meiner Wenigkeit abgesehen war der ganze Kinosaal nämlich vollbesetzt mit impertinenten Troglodyten, die sich während des Films laut unterhielten, irgendwelche dümmlichen Kommentare rausblökten oder in einer Lautstärke atmeten, wie man sie höchstens von altersschwachen, überzüchteten Englischen Bulldoggen kennt. Ich brauchte wirklich meine gesamte Konzentration, um meine Impulskontrolle zu mobilisieren, damit ich nicht selbst zum Rambo wurde. Echt mal. Wo kommen diese ganzen schlecht erzogenen Arschlöcher ohne Sozialkompetenz und ohne einen Funken Feingefühl eigentlich immer alle her? Und warum können sie nicht zu Hause Filme gucken, wenn sie eh die ganze Zeit quatschen, dazwischenquaken oder laut vor sich hinschnauben wollen?

So, jetzt geht’s wieder … das musste mal raus.

Fazit: Für Fans der Rambo-Reihe würde ich empfehlen, zu warten, bis der Film auf Blu-Ray / DVD rauskommt – dann kann man die ersten 80 Minuten muckelig vorspulen und muss sich nicht über Asis im Publikum aufregen. Im Kino gucken? Muss nicht sein.

2. „Glass“

„Glass“ von M. Night Shyamalan war langweilig und sogar noch schlimmer als der Vorgänger „Split“. Ich bin zwischendurch immer wieder eingeschlafen, ohne irgendwelche wesentlichen Informationen verpasst zu haben. An sich ist die Grundidee ja nicht schlecht, Protagonist und Antagonist aus „Unbreakable“ auf die multiplen Persönlichkeiten des Kevin Wendell Crumb aus „Split“ treffen zu lassen. Das hätte spannend werden können. War es aber nicht.

Was ist schiefgelaufen? Nach einem annehmbaren Start, bei dem wir den unkaputtbaren David Dunn als „einsamen Rächer“ kennen lernen (das erinnert ein wenig an Bruce Willis‘ Rolle im ebenfalls sehr schlechten „Death Wish“) und sehen, dass Crumb genau dort weitermacht, wo er in „Split“ aufgehört hatte, kommt der Film einfach nicht aus dem Quark. Am Anfang war ich noch ein wenig neugierig, wo das hinführt, aber dann kommen die beiden in die Klapse und ab da geht es dann völlig bergab. Mr. Glass ist auch da und immer noch sehr schlau und sehr fies.

Und dann taucht Dr. Ellie Staple auf, die von einer hoffnungslos unterforderten Sarah Paulson verkörpert wird. Ich sage nicht „gespielt“, weil sie eigentlich nichts weiter tut, als küchentischpsychologischen Mumpitz zu verzapfen oder in hohen Absätzen durchs Bild zu stöckeln. Man fragt sich die ganze Zeit, was eigentlich ihre Motivation ist, warum sie auf so offensichtlich suggestive Art und Weise ihren „Patienten“ einzutrichtern versucht, dass sie sich ihre Kräfte bloß einbilden. Das wird zwar am Ende halbwegs begründet, aber es wirkt ziemlich konstruiert und wie eine Deus-ex-machina-schaut-mal-her-ein-Kaninchen-im-Hut-Lösung. Das ist halt ihre Aufgabe und die ist eben wichtig.

Außerdem kommt es zu einem ähnlichen Problem wie in „Split“, dass James McAvoy zwar ganz klasse spielt, aber seine Figur kommt vor lauter Hin-und-her-springen zwischen den verschiedenen Persönlichkeiten gar nicht dazu, zu handeln oder irgendetwas Bestimmtes zu wollen. Da hilft auch sein „Gegenstück“ Casey nichts, die er in „Split“ verschont hatte. Bruce Willis agiert hingegen völlig lustlos und wirkt irgendwie altersmüde, was sich nur zum Teil mit seiner Rolle erklären lässt. Sein Sohn ist ein hübscher Kerl, bleibt aber irgendwie auch blass und eindimensional.

Samuel L. Jackson spielt sein heimtückisches Superhirn Mr. Glass zwar prima, aber was er genau warum will, wird nicht wirklich klar. Vielleicht irgendwie Aufmerksamkeit und dass die Superhelden unter den Menschen ihre Kräfte entdecken und sich nicht mehr verstecken oder so. Also doch ein Wohltäter? Hm.

Dann schwurbelt sich der Film am Ende noch irgendwas mit den Geheimnissen des Universums und Gleichgewicht der Kräfte und Gedöns zurecht, bis er dann – nach endlos erscheinenden und völlig unnötigen 129 Minuten – endlich aus ist. Puh. Also, wer den Film erträgt, ohne zwischendurch wegzuratzen, verdient meine absolute Hochachtung.

Fazit: Bloß nicht! Schaut euch lieber noch mal „The Sixth Sense“ an.

1. „Benjamin Blümchen“

„Benjamin Blümchen“ von Tim Trachte ist so lieblos und handwerklich schlecht dahingerotzt, dass vom Charme des Hörspiels, dem ich als Kind so gern gelauscht habe, nichts übrig geblieben ist. Grottige Dialoge, die vor Offensichtlichkeiten, Belanglosigkeiten und Plattitüden nur so strotzen, werden von den gnadenlos unterforderten Schauspielern ohne einen Funken Herzblut heruntergeleiert. Die Story ist geradezu beschämend unterkomplex und dann auch noch von Anfang an komplett überraschungsfrei und vorhersehbar. Da helfen auch die flachen Gags, die vollkommen humorlos abgenudelt werden, nicht.

Man hat den Eindruck, die Leute, die dieses Machwerk hier verbockt haben, waren selbst nie Kinder. Ansonsten könnten sie doch wohl erahnen, dass Kinder merken, wenn etwas nicht authentisch ist. Und die Schauspieler wirkten alle überhaupt nicht glaubwürdig. Besonders schlimm fand ich den Kinderdarsteller, der Otto gespielt hat. Bekommen die jungen Schauspieler gar kein Sprechtraining und kein Schauspielcoaching? Das kann doch echt nicht angehen! Der ist bestimmt privat ein tolles, nettes Kind, aber spielen kann der überhaupt nicht, dann muss man ihm doch wenigstens beibringen, wie man einen Satz ohne zu Nuscheln geradeheraus spricht, das ist nämlich etwas, das man lernen kann.

Aber auch seine erwachsenen Kollegen, von denen man erwarten kann, dass sie ihr Handwerk schon beherrschen, liefern wirklich eine klägliche Performance ab. Gut: Die Dialoge sind fürchterlich, die Regie hat offenbar total versagt, das Drehbuch ist eine Schande … da stößt wohl der beste Schauspieler an seine Grenzen. Aber trotzdem: Heike Makatsch war ja noch einigermaßen OK mit ihrer knallchargierten Zora Zack und Friedrich von Thun als Zoodirektor Tierlieb war auch in Ordnung. Und Benjamin Blümchens Synchronisation fand ich auch nicht schlecht. Aber sonst? Das können die doch besser!

Was war da bloß los? So überhaupt keine Hingabe, oberflächlich, unglaubwürdig, unauthentisch, ohne Herz, ohne Seele … als hätten sie das alles nur mal eben kurz so dazwischengeschoben, des Geldes wegen, und nach mir die Sintflut. Und das in einem Film, der die Profitorientierung des Turbokapitalismus eigentlich zu kritisieren versucht, der behauptet, dass Freundschaft, Liebe und Herzblut das Wichtigste sind. Es wäre ironisch, wenn es nicht so traurig wäre. Ganz ehrlich, dann soll man’s eben lassen, wenn man keine Lust hat, einen niedlichen, charmanten, netten, süßen Film über so eine grundgute und liebenswerte Figur wie Benjamin Blümchen zu machen. Dann soll man halt Werbespots drehen, wenn man nur Merchandising oder anderen Scheiß verticken möchte.

Und dann auch noch diese völlig auf Krampf in die Handlung gequetschten Modernisierungsversuche. Das tut doch bei Benjamin Blümchen überhaupt nicht Not, dass da oberpeinliche Jugendjargon-Floskeln (die die Jugend heutzutage wahrscheinlich eh nicht benutzt) in die Dialoge gepresst werden, oder irgendein High-Tech-Gedöns. Eine spannende Geschichte, gewitzte Dialoge und der Charme des Originals hätten vollkommen ausgereicht.

Fazit: Ich bin enttäuscht, das war echt ganz große Grütze.

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96. Stück: Kinojahresrückblick 2019 – die besten Filme und Animationsfilme

Welche Filme haben mir im Jahr 2019 am besten gefallen? Und warum? Das verrate ich euch im Folgenden:

10. „Green Book – Eine besondere Freundschaft“

„Green Book – eine besondere Freundschaft“ von Peter Farrelly ist als Road- und Feelgoodmovie sehr gelungen. Wie sich die Beziehung zwischen Dr. Shirley und Tony Lip allmählich entwickelt, macht Spaß mitanzuschauen. Die Bilder sind schön und stimmungsvoll und fangen das Zeitkolorit und die Atmosphäre perfekt ein. Der Soundtrack ist absolut großartig. Und Mahershala Ali sowie Viggo Mortensen spielen einfach wunderbar.

Ein paar Kritikpunkte kann man trotzdem anbringen, wobei das aus meiner Sicht dem Filmvergnügen keinen Abbruch tut, da es ja darum geht, wie sich zwischen zwei verschiedenen Männern eine tiefe Freundschaft entwickelt – und das wurde ja hervorragend umgesetzt. Aber man kann zum Beispiel monieren, dass im Film nicht mehr passiert, als man auch schon im Trailer gesehen hat. Die Spannungskurve ist außerdem eher flach und macht nur in wenigen Momenten einen Sprung nach oben, wenn der Rassismus der Menschen zutage tritt und man Dr. Shirley dabei erlebt, wie er trotz allem versucht, seine Würde zu bewahren.

Was ich ebenfalls mit einem gewissen Unbehagen festgestellt habe, ist, dass Mahershala Ali als Nebendarsteller bei den Oscars nominiert ist, Viggo Mortensen hingegen als Hauptdarsteller. Ich habe mich mit meinen Kinobegleitern darüber unterhalten. Ich war der Meinung, die Hauptrolle in dem Film ist ja eigentlich die Beziehung zwischen den beiden Männern, also müssten auch beide Männer als Hauptrolle betrachtet werden.

Aber so im Nachhinein: Es stimmt ja schon, dass die Geschichte vor allem aus Tonys Sicht geschildert wird. Zudem hat ein Sohn des echten Tony Lip das Drehbuch geschrieben und als Produzent fungiert, der andere Sohn hat mitgespielt und auch Tonys Bruder hat eine Rolle im Film übernommen. Also vielleicht ist das doch gerechtfertigt. Ich stelle das allerdings gern zur Diskussion und finde es spannend, zu erfahren, wie andere das wahrnehmen.

Fazit: Ein schöner Film über eine außergewöhnliche Freundschaft. Macht Spaß, lohnt sich!

9. „Ben is back“

„Ben is back“ von Peter Hedges ist ein starkes Drama, das eindrucksvoll zeigt, wie Sucht nicht nur den Süchtigen selbst ins Verderben stürzt, sondern auch sein gesamtes Umfeld: Familie, Freunde und Bekannte. Trotz gelegentlicher Längen und obwohl eigentlich gar nicht so viel Sichtbares passiert, bleibt der Film durchweg spannend. Der Film ist nichts für schwache Nerven, denn trotz langsamem, ruhigem Erzähltempo passiert sehr viel im Inneren der Figuren und auf der Beziehungsebene der Figurenkonstellation.

Es hat etwas von einem Kammerspiel, wie Holly Burns um ihren Sohn Ben kämpft und dabei permanent zwischen Liebe, Sorge, Angst, Wut und Enttäuschung hin und her schwankt. Als Zuschauer fühlt man so intensiv mit ihr mit, dass man den Eindruck hat, selbst ihre Gefühlsachterbahn zu durchleiden. Julia Roberts und Lucas Hedges spielen dieses Mutter-Sohn-Gespann absolut großartig und so überzeugend, dass es an die Nieren geht. Toll, wie die beiden sich ergänzen!

Fazit: Dieser Film lässt einen nicht kalt! Unbedingt sehenswert!

8. „Die Frau des Nobelpreisträgers“

„Die Frau des Nobelpreisträgers“ von Björn Runge ist ein fesselndes Drama mit einer starken Glenn Close in der Hauptrolle. Der Mann an ihrer Seite, Jonathan Pryce, steht ihr in nichts nach und überzeugt als schwacher, eitler, kindischer und egozentrischer Autor. Als Paar harmonieren die beiden auf grandiose Weise und die Dynamik zwischen den beiden sorgt für Spannung. Die gesamte Ambivalenz dieser Beziehung wird deutlich.

Einerseits fragt man sich: Wie hat diese kluge, talentierte Frau es bloß so lange mit diesem Narzissten und Egomanen ausgehalten? Warum hat sie sich die Affären gefallen lassen? Weshalb hat sie ihre eigene Karriere für diesen – mit Verlaub – eingebildeten Schwachkopf aufgeopfert? Andererseits stellt sie aber auch klar: Ich bin kein Opfer. Sie hat sich schon bewusst dafür entschieden, diesen Weg zu gehen, dieses „Abkommen“ mit ihrem Mann zu treffen. Trotzdem wird klar: genug ist genug.

Im Grunde passiert im Film nicht viel, was man nicht auch schon aus dem Trailer kennt. Aber das macht nichts. Denn wie sich diese beiden großartigen Schauspieler gegenseitig die Bälle zuspielen, macht einfach Spaß mitanzusehen. Und man kann beide irgendwie verstehen. Den Mann, klar: Warum sollte er seine Frau verlassen, wenn sie ihm so bedingungslos den Rücken stärkt, seine Karriere überhaupt erst ermöglicht, obwohl er sie dauernd betrügt und nicht sonderlich empathisch behandelt?

Aber auch die Frau kann man verstehen: Schreiben ist ihr Leben, aber was nützt es, wenn sie nicht gelesen wird? Und in ihrer Jugendzeit sah sie keine Möglichkeit, als Frau ihre Texte erfolgreich zu publizieren. Da kam ihr das mangelnde Talent ihres Mannes und seine Geltungssucht gerade recht. Und dann war es irgendwann zu spät, um aus der Nummer wieder rauszukommen. Zwischendurch gab es wohl auch immer wieder glückliche Momenter voller Liebe. Also hält sie an ihrem Geheimnis fest. Wobei man ihr im Film ansieht, wie viel Kraft und Nerven sie das mit der Zeit kostet. Und Glenn Close verkörpert diese Frau, die kurz vor der Explosion steht, mit Bravour.

Fazit: Zwei fantastische Charakterdarsteller liefern sich ein spannendes Psycho-Duell. Unbedingt zu empfehlen!

7. „Der verlorene Sohn“

„Der verlorene Sohn“ von Joel Edgerton ist ein starkes Familiendrama und zeigt auf erschreckende Weise auf, welchen Vorurteilen Homosexuelle noch immer ausgesetzt sind. Im Mittelpunkt steht der junge Jared, der an einer sogenannten Reparativtherapie teilnimmt. Die Verantwortlichen betrachten Homosexualität als eine schlechte Verhaltensweise, die sich heilen ließe durch die „richtige“ Einstellung und allerlei absurden Handlungen, die als „typisch männlich“ betrachtet werden – aber eigentlich nur haarsträubend sexistisch sind.

Das ist recht nüchtern und sachlich erzählt, ohne Tränendrüsengedrücke, ohne großes Drama, ohne Geschrei. Die Schauspieler – vor allem Lucas Hedges, Nicole Kidman und Russell Crowe – spielen unaufgeregt, aber mit intensiver, innerer Kraft. Hier passiert auch sehr viel zwischen den Zeilen. Trotzdem gibt es immer wieder auch humorvolle Momente. Und gerade diese Erzählweise macht das Geschehen auf der Leinwand umso erschreckender. Umso mehr, wenn man erfährt, dass das Ganze auf einer wahren Geschichte beruht und solche „Therapien“ noch immer nicht überall verboten werden – und dass es wirklich Menschen gibt, die diesen gefährlichen Quatsch glauben. Da bleibt nach Ablauf des Abspanns schon ein Kloß im Hals stecken.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Nicht verpassen!

6. „Vice – Der zweite Mann“

„Vice – der zweite Mann“ von Adam McKay ist ein gelungenes Portrait von Dick Cheney und beleuchtet auf satirische Art und Weise die politischen Hintergründe, die schließlich im zweiten Irakkrieg mündeten. Das ist fies und bitter, aber auch so absurd, dass man es kaum fassen kann und lachen muss, um nicht zu verzweifeln.

Die Schauspieler sind durch die Bank weg grandios: Christian Bale verkörpert Dick Cheney so überzeugend, ambivalent und verschlossen, klug und besonnen – und brandgefährlich. Steve Carell spielt Donald Rumsfeld als sexistischen, eitlen, arroganten Kotzbrocken, der aber ganz genau weiß, wie man die eigene Macht für seine Zwecke nutzt. Amy Adams als Lynne Cheney steht ihrem Mann in nichts nach, ist teilweise sogar noch raffinierter, ehrgeiziger und rhetorisch geschickter als er – da haben sich wirklich zwei gefunden. Und Sam Rockwells George W. Bush ist einfach so gut getroffen, dass es eine Freude ist, ihm beim Spielen zuzuschauen.

Zwischendurch gibt es schon die eine oder andere Länge, wenn die familiären Angelegenheiten Cheneys im Vordergrund stehen und die politischen Ränkespiele in den Hintergrund treten. Aber insgesamt ist der Film sehr unterhaltsam. Die Geschichte wird außerdem immer wieder durch die Erzählstruktur mit mehreren Ebenen ironisch gebrochen, sodass es nie zu rührselig wird.

Fazit: Gelungene Politsatire mit tollen Schauspielern. Lohnt sich!

5. „Deutschstunde“

„Deutschstunde“ von Christian Schwochow geht einem an die Nieren. Wie der kleine Siggi Jepsen unter dem strengen, pflichtfanatischen Vater leidet, seine Freundschaft mit dem Patenonkel und Maler Nansen, wie er selbst seine Liebe zur Malerei entdeckt … das mitanzusehen, ist so überzeugend und beklemmend, dass es kaum auszuhalten ist. Diese Atmosphäre der ständigen Angst und Unterdrückung wird noch verstärkt durch die raue, kühle und trotzdem schöne Landschaft Nordfrieslands und ihrer wild-düsteren Stimmung. Die Schauspieler sind großartig, vor allem Levi Eisenblätter als junger Siggi ist umwerfend gut.

Fazit: Fesselnde und erschütternde Literaturverfilmung mit einem tollen Ensemble – lohnt sich!

4. „The Peanut Butter Falcon“

„The Peanut Butter Falcon“ von Tyler Nilson und Mike Schwartz ist ein herzerärmender Feelgood-Roadmovie mit glänzend aufgelegten Schauspielern, die wunderbar miteinander harmonieren. Mit einer Leichtigkeit und Natürlichkeit spielen Zack Gottsagen, Shia LaBeouf und Dakota Johnson sich gegenseitig die Bälle zu, dass es eine Freude ist. Die Geschichte ist spannend, aber ruhig und mit liebevollem Humor erzählt. Dazu passen die tollen Landschaftsaufnahmen von North Carolina, die für die passende Atmosphäre sorgen.

Man schließt insbesondere Hauptfigur Zak sofort ins Herz, aber auch der Fischer Tyler, der sein Leben nicht so richtig auf die Kette kriegt, und die Pflegeheimmitarbeiterin Eleanor, die vor lauter Korrektheit den Sinn für die Kleinigkeiten des Lebens vergessen hat, sind einfach liebenswert.

Fazit: Ein toller Film! Unbedingt anschauen!

3. „Parasite“

„Parasite“ von Joon-ho Bong ist ein merkwürdiger, schräger – aber auch genialer Film. Wie die verarmte Familie sich nach und nach, trickreich, geschickt und entschlossen im Haus der reichen Familie einnistet, macht Spaß zuzusehen. Die Dreistigkeit und Skrupellosigkeit, mit der sie dabei vorgehen, wäre allerdings nicht zu ertragen, wären die Figuren nicht so sympathisch und charmant gestaltet und würden die Schauspieler nicht so viel Spaß an ihren Rollen haben.

Auf diese Weise wirkt die groteske, irrwitzige Geschichte stellenweise urkomisch, dann wieder thrillerartig spannend und dann wieder tragisch und anrührend. Nebenbei erfährt man auch ein wenig über die Verhältnisse in Südkorea, über die Armut in dem Land, und wie sehr im Kontrast dazu die Reichen im Überfluss leben. Gesellschaftskritik gibt’s also auch dazu, aber ohne erhobenen Zeigefinger, moralische Betroffenheitskeule oder sonst irgendetwas. Der Film bewahrt sich die ganze Zeit über seine Leichtigkeit.

Zwischendurch gibt es schon ein paar Längen, aber im Nachhinein trüben sie das Vergnügen insgesamt nicht.

Fazit: Ein eigentümliches und ungewöhnliches Filmjuwel – nicht verpassen!

2. „Joker“

„Joker“ von Todd Phillips ist ein erschütterndes Porträt einer tragischen Existenz, der nach und nach alles entgleitet. Arthur Fleck gehört zu den unsichtbaren Ausgestoßenen der Gesellschaft, denen es schwer gemacht wird, einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Und dann wird ihm Stück für Stück das Bisschen, was er hat, weggenommen. Er findet keinen Anschluss an sein soziales Umfeld, wird verachtet und verlacht oder die Menschen haben Angst vor ihm. So oder so – er verliert jeden Halt und die Folgen davon … verrate ich nicht, um nicht zu spoilern.

Auf jeden Fall ist „Joker“ eine ziemlich düstere und pessimistische Abrechnung mit unserer Gesellschaft, dem Umgang mit Menschen, die anders sind, die Hilfe brauchen, die nicht 100-prozentig „funktionstüchtig“ sind und einem von Kapitalismus und Profitorientierung zerstörten Gesundheitssystem.

Fazit: Nichts für schwache Nerven, aber lohnt sich!

1. „Rocketman“

„Rocketman“ von Dexter Fletcher hat mich einfach umgehauen. Eigentlich mag (oder mochte?) ich die Musik von Elton John nicht besonders – zu brav, zu bieder, zu schnulzig. Tja. Ich lag falsch. Mir ist erst durch diesen Film bewusst geworden, wie viel Gefühl und Geschichte sich in Elton Johns Songs verbirgt. Gut, es wurden wohl hier und da ein paar Textstellen leicht angepasst, damit sie besser in die Handlung passen (behauptet zumindest ein Kumpel von mir, der riesiger Elton-John-Fan ist und in der Regel recht hat). Aber trotzdem hat es mich verblüfft, wie virtuos die Lieder in die Handlung eingeflochten waren.

In Kontrast zu der im Grunde tieftraurigen Kindheit Reginal Dwights mit seinen lieblosen, hartherzigen und egozentrischen Eltern, die ihrem Sohn mit Ablehnung an der Grenze zur Abneigung begegnen, ihn kleinmachen und ihm das Gefühl vermitteln wertlos und nicht liebenswert zu sein, stehen die quietschbunten Tanzszenen. Die Farben und mise en scène fangen das Zeitkolorit der 50er bis 80er Jahre atmosphärisch ein und sorgen für einen harmonischen Gesamteindruck.

Nach seiner wirklich herzzerreißenden Kindheit, in der nur seine Großmutter zu ihm stand, geht es für Reginald Dwight alias Elton John zunächst ebenso tragisch und dramatisch weiter. Eine besonders bedrückende Szene, die mir jetzt noch rückblickend die Tränen in die Augen treibt, ist die, in der Elton John seiner Mutter übers Telefon offenbart, dass er homosexuell ist. Es kostet ihn so viel Überwindung und sie erwidert kaltschnäuzig: „Das wusste ich doch schon längst. Ich hoffe, dir ist klar, dass dich nie jemand richtig lieben wird.“

Und auf einmal versteht man, wie es dazu kam, dass Elton John zu Beginn des Films im vollen Bühnen-Dress in die Selbsthilfegruppe einer Entzugsklinik stürmt und gesteht, dass er alkohol-, drogen-, medikamenteabhängig, bulimisch und sonstwas ist.

Die ganze Zeit habe ich mich gefragt: Wie kommt er aus dieser Nummer bloß wieder raus? Ich wusste ja eigentlich, dass es gut ausgeht und er die Kurve kriegt – schließlich ist er ja heutzutage clean, glücklich verheiratet und Vater zweier Kinder. Aber trotzdem blieb es spannend. Dann singt er zum Abschluss „I’m still standing“ – und das passte einfach perfekt, um meine Frage zu beantworten.

So, nachdem ich jetzt so von dem Film als Gesamtwerk geschwärmt habe, will ich auch noch die herausragende schauspielerische Leistung loben. Taron Egerton singt nicht nur die Songs selbst, und das auf eine Weise, die dem echten Elton John überzeugend ähnelt. Er spielt den Sänger auch mit einem Facettenreichtum und einem Einfühlungsvermögen, die ans Herz gehen. Auch die Kinderdarsteller sind grandios, ebenso alle anderen Schauspieler.

Ein richtig guter Film entlässt den Zuschauer nach dem Abspann anders, als er den Saal betreten hat – und das hat „Rocketman“ bei mir definitiv geschafft und sich seine 5 Sterne somit redlich verdient.

Fazit: Grandios! Nicht verpassen!


Und welche Animationsfilme gehörten 2019 zu meinen Favoriten?

10. „Shaun das Schaf 2: UFO-Alarm“

„Shaun das Schaf 2 – Ufo-Alarm“ von Will Becher und Richard Phelan ist richtig süß, lustig und unterhaltsam geraten. Der Vorgänger hatte noch etwas mehr Charme, aber auch hier gehen einem die niedlichen Knetfiguren sofort ans Herz. Und für eine Außerirdischen-Geschichte ist die Handlung auch nicht zu abgehoben. Für die Erwachsenen gibt es viele Anspielungen an Filmklassiker und für die Kleinen eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, die alle Grenzen überschreitet.

Allerdings, auch wenn der Film FSK 0 hat, würde ich ihn für ganz kleine Kinder nicht unbedingt empfehlen. Er ist dafür dann doch zu lang und zu komplex. Die Kinder, die mit uns im Kino saßen, schienen jedenfalls etwas überfordert. Von rechts kam schon nach zehn Minuten „Mama, ich will nach Hause!“ und von links kam alle zwei Minuten ein „Mama, was macht die Frau da? Warum macht sie das? Was passiert gerade? Wieso? …“ Das ist ja ganz süß und so, aber mein Eindruck war, dass die Lütten reichlich gelangweilt waren und sich über einen halb so langen Film mit etwas weniger Wendungen und unterschiedlichen Figuren mehr gefreut hätten.

Fazit: Macht Spaß und ist einfach superknuffig und putzig. Lohnt sich 🙂

9. „Spione undercover“

„Spione undercover“ von Nick Bruno und Troy Quane ist ein einfallsreicher Animationsfilm mit sympathischen Figuren, knuddeligen Piepmätzen, Spannung und Action. Die originelle Grundidee hätte man vielleicht noch etwas weitertreiben können, aber ich hab mich unterhalten gefühlt. Mir gefällt einfach auch die positive Grundmoral, man könnte Probleme, Konflikte und ganze Kriege mit Kreativität, Gutherzigkeit und hartnäckigem, freundlichem Idealismus lösen, anstatt mit Gewalt. Das fände ich schön, wenn es so wäre. Und wenn es wenigstens in einem Film mal so ist, da wird mir warm ums Herz und das ist doch prima.

Allerdings ist „Spione undercover“ stellenweise ziemlich düster und der Bösewicht wirklich brutal, grausam und fies. Auch ist die Handlung gar nicht einmal so unterkomplex, wie es der Trailer vermuten lässt. Jüngere Kinder im Publikum schienen daher entweder verschreckt oder überfordert zu sein und quatschten demzufolge ständig dazwischen. Vielleicht wäre es dann klüger gewesen, mit den Kindern aus dem Kinosaal rauszugehen, anstatt gelangweilt auf dem Smartphone herumzutüddeln.

Fazit: Origineller, unterhaltsamer Animationsfilm, der aber erst für Kinder ab ca. 8-10 Jahren geeignet ist.

8. „Buñuel – Im Labyrinth der Schildkröten“

„Buñuel – Im Labyrinth der Schildkröten“ von Salvador Simó ist meisterhaft gezeichnet und geschickt mit den Einblendungen aus dem realen Dokumentarfilm „Erde ohne Brot“ verknüpft, dessen Entstehungsgeschichte im Mittelpunkt der Handlung steht. Allerdings wurde versucht, auch noch Luis Buñuels künstlerische Ambitionen und Überzeugungen, seine Rolle im Surrealismus, sein Verhältnis zu Salvador Dalí, seine problematische Beziehung zum strengen Vater, seine Selbstzweifel, seine Ängste und Albträume und so weiter und so fort mit in die Geschichte einzuflechten. Ein Ödipus-Komplex Buñuels in Bezug auf seine Mutter wird ebenfalls angedeutet – also auch Freud und seine Traumdeutungen lassen grüßen.

Und das war wohl etwas zu ehrgeizig. Denn dadurch franst die Handlung aus und es werden zahlreiche – nicht uninteressante, aber dennoch ablenkende – Nebenschauplätze angetippt, ohne wirklich tiefgründiger dort einsteigen zu können.

Es ist daher ganz gut, wenn man schon mit ein wenig Vorwissen in den Film geht, zumindest, was die Vorstellungen der Surrealisten und ihre künstlerischen Ziele angeht. Dann kann man auch den Traumbildern mehr abgewinnen und sie einordnen. Gelangweilt habe ich mich in dem Film zwar nicht, denn die Bilder sind wirklich atemberaubend gut. Aber ich habe mich gewundert, worauf der Film hinauswill. Und ich fand, dass Buñuel teilweise so unsympathisch, grausam und durchgeknallt rüberkam, dass es mir wirklich sehr, sehr schwerfiel, mit der Hauptfigur Mitgefühl zu empfinden. Das war stellenweise wirklich nicht auszuhalten.

Fazit: Aus künstlerischer und historischer Sicht spannend, aus erzählerischer Sicht aber mit ein paar Schwächen kämpfend. Wer sich für Surrealismus interessiert, dürfte hierbei jedoch überwiegend Vergnügen empfinden.

7. „Angry Birds 2“

„Angry Birds 2“ von Thurop Van Orman ist urkomisch und herzerwärmend. Die Figuren sind wieder genauso putzig und liebenswert wie im ersten Teil, aber trotzdem kommen Ironie und Slapstick nicht zu kurz. Und obwohl die Szene mit dem Adlerkostüm aus dem Trailer wirklich zu einer der witzigsten Stellen im Film gehört, hat sie absolut nichts von ihrer Komik eingebüßt – sie ist sogar noch besser!

Fazit: Lohnt sich!

6. „Urfin – Der Zauberer von Oz“

„Urfin – Der Zauberer von OZ“ von Vladimir Toropchin und Co. ist ein anrührender, unterhaltsamer Animationsfilm, der Spaß macht. Die Figuren sind niedlich und liebenswert sowie mit Herz fürs Detail animiert, die Story ist einfallsreich und spinnt den Mythos um den Zauberer von Oz auf fantasievolle Weise weiter, ohne zu sehr von der Vorlage abzuweichen – eine gelungen Hommage also. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können sich hier bestens unterhalten fühlen.

Und ein wenig Moralisches gibt es hier auch, aber zum Glück sehr charmant und nicht mit dem Holzhammer eingedroschen. Wenn man sich die Mühe gibt, hinter die Fassade der Menschen oder Lebewesen zu blicken, dann merkt man oft, dass sie gar nicht so böse sind. Und mit der Unterstützung guter Freunde sowie Teamwork kann man einiges erreichen und Konflikte lösen. Sicher, das klingt jetzt etwas abgedroschen, aber hier ist es tatsächlich sehr leichtfüßig und erfrischend inszeniert, sodass man nicht mit den Augen rollen muss.

Fazit: Lohnt sich: für Erwachsene, die ihre Kindheit in ihre Hosentasche gesteckt haben und immer mit sich herumtragen. Aber selbstverständlich auch für Eltern und ihre Kinder.

5. „Ralph reicht’s 2 – Chaos im Netz“

„Ralph reicht’s 2 – Chaos im Netz“ von Rich Moore und Phil Johnston ist ein urkomisches Abenteuer quer durch die Geschichte des Internets. Wie Ralph und Vannelope versuchen, sich zwischen Facebook, Twitter, Google, YouTube, Instagram und Co. zurechtzufinden, ist einfach herrlich. Vor allem für „alte Leute“ wie mich, die auch noch das Prä-Internet-Zeitalter bewusst erlebt haben, gibt es unzählige Anspielungen und Gags zu entdecken. Zwischendurch wird es kurz ein bisschen rührselig, aber insgesamt macht der Film einfach so viel Spaß, dass das nicht weiter schlimm ist.

Fazit: Wunderbarer Animationsfilm, an dem vor allem die Generation 30+ ihre Freude haben dürfte.

4. „Die Eiskönigin 2“

„Die Eiskönigin 2“ von Jennifer Lee und Chris Buck hat mir richtig gut gefallen. Der erste Teil hatte mich noch unterwältigt zurückgelassen, weil ich die Musik eher langweilig fand und den Humor irgendwie forciert. Vielleicht hatte ich damals auch zu viel erwartet und war einfach enttäuscht. In den zweiten Teil bin ich dann auch entsprechend skeptisch hineingegangen, nach Sicht des Trailers überzeugt, einen kommerziell motivierten Aufguss des Vorgängers vorgesetzt zu bekommen.

Aber tatsächlich war die Handlung richtig spannend und wider Erwarten sind mir die Figuren wohl doch ans Herz gewachsen, sodass ich von Anfang bis Ende mitgefiebert habe, wie es Elsa, Anna, Christoph, Olaf und Co. ergeht. Die Musik war jetzt wieder nicht sooo mein Fall, aber da mir der Rest gut gefallen hat und die musikalische Untermalung dazu passte, ist mir das nicht so negativ aufgefallen.

Fazit: Fand ich persönlich noch besser als Teil 1 – dürfte also allen „Eiskönigin“-Fans gefallen.

3. „Penguin Highway“

„Penguin Highway“ von Hiroyasu Ishida ist ein bezaubernder Animationsfilm voller Humor und Fantasie. Die Figuren sind liebevoll gestaltet und charakterisiert, die Handlung sprudelt über vor schrägen Ideen und die Zeichnungen sind einfach wunderbar. Am Ende bleiben zwar noch einige Fragen offen, die sich wohl nicht abschließend eindeutig beantworten lassen – aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Lohnt sich!

2. „Die Addams Family“

„Die Addams Family“ von Conrad Vernon und Greg Tiernan ist eine wunderbare Neuinterpretation der beliebten Gruselfamilie. Ich war zugegebenermaßen etwas skeptisch, da ich ein Riesenfan der Spielfilme aus den 90er Jahren bin und mir nur schwer vorstellen konnte, dass ein Animationsfilm dem Cast um Anjelica Huston, Raúl Juliá, Christopher Lloyd und Christina Ricci das Wasser reichen könnte. Die Sorgen waren aber unbegründet. Dem Animationsfilm gelingt das Kunstwerk, sowohl eine neue und zeitgemäße Geschichte zu erzählen als auch den traditionellen, liebgewonnenen Figuren treu zu bleiben.

Das Grundthema ist auch hier, wie eine Familie, die anders ist als der Durchschnitt, von scheinbar rechtschaffenen Spießbürgern getriezt, ausgegrenzt und verjagt werden. Es geht um Toleranz und Zusammenhalt, ohne aber in Kitsch oder Sentimentalität abzudriften. Stattdessen ist „Die Addams Family“ wie auch die Spielfilme der 90er Jahre eine großartige Gesellschaftssatire mit bissigem Humor, die einfach Spaß macht.

Mein Eindruck ist aber, dass der Humor eher Erwachsene zum Lachen bringt und Kinder und Jugendliche eher etwas langweilt. Es gibt zwar auch Slapstick-Einlagen, die jüngere Zuschauer genauso amüsieren wie ältere Zuschauer, doch der Dialogwitz oder die gesellschaftskritischen Anspielungen sind dann eher für letztere lustig. Zumindest war mein Eindruck, dass die 12-Jährigen, die neben mir saßen, nur halb so viel Spaß hatten wie mein Kumpel und ich.

Fazit: Lohnt sich! Sowohl für „Addams Family“-Neulinge als auch für hartgesottene Fans ist hier was dabei.

1. „Human Lost“

„Human Lost“ von Fuminori Kizaki ist eine rätselhafte und finstere Dystopie, die einen mit beklommenem Gefühl aus dem Kinosaal entlässt. Ein langes Leben in ständiger Gesundheit, dem Tod immer wieder ein Schnippchen schlagen – klingt gut? Oh ja! Doch alles hat seine Schattenseiten … und seinen Preis.

Es ist doch merkwürdig, wie sehr man an die klassischen Hollywood- und Disney-Geschichten gewöhnt ist, die immer mit einer hoffnungsvollen Botschaft, ermunternden (wenn auch wenig originellen) Aphorismen und einem klaren Weltbild mit eindeutiger Gut-Böse-Dichotomie aufwarten. Bei „Human Lost“ werden diese Sehgewohnheiten ziemlich durcheinander geworfen.

So, mehr will ich dann aber auch nicht verraten. Am besten mache man sich selbst ein Bild.

Und, was waren eure Lieblingsfilme aus dem vergangenen Jahr? Was haltet ihr von meiner Auswahl? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt!

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93. Stück: Kinojahresrückblick 2018 – der größte Schrott

Zu einem cineastischen Jahresrückblick gehören natürlich auch die Filme, die mich 2018 am meisten enttäuscht, verärgert oder gelangweilt haben. Hier sind sie:

10. Bad Times at The El Royale

„Bad Times at the El Royale“ von Drew Goddard hat leider außer einer stylishen mise en scène und einem coolen Soundtrack nichts zu bieten. Das ist sehr schade, denn bei diesem Cast und dieser Ausgangssituation hätte man einen richtig tollen Neo-Noir und einen fesselnden, atmosphärisch dichten Thriller draus machen können.

Aber stattdessen franst die Geschichte total aus. Es werden zahlreiche Handlungsstränge aufgemacht, die alle in dem Hotel enden, und da zeigt sich ein explosives Konfliktpotenzial. Da muss man sich schon echt Mühe geben, damit da nichts Spannendes bei rauskommt – und genau das ist hier passiert. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen ins Leere, der Erzählrhythmus ist überhaupt nicht stimmig und das Tempo schleppt sich schneckengleich daher und wenn dann mal was passiert, wird das von den anderen Figuren irgendwie achselzuckend zur Kenntnis genommen, ohne dass das wirkliche Konsequenzen hat.

Fazit: Schöne Bilder, tolle Musik, gute Schauspieler, interessantes Setting und konfliktträchtige Ausgangslage reichen anscheinend nicht immer aus für einen gelungenen Thriller. Das war leider nichts, schade.

9. Catch Me

„Catch Me!“ von Jeff Tomsic fängt nicht schlecht an und hat eine ganz pfiffige Grundidee: eine Gruppe von Freunden spielen seit ihrer Kindheit stets im Mai zusammen Fangen – und einer von ihnen wurde noch nie geschnappt. Das soll sich nun ändern. Wie man gleich zu Beginn erfährt, beruht das Ganze auf einer wahren Geschichte – und ich weiß nicht, warum, aber irgendwie ist das fast immer ein Indiz dafür, dass der nachfolgende Film nicht so doll wird.

Vielleicht will man Rücksicht auf die noch lebenden Vorbilder nehmen und traut sich deswegen nicht, die Story und das Gagpotenzial voll auszureizen. Oder man verlässt sich darauf, dass wahre Geschichten sich quasi „von selbst erzählen“ und man da dramaturgisch nichts mehr machen muss (was ein Irrtum ist. Wie soll denn Spannung entstehen, wenn man eine Geschichte so erzählt: Erst passierte das. Dann das. Und dann das. Und dann war’s zuende.)

Jedenfalls fehlt es diesem Film an Biss, Rhythmus und Tempo, die Gags wiederholen sich zu oft, die Charakterzeichnung der Figuren ist dünn, die Konflikte bleiben an der Oberfläche. Das Ende ist zudem recht ernst und traurig, was so überhaupt nicht zum albernen, durchgeknallten Grundton des Films passen mag. Und wirklich viel passiert in dem Film auch nicht.

Fazit: Schade, daraus hätte man eine wunderbar bekloppte Komödie draus machen können, aber leider kommt die Handlung nicht wirklich in die Gänge und insgesamt wirkt das alles zu unausgewogen. Muss man nicht sehen.

8. Red Sparrow

„Red Sparrow“ von Francis Lawrence braucht leider fast 100 Minuten, um in die Puschen zu kommen, und ist entsprechend langweilig. Ich bin zwischendurch immer mal wieder weggenickt, zwischendurch war ich noch entspannt pinkeln, aber ich bin mit der Story trotzdem hinterhergekommen. Also habe ich anscheinend nichts Wesentliches verpasst, was mich zu dem Schluss verleitet, man hätte den Film problemlos und verlustfrei auf die Hälfte zusammenkürzen können.

Mich hat außerdem der künstliche russische Akzent von den russischen Figuren total genervt. Das entbehrt jeder Logik. Die Geschichte spielt im Wesentlichen in Russland, also ist Russisch die normale Sprache, nicht Englisch/Deutsch mit russischem Akzent. Wenn, hätte man überlegen können, den Amerikanern einen englischen Akzent zu verpassen, die aber haben normal gesprochen. Hätte auch im Original wenig Sinn ergeben, Englisch mit englischem Akzent zu sprechen, Höhö. Aber wenn man den Russen der Authentizität wegen einen russischen Akzent gibt, dann soll man wenigstens auch russische Schauspieler nehmen, die mit anderen Russen untereinander Russisch sprechen (mit Untertiteln) und nur mit Ausländern Englisch/Deutsch mit echtem russischen Akzent. Nicht dieser klischeehafte, gekünstelte Fake-Akzent, der total albern klingt.

Aber ich schweife ab. Daran kann man mal sehen, worüber ich den Film über so Zeit hatte, mir Gedanken zu machen.

Ansonsten, Jennifer Lawrence ist mal wieder hinreißend, die anderen machen ihre Sache auch prima und das Ende ist tatsächlich ganz pfiffig. Man braucht nur wirklich viel Geduld, bis man da hinkommt.

Fazit: Muss man nicht gesehen haben und wenn doch, dann lieber zu Hause, wo man vorspulen kann.

7. Der Nussknacker und die vier Reiche

„Der Nussknacker und die vier Reiche“ von Lasse Hallström und Joe Johnston ist leider nicht so gut gelungen, wie es der Trailer vermuten ließ. Die Kostüme, die mise en scène und die Musik Tschaikowskys sind das Beste an dem Film. Aber die Handlung ist dünn, vorhersehbar und nicht immer schlüssig, die Figuren wie vom Reißbrett, die Story lieblos zusammengeschustert (als hätte ein Algorithmus das Ganze geschrieben), die Dialoge tumb und witzlos, und die Spannungskurve so flach wie die Berge Norddeutschlands.

Dabei wirkte es im Trailer so, als würde man hier einen bezaubernden Märchenfilm mit liebenswerten Figuren, knuffeligen Tieren und fantasievollen, zum Leben erweckten Spielfiguren zu sehen bekommen. Ein Film, der sowohl Erwachsene unterhält als auch Kinder in eine andere Welt entführt und zum Träumen einlädt. Aber stattdessen ist der Film anscheinend einfach so hingerotzt worden, auf Basis vergangener Erfolge ermittelte Faktoren klischeehaft widergegeben und das so hohl, wie die Zinnsoldaten es sind.

Fazit: Leider sehr enttäuschend, ich würde vom Kinobesuch abraten.

6. Aquaman

„Aquaman“ von James Wan bekommt von mir nur deshalb 2 Sterne, weil ich ihn mir noch schlimmer vorgestellt hatte, als er letztendlich war. Als handelsüblicher, überraschungsfreier Standard-Action-Comic-Kracher nach Schema F ist er dann doch einigermaßen passabel. Mehr sollte man aber nun wirklich nicht erwarten.

Was bekommt man zu sehen? Viel CGI-Effektegewitter, eine schicke Unterwasserwelt, viel Action, gaaanz viele Muskeln (mein Kumpel, der mit im Kino saß, meinte: „So müssen sich wohl Frauen fühlen, wenn makellose Bikinischönheiten über die Leinwand schweben“) und zumindest ein paar nette Gags. Von denen aber einige recht albern sind und sich seltsam mit dem ansonsten bierernsten Grundton und der oberflächlichen, aber holzhammermäßig vorgetragenen, Ökobotschaft beißen.

Die Besetzung ist erstklassig, bloß Amber Heard kann ich nicht leiden, aber sie macht ihre Sache OK. Willem Dafoe ist glaube ich ziemlich unterfordert, Nicole Kidman ebenso. Ansonsten ist das aber soweit in Ordnung. Und man muss auch sagen, dass das Drehbuch den Schauspielern eine ziemlich hanebüchene Handlung und teils strunzdumme Dialoge vorgesetzt hat.

Fazit: Muss man nicht gesehen haben, zumindest nicht im Kino.

5. Hostiles

„Feinde – Hostiles“ von Scott Cooper hat mich leider sehr enttäuscht. An der filmischen Umsetzung lag das nicht – die Bilder sind grandios, die mise en scène wirkt authentisch, die Atmosphäre passend dazu düster und staubig. Aber tolle Bilder machen eben noch keinen guten Film – Erzählkunst macht einen guten Film. Kommt beides zusammen, haben wir einen meisterhaften Film.

Jedenfalls krankt es in diesem Film am Erzählrhythmus und Erzähltempo – das Ganze ist viel zu lang und langatmig. Die Figurencharakterisierung gelingt nur bei der Hauptfigur – und ja, es gibt nur eine Hauptfigur, auch wenn die Story und das Plakat suggerieren, es gäbe zwei. Und das führt mich zu meinem nächsten, und wichtigsten Kritikpunkt: die Figurenkonstellation.

Da steckte so viel Potenzial in der Ausgangssituation, dass da zwei Menschen aufeinander treffen, die allen Grund haben, sich zu verabscheuen. Ein rassistischer, überzeugter Soldat, dem das Töten im Blut liegt und der fest daran glaubt, dass Weiße was Besseres sind als die amerikanischen Ureinwohner auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite ein amerikanischer Ureinwohner, dem von Leuten wie Blocker die Heimat, Freunde, Familie, die eigene Würde genommen wurden.

Aber in der Geschichte geht es schließlich nur um Blocker und um seine Entwicklung – die anderen Figuren sind nur Staffage oder Stichwortgeber oder dienen dem einzigen Zweck, Blocker zum Handeln zu bewegen beziehungsweise auf seine Handlungen zu reagieren.

Der Apachenhäuptling Yellow Hawk hingegen bleibt eindimensional und setzt Blocker kaum etwas entgegen. Er macht auch nicht wirklich eine Entwicklung durch. Er ist zunächst einfach still, dann geht er über in seine Funktion des weisen, alten Mannes, der versucht, den starrsinnigen Rassisten Blocker zur Vernunft zu bringen.

Man wollte wohl das Klischee des „edlen Wilden“ bedienen, der sich dennoch seiner Rolle als Untergebener in Bezug auf den weißen Mann bewusst ist und nicht versucht, aufzumucken. Das aber macht den Film zu einem quälend langweiligen Machwerk mit fragwürdigem moralischen Subtext.

Wenn man einen Film über zwei Feinde macht, die sich einander annähern, dann müssen auch beide Figuren stark sein. Es muss knallen. Da muss das volle Konfliktpotenzial genutzt werden. Wenn nur einer vor sich hin brummelt und der andere kommt ganz sachlich und respektvoll an, dann kommt man doch überhaupt nicht richtig in eine Handlung rein. Das ist dann genauso spannend wie die Kurztheaterstücke, die ich als Kind mit meinen Stofftieren erfunden habe und die folgendermaßen abliefen:

Kuschelschaf zu Stoffesel: „Wollen wir Freunde sein?“
Stoffesel zu Kuschelschaf: „Jaaaaaa!“
Kuschelschaf zu Stoffesel: „Juhuuuu!“

Die anderen Apachen bleiben im Übrigen blass und setzen den weißen Soldaten auch nichts entgegen. Ab und zu darf sich eine Nebenfigur ein bisschen kritisch dazu äußern, dass doch die Weißen den amerikanischen Ureinwohnern ihr Land weggenommen hätten, und sie selbst die Besatzer seien. Aber die Apachen selbst dürfen das nicht sagen.

Die Komantschen, die sich genauso brutal verhalten wie die Soldaten, werden als gesichtslose Monstren dargestellt, die nichts Menschliches mehr an sich haben. Dass sie sich vielleicht verteidigen und die Besatzer vertreiben wollen, die ihnen ihren Lebensraum wegnehmen wollen, wird nicht einmal in Erwägung gezogen. Und natürlich ist das kein Grund, Menschen so grausam abzuschlachten. Aber welchen Grund haben denn die Soldaten, diese Menschen zu quälen, zu demütigen und zu ermorden?

Die weibliche Hauptfigur ist von der Charakterisierung her nur wenig facettenreicher und spannender als die „edlen Wilden“. Erst ist sie nur trauernde Witwe und verwaiste Mutter. Dann ist sie die Sanftmütige, die das Herz des harten Soldaten ein wenig erweicht, und sich dazu herablässt, sich mit den Apachenfrauen ganz normal höflich und freundlich zu unterhalten und sich mit ihnen – zwar nicht auf Augenhöhe, aber immerhin – anzufreunden. Ach so, und dann darf sie auch noch beurteilen, dass Blocker ein guter Mann sei. Weil er – Mini-Spoiler – am Ende die richtigen Leute abschlachtet und nicht mehr die falschen.

Fazit: Dieser Film ist ein einziges Ärgernis, wenn auch in schönen Bildern.

4. Death Wish

„Death Wish“ von Eli Roth ist ein seltsamer Film, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er Drama, Action, Thriller, Torture Porn, Splatter oder Komödie sein soll. Die erste Hälfte nimmt sich Zeit, verläuft beinahe etwas zäh, und schildert den Chirurgen Paul Kersey als gewissenhaften, pazifistischen und professionellen Zeitgenossen, der sich nicht provozieren und aus der Ruhe bringen lässt.

Wir erfahren weiterhin, dass die Gewalt und Kriminalität in Chicago eskaliert und die Polizei hoffnungslos überfordert ist, und dass im Krankenhaus ständig irgendwer seinen Schussverletzungen erliegt. Das könnte man jetzt natürlich nutzen, um die laxen Waffengesetze in den USA zu kritisieren. Tatsächlich wirken die Szenen im Waffengeschäft auch so absurd, dass man darin ein Potential zu einer solchen Kritik sehen könnte.

Doch das passt überhaupt gar nicht zum „Nur ein guter Kerl mit Waffe kann einen schlechten Kerl mit Waffe aufhalten“-Narrativ, das den Film letztendlich dominiert. Dieser friedfertige, selbstbeherrschte Mann macht nämlich nach der Ermordung seiner Frau eine völlige Kehrtwende. Zunächst stutzt er noch ein wenig, als sein Schwiegervater mit seinem Gewehr Wilderern hinterherballert und sagt, ein richtiger Mann müsse das Gesetz in die eigene Hand nehmen, wenn die Polizei nicht aus dem Quark kommt.

Aber als ihm die Waffe eines toten Gangsters im Krankenhaus buchstäblich vor die Füße fällt, macht es in seinem Kopf „Puff“ und er mutiert zum Rächer. Mit Kapuzenpulli und der Waffe macht er sich auf den Weg in eine superüble Gegend, hält Ausschau nach irgendwelchen Übeltätern und schießt dann die erstbesten Autodiebe über den Haufen. Und nein, das war keine Notwehr, spätestens dann nicht mehr, als er dem einen Verbrecher mitten in den Kopf schießt.

Darob diskutiert die Öffentlichkeit allen Ernstes darüber, ob der Typ das darf. Die meisten finden es total klasse, dass ein einzelner Kerl sich über das Gesetz schwingt, um nach eigenem Gutdünken Menschen hinzurichten. Vielleicht muss man NRA-Mitglied oder US-amerikanischer Republikaner sein, um das nachvollziehen zu können. Einige Todesszenen sind dann aber auch schon wieder so übertrieben, dass es lustig war. Wobei einem das Lachen bei dem Kontext echt im Halse stecken blieb.

Am Ende kommt die Polizei dem einsamen Rächer natürlich auf die Schliche, weil – vergessen wir das nicht – er ja eigentlich ein friedliebender Arzt ist und kein Berufskiller, und sich dementsprechend ziemlich dusselig anstellt. Da sollte man meinen, dass die Polizisten ihn verhaften, er vor Gericht und ins Gefängnis kommt, weil er ein Mörder ist. Nö. Der Polizist klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Retten Sie weiter Leben, das können Sie gut.“ – Da ist mir echt die Kinnlade heruntergeklappt.

Fazit: Lohnt sich nicht, der Film ist im Grunde sehr ärgerlich, haarsträubend und moralisch völlig daneben. Die Handlungslogik ist ebenfalls vermurkst. Die Figurenentwicklung und Figurenmotivation erschließt sich wohl nur schießwütigen Republikanern. Gerade in Zeiten, in denen quasi jede Woche ein Amoklauf und Massenmord mit Schusswaffen durch die Medien geht.

3. Hereditary

„Hereditary“ von Ari Aster hat mich neugierig gemacht, weil die Kritiker sich auf der einen Seite vor Lob überschlugen, die Zuschauerkritiken hingegen einen unterirdisch schlechten Film versprachen. Und da dachte ich, das wird so ähnlich wie bei „mother!“, der Film ist entweder völlig krank, aber gut – oder richtig grottig. Und da ich ja in Besitz einer Kino-Abokarte bin, kostete es mich nichts, das herauszufinden.

Na jedenfalls war ich ziemlich enttäuscht, denn der Film ist bis kurz vor dem Ende durchschnittlich und banal. Die einzigen starken Momente gehören Toni Collette, die als trauernde Mutter, die an ihrem Verstand zu zweifeln beginnt, absolut überzeugt. In diesen Szenen funktioniert „Hereditary“ denn auch im Zusammenspiel mit Gabriel Byrne und Alex Wolff sehr gut als Familiendrama. (Auch wenn ich finde, dass Alex Wolff viel zu alt für die Rolle ist, man sieht ihm einfach an, dass er schon 20 ist und keine 16/17 Jahre)

Die Gruselelemente funktionieren teilweise auch ganz gut, ich hab mich ein paar Mal ganz schön erschrocken, und die unheimliche Atmosphäre hält zumindest solange an, bis der Film auf sein lächerliches Finale zusteuert. Mich hat sogar das permanente Unglücksgeraune und Bassgedröhne nur ein bisschen genervt, weil ich doch wissen wollte, worauf dieser Film eigentlich hinauswill.

Leider wussten die Macher das wohl selbst nicht so genau. Und so mäandert die Handlung vor sich hin, bis das Ganze dann mit einem Deus-ex-machina-Ende seinen misslungenen Abschluss findet. Immerhin hat der Schluss mir geholfen, mich zu entscheiden, wie ich den Film finde – nämlich schlecht. Weil’s aber vorher durchaus starke Momente gibt, erhält er immerhin 1,5 Sternchen.

Fazit: Den muss man sich nicht antun. Wer psychologisch feinsinnigen Grusel in Kombination mit einem Familiendrama sehen möchte, sollte sich lieber den großartigen „Babadook“ oder „Das Waisenhaus“ anschauen.

2. Mortal Engines – Krieg der Städte

„Mortal Engines“ von Christian Rivers versucht, in die Fußstapfen der „Hunger Games“-Reihe zu treten – und scheitert damit kläglich. Dabei stimmen die Voraussetzungen: eine dystopische Welt mit spannender Hintergrundgeschichte, eine stimmungsvolle mise en scène, tolle Kostüme, stylisher und cooler Steampunk-Look und keine allzu schlechten Schauspieler. Da müsste man doch was draus machen können, sollte man meinen.

Oder man pfeift komplett auf dramaturgischen Spannungsaufbau, erzählerische Stringenz, logische Handlungsstränge und vielschichtige Figuren und fährt so das ganze Potenzial mit Karacho in die Grütze. Und genau das ist hier passiert. Bleibt man anfangs noch neugierig, wie sich die Geschichte entwickelt und was alles dahintersteckt, weicht das anfängliche Interesse zunächst Konfusion und dann einer geradezu peinlichen Vorhersehbarkeit, um dann am Ende in Kitsch und Platitüden zu versumpfen.

Ich hatte am Anfang Schwierigkeiten, reinzukommen, weil alles recht hektisch durcheinander und viel zu schnell ging. Aber da konnte man wenigstens noch hoffen, dass sich das im Laufe der Handlung einpendelt, aufklärt und den Anfang einer Spannungskurve bildet. Aber dann konnte man die überraschend gemeinten Wendungen und Auflösungen von Rätseln schon drei Meilen gegen den Wind riechen – musste dann aber noch ewig warten, bis das Offensichtliche dann auch auf der Leinwand gezeigt wurde. Schnarch. Der Rhythmus der Erzählung war einfach hinten und vorne nicht stimmig und völlig unausgewogen.

So, das ist aber noch nicht alles. Diese Dialoge!!! Auweia! Captain Obvious trifft Disneyfilm. Dann hält sich zum Beispiel jemand gerade gut an etwas fest, um nicht herunterzufallen. „Halt dich gut fest!“, wird ihm dann geraten. Oder: „Ich kann das Ding nicht anhalten, die Bremsen sind kaputt!“ – „Du musst das Ding anhalten!“ (Ach, nee). Oder: „Lass uns irgendwohin fliegen!“ – „Ich folge dir überall hin!“ Und. So. Weiter.

Einen Pluspunkt habe ich dennoch: Die Haare von Anna Fang. Supercoole Frisur, will ich auch haben.

Fazit: Wer sich an Logiklöchern, dummen Dialogen, flachen Figuren, fehlender Spannungskurve und misslungenem Erzählrhythmus nicht stört, und Steampunk-Look liebt, dürfte diesem Film etwas abzugewinnen wissen. Ansonsten würde ich eher davon abraten.

1. Johnny English 3

„Johnny English – Man lebt nur dreimal“ von David Kerr ist eine lahmarschige, trutschige Agentenparodie mit einem gealterten Mr. Bean, bei der ich diverse Male eingenickt bin. Alle Gags – von denen die besten schon im Trailer verbraten wurden – laufen nach dem gleichen Schema ab: Jemand warnt Johnny English vor irgendwas, er sagt „Ach Quatsch, das passiert schon nicht, ich weiß Bescheid“ und dann passiert das doch. So riecht man den nächsten Witz dann auch schon 10 Minuten vorher und muss dann aber noch diese 10 Minuten warten, bis die Geschichte weitergeht. Wobei die auch echt nicht spannend ist. Wer der Bösewicht ist, ist schnell klar, trotzdem muss man noch 90 Minuten Klamauk ertragen, bis der endlich gefasst wird.

Währenddessen schlüpft Rowan Atkinson, der normalerweise ein hervorragender Schauspieler ist (wer „Black Adder“ noch nie gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen) von einem albernen Kostüm ins nächste, hampelt von einer peinlichen Situation in die nächste, tanzt sehr schlecht, sodass man sich etwas Sorgen um seinen Rücken macht, und rettet dann am Ende mal wieder das Vereinigte Königreich. Das alles in einem schleppenden Erzähltempo.

Einziges Highlight: Emma Thompson als Premierministerin. Sie erinnert ein wenig an Theresa May und hat sichtlich Spaß an ihrer Rolle.

Fazit: Den Film kann man sich sparen. Da sollte man lieber die alten Mr. Bean-Sketche noch mal anschauen.

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92. Stück: Kinojahresrückblick 2018 – die besten Filme und Animationsfilme

Ihr Lieben,

es ist wieder Zeit für meinen mittlerweile traditionellen Kinojahresrückblick. Zuerst stelle ich euch die Spielfilme und Animationsfilme des Jahres 2018 vor, die mir am besten gefallen oder mich am tiefsten berührt haben. Auf geht’s:

Die besten Spielfilme 2018:

10. Anna und die Apokalypse

„Anna and the Apocalypse“ von John McPhail ist ein wunderbarer Film. Witzig, aber auch berührend, mitreißende Musik und eine spannende Handlung. Das macht einfach Spaß. Gesehen habe ich den Film auf dem Fantasy Film Fest in Hamburg. Zum Glück scheint es ja auch einen regulären Starttermin in den deutschen Kinos zu geben – dann kann ich ihn mir noch mal ansehen.

Fazit: Unbedingt sehenswert!

(Edit: Ich habe den Film tatsächlich im Dezember noch einmal gesehen und beschlossen, ihn auch in meine Liste von Lieblingsweihnachtsfilmen aufzunehmen. Der ist einfach toll!)

9. I, Tonya

„I, Tonya“ von Craig Gillespie ist kein nüchternes Biopic, sondern erzählt die Geschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding auf humorvolle (fast schon sarkastische) und trotzdem berührende Art und Weise. Obwohl eigentlich alle Beteiligten an der Affäre rund um die Attacke auf Hardings Konkurrentin Nancy Kerrigan sowie auch Kerrigan selbst mehr oder weniger ziemliche Arschlöcher sind, wirken alle Figuren irgendwie sympathisch. Sogar die fürchterliche Mutter, die ihre Tochter wie eine Sklaventreiberin drillt und ihr jedes Selbstwertgefühl zerschmettert, kann den Zuschauer davon überzeugen, es gut gemeint zu haben.

Das ist nicht nur dem tollen Drehbuch und der großartigen Regie zu verdanken, sondern vor allem den grandiosen Schauspielern, die diese Figuren mit Leib, Seele und Leben füllen. Margot Robbie spielt einfach zum Niederknien und man vergisst völlig, dass man es nicht mit der echten Tonya Harding zu tun hat. Mal wirkt sie trotzig und pampig und ungerecht, dann wieder fiebert man mit ihr mit und wünscht sich nur das Beste für sie, mal rührt sie einen zu Tränen. Allison Janney, die Mutter, hat den Oscar völlig zu Recht als beste Nebendarstellerin bekommen. Wie es ihr gelingt, durch diese harte, sadistische, völlig verkorkste Schale doch noch hin und wieder einen winzigen Funken Mitgefühl für ihre Tochter aufblitzen zu lassen, ist einfach toll.

Doch auch die Männer in der Geschichte – allesamt absolute Volltrottel und Totalversager – scheinen es nie böse zu meinen, obwohl sie wirklich schreckliche Dinge tun. Selbst der prügelnde Ehemann schafft es, dass man zwischendurch fast ein bisschen Mitleid mit ihm hat.

Ganz nebenbei ist „I, Tonya“ aber auch eine Kritik an den elitären Strukturen hinter den Kulissen des Eiskunstlaufsports sowie an den elitären Strukturen in der Gesellschaft überhaupt. Es klingt zwar etwas patzig und kindisch, wenn Tonya sich beklagt, sie würde von der Jury schlechter bewertet als ihre Mitstreiterinnen, weil ihre White-Trash-Herkunft nicht in das schicke, tadellose All-American-Family-Image passt, das die Verantwortlichen gern transportieren müssen. Doch ein kurzes Gespräch mit einem Jurymitglied offenbart: sie hat völlig recht.

Ich kann mich sogar noch ein wenig an die Geschichte damals 1994 erinnern. Meine Eltern waren Team Nancy und konnten Tonya Harding nicht ausstehen. Jetzt in dem Film quasi ihre Seite der Geschichte zu sehen, war spannend, denn auch ich hatte mich von den Vorurteilen beeinflussen lassen.

Fazit: Sehenswert! Nicht verpassen!

8. BlackKklansman

„BlacKkKlansman“ von Spike Lee ist eine gelungene Satire, bei der einem das Lachen im Halse steckenbleibt. An der Oberfläche ist der Film lässig und witzig – aber die Geschichte, die er erzählt, ist bitterer Ernst. „BlacKkKlansman“ zeigt, wie aus (von den Betroffenen durchaus gut gemeinter) Ideologie Fanatismus wird.

Die Gestalten, die beim Ku Klux Klan mitmischen, werden dabei, wie ich finde, recht differenziert dargestellt. Da hat man die klassische Dumpftröte, verfressen und alkoholabhängig. Den hasserfüllten Irren, der zwar intelligent, aber vollkommen verblendet ist in seinem Fremdenhass. Den Intellektuellen, der rational erklärt, es gäbe nun einmal unterschiedliche Rassen, die unterschiedlich weit entwickelt sind, und wenn man das vermischt, brächte man die ganze „natürliche Ordnung“ durcheinander und das wäre eine Katastrophe. Man kann kritisch anmerken, dass zwar die Bandbreite an Ku Klux Klan-Mitgliedern differenziert dargestellt wird, die einzelnen Mitglieder es aber an Tiefgang vermissen lassen – aber mich hat das jetzt nicht gestört.

Die Black-Power-Bewegung wird im Gegensatz dazu eher als Bewegung in ihrer Gesamtheit dargestellt. Als Einzelmitglied lernt man nur Patrice etwas näher kennen. Aber meiner Meinung nach reicht das trotzdem, um den Ku Klux Klan und die Black-Power-Bewegung einander gegenüber zu stellen, und aufzuzeigen, wie Fanatismus entstehen und Ideologie zu Gewalt führen kann.

Wie aktuell das Ganze noch immer ist, macht das Ende schließlich deutlich.

Fazit: Lohnt sich!

7. The Disaster Artist

„The Disaster Artist“ von und mit James Franco ist ein irrwitziger Spaß, der die Geschichte rund um den wohl schlechtesten Film aller Zeiten – „The Room“ von und mit Tommy Wiseau – erzählt. Tommy ist ein mysteriöser, durchgeknallter Typ, von dem niemand weiß, woher er kommt, wie alt er ist und womit er sein Geld verdient. Er taucht irgendwann in der Schauspielschule von Greg Sestero auf, einem jungen, naiven und etwas schüchternen Schauspielschüler. Beide träumen von der großen Filmkarriere, aber wie Gregs Mutter es so treffend sagt: „Dafür braucht man Kontakte, man braucht Glück – und Talent.“

Autsch. Aber Tommy und Greg lassen sich nicht unterkriegen und beschließen irgendwann, ihren eigenen Film zu drehen: „The Room“. Es stellt sich heraus, dass Tommy offenbar steinreich ist, und so kauft er kurzerhand das beste Filmequipment, das es auf dem Markt gibt, mietet ein Filmstudio, engagiert Schauspieler und eine komplette Filmcrew … und dann geht’s los.

Die Dreharbeiten sind so chaotisch wie nur irgend möglich. Die Schauspieler wissen überhaupt nicht, was Tommy als Regisseur von ihnen will, was die Motive ihrer Figuren sein sollen, worum es in der Geschichte überhaupt geht, und was zum Teufel sie da eigentlich genau machen. Aber sie sind jung, brauchen das Geld und ertragen die Launen des doch sehr cholerischen Tommy. Wer den Film „The Room“ vorher gesehen hat, weiß, dass man ihm in jeder Sekunde ansieht, dass die Schauspieler nicht die geringste Ahnung haben, was sie gerade tun, sich aber nach Kräften bemühen, das Beste draus zu machen – und das ist immer noch echt mies.

Für den Zuschauer aber ist das urkomisch. Man leidet zwar mit den Schauspielern und der Filmcrew mit (insbesondere, wenn man selbst mal in der Branche gearbeitet oder sich selbst mal als Schauspieler versucht hat), aber das Ganze ist so absurd, dass man einfach lachen muss. Das ist ja manchmal so, dass eine Situation so furchtbar und irrsinnig ist, dass man die Wahl hat, darüber den Verstand zu verlieren oder darüber zu lachen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man den Film genauso lustig findet, wenn man „The Room“ noch nie gesehen hat oder wenn man noch nie irgendetwas mit Filmen oder Schauspielern zu tun hatte … möglicherweise findet man ihn dann trotzdem noch unterhaltsam, aber man kriegt nicht alle Anspielungen und Gags mit. Daher denke ich, der Film ist nicht unbedingt für jeden etwas.

Fazit: James Franco, sein Bruder Dave und sein Kumpel Seth Rogen sind im „Disaster Artist“ in absoluter Höchstform. Den Film sollte man nicht verpassen. Aber es empfiehlt sich, vorher „The Room“ zu schauen – auch, wenn der wirklich fürchterlich ist.

6. Animal World

„Animal World“ von Han Yan ist völlig durchgeknallt – und richtig gut! Was sich zunächst wie eine Art „Fight Club“ auf Koks anbahnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen Film, der sich keinem Genre zuordnen lässt.

Und gleichzeitig ist der Film ein Feuerwerk der Erzählkunst und fordert den Zuschauer mit mentalen Metadiegesen (Visionen, Tagträumen der Hauptfigur), einem unzuverlässigen Erzähler, der immer wieder betont, er sei verrückt – dabei aber fast am normalsten wirkt im Vergleich mit den anderen Figuren -, Allegorien (das Geschehen auf dem Schiff und das Spiel sind eine klare Kritik am Raubtierkapitalismus und an der daraus resultierenden Ungleichheit zwischen Arm und Reich), raffinierten Finten und einer fesselnden Spannungskurve sowie einem furiosen Erzählrhythmus. Da kann einem zwischendurch fast ein wenig schwindelig werden bei dem Tempo. Trotzdem kann man der Handlung stets gut folgen und man fiebert mit der Hauptfigur mit.

Es soll wohl noch eine Fortsetzung dieser chinesischen Manga-Verfilmung geben – ich bin schon gespannt und freu mich drauf.

Fazit: Sollte man sich nicht entgehen lassen, sobald sich die Gelegenheit bietet, ihn zu sehen.

5. Shape Of Water

„Shape of Water“ von Guillermo del Toro ist ein großartiger Film. Wie bereits in „Pans Labyrinth“ nutzt del Toro Märchen- und Fantasymotive, um eine Geschichte menschlicher Grausamkeit und Niedertracht zu erzählen. Dieses Mal befinden wir uns aber nicht im Spanien Francos während des zweiten Weltkriegs, sondern im Amerika der 50er Jahre zu Zeiten des Kalten Kriegs.

„Shape of Water“ kommt teilweise etwas witziger daher als „Pans Labyrinth“, doch die menschlichen Grausamkeiten gehen einem nicht minder an die Nieren. Mit welcher Arroganz, Hybris und widerwärtiger, kotzbröckiger Selbstherrlichkeit hier die Machthabenden (Männer und das Militär) mit Andersartigen und Untergebenen umgehen, ist nur schwer zu ertragen. Da bleibt einem das eine oder andere Lachen im Hals stecken. Wäre die märchenhafte Ausstattung, Musik und Erzählweise nicht, würde man es wohl gar nicht aushalten, wenn man auch nur einen Funken Menschlichkeit besitzt.

So aber entlarvt del Toro menschliche Abgründe, ohne seine Figuren explizit zu verdammen oder an den Pranger zu stellen. Sie sind Menschen und sie tun absolut furchtbare Dinge aus Machtgier und Versagensängsten. Währenddessen wachsen die stumme Elisa, ihre Freundin Zelda und ihr bester Freund und Nachbar Giles über sich hinaus, um der Liebe und der Gerechtigkeit eine Chance zu geben.

Ein bisschen schade ist, dass das Ende ein kleines bisschen schief und überzuckrig geraten ist. Das passt nicht so hundertprozentig zum restlichen Film. Aber vielleicht ist das auch in Ordnung so …

Fazit: Nicht verpassen! Und Taschentücher einpacken!

4. Lady Bird

„Lady Bird“ von Greta Gerwig ist ein wunderbar tragikomischer Coming-of-Age-Film, der einem das Leben des ärmeren Teils der amerikanischen Bevölkerung vor Augen führt. Dabei rutscht er nie in Rührseligkeit ab – dafür sorgt der trockene, nüchterne Humor. Die Schauspieler füllen ihre Rollen voller Hingabe und Begeisterung mit Leben und harmonieren so schön im Ensemble miteinander, dass es ganz natürlich wirkt.

Fazit: Ein toller Film, solte man nicht verpassen!

3. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

„Three Billboard Outside Ebbing, Missouri“ von Martin McDonagh ist ein ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Film, der sich keinem Genre zuordnen lässt. Der lakonische Humor ist tiefschwarz gefärbt. Mal bleibt einem das Lachen im Hals stecken, dann wieder prustet man los, weil die Situation so absurd oder ein Spruch so ehrlich und trocken ist. Unter der komischen Oberfläche steckt die Geschichte aber voller kleiner Tragödien und Schicksalsschläge. Der Mord an Mildreds Tochter ist dabei nur einer davon. Jeder hat sein Päckchen zu tragen.

Aber – und das ist das Schöne an diesem Film, deren Figuren mit ihrem Facettenreichtum wie aus dem Leben gegriffen wirken – jeder trägt sein Päckchen so gut er kann, gibt sich Mühe, das Beste aus dem zu machen, was der Zufall ihm vor die Füße geworfen hat. Und jeder versucht im Grunde, Frieden zu finden und mit der eigenen Wut irgendwie zurechtzukommen. Das ist mal urkomisch, mal rührend, aber immer menschlich.

Fazit: Ein wunderbarer Film, den man nicht verpassen sollte.

2. A Quiet Place

„A Quiet Place“ von John Krasinski ist ein nervenzerreißender Horrorfilm, der seine Spannung vollständig aus seiner Prämisse zieht: Mach kein Geräusch, sonst stirbst du. Lange habe ich nicht mehr in einem Gruselfilm gesessen und so den Atem angehalten, mich so in die Sessellehnen verkrallt und mich bei jedem Laut so erschrocken wie hier. Schauspielern, Regie, Ton und Kamera gelingt es mit relativ einfachen Mitteln, eine unheimliche Atmosphäre ständiger Bedrohung und eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen, die einem zeitweilig das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Hinzu kommt, dass die Figuren und die Figurenkonstellation so aufgebaut sind, dass man sofort mit ihnen mitfühlt – das hervorragende Schauspiel tut sein Übriges.

Sicher kann man kritisieren, dass in diesem Film nicht viel passiert. Die Handlung besteht ja im Grunde darin, eine einzige Sache nicht zu tun, und das ist Krach. Es ist also vielmehr eine Nichthandlung, die die Story bestimmt. Das kann man doof finden, aber ich fand’s genial. Das funktioniert aber auch nur, weil der Erzählrhythmus darauf abgestimmt ist. Wenn man jetzt zum Beispiel ohne Schnitt, ohne Musik, ohne Nahaufnahme in der Totalen 10 Minuten lang eine Person zeigt, die nur dasitzt und Kuchen isst, wie bei „A Ghost Story“, funktioniert dieses Prinzip der Spannung durch Nichthandlung in keinster Weise.

Fazit: Ein großartiger Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Der Junge muss an die frische Luft

„Der Junge muss an die frische Luft“ von Caroline Link ist einfach rundum gelungen und ist mir richtig ans Herz gegangen. Man vergisst sogar die nervigen Popcornraschler, Dauermurmler, Von-hinten-in-den-Sitz-Treter und Lunge-aus-dem-Leib-Huster im Publikum, weil dieser Film den Zuschauer voll und ganz aufnimmt und in das Ruhrgebiet der 70er Jahre entführt.

Und was für ein tolles Ensemble da ein Fest der Schauspielkunst zelebriert, ich bin absolut begeistert. Allen voran der kleine Julius Weckauf als Hape ist einfach ein Naturtalent. Dabei habe ich heute Morgen noch in einem Interview gelesen, dass der Kleine gar nicht unbedingt Schauspieler sein will, sondern gern Gemüse anbaut und später Bauer oder Gärtner werden will. Sympathisch ist der Junge also auch noch.

Lachen und Weinen liegen hier sehr nah beieinander und manchmal passiert auch beides gleichzeitig. Die Figuren sind allesamt so liebenswert mit ihren Eigenarten, dass man gar nicht anders kann, als sie ins Herz zu schließen, und sich für die Dauer des Films vorzustellen, man wäre Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Nicht verpassen!

Die besten Animationsfilme 2018:

5. Cinderella The Cat

„Cinderella The Cat – La Gatta Cenerentola“ von Ivan Cappiello und Co. macht es einem am Anfang etwas schwer, in die Geschichte hineinzufinden – aber dann zieht einen die eigenwillige Optik doch in ihren Bann. Die etwas kantig gezeichneten und leicht ruckelig animierten Figuren entwickeln einen schrägen Charme, die Atmosphäre wirkt verträumt, melancholisch, aber auch etwas düster und unheimlich. Und dann ist da noch die Musik: wehmütig und sehnsüchtig auf der einen Seite, aber auch ironisch und humorvoll auf der anderen Seite.

Fazit: Ich denke, es lohnt sich, den Film mehr als einmal zu sehen, um sich wirklich darauf einzulassen und die Details voll zu erfassen. Aber auch beim ersten Mal fand ich ihn schon toll!

4. Spiderman: A New Universe

„Spider Man: A New Universe“ von Bob Persichetti und Co. ist ein visuell herausragender Animationsfilm und eine wunderbare Hommage an die amerikanische Comic- und Cartoontradition. Die leicht ruckelige, abgehackte Animation am Anfang ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, ebenso die kantige Optik im Siebdruck-Stil der Figuren – aber dann fühlt man sich kurze Zeit später mitten in das Comic-Multiversum der Spideys hineingezogen.

Die Story ist spannend erzählt und für eine Superheldengeschichte originell und einfallsreich. Spaß machen die vielen unterschiedlichen Spideys, die Dynamik zwischen ihnen und ihre leicht unterschiedlichen Werdegänge – die wiederum voller witziger Anspielungen an die Geschichte des Trickfilms und der Superheldenfilme stecken. Überhaupt kommt der Humor nicht zu kurz. Wobei ich mir vorstellen kann, dass der Film für ein erwachsenes Publikum amüsanter ist als für Kinder. Teenager finden in Miles und Gwen sicher noch Identifikationspotenzial, aber jüngere Kinder dürften sich eher langweilen.

Fazit: Also ich bin begeistert! Lohnt sich!

3. Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft

„Mirai – das Mädchen aus der Zukunft“ von Mamoru Hosoda ist ein wunderschön, detailreich animierter und virtuos gezeichneter Film, dem man ansieht, dass er mit viel Liebe und Hingabe gemacht wurde. Die Handlung ist im Prinzip unterkomplex: Ein kleiner Junge bekommt ein Schwesterchen und wird eifersüchtig, als seine Eltern dem Baby ihre ganze Aufmerksamkeit schenken. Er fühlt sich vernachlässigt, langweilt sich, weil seine Schwester noch viel zu klein ist, um mit ihr zu spielen, und plötzlich ist nicht mehr er der Niedlichste in der Familie, sondern sie. Gemeinheit.

Diese einfache Handlung wird jedoch mit Fantasyelementen kombiniert. Kun, so heißt der kleine Junge, begibt sich auf mehrere Zeitreisen und lernt dabei seine Schwester als Teenager, seine Mutter als Kind und seinen Urgroßvater als jungen Mann kennen. Dabei wird ihm klar, dass er sich mit seinem Trotz und seinem Schmollen selbst im Weg stand, er lernt Toleranz und die Liebe zu seiner Familie. Gut, es ist ein bisschen sentimental und vielleicht ein wenig bieder, aber trotzdem geht einem dabei das Herz auf.

Was ich außerdem spannend fand, war, dass man merkt, wie viel Menschen im Kern eigentlich gemeinsam haben, egal, woher und aus welcher Kultur sie kommen. Überall auf der Welt gibt es Familien, die mit der Vereinbarkeit von Kindern, Beruf und Beziehung kämpfen, gibt es Geschwister, die sich erst nicht ausstehen können, und später doch einen versöhnlichen, friedlichen Umgang miteinander lernen. Ich persönlich fand es außerdem interessant, mal die Perspektive des Erstgeborenen zu sehen und nachvollziehen zu können. Als Nesthäkchen in der Familie weiß man ja nicht, wie das ist, wenn man erst lernen muss, die Fürsorge und Aufmerksamkeit der Eltern mit einem Geschwisterchen zu teilen.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Vor allem, wenn man selbst Geschwister, Kinder, Nichten und Neffen hat, dürfte man sich in der Geschichte wiederfinden.

2. Isle Of Dogs

„Isle of Dogs – Ataris Reise“ von Wes Anderson ist ein wunderbar schräger Stop-Motion-Animationsfilm voller skurriler Einfälle und liebenswerter Figuren. Der Humor lockert die eigentlich ziemlich üble Geschichte um Hunde, die vorgeblich wegen einer grippeähnlichen Seuche namens Schnauzenfieber auf eine Müllinsel deportiert werden, auf. Running Gags wie die Abstimmungen im Hunderudel oder die Tratschlust der Vierbeiner, sobald ein neues Gerücht die Runde macht, sorgen zwischendurch immer wieder für Lacher.

Unter der Oberfläche aber ist „Isle of Dogs“ auch eine Parabel auf die Manipulationstechniken und Propagandamechanismen machthungriger Politiker. Für die Seuche gibt es bereits nach kurzer Zeit ein Heilmittel. Aber die Machthaber brauchen einen Sündenbock – in diesem Fall die Hunde -, um von ihren eigenen Schandtaten und Vergehen abzulenken und die Bevölkerung auf Linie zu halten. Das alles funktioniert jedoch ganz ohne Holzhammer oder erhobenen Zeigefinger. Die ganze Zeit bleibt der Film in einem märchenhaften, verspielten Tonfall.

Ein bisschen unfair fand ich als Katzennärrin, dass die Samtpfoten in dem Film nicht sehr gut wegkommen. Sie leisten den Machthabern Gesellschaft, genießen ihre Vormachtstellung, und lassen ihre Herrchen und Frauchen ohne zu zögern im Sticht, wenn’s Schwierigkeiten gibt. Das dürfte Vorurteile gegenüber den Stubentigern, die viele Menschen pflegen, die keine Ahnung von Katzen haben und wahrscheinlich selbst nie eine hatten, nicht gerade abbauen. Hunde sind treu und loyal, Katzen sind hinterhältige Opportunisten.

Das finde ich ein wenig schade, dass das in einem Film so vorkommt, der eigentlich aufzeigt, wie weit Vorurteile gehen können, wenn man sie nicht hinterfragt. Aber gut, das ist nur ein Randaspekt, der vermutlich kaum jemandem auffallen wird. Und es geht in dem Film nun mal eben auch nicht um Katzen, sondern um Hunde. Also ist das ein bisschen so, wie wenn man „Fight Club“ Frauenhass vorwirft, nur weil’s in dem Film um Männer und ihre Probleme geht, nicht um Frauen. Trotzdem wollte ich es mal angemerkt haben :-

Fazit: Ein toller Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Your Name

„Your Name“ von Makoto Shinkai ist einfach ein wunderbarer Film. Hinter dem Coming-of-Age-Plot mit leichtem Fantasy-Einschlag verbirgt sich eine poetische Geschichte, die philosophische Fragen stellt, ohne jemals ins Kitschige abzudriften. Die liebenswerten Figuren sind vielschichtig gestaltet und man vergisst zwischenzeitlich, dass es sich um Zeichnungen handelt, weil sie so echt wirken, als könnte man sie kennen.

Die visuelle Umsetzung ist grandios, die Bilder so schön, dass man darin versinken möchte. Obwohl am Anfang noch etwas unruhig durch Zuspätkommer und Popcornmampfer, war es nach kurzer Zeit mucksmäuschenstill im ausverkauften Kinosaal. Das habe ich so noch nicht erlebt.

Schade, dass „Your Name“ nicht im regulären Kinoprogramm läuft, sondern nur in vereinzelten Sondervorstellungen. Es ist zwar wohl ein US-Remake geplant, aber die Amis kriegen das garantiert nicht so gefühlvoll, tiefgründig, menschlich und poetisch hin.

Fazit: Wer die Chance dazu bekommt, den Film zu sehen, sollte das tun. Sonst hat man wirklich etwas verpasst.

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86. Stück: Die schlechtesten Filme in 2016

Die besten Filme in 2016 habe ich euch schon verraten. Aber ein filmischer Jahresrückblick darf natürlich auch die Flops nicht verleugnen.

Flop 10 2016: Die größten Enttäuschungen und schlechtesten Filmgurken des Jahres

10. „Café Society“

„Café Society“ von Woody Allen gehört leider zu den schwächeren Filmen meines Lieblingsregisseurs. Der launige Tonfall, die flotte Jazzmusik, Humor und pointierte Dialoge sowie die nostalgische Atmosphäre der höheren Gesellschaft in Hollywood und New York der 30er und 40er Jahre hat er wie gehabt exzellent getroffen … aber leider passiert darüber hinaus nicht wirklich was. Und wenn doch etwas passiert, wird es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen, und munter weitergeplaudert. Dadurch gerät die Handlung leider ins Belanglose, was schade ist, und meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre. Ich habe den Eindruck, Woody Allen hat diesen Film so zwischendurch als Fingerübung gemacht, oder weil er gerade nichts Besseres in der Schublade bereitliegen hatte.

Die Schauspieler machen ihre Sache prima und scheinen viel Spaß zu haben. Kristen Stewart hat mich positiv überrascht, habe ich sie doch noch immer als somnambules, devotes Frauchen aus den „Twilight“-Filmen in Erinnerung. Aber sie kann auch anders. Jesse Eisenbergs Körperhaltung bereitet mir indes ein wenig Sorgen. Der ist jünger als ich und hat schon einen Buckel wie ein 90-Jähriger. In ein paar Jahren hat der übelste Rückenprobleme, vielleicht sogar einen Bandscheibenvorfall. Das tut ja schon beim Zuschauen weh … also ein bisschen Kraftsport und ein Tanzkurs würden wirklich nicht schaden.

Fazit: Daran, dass ich mir über potenzielle Rückenbeschwerden des Hauptdarstellers Gedanken mache, während der Film läuft, kann man eigentlich auch schon erkennen, dass mich die Handlung nicht sonderlich gefesselt hat. Hoffentlich macht Woody Allen als nächstes wieder einen Thriller, das kann er nämlich richtig gut.

9. „The Hateful 8“

„The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino hat mich leider enttäuscht. Vielleicht ist es ja keine schlechte Idee von Tarantino, nur noch zwei Filme zu machen und sich dann aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass er allmählich anfängt, seine Ideen zu wiederholen und unnötig auszuwalzen (wobei Christoph Waltz dieses Mal nicht dabei ist, aber die Rolle von Tim Roth erinnert sehr, sehr stark an die typischen Christoph-Waltz-Figuren). Vielleicht bin ich aber auch einfach mit zu hohen Erwartungen in diesen Film gegangen, sodass ich deswegen enttäuscht bin.

Jedenfalls fand ich das Tempo vom Film unausgewogen, die Spannungskurve zu schlaff. Die erste Hälfte hat noch meine Neugier aufrechterhalten, obwohl das Erzähltempo da gemächlicher war. Aber so baute sich allmählich das gesamte Konstrukt, die brisante Figurenkonstellation auf, was für Spannung sorgte. In der zweiten Hälfte explodiert die Handlung, die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag, das Tempo wirkt übereilt, hektisch und gehetzt. Der Schluss ist dann wieder etwas zu langgezogen geraten. Das passte meiner Meinung nach alles nicht ganz zusammen, wirkte nicht stimmig.

Ich denke, dem Film hätte es gut getan, wenn er eine Stunde kürzer gewesen, dafür aber schneller auf den Punkt gekommen wäre und die Action etwas stimmiger verteilt hätte. Kammerspiele können sehr spannend sein, erst recht, wenn eine so konfliktträchtige Figurenkonstellation im Mittelpunkt steht. Die psychologische Spannung eines Kammerspiels über gut drei Stunden zu halten, ist jedoch äußerst schwierig, und in diesem Fall meines Erachtens nicht gelungen.

Fazit: Lieber noch mal einen der älteren Tarantino-Filme gucken oder Erwartungen ein wenig herunterschrauben.

8. „Legend“

„Legend“ von Brian Helgeland ist zwar eine fantastische Schauspielerleistung von Tom Hardy, aber als Film insgesamt nur mittelmäßig. Die große Stärke des Films – Tom Hardys wirklich virtuose Wandlungsfähigkeit in der Doppelrolle der Kray-Zwillinge – ist leider gleichzeitig auch seine Schwäche. Es scheint, als habe man sich zu sehr darauf verlassen, dass Hardy den Film schon trägt, und als habe man darüber die anderen Aspekte, die einen mittelmäßigen von einem herausragenden Film unterscheiden, vernachlässigt.

Die Handlung dümpelt vor sich hin, ohne wirklich Fahrt aufzunehmen. Es sind zwar pflichtgemäß die meisten Handlungsmotive für das Genre Gangsterfilm vorhanden: Aufstieg und Fall der Gangstergrößen, Drogen, Gier, Gewalt und Wahnsinn führen zum Absturz, eine junge hübsche Frau, die sich wünscht, ihr Mann möge ehrlich werden … Aber der Rhythmus ist zu unentschlossen, das Tempo nicht stimmig, die Spannungskurve kaum zu erkennen. Die mise en scène ist durchaus gelungen, man fühlt sich ins London der 60er Jahre hineinversetzt. Der Soundtrack ist nicht schlecht. Aber es reißt einen nicht wirklich mit.

Irgendwie wirkt der Film ein wenig … feige. Als hätte man sich nicht so recht entschließen können, ob man die Kray-Zwillinge nun als brutale, skrupellose Gangster oder als eigentlich ganz sympathische Halunken darstellen wollte. Und statt zu versuchen, sie zunächst richtig sympathisch einzuführen, damit hinterher die Fallhöhe größer ist, wenn sie sich als brutale, skrupellose Gangster entpuppen, wabert es die ganze Zeit irgendwo dazwischen. Das macht es schwierig, mit den Figuren mitzufiebern, trotz dem tollen Schauspiel. Wenn man den Film mit anderen Gangsterfilmen vergleicht, wie zum Beispiel „Goodfellas“, dann wirkt er leider etwas schwach.

Fazit: Tom Hardy in der Doppelrolle lohnt schon das Ansehen, aber ein Muss ist der Film trotzdem nicht.

7. „Ice Age – Kollision voraus!“

„Ice Age – Kollision voraus!“ ist der fünfte Teil der Reihe und nicht sonderlich einfallsreich. Scrat rettet wieder einmal den Film vor der völligen Belanglosigkeit und sorgt für die meisten Lacher, ansonsten ist die Handlung dieses Mal wirklich mau. Ein riesiger Komet rast auf die Erde zu und die Freunde Manni, Diego und Sid nebst Anhang müssen sie retten[spoiler], was sie auch schaffen[/spoiler]. Ja. Das war’s auch schon. Ach so, und dann gibt’s noch ganz viel Familienschnulz, schließlich muss man die über 90 Minuten ja irgendwie füllen. Die Dialoge triefen vor klischeehaftem Platitüdenkitschquark, alle haben sich lieb und die Konflikte lösen sich sämtlich in Wohlgefallen auf. Na gut, man will vermutlich der Hauptzielgruppe (Familien mit Kindern) den Popo pudern, deswegen muss man dann die Figuren so Zeugs sagen lassen wie „Hach, unser kleines Mädchen ist erwachsen geworden“, „Man muss loslassen“ und überhaupt, man müsse nur an sich glauben und sich selbst treu bleiben, dann schaffe man alles, lebe deine Träume, aber träume nicht dein Leben, ein Leben ohne Lächeln ist ein verlorener Tag und Morgenstund hat Gold im Mund.

Fazit: Ist nicht wirklich toll, aber auch nicht komplett scheiße. Scrat ist super und der Film insgesamt zwar überraschungsfrei und so tiefsinnig wie eine Pfütze im Hochsommer, aber die restlichen Figuren sind nach wie vor niedlich, sodass das Ganze immerhin ganz nett ist und in jedem Fall eine prima Beschäftigung, um dem Hamburger Schmuddelwetter zu entkommen.

6. „Victor Frankenstein“

„Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ von Paul McGuigan kommt einfach nicht aus dem Quark und enttäuscht auf ganzer Linie. Dabei ist der Ansatz interessant: Die Geschichte wird aus Sicht von Igor, Frankensteins Assistenten, erzählt und würde somit einen neuen Blickwinkel auf die altbekannte Handlung erlauben. Mit Daniel Radcliffe als Igor, James McAvoy als Victor Frankenstein und Dr. Moriarty-äh-Andrew Scott als Inspector Turpin ist der Film auch noch herausragend besetzt, sogar die Love-Interest-Alibifrau Jessica Brown Findlay als Lorelei macht einen tollen Job und schafft es, ihrer Nebenfigur Profil und Persönlichkeit zu verleihen. Die mise en scène und die Kostüme sind ebenfalls großartig und entführen den Zuschauer in das London des späten 19. Jahrhunderts. Nach einem starken Anfang mit spannender, actiongeladener Fluchtszene ebbt der Film jedoch komplett ab und dümpelt danach trantütig seinem viel zu späten Ende entgegen.

Das Problem bei „Victor Frankenstein“ ist, dass zu viel behauptet und zu wenig gesagt, gedacht, gefühlt und getan wird. Man sieht und hört fast zwei Stunden lang vier Talking Heads beim Moralisieren und Thesenaufstellen zu. Dabei stehen Victor Frankenstein, Inspektor Turpin und Lorelei jeweils für eine bestimmte These in Bezug auf das Erschaffen von neuem Leben durch den Menschen. Frankenstein, wahnsinnig vor Ehrgeiz, will unbedingt Leben erschaffen, weil [spoiler]er Schuldgefühle wegen seines toten Bruders hat [/spoiler]oder so. Inspektor Turpin glaubt laut Drehbuch ganz doll an Gott, was sich daran erkennen lässt, dass ständig in Nahaufnahme das Kreuz und der Rosenkranz gezeigt werden, die er fest in den Händen hält. Deswegen ist er aus Prinzip dagegen, dass der Mensch Gott spielt und damit basta. Lorelei hingegen ist die Stimme des Herzens und der Liebe, sie ermutigt Igor, auf sein Gewissen zu hören und seiner Intuition zu vertrauen (merkt dabei aber nicht, dass sie Igor genauso bequatscht und in ihre – wenn auch menschlich-liebevolle – Ideologie einzubinden und zu manipulieren versucht.) Das ist eigentlich hochspannend und mit etwas mehr Tempo, pointierten Dialogen, raffinierten Schnitten und schärferer, entschlossenerer Figurencharakterisierung wäre das auch eine coole Sache geworden. Insbesondere dadurch, dass mit dem Vierten im Bunde, Hauptfigur und Erzähler Igor, eine Zwischenstellung inmitten dieser drei grundverschiedenen Positionen vorhanden ist. Er verspürt den Wissensdurst, Forschergeist und Ehrgeiz von Frankenstein, spürt jedoch die Menschenliebe und das unbestimmte Gefühl schlechten Gewissens beim Gedanken, den Toten nicht ihre Ruhe zu gönnen, wie Lorelei. Und ein leichtes Unbehagen beim Gedanken, Gott zu spielen, grummelt da auch in seinem Hinterkopf, wenn auch nicht so fanatisch wie beim Inspektor.

Leider hat das nicht geklappt. Die Figur des Inspektors wirkt völlig überflüssig und redundant, er findet immer nur das heraus, was der Zuschauer schon längst weiß, und hinkt mit seinen Erkenntnissen im Vergleich zur Zuschauerinformiertheit meilenweit hinterher. Sein Glaube wirkt aufgesetzt und überzeugt kein Stück, es sei denn, man ist ohnehin selber strenggläubig und von vorneherein prinzipiell seiner Meinung, aber dann schaut man sich ja so einen Film gar nicht erst an. Mit Ausnahme Igors machen keine der Figuren eine Entwicklung durch, sie haben von Anfang an dieselbe Einstellung, dieselbe Haltung und lassen sich durch nichts davon abbringen. Wie Engelchen und Teufelchen, Über-Ich und Es zerren sie alle an Igor und seinem Selbstverständnis, seinem Gewissen, und wollen ihn auf ihre Seite ziehen. Das passiert aber so lahm und lustlos, dass keinerlei Spannung entsteht. Die an sich fantastischen Schauspieler werden – so scheint es – vom Regisseur völlig alleine gelassen. Mit großer Anstrengung schwimmen sie gegen das zähe Drehbuch, die wächserne Figurenkonzeption und die starren Dialoge an, ohne dass es ihnen gelingt, irgendwo Fuß zu fassen.

Fazit: Der Film hätte Potenzial gehabt, ist aber komplett in die Grütze gegangen. Schade. Lohnt sich nicht.

5. „Das Morgan Projekt“

„Das Morgan Projekt“ von Luke Scott hatte eine interessante Grundidee, aber das war’s dann auch schon. Als Kurzfilm hätte das wunderbar funktioniert und wäre spannend geworden. Für einen abendfüllenden Spielfilm jedoch war das zu wenig. Die überraschend gemeinte Pointe am Schluss hatte ich – die ich für gewöhnlich schwer von Begriff bin – bereits nach fünf Minuten geahnt und musste dann noch 85 Minuten darauf warten, dass das dann auch bestätigt wurde.

Im Grunde wird fast der ganze Film auch schon im Titel verraten, es fehlt nur der Zusatz „Das Morgan Projekt scheitert“. In den ersten zehn bis 15 Minuten wird das Morgan Projekt erklärt – wie gesagt, interessante Grundidee mit der KI und der genetischen Modifikation künstlicher Menschen – und der Rest zeigt dann, wie dieses Projekt gründlich in die Grütze geht und in einem Blutbad endet. Dann noch kurz die vorhersehbare Pointe und fertig ist die Laube.

Mit einer etwas detailreicheren Figurencharakterisierung hätte man aus dem Film viel mehr machen können. Stattdessen bleiben alle Figuren flach, holzschnittartig und langweilig. Es ist einem als Zuschauer vollkommen gleichgültig, was mit ihnen passiert, welche Entscheidungen sie treffen und warum. Eigentlich sollte man zumindest mit Morgan mitfiebern und Sympathien für sie empfinden, damit ihre spätere Entwicklung einen kümmert und etwas bedeutet.

Das ist schade um die Schauspieler, die eigentlich ihre Sache ganz gut machen – so gut es eben geht, wenn einem das Drehbuch so wenig Material zum Arbeiten liefert. Vor allem Anya Taylor-Joy scheint mir eigentlich eine gute Schauspielerin und ein vielversprechendes Nachwuchstalent zu sein. Doch nun ist das nach „The Witch“ schon der zweite Film mit ihr in der Hauptrolle, der echt nicht gelungen war und sein Potenzial in die Tonne getreten hat. Ärgerlich!

Fazit: Lohnt sich nicht. Dann lieber „Ex Machina“ noch mal gucken.

4. „Batman V Superman“

„Batman v Superman“ von Zack Snyder hat mich enttäuscht. Ich dachte, bei all den schlechten Kritiken kann er so schlimm nicht sein …

Doch.

Es lag vielleicht auch daran, dass ich „Man of Steel“ nicht mehr so im Kopf hatte und mich mit den Comicvorlagen nicht auskenne – ich habe bislang nur die Filme gesehen. Deswegen habe ich in der ersten Hälfte überhaupt nicht kapiert, was die Leute alle eigentlich für ein Problem haben. Warum hassen plötzlich alle Superman? Wieso hat Batman ihn so auf den Kieker? Wer ist der Flugheini, mit dem sich Superman zu Beginn prügelt und dabei die ganze Stadt zermalmt? Wieso ist der Rollstuhltyp pissig auf Bruce Wayne, der ihm das Leben gerettet hat? Was genau will Lex Luthor eigentlich? Fragen über Fragen …

Das Unterhaltendste an dem Film war dann auch die Pause, wo meine beiden Begleiter mir zumindest einen Teil der Fragen beantworten konnten und sich der Herr neben uns vergnügt einmischte, um über Sinn und Logik von Superheldenfilmen zu diskutieren. Gut, den Seitenhieb, wenn man Logik suche, könne man sich ja Rosamunde-Pilcher-Filme anschauen, hätte man mit etwas bösem Willen als eine Spur frauenfeindlich interpretieren können. Aber na ja, ich habe mich auch über die männliche Eitelkeit dieser beiden Superhelden lustig gemacht, also hab ich quasi angefangen 😛 Die männliche Eitelkeit dieser beiden Supertrottel, die nicht peilen, dass sie beide denselben Feind haben, ist aber auch wirklich albern! Überhaupt ist dieser Konflikt völlig an den Haaren herbeigezogen und einfach nur idiotisch. Auf der anderen Seite, wäre Batman zu Superman hingegangen und hätte gesagt „Moinsen, du sachma, dieser Lex Luthor, ne, das ist doch ein vollkommen wahnsinniger, gemeingefährlicher Psychopath, der die Welt zerstören will. Wollen wir den nicht zusammen aufhalten, ist lustiger als alleine“ und Superman hätte dann geantwortet: „OK“ -> Dann wäre der Film ja schon nach einer Minute aus gewesen und man hätte keinen Grund gehabt, lauter Sachen in die Luft zu jagen. Und das geht ja nun auch nicht.

Die zweite Hälfte war dann nicht ganz so schlimm, dann musste man auch nicht mehr so lange auf Wonder Woman warten – die übrigens supercoole Kleider tragen durfte, nur so nebenbei. Dann haben sich die beiden Gockel ja auch endlich zusammengerauft und man musste diesen vollkommen lächerlichen Männerzickenkrieg, das Säbelgerassel und den Schwanzvergleich nicht länger ertragen.

Die Dialoge waren platt und dümmlich, die Story hanebüchen und wirr erzählt, ohne Vorkenntnisse kaum nachvollziehbar. Ben Affleck trägt als Batman seinen einen Gesichtsausdruck tapfer spazieren, wirkt ansonsten aber ziemlich lustlos. Man kann argumentieren, dass auch sein Batman völlig am Arsch ist und seine Darstellung somit zur Figur passt. Es ist aber auch so, dass er es nicht besser kann. Henry Cavill als Superman macht seinen Job OK. Die wunderbare Amy Adams ist als Lois Lane gnadenlos unterfordert. Der Einzige, bei dem es Spaß macht, zuzugucken, ist Jesse Eisenberg als vollkommen durchgeknallter Lex Luthor. Er erinnert zuweilen fast an Heath Ledger als Joker.

Fazit: Ach, das reicht, wenn man den Trailer gesehen hat.

3. „The Witch“

„The Witch“ von Robert Eggers hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich hatte subtilen Grusel, psychologischen Tiefgang und emotional berührende, menschliche Dramen à la „Babadook“ oder „Das Waisenhaus“ erwartet, doch die Figuren laden einen hier überhaupt nicht dazu ein, mit ihnen mitzufiebern und auf ein gutes Ende für sie zu hoffen. Wie soll denn da Spannung und Schrecken in einem Horrorfilm entstehen, wenn man die Figuren nicht leiden kann? Dann ist es einem doch völlig wumpe, was mit ihnen passiert. Gut, ich muss dazu sagen, ich bin da nicht ganz objektiv. Ich kann diesen religiösen Fanatismus, den man über allen gesunden Menschenverstand stellt, einfach nicht nachvollziehen. Meine Güte, dann interpretieren die Heinis im Dorf die Bibel eben anders als der Familienvater, das ist doch kein Grund, stur auf seinem Recht zu beharren und dafür in Kauf zu nehmen, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Vor allem ist das einfach nur extrem dumm, wenn man ohne diese Gemeinschaft nichts zustande kriegt und einem die ganze Familie in der Einöde durchdreht. Aber gut, das war halt die Prämisse des Films, sonst hätte es keine Geschichte gegeben.

Übrigens beruht dieser Film teilweise auf historischen Dokumenten, solche ähnlichen Vorkommnisse hat es also wirklich im 17. Jahrhundert in den USA gegeben. Gemixt wurde dies mit Volkssagen, was ich eigentlich einen interessanten, spannenden Ansatz finde. Trotzdem reicht das nicht aus für einen letzten Endes fiktionalen Film. Da muss man auch ein wenig Erzählkunst anwenden, Spannung aufbauen, die Figuren so charakterisieren, dass sie um die Gunst der Zuschauer buhlen. Es sei denn, man will partout einen öden, schnarchlangweiligen Film machen, dann ist das aber dem Publikum gegenüber unfair, den Kram als Horror- oder Gruselfilm zu verkaufen. Am Ende [spoiler]wird zwar noch mal tüchtig herumgesplattert, aber ohne den Humor von Quentin Tarantino wirkt das einfach nur völlig daneben, bescheuert und albern.[/spoiler] Na ja, wenigstens dauert der Unsinn nicht viel mehr als 90 Minuten.

Nichtsdestotrotz kann ich verstehen, warum der Film so gute Kritiken in der Presse bekommen hat. Für Cineasten, Intellektuelle und Irgendwas-mit-Medien-und-Film-Studenten bietet dieser Mumpitz nämlich einige Interpretationsansätze. Wer was mit Filmen oder Erzähltheorie oder Kulturwissenschaften studiert, aufgemerkt: Hier kommen ein paar Ideen für Hausarbeiten. So kann man den Film zum Beispiel historisch analysieren und gucken, wie die Originaldokumente eingebunden wurden, vielleicht auch eine Parallele zu unserer heutigen Zeit ziehen und schauen, wo uns religiöser Fanatismus und wahnhafte Verblendung heutzutage begegnen. Man kann aber auch wunderbar eine psychoanalytische Interpretation nach Freudschem Vorbild an dem Film versuchen. Wir haben da ein junges Mädchen und ihren jüngeren Bruder, die allmählich ihre Sexualität entdecken, und huch!, der Bruder wird sich gewahr, dass seine Schwester Brüste bekommt. Die Mutter wird rasend eifersüchtig auf die Tochter, der Vater hat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu ihr. Herrlich, ein Fest für Freudianer, da haben wir Inzest (oder fast), Kastrationskomplexe (der Vater hackt dauernd Holz wie ein Verrückter, weil er nämlich sonst nichts kann, also sprichwörtlich impotent ist), Penisneid, Ödipus-Komplex und auch noch gleich zwei gar prächtige Phallussymbole in Form der [spoiler]Hörner des satanischen Ziegenbocks[/spoiler]. Und man kann außerdem die Wirklichkeitskonstruktion im Film auseinander nehmen: Was ist in der erzählten Welt real passiert, was waren nur Träume, Visionen, Einbildungen, die dem schleichenden Wahn aufgrund von Mangelernährung, Isolation, Einsamkeit, Trauer, Langeweile und religiösem Übereifer geschuldet sind?

Fazit: Sofern man nicht studiert und ein Seminarthema sucht oder sich gern 90 Minuten lang im Kino quält, weil er meint, je öder ein Film, desto anspruchsvoller ist er und desto schlauer, toller und besser ist man selbst, weil man den Käse erträgt, kann man sich den Film sparen.

2. „Ben Hur“

„Ben Hur“ von Timur Bekmambetov ist tatsächlich ziemlich schlecht. Nicht ganz so schlimm wie „Jupiter Ascending“ – es gibt immerhin ein paar spannende Szenen und das Wagenrennen ist zugegebenermaßen sehr gelungen -, aber dennoch nicht gut gemacht. Aber ich fange mal ganz von vorne an:

Es waren einmal zwei dauerpubertierende Knalltüten, die sich ständig gegenseitig beweisen mussten, wer den Größten hat. Der eine hatte Minderwertigkeitskomplexe und lief deswegen immer mit ausgekugelter Unterlippe und dauerbeleidigtem Schmollmund herum. Der andere war ein ganz normaler Trottel, der das Glück hatte, in eine wohlhabende Familie hineingeboren worden zu sein, und später das Pech hatte, dass sein Bruder ein rachsüchtiger, eitler Gockel ist, der den Machthabern partout in den Allerwertesten kriechen wollte. [spoiler]Er landet als Sklave in einer Galeere, sie geht unter, er nicht. Dann taucht Morgan Freeman auf, guckt weise und brummt einen Kalenderspruch nach dem nächsten vor sich hin (er ist auch der Erzähler der ganzen Chose, schildert das Geschehen jedoch etwas pathetischer und salbungsvoller als meine Wenigkeit, die ich für dümmliche Schwanzvergleiche unter zwei Idioten nichts übrig habe). Und dann gibt’s ein (wie gesagt, fesselnd inszeniertes) Wagenrennen, dezent symbolträchtig fährt der Heini, der zu den Guten gehört, mit vier weißen Pferden und der Abtrünnige mit dem Backpfeifengesicht mit vier schwarzen Pferden im Kreis.

Überraschung: Der Gute gewinnt, wenn auch knapp. Dann könnte der Film eigentlich zuende sein, aber man muss ja irgendwie noch rechtfertigen, dass zwischendurch Jesus auftaucht und spricht, wie der Kater von Shrek (aber nicht so süße Stiefelchen anhat). Warum er wie der Klischee-Latino vom Dienst daherkommt, wird nicht erklärt, aber auf jeden Fall sagt Jesus viele schlaue Sachen (denen ich auch zustimmen würde) und ist ein sehr netter Kerl. Gekreuzigt wird er trotzdem und dann fängt es ganz dramatisch an zu regnen und dieser Wunderregen heilt schwuppdiwupp die leprakranken Mutter und Schwester von Ben Hur. Mit dem Bruder ist zum Schluss auch wieder alles paletti, auch, wenn er nicht nur das Rennen, sondern auch ein Bein verloren hat und seine Soldatenehre in die Tonne kloppen kann. Der Film endet schließlich damit, dass sich alle wieder vertragen und fröhlich durch die Gegend reiten und die beiden Knalltüten wieder um die Wette pesen.[/spoiler]

Zum Glück ist der Film aber nicht so lang. Allerdings hätte man sich schon etwas mehr Mühe geben und Zeit lassen können, um die Charakterzeichnung etwas komplexer zu gestalten. Die Figurenmotivation wirkte aufgesetzt und nicht nachvollziehbar. Die Leute haben getan, was sie getan haben, weil es im Drehbuch stand, nicht, weil es einer inneren Logik der Figurencharakterisierung und Logik der erzählten Welt folgte. Bis zum Wagenrennen rast der Film durch die einzelnen Ereignisstationen, frühstückt sie möglichst schnell ab, danach versinkt der ganze Murks in Schmalz und religiösem Quatsch. Das war dann nur noch unfreiwillig komisch, soweit, dass ich meine ganze Selbstbeherrschung auffahren musste, um nicht „Always look on the bright side of life“ *phüphü-phüphü-phüphüphüphü* zu singen / zu pfeifen.

Ach so, und noch was: Den Film mit Charlton Heston habe ich nie gesehen – ich habe diese Version also ohne Vergleichsmöglichkeiten angeschaut.

Fazit: Der Film wirkt lieblos heruntergenudelt, die Figuren sind flach, die Inszenierung gehetzt und unausgegoren, die Schauspieler wirken wie Falschgeld und orgeln mäßig motiviert ihren Text herunter. Ein guter Film sieht anders aus. Kann man sich aus Jux aber trotzdem mal anschauen, wenn er zum Beispiel auf Netflix läuft.

1. „Die Bestimmung – Allegiant“

„Die Bestimmung – Allegiant“ von Robert Schwentke ist der dritte Teil der Verfilmungen der Romantrilogie von Veronica Roth. Aus unerfindlichen Gründen wurde auch der dritte Band der Romanreihe für die Filmadaption in zwei Teile zerhackstückt. Damit das überhaupt einigermaßen zu rechtfertigen ist, hat man sich kurzerhand fast vollständig von der literarischen Vorlage gelöst und einen eigenen Quark zusammengerührt. Geblieben sind die Namen der Figuren und die Ausgangssituation mit den fünf Fraktionen, dem Chaos nach deren Zusammenbruch sowie das Setting in der Stadt Chicago. Das, was sich hinter der Mauer befindet, entspricht ebenfalls zumindest grob vom Prinzip her dem, was im Buch beschrieben wird.

Das, was aus der spannenden, interessanten Ausgangssituation gemacht wird, ist leider völliger Mist. Die Dialoge bestehen – wie auch schon in der misslungenen Verfilmung von „Die Auserwählten in der Brandwüste“ – im Wesentlichen aus „Lauft!“ „Kommt schnell!“ und „Wir müssen hier weg!“ (Ach, nee!?). Immerhin, und das ist eine Verbesserung im Vergleich zum zweiten Teil der Filmreihe, turteln Four und Tris diesesmal mangels Zeit und Gelegenheit weniger miteinander herum, sodass man dieses unsympathische Liebespaar nicht zu oft ertragen muss. Nur schade, dass auch die sympathischen Nebenfiguren zu kurz kommen, insbesondere Peter, der nicht nur mit dem großartigen Miles Teller besetzt, sondern als Figur bereits im Buch schon am spannendsten war, wird hier holzschnittartig zu einem simplen Verräter zusammengestampft.

Und es tut mir leid, aber es ist einfach albern, Teenagerrollen mit erwachsenen Männern zu besetzen, denen man ansieht, dass sie fast 30 sind. Theo James ist halt einfach kein herausragender Schauspieler und wäre als Lichtdouble von Moritz Bleibtreu besser aufgehoben. Gegen Shailene Woodley habe ich im Grunde nichts, aber auch sie bleibt flach und langweilig.

Die dürftige Handlung wurde künstlich aufgeplüscht, indem willkürlich ständig irgendwelche Schießereien, Kämpfe und Prügeleien auf Teufel komm‘ raus ausbrechen. Zum Glück haben sie alle so tolle Waffen und ausreichend Munition, ansonsten wäre das Revolutionspielen ruckzuck vorbei. Da hat man sich wohl ganz an das heilige Motto gehalten, dass einen Bösewicht mit Waffe nur ein guter Held mit Waffe aufhalten könne. Schön, dass das immerhin auf der Leinwand zuverlässig funktioniert, aber ich habe noch ein Motto für meine werte Leserschaft: „Don’t try this at home, kids“ – In der Realität ist es immer noch so, dass Gewalt grundsätzlich Gegengewalt erzeugt und nur eine friedliche Lösung eine echte, nachhaltige Lösung ist. Im Buch wurde das zwar auch nicht so ganz beherzigt, aber ein wenig vielschichtiger war das Ganze dann doch.

Wirklich spannend wird es dementsprechend auch nicht. Ein bisschen Nervenkitzel kam erst auf, als eine Maus im Kinosaal frech von rechts nach links durchs Parkett huschte und ein paar Minuten später von links nach rechts zurücksauste. Verständlich, so wie viele Kinobesucher mit Popcorn herumsauen und nach dem Kinobesuch halbvolle Nacho-Schalen mit Käsesoße auf den Sitzen und dem Fußboden liegen lassen. Da würde ich mich als Maus auch wie im Schlaraffenland fühlen. Die sind ja eigentlich auch ganz niedlich, die Tierchen. Aber eingedenk der Tatsache, dass sie Krankheiten übertragen können, möchte man sie vielleicht nicht so gerne wenige Meter entfernt durch den Kinosaal flitzen sehen.

Fazit: Dieser Film ist Murks, kann man sich sparen. Lest lieber die Bücher.

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85. Stück: Die besten Filme in 2016

Das Jahr 2016 war ein sehr filmreiches Jahr – ich habe meine Kino-Abo-Karte großzügig genutzt. Hier kommt nun ein ganz objektives, überhaupt nicht willkürliches Ranking, welche Filme mir am besten gefallen haben. (Anmerkung: Ich gehe nicht vom Produktionsjahr aus, sondern von dem Jahr, in dem ich den Film im Kino gesehen habe).

Top 10 – Diese Filme haben mich 2016 am meisten beeindruckt oder begeistert:

10. „Elvis & Nixon“

„Elvis & Nixon“ von Liza Johnson ist ein wunderbarer kleiner Film, der sowohl die Entertainer-Legende Elvis Presley als auch den Unsympathen vom Dienst Richard Nixon von einer überraschenden Seite zeigt. Michael Shannon und Kevin Spacey spielen ihre Figuren mit einer Freude, die ansteckend ist, und schaffen es, den skurrilen Charakteren etwas Liebenswertes und Menschliches zu verleihen. Außerdem harmonieren die beiden prächtig miteinander und man wird in diesem Film Zeuge wirklich hervorragender Schauspielkunst.

Elvis Presley wirkt einerseits weltfremd und abgehoben, andererseits aber auch rührend kindlich in seinem unbedingten Willen, seinem Land zu helfen. Er erinnert ein wenig an Til Schweiger, der der deutschen Bundeswehr tonnenweise Nutella ins Krisengebiet liefern lässt. Und Richard Nixon wird bei seiner Begegnung mit dem Künstler, den er vorher genervt so schnell wie möglich abwimmeln wollte, plötzlich zu einem umgänglichen, neugierigen und vergnügten Menschen. Wer hätte gedacht, dass diese beiden Persönlichkeiten Gemeinsamkeiten haben könnten?

Fazit: Lohnt sich! Also nicht nur die großen Blockbuster wie „Star Wars: Rogue One“ schauen, sondern ruhig auch mal den leisen, zurückhaltenden Filmjuwelen eine Chance geben.

9. „Hail, Caesar!“

„Hail, Caesar!“ von den Coen-Brüdern macht unheimlich Spaß. Nur schade, dass er so kurz ist, er hätte auch noch ein paar Minuten länger unterhalten. Aber besser so als andersherum. Das Schöne an dem Film ist, dass alle Figuren sympathisch und im Kern eigentlich nett sind. Niemand will hier irgendwem schaden, niemand ist boshaft oder absichtlich gemein. Natürlich haben alle auch ihre Schwächen und Fehler, bauen Mist oder verrennen sich in Ideen, die mit der Realität nicht vereinbar sind. Aber dabei sind die Figuren tapsig und naiv, glauben Gutes zu tun oder bemühen sich wenigstens – das ist zur Abwechslung einfach mal toll.

Fazit: Lohnt sich!

8. „The Revenant“

Nachdem ich „Birdman“ von Alejandro González Iñárritu reichlich langatmig und affektiert fand, war ich skeptisch, ob ich mir „The Revenant“ vom selben Regisseur anschauen sollte. Zum Glück bin ich seit ein paar Wochen stolze Besitzerin eines Kino-Flatrate-Abos. Zum Glück deshalb, weil ich mir den Film sonst aus Geiz und Vorbehalt nicht angesehen und wirklich etwas verpasst hätte. Eines schon mal vorweg: Die Golden Globes sind vollkommen berechtigt und ich denke, der eine oder andere Oscar müsste auch drin sein. Und zwar endlich einmal für Leonardo DiCaprio. Das kann ja wohl nicht angehen, dass er wieder nur eine Nominierung bekommt.

DiCaprio sowie Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter und alle anderen Schauspieler sind einfach großartig! Das ist fantastisches Handwerk und Talent, das vom Regisseur absolut gekonnt in Szene gesetzt wurde. Die eigentliche Hauptrolle aber spielt die Natur in „The Revenant“. Normalerweise bedeutet es, dass mich die Handlung ins Halbkoma langweilt, wenn mir die tolle Landschaft auffällt. Dann denke ich hinterher: „Na ja … war schön gefilmt *gähn*“ Die Handlung ist hier zwar auch nicht sonderlich komplex, halt eine Rachegeschichte, aber sie ist so eng mit der Natur verflochten, dass sich daraus eine ganz eigentümliche Spannung entwickelt. Trotz der 157 Minuten lief ich keine Sekunde Gefahr einzuschlafen.

Fazit: Der Film ist richtig gut! Unbedingt anschauen!

7. „Die Melodie des Meeres“

„Die Melodie des Meeres“ von Tomm Moore ist ein wunderschöner Zeichentrickfilm. In nostalgisch anmutenden, zweidimensionalen Aquarellbildern und mit liebevoll gestalteten Figuren wird eine Märchengeschichte aus dem Reich der keltischen Mythologie erzählt. Untermalt werden die zauberhaften Bilder von einer geheimnisvollen, keltisch-traditionell klingenden Musik. Das Grundthema sind Verlust und der Umgang mit Trauer und anderen negativen Gefühlen.

Für Kinder könnte das eventuell zu ernst sein und das stille, ruhige, verträumte Erzähltempo zu langsam. Ich hatte zumindest den Eindruck, dass die Kleinen im Publikum ein wenig Schwierigkeiten hatten, sich zu konzentrieren. Leider gibt es nicht viele Erwachsene, die sich ihren Sinn fürs Geheimnisvolle und Magische bewahrt haben, und das nicht als albernen Kinderkram abtun. So wenige Vorstellungen, wie es von diesem kleinen Filmjuwel gab, lassen nicht darauf hoffen, dass es ein größeres Publikum erreicht.

6. „Raum“

„Raum“ von Lenny Abrahamson ist ein stiller Film, der einem an die Nieren geht. Das Erzähltempo ist zwar recht gemächlich und es passiert – zumindest bei der äußerlich sichtbaren Handlung – nicht viel. Dennoch fand ich den Film spannend und ergreifend. Wie die Mutter und ihr kleiner Sohn sich zunächst im Raum ihre eigene Welt aufgebaut haben, um zu überleben, und hinterher erst allmählich wieder Schritt für Schritt mühsam zurück in die wirkliche Welt finden, ist erschütternd und von Brie Larson sowie Jacob Tremblay eindrucksvoll und überzeugend gespielt.

Fazit: Ein ungewöhnlicher Film, der mit leisen Tönen zu berühren weiß. Lohnt sich!

5. „The Big Short“

„The Big Short“ von Adam McKay liefert einen unterhaltsamen und erschütternden Einblick in die Hintergründe der Finanzkrise von 2008. Ich habe mich nie wirklich für Weltwirtschaft interessiert, für Aktienkurse und diesen ganzen Kram. Aber ich kann es nicht leiden, wenn ich etwas nicht verstehe, und während der Krise flogen mir immer mehr völlig unverständliche Begriffe um die Ohren, die mich dann doch neugierig gemacht haben. „Subprimes“, „Hedgefonds“, „CPO“, „Hypothekenanleihen“, … da wird einem schwindelig. Der Film holt so ahnungslose Trottel wie mich, die ernsthaft noch daran glauben, man könnte mit ehrlicher Arbeit einigermaßen reich werden, dort ab, wo sie stehen. Bei den wichtigsten Begriffen hält der Film kurz inne, erläutert die Bedeutung, veranschaulicht das Prinzip mit einem Beispiel, und dann geht es mit der Geschichte weiter.

Für Leute, die sich damit schon gut auskennen, und denen bei diesem ganzen Bankersprech nicht der Kopf schwirrt, ist das womöglich eine störende Unterbrechung des Erzählflusses. Doch mir hat das gefallen, weil ich den Eindruck habe, tatsächlich einiges gelernt und begriffen zu haben. Außerdem ist der Grundtonfall des Films durchaus humorvoll, die Protagonisten irgendwie sympathisch – auch, wenn sie streng genommen ganz schön skrupellose Arschlöcher sind, die sich an der Dummheit und den Träumen armer Menschen bereichern.

Obwohl ich jetzt das Prinzip verstanden habe – es ist eigentlich relativ simpel – bin ich trotzdem fassungslos. Wie! Kann! Man! Nur! Gerade, weil das Prinzip so einfach ist, hätte man es doch als Branchenkenner sofort durchschauen müssen. Das heißt, die Beteiligten haben alle fröhlich mitgezockt und auf die Konsequenzen gepfiffen. Und warum auch nicht? Die Wirtschaft hat sich wieder erholt, das tut sie immer irgendwie, und wer das Geld hat, hat das Sagen. Trotzdem stellt sich mir die Frage: Haben die denn überhaupt gar kein Verantwortungsgefühl? Überhaupt kein Mitgefühl?

Fazit: Ein wichtiger Film, der an die Nieren geht, aber trotzdem unterhält und informiert. Lohnt sich! Und ich schau mir jetzt ein Katzenvideo an, um meinen Glauben an das Gute in der Welt wieder etwas aufzubauen.

4. „Arrival“

„Arrival“ von Denis Villeneuve ist ein ungewöhnlicher Science-Fiction-Film mit zutiefst pazifistischer Botschaft. Da soll noch mal einer sagen, Geisteswissenschaften wären zu nichts nutze. Ha! Bäm! Ätschibätsch! Sind sie nämlich doch! Zumindest, wenn man sich wie Dr. Louise Banks (Amy Adams) in dem Film mit Linguistik beschäftigt und mit Kommunikation auskennt, kann man die Menschheit offenbar vor einem intergalaktischen Mordskonflikt bewahren. Gut, sie bekommt dabei Hilfe vom Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner). Und das Militär stellt ihr immerhin die benötigten Mittel zur Verfügung, die wohl insgesamt von Steuergeldern finanziert sein dürften, also hat genaugenommen jeder irgendwie mehr oder weniger dazu beigetragen, dass die Wissenschaftler ihre Arbeit machen können.

Aber nichtsdestoweniger zeigte „Arrival“ ganz deutlich, dass man mit Köpfchen, Miteinanderreden und Völkerverständigung viel mehr bewirken kann, als mit Säbelgerassel, Muskelspielen, sogenanntem Stärkezeigen, Krachbummpardauz-Waffengedöns und dem ganzen restlichen Idiotenkram, den Populisten und ihre Anhänger für so zielführend und zweckdienlich erachten.

Dabei ist die Geschichte ausgeklügelt, raffiniert erzählt, hält ein paar spannende Wendungen parat, konzentriert sich dabei jedoch vor allem auf seine Hauptfigur Louise und ihre Annäherung an die fremde Spezies. Auf diese Weise kann man dem Film optimal folgen und er ist trotz langsamem, ruhigem Erzähltempo keinen Augenblick langweilig.

Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass Zuschauer, die mit anderen Erwartungen in den Film hineingehen – zum Beispiel einen Actionthriller mit Alienmonstern sehen wollen – dem gemächlichen Tempo womöglich mit Ungeduld begegnen. Mich hat’s nicht gestört und ich fand’s super.

Fazit: Lohnt sich auf jeden Fall! Ein kluger Science-Fiction-Film, der zum Nachdenken anregt.

3. „Sausage Party“

„Sausage Party – Es geht um die Wurst“ von Conrad Vernon und Greg Tiernan ist absolut genialer Schwachsinn. Bei diesem krawallklamaukigen Rundumschlag wird so ziemlich jede Regel politischer Korrektheit gebrochen, jedes nur erdenkliche Tabu gebrochen und vermutlich jedem auf den religiösen oder ideologischen Schlips getreten, der sich einen solchen umgebunden hat. Weil das aber so fair verteilt ist und ausnahmslos jeder sein Fett weg bekommt, ist es auf seine Weise auch schon wieder politisch korrekt – ein moralisches Paradox, und das finde ich gut.

Wenn man mal die ganzen Klischees, Vorurteile, im Grunde kleinlichen Streitereien zwischen den Kulturen, so herrlich respektlos um die Ohren gehauen bekommt, merkt man erst recht, wie albern und lächerlich diese eigentlich sind. Ich bin der Meinung, der Film sollte Pflicht werden für den Religionsunterricht an Schulen. So Kinder, das mit den Göttern ist alles Quatsch, das haben sich nur irgendwelche Leute mal ausgedacht, um Sachen zu erklären, die sie nicht erklären konnten, damit sich alle besser fühlen, aber dann haben die Leute das ernsthaft geglaubt, und dann ist die ganze Chose ein minibisschen aus dem Ruder gelaufen. Und schwupps haben wir Weltfrieden. Na ja … man wird doch wohl noch träumen dürfen.

2. „Tony Erdmann“

„Toni Erdmann“ von Maren Ade ist ein ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Film. Über 160 Minuten lang kommt er ohne Musik aus, nur die Hintergrundgeräusche sind zu hören. Es gibt keinen Vorspann, der Zuschauer wird in die Handlung mittenhinein geworfen. Eine steile Spannungskurve ist nicht zu erkennen, vielmehr ist es, als würde die Kamera einen zufälligen Lebensabschnitt von Winfried Conradi (Peter Simonischek) und seiner Tochter Ines (Sandra Hüller) einfangen und beobachten. Obwohl es zwischendurch immer wieder Leerstellen und Pausen gibt, in denen scheinbar nichts passiert und die Motivation der Figuren im Dunkeln bleibt, wird der Film nie langweilig. Man bleibt irgendwie am Ball, möchte wissen, wie es weitergeht, hofft für und bangt um Winfried und Ines, dass es ihnen gut geht und sie sich einander annähern.

Die Geschichte ist einfühlsam erzählt, aber es wird nie sentimental. Dafür sorgt der schräge Humor, der die ernsten Themen immer wieder auflockert. Manchmal aber bleibt einem das Lachen im Hals stecken, zum Beispiel, wenn Winfried den rumänischen Arbeitern rät, den Humor nicht zu verlieren, obwohl diese vermutlich bald kein Zuhause mehr haben. Überhaupt ist der Film gespickt von Sozialkritik in alle möglichen Richtungen. Der Kontrast zwischen der armen Bevölkerung in Rumänien und den erfolgsverwöhnten Managern, für die ihre Mitarbeiter bloße Zahlen und Menschenmaterial sind, die aber dennoch feige sind und nicht die Bösen sein wollen, wird deutlich gemacht. Die Schwierigkeiten von Frauen in Führungspositionen, von männlichen Platzhirschen ernst genommen und akzeptiert zu werden, kommt ebenfalls zum Ausdruck. Und schließlich erzählt „Toni Erdmann“ auch von Generationskonflikten, komplizierten Familienbanden … und Liebe.

Fazit: Ein rundum gelungener, besonderer Film, absolut sehenswert!

1. „10 Cloverfield Lane“

„10 Cloverfield Lane“ von Dan Trachtenberg ist ein großartiges Kammerspiel und spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es ist allerdings möglicherweise für die Zuschauererwartung etwas ungeschickt, den Titel so nah an den Found-Footage-Film „Cloverfield“ anzulehnen. Viele erwarten daraufhin eine Fortsetzung, ein Spin-off oder ein Prequel – tatsächlich aber haben beide Filme kaum etwas miteinander zu tun. Ich fand’s gut, weil ich nicht so ein ‚creature feature‘-Katastrophenfilm-Fan bin, aber psychologisch feinsinnige Charakterzeichnung, tolle Schauspieler und intelligentes Storytelling liebe.

„Cloverfield“ war von der Machart interessant und das Storytelling war auch da zumindest innovativ. In „10 Cloverfield Lane“ aber wachsen einem die Figuren mehr ans Herz und man fiebert mit ihnen mit; ein wichtiger Aspekt, wenn man nachhaltig Spannung erzeugen und das Publikum in irgendeiner Weise berühren will. Das ist in diesem Film meiner Meinung nach geglückt.

Das liegt nicht nur an dem tollen Drehbuch, dem virtuosen Schnitt und der bedrückenden mise en scène, sondern auch und vor allem an den drei Hauptdarstellern, die sich gegenseitig die Bälle zuspielen. John Goodman als zwielichtiger Verschwörungstheoretiker lässt einem abwechselnd das Blut in den Adern gefrieren und den Wunsch verspüren, ihn in den Arm zu nehmen. Mary Elizabeth Winstead gelingt das Kunststück, ihre Michelle sympathisch wirken zu lassen, obwohl sie es faustdick hinter den Ohren hat und durchaus kratzbürstig und durchtrieben sein kann. John Gallagher Jr. als Emmett wirkt wie jemand, dem man vertrauen kann, aber stimmt wirklich alles, was er sagt?

Anders als zum Beispiel in Quentin Tarantinos Kammerspiel „The Hateful Eight“ wird das Zusammenspiel zwischen den drei eingesperrten, grundverschiedenen Personen nicht langweilig. Vielleicht, weil es nicht so viele Menschen sind, zwischen denen die Handlung zu sehr in Stücke gerissen wird. Die Atmosphäre, die Handlung bleiben hochkonzentriert, konsequent und spannend. Trotzdem gibt es zwischendurch skurrile, absurde Momente, die die nervenaufreibende Spannung zwischendurch ein wenig lösen, sodass sich neue Spannung aufbauen kann. Die ganze Situation im Bunker wirkt kafkaesk. Ohne mehr verraten zu wollen: Das Ende ist auf jeden Fall eine Überraschung und steht im starken Kontrast zum restlichen Film.

Fazit: Ganz unvoreingenommen reingegangen und begeistert herausgekommen. Unbedingt empfehlenswert!

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80. Stück: „Lenz“ von Cornelia Rainer auf dem Theaterfestival von Avignon 2016

Dieses Jahr habe ich es endlich mal wieder zum Theaterfestival nach Avignon geschafft und mir „Lenz“ von Cornelia Rainer angeschaut. Das letzte Mal in Avignon ist bereits acht Jahre her, 2008 war ich wie auch schon 2007 und 2005 mit dem deutsch-französischen Forum (später Plattform) für junge Kunst auf dem Theaterfestival und hatte mir in einem einwöchigen Vorstellungsmarathon teilweise drei Vorstellungen am Tag angeschaut. Dieses Jahr läuft alles etwas minimalistischer ab, es war etwas nervig, die Theaterkarten von Deutschland aus zu kaufen, aber wie sich nun herausgestellt hat, hat sich der Aufwand definitiv gelohnt, für alle anderen Vorstellungen des „In“-Festivals sind die Tickets inzwischen ausverkauft. Dafür haben wir uns aus dem „Off“-Festival noch zwei Vorstellungen herausgepickt, ein Clownsstück (das niedlich und amüsant war, aber zwischendurch auch ein paar Längen hatte) und heute Abend schauen wir ein Soulkonzert mit Coverliedern von Otis Redding sowie Stepptanz ❤ Ich glaube, das wird super.

Nun aber erst einmal zu "Lenz": Erzählt wird die Geschichte von Jakob Michael Reinhold Lenz, Dichter des Sturm und Drang, einst Weggefährte von Goethe, bevor die beiden sich – aus heutzutage nicht eindeutig bekannten Gründen – entzweiten. Goethe hatte Glück, gute Kontakte, wurde alt und hatte deswegen nachhaltig Erfolg und ist auch heute noch jedem bekannt. Lenz geriet in Vergessenheit und starb mit 41 Jahren unter ungeklärten Umständen in Moskau – er wurde einfach tot auf der Straße gefunden. Wirklich vermisst hatte ihn zu diesem Zeitpunkt wohl niemand mehr … Lenz hatte psychische Probleme, welche genau, ist schwer zu sagen. Womöglich schizophrene Schübe, abwechselnd manische und depressive Phasen, allgemein war er wohl einfach zu feinfühlig, eigenartig und verschroben für seine Welt. Diesen Zustand hatte Büchner versucht, mit seinem Text, dem Romanfragment "Lenz", zu veranschaulichen, und ich finde, das ist ihm gut gelungen. Cornelia Rainer hat ebenfalls versucht, Lenz' Gefühlswelt greifbar zu machen, hat sich dabei im Wesentlichen auf Büchners Text gestützt, aber auch Gedichte und Textausschnitte von Lenz selbst sowie Notizen des Pfarrers Oberlin, in dessen Haus in den Bergen der Dichter für ein paar Wochen Zuflucht gefunden hatte. Diese Wochen sind es, auf die Büchner sich konzentriert und die auch in der Inszenierung erzählt werden.

Im Innenhof des Lycée Saint Joseph ist unter freiem Himmel die Bühne aufgebaut. Darauf zu sehen ist eine Holzachterbahn, die für die Berglandschaft steht, aber auch metaphorisch Lenz' emotionale Verfassung widerspiegelt. Begleitet werden die Schauspieler von einem Perkussionisten, der mal die Holzachterbahn, mal Requisiten und Kulisse, mal ein Schlagzeug als Instrument benutzt. Die Klänge, die dabei herauskommen, sind mal mehr, mal weniger harmonisch und unterstreichen den Eindruck, den man von der inneren Zerrissenheit und dem Gefühlswirrwarr des Dichters durch das intensive Spiel von Markus Meyer erlangt.

Das klingt jetzt alles ziemlich schwermütig, zäh und freudlos. Aber das war es nicht, denn die Schauspieler ergänzen sich wunderbar, sind mit Freude bei der Sache und spielen mit einer Leichtigkeit und Natürlichkeit, die das schwere, traurige Thema ausgleichen und lebendig wirken lassen. In knapp 100 Minuten wird Lenz' Schicksal auf diese Weise verdichtet und in konzentrierter Atmosphäre unterhaltsam und berührend erzählt. Kurz: Das war toll!

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