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89. Stück: Kinojahresrückblick 2017 – Die 10 besten Filme

Und schon wieder ist ein Jahr herum. Zeit für meinen Kinorückblick 2017. Hier kommen erst einmal die zehn Filme, die mir dieses Jahr am besten gefallen haben. Widerspruch und Zustimmung könnt ihr wie immer in die Kommentare schreiben 🙂

10. Kong: Skull Island

„Kong: Skull Island“ von Jordan Vogt-Roberts war viel besser, als ich gedacht hätte. Dieses Mal konnte ich es mir im Vorfeld nicht ganz verkneifen, Kritiken zu dem Film zu lesen, und hatte mich durch Stichwörter wie „flache Figuren“, „dünne Story“ und „pompöse Effekte“ auf eine strunzlangweilige Reizüberflutungsorgie eingestellt – und diese Erwartungshaltung wurde im positiven Sinne enttäuscht. Sicher, die Story ist schon ziemlich unterkomplex. Über die Figuren erfährt man nur das Nötigste, wirklich zum Mitfühlen anregen tun sie in der Tat nicht. Und bei den Effekten wird mächtig geklotzt.

Aber: Wenn man die Insel als Hauptfigur der Geschichte sieht, die Handlung außerdem im historischen und aktuellen politischen Kontext betrachtet, finde ich die Figurenkonzeption und überschaubare Story eigentlich ganz stimmig. Jede Figur steht sozusagen für eine bestimmte politische, gesellschaftliche Position, sie sind Typen, keine Charaktere. Sprich: Sie ähneln eher Schachfiguren als echten Menschen. Ihre Konstellation ist bewusst so aufgebaut, dass es zu Konflikten kommen muss. Das kann man vorhersehbar finden, aber ich fand, es hatte etwas von einer Versuchsanordnung und entfaltete durch ihre Klarheit und Einfachheit eine eigene Spannung.

Außerdem gab es verschiedene Identifikationsfiguren und je nachdem, mit welcher Einstellung und Sichtweise man selbst sympathisiert, ändert sich auch die Lesart des Films. Eine solche Ambivalenz im Interpretationspotenzial ist doch spannend! Ich selbst konnte mich in die Fotografin bestens hineinversetzen und auch die Reaktion von Conrad nachvollziehen. Ebenso fand ich Kongs Verhalten absolut plausibel und es erinnerte mich an die Debatten um den Umgang mit sogenannten Kampfhunden. Können Tiere überhaupt von Natur aus böse sein? Oder reagieren sie nur aggressiv, weil sie ihr Revier, ihr Leben oder ihre Ressourcen verteidigen und Angst haben? Und wie sieht es mit dem Tier Mensch aus? Andererseits wurden diese Urzeitechsen ja als grundböse Wesen dargestellt – wobei die wahrscheinlich auch einfach Hunger hatten und wenn ich jahrtausendelang ohne Sonnenlicht und frische Luft unter der Erde leben müsste, hätte ich wahrscheinlich auch eine Scheißlaune.

Mit der Einstellung und dieser komischen Soldatenehre von Packard und seinen Männern konnte ich allerdings zugegebenermaßen wenig anfangen. Aber ich fand es trotzdem glaubhaft geschildert, sodass ich immerhin gemerkt habe, dass ich beim Thema Militär, Krieg, Loyalität unter Soldaten und dieser unüberwindbaren Hierarchiestruktur innerhalb der Truppe schlichtweg an meine Vorstellungsgrenzen stoße. Und das ist auch hochinteressant, wenn man plötzlich realisiert, dass die eigene Sichtweise nicht die einzig mögliche ist 🙂 Es ist also nicht selbstverständlich, pazifistisch und vernünftig vorzugehen, man kann auch wie Cpt. Ahab seinen Moby Dick oder eben Col. Packard seinen King Kong jagt, obsessiv, rachsüchtig, nachtragend und idiotisch handeln und es ist trotzdem menschlich.

Darüber hinaus war die optische Gestaltung des Films zugegebenermaßen sehr gelungen und beeindruckend. Ich denke aber nicht, dass das der einzige Pluspunkt war.

Fazit: Lohnt sich! Und nach dem Abspann sitzen bleiben, da kommt noch was (auch wenn ich fürchte, dass das, was noch kommt, tatsächlich reines Monsteractiongewitter sein wird.)

9. Baby Driver

„Baby Driver“ von Edgar Wright ist ein Film, der Spaß macht. Zumindest dann, wenn man verschmerzen kann, dass die Story nicht die Hauptrolle spielt, sondern die Musik. Schnitt, Einstellungen, Bilder, Schauspiel – alles ist exakt auf den Rhythmus der Songs getimt, die Baby hört. Das ist so stimmig und präzise, dass es eine Freude ist! So kann es gehen, wenn Handwerk und Talent eine perfekte Einheit bilden.

Die Handlung ist um die Musik herum gestrickt, fast scheint es, als hätte man zuerst den Soundtrack zusammengestellt, dann die Bilder dazu kreiert, und erst am Ende eine Art Alibi-Geschichte erfunden, um die einzelnen Szenen und Rhythmen miteinander zu verknüpfen. Mir hat das gefallen. Und ich habe zu Hause als Erstes gleich wieder meinen alten MP3-Player hervorgekramt, ihn aufgeladen und die Tage drauf mit zur Arbeit genommen. Gute Entscheidung.

Einziges Manko (und Grund dafür, weshalb es 4 und nicht 5 Sterne gibt): Die Figurenzeichnung und das Ende. Vor allem die weibliche Hauptrolle fand ich etwas schwach und flach. Lily James hat ihre Sache gut gemacht, keine Frage. Aber hätte man ihrer Figur nicht noch etwas mehr Ecken und Kanten geben können? Sie ist einfach nur ein ganz normaler, verliebter Teenie mit Abenteuerlust und mehr nicht. In Teenie-Romanzen à la „Twilight“ ist das ja Teil des Programms, aber in dem Film hätte ich mir doch noch etwas mehr Charakter gewünscht. Das Ende war zwar konsequent, aber ziemlich trostlos – das hat das Filmvergnügen etwas getrübt.

Fazit: Von kleinen Schwächen abgesehen ein toller Film, der sich lohnt!

8. Planet der Affen 3: Survival

„Planet der Affen: Survival“ von Matt Reeves ist ein durch und durch gelungener Abschluss der Trilogie. Hier stimmt einfach alles: Timing, Musik, Bilder und Schnitt, Spiel und Charakterzeichnung, Handlung und Spannungskurve. Trotz der nicht unerheblichen Länge von 140 Minuten langweilt man sich keinen Augenblick. Die Entwicklung Caesars mitzuerleben ist fesselnd und nachvollziehbar.

Ich staune immer noch, was für einen Sprung die Technik in den letzten zehn Jahren gemacht hat. Man vergisst komplett, dass es sich nicht um echte Affen handelt, sondern um Schauspieler, die mit dem Motion-Capture-Verfahren Computeranimationen zum Leben erwecken. Die Mimik und Gestik ist so detailreich, dass die echten Schauspieler dagegen fast verblassen. Und immerhin spielt Woody Harrelson mit, das will also was heißen.

Einziges Mini-Manko: Das 3D hätte nicht zwingend Not getan.

Fazit: Wer schon die ersten beiden Teile der Reihe mochte, sollte den dritten Teil nicht verpassen!

7. T2: Trainspotting

„T2: Trainspotting“ von Danny Boyle ist eine stimmige Fortsetzung des ersten Teils aus dem Jahr 1996. Es empfiehlt sich aber unbedingt, „Trainspotting“ vorher noch einmal zu sehen, denn vor allem im direkten Vergleich entfaltet der zweite Teil seine Kraft. Die liegt nicht, wie im 20 Jahre älteren Film, in der anarchischen Radikalität, der wilden, durchgeknallten Ästhetik und dem rasanten Tempo. Sondern die Stärke von „T2“ liegt in seinem nostalgischen Grundton. Das könnte fast schon melancholisch anmuten, wäre da nicht der lakonische, rabenschwarze Humor, der bereits den ersten Teil davor bewahrt hatte, den Zuschauer vollkommen hoffnungslos und niedergeschlagen zurückzulassen.

Alle sind erwachsen geworden: Die Antihelden Spud, Sick Boy, Beckbie und Mark Renton. Die Crew hinter der Kamera. Und die Zuschauer vor den Leinwänden. Als ich den Film zum ersten Mal sah (das war nicht im Kino, damals war ich noch zu jung), war ich glaube ich so um die 20 und hatte zwar mit Drogen nichts am Hut, konnte aber dieses Lebensgefühl nachempfinden. Dass man nicht so recht weiß, wo einen das Leben hinführen wird, man will nicht verspießern und will seinen eigenen Weg gehen, aber in welche Richtung? Keine Ahnung. Also lässt man sich erst einmal treiben, die Zukunft liegt noch weit entfernt, irgendwo und irgendwann, man wird schon sehen.

Inzwischen bin ich Mitte 30, zehn Jahre älter als die Helden aus dem ersten Teil, zehn Jahre jünger als die gealterten, ernüchterten Helden aus dem zweiten Teil. Und es ist spannend zu sehen, wie man sich selbst verändert hat und wo man sich eventuell vielleicht noch hin entwickelt, wenn man nicht aufpasst und Gelegenheiten verstreichen lässt, die sich auftun. Ich bin ehrlich gesagt heilfroh, nicht mehr in meinen Zwanzigern zu sein und irgendwie herumzuwurschteln, ohne so recht zu wissen, was ich eigentlich will. Die Dreißiger sind eine unheimlich spannende Zeit – ich glaube, in diesem Jahrzehnt entscheidet sich, ob man mit Mitte 40 wie die Männer in der Geschichte da steht, auf sein Leben zurückblickt, und fast alles bereut, was man getan hat. Oder ob man auf sein bisheriges Leben zurückblickt und denkt: Ach, das war schon alles in Ordnung so, ich hab getan, was ich konnte und ich habe mich stetig weiter entwickelt. Und es ist noch lange nicht vorbei, da geht noch was, und ich freue mich drauf. Tja. Mal schauen, wie ich in zehn Jahren dann dastehe.

Fazit: Eine wunderbare Ergänzung zum ersten Teil, etwas nostalgisch, etwas wehmütig, aber trotzdem mit einer Prise Optimismus, die etwas Versöhnliches an sich hat. Lohnt sich für alle, die den ersten Teil gesehen und geliebt haben!

6. Die irre Heldentour des Billy Lynn

„Die irre Heldentour des Billy Lynn“ von Ang Lee ist im Grunde eine bitterböse Satire, die den amerikanischen Heldenmythos und sämtliche fadenscheinigen Gründe für den Armee-Einsatz im Nahen Osten demontiert. Warum man für diese intelligente Tragikomödie in der deutschen Übersetzung wieder einmal einen völlig blöden Titel gewählt hat, der eher an billigen Klamauk und kalauerlastige Klamotten erinnert, ist mir allerdings ein Rätsel. Wenigstens das „irre“ hätte man doch wohl weglassen können, „Die Heldentour des Billy Lynn“ hätte es doch auch getan … Na ja, ich habe keine Ahnung, wer das entscheidet und ich weiß nicht, was diese Leute gelernt haben, sehr viel kann es aber nicht gewesen sein und besonders kompetent scheinen sie auch nicht zu sein. Einmal mit Profis arbeiten und so weiter.

Aber ich schweife ab.

In dem Film geht es um eine Gruppe von Elite-Soldaten, die eine Propagandatour durch ihre US-amerikanische Heimat machen, bevor sie zurück in den Irak in den Krieg müssen. Ihre letzte Station führt sie zu einem Football-Spiel, wo sie in der Halbzeitshow als Helden präsentiert werden sollen. Billy Lynn vor allem wird zum Kriegshelden hochstilisiert, weil er einem tödlich verletzten Kameraden zu Hilfe eilte und einen „Feind“ tötete. Für ihn war es der schlimmste Tag seines Lebens, aber alle anderen bejubeln ihn.

Es wird klar, wie sehr die Öffentlichkeit von der Propagandamaschinerie beeinflusst wird, und dass im Grunde niemand so genau wissen will, wie der Alltag der jungen Leute, die für die Interessen macht- und geldgieriger Politiker in Kriegsgebieten vollkommen zweckfrei ihren Arsch hinhalten, eigentlich aussieht. Keiner will wissen, wie es den Jungs – denn es sind im Grunde tatsächlich noch Kinder – wirklich geht, wie traumatisiert und vollkommen am Ende sie sind. Stattdessen wollen sie ihre Helden beklatschen, sich selbst mit ihrem Patriotismus gut finden, und mit Politik nichts zu tun haben. Die Einzige, die heraussticht, ist Billys Schwester Kathryn – aber sie allein hat keine Chance, ihren Bruder aus dem Militärsystem herauszuholen. Er kennt nichts anderes, er kann nichts anderes, und nur seine Kameraden, die dasselbe durchgemacht haben wie er, können das verstehen.

Für Faeson, die Cheerleaderin, in die Billy sich verguckt, ist er im Grunde nichts weiter als eine Trophäe. Während sie ihn mit Rehaugen und Wimpernklimpern anschaut, verspricht für ihn zu beten und ihm Honig um den nicht vorhandenen Bart schmiert, will sie eigentlich nur mit einem amerikanischen Helden schlafen. Aber Billy sieht sich nicht als Held, er tut, was er tut, weil er keine Wahl hat.

Fazit: Ein kluger, wichtiger und trotzdem unterhaltsamer Film – auch, wenn die Handlung insgesamt recht übersichtlich ist. Ich denke nicht, dass er die Resonanz bekommen wird, die er verdient. Aber er lohnt sich auf jeden Fall.

5. Happy Deathday

„Happy Deathday“ von Christopher Landon ist eine Art Horrorversion von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – und absolut großartig! Ich weiß gerade gar nicht, wo ich mit meinem Lob anfangen soll … die Schauspieler sind (zumindest mir) alle unbekannt, machen ihre Sache aber super. Die Figuren sind mit Ausnahme Carters stark überzeichnet, fast schon karikaturesk. Und das ist gar nicht so einfach, das trotzdem glaubwürdig zu spielen, auf eine Weise, dass man mit den Figuren mitfühlt und mitfiebert. Vor allem Jessica Rothe als Tree spielt überzeugend, wie sie mit jeder Wiederholung der Zeitschleife von ihrer Riesenmiststückigkeit immer weiter abkommt.

Den ganzen Film durchzieht ein satirischer, sarkastischer Unterton, sodass auch die sich langsam (und ebenfalls nachvollziehbar) entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Tree und Carter nie ins allzu Kitschige, Kalenderspruchartige abdriftet. Trotzdem bleibt es spannend und wird nie albern, der Film nimmt seine Figuren und ihr Anliegen (Trees Mördersuche vor allem) stets ernst, ohne dass es aber rührselig wird. Die whodunit-Geschichte hält sogar ein paar Wendungen bereit, die ich an dieser Stelle aber natürlich nicht verrate.

Fazit: Toller Film! Lohnt sich!

4. The Founder

„The Founder“ von John Lee Hancock ist eine bitterböse Satire, die auf einer wahren Geschichte beruht, und einem das Lachen immer mal wieder im Hals stecken lässt. In diesem Lehrstück über Arschloch-Kapitalismus und Nullsummenspiele sind die skrupellosen Narzissten am Ende die Sieger, die gutmütigen, ehrlichen und fleißigen Menschen, die sich mit Geduld, Leidenschaft und Disziplin etwas Wunderbares aufgebaut haben, gucken in die Röhre. (Nullsummenspieler sind Menschen, die davon ausgehen, dass es nur einen Sieger geben kann, wenn es auch einen Verlierer gibt. Der eine gewinnt (+1), der andere verliert (-1), und addiert man das, kommt Null heraus (1 + (-1) = 1 – 1 = 0). Nicht-Nullsummenspieler sind Menschen, die an Win-Win-Situationen glauben, ebenso daran, dass es Momente gibt, in denen alle verlieren können.

Obwohl aber dieser Ray Kroc wirklich ein amoralischer, profitgieriger, hinterhältiger, niederträchtiger, eingebildeter Mistkerl ist, muss man doch seine Beharrlichkeit bewundern. Das muss man ihm lassen, was er sich in den Kopf gesetzt hat, das zieht er auch durch, ohne Rücksicht auf Verluste, und ohne Skrupel, wenn er dabei über Leichen gehen muss – wenn auch nur im übertragenen Sinn. Er ist der personifizierte Raubtier-Kapitalismus, wie er im Finanzwesen grassiert und die Welt immer wieder in Wirtschaftskrisen stürzt, dabei aber trotzdem nicht totzukriegen ist. Denn die Verlierer sind am Ende nicht die Raubtiere, sondern die, die sich aus Anstand weigern, bei diesem menschenverachtenden Zirkus mitzuspielen.

Dass Kroc trotz seines nicht zu leugnenden Arschlochtums nicht vollkommen unsympathisch wirkt, liegt vor allem an Michael Keatons Darstellung des unverschämten Gauners. Er spielt ihn als einen Mann, der die Chance seines Lebens im richtigen Moment erkannt hat, und seinen Traum voller Hingabe verfolgt, dabei aufs Ganze geht, und an seiner Vision festhält. Das ändert nichts daran, dass er ein elender Schuft ist, der von Fair Play überhaupt nichts hält, aber man glaubt ihm, dass er zwar den Schaden anderer in Kauf nimmt auf seinem Weg die Karriereleiter hinauf, sie aber nicht ins Messer laufen lässt, weil er Spaß daran hat, andere zu quälen. Er ist durch und durch ein Egozentriker mit Größenwahnkomplex, aber kein Sadist.

Fazit: Lohnt sich! Macht Spaß und regt zum Nachdenken an!

3. Die Taschendiebin

„Die Taschendiebin“ von Park Chan-Wook ist ein raffiniert erzählter Film, der sich gar nicht so leicht in ein Genre einordnen lässt. Elemente des Thrillers und Krimis treffen auf psychologisches Drama vor historischer Kulisse, die erotischen Szenen gehen in Richtung Softporno und ein wenig torture porn ist auch dabei ebenso wie gelegentlicher ironischer Humor. Die Geschichte ist unterteilt in drei Kapitel, wobei jedes überwiegend aus der Perspektive einer der drei Hauptfiguren erzählt wird. Tatsächlich sind es auch diese Figuren und ihre Konstellation zueinander, die die Handlung gestalten und vorantreiben. Die überraschenden Wendungen tun ihr Übriges, um keine Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen und die Spannung zu halten.

Ich muss zugeben, dass mir die erotischen und die Folter-Szenen teilweise ein wenig zu extrem und unsubtil waren. Aber das ist eine Geschmacksfrage, für die Dramaturgie und Handlung des Films sind diese Passagen durchaus sinnvoll.

Fazit: Ein toller, ungewöhnlicher Film, unbedingt sehenswert!

2. Hell or High Water

„Hell Or High Water“ von David Mackenzie ist ein toller Film! Hier stimmt einfach alles: Die Figurenzeichnung ist differenziert und feinfühlig, die Motive der handelnden Personen nachvollziehbar; sie wirken authentisch, glaubwürdig – und sympathisch. Selbst der kriminelle ältere Bruder kann nicht immer verbergen, dass er auch seine guten Seiten hat. Ben Foster und Chris Pine (der – obwohl ein paar Monate älter – das Nesthäkchen der beiden spielt) harmonieren wunderbar als Brüder, die es nicht leicht hatten in ihrem Leben, und die einmal das Richtige tun wollen, auch wenn sie dafür gegen das Gesetz verstoßen müssen. Aber der gute Wille allein rechtfertigt dann doch nicht immer die Mittel.

Jeff Bridges als Ermittler, der kurz vor seiner Pensionierung steht, ergänzt als Antagonist das Ensemble, und überzeugt mit seiner zwar mürrischen, aber auch von Neugier und Freude an der Arbeit geprägten Art. Er hat eigentlich gar keine Lust auf den Ruhestand, aber er merkt auch, dass er körperlich nicht mehr der Jüngste ist. Seinen Spürsinn hat er jedoch nicht verloren.

Es ist eine Art Robin-Hood-Geschichte, inmitten der texanischen Einöde, und es hätte schauderhaft moralisch, strunzlangweilig oder rührselig werden können. Ist es aber nicht. Im Gegenteil, das ernste Thema wird durch den lakonischen Humor immer wieder aufgelockert, und das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Polizisten und den Brüdern bleibt durchweg spannend. Man wünscht diesen Menschen alles Glück der Welt und weiß dennoch, dass es so nicht ausgehen kann.

Ganz nebenbei bekommt man in diesem wunderbar erzählten Film auch eine Seite der USA präsentiert, die man sonst nicht so oft sieht. Viele sind Opfer der Bankenkrise geworden, haben Schulden und wissen nicht, wie sie die jemals bezahlen sollen. Ihre Würde und ihren Stolz bewahren sie sich trotzdem. Das hat allerdings nichts Kitschiges oder Heldenhaftes an sich – jeder versucht so gut es geht zu überleben. Für mich persönlich fand ich die Mentalität der Texaner sehr schräg, für die Waffen zu tragen so selbstverständlich ist wie für mich, immer ein Buch in der Tasche zu haben. Auch die großen Reden, die sie schwingen, wen sie nicht alles umlegen und ausweiden und als Bettvorleger verwenden wollen, fand ich reichlich merkwürdig. Aber dabei wirkten sie so aufrichtig, dass man merkte, das ist für sie so eine Art Bürgerpflicht und auf ihre Weise versuchen sie nur, sich anständig zu verhalten.

Fazit: Großartiger Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Die Beste aller Welten

„Die Beste aller Welten“ von Adrian Goiginger ist eine wunderbar leicht erzählte, tief berührende Mutter-Sohn-Geschichte. Gesehen habe ich den Film auf der Berlinale, zusammen mit einer Freundin, und wir waren richtig glücklich, dass wir nicht nur überhaupt noch Karten für eine Vorstellung ergattert hatten, sondern auch und vor allem, weil wir dabei so ein tolles Filmjuwel erwischt haben. Ich hatte vorher nur kurz den Inhalt überflogen: Kleiner Junge wächst bei drogensüchtiger Mutter auf. Und da hatte ich befürchtet, das könnte schwere Kost oder überambitionierter Kunstquark werden … aber nichts davon trifft zu.

Künstlerisch gut gemacht ist er auf jeden Fall, aber eben auch handwerklich, schauspielerisch und erzählerisch hervorragend gelungen. Die Traum- und Fantasiesequenzen des kleinen Adrian sind einerseits unheimlich, andererseits aber auch poetisch und verleihen dem Film eine federleichte Magie. Die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt einfach – besonders zwischen Verena Altenberger als Mutter und Jeremy Miliker als Adrian funkelt und strahlt es. Doch auch insgesamt ist dies eine großartige Ensembleleistung. Auch, als die Schauspieler und der Regisseur nach dem Film auf die Bühne kamen, war noch eine Verbindung zwischen ihnen zu spüren. Der Regisseur und sein kleiner Alter Ego schienen sich ebenfalls toll zu verstehen. (Ich habe überhaupt erst am Ende begriffen, dass die Geschichte autobiographisch war

Noch hat sich kein Verleih gefunden, aber ich hoffe sehr, dass dies gelingt. Es wäre einfach zu schade, anderen Kinogängern diesen Film vorzuenthalten.

Fazit: Einfach toll! Bei erstbester Gelegenheit unbedingt reingehen! (Anmerkung: Inzwischen lief der Film auch regulär im Kino <3!)

Mein Favorit unter den Animationsfilmen dieses Jahr war übrigens „Coco“:

„Coco“ von Lee Unkrich und Adrian Molina ist ein wunderbarer Film, der richtig ans Herz geht. Die Optik, das Setting und die Handlung erinnern zwar stark an „Manolo und das Buch des Lebens“ aus dem Jahr 2015 – dennoch können meines Erachtens beide Filme nebeneinander existieren. Beide Filme sind mit viel Liebe zum Detail und einer überbordenden Farbenfreude gestaltet, mitreißende Musik bestimmt den Soundtrack und die Helden (hier ein kleiner Junge, in „Manolo“ ein erwachsener Mann) sind beide gleichermaßen liebenswert und man wünscht ihnen alles Glück der Erde.

Ich habe mich außerdem darüber gefreut, dass der niedliche Hund aus dem Trailer tatsächlich eine wichtige Rolle in „Coco“ spielt. Unter all der Niedlichkeit, der Farbenpracht und den mexikanischen Klängen verbarg sich aber auch eine anrührende Geschichte mit Tiefgang. Klar, es ging im Kern um Familienwerte, wie das bei Disney so üblich ist. Aber hier war es ohne Kitsch, ohne Pathos, mit realistischen Problemen und vielschichtigen Charakteren geschildert. Es war nicht so, dass sich alle einfach so lieb hatten, weil sie eine Familie sind. Sondern alle mussten sich zusammenreißen, Mitgefühl zeigen, aufeinander zugehen, um miteinander auszukommen und Frieden mit den Wunden längst vergangener Enttäuschungen umzugehen.

Der Nachteil dabei ist allerdings, dass der Film es schwer haben dürfte, den Erwartungen eines Publikums gerecht zu werden, die sich inzwischen an ein recht hohes Erzähltempo gewöhnt haben. Es ist nicht leicht zu sagen, wer die Zielgruppe dieses – wie ich finde – kleinen Filmjuwels sein soll. Für Kinder ist er meiner Meinung nach zu ernst und stellenweise recht gruselig. Für Erwachsene ist er nicht lustig/ironisch genug. Von Teenagern fange ich gar nicht erst an. Entsprechend saßen wir gestern Abend auch nur mit vielleicht 10-20 Leuten im Kinosaal – und dann waren das auch noch außer uns lauter Vollidioten, die die ganze Zeit dazwischengeblökt und Offensichtlichkeiten herausposaunt haben.

Angesichts dieser Quote von 98 bis 99 Prozent Vollidioten wundert es mich nebenbei bemerkt dann aber auch gar nicht, dass sich Leute so massiv über die Länge (22 Minuten) des Vorfilms „Olaf taut auf“ beschwert haben, dass Disney den Kurzfilm in den USA aus dem Programm genommen hat. Sicher, kleine Kinder so lange ruhig zu halten, ist nicht einfach. Aber wie gesagt, ich finde, der Film ist ohnehin nichts für ganz kleine Kinder. Ich fand „Olaf“ nicht zu lang. Er war genau richtig und sehr niedlich, wenn auch etwas unterkomplex in der Handlung. Vielleicht könnte man aber überlegen, ob man dann bei der Werbung und den Trailern ein wenig kürzt, zumindest in den Nachmittagsvorstellungen, anstatt ihn gleich ganz rauszunehmen.

Fazit: „Coco“ ist ein Film, dem man eine Chance geben sollte. Es lohnt sich!


Meinen Jahresrückblick 2016 findet ihr hier.

Den Jahresrückblick 2015 gibt’s hier.

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86. Stück: Die schlechtesten Filme in 2016

Die besten Filme in 2016 habe ich euch schon verraten. Aber ein filmischer Jahresrückblick darf natürlich auch die Flops nicht verleugnen.

Flop 10 2016: Die größten Enttäuschungen und schlechtesten Filmgurken des Jahres

10. „Café Society“

„Café Society“ von Woody Allen gehört leider zu den schwächeren Filmen meines Lieblingsregisseurs. Der launige Tonfall, die flotte Jazzmusik, Humor und pointierte Dialoge sowie die nostalgische Atmosphäre der höheren Gesellschaft in Hollywood und New York der 30er und 40er Jahre hat er wie gehabt exzellent getroffen … aber leider passiert darüber hinaus nicht wirklich was. Und wenn doch etwas passiert, wird es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen, und munter weitergeplaudert. Dadurch gerät die Handlung leider ins Belanglose, was schade ist, und meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre. Ich habe den Eindruck, Woody Allen hat diesen Film so zwischendurch als Fingerübung gemacht, oder weil er gerade nichts Besseres in der Schublade bereitliegen hatte.

Die Schauspieler machen ihre Sache prima und scheinen viel Spaß zu haben. Kristen Stewart hat mich positiv überrascht, habe ich sie doch noch immer als somnambules, devotes Frauchen aus den „Twilight“-Filmen in Erinnerung. Aber sie kann auch anders. Jesse Eisenbergs Körperhaltung bereitet mir indes ein wenig Sorgen. Der ist jünger als ich und hat schon einen Buckel wie ein 90-Jähriger. In ein paar Jahren hat der übelste Rückenprobleme, vielleicht sogar einen Bandscheibenvorfall. Das tut ja schon beim Zuschauen weh … also ein bisschen Kraftsport und ein Tanzkurs würden wirklich nicht schaden.

Fazit: Daran, dass ich mir über potenzielle Rückenbeschwerden des Hauptdarstellers Gedanken mache, während der Film läuft, kann man eigentlich auch schon erkennen, dass mich die Handlung nicht sonderlich gefesselt hat. Hoffentlich macht Woody Allen als nächstes wieder einen Thriller, das kann er nämlich richtig gut.

9. „The Hateful 8“

„The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino hat mich leider enttäuscht. Vielleicht ist es ja keine schlechte Idee von Tarantino, nur noch zwei Filme zu machen und sich dann aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass er allmählich anfängt, seine Ideen zu wiederholen und unnötig auszuwalzen (wobei Christoph Waltz dieses Mal nicht dabei ist, aber die Rolle von Tim Roth erinnert sehr, sehr stark an die typischen Christoph-Waltz-Figuren). Vielleicht bin ich aber auch einfach mit zu hohen Erwartungen in diesen Film gegangen, sodass ich deswegen enttäuscht bin.

Jedenfalls fand ich das Tempo vom Film unausgewogen, die Spannungskurve zu schlaff. Die erste Hälfte hat noch meine Neugier aufrechterhalten, obwohl das Erzähltempo da gemächlicher war. Aber so baute sich allmählich das gesamte Konstrukt, die brisante Figurenkonstellation auf, was für Spannung sorgte. In der zweiten Hälfte explodiert die Handlung, die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag, das Tempo wirkt übereilt, hektisch und gehetzt. Der Schluss ist dann wieder etwas zu langgezogen geraten. Das passte meiner Meinung nach alles nicht ganz zusammen, wirkte nicht stimmig.

Ich denke, dem Film hätte es gut getan, wenn er eine Stunde kürzer gewesen, dafür aber schneller auf den Punkt gekommen wäre und die Action etwas stimmiger verteilt hätte. Kammerspiele können sehr spannend sein, erst recht, wenn eine so konfliktträchtige Figurenkonstellation im Mittelpunkt steht. Die psychologische Spannung eines Kammerspiels über gut drei Stunden zu halten, ist jedoch äußerst schwierig, und in diesem Fall meines Erachtens nicht gelungen.

Fazit: Lieber noch mal einen der älteren Tarantino-Filme gucken oder Erwartungen ein wenig herunterschrauben.

8. „Legend“

„Legend“ von Brian Helgeland ist zwar eine fantastische Schauspielerleistung von Tom Hardy, aber als Film insgesamt nur mittelmäßig. Die große Stärke des Films – Tom Hardys wirklich virtuose Wandlungsfähigkeit in der Doppelrolle der Kray-Zwillinge – ist leider gleichzeitig auch seine Schwäche. Es scheint, als habe man sich zu sehr darauf verlassen, dass Hardy den Film schon trägt, und als habe man darüber die anderen Aspekte, die einen mittelmäßigen von einem herausragenden Film unterscheiden, vernachlässigt.

Die Handlung dümpelt vor sich hin, ohne wirklich Fahrt aufzunehmen. Es sind zwar pflichtgemäß die meisten Handlungsmotive für das Genre Gangsterfilm vorhanden: Aufstieg und Fall der Gangstergrößen, Drogen, Gier, Gewalt und Wahnsinn führen zum Absturz, eine junge hübsche Frau, die sich wünscht, ihr Mann möge ehrlich werden … Aber der Rhythmus ist zu unentschlossen, das Tempo nicht stimmig, die Spannungskurve kaum zu erkennen. Die mise en scène ist durchaus gelungen, man fühlt sich ins London der 60er Jahre hineinversetzt. Der Soundtrack ist nicht schlecht. Aber es reißt einen nicht wirklich mit.

Irgendwie wirkt der Film ein wenig … feige. Als hätte man sich nicht so recht entschließen können, ob man die Kray-Zwillinge nun als brutale, skrupellose Gangster oder als eigentlich ganz sympathische Halunken darstellen wollte. Und statt zu versuchen, sie zunächst richtig sympathisch einzuführen, damit hinterher die Fallhöhe größer ist, wenn sie sich als brutale, skrupellose Gangster entpuppen, wabert es die ganze Zeit irgendwo dazwischen. Das macht es schwierig, mit den Figuren mitzufiebern, trotz dem tollen Schauspiel. Wenn man den Film mit anderen Gangsterfilmen vergleicht, wie zum Beispiel „Goodfellas“, dann wirkt er leider etwas schwach.

Fazit: Tom Hardy in der Doppelrolle lohnt schon das Ansehen, aber ein Muss ist der Film trotzdem nicht.

7. „Ice Age – Kollision voraus!“

„Ice Age – Kollision voraus!“ ist der fünfte Teil der Reihe und nicht sonderlich einfallsreich. Scrat rettet wieder einmal den Film vor der völligen Belanglosigkeit und sorgt für die meisten Lacher, ansonsten ist die Handlung dieses Mal wirklich mau. Ein riesiger Komet rast auf die Erde zu und die Freunde Manni, Diego und Sid nebst Anhang müssen sie retten[spoiler], was sie auch schaffen[/spoiler]. Ja. Das war’s auch schon. Ach so, und dann gibt’s noch ganz viel Familienschnulz, schließlich muss man die über 90 Minuten ja irgendwie füllen. Die Dialoge triefen vor klischeehaftem Platitüdenkitschquark, alle haben sich lieb und die Konflikte lösen sich sämtlich in Wohlgefallen auf. Na gut, man will vermutlich der Hauptzielgruppe (Familien mit Kindern) den Popo pudern, deswegen muss man dann die Figuren so Zeugs sagen lassen wie „Hach, unser kleines Mädchen ist erwachsen geworden“, „Man muss loslassen“ und überhaupt, man müsse nur an sich glauben und sich selbst treu bleiben, dann schaffe man alles, lebe deine Träume, aber träume nicht dein Leben, ein Leben ohne Lächeln ist ein verlorener Tag und Morgenstund hat Gold im Mund.

Fazit: Ist nicht wirklich toll, aber auch nicht komplett scheiße. Scrat ist super und der Film insgesamt zwar überraschungsfrei und so tiefsinnig wie eine Pfütze im Hochsommer, aber die restlichen Figuren sind nach wie vor niedlich, sodass das Ganze immerhin ganz nett ist und in jedem Fall eine prima Beschäftigung, um dem Hamburger Schmuddelwetter zu entkommen.

6. „Victor Frankenstein“

„Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ von Paul McGuigan kommt einfach nicht aus dem Quark und enttäuscht auf ganzer Linie. Dabei ist der Ansatz interessant: Die Geschichte wird aus Sicht von Igor, Frankensteins Assistenten, erzählt und würde somit einen neuen Blickwinkel auf die altbekannte Handlung erlauben. Mit Daniel Radcliffe als Igor, James McAvoy als Victor Frankenstein und Dr. Moriarty-äh-Andrew Scott als Inspector Turpin ist der Film auch noch herausragend besetzt, sogar die Love-Interest-Alibifrau Jessica Brown Findlay als Lorelei macht einen tollen Job und schafft es, ihrer Nebenfigur Profil und Persönlichkeit zu verleihen. Die mise en scène und die Kostüme sind ebenfalls großartig und entführen den Zuschauer in das London des späten 19. Jahrhunderts. Nach einem starken Anfang mit spannender, actiongeladener Fluchtszene ebbt der Film jedoch komplett ab und dümpelt danach trantütig seinem viel zu späten Ende entgegen.

Das Problem bei „Victor Frankenstein“ ist, dass zu viel behauptet und zu wenig gesagt, gedacht, gefühlt und getan wird. Man sieht und hört fast zwei Stunden lang vier Talking Heads beim Moralisieren und Thesenaufstellen zu. Dabei stehen Victor Frankenstein, Inspektor Turpin und Lorelei jeweils für eine bestimmte These in Bezug auf das Erschaffen von neuem Leben durch den Menschen. Frankenstein, wahnsinnig vor Ehrgeiz, will unbedingt Leben erschaffen, weil [spoiler]er Schuldgefühle wegen seines toten Bruders hat [/spoiler]oder so. Inspektor Turpin glaubt laut Drehbuch ganz doll an Gott, was sich daran erkennen lässt, dass ständig in Nahaufnahme das Kreuz und der Rosenkranz gezeigt werden, die er fest in den Händen hält. Deswegen ist er aus Prinzip dagegen, dass der Mensch Gott spielt und damit basta. Lorelei hingegen ist die Stimme des Herzens und der Liebe, sie ermutigt Igor, auf sein Gewissen zu hören und seiner Intuition zu vertrauen (merkt dabei aber nicht, dass sie Igor genauso bequatscht und in ihre – wenn auch menschlich-liebevolle – Ideologie einzubinden und zu manipulieren versucht.) Das ist eigentlich hochspannend und mit etwas mehr Tempo, pointierten Dialogen, raffinierten Schnitten und schärferer, entschlossenerer Figurencharakterisierung wäre das auch eine coole Sache geworden. Insbesondere dadurch, dass mit dem Vierten im Bunde, Hauptfigur und Erzähler Igor, eine Zwischenstellung inmitten dieser drei grundverschiedenen Positionen vorhanden ist. Er verspürt den Wissensdurst, Forschergeist und Ehrgeiz von Frankenstein, spürt jedoch die Menschenliebe und das unbestimmte Gefühl schlechten Gewissens beim Gedanken, den Toten nicht ihre Ruhe zu gönnen, wie Lorelei. Und ein leichtes Unbehagen beim Gedanken, Gott zu spielen, grummelt da auch in seinem Hinterkopf, wenn auch nicht so fanatisch wie beim Inspektor.

Leider hat das nicht geklappt. Die Figur des Inspektors wirkt völlig überflüssig und redundant, er findet immer nur das heraus, was der Zuschauer schon längst weiß, und hinkt mit seinen Erkenntnissen im Vergleich zur Zuschauerinformiertheit meilenweit hinterher. Sein Glaube wirkt aufgesetzt und überzeugt kein Stück, es sei denn, man ist ohnehin selber strenggläubig und von vorneherein prinzipiell seiner Meinung, aber dann schaut man sich ja so einen Film gar nicht erst an. Mit Ausnahme Igors machen keine der Figuren eine Entwicklung durch, sie haben von Anfang an dieselbe Einstellung, dieselbe Haltung und lassen sich durch nichts davon abbringen. Wie Engelchen und Teufelchen, Über-Ich und Es zerren sie alle an Igor und seinem Selbstverständnis, seinem Gewissen, und wollen ihn auf ihre Seite ziehen. Das passiert aber so lahm und lustlos, dass keinerlei Spannung entsteht. Die an sich fantastischen Schauspieler werden – so scheint es – vom Regisseur völlig alleine gelassen. Mit großer Anstrengung schwimmen sie gegen das zähe Drehbuch, die wächserne Figurenkonzeption und die starren Dialoge an, ohne dass es ihnen gelingt, irgendwo Fuß zu fassen.

Fazit: Der Film hätte Potenzial gehabt, ist aber komplett in die Grütze gegangen. Schade. Lohnt sich nicht.

5. „Das Morgan Projekt“

„Das Morgan Projekt“ von Luke Scott hatte eine interessante Grundidee, aber das war’s dann auch schon. Als Kurzfilm hätte das wunderbar funktioniert und wäre spannend geworden. Für einen abendfüllenden Spielfilm jedoch war das zu wenig. Die überraschend gemeinte Pointe am Schluss hatte ich – die ich für gewöhnlich schwer von Begriff bin – bereits nach fünf Minuten geahnt und musste dann noch 85 Minuten darauf warten, dass das dann auch bestätigt wurde.

Im Grunde wird fast der ganze Film auch schon im Titel verraten, es fehlt nur der Zusatz „Das Morgan Projekt scheitert“. In den ersten zehn bis 15 Minuten wird das Morgan Projekt erklärt – wie gesagt, interessante Grundidee mit der KI und der genetischen Modifikation künstlicher Menschen – und der Rest zeigt dann, wie dieses Projekt gründlich in die Grütze geht und in einem Blutbad endet. Dann noch kurz die vorhersehbare Pointe und fertig ist die Laube.

Mit einer etwas detailreicheren Figurencharakterisierung hätte man aus dem Film viel mehr machen können. Stattdessen bleiben alle Figuren flach, holzschnittartig und langweilig. Es ist einem als Zuschauer vollkommen gleichgültig, was mit ihnen passiert, welche Entscheidungen sie treffen und warum. Eigentlich sollte man zumindest mit Morgan mitfiebern und Sympathien für sie empfinden, damit ihre spätere Entwicklung einen kümmert und etwas bedeutet.

Das ist schade um die Schauspieler, die eigentlich ihre Sache ganz gut machen – so gut es eben geht, wenn einem das Drehbuch so wenig Material zum Arbeiten liefert. Vor allem Anya Taylor-Joy scheint mir eigentlich eine gute Schauspielerin und ein vielversprechendes Nachwuchstalent zu sein. Doch nun ist das nach „The Witch“ schon der zweite Film mit ihr in der Hauptrolle, der echt nicht gelungen war und sein Potenzial in die Tonne getreten hat. Ärgerlich!

Fazit: Lohnt sich nicht. Dann lieber „Ex Machina“ noch mal gucken.

4. „Batman V Superman“

„Batman v Superman“ von Zack Snyder hat mich enttäuscht. Ich dachte, bei all den schlechten Kritiken kann er so schlimm nicht sein …

Doch.

Es lag vielleicht auch daran, dass ich „Man of Steel“ nicht mehr so im Kopf hatte und mich mit den Comicvorlagen nicht auskenne – ich habe bislang nur die Filme gesehen. Deswegen habe ich in der ersten Hälfte überhaupt nicht kapiert, was die Leute alle eigentlich für ein Problem haben. Warum hassen plötzlich alle Superman? Wieso hat Batman ihn so auf den Kieker? Wer ist der Flugheini, mit dem sich Superman zu Beginn prügelt und dabei die ganze Stadt zermalmt? Wieso ist der Rollstuhltyp pissig auf Bruce Wayne, der ihm das Leben gerettet hat? Was genau will Lex Luthor eigentlich? Fragen über Fragen …

Das Unterhaltendste an dem Film war dann auch die Pause, wo meine beiden Begleiter mir zumindest einen Teil der Fragen beantworten konnten und sich der Herr neben uns vergnügt einmischte, um über Sinn und Logik von Superheldenfilmen zu diskutieren. Gut, den Seitenhieb, wenn man Logik suche, könne man sich ja Rosamunde-Pilcher-Filme anschauen, hätte man mit etwas bösem Willen als eine Spur frauenfeindlich interpretieren können. Aber na ja, ich habe mich auch über die männliche Eitelkeit dieser beiden Superhelden lustig gemacht, also hab ich quasi angefangen 😛 Die männliche Eitelkeit dieser beiden Supertrottel, die nicht peilen, dass sie beide denselben Feind haben, ist aber auch wirklich albern! Überhaupt ist dieser Konflikt völlig an den Haaren herbeigezogen und einfach nur idiotisch. Auf der anderen Seite, wäre Batman zu Superman hingegangen und hätte gesagt „Moinsen, du sachma, dieser Lex Luthor, ne, das ist doch ein vollkommen wahnsinniger, gemeingefährlicher Psychopath, der die Welt zerstören will. Wollen wir den nicht zusammen aufhalten, ist lustiger als alleine“ und Superman hätte dann geantwortet: „OK“ -> Dann wäre der Film ja schon nach einer Minute aus gewesen und man hätte keinen Grund gehabt, lauter Sachen in die Luft zu jagen. Und das geht ja nun auch nicht.

Die zweite Hälfte war dann nicht ganz so schlimm, dann musste man auch nicht mehr so lange auf Wonder Woman warten – die übrigens supercoole Kleider tragen durfte, nur so nebenbei. Dann haben sich die beiden Gockel ja auch endlich zusammengerauft und man musste diesen vollkommen lächerlichen Männerzickenkrieg, das Säbelgerassel und den Schwanzvergleich nicht länger ertragen.

Die Dialoge waren platt und dümmlich, die Story hanebüchen und wirr erzählt, ohne Vorkenntnisse kaum nachvollziehbar. Ben Affleck trägt als Batman seinen einen Gesichtsausdruck tapfer spazieren, wirkt ansonsten aber ziemlich lustlos. Man kann argumentieren, dass auch sein Batman völlig am Arsch ist und seine Darstellung somit zur Figur passt. Es ist aber auch so, dass er es nicht besser kann. Henry Cavill als Superman macht seinen Job OK. Die wunderbare Amy Adams ist als Lois Lane gnadenlos unterfordert. Der Einzige, bei dem es Spaß macht, zuzugucken, ist Jesse Eisenberg als vollkommen durchgeknallter Lex Luthor. Er erinnert zuweilen fast an Heath Ledger als Joker.

Fazit: Ach, das reicht, wenn man den Trailer gesehen hat.

3. „The Witch“

„The Witch“ von Robert Eggers hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich hatte subtilen Grusel, psychologischen Tiefgang und emotional berührende, menschliche Dramen à la „Babadook“ oder „Das Waisenhaus“ erwartet, doch die Figuren laden einen hier überhaupt nicht dazu ein, mit ihnen mitzufiebern und auf ein gutes Ende für sie zu hoffen. Wie soll denn da Spannung und Schrecken in einem Horrorfilm entstehen, wenn man die Figuren nicht leiden kann? Dann ist es einem doch völlig wumpe, was mit ihnen passiert. Gut, ich muss dazu sagen, ich bin da nicht ganz objektiv. Ich kann diesen religiösen Fanatismus, den man über allen gesunden Menschenverstand stellt, einfach nicht nachvollziehen. Meine Güte, dann interpretieren die Heinis im Dorf die Bibel eben anders als der Familienvater, das ist doch kein Grund, stur auf seinem Recht zu beharren und dafür in Kauf zu nehmen, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Vor allem ist das einfach nur extrem dumm, wenn man ohne diese Gemeinschaft nichts zustande kriegt und einem die ganze Familie in der Einöde durchdreht. Aber gut, das war halt die Prämisse des Films, sonst hätte es keine Geschichte gegeben.

Übrigens beruht dieser Film teilweise auf historischen Dokumenten, solche ähnlichen Vorkommnisse hat es also wirklich im 17. Jahrhundert in den USA gegeben. Gemixt wurde dies mit Volkssagen, was ich eigentlich einen interessanten, spannenden Ansatz finde. Trotzdem reicht das nicht aus für einen letzten Endes fiktionalen Film. Da muss man auch ein wenig Erzählkunst anwenden, Spannung aufbauen, die Figuren so charakterisieren, dass sie um die Gunst der Zuschauer buhlen. Es sei denn, man will partout einen öden, schnarchlangweiligen Film machen, dann ist das aber dem Publikum gegenüber unfair, den Kram als Horror- oder Gruselfilm zu verkaufen. Am Ende [spoiler]wird zwar noch mal tüchtig herumgesplattert, aber ohne den Humor von Quentin Tarantino wirkt das einfach nur völlig daneben, bescheuert und albern.[/spoiler] Na ja, wenigstens dauert der Unsinn nicht viel mehr als 90 Minuten.

Nichtsdestotrotz kann ich verstehen, warum der Film so gute Kritiken in der Presse bekommen hat. Für Cineasten, Intellektuelle und Irgendwas-mit-Medien-und-Film-Studenten bietet dieser Mumpitz nämlich einige Interpretationsansätze. Wer was mit Filmen oder Erzähltheorie oder Kulturwissenschaften studiert, aufgemerkt: Hier kommen ein paar Ideen für Hausarbeiten. So kann man den Film zum Beispiel historisch analysieren und gucken, wie die Originaldokumente eingebunden wurden, vielleicht auch eine Parallele zu unserer heutigen Zeit ziehen und schauen, wo uns religiöser Fanatismus und wahnhafte Verblendung heutzutage begegnen. Man kann aber auch wunderbar eine psychoanalytische Interpretation nach Freudschem Vorbild an dem Film versuchen. Wir haben da ein junges Mädchen und ihren jüngeren Bruder, die allmählich ihre Sexualität entdecken, und huch!, der Bruder wird sich gewahr, dass seine Schwester Brüste bekommt. Die Mutter wird rasend eifersüchtig auf die Tochter, der Vater hat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu ihr. Herrlich, ein Fest für Freudianer, da haben wir Inzest (oder fast), Kastrationskomplexe (der Vater hackt dauernd Holz wie ein Verrückter, weil er nämlich sonst nichts kann, also sprichwörtlich impotent ist), Penisneid, Ödipus-Komplex und auch noch gleich zwei gar prächtige Phallussymbole in Form der [spoiler]Hörner des satanischen Ziegenbocks[/spoiler]. Und man kann außerdem die Wirklichkeitskonstruktion im Film auseinander nehmen: Was ist in der erzählten Welt real passiert, was waren nur Träume, Visionen, Einbildungen, die dem schleichenden Wahn aufgrund von Mangelernährung, Isolation, Einsamkeit, Trauer, Langeweile und religiösem Übereifer geschuldet sind?

Fazit: Sofern man nicht studiert und ein Seminarthema sucht oder sich gern 90 Minuten lang im Kino quält, weil er meint, je öder ein Film, desto anspruchsvoller ist er und desto schlauer, toller und besser ist man selbst, weil man den Käse erträgt, kann man sich den Film sparen.

2. „Ben Hur“

„Ben Hur“ von Timur Bekmambetov ist tatsächlich ziemlich schlecht. Nicht ganz so schlimm wie „Jupiter Ascending“ – es gibt immerhin ein paar spannende Szenen und das Wagenrennen ist zugegebenermaßen sehr gelungen -, aber dennoch nicht gut gemacht. Aber ich fange mal ganz von vorne an:

Es waren einmal zwei dauerpubertierende Knalltüten, die sich ständig gegenseitig beweisen mussten, wer den Größten hat. Der eine hatte Minderwertigkeitskomplexe und lief deswegen immer mit ausgekugelter Unterlippe und dauerbeleidigtem Schmollmund herum. Der andere war ein ganz normaler Trottel, der das Glück hatte, in eine wohlhabende Familie hineingeboren worden zu sein, und später das Pech hatte, dass sein Bruder ein rachsüchtiger, eitler Gockel ist, der den Machthabern partout in den Allerwertesten kriechen wollte. [spoiler]Er landet als Sklave in einer Galeere, sie geht unter, er nicht. Dann taucht Morgan Freeman auf, guckt weise und brummt einen Kalenderspruch nach dem nächsten vor sich hin (er ist auch der Erzähler der ganzen Chose, schildert das Geschehen jedoch etwas pathetischer und salbungsvoller als meine Wenigkeit, die ich für dümmliche Schwanzvergleiche unter zwei Idioten nichts übrig habe). Und dann gibt’s ein (wie gesagt, fesselnd inszeniertes) Wagenrennen, dezent symbolträchtig fährt der Heini, der zu den Guten gehört, mit vier weißen Pferden und der Abtrünnige mit dem Backpfeifengesicht mit vier schwarzen Pferden im Kreis.

Überraschung: Der Gute gewinnt, wenn auch knapp. Dann könnte der Film eigentlich zuende sein, aber man muss ja irgendwie noch rechtfertigen, dass zwischendurch Jesus auftaucht und spricht, wie der Kater von Shrek (aber nicht so süße Stiefelchen anhat). Warum er wie der Klischee-Latino vom Dienst daherkommt, wird nicht erklärt, aber auf jeden Fall sagt Jesus viele schlaue Sachen (denen ich auch zustimmen würde) und ist ein sehr netter Kerl. Gekreuzigt wird er trotzdem und dann fängt es ganz dramatisch an zu regnen und dieser Wunderregen heilt schwuppdiwupp die leprakranken Mutter und Schwester von Ben Hur. Mit dem Bruder ist zum Schluss auch wieder alles paletti, auch, wenn er nicht nur das Rennen, sondern auch ein Bein verloren hat und seine Soldatenehre in die Tonne kloppen kann. Der Film endet schließlich damit, dass sich alle wieder vertragen und fröhlich durch die Gegend reiten und die beiden Knalltüten wieder um die Wette pesen.[/spoiler]

Zum Glück ist der Film aber nicht so lang. Allerdings hätte man sich schon etwas mehr Mühe geben und Zeit lassen können, um die Charakterzeichnung etwas komplexer zu gestalten. Die Figurenmotivation wirkte aufgesetzt und nicht nachvollziehbar. Die Leute haben getan, was sie getan haben, weil es im Drehbuch stand, nicht, weil es einer inneren Logik der Figurencharakterisierung und Logik der erzählten Welt folgte. Bis zum Wagenrennen rast der Film durch die einzelnen Ereignisstationen, frühstückt sie möglichst schnell ab, danach versinkt der ganze Murks in Schmalz und religiösem Quatsch. Das war dann nur noch unfreiwillig komisch, soweit, dass ich meine ganze Selbstbeherrschung auffahren musste, um nicht „Always look on the bright side of life“ *phüphü-phüphü-phüphüphüphü* zu singen / zu pfeifen.

Ach so, und noch was: Den Film mit Charlton Heston habe ich nie gesehen – ich habe diese Version also ohne Vergleichsmöglichkeiten angeschaut.

Fazit: Der Film wirkt lieblos heruntergenudelt, die Figuren sind flach, die Inszenierung gehetzt und unausgegoren, die Schauspieler wirken wie Falschgeld und orgeln mäßig motiviert ihren Text herunter. Ein guter Film sieht anders aus. Kann man sich aus Jux aber trotzdem mal anschauen, wenn er zum Beispiel auf Netflix läuft.

1. „Die Bestimmung – Allegiant“

„Die Bestimmung – Allegiant“ von Robert Schwentke ist der dritte Teil der Verfilmungen der Romantrilogie von Veronica Roth. Aus unerfindlichen Gründen wurde auch der dritte Band der Romanreihe für die Filmadaption in zwei Teile zerhackstückt. Damit das überhaupt einigermaßen zu rechtfertigen ist, hat man sich kurzerhand fast vollständig von der literarischen Vorlage gelöst und einen eigenen Quark zusammengerührt. Geblieben sind die Namen der Figuren und die Ausgangssituation mit den fünf Fraktionen, dem Chaos nach deren Zusammenbruch sowie das Setting in der Stadt Chicago. Das, was sich hinter der Mauer befindet, entspricht ebenfalls zumindest grob vom Prinzip her dem, was im Buch beschrieben wird.

Das, was aus der spannenden, interessanten Ausgangssituation gemacht wird, ist leider völliger Mist. Die Dialoge bestehen – wie auch schon in der misslungenen Verfilmung von „Die Auserwählten in der Brandwüste“ – im Wesentlichen aus „Lauft!“ „Kommt schnell!“ und „Wir müssen hier weg!“ (Ach, nee!?). Immerhin, und das ist eine Verbesserung im Vergleich zum zweiten Teil der Filmreihe, turteln Four und Tris diesesmal mangels Zeit und Gelegenheit weniger miteinander herum, sodass man dieses unsympathische Liebespaar nicht zu oft ertragen muss. Nur schade, dass auch die sympathischen Nebenfiguren zu kurz kommen, insbesondere Peter, der nicht nur mit dem großartigen Miles Teller besetzt, sondern als Figur bereits im Buch schon am spannendsten war, wird hier holzschnittartig zu einem simplen Verräter zusammengestampft.

Und es tut mir leid, aber es ist einfach albern, Teenagerrollen mit erwachsenen Männern zu besetzen, denen man ansieht, dass sie fast 30 sind. Theo James ist halt einfach kein herausragender Schauspieler und wäre als Lichtdouble von Moritz Bleibtreu besser aufgehoben. Gegen Shailene Woodley habe ich im Grunde nichts, aber auch sie bleibt flach und langweilig.

Die dürftige Handlung wurde künstlich aufgeplüscht, indem willkürlich ständig irgendwelche Schießereien, Kämpfe und Prügeleien auf Teufel komm‘ raus ausbrechen. Zum Glück haben sie alle so tolle Waffen und ausreichend Munition, ansonsten wäre das Revolutionspielen ruckzuck vorbei. Da hat man sich wohl ganz an das heilige Motto gehalten, dass einen Bösewicht mit Waffe nur ein guter Held mit Waffe aufhalten könne. Schön, dass das immerhin auf der Leinwand zuverlässig funktioniert, aber ich habe noch ein Motto für meine werte Leserschaft: „Don’t try this at home, kids“ – In der Realität ist es immer noch so, dass Gewalt grundsätzlich Gegengewalt erzeugt und nur eine friedliche Lösung eine echte, nachhaltige Lösung ist. Im Buch wurde das zwar auch nicht so ganz beherzigt, aber ein wenig vielschichtiger war das Ganze dann doch.

Wirklich spannend wird es dementsprechend auch nicht. Ein bisschen Nervenkitzel kam erst auf, als eine Maus im Kinosaal frech von rechts nach links durchs Parkett huschte und ein paar Minuten später von links nach rechts zurücksauste. Verständlich, so wie viele Kinobesucher mit Popcorn herumsauen und nach dem Kinobesuch halbvolle Nacho-Schalen mit Käsesoße auf den Sitzen und dem Fußboden liegen lassen. Da würde ich mich als Maus auch wie im Schlaraffenland fühlen. Die sind ja eigentlich auch ganz niedlich, die Tierchen. Aber eingedenk der Tatsache, dass sie Krankheiten übertragen können, möchte man sie vielleicht nicht so gerne wenige Meter entfernt durch den Kinosaal flitzen sehen.

Fazit: Dieser Film ist Murks, kann man sich sparen. Lest lieber die Bücher.

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85. Stück: Die besten Filme in 2016

Das Jahr 2016 war ein sehr filmreiches Jahr – ich habe meine Kino-Abo-Karte großzügig genutzt. Hier kommt nun ein ganz objektives, überhaupt nicht willkürliches Ranking, welche Filme mir am besten gefallen haben. (Anmerkung: Ich gehe nicht vom Produktionsjahr aus, sondern von dem Jahr, in dem ich den Film im Kino gesehen habe).

Top 10 – Diese Filme haben mich 2016 am meisten beeindruckt oder begeistert:

10. „Elvis & Nixon“

„Elvis & Nixon“ von Liza Johnson ist ein wunderbarer kleiner Film, der sowohl die Entertainer-Legende Elvis Presley als auch den Unsympathen vom Dienst Richard Nixon von einer überraschenden Seite zeigt. Michael Shannon und Kevin Spacey spielen ihre Figuren mit einer Freude, die ansteckend ist, und schaffen es, den skurrilen Charakteren etwas Liebenswertes und Menschliches zu verleihen. Außerdem harmonieren die beiden prächtig miteinander und man wird in diesem Film Zeuge wirklich hervorragender Schauspielkunst.

Elvis Presley wirkt einerseits weltfremd und abgehoben, andererseits aber auch rührend kindlich in seinem unbedingten Willen, seinem Land zu helfen. Er erinnert ein wenig an Til Schweiger, der der deutschen Bundeswehr tonnenweise Nutella ins Krisengebiet liefern lässt. Und Richard Nixon wird bei seiner Begegnung mit dem Künstler, den er vorher genervt so schnell wie möglich abwimmeln wollte, plötzlich zu einem umgänglichen, neugierigen und vergnügten Menschen. Wer hätte gedacht, dass diese beiden Persönlichkeiten Gemeinsamkeiten haben könnten?

Fazit: Lohnt sich! Also nicht nur die großen Blockbuster wie „Star Wars: Rogue One“ schauen, sondern ruhig auch mal den leisen, zurückhaltenden Filmjuwelen eine Chance geben.

9. „Hail, Caesar!“

„Hail, Caesar!“ von den Coen-Brüdern macht unheimlich Spaß. Nur schade, dass er so kurz ist, er hätte auch noch ein paar Minuten länger unterhalten. Aber besser so als andersherum. Das Schöne an dem Film ist, dass alle Figuren sympathisch und im Kern eigentlich nett sind. Niemand will hier irgendwem schaden, niemand ist boshaft oder absichtlich gemein. Natürlich haben alle auch ihre Schwächen und Fehler, bauen Mist oder verrennen sich in Ideen, die mit der Realität nicht vereinbar sind. Aber dabei sind die Figuren tapsig und naiv, glauben Gutes zu tun oder bemühen sich wenigstens – das ist zur Abwechslung einfach mal toll.

Fazit: Lohnt sich!

8. „The Revenant“

Nachdem ich „Birdman“ von Alejandro González Iñárritu reichlich langatmig und affektiert fand, war ich skeptisch, ob ich mir „The Revenant“ vom selben Regisseur anschauen sollte. Zum Glück bin ich seit ein paar Wochen stolze Besitzerin eines Kino-Flatrate-Abos. Zum Glück deshalb, weil ich mir den Film sonst aus Geiz und Vorbehalt nicht angesehen und wirklich etwas verpasst hätte. Eines schon mal vorweg: Die Golden Globes sind vollkommen berechtigt und ich denke, der eine oder andere Oscar müsste auch drin sein. Und zwar endlich einmal für Leonardo DiCaprio. Das kann ja wohl nicht angehen, dass er wieder nur eine Nominierung bekommt.

DiCaprio sowie Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter und alle anderen Schauspieler sind einfach großartig! Das ist fantastisches Handwerk und Talent, das vom Regisseur absolut gekonnt in Szene gesetzt wurde. Die eigentliche Hauptrolle aber spielt die Natur in „The Revenant“. Normalerweise bedeutet es, dass mich die Handlung ins Halbkoma langweilt, wenn mir die tolle Landschaft auffällt. Dann denke ich hinterher: „Na ja … war schön gefilmt *gähn*“ Die Handlung ist hier zwar auch nicht sonderlich komplex, halt eine Rachegeschichte, aber sie ist so eng mit der Natur verflochten, dass sich daraus eine ganz eigentümliche Spannung entwickelt. Trotz der 157 Minuten lief ich keine Sekunde Gefahr einzuschlafen.

Fazit: Der Film ist richtig gut! Unbedingt anschauen!

7. „Die Melodie des Meeres“

„Die Melodie des Meeres“ von Tomm Moore ist ein wunderschöner Zeichentrickfilm. In nostalgisch anmutenden, zweidimensionalen Aquarellbildern und mit liebevoll gestalteten Figuren wird eine Märchengeschichte aus dem Reich der keltischen Mythologie erzählt. Untermalt werden die zauberhaften Bilder von einer geheimnisvollen, keltisch-traditionell klingenden Musik. Das Grundthema sind Verlust und der Umgang mit Trauer und anderen negativen Gefühlen.

Für Kinder könnte das eventuell zu ernst sein und das stille, ruhige, verträumte Erzähltempo zu langsam. Ich hatte zumindest den Eindruck, dass die Kleinen im Publikum ein wenig Schwierigkeiten hatten, sich zu konzentrieren. Leider gibt es nicht viele Erwachsene, die sich ihren Sinn fürs Geheimnisvolle und Magische bewahrt haben, und das nicht als albernen Kinderkram abtun. So wenige Vorstellungen, wie es von diesem kleinen Filmjuwel gab, lassen nicht darauf hoffen, dass es ein größeres Publikum erreicht.

6. „Raum“

„Raum“ von Lenny Abrahamson ist ein stiller Film, der einem an die Nieren geht. Das Erzähltempo ist zwar recht gemächlich und es passiert – zumindest bei der äußerlich sichtbaren Handlung – nicht viel. Dennoch fand ich den Film spannend und ergreifend. Wie die Mutter und ihr kleiner Sohn sich zunächst im Raum ihre eigene Welt aufgebaut haben, um zu überleben, und hinterher erst allmählich wieder Schritt für Schritt mühsam zurück in die wirkliche Welt finden, ist erschütternd und von Brie Larson sowie Jacob Tremblay eindrucksvoll und überzeugend gespielt.

Fazit: Ein ungewöhnlicher Film, der mit leisen Tönen zu berühren weiß. Lohnt sich!

5. „The Big Short“

„The Big Short“ von Adam McKay liefert einen unterhaltsamen und erschütternden Einblick in die Hintergründe der Finanzkrise von 2008. Ich habe mich nie wirklich für Weltwirtschaft interessiert, für Aktienkurse und diesen ganzen Kram. Aber ich kann es nicht leiden, wenn ich etwas nicht verstehe, und während der Krise flogen mir immer mehr völlig unverständliche Begriffe um die Ohren, die mich dann doch neugierig gemacht haben. „Subprimes“, „Hedgefonds“, „CPO“, „Hypothekenanleihen“, … da wird einem schwindelig. Der Film holt so ahnungslose Trottel wie mich, die ernsthaft noch daran glauben, man könnte mit ehrlicher Arbeit einigermaßen reich werden, dort ab, wo sie stehen. Bei den wichtigsten Begriffen hält der Film kurz inne, erläutert die Bedeutung, veranschaulicht das Prinzip mit einem Beispiel, und dann geht es mit der Geschichte weiter.

Für Leute, die sich damit schon gut auskennen, und denen bei diesem ganzen Bankersprech nicht der Kopf schwirrt, ist das womöglich eine störende Unterbrechung des Erzählflusses. Doch mir hat das gefallen, weil ich den Eindruck habe, tatsächlich einiges gelernt und begriffen zu haben. Außerdem ist der Grundtonfall des Films durchaus humorvoll, die Protagonisten irgendwie sympathisch – auch, wenn sie streng genommen ganz schön skrupellose Arschlöcher sind, die sich an der Dummheit und den Träumen armer Menschen bereichern.

Obwohl ich jetzt das Prinzip verstanden habe – es ist eigentlich relativ simpel – bin ich trotzdem fassungslos. Wie! Kann! Man! Nur! Gerade, weil das Prinzip so einfach ist, hätte man es doch als Branchenkenner sofort durchschauen müssen. Das heißt, die Beteiligten haben alle fröhlich mitgezockt und auf die Konsequenzen gepfiffen. Und warum auch nicht? Die Wirtschaft hat sich wieder erholt, das tut sie immer irgendwie, und wer das Geld hat, hat das Sagen. Trotzdem stellt sich mir die Frage: Haben die denn überhaupt gar kein Verantwortungsgefühl? Überhaupt kein Mitgefühl?

Fazit: Ein wichtiger Film, der an die Nieren geht, aber trotzdem unterhält und informiert. Lohnt sich! Und ich schau mir jetzt ein Katzenvideo an, um meinen Glauben an das Gute in der Welt wieder etwas aufzubauen.

4. „Arrival“

„Arrival“ von Denis Villeneuve ist ein ungewöhnlicher Science-Fiction-Film mit zutiefst pazifistischer Botschaft. Da soll noch mal einer sagen, Geisteswissenschaften wären zu nichts nutze. Ha! Bäm! Ätschibätsch! Sind sie nämlich doch! Zumindest, wenn man sich wie Dr. Louise Banks (Amy Adams) in dem Film mit Linguistik beschäftigt und mit Kommunikation auskennt, kann man die Menschheit offenbar vor einem intergalaktischen Mordskonflikt bewahren. Gut, sie bekommt dabei Hilfe vom Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner). Und das Militär stellt ihr immerhin die benötigten Mittel zur Verfügung, die wohl insgesamt von Steuergeldern finanziert sein dürften, also hat genaugenommen jeder irgendwie mehr oder weniger dazu beigetragen, dass die Wissenschaftler ihre Arbeit machen können.

Aber nichtsdestoweniger zeigte „Arrival“ ganz deutlich, dass man mit Köpfchen, Miteinanderreden und Völkerverständigung viel mehr bewirken kann, als mit Säbelgerassel, Muskelspielen, sogenanntem Stärkezeigen, Krachbummpardauz-Waffengedöns und dem ganzen restlichen Idiotenkram, den Populisten und ihre Anhänger für so zielführend und zweckdienlich erachten.

Dabei ist die Geschichte ausgeklügelt, raffiniert erzählt, hält ein paar spannende Wendungen parat, konzentriert sich dabei jedoch vor allem auf seine Hauptfigur Louise und ihre Annäherung an die fremde Spezies. Auf diese Weise kann man dem Film optimal folgen und er ist trotz langsamem, ruhigem Erzähltempo keinen Augenblick langweilig.

Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass Zuschauer, die mit anderen Erwartungen in den Film hineingehen – zum Beispiel einen Actionthriller mit Alienmonstern sehen wollen – dem gemächlichen Tempo womöglich mit Ungeduld begegnen. Mich hat’s nicht gestört und ich fand’s super.

Fazit: Lohnt sich auf jeden Fall! Ein kluger Science-Fiction-Film, der zum Nachdenken anregt.

3. „Sausage Party“

„Sausage Party – Es geht um die Wurst“ von Conrad Vernon und Greg Tiernan ist absolut genialer Schwachsinn. Bei diesem krawallklamaukigen Rundumschlag wird so ziemlich jede Regel politischer Korrektheit gebrochen, jedes nur erdenkliche Tabu gebrochen und vermutlich jedem auf den religiösen oder ideologischen Schlips getreten, der sich einen solchen umgebunden hat. Weil das aber so fair verteilt ist und ausnahmslos jeder sein Fett weg bekommt, ist es auf seine Weise auch schon wieder politisch korrekt – ein moralisches Paradox, und das finde ich gut.

Wenn man mal die ganzen Klischees, Vorurteile, im Grunde kleinlichen Streitereien zwischen den Kulturen, so herrlich respektlos um die Ohren gehauen bekommt, merkt man erst recht, wie albern und lächerlich diese eigentlich sind. Ich bin der Meinung, der Film sollte Pflicht werden für den Religionsunterricht an Schulen. So Kinder, das mit den Göttern ist alles Quatsch, das haben sich nur irgendwelche Leute mal ausgedacht, um Sachen zu erklären, die sie nicht erklären konnten, damit sich alle besser fühlen, aber dann haben die Leute das ernsthaft geglaubt, und dann ist die ganze Chose ein minibisschen aus dem Ruder gelaufen. Und schwupps haben wir Weltfrieden. Na ja … man wird doch wohl noch träumen dürfen.

2. „Tony Erdmann“

„Toni Erdmann“ von Maren Ade ist ein ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Film. Über 160 Minuten lang kommt er ohne Musik aus, nur die Hintergrundgeräusche sind zu hören. Es gibt keinen Vorspann, der Zuschauer wird in die Handlung mittenhinein geworfen. Eine steile Spannungskurve ist nicht zu erkennen, vielmehr ist es, als würde die Kamera einen zufälligen Lebensabschnitt von Winfried Conradi (Peter Simonischek) und seiner Tochter Ines (Sandra Hüller) einfangen und beobachten. Obwohl es zwischendurch immer wieder Leerstellen und Pausen gibt, in denen scheinbar nichts passiert und die Motivation der Figuren im Dunkeln bleibt, wird der Film nie langweilig. Man bleibt irgendwie am Ball, möchte wissen, wie es weitergeht, hofft für und bangt um Winfried und Ines, dass es ihnen gut geht und sie sich einander annähern.

Die Geschichte ist einfühlsam erzählt, aber es wird nie sentimental. Dafür sorgt der schräge Humor, der die ernsten Themen immer wieder auflockert. Manchmal aber bleibt einem das Lachen im Hals stecken, zum Beispiel, wenn Winfried den rumänischen Arbeitern rät, den Humor nicht zu verlieren, obwohl diese vermutlich bald kein Zuhause mehr haben. Überhaupt ist der Film gespickt von Sozialkritik in alle möglichen Richtungen. Der Kontrast zwischen der armen Bevölkerung in Rumänien und den erfolgsverwöhnten Managern, für die ihre Mitarbeiter bloße Zahlen und Menschenmaterial sind, die aber dennoch feige sind und nicht die Bösen sein wollen, wird deutlich gemacht. Die Schwierigkeiten von Frauen in Führungspositionen, von männlichen Platzhirschen ernst genommen und akzeptiert zu werden, kommt ebenfalls zum Ausdruck. Und schließlich erzählt „Toni Erdmann“ auch von Generationskonflikten, komplizierten Familienbanden … und Liebe.

Fazit: Ein rundum gelungener, besonderer Film, absolut sehenswert!

1. „10 Cloverfield Lane“

„10 Cloverfield Lane“ von Dan Trachtenberg ist ein großartiges Kammerspiel und spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es ist allerdings möglicherweise für die Zuschauererwartung etwas ungeschickt, den Titel so nah an den Found-Footage-Film „Cloverfield“ anzulehnen. Viele erwarten daraufhin eine Fortsetzung, ein Spin-off oder ein Prequel – tatsächlich aber haben beide Filme kaum etwas miteinander zu tun. Ich fand’s gut, weil ich nicht so ein ‚creature feature‘-Katastrophenfilm-Fan bin, aber psychologisch feinsinnige Charakterzeichnung, tolle Schauspieler und intelligentes Storytelling liebe.

„Cloverfield“ war von der Machart interessant und das Storytelling war auch da zumindest innovativ. In „10 Cloverfield Lane“ aber wachsen einem die Figuren mehr ans Herz und man fiebert mit ihnen mit; ein wichtiger Aspekt, wenn man nachhaltig Spannung erzeugen und das Publikum in irgendeiner Weise berühren will. Das ist in diesem Film meiner Meinung nach geglückt.

Das liegt nicht nur an dem tollen Drehbuch, dem virtuosen Schnitt und der bedrückenden mise en scène, sondern auch und vor allem an den drei Hauptdarstellern, die sich gegenseitig die Bälle zuspielen. John Goodman als zwielichtiger Verschwörungstheoretiker lässt einem abwechselnd das Blut in den Adern gefrieren und den Wunsch verspüren, ihn in den Arm zu nehmen. Mary Elizabeth Winstead gelingt das Kunststück, ihre Michelle sympathisch wirken zu lassen, obwohl sie es faustdick hinter den Ohren hat und durchaus kratzbürstig und durchtrieben sein kann. John Gallagher Jr. als Emmett wirkt wie jemand, dem man vertrauen kann, aber stimmt wirklich alles, was er sagt?

Anders als zum Beispiel in Quentin Tarantinos Kammerspiel „The Hateful Eight“ wird das Zusammenspiel zwischen den drei eingesperrten, grundverschiedenen Personen nicht langweilig. Vielleicht, weil es nicht so viele Menschen sind, zwischen denen die Handlung zu sehr in Stücke gerissen wird. Die Atmosphäre, die Handlung bleiben hochkonzentriert, konsequent und spannend. Trotzdem gibt es zwischendurch skurrile, absurde Momente, die die nervenaufreibende Spannung zwischendurch ein wenig lösen, sodass sich neue Spannung aufbauen kann. Die ganze Situation im Bunker wirkt kafkaesk. Ohne mehr verraten zu wollen: Das Ende ist auf jeden Fall eine Überraschung und steht im starken Kontrast zum restlichen Film.

Fazit: Ganz unvoreingenommen reingegangen und begeistert herausgekommen. Unbedingt empfehlenswert!

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81. Stück: „Marry me!“-Blogparade von Singende Lehrerin

Die Singende Lehrerin hat wieder eine spaßige Blogparade ins Leben gerufen, bei der ich – mit etwas Verspätung – mit großem Vergnügen mitmache. Thema dieses Mal: „Marry me!“ Es geht um sieben fiktive Figuren aus Film, Serien oder Büchern, die ich am liebsten heiraten würde. Ich glaube, das wird ziemlich lustig, meistens stehe ich so auf die Underdogs, die Sidekicks und gutmütigen Stoffel, die ein bisschen naiv und trottelig sind. Oder auf die schweigsamen, nachdenklichen Harte-Schale-weicher-Kern-Typen, hach ❤ Nun denn, auf geht’s, diese Jungs haben am meisten mein Herz berührt, seufz:

7. Jacob aus der „Twilight“-Reihe

Team Jacob, Hurra! 😀 Soooo, das fängt ja schon superpeinlich an, ne? Aber in den Büchern fand ich Jacob echt absolut zum Dahinschmelzen und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie man diesen aufgeblasenen, arroganten Schnösel Edward ihm vorziehen kann. Gut, einiges fand ich jetzt nicht so in Ordnung, dass er Bella schon teilweise sehr fordernd für sich erobern will, etwa, dass er doch recht schnell eingeschnappt ist und es ist auch echt merkwürdig, dass er sich ein Kleinkind als seine Zukünftige ausguckt. Aber deswegen sitzt er ja auch auf Platz 7 und nicht weiter oben 😛

Aber im Vergleich zu Edward, der ein übergriffiger Kontrollfreak ist, überhaupt keinen Sinn für Humor hat, und Bella ständig so behandelt, als könnte sie nichts selber machen (kann und will sie auch nicht, aber das ist trotzdem kein Grund, sie so zu behandeln, als wäre sie ein preziöses Kleinod aus feinstem Kristall, das beim kleinsten Ministups vom Regal plumpst und in unzählige Scherben zerschellt), ist Jacob dann definitiv die bessere Wahl. Auch, wenn Taylor Lautner, der ihn in den Filme spielt, aussieht wie Chief Wiggum von den Simpsons, zumindest vom Gesicht her. Außerdem kann Jacob sich in einen süßen Wolf mit Flauschefell verwandeln, während Edward nur Tiere tötet – gut, von irgendwas muss er ja „leben“, aber trotzdem.

6. Winston aus „New Girl“

Winston aus „New Girl“ ist einfach sowas von süß! Ich möchte ihn jedesmal knuddeln, wenn er wieder einen Witz nicht verstanden oder selbst versucht hat, einen zu reißen, der überhaupt nicht lustig ist. Wahrscheinlich müsste ich mich um alles Praktische kümmern, wenn wir verheiratet wären, und das wäre sicher extrem nervig. Auf der anderen Seite aber hat er ein grundgutes Herz und er mag Katzen! Mehr Argumente braucht man dann eigentlich nicht mehr. *miau*

5. Daryl aus „The Walking Dead“

Zugegeben, besonders gepflegt ist er nicht und auch die Schwiegerfamilie, in die ich da einheiraten würde, wäre so ziemlich die Schlimmste, die man sich als intellektueller Bücherwurm und linksrotgrünversiffter Gutmensch nur vorstellen kann, aber die wurden eh alle von der Zombieplage dahingerafft. Von daher spricht nichts dagegen 🙂 Daryl gehört in die Kategorie Harte-Schale-weicher-Kern, der nach außen hin brummelig, mürrisch und wortkarg wirkt, aber in Wirklichkeit ein treuer, loyaler und echter Freund ist. Wenn er erst einmal jemanden ins Herz geschlossen hat, ist er entschlossen, alles zu tun, um der Person beizustehen. Ist er verliebt, wirkt der sonst so verschlossene Mann so tapsig wie ein Hundewelpe, nur, um im nächsten Moment mit seiner Armbrust ein Opossum fürs Abendessen zu erlegen.

4. Jules aus „Jules & Jim“

„Jules & Jim“ ist mein Lieblingsfilm aus der Nouvelle Vague und es zerreißt mir jedesmal das Herz, wenn ich sehe, wie Jules sich für seine Liebe zu Catherine und seine Freundschaft zu Jim selbst aufopfert. Das Glück der Frau, die er liebt, und seines besten Freundes sind ihm wichtiger als alles andere, auch wichtiger als sein eigenes Glück. *heul*

3. Christian aus „Moulin Rouge“

Ach ja, was habe ich als 18-/19-Jährige für Christian aus „Moulin Rouge“ geschwärmt! Dieser gutmütige, hoffnungslos romantische und idealistische Kerl mit der umwerfend tollen Stimme hat mein Herz im Sturm erobert. Sehr zum Missfallen meines damaligen Freundes, der rasend eifersüchtig auf alles und jeden war, den, die oder das ich gut fand, mir Freude machte oder ein Lächeln entlockte, was nicht er selbst war. Am Anfang dachte ich, er mache Witze, und habe ihn natürlich extra aufgezogen. Ein bisschen fies, ich weiß, aber wenn man mir so eine Steilvorlage an Albernheit und Eitelkeit vor den Latz knallt, kann ich einfach nicht widerstehen, und muss mich darüber lustig machen. Wenn man immer alles Bescheuerte ernst nähme, was Leute so jeden Tag raushauen, dann würde man ja selbst bescheuert werden. Besagter Freund war übrigens auch eifersüchtig auf meinen Kater („Du hast die Katze ja viel lieber als mich, mimimi!“), also zu meiner Entschuldigung: ich wurde herausgefordert.

2. Luke aus „Gilmore Girls“

Der Flanellhemdfuzzi und leidenschaftliche Cap-verkehrtherum-Trager Luke aus der Serie „Gilmore Girls“ ist einfach toll! Das ist einer, der labert nicht romantisch herum, verspricht einem nicht die Sterne vom Himmel und so’n Scheiß und gockelt sich nicht zu irgendwelchen unglaubwürdigen Allerweltskomplimenten auf, sondern der ist so wie er ist: überwiegend übellaunig, oft genervt von den Albernheiten seiner Mitmenschen, aber trotzdem ist er immer zur Stelle, wenn man ihn braucht. Er ist jemand, der seine Liebe über seine Taten zeigt, aber nicht viel von ihr spricht. Er ist ehrlich, aufrichtig und authentisch, gleichzeitig aber selbstlos und hilfsbereit, wenn es darum geht, seinen Lieblingsmenschen eine Freude zu machen. Außerdem kann er kochen! Ich freue mich schon wie ein Schneekönig auf die neuen „Gilmore Girls“-Folgen und hoffe, dass Luke und Lorelai endlich heiraten! *quiiiiiiietsch* ❤ ❤ ❤

Die folgende Szene rührt mich immer wieder zu Tränen:

1. Peeta aus „Die Tribute von Panem“

Oh, was habe ich mitgelitten, als ich die „Tribute von Panem“-Bücher las; mit Katniss und den anderen Tributen, vor allem aber mit Peeta, dem Bäckerssohn mit seinem Talent zum Dekorieren und Backen, mit seiner Lieblingsfarbe Orange wie beim Sonnenuntergang, seiner Güte und Ruhe und Vernunft. Sein unerschütterlicher Glaube an das Gute im Menschen und seine Beharrlichkeit bei der Suche nach einer friedlichen Lösung, sein Mut zur Freundlichkeit haben mich tief berührt. Die Beziehung von Peeta und Katniss ist außerdem von Gleichberechtigung geprägt, von gegenseitigem Respekt und aufrichtiger, unaufgeregter Zuneigung. Und ich finde, mit Josh Hutcherson ist die Figur auch in den Verfilmungen absolut passend besetzt.

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78. Stück: Die präzise Eleganz der deutschen Sprache und wer sie zu nutzen weiß

In meinem letzten Essai „Wann deutsche Filme und Popmusik scheiße sind“ war ich ein bisschen gemein zu deutschsprachigen Bands und Filmen, die ich nicht leiden kann. Was ich an Silbermond, Juli, Revolverheld und Co. sowie Filmen à la Was nützt die Liebe in Gedanken im Wesentlichen hasse, ist die plumpe, unsubtile, humorlose und pathetische Art, mit der wunderbaren deutschen Sprache umzugehen und die fehlende Leichtigkeit. Es gibt aber auch Werke, die die Besonderheiten meiner Vatersprache (Eh oui, meine Muttersprache ist Französisch, meine patrie ist Deutschland) positiv für sich zu nutzen wissen. Jede Sprache hat ihre Eigenarten und sie können wundervoll sein, aber auch tückisch, wenn man nicht aufpasst. Bei Deutsch ist es vor allem die Klarheit und Präzision, die sehr stark sein kann – oder auch plump und humorlos. Im Deutschen kann man ganz genau das sagen, was man sagen will, indem man Wortteile nach Belieben neu zusammensetzt. Stellt man es ungeschickt an, wirkt es schnell zu offensichtlich und polterig. Pathos wirkt im Deutschen auch deshalb so albern, weil er vollkommen unnötig ist. Die Worte sind bereits klar und stark genug, da muss man nicht noch eins draufsetzen – im Gegenteil. Durch feine Untertreibung als Kontrast zur Deutlichkeit der Worte kann eine Leichtigkeit und Einfachheit erzeugt werden, die deutsche Filme und Lieder vor unerträglichem Schnulzkitsch bewahren. Ein paar deutschsprachige Künstler sind solche begnadeten Wortakrobaten, die mit Ausdrücken und Bedeutungen jonglieren können, tolle Geschichten erzählen und mit verschmitzter Ironie an den Oberflächen der Dinge kratzen.

Am besten schildere ich mal anhand einiger Beispiele, wie man die präzise Eleganz der deutschen Sprache gekonnt einsetzen kann. Meister der Ironie sind zum Beispiel Farin Urlaub von Die Ärzte und die Texter von Annett Louisan:

„Lasse redn“ verbirgt hinter seiner fröhlichen Melodie und den pfiffigen Reimen eine herrlich entlarvende Kritik am Spießertum, wie es sich durch die tägliche Lektüre der ‚Bild‘-Zeitung und das Lästern über Nachbarn und Bekannte bemerkbar macht. Aber anstatt plump zu wehklagen, wie unglaublich verabscheuungswürdig und moralisch daneben es doch ist, fiese Gerüchte über andere Leute in die Welt zu setzen und sich an den Problemen anderer Menschen zu ergötzen, wird hier einfach frech grinsend die ganze Tratscherei ins Absurde überspitzt. „Die Katze“ kommt mit ganz einfachen Worten aus, präzise wird beschrieben, wie sich eine Katze häufig aufführt: eigensinnig, unabhängig, aber unwiderstehlich. Der etwas träge Rhythmus passt wunderbar dazu. Durch Annett Louisans ironisch-lustvolle Interpretation bekommt das Lied jedoch auch etwas unterschwellig Erotisches, ohne es allerdings direkt auszusprechen. Täte sie dies, etwa wie im Schlager „Zieh dich aus, kleine Maus, mach dich nackig …“, würde diese prickelnde zweite Ebene verpuffen (Hihi, ver“Puff“en 😛 ).

Deutsch eignet sich außerdem hervorragend dafür, Geschichten zu erzählen, und zwar mit wenigen Worten, so wie ein paar Pinselstriche in einer gelungenen Skizze ein ganzes Bild entstehen lassen können. Ein Beispiel hierfür ist das Lied „Der Tantenmörder“ vom Theaterautor Frank Wedekind:

Bei dem Lied muss man allerdings aufpassen, dass man nicht durch eine plumpe, finstere Darstellung den tollen Text von Wedekind ruiniert. Das liegt dann aber nicht mehr an der Sprache, sondern an der Interpretation, die das, was der Text gekonnt vermieden und ausgelassen hat, mit Krampf aufpresst. Man darf als Schauspieler und Interpret nicht vergessen, dass das Publikum nicht blöd ist und des Lesens von Zwischentönen durchaus mächtig. Diese Version hier finde ich zum Beispiel nicht so gut:

Außerdem gibt es auch tatsächlich ein paar „Supernachdenklicher Deutschpop“-Lieder, die ich mag. Zum Beispiel höre ich sehr gern „Wolke 4“ von Philipp Dittberner & Marv oder „Herz über Kopf“ von Joris:

Ich mag zum einen die Schlichtheit der musikalischen Begleitung, die den Text optimal unterstreicht, ohne ihn zu überdecken. Die gewählten Wörter und ihre Anordnung sind einfach, aber drücken trotzdem viel aus, ohne dass man noch etwas dazupacken oder extra erklären müsste. Mit eleganter Präzision entstehen Bilder, werden Emotionen transportiert, ohne zu nerven oder dem Zuhörer mit einer Extraportion Plumpheit die gemeinte Bedeutung unter die Nase zu reiben.

Ironie, Leichtigkeit, tolle Geschichten in wenigen, präzisen und gut gewählten Wörtern sowie unterschwelliger Humor funktionieren nicht nur in der Musik, sondern auch in Filmen. Der Tatort Im Schmerz geboren mit Ulrich Tukur war zum Beispiel absolut genial. Der letzte Kölner Tatort Kartenhaus hat mich sogar zu Tränen gerührt. Sehr gut gefallen hat mir auch Wir sind jung. Wir sind stark von XY. Ab und zu gibt es eine Szene, die ich etwas übertrieben schwermütig-melancholisch und aufgesetzt fand, aber insgesamt wird hier aus verschiedenen Perspektiven ein genauer Blick auf die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen von 1992 geworfen, ohne zu urteilen oder die moralische Keule zu schwingen. Dass die Geschichte, die mit dem Brand einer Asylunterkunft endet, von erschreckender Realität ist, braucht dann nicht mehr extra dazugesagt zu werden. Nicht zu vergessen sind außerdem ein paar herausragende deutschsprachige Fernsehserien, die durch witzige Dialoge, tolle Figuren und Experimentierfreude glänzen, etwa Morgen hör ich auf, Der kleine Mann, Der Tatortreiniger, Dr. Psycho oder Stromberg.

Zum Schluss habe ich noch ein paar Lesetipps für euch:

  • Tschick von Wolfgang Herrndorf
  • Die kurzen und die langen Jahre von Thommie Bayer
  • Alle Toten fliegen hoch (Amerika) und die anderen Bücher von Joachim Meyerhoff
  • Der Sandmann und alles andere von E. T. A. Hoffmann
  • Lenz von Georg Büchner
  • Der Hofmeister und alles andere von Jakob Michael Reinhold Lenz
  • Die Schachnovelle und alles andere von Stefan Zweig
  • Das Schloss und alles andere von Franz Kafka
  • Die Gedichte und alles andere von Erich Kästner
  • Alles von Charlotte Link

Welche deutschsprachigen Lieder, Filme, Serien und Bücher mögt ihr besonders gern und warum?

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77. Stück: Wann deutsche Filme und Popmusik scheiße sind

Zuerst wollte ich diesen Essai „Warum deutsche Filme und Popmusik scheiße sind“ nennen, aber dann fielen mir immer mehr Beispiele von guten deutschen Filmen und gelungenen deutschsprachigen Liedern ein. Und da habe ich mich gefragt, was denn den Scheiß von guten Werken unterscheidet. Das ist gar nicht so einfach zu sagen, weil solche Urteile immer subjektiv sind, und das, was ich für grauenhaft erachte, andere wunderbar finden. Keiner von uns hat dann recht oder unrecht, es sind eben verschiedene Geschmäcker und Meinungen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es doch so ein paar Dinge gibt, die mir typisch Deutsch vorkommen, und zwar im negativen Sinne. Über die positiven Seiten der deutschen Sprache werde ich noch einmal gesondert einen Beitrag schreiben, heute geht es mal darum, was mich bei deutschsprachigen Machwerken oft stört.

Ich möchte überdies gern alle Leser dazu einladen, mir in den Kommentaren zu widersprechen oder auch zuzustimmen und Dinge zu ergänzen, die mir vielleicht nicht aufgefallen sind. Dann wird die Angelegenheit wenigstens ein bisschen intersubjektiv. 🙂

Am besten fange ich mit ein paar Beispielen deutschsprachiger Filme und Lieder an, die ich ganz schauderhaft finde. Silbermond, Juli, Revolverheld, Die Toten Hosen (zumindest den neueren Scheiß à la „Tage wie diese“, urgs 😛 ) und Xavier Naidoo sind beispielsweise Bands/Sänger, die mir zuverlässig mit ihrer Musik auf den Wecker fallen und ein genervtes „Roooh, nicht DIE schon wieder!“ begleitet von sofortigem Wechseln des Radiosenders hervorrufen. Ich nenne diese Musikrichtung gern „supernachdenklichen Deutschpop“, weil da auf Krampf versucht wird, megasensibel zu wirken und derbe poetisch rüberzukommen. Dann werden da entweder ganz melancholisch mit dünnem Stimmchen Platitüden ins Mikro gehaucht oder gewollt verwegen plattes, vor Pathos triefendes Klischeezeug gegrölt, um allen zu zeigen, wie ungemein emotional man gerade drauf ist. Die Melodien sind entweder so gut wie nicht vorhanden oder so simpel und unoriginell, dass es einen schon aggressiv macht vor Langeweile.

Wenn schon die musikalische Seite unerträglich ist, könnte zumindest ein schlauer, witziger, ironischer, leichter, liebenswerter oder zum Nachdenken anregender Text den ganzen Kram retten. Das tut er aber bei besagten Beispielen nicht. (Anmerkung am Rande: Das „meiner Meinung nach“ und „meines Erachtens“ etc. möge man sich bitte dazu denken) Im Gegenteil, da wird’s dann teilweise richtig schlimm. Von Leichtigkeit und Raffinesse, Humor, echten Gefühlen oder Gesellschaftskritik keine Spur. Stattdessen wird zum x-ten Mal darüber schwadroniert, dass früher alles besser war, was für eine tiefe Männerfreundschaft einen mit seinen Kumpels verbindet, nur, weil man regelmäßig gemeinsam in einer versifften Kneipe saufen geht. Oder es wird ganz platt und unsubtil herausposaunt, was für ein perfekter/großartiger/fantastischer/bester Tag aller Zeiten es doch ist.

Wahlweise wird auch noch mit Trampelschritten der Liebe gehuldigt, vor allem im Schlager, indem mit absurder Inbrunst herumgetrötet wird, dass man durch die Nacht geht, gemeinsam den Sternenhimmel schön findet, nur Du und ich, ich und Du, Müllers Esel schubidu. ‚Tschuldigung, da sind gerade die Maultiere mit mir durchgegangen, zurück zum Thema. Am besten schmeißt man auch noch die Zahl Tausend mit in den Text, das kommt immer gut, weil „Tausend“ ja total viel ist, also fast schon „unendlich“. „Unendlichkeit“ ist dann auch so ein Wort, ebenso wie „Ewigkeit“, „Leidenschaft“, „spüren“, „Tag“ und „Nacht“, „Sonne“, „Mond“ und „Sterne“, die in keinem deutschen Schlagertext fehlen dürfen. Ich stelle mir das Texten solcher Lieder so vor: Man schmeißt diese ganzen wahnsinnig emotionalen Begriffe auf Zettelchen geschrieben in einen Pott, wirft vielleicht noch ein paar ferne Länder oder beliebte Urlaubsziele mit dazu, rührt einmal kräftig durch und zieht dann ein paar Wörter heraus. Daraus schustert man den Text dann zusammen. „Mit Dir durch die Unendlichkeit, mit Leidenschaft in die Ewigkeit, Dich spüren Tag und Nacht! Du und ich, ich und Du, wir schauen Sonne, Mond und tausend Sternen zu, im Himmel über Capri, wo ich die Liebe fand!“ Humpta-humpta-humpta!

Mich stört daran vor allem dieses Offensichtliche, dieses Platte, dieses Berechnende. Da hat man den Eindruck, die Leute haben sich überhaupt keine Mühe gegeben, das wirkt alles so unehrlich und unauthentisch. Wobei man da sicher auch noch differenzieren kann, ich denke schon, dass Silbermond, Juli, Xavier Naidoo und Co. sich bei ihren Texten was gedacht haben und das auch wirklich so meinen und ganz viel dabei fühlen. Es wirkt trotzdem immer alles so, als habe man sich einmal ein bestimmtes Schema ausgedacht und für gut befunden. Die Lieder sind dann keine individuellen Werke mehr, sondern es wird alles in dieses Schema gepresst, mit dem Ergebnis, dass nachher alles gleich klingt. Vielleicht erweckt das dann bei mir den Eindruck des „Unechten“, weil sich selbst das coolste Schema irgendwann abnutzt und oberflächlich wird. Möglicherweise fällt es mir auch nur deswegen negativ auf, weil ich das Schema besagter Musiker grauenhaft langweilig finde. Entspräche es meinem Geschmack, fände ich es vielleicht gar nicht schlimm.

In deutschen Filmen beziehungsweise Filmszenen, die ich nicht mag, fällt mir ebenfalls vor allem die fehlende Leichtigkeit und Subtilität auf. Gepaart wird das Plumpe, Platte, Schwere und Offensichtliche obendrein häufig mit einer viel zu angestrengten, gewollten, unignorierbaren Absicht, große Gefühle zu illustrieren sowie dem Klischee des Volks der Dichter und Denker in den Allerwertesten zu kriechen, indem man extra poetische Bilder und eine vermeintlich voll lyrische Sprache wählt. Ein Beispiel dafür ist Was nützt die Liebe in Gedanken von Achim von Borries. Die Schauspieler werden dann genötigt, ein völlig leeres, ausdrucksloses Gesicht zu machen, die Schultern nichtssagend hängen zu lassen und – schon wieder mit dünnem Stimmchen oder unverständlichem Genuschel – supernachdenkliche Platitüden vor sich hin zu hauchen. Am besten ist dann auch immer möglichst oft jemand nackt, idealerweise sieht man auch alles, damit alle wissen, wie überhaupt nicht verklemmt der Deutsche an sich ist. Die Filmmusik ist passend dazu ein unerträgliches Unglücksgeraune, das jede Szene mit Pathos verklebt wie eine im Rucksack ausgelaufene Flasche Multivitaminsaft. (Ich weiß, wovon ich rede, einem solchen Vorfall ist mein erstes Handy zum Opfer gefallen.)

Meistens werden die Bilder in blasse Grau- und Blautöne getaucht, damit alles noch viel melancholischer und nachdenklicher wirkt. Zu allem Überfluss wird aber auch dieses penetrant Öde nicht konsequent durchgezogen, sondern ab und zu wird’s total emotional. Dann brüllt plötzlich jemand los, und zwar so, dass man überhaupt nicht akustisch versteht, was gerade los ist. Das soll wohl authentisch wirken, tatsächlich aber wirkt es einfach nur aufgesetzt. Ganz besonders albern wird es, wenn deutsche Filme nicht so ganz wissen, wie sie anfangen oder aufhören sollen. Dann wird nämlich einfach getanzt. Ohne Grund und ziemlich ungelenk und tapsig vollführen die Figuren dann ein paar Tanzschrittchen. Das sieht man häufig im Tatort oder Polizeiruf 110. Was das soll, habe ich bislang noch nicht verstanden.

So weit meine kleine Tirade, was ist eure Meinung dazu?

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76. Stück: Liebster Award Nominierung, numéro quatre

Nun hat es mich bereits zum vierten Mal erwischt 🙂 Dieses Mal hat mich Friedl von Grimm vom Blog Trivial für den Liebster Award nominiert. So, nicht lange schnacken, auf geht’s zur fröhlichen Frage-Antwort-Runde (dieses Mal durfte ich mir Fragen aus Friedls Repertoire aussuchen):

1. Welcher Film fängt deine Persönlichkeit am besten ein?

Ich find’s immer schwierig, seine eigene Persönlichkeit allumfassend richtig einzuschätzen. Das hängt ja auch immer vom eigenen Selbstwertgefühl ab, wie man sich selbst sieht, und das verfälscht die Einschätzung. So denke ich zum Beispiel von mir, ich sei schüchtern, zutiefst lächerlich und ziemlich neurotisch. Aber aus mir unerfindlichen Gründen scheine ich nach außen hin nicht so zu wirken, also ist meine Selbsteinschätzung vielleicht kompletter Käse und ich bin in Wahrheit voll toll. So, jetzt habe ich mich erfolgreich mehrere Sätze mit meinem Geschwafel um eine Antwort gedrückt 😛

Aber ich will meine Leser auch nicht enttäuschen … Zuletzt konnte ich mich aus oben genannten Gründen vor allem mit der Figur Lisa aus dem Animationsfilm Anomalisa von Charlie Kaufman identifizieren. Meine Kritik zu dem Film findet ihr auf meiner Facebook-Seite.

2. Wann und warum bist du das letzte Mal ausgerastet?

Bis ich mal richtig wütend werde, das dauert. Ich bin im Großen und Ganzen ein recht duldsamer Mensch, der gern seine Ruhe hat und Streit nicht ausstehen kann. Gegen eine sachliche Diskussion mit spannenden Argumenten unter zivilisierten Leuten habe ich gar nichts, im Gegenteil, das macht mir Spaß. Aber Streit, wo man sich gegenseitig verbal unter die Gürtellinie haut und versucht, gegenseitig zu demütigen und sich selbst zu erhöhen, wo man sich gegenseitig anschreit und am Ende alle stinksauer aufeinander sind, ist in meinen Augen alles andere als zielführend und zweckdienlich. Das eigentliche Problem wird in solchen Schimpforgien doch nie geklärt, sondern alle Beteiligten wollen nur Dampf ablassen. Sprich, hinterher ist das Problem immer noch da, doch anstatt Ideen für eine Lösung oder einen Kompromiss gesammelt zu haben, habe ich eine Scheißlaune und bin fürchterlich unglücklich.

Es bedarf also vorher einer langen, langen Reihe immer wiederkehrender Kränkungen, die sich allmählich aufstapeln, bis mir irgendwann der Kragen platzt. Das kann dann schonmal mehrere Jahre dauern, bis ich dann tatsächlich explodiere, vorher versuche ich immer, Konflikte friedlich zu klären. Aber leider gibt es Menschen, die keinen Bock auf friedliche Klärung haben, und es auf Streit absehen, warum auch immer. Insofern erinnere ich mich an einen denkwürdigen Moment mit meinem ehemaligen besten Freund vor mittlerweile rund 13 Jahren (da kann man mal sehen, wie selten ich ausraste 😉 ), der mich jahrelang immer als unehrlich, hinterfotzig, rücksichtslos, verlogen, falsch, lästig und weißichwasnoch bezeichnet hatte. Ich habe das irgendwann selbst geglaubt und mich glücklich geschätzt, dass er sich überhaupt mit mir minderwertigem Subjekt abgab. Bis es mir irgendwann gereicht hat. In der Zwischenzeit war ich mit meinem Freund zusammengekommen, also vielleicht habe ich dadurch ein bisschen Selbstvertrauen zurückgewonnen. Jedenfalls hat mich besagter Ex-bester-Freund an einem Abend wieder als niederträchtiges Miststück behandelt und mit allerlei Beleidigungen und verbalen Demütigungen bombardiert, und ich bin die ganze Zeit ruhig geblieben. Habe die Zähne zusammengebissen, die Tirade stoisch ertragen und es beim Aussteigen noch geschafft, lächelnd und zähneknirschend gute Nacht zu sagen. Aber kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen, bin ich einfach explodiert. „Leck mich doch am Arsch!“ habe ich gebrüllt und – ganz untypisch für mich – mir in dem Moment keine Gedanken darüber gemacht, dass ich mit meinem Geschrei eventuell die Nachbarn aufgeweckt haben könnte.

Dann hörte ich die Reifen quietschen. „Fuck! Er hat mich gehört!“, schoss mir durch den Kopf, da kam er auch schon auf mich zugestapft und blitzte mich aus wütenden Augen an. „Was hast du da gerade gesagt?“, zischte er und ich hielt seinem Blick stand und wiederholte, er könne mich mal am Arsch lecken. Zack, da schubst er mich auf die Straße, ich fliege im hohen Bogen auf meinen Allerwertesten und bleibe verdattert sitzen. Er stapft zurück zum Auto und fährt davon. Es hat dann noch ein paar Monate gedauert, bis wir uns endgültig zerstritten hatten, aber dieser Ausraster ist mir im Gedächtnis geblieben.

3. Salziges oder süßes Popcorn? Oder gemischt, wie ich es präferiere?

Ehrlich gesagt, mag ich Popcorn gar nicht mal so besonders. Es schmeckt nach Presspappe und die Hüllen von den Maiskörnern schieben sich zwischen die Zähne und da bleiben sie dann, schneiden einem ins Zahnfleisch, bis man sie mit Zahnstocher oder Zahnbürste herausangeln kann. Aber wenn ich Popcorn esse, dann gern die süße Variante.

4. Welches Verhalten, was eigentlich nicht nett ist, hast du durchaus perfektioniert?

Na ja, ich bin zugegebenermaßen ganz gern mal altklug. In der Regel habe ich dann auch wirklich recht, aber mir ist dann auch sehr daran gelegen, dass der andere das auch einsieht, sonst habe ich ja nichts davon, recht zu haben. Manchmal macht es mir dann auch Spaß, dumme Kommentare auf Facebook und Co. höflich und mit logischer Argumentation zu zerpflücken. Mir ist dabei völlig klar, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist, und Idioten, die dumme Kommentare schreiben, für nichts auf der Welt ihr Oberstübchen bemühen und einsehen würden, dass sie kompletten Schwachsinn geschrieben haben. Aber bis zu einem gewissen Grad amüsiert es mich dann, wenn diese Vollpfosten sich selbst entlarven mit ihrer arroganten, selbstgefälligen, aber völlig bescheuerten Reaktion. Meistens kommt entweder gar nichts zurück (das heißt, ich hatte das letzte Wort, Ätsch! 😛 ) oder es kommt sowas wie „Ja, da muss man halt schon intelligent sein, um das so zu sehen wie ich. Ich bin dann mal raus aus der Diskussion, ihr seid mir alle zu dumm.“ Klassischer Fall von Projektion, jaja.

5. Deine Top 5 für eine legendäre Karaokesession.

Juhu! Ich liiiiiiebe Karaoke! Also:

1. „Tainted Love“ von Soft Cell

2. „Basket Case“ von Green Day

3. „Bohemian Rhapsody“ von Queen

4. „Sweet Dreams (are made of this)“ von Annie Lennox

5. „Faith“ von George Michael

6. Bist du Befürworter der These, dass Künstler (egal, ob Filmschaffende, Musiker, Maler etc.) nur etwas Großartiges erschaffen können, wenn sie unglücklich sind? Warum?

Nee, das halte ich für ein Gerücht. Genauso, wie ich es für Quatsch halte, dass man als Künstler partout seinen Horizont mit Drogen, Alkohol und anderen Schummelhilfsmitteln „erweitern“ muss, damit das, was man fabriziert, als Kunst gilt. Das Wesentliche ist, dass man etwas zu erzählen, mitzuteilen hat, und natürlich genug Begabung in dem künstlerischen Bereich besitzt, um seine Aussage auch cool zu verpacken und im Zuschauer etwas auszulösen. Ein gelungenes Kunstwerk, also etwas künstlerisch Großartiges, verändert den Zuschauer. Ob der Künstler dabei unglücklich ist oder eigentlich soweit zufrieden, ist dabei meiner Meinung nach Nebensache. Es kann aber natürlich sein, dass man sich eher mitteilen möchte, wenn es bei einem selbst gerade nicht so rund läuft. Das ist ja in den Nachrichten nicht anders, Katastrophen haben einfach einen größeren Sensationswert und sind scheinbar interessanter und bemerkenswerter. Dass alles supi ist, sollte ja eigentlich Normalzustand sein, und dann ist natürlich alles spannend, was davon abweicht.

7. Welche Selbstmordmethode würdest du wählen?

Solche kontroversen Fragen und Gedankenspiele mag ich. Ich habe überhaupt nicht vor, mich jemals umzubringen, aber angenommen, ich bin irgendwann ein totales Gemüse, das gar nichts mehr alleine machen kann und nur noch von Geräten am Leben erhalten wird. Dann hoffe ich, dass jemand diese Geräte ausknipst. Das ist dann nicht wirklich Selbstmord, sondern Sterbehilfe, was auch schon wieder ein anderes, superkontroverses Thema ist. Aber ich persönlich für mich würde das in einem solchen Fall befürworten.

8. Welchen Genremix würdest du gerne mal auf der Leinwand sehen?

So, wieder ein leichteres Thema 🙂 Ich find’s cool, wenn man zwei oder mehrere Genres kombiniert, die scheinbar auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen. Ein Action-Splatter-Musical fände ich mal lustig.

9. Welche Musik empfindest du als zeitlos schön?

Manche klassische Stücke – nicht alle, manche sind auch einfach strunzlangweilig – finde ich zeitlos schön, zum Beispiel „Barcarolle“ von Jacques Offenbach aus „Hoffmanns Erzählungen“.

10. Glaubst du, dass man in der heutigen Zeit noch etwas wahrhaftig Originelles kreieren kann?

Ach, nö, ich glaube, das kann man knicken. Die Frage ist auch, ob man denn überhaupt immer was Originelles kreieren muss? Ich denke – und da bin ich ganz ein Kind der Postmoderne – dass man Motive, Geschichten, Archetypen und Versatzstücke, die es bereits gibt, wunderbar kombinieren, variieren, anders und neu erzählen kann.

11. Was passierte bei deinem letzten unangenehmen, schlechten oder peinlichen Erlebnis und wie bist du damit umgegangen?

Mir passieren so oft Dinge, die mir selbst total peinlich sind, dass ich mich da inzwischen gut dran gewöhnt habe. Meistens schätze ich das Ganze auch als viel peinlicher ein, als es eigentlich war. Üblicherweise laufe ich dann gefühlt puterrot an, möchte am liebsten im Boden versinken und nie, nie wieder auftauchen. Aber jedes Mal überlebe ich peinliche Situationen und – das ist übrigens das Tolle am Älterwerden – weiß das inzwischen. Das heißt, ich bin schon megastolz auf mich, wenn ich nicht vor allen Leuten anfange zu flennen, sondern es noch bis zum Klo schaffe. Da heule ich mich dann ein paar Minuten aus, atme ein paar Mal tief durch, klopf mir den Staub von den Schultern, wuschel meine Frisur zurecht und gehe wieder raus. Und dann stelle ich fest, das war alles gar nicht so schlimm, und ich kann sogar was draus lernen.

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75. Stück: Liebster-Award-Nominierung, die Dritte

Und hier ist auch schon die nächste Liebster-Award-Nominierung 🙂 Dieses Mal hat mich mein Bloggerkollege von Haltstop zurücknominiert, den ich nach meiner ersten Liebster-Award-Nominierung erkoren hatte. Ersteinmal vielen lieben Dank dafür 😀 Dann werde ich mal die spannenden Fragen beantworten:

1. Was macht für Dich den Reiz eines fiktiven Films/Buchs/etc. aus?

Ich mag das „Was wäre, wenn …“-Spiel in fiktiven Geschichten. Erzählungen allgemein – egal in welchem Medium oder mit welchem Grad an Wirklichkeitsübereinstimmung – werden für mich dann reizvoll, wenn ich mich da irgendwie in die Situation oder das Gedankenspiel hineinversetzen kann. Das hängt oft sehr stark von der Figurencharakterisierung ab: Sind die Figuren so beschrieben und dargestellt, dass ich etwas an ihnen finde, was mir bekannt vorkommt, womit ich mich identifizieren kann? Wenn ich die Motive einer Figur überhaupt nicht nachvollziehen kann, verliert die ganze Geschichte für mich an Reiz.

Darüber hinaus kann ich mich auch für tolles Handwerk und hervorragenden Stil bei Filmen, Büchern, Theaterinszenierungen und Fernsehsendungen begeistern. Ist die Geschichte jedoch langweilig und die Motive der Figuren schwer nachvollziehbar, genügt es nicht, dass das Werk gut gemacht ist. Für mich steht die Handlung – die unmittelbar mit den Figuren verknüpft ist – stets im Vordergrund.

2. Du trittst Deinem größten Idol aus der Welt des Films/Buchs/etc. gegenüber. Was würdest Du ihn fragen oder ihm sagen?

Hier geht es um reale Menschen, nehme ich an? Ich glaube, wenn ich plötzlich Woody Allen, Jaco van Dormael oder Stephen King gegenüberstände, würde ich überhaupt kein Wort herausbringen. Da würde ich nur „Ääähm! Ööööhm! I like your *läuft-puterrot-an* *schweißausbrüche* *atemnot* *kieks* books/films“ sagen, mich für mein peinliches Auftreten in Grund und Boden schämen, ganz schnell verschwinden und mich über mich selbst wahnsinnig ärgern. Ich bin da leider superschüchtern 😦

Einmal angenommen, ich wäre nicht so eine lächerliche, peinliche, verdruckste Erscheinung, wenn ich irgendwem Berühmtes gegenüberstehe, den ich aufrichtig bewundere, was würde ich dann tun? Sowas zu fragen wie „Wie kommen Sie auf Ihre Ideen?“ ist ja schonmal unfassbar bescheuert, weil das Autoren und Filmemacher ständig in Interviews hören. Aber vielleicht würde ich sie fragen, ob sie auch manchmal Selbstzweifel haben, ob sie manchmal denken, das taugt doch überhaupt nichts, was ich hier mache, … und was Sie dann dagegen tun. Das fände ich spannend.

3. Wann wird für Dich ein Film/Buch/etc. langweilig?

Also, wenn ich die Figurenmotivation nicht nachvollziehen kann, das hatte ich ja in der ersten Frage schon geschrieben, dann langweile ich mich und ärgere mich. Was ich ebenfalls nicht ausstehen kann, ist schlechter Stil, schluderiges Handwerk und schnarchige Dialoge, die vor Klischees nur so triefen. Wenn dann noch die Macher dieses Schrotts sich eitel aufplustern und behaupten, das soll aber so, und sie hätten sich schon was dabei gedacht (was, das verraten sie selbstredend nicht), und wer das nicht versteht, der sei ihrer Kunst eben nicht würdig und ein Idiot, dann finde ich das so langweilig, dass mir die Hutschnur platzt. Dann kann ich mich darüber auch ziemlich leidenschaftlich echauffieren, und mein Freund denkt dann immer, jetzt spinnt sie wieder rum 😀 Also ganz allgemein langweilt es mich ins Unermessliche, wenn ich den Eindruck habe, da hat nur irgendsoein eingebildeter Fatzke seine persönlichen Eitelkeiten in einen Film oder ein Buch gefurzt, so ein höchstens mittelmäßig begabter Schnösel macht sich da wichtig und hört sich gerne reden oder liest sich gerne schreiben, aber es sagt überhaupt rein gar nichts aus. Bäh, sowas hasse ich! 😛

4. Was denkst Du: Wieso wird die Musik nicht öfters zum Geschichtenerzählen genutzt?

Oh, das ist interessant, ich gehe ja ab und zu noch zum erzähltheoretischen Kolloquium (ETK) an der Uni Hamburg, und da haben wir schon des Öfteren über narrative Songs – also Lieder, in denen eine Geschichte erzählt wird – gesprochen. Das gibt es also schon, und finde ich auch spannend. Das Lieblingsbeispiel von meinem Masterarbeitsprüfer ist dabei „Buenos Tardes Amigo“ von Ween:

Ich denke, das wird nicht so oft gemacht, weil Lieder der Textform Lyrik näher sind als der Prosa. Und bei Lyrik geht es mehr um Bilder und Gefühle, weniger um Geschichten. Das eine muss das andere natürlich nicht ausschließen, aber einfach durch die Kürze von Gedichten und Liedern ist es dort schwieriger, eine zusammenhängende Handlung zu entfalten.

5. Freitagabend, Kinozeit. Du hast die Wahl: Blockbuster-Streifen oder Indiefilm? Für was entscheidest Du Dich, und wieso?

Das kommt darauf an, worum es in den Filmen geht. Wenn der Indiefilm, der zur Auswahl steht, irgendsoein eitler Kunstkram ist, der keine richtige Geschichte erzählt, sondern, den man auf „einer anderen, emotionalen Ebene rezipieren muss“, dann wähle ich lieber den Blockbuster-Streifen. Ist der Blockbuster-Streifen aber so ein dämlicher Macho-Geballer-Schwachsinn ohne Story, dann nehme ich eher den Indiefilm.

6. Gibt es eine Filmreihe, bei der Dir auch noch der 3., 4., 5.,.. Teil gefällt?

Bei Stirb langsam haben mir bisher alle Teile gefallen. Wobei, die ersten Teile sind immer noch am besten, aber die neueren Filme waren immerhin guckbar 🙂

7. Welche Figur ist für Dich interessanter: Der Held oder der Bösewicht?

Meistens finde ich den Bösewicht spannender als den Helden. Der Held muss halt in der Regel die Vorbildfunktion und moralische Instanz verkörpern, der hat nicht so viel Spielraum bei der Charakterisierung. Der Bösewicht hingegen hat alle Freiheiten, da kann man die Figur mit viel mehr Facetten und Persönlichkeitszügen ausstatten. Wobei das ja in letzter Zeit modern ist, den Helden auch mal an sich und seiner „Mission“ zweifeln zu lassen, dass der nicht mehr so perfekt und unfehlbar ist. Das kann dann wieder interessant werden. Es sei denn, man übertreibt, vergisst ein wenig Humor dabei, und zeigt einen Ich-bezogenen, weinerlichen Schluffi, der die ganze Zeit herumlamentiert: „Ach und Weh! Was ist bloß meine Bestimmung! Was ist der Sinn meiner Existenz!“ Das regt mich dann ja schon wieder auf! 😀

8. Spectre kommt in wenigen Tagen ins Kino. Welcher ist Dein Lieblings-Bond-Film?

Eindeutig Casino Royale! James Bond ist in dem Film nicht nur ein Frauenheld und hübsch anzuschauen, sondern zeigt da tatsächlich auch mal ein wenig Persönlichkeit, aber ohne dabei ins Weinerliche abzudriften. Spannend!

9. Gehst Du manchmal in Kinovorstellungen, ohne Dich vorher über den Film informiert zu haben (keine Trailer, Kritiken etc.)?

Selten, meistens machen mich Trailer neugierig, oder ich habe irgendwo ein Bröckchen von der Handlung mitbekommen, der mich interessiert hat. Ich versuche aber meistens, vorher nicht so viele Kritiken zu lesen, um mich nicht allzusehr beeinflussen zu lassen.

10. Du kannst die Zeit zurückdrehen und eine schlechte Casting-Entscheidung in einem Film ändern. Welche Rolle würdest Du mit wem neu besetzen?

Hayden Christensen als Anakin Skywalker in Star Wars Episode II und Episode III. Meine Güte, war der scheiße! Da hätte man doch Ryan Philippe nehmen können, der hätte das wesentlich besser gemacht.

11. Wieso braucht die Welt eigentlich genau Deinen Blog?

Die Frage ist fies 😛 Wahrscheinlich würde sich die Welt auch noch weiter drehen, wenn es meinen Blog nicht gäbe. Insofern „braucht“ die Welt meinen Blog eigentlich gar nicht. Aber das ist vielleicht auch nicht wichtig … mir macht es einfach Spaß, hier meine Gedanken zu Film, Fernsehen, Kultur, Theater und Literatur auszubreiten, und noch mehr Spaß macht es mir, wenn ich mich mit anderen Menschen darüber austauschen kann.


So, dieses Mal nominiere ich meinen lieben Kollegen von Haltstop zurück 🙂

Die Fragen sind die, die ich bei meiner zweiten Nominierung bereits genannt hatte 🙂

1. Eine Zombie-Apokalypse bricht aus: Was tust du, warum und wie schätzt du deine Überlebenschancen ein?

2. Welches Endzeitszenario hältst du für wahrscheinlicher und warum: Ein Killervirus rafft die Mehrheit der Menschen dahin? Der dritte Weltkrieg findet statt, alle bewerfen sich mit Atom- und Wasserstoffbomben, die Welt wird unbewohnbar? Der Klimawandel und der menschliche Raubbau an der Umwelt fordern ihren Tribut? Wir werden von einem kolossalen Kometen zermalmt? Oder etwas vollkommen anderes?

3. Hand aufs Herz: Was hältst du von der Todesstrafe?

4. Selbstjustiz: Unter gewissen Umständen verständlich? Oder grundsätzlich falsch?

5. Til Schweiger: Genialer Marketingstratege oder aufgeblasener Angeber?

6. Was ist für dich der schlechteste Film aller Zeiten und warum?

7. Du bemerkst einen Troll-Kommentar auf deinem Blog: Wie reagierst du?

8. Jemand schreibt Blödsinn oder menschenverachtende Kackscheiße im Internet: Kannst du widerstehen oder pöbelst du dagegen?

9. Welches Buch hat dich zuletzt so richtig gefesselt?

10. Gibt es eine Eigenschaft, die dich an deinen Mitmenschen ganz besonders nervt? Welche?

11. Wie lange betreibst du deinen Blog schon und was hat dich dazu bewogen, damit anzufangen?

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74. Stück: Liebster-Award Nominierung, die Zweite

Ich wurde von Singende Lehrerin für den Liebster-Award nominiert. Die Regeln und meine erste Nominierung findet ihr hier. Und nun komme ich zu den Fragen 🙂

1. Wie stehst du zum Selfie-Wahn?

Das nervt mich ungemein, überhaupt, wie alle immer mit ihren Smartphones herumtüddeln, geht mir fürchterlich auf den Senkel. Ich selbst habe noch ein ganz altes Handy, das hat noch nicht einmal ein Farbdisplay, dafür aber vernünftige Tasten und ich kann damit telefonieren und SMS schreiben. Mehr braucht ein Telefon eigentlich nicht. Aber da bin ich wohl ein Dinosaurier … Was seltsam ist, weil ich ja in der Internetbranche arbeite, da sollte ich eigentlich ständig irgendwie vernetzt sein. Stattdessen bin ich ganz froh, dass ich auf dem Weg zur Arbeit, nach Hause oder sonstwohin ein ganz normales, analoges Buch lesen kann und nicht auch noch in meiner Freizeit dauernd auf einen – noch dazu viel zu kleinen – Bildschirm starren muss.

Selfies mache ich ab und zu mit meinem Fotoapparat – der immerhin ist schon digital. Aber meine analoge Spiegelreflexkamera habe ich trotzdem noch, ich habe sie aber zugegebenermaßen länger nicht mehr benutzt. Da ist so eine Digitalkamera schon um Einiges praktischer. Das Ding ist, wenn ich Fotos mache, dann bin ich selbst halt nie mit drauf – es sei denn, ich mache ein Selbstportrait, wie Selfies früher einmal hießen. Deswegen mache ich das dann doch manchmal. Aber was ich extrem lästig finde, sind diese ganzen eitlen, selbstverliebten Möchtegernpromis, die sich an-dau-ernd selbst knipsen, dabei ein unfassbar dämliches, sexy gemeintes Gesicht machen, und das dann auf Instagram teilen. Und unsereiner darf dann da wieder eine News drüber schreiben.

2. Couch Potato oder Fitness-Guru?

Ach, da bin ich wohl so ein Mittelding. Wenn ich zu lange auf der Couch versumpfe, werde ich blöd im Kopf. Dann kriege ich einen Rappel und muss irgendwie raus und mich bewegen. Ich gehe jetzt auch seit ca. 1,5 Jahren regelmäßig dreimal die Woche zum Sport, wenn nichts dazwischen kommt, und es macht mir tatsächlich Spaß. Obwohl ich früher, bedingt durch den Schulsport, immer dachte, Sport sei scheiße. Als Fitness-Guru würde ich mich trotzdem nicht bezeichnen, da ich weit davon entfernt bin, Spitzensportlerin zu sein. Ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die allen, die danach fragen oder auch nicht, ihre sportlichen Leistungen unter die Nase reiben. Das interessiert doch keine Sau.

3. Lässt du dich gerne von Hypes um gewisse Filme und Franchises anstecken?

Eigentlich nicht, da schlummert in mir wohl so ein kleiner Hipster, der ab und zu mal aufpiepst und nölt: „Neeeee, wenn alle das so toll finden, dann finde ich das jetzt mal doof.“ Aber ich kann’s dann trotzdem nicht verhindern, dass mich gelegentlich mal die Neugier packt. Zuletzt ist mir das bei Star Wars – Das Erwachen der Macht passiert. Bereut habe ich es dann aber nicht, der Film war ganz unterhaltsam und hat Spaß gemacht.

4. Advent und Weihnachten – Stress oder pure (Vor-)Freude?

Beides, ich gehe gern auf die Suche nach schönen Geschenken für meine Lieblingsmenschen, ich futtere sehr gern Plätzchen und ich mag die Stimmung mit den Weihnachtsmärkten, dem Tannenduft und den Lichtern überall. Die Vorweihnachtszeit ist allerdings immer recht stressig, weil plötzlich alle noch alles Mögliche zum Jahresende erledigen wollen und eine riesige Hektik vom Zaun brechen. Außerdem sind dann viele Kollegen in den letzten beiden Dezemberwochen in Urlaub, und trotzdem müssen wir genauso viele Artikel produzieren wie jeden Monat – mit weniger Leuten und weniger Arbeitstagen. Das bedeutet natürlich auch Stress und jede Menge Überstunden. Ist Weihnachten dann aber da, entspanne ich mich schnell wieder und zwischen den Feiertagen zu arbeiten ist immer schön muckelig.

5. In welches Land würdest du eigentlich gerne einmal reisen, traust dich aber nicht so recht (Weil du Flugangst hast? Weil du Angst vor Krankheiten hast? Weil du niemanden hast, der dich begleiten würde? Weil die Sicherheitslage in diesem Land prekär ist? Weil das viel Geld kosten würde?…)?

Offen gestanden bin ich ein ziemliches Gewohnheitstier und für mich bedeutet Wegfahren immer einen Riesenstress. Deswegen verreise ich generell nicht sehr gern. Wenn, dann fahre ich gern in Länder, in denen ich mich verständigen kann, und gehe dann in einer ausgewählten Stadt auf Entdeckungstour – natürlich nicht, ohne mich vorher mit Reiseführer und auf diversen Internetseiten über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten informiert und ein wenig vorgeplant zu haben. Ich plane jetzt nicht alles streng durch, aber ich mache mir im Vorfeld Gedanken, was ich mir anschauen möchte, was es für nette Restaurants und Läden gibt. Auf meiner Wunschliste stehen derzeit noch Irland, England und Belgien, wobei ich in England und Belgien schon mal war, aber in London nur ganz kurz für drei-vier Stunden und in Brüssel nur auf der Durchreise. Amsterdam würde ich gern auch noch einmal länger besuchen, da war ich bisher auch nur für ein paar Stunden. Dort gibt es nämlich ein Katzenkabinett mit echten Katzen, die dort herumlaufen – für mich als verhinderte verrückte Katzenlady genau das Richtige.

Ansonsten fahre ich gern Freunde besuchen, die in anderen Städten wohnen, zum Klönen, Spielen und gemütlich Zusammensitzen. Die wundern sich dann immer, warum ich keine Lust habe, in ferne Länder zu reisen. Irgendwie scheint das der Normalfall zu sein, dass man sowas klasse findet. Aber ich find’s einfach klasse, wenn ich in einer Stadt selbstständig alles erkunden kann, zwischendurch ein Schwätzchen mit den Einheimischen halten kann – und dafür nicht so weit wegfahren muss. Ferne Länder entdecke ich dann lieber in meiner Vorstellung, in Büchern, Filmen und Erzählungen von Freunden, denen Reisen wirklich Spaß macht.

6. Welches Lied musst du immer ganz laut aufdrehen, wenn du es anhörst?

Oooh, da gibt’s mehrere 🙂 „Think“ von Aretha Franklin zum Beispiel. Ebenfalls toll: „Basket Case“ von Green Day und „Ich bin reich“ von Die Ärzte (überhaupt so ziemlich alles von der besten Band der Welt 😉 ). Mein armer Freund muss dann immer ertragen, dass ich laut mitsinge, wenn die Lieder im Radio laufen 😛

7. Was vermisst du am meisten, wenn du einmal längere Zeit nicht bloggen kannst?

Beim Bloggen schreibe ich einfach drauflos, pfeife auf Google und SEO (Search Engine Optimization = Suchmaschinenoptimierung) und tippe nach Herzenslust meine Gedanken in die Tasten. Manchmal lese ich hinterher noch mal kurz drüber, meistens publiziere ich es jedoch direkt. Diese Freiheit vermisse ich ein wenig, wenn ich eine Weile keine Zeit zum Bloggen hatte. Für die Arbeit schreiben macht mir auch sehr großen Spaß, aber da muss ich auf Einiges achten und muss mich an bestimmte Vorgaben halten.

8. Wie bist du eigentlich auf den Namen deines Blogs gekommen?

Das hatte ich ganz am Anfang, in meinem allerersten Post „Die Grundidee“ geschildert. Ursprünglich wollte ich aus „Hamburgische Dramaturgie 2.0“ einen reinen Theaterblog machen, damals hatte ich vor, mich für den Dramaturgie-Studiengang an der Hochschule für Musik und Theater zu bewerben, und den Theaterblog wollte ich machen, um Arbeitsproben vorstellen zu können. (Die Bewerbung war erfolglos, aber letzten Endes war das gut so. Als Online-Redakteurin bin ich definitiv mehr in meinem Element 🙂 )

Für den Namen habe ich mich an einem meiner Lieblingstheaterleute aus der Geschichte der deutschsprachigen Literatur orientiert: Gotthold Ephraim Lessing. Seine Stücke – bürgerliche Trauerspiele wie „Emilia Galotti“ oder Lehrstücke wie „Nathan der Weise“ – sind heutzutage etwas altmodisch und schwer nachvollziehbar (wobei das Thema in „Nathan der Weise“ immer noch erschreckend aktuell ist: Religionskriege). Aber seine Theatertheorie, die er in der originalen Hamburgischen Dramaturgie dargelegt hat, die ist auch heute noch spannend und aktuell. Der Zusatz „2.0“ kam dann dadurch, dass ich meine Gedanken und Beobachtungen der Hamburger Theaterlandschaft und zum Theater allgemein ins Internet verlegt hatte, anstatt sie in einem Buch aufzuschreiben. Später merkte ich dann, dass ich mich nicht mehr nur aufs Theater beschränken, sondern auch etwas über Literatur, Filme, Fernsehen und Popkultur hier schreiben wollte. So hat sich der Blog dann weiterentwickelt.

9. Wissen deine ArbeitskollegInnen von deinem Blog?

Ja, ich denke schon. Ich freu mich dann immer, wenn mich jemand auf einen Blogartikel anspricht. Genauso, wie ich mich über jeden Kommentar freue 😉

10. Giltst du als Nerd in deinem Bekanntenkreis? Oder kannst du das an- und abschalten? Oder siehst du dich gar nicht als Nerd?

Meine Freunde sind noch schlimmere Nerds als ich, da falle ich nicht weiter auf 😛 Ich bin wohl schon ein bisschen so ein Bücher- und Kulturnerd. Ich gehe zum Beispiel auch total gern ins Museum, das macht mir aufrichtig Spaß. Das können dann auch nicht unbedingt alle meine Bekannten und Freunde nachvollziehen. Aber wenn ich weiß, da ist eine spannende Ausstellung, auf die von meinen Freunden keiner Lust hat, frage ich meine Mutter, die lässt sich dafür genauso begeistern wie ich.

11. Du veröffentlichst einen Artikel: Wann schaust du nach, ob du schon ein “Gefällt mir” oder einen Kommentar dazu bekommen hast? Sei ehrlich!

Hahaha 😀 Da bin ich voll ungeduldig, meistens lade ich gleich in den ersten fünf Minuten die Seite mit meinem aktuellen Machwerk drei- bis viermal neu, und hoffe, dass irgendeine Reaktion kam. Das ist natürlich völliger Quatsch, so schnell geht das gar nicht. Aber irgendwie bin ich dann immer so neugierig.


So, in meiner ersten Fassung von dem Post hatte ich die Nominierungen von anderen Blogs weggelassen. Aber inzwischen sind mir doch ein paar spannende Fragen eingefallen. Ich nominiere für den Liebster Award die folgenden Blogs (zufällige Auswahl aus den Blogs, denen ich folge, und die bei der letzten Nominierung nicht dabei waren):

Die Quadrataugenrunde

Maunzendemaus

Motion Picture Maniac

Depressiver Optimist

Wer nicht auf der Liste steht, aber trotzdem Lust hat, die Fragen zu beantworten, kann dies natürlich trotzdem tun 🙂

Hier nun zu meinen Fragen:

1. Eine Zombie-Apokalypse bricht aus: Was tust du, warum und wie schätzt du deine Überlebenschancen ein?

2. Welches Endzeitszenario hältst du für wahrscheinlicher und warum: Ein Killervirus rafft die Mehrheit der Menschen dahin? Der dritte Weltkrieg findet statt, alle bewerfen sich mit Atom- und Wasserstoffbomben, die Welt wird unbewohnbar? Der Klimawandel und der menschliche Raubbau an der Umwelt fordern ihren Tribut? Wir werden von einem kolossalen Kometen zermalmt? Oder etwas vollkommen anderes?

3. Hand aufs Herz: Was hältst du von der Todesstrafe?

4. Selbstjustiz: Unter gewissen Umständen verständlich? Oder grundsätzlich falsch?

5. Til Schweiger: Genialer Marketingstratege oder aufgeblasener Angeber?

6. Was ist für dich der schlechteste Film aller Zeiten und warum?

7. Du bemerkst einen Troll-Kommentar auf deinem Blog: Wie reagierst du?

8. Jemand schreibt Blödsinn oder menschenverachtende Kackscheiße im Internet: Kannst du widerstehen oder pöbelst du dagegen?

9. Welches Buch hat dich zuletzt so richtig gefesselt?

10. Gibt es eine Eigenschaft, die dich an deinen Mitmenschen ganz besonders nervt? Welche?

11. Wie lange betreibst du deinen Blog schon und was hat dich dazu bewogen, damit anzufangen?

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73. Stück: 31 Tage, 31 Filme – Folgen 27 bis 31, plus Sonderfolge

Folge 27: Welchen Film sollte deiner Meinung nach jeder gesehen haben?

Mit Ausnahme des Films, den ich am wenigsten mag (Folge 3), sollte man alle Filme mal gesehen haben, die ich in dieser Serie genannt habe. Aber ich möchte ja gern in jeder Folge einen Film vorstellen, den ich bisher noch nicht erwähnt habe.

Unter dem Eindruck der Attentate von Paris, bin ich immer noch erschüttert, fassungslos und unendlich traurig. Was motiviert Menschen bloß, andere Menschen grausam niederzumetzeln, die ihnen überhaupt nichts getan haben, die einfach nur in Ruhe und Frieden leben wollten? Woher kommt dieser fanatische, alles zerstörende Hass?

In diesem Sinne möchte ich heute Hass (La Haine) von Mathieu Kassovitz vorstellen. Obwohl der Film inzwischen 20 Jahre alt ist, hat er nichts an Aktualität eingebüßt. Die Handlung ist wie eine griechische Tragödie aufgebaut, in der die Hauptfiguren sehenden Auges in ihr Unglück stürzen, und trotzdem nicht fähig sind, etwas dagegen zu tun. Weil sie von Hass und Rachegefühlen vollkommen verblendet sind. Als Leitmotiv wird zum Schluss der Witz vom Mann erzählt, der vom Dach eines Wolkenkratzers fällt. Als er an den Fenstern der Stockwerke vorbeirast, denkt er: „Och, bis hierhin ist ja alles gut gegangen“.

Im Mittelpunkt stehen drei Freunde, der Araber Saïd, der Jude Vinz und der Schwarze Hubert, deren Bekannter von Polizisten verprügelt wurde. Vinz findet eine Polizeiwaffe und will einen Polizisten töten, falls ihr Kumpel an seinen Verletzungen sterben sollte.

Die Stimmung zwischen den Jugendlichen und den Polizisten ist von gegenseitigem Hass geprägt, die Fronten sind verhärtet, ein Dialog scheint nicht mehr möglich. Die Freunde ziehen durch Paris, dabei kommt es nicht nur zu Zusammenstößen mit der Polizei, sondern auch mit einer Gruppe von Nazis, die ebenfalls vom Hass zerfressen sind.

Am Ende kommt Vinz zur Vernunft und vertraut Hubert die Waffe an. Doch es ist bereits zu spät, die Gewaltspirale hat sie alle abwärts gezogen, der Aufprall nach dem Sturz vom Wolkenkratzer steht kurz bevor …

Ein ähnliches Thema und eine vergleichbare Erzählstruktur – wenn auch aus mehreren Perspektiven – behandelt der Film Wir sind jung. Wir sind stark von Burhan Qurbani aus dem Jahr 2014. Er schildert die Ereignisse rund um die Anschläge auf das Asylbewerberheim von 1995 in Rostock-Lichtenhagen.

Beide Filme sollte man unbedingt gesehen haben, vor allem Jugendliche, die manchmal nicht wissen, wohin mit sich, die Gefahr laufen, Fanatikern auf den Leim zu gehen, sollten sich Hass und Wir sind jung. Wir sind stark unbedingt ansehen. Hass kann man nur mit Güte begegnen, anders geht es nicht. Sonst zerfrisst er einen und man kommt aus der Gewaltspirale nicht mehr heraus. Noch schlimmer: Man zieht Unschuldige mit hinein.

Folge 28: Welchen Film sollte man unbedingt im Kino gesehen haben?

Jeder gute Film lohnt sich, im Kino gesehen zu werden. Zuhause vor dem Fernseher lässt man sich eher mal ablenken, sodass man sich nicht so leicht in einen Film hineinversenken kann. Im Kino ist es dunkel, man hat diese riesige Leinwand und der Ton kommt von allen Seiten. Da ist auch gleich die ganze Atmosphäre und Stimmung anders. Außerdem muss man Kinos unterstützen, damit sie nicht pleite gehen, insbesondere kleinere Programmkinos.

So, nach dieser kleinen Moralpredigt muss ich mich ja jetzt für einen Film entscheiden … ich finde, so Blockbusterfilme mit eindrucksvollen Spezialeffekten, intensiven Bildern, tollen Kostümen und Soundeffekten sollte man unbedingt im Kino sehen. Die fantastische Welt von Oz (2013, Regie: Sam Raimi) zum Beispiel sollte man auf jeden Fall im Kino sehen. Vor allem ist das auch einer der wenigen Filme, die 3D sinnvoll einsetzen. Oft sind 3D-Effekte allenfalls hübsches Beiwerk, sagen aber ansonsten nichts aus. Hier werden die 3D-Effekte tatsächlich mal genutzt, um die erzählte Welt zu erweitern und zu unterstützen, und auch, um etwas zu erzählen und darzustellen, was in 2D nicht so gut herüberkäme.

Folge 29: Welchen Film wolltest du schon immer sehen, bist aber nie dazu gekommen?

Ich hab schon eine ganze Ewigkeit M – Eine Stadt sucht einen Mörder auf DVD im Regal stehen, aber ich habe es noch nie geschafft, den Film zu sehen. Ich kenne nur ein paar Ausschnitte aus der Uni-Vorlesung, und das hat genügt, um mich neugierig zu machen. Aber wie das immer so ist mit DVDs und Aufzeichnungen – man denkt, man könnte es ja jederzeit gucken, es läuft nicht weg, man hat’s nicht eilig. Und letzten Endes guckt man es dann nie, weil immer irgendwas dazwischen kommt.

Deswegen mag ich es eigentlich auch ganz gern, Filme im Fernsehen zu gucken. Da hat man dann einen bestimmten Termin, wenn der Film läuft, und dann kommt einem nicht so leicht eine Ausrede in die Quere. Aber leider sind die Filme, sofern sie nicht auf ARD, ZDF, NDR, Arte oder 3Sat laufen, immer von Werbung zerhackstückt, das macht dann auch keinen Spaß.

Aber zum Glück habe ich M – Eine Stadt sucht einen Mörder ja auf DVD, das heißt, ich kann den Film jederzeit ohne Werbung gucken. 😉

(Übrigens fällt mir gerade auf, wie sehr sich dieser alte Trailer von neuen Trailern unterscheidet. Das wäre auch mal ein spannendes Thema)

Folge 30: Von welchem Film erwartest du in Zukunft am meisten?

Nein, nicht Star Wars. Ich werde mir den Film zwar ansehen, erwarte aber gar nichts, sondern hege lediglich die Hoffnung, dass er ganz unterhaltsam wird, so wie die alten Filme. Und ich hoffe, dass er nicht in Geballer, CGI-Effekten und schlechtem Schauspiel ertränkt wird, wie Episode 2 und 3 (Episode 1 war noch erträglich).

Ich freu mich schon riesig auf Pets, den neuen Animationsfilm der Minions-Erfinder. Im Trailer sieht man eine Reihe von Haustieren und was sie den ganzen Tag treiben, wenn Herrchen und/oder Frauchen aus dem Haus sind. Mehr weiß ich von dem Film noch nicht, aber das genügt mir, um jetzt schon ganz ungeduldig von einem Bein aufs andere zu hüpfen, bis endlich der 4. August 2016 ist und der Film in die Kinos kommt. Seufz, das ist noch sooooo lange hin.

Worauf ich ebenfalls sehr gespannt bin, ist die Verfilmung von Tschick, dem Roman von Wolfgang Herrndorf, über eine Jungsfreundschaft. Fatih Akin hat die Regie übernommen und ich glaube, das wird ziemlich gut.

Folge 31: Welchen Film wirst du als Nächstes sehen?

Nun bin ich tatsächlich schon ans Ende meiner Reihe „31 Tage, 31 Filme“ angekommen. Zum Abschluss habe ich einen besonders tollen Filmtipp für euch: Das brandneue Testament von Jaco van Dormael. Den schaue ich mir morgen an und freue mich schon sehr darauf, da ich ihn bereits im Sommer auf dem Hamburger Filmfestival gesehen und für absolut wunderbar befunden habe.

In Das brandneue Testament geht es um Gott, der in der Geschichte ein fieser, sadistischer Kotzbrocken ist und in Brüssel wohnt. Er ist verheiratet und hat eine Tochter, Ea, die er ebenso wie seine Frau schikaniert und tyrannisiert. Auf seinem Computer entwirft er jeden Tag gemeine Regeln, um die Menschheit zu ärgern, zum Beispiel, dass das Brot immer mit der Marmeladenseite nach unten fällt oder genau in dem Moment das Telefon klingelt, wenn man es sich in der Badewanne gemütlich gemacht hat.

Ea hat irgendwann genug, hackt sich in Papas Computer und versendet an alle Menschen eine Nachricht mit ihrem genauen Todesdatum. Daraufhin bricht auf der Erde das Chaos aus, weil plötzlich alle die Tage, Monate und Jahre, die ihnen noch bleiben, möglichst auskosten wollen und jeder merkt, dass er für sein Leben und Glück selbst verantwortlich ist.

Die Geschichte allein strotzt nur so vor schrulligen und fantasievollen Einfällen. Jaco van Dormael hat diese herrliche Geschichte dann auch noch in bonbonbunte Farben getaucht, mit wundervoller Musik untermalt und mit pointierten, humorvollen Dialogen gewürzt. Die tollen Schauspieler, deren Spielfreude einfach mitreißend ist, füllen die liebenswerten Figuren mit Leben. Kurz: Der Film ist rundum gelungen und einfach toll!

Jaco van Dormael ist neben Woody Allen einer meiner Lieblingsregisseure. Allerdings hat er noch gar nicht so viele Spielfilme gedreht, Das brandneue Testament ist erst sein vierter abendfüllender Film, ansonsten hat er Kurzfilme, TV-Serien und Dokumentationen gedreht sowie im Theater Regie geführt.

Kennengelernt habe ich seine Arbeit durch den Film Mr. Nobody, den ich meiner geneigten Leserschaft ebenfalls wärmstens ans Herz legen möchte. Den Film habe ich später für meine Masterarbeit analysiert, weil er eine ganz besondere Erzählstruktur aufweist. Die Erzählebenen sind so miteinander verzweigt, dass erst ganz zum Schluss klar wird, was Traum, Erinnerung, Vorstellung und was Wirklichkeit innerhalb der erzählten Welt war. Auch hier sorgen liebenswerte Figuren, tolle Schauspieler (vor allem Jared Leto), skurrile Ideen, bunte Bilder, ein wunderbarer Soundtrack und tiefe, philosophische Fragen, die mit einer Leichtigkeit aufgeworfen werden, für Verzauberung. Und das ist es ja, wofür Filme da sind, oder nicht?

Sonderfolge: Welcher ist dein absoluter Lieblings-Weihnachtsfilm?

Weil es so schön war und es sich gerade anbietet, gibt es jetzt noch eine Zusatzfolge von „31 Tage, 31 Filme“ über Weihnachtsfilme.

Mein allerliebster Weihnachtsfilm ist Die Muppets-Weihnachtsgeschichte, mit Michael Caine als fieser Geizhals Ebeneezer Scrooge, Kermit als Bob Cratchit und Gonzo als Erzähler. Ich kenne den Film auswendig, aber ich kann ihn mir immer wieder anschauen und laut mitsingen. Da fühle ich immer, wie mich „der Geist der Weihnacht“ packt und ich wie Scrooge am Ende am liebsten jeden knuddeln würde, der nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Außerdem liebe ich den Weihnachtsfilmklassiker Ist das Leben nicht schön? mit James Stewart als junger Familienvater, der sich wegen finanzieller Probleme das Leben nehmen möchte. Ein Schutzengel, der sich seine Flügel erst noch durch eine gute Tat verdienen muss, bewahrt ihn davor und zeigt ihm, wie die Welt aussähe, wäre er nie geboren worden.

Ebenfalls ein toller Weihnachtsfilm ist Tasächlich … Liebe, ein Episodenfilm mit lauter liebenswerten Figuren, die die Liebe suchen, und teilweise auch finden.

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Die anderen Folgen der Reihe „31 Tage, 31 Filme“ findet ihr hier:

Folgen 1 bis 5

Folgen 6 bis 10

Folgen 11 bis 15

Folgen 16 bis 26

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