104. Stück: Filmjahresrückblick 2021 – die Top 5 und Flop 5

Letztes Jahr um diese Zeit ging ich davon aus, dass sich die Pandemiesituation im Laufe des Jahres 2021 wieder beruhigen würde – schließlich wurden die ersten Menschen da geimpft und die Mutationen waren noch nicht am Start. Tja. Ich hätte nicht gedacht, dass sich so viele Menschen nicht impfen lassen wollen und ich hätte auch nicht gedacht, dass es so viele Mutationen in so kurzer Zeit geben würde … also, wieder was gelernt. Wie dem auch sei, in 2021 war ich noch seltener im Kino als 2020, weil ich 2020 immerhin die ersten zweieinhalb Monate mein übliches Kinopensum erfüllen konnte und 2021 war eben das ganze Jahr über Pandemie. Deshalb gibt es auch dieses Mal nur einen Beitrag und anstelle der Top und Flop 10 gibt es wieder nur eine Top und Flop 5 – und ich habe auch nicht alle Filme im Kino gesehen, sondern einige auf Streaming-Diensten angeschaut.

Auf die Idee, auch die Filme zu bewerten, die ich nicht im Kino gesehen habe, bin ich allerdings erst später im Jahr gekommen, also steht zum Beispiel der grandiose Animationsfilm „Soul“ nicht auf der Liste, der definitiv einer der besten Animationsfilme der letzten 20 Jahre ist. Wer ihn noch nicht kennt: unbedingt nachholen!

Aber genug Geplänkel, los geht’s mit meiner Top 5:

Top 5: Die besten Filme aus 2021

5. „James Bond – Keine Zeit zu sterben“ (Regie: Cary Joji Fukunaga)

„James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“ von Cary Joji Fukunaga ist ein spannender Thriller und würdiger Abschluss der Reihe mit Daniel Craig in der Hauptrolle. Der berühmte Agent hat sich eigentlich zur Ruhe gesetzt und eine Nachfolgerin hat bereits seinen Platz im Geheimdienst eingenommen. Doch es ist gar nicht so einfach, eine so bewegte Vergangenheit wie die seine abzuschüttel – und so holt sie ihn wieder ein … Mehr verrate ich nicht. Der Film macht auf jeden Fall Spaß, fesselt mit atemberaubenden Verfolgungsjagden und Stunts, hat einen tollen Soundtrack und ist insgesamt stimmig inszeniert.

Fazit: Wer Daniel Craig als James Bond mag, sollte diesen Film nicht verpassen.

4. „Free Guy“ (Regie: Shawn Levy)

„Free Guy“ von Shawn Levy ist ein Film, der einfach Spaß macht und richtig was fürs Herz. Die Story erinnert an eine Mischung aus „Stranger Than Fiction“ und „Truman Show“ mit einer kleinen Prise „Ready Player One“ – ist aber trotzdem eigenständig und originell genug, dass sie die eine oder andere Überraschung bereithält. Die Ausgangssituation ist, dass eine Figur aus einem Videospiel, die eigentlich nur Staffage ist – ein sogenannter NPC (Non-Player-Character) – nach und nach ein Bewusstsein und einen eigenen Willen entwickelt. Ryan Reynolds spielt diesen Blue Shirt Guy so herzzerreißend knuffig und liebenswert, dass man ihn einfach nur die ganze Zeit knuddeln möchte. Das wäre aber natürlich alleine ziemlich langweilig, wenn er nicht auch einige Hindernisse überwinden müsste, um seiner Traumfrau näher zu kommen.

Die virtuelle Welt ist mit der realen Welt auf unterhaltsame Weise verknüpft und vor allem die Kontraste zwischen Spielenden und Spielfiguren ist immer wieder witzig. Dann haben wir noch sympathische junge Spieleentwickler, einen oberfiesen Arschloch-Boss (genial: Taika Waititi), Bubblegum-Eis und die Suche nach der großen Liebe …

Fazit: Ein wunderbarer Film, der für gute Laune sorgt. Unbedingt empfehlenswert!

3. „Cruella“ (Regie: Craig Gillespie)

„Cruella“ von Craig Gillespie ist ein großer Spaß – allerdings nicht unbedingt für die ganze Familie, sondern eher für Erwachsene. In einem stimmigen Erzählrhythmus, mit grandiosem Soundtrack und fulminanten Kostümen, die einfach zum Niederknien sind, wird die Geschichte der kleinen Estella erzählt, die von Anfang an Außenseiterin war und wegen ihres Andersseins stets von den „normalen“ Leuten abgelehnt wurde – später aber zur durchgeknallten, unerschrockenen und kompromisslosen Cruella wird. Es gibt ein Wiedersehen mit Anita und Roger, Horace und Jasper – und natürlich kommen auch Dalmatiner in dem Film vor. Die Story funktioniert zwar auch ohne Kenntnisse von „101 Dalmatiner“, macht aber noch mehr Spaß, wenn man einige der Figuren wiedererkennt und weiß, wie die Geschichte später weitergeht.

Habe ich die fantastischen Kostüme schon erwähnt? Wenn nicht: die sind soooo cooool!!!

Emma Stone spielt Estella/Cruella hervorragend und scheint einen Heidenspaß vor allem an der „Cruella“-Seite ihrer Figur zu haben. Ihre Gegenspielerin wird von einer weiteren wunderbaren Emma verkörpert: Emma Thompson. Mit welcher eiskalten Eleganz und messerscharfen Wortgefechten die beiden Frauen sich ein Duell liefern, ist ein Fest. Die zwei stehen zwar im Mittelpunkt der Handlung, trotzdem ist auch der restliche Cast von „Cruella“ hervorragend. Das Ensemble spielt sich gegenseitig die Bälle zu und bietet das perfekte Umfeld, damit die beiden Protagonistinnen glänzen können.

Fazit: Vor allem Mode-Fans dürften von den tollen Kostümen verzückt sein, aber auch alle, die schräge Hauptfiguren, sympathische Nebenfiguren, wunderbares Schauspiel und gute Musik mögen, dürften „Cruella“ etwas abgewinnen können. Sehenswert, lohnt sich!

2. „Spiderman – No Way Home“ (Regie: Jon Watts)

„Spiderman – No Way Home“ von Jon Watts ist rundum gelungen und macht einfach Spaß – umso mehr Spaß, je mehr Spiderman-Filme man vorher gesehen hat und je besser man sich im Marvel-Universum auskennt. Ich denke, wer den Film ohne irgendwelche Vorkenntnisse guckt, ist wahrscheinlich etwas verloren und kommt bei der Story nicht ganz hinterher. Das ist aber auch wirklich Meckern auf ganz, ganz hohem Niveau. Ansonsten möchte ich aber auch nicht weiter spoilern: Also, wer Spiderman mag, wird diesen Film wahrscheinlich lieben! Absolut sehenswert.

1. „Don’t Look Up“ (Regie: Adam McKay)

„Don’t Look Up“ von Adam McKay ist eine geniale Satire, die in die heutige Zeit passt wie die Faust aufs Auge. Eine Doktorandin entdeckt einen riesigen Kometen, der auf die Erde zurast. Sie und ein Astronomieprofessor berechnen, dass es nur noch rund ein halbes Jahr dauert, bis der Komet die Erde zerstört. Sämtliche Wissenschaftler auf diesem Gebiet bestätigen das. Doch als sie mit diesen Erkenntnissen an die US-amerikanische Präsidentin herantreten, die Presse informieren und an die Öffentlichkeit gehen … passiert genau das, was aktuell mit Wissenschaftlern passiert, die versuchen, vor den Folgen der Klimakrise zu warnen und Maßnahmen dagegen anzuregen (oder was generell mit Wissenschaftlern/Experten passiert, wenn sie auf eine Krise aufmerksam und Vorschläge zu ihrer Bewältigung machen wollen): Niemand hört zu, jeder kocht sein eigenes Süppchen, die menschliche Hybris übernimmt, Verschwörungstheorien und Fakenews kochen hoch …

Und das wird hier so wunderbar beschrieben, so witzig dargestellt mit einem herrlichen Sarkasmus und so toll gespielt vom gesamten Ensemble, dass der Film einfach richtig, richtig gut ist.

Fazit: Nicht verpassen! (Läuft zurzeit auf Netflix)

Flop 5: Die schlechtesten Filme aus 2021

Insgesamt haben mir die Filme, die ich 2021 gesehen habe, ganz gut gefallen, wirklich grottige Filme, die so schlecht waren, dass sie mich richtig verärgert haben, waren kaum darunter. Deswegen beginnt die Flop-Liste auch erst einmal mit Filmen, die ich eigentlich gar nicht so übel fand – das ist dieses Mal also wirklich Meckern auf hohem Niveau.

5. „Dune“ (Regie: Denis Villeneuve)

„Dune“ von Denis Villeneuve ist ein klassischer Fantasy-Science-Fiction-Film mit verschiedenen Königshäusern, die um die Vorherrschaft über das Universum konkurrieren, Rebellen, Auserwählten-Mystik und einem Schuss Romantik. Die politischen Ränkespiele brauchen ein Weilchen, um sich zu entfalten und Spannung aufzubauen. Dadurch kommt die Handlung erst nach etwa der Hälfte allmählich in die Gänge, vorher ist der Film etwas zäh und langatmig. Aber in der zweiten Hälfte macht der Film durchaus Spaß und überzeugt mit einer stimmigen mise en scène, dichten Atmosphäre und gelungenem Soundtrack. Im Vergleich zur ersten Verfilmung des Stoffs aus den 80er Jahren von David Lynch ist die Story hier insgesamt stimmig umgesetzt und macht neugierig auf die Fortsetzungen. Im alten Film hatte Lynch versucht, die gesamte Handlung in einem Film unterzubringen, wodurch dieser sehr unausgewogen, konfus und merkwürdig geraten ist. Die Neuverfilmung mag konventioneller wirken, ist dadurch aber auch unterhaltsamer.

Fazit: Kann man sich gut angucken, aber am Anfang braucht man etwas Geduld, um reinzukommen.

4. „Matrix 4: Resurrections“ (Regie: Lana Wachowski)

„Matrix 4: Resurrections“ von Lana Wachowski ist jetzt nicht wirklich schlecht, aber dass der Film für die Matrix-Filmreihe nun so eine Bereicherung darstellt, kann man auch nicht sagen. Es macht schon Spaß, Neo und Trinity wieder im Einsatz zu sehen und die Ästhetik und Choreografien wecken ein wenig Nostalgie … aber das war es dann eigentlich auch schon. Die Story ist ziemlich dünn, dafür aber sehr ausschweifend, zäh und wirr erzählt, sodass ich zwischendurch immer mal wieder wegratzen konnte, ohne Wesentliches zu verpassen. Kryptische Kalendersprüche gibt’s auch wieder, aus denen man sicherlich irgendeinen Sinn herausdeuteln könnte, wenn man wollte, die aber streng genommen nicht übermäßig viel Sinn ergeben. Also, an den ersten Teil reicht der Film definitiv nicht heran. Das taten Teil 2 und 3 auch nicht, aber die haben immerhin die Story aus Teil 1 weiter erzählt. Hier werden nur ein paar alte Motive wieder aufgewärmt.

Fazit: Joa … der Film musste aus meiner Sicht nicht unbedingt sein. Aber immerhin ist er auch keine absolute Katastrophe geworden. Also, aus Nostalgie-Gründen kann man sich den schon ansehen, muss man aber auch nicht.

3. „Black Widow“ (Regie: Cate Shortland)

„Black Widow“ von Cate Shortland fängt spannend und vielversprechend an, baut eine stimmige Atmosphäre auf und lässt hoffen, dass es bei diesem Superheldinnenfilm tatsächlich mal etwas mehr Handlung und Story gibt als beispielsweise in „Wonder Woman 1984“. Aber ungefähr nach der Hälfte verliert sich der Film in banalen Actionszenen, Geballer, Prügeleien, Explosionen und Zerstörung, sodass man nichts verpasst, wenn man – wie ich – bei dieser sinnlosen Reizüberflutung wegratzt. Insgesamt ist der Film aber trotzdem ganz unterhaltsam und ein netter, wenn auch nicht sonderlich origineller Zeitvertreib.

Fazit: Kann man sich angucken, muss man aber nicht.

2. „A Quiet Place 2“ (Regie: John Krasinski)

„A Quiet Place 2“ von John Krasinski wollte ich unbedingt sehen, weil ich den ersten Teil so großartig und nervenzerfetzend spannend fand. Im Kino habe ich ihn leider verpasst, aber nun habe ich ihn auf einem der Streaming-Portale geguckt … und bin enttäuscht. Das Besondere an der Geschichte, was den ersten Teil so fesselnd gemacht hat, war mit dem ersten Teil auserzählt. Im zweiten Teil wird die Grundidee der Aliens, die auf das geringste Geräusch reagieren und die Menschen umbringen, noch weiter ausgewalzt und irgendwie weitergesponnen, aber so wirklich aus dem Quark kommt die Story dabei nicht.

Fazit: Die Fortsetzung hätte nicht Not getan. Muss man nicht sehen, schade.

1. „Wonder Woman 1984“ (Regie: Patty Jenkins)

„Wonder Woman 1984“ von Patty Jenkins ist der erste Film, den ich seit über neun Monaten wieder im Kino gesehen habe, aber das ist auch schon das Aufregenste, was es dazu zu sagen gibt. Der Film an sich ist langweilig, viel zu lang und hat eine so dünne Story, dass man sie ohne Übertreibung als durchsichtig bezeichnen kann. Tatsächlich ist die Handlung des zweieinhalbstündigen Films absolut vorhersehbar und kommt gänzlich ohne Überraschungen aus.

Die Geschichte ist somit auch schnell erzählt: Wonder Woman ist mittlerweile in den 80er Jahren angekommen (immerhin: schönes Zeitkolorit), entdeckt einen Stein, der Wünsche erfüllt, was dann die ganze Welt ins Chaos stürzt. Sie freundet sich mit einer Kollegin an, aber die Frauenfreundschaft ist eigentlich auch nicht so wichtig und entwickelt sich ohnehin zu einem stutenbissigen Zickenkrieg – wie das bei Frauenfreundschaften eben so ist. Die Frauen tun im Übrigen das, was sie tun, wegen der Männer, in die sie verliebt sind. Das finde ich ziemlich bieder, plump und nervig. Die Moral von der Geschicht ist: Pass auf, was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen – und ist ebenso bieder, plump und nervig.

Wer hofft, wenigstens einem coolen Bösewicht in der Geschichte zu begegnen, dem Wonder Woman das Handwerk legt, wird ebenfalls enttäuscht. Von Anfang an ist klar, dass dieser aufgeblasene Luftikus aus dem Fernsehen ein größenwahnsinniger Versager ist, der Übles im Schilde führt.

Fazit: Es war richtig schön, wieder ins Kino zu gehen. Mit dem Hygienekonzept, Testen vorher etc. hat auch alles prima geklappt. Aber der Film war echt öde.


Übrigens: Wer Lust auf erfundene Fake-Filmkritiken von mir hat – Anfang 2021 waren noch ein paar dazugekommen. Wer in den Kommentaren zum Beitrag ein paar Stichwörter liefert, bekommt außerdem seine eigene Fake-Filmkritik von mir frei erfunden. 🙂

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Eingeordnet unter Film und Fernsehen, Kritik

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