99. Stück: Erfundene Filmkritiken oder Filme, die im Kino laufen könnten

Da zur Zeit die Kinos geschlossen sind, habe ich mir auf meiner Facebook-Seite ein Spiel ausgedacht: „Kritiken zu Filmen, die jetzt im Kino laufen könnten“. Ähnlich wie bei meiner Improgeschichten-Blogparade vor ein paar Jahren kann man mir ein paar Stichworte nennen (z. B. einen Regisseur, Schauspieler, einen Gegenstand, Ort der Handlung und/oder eine Figur) und ich erfinde dazu einen Film und schreibe eine Filmkritik darüber.

Die ersten 10 Ergebnisse möchte ich euch nun auf meinem Blog präsentieren. Viel Spaß beim Lesen!

(Und wer Lust bekommt, mir auch ein paar Stichworte zu nennen, kann das gern hier in den Kommentaren oder weiterhin auf Facebook tun)

1. Eine Liebeskomödie von Michael Bay? Warum nicht

„Die Braut des Godzilla“ von Michael Bay ist eine schräge Mischung aus Actionkracher und Liebeskomödie. Ich hätte Michael Bay nie für einen Romantiker gehalten, aber ich muss sagen, die Geschichte von Bill (Dolph Lundgren) und Maggie (Scarlett Johansson) geht stellenweise doch ans Herz.

Aber einmal von vorn: In „Die Braut des Godzilla“ geht es um den in die Jahre gekommenen Actionfilmschauspieler Bill, der sich in Tokio niedergelassen hat, und dort eigentlich am liebsten seinen Ruhestand genießen würde. Doch dann braucht seine bezaubernde Nachbarin Maggie dringend seine Hilfe. Ihr Haustier, eine Echse namens Zilli, hat ihren Lieblingsring verschluckt – und das ist nicht irgendein Schmuckstück, sondern ein magischer Ring. Das zumindest hat ihr ihre Großmutter erzählt, die ihr den Ring einst vermachte.

Was genau so magisch an dem Ring war, wusste Maggie auch nicht. Bei ihr hat er nie irgendeine außergewöhnliche Wirkung gezeigt. Aber offenbar bedurfte es dafür des Kontaktes mit den Verdauungssäften einer Echse. Denn Zilli fängt seit dem Malheur plötzlich unkontrolliert an zu wachsen. Das klingt zwar hanebüchen, funktioniert aber prima, weil Lundgren und Johansson wunderbar miteinander harmonieren. Da stimmt einfach die Chemie.

Jedenfalls – Achtung! SPOILER! – wird aus Zilli der berühmt-berüchtigte Godzilla. Können Bill und Maggie ihn aufhalten, bevor er ganz Tokio dem Erdboden gleichmacht? Das müsst ihr euch dann schon selbst ansehen.

Fazit: Herrlich bekloppt und sehenswert, besonders für Fans trashiger B-Movies und schrägen Humors. 3,5/5 Sternen.

2. Wenn Steven Spielberg auf Harry Potter trifft, …

„Der Aufstieg Voldemorts“ von Steven Spielberg spielt, wie auch die Filmreihe „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ im Harry-Potter-Universum, und zwar in der Zeit vor den Ereignissen rund um den berühmten Zauberlehrling, aber nach den Abenteuern von Newt Scamander.

Die Geschichte dreht sich um Harry Potters Eltern James und Lily sowie Professor Snape (gespielt von niemand Geringerem als Leonardo DiCaprio – der übrigens mit langen schwarzen Haaren ziemlich cool aussieht).

Es sind beunruhigende Zeiten, denn ein mächtiger Magier namens Tom Riddle hat seine dunkle Seite entdeckt und findet immer mehr Anhänger, die sich nicht länger von den Muggeln sagen lassen wollen, was sie zu tun und zu lassen haben – schließlich seien sie die höher entwickelte Rasse.

James, Lily und Snape betrachten die Entwicklungen mit Sorge und formieren eine Widerstandsgruppe. Professor McGonagall – in ihrer jüngeren Version gespielt von einer glänzend aufgelegten Charlize Theron – schließt sich ihnen an und gemeinsam kämpfen sie für das Gute.

Ich bin ja sowieso ein Riesen-Harry-Potter-Fan, von daher bin ich bei den Geschichten aus dieser Welt ein wenig unkritisch. Aber hier ist das wirklich besonders gut gelungen: tolle Schauspieler, sympathische Figuren (es macht einfach Spaß, die jüngeren Versionen von Snape, McGonagall und Co. zu erleben) und natürlich niedliche Tierwesen (ein Niffler ist auch wieder mit von der Partie! ❤ ), ein traumhafter Soundtrack (John Williams!) … was will man mehr?

Fazit: Ein Muss für Harry-Potter-Fans! Nicht verpassen. 4,5/5 Sternen.

3. Ein Beatles-Musical mit Riesenratten von Woody Allen

Mit „All you need is love“ hat sich Woody Allen wieder einmal an ein Musical gewagt – und ist damit nach einer längeren Reihe eher mittelmäßiger, belangloser Filme endlich wieder zu Höchstform aufgelaufen. Und er ist auch wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und hat die Handlung von „All you need is love“ nach New York verlegt.

Die Story: Der neurotische und nur mäßig erfolgreiche Drehbuchautor George Mueller (Robert Pattinson) will mit seinem nächsten Projekt seinen großen Durchbruch schaffen! Dann könnte er auch endlich seiner großen Liebe und Langzeitfreundin Stella (Kristen Stewart) einen Heiratsantrag machen. Das ist wirklich mal überfällig. Außerdem hat er den Verdacht, dass sie ihren Kollegen Hank viel attraktiver findet als ihn. So wie sie immer von Hank erzählt: er habe immer so tolle Ideen und sei ja so lustig und wirklich furchtlos und wie überzeugend er bei den Präsentationen vor den Kunden immer auftritt blablabla … blöder Hank, George hasst den Scheißkerl.

Jedenfalls will er Stella beweisen, dass er mindestens genauso mutig und cool sein kann wie dieser bescheuerte Angeber, der sich idiotisch viel darauf einbildet, Bierflaschen mit den Zähnen öffnen zu können, das wird sich schon noch rächen irgendwann und George wird dann ganz bestimmt nicht Hanks Zahnarztrechnung bedauern, das hat der Typ dann nicht anders verdient und – ach, ist ja auch egal, wo waren wir stehengeblieben? Genau, Georges neues Drehbuch. Der Film wird ein Neo-Noir mit Horrorelementen und philosophisch-psychologischem Überbau, vielleicht auch spirituell-religiös angehaucht, da ist sich George noch nicht so sicher. Um Stella seinen Wagemut zu beweisen und um authentische Inspirationen für sein Werk zu sammeln, will er selbst vor Ort in der Kanalisation New Yorks recherchieren, die Atmosphäre auf sich wirken lassen.

Aber halt! In der Kanalisation gibt es doch Ratten? George hasst die Viecher! Und bei seinem Glück gibt es gerade an der Stelle, wo er recherchiert, diese mutierten Riesenratten, von denen er irgendwo im Internet gelesen hat, was natürlich keine seriöse Quelle ist, aber es klang logisch, schließlich landet ja allerhand Dreck in der Kanalisation – abgelaufene Medikamente, chemische Abfälle, … – und wenn die Ratten das fressen (und Ratten fressen ALLES), dann ist es absolut naheliegend, dass sie mutieren und riesengroß werden! Vielleicht sollte er Stella einfach nur erzählen, dass er das macht, bleibt aber eigentlich gemütlich zu Hause auf der Couch in Sicherheit und recherchiert weiter im Internet. Doch dann will Stella unbedingt mitkommen …

Ach herrje! Aber George fasst sich ein Herz und sieht auch keinen souveränen Weg, aus der Nummer wieder herauszukommen, und so begeben sich Stella und George gemeinsam in die Kanalisation von New York. Allerdings nimmt George vorsichtshalber eine Falle für Riesenratten mit, die er selbst aus einem Umzugskarton, Büroklammern und Klebeband gebastelt hat – die Anleitung hat er auf YouTube entdeckt und die soll richtig gut funktionieren, da kann Hank sich aber gleich ganz hinten anstellen, so nämlich!
Spoiler! In der Kanalisation sind keine Riesenratten und die normalgroßen Nager sind scheu und verstecken sich vor den Menschen (sie haben viel mehr Angst vor George als er vor ihnen). Was aber stimmt, ist, dass sich allerhand chemisches Zeug in der Kanalisation befindet. Tollpatsch George stolpert und fällt in die stinkige Plörre und als er wieder auftaucht, hat er eine Vision: Jesus erscheint ihm und er hat eine Botschaft: All you need is love – alles, was du brauchst, ist Liebe. Das stimmt, denkt George, und macht Stella noch in der Kanalisation einen Heiratsantrag und steckt ihr eine Getränkedosenlasche als Ring an, die gerade vorbeigeschwommen kam.

Das Ganze ist wieder mit pointierten Dialogen, die im Affentempo hin und her schießen, nach typischer Woody-Allen-Manier gewürzt. Und – es ist ein Musical. Allen hat hier Beatles-Songs in Swing-Versionen zwischen die Dialoge eingebaut, was wunderbar funktioniert und für einen fantastischen Soundtrack sorgt!

Robert Pattinson und Kristen Stewart, einst das Traumpaar der Teenieschmonzettenreihe „Twighlight“, zeigen hier, dass sie – obwohl im wahren Leben längst kein Paar mehr – nach wie vor toll miteinander harmonieren können. Aber sie sind auch beide erwachsen geworden und haben dazugelernt. Haben sie in Twighlight noch wirklich, wirklich schlecht gespielt, sind die beiden hier erstaunlich überzeugend, unterhaltsam und ausdrucksstark.

Fazit: Ein Muss für Woody-Allen-Fans, für Musical-Fans und für Beatles-Fans! Nicht verpassen. 4,5/5 Sternen

4. Ein bayrisches Urgestein auf Hallig Hooge? Das kann ja heiter werden

„Hallig Hooge Herzenslust“ von Rosa von Praunheim ist zwar ein Heimatfilm, aber einer, der das Genre ironisch bricht und neu definiert.

Der Ur-Bayer Ottfried Fischer spielt darin den pensionierten Lehrer Alois Obermayer, den die Liebe von seinem bayerischen Dorf nach Hallig Hooge verschlagen hat. Kerstin heißt seine Herzensdame, ist Polizistin und wird gespielt von Katja Riemann. Doch es gibt Knatsch. Kerstin findet, Alois lasse sich zu sehr gehen, seit er in Rente ist. Alois findet, Kerstin solle sich mal entspannen und das Leben genießen.

Die kleinen Querelen zwischen den beiden verlieren jedoch an Bedeutung, als Kerstins jüngere Schwester Alina (Sarah Connor) plötzlich auf der Türschwelle steht. Sie ist Umweltaktivistin und hat dem falschen Unternehmen ans Bein gepinkelt. Der Stromkonzern Lattenwall bremse systematisch den Ausbau erneuerbarer Energien auf Hallig Hooge aus, berichtet sie. Sie hatte sich dort als Sekretärin des Konzern-CEOs Adrian Hansen (Matthias Schweighöfer) eingeschlichen und hat dann auch noch herausgefunden, dass dieser mit korrupten Politikern gemeinsame Sache macht – ein ziemlich großes Ding also.

Alois, Kerstin und Alina überlegen sich einen Schlachtplan – denn natürlich sind die wenigen Beweisstücke, die Alina vor ihrer Flucht im Büro von Adrian Hansen noch schnell sammeln konnte, zu nichts zu gebrauchen, da sie vor Gericht keinen Bestand hätten.

Alina erzählt beiläufig, wie sehr sie sich zusammenreißen musste, um diesem arroganten Lackaffen von Hansen nicht jedes Mal eine zu zimmern, sobald er seine große Klappe aufriss. Alina regt sich darüber auf, dass Hansen, dieser peinliche Berufsjugendliche, dieser lächerliche Hipster-Schnösel, sich chinesische Schriftzeichen tätowieren lassen wollte, von denen er meinte, sie lauteten „Mut und Stärke“ – völliger Quatsch, so Alina, die 10 Semester Sinologie studiert hat, die Schriftzeichen bedeuteten nur „Wer das liest, ist doof“.

Da fällt Alois etwas ein! Einer seiner ehemaligen Schüler, mit dem er noch befreundet ist, hat zusammen mit seinem Lebensgefährten ein Tattoo-Studio in München eröffnet. Er könnte sich doch mit einem mobilen Tätowier-Set bei Hansen vorstellig werden, sein Vertrauen gewinnen und ihn zum Reden bringen. Kerstin könnte ihre Kollegen mit ins Boot holen, um den Tätowierer zu verkabeln und Hansens Geständnis aufzuzeichnen. Ein gewagter Plan … ob er wohl gelingen wird?

Das Ganze ist tatsächlich recht spannend und Gesellschaftskritik und Politik kommen auch nicht zu kurz. Damit „Hallig Hooge Herzenslust“ aber nicht zu ernst wird, hat Rosa von Praunheim noch das deutsche Comedy-Urgestein Fips Asmussen zu einem Cameo-Auftritt überreden können – und der hat sichtlich Spaß daran, Alois, Kerstin und Alina bei ihrem Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft zu unterstützen.

Fazit: Endlich mal ein Heimatfilm, der nicht einfach nur kitschig, spießig und trutschig ist. Kann man sich gut angucken (wenn man die eine oder andere Logiklücke freundlich ignoriert). 3,5/5 Sternen.

5. Wikipedia als Stichwortgeber für einen Filmplot

„Eine total verrückte Klassenreise in einem durchgeknallten Zug“ von Regie-Neuling Dr. Klein ist eine Hommage an die alten „Die Lümmel von der ersten Bank“-Filme und eine Parodie auf amerikanische Highschool-Komödien. Man merkt der Produktion allerdings ihr spärliches Budget an – mal im positiven, mal im negativen Sinn.

Positiv sind die teils sehr witzigen und kreativen Einfälle und skurrilen Gags, die Dr. Klein in seine völlig hanebüchene Handlung eingebaut hat. Negativ ist aber vor allem seine Entscheidung, nur Laiendarsteller mit keinerlei Filmerfahrung engagiert zu haben. Die Hauptdarstellerin Gabrielle Zwiehoff, die die Geschichtslehrerin Barbara Patzek spielt, zum Beispiel ist eigentlich Juristin und gibt sich auch sichtlich Mühe – aber Schauspiel ist einfach nicht wirklich ihre Stärke. Das ist ja nicht schlimm – man kann und muss nicht alles können und müssen -, aber es stört halt doch das Filmvergnügen.

Obendrein hielt Dr. Klein es für eine fantastische Idee, seinen Laiendarstellern kein festes Drehbuch vorzugeben, sondern sie den ganzen Unfug improvisieren zu lassen. Und so entbehrt die Story wirklich jeder Logik. Aus irgendeinem Grund startet die Klassenreise, um die es hier zumindest dem Titel nach gehen soll, in Österreich, um dann auf nicht ansatzweise plausiblen Wegen plötzlich in Schweden auf der Eisenbahnstrecke Godsstråket genom Bergslagen in einem Zug zu enden.

Fazit: Nee, also, das war nichts. Peinlich, dilettantisch, nicht gut gemacht – den Film kann man sich sparen. 1/5 Sternen.

6. Quentin Tarantino als Romantiker? Das kommt dann davon:

„High Tide, Motherf*ckers!“ von Quentin Tarantino ist eine durchgeknallte Liebeskomödie mit einem bestens aufgelegten Russel Crowe in der Hauptrolle als Kapitän Zack Beauford, der ein mildes Alkoholproblem hat und aufgrund eines „Vorfalls“ an der italienischen Küste, als er den Touristen zeigen wollte, wie nah er ans Ufer fahren kann, ohne dass etwas passiert (es ist doch etwas passiert. Upsi!), keine Kreuzfahrtschiffe mehr befehligen darf. Er fühlt sich ungerecht behandelt und tut nun einfach auf seiner Yacht so, als wäre er immernoch Kapitän und alles wäre in bester Ordnung.

So könnte es auch ersteinmal weitergehen, würde Captain Beauford nicht auf hoher See, unterwegs auf seiner Yacht, einem Floß mit Schiffsbrüchigen begegnen und sie in einem Anfall von Nächstenliebe, der eigentlich sehr untypisch für ihn ist, auf seine Yacht holen.

Wir erfahren nun in Rückblenden und Episoden, wie die einzelnen Schiffbrüchigen auf das Floß gelangt sind, und dass es keineswegs Zufall ist, dass sie dann Captain Beauford und seiner Yacht begegnen – denn jeder von ihnen hat mit dem Kerl noch ein Hühnchen zu rupfen. Ganz besonders die mysteriöse Madame Yellow verfolgt ihre eigenen Pläne … und sie dürstet nach Rache. Die dann auch in gewohnter Tarantino-Manier äußerst blutig eskaliert. Eine Eismaschine spielt dabei eine ziemlich makabre Rolle – aber mehr verrate ich an dieser Stelle lieber nicht.

Aber halt! Soll der Film nicht eine Liebeskomödie sein? Das ist er auch tatsächlich. Denn unter den Schiffbrüchigen und Captain Beauford entspinnt sich ein turbulentes Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen nach bester Boulevard-Theater-Tradition … man darf also gespannt sein.

Fazit: Ein Riesenspaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte! 4,5/5 Sternen.

7. Wenn Caroline Link einen Film Noir mit Christoph Waltz drehen würde

Mit „Nachts sind alle Katzen grau“ begibt sich Caroline Link in ein für sie unbekanntes Genre: den Film Noir – und es funktioniert hervorragend.

In diesem kammerspielartigen Krimi schlüpft Christoph Waltz in die Rolle des abgeklärten, zu Depressionen neigenden Privatdetektivs Samuel „Sam“ Wallis – und zeigt damit, dass er noch mehr Facetten spielen kann als den durchgeknallten Oberbösewicht mit guten Manieren. Sein Sam hat es mit den guten Manieren jedenfalls nicht so – viel zu ineffizient, wenn es darum geht, Leute zum Reden zu bringen, ist seine Erfahrung. Und durchgeknallt ist er auch nicht – er hat nur ein leichtes Problem mit seiner Selbstbeherrschung (behauptet seine Ex-Frau Monika, die alte Spinatwachtel).

Eines Tages kommt die mysteriöse Femme fatale Sonja Solace in sein Büro – gespielt von Sibel Kekilli – und braucht seine Hilfe. Ihr Mann ist verschwunden und sie hat Angst, ihm könne etwas zugestoßen sein. Er habe wohl neben seinem eigentlichen Beruf als Filialleiter eines Supermarkts nicht ganz lupenreine Wetten im Internet betrieben und könnte möglicherweise den falschen Leuten dabei auf den Schlips getreten sein.

Sam und Sonja fangen an, im Supermarkt zu ermitteln. Dabei kommen sie sich allmählich näher … huiuiui, gefährlich! Vor allem in Anbetracht dessen, dass Sonjas Ehemann ihr einiges verschwiegen hat, was seine Internetwettgeschichten angeht – unter anderem, wie viele Schulden er hatte und bei wem.

Als Sonja und Sam eines Tages zurück in Sams Büro wollen, liegt ein Geschenk vor der Tür – hübsch verpackt, mit Geschenkband, Schleife, Firlefanz. Für eine Bombe ist es zu leicht, ticken tut das Päckchen auch nicht … die beiden beschließen, es zu öffnen. Sonja wird beim Anblick des Inhalts kreidebleich: ein blutiger Schraubenschlüssel und daneben eine einzige, dreckige Socke!

Wer hat die Botschaft geschickt und vor allem: Was bedeutet sie? Ist Sonja wirklich so unschuldig, wie sie tut? Was hat ihr Mann wirklich für Geschäfte gemacht? Fragen über Fragen, die Sam in einen Strudel der Emotionen werfen – ihn aber endlich wieder aus seiner Lethargie reißen. Doch sein Eifer wird nicht ohne Folgen bleiben …

Fazit: Ein spannender Krimi, düstere Atmosphäre und gute Schauspieler – lohnt sich! 4/5 Sternen.

8. Ein Horrorfilm im Zoo von Fatih Akin

„Blutdurst“ von Fatih Akin ist ein verstörender Horrorfilm mit einem furchteinflößenden Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle des Zoodirektors Jochen Begenhack, der in seiner Freizeit einem ziemlich eigentümlichen Hobby frönt: dem Züchten neuer Tierarten.

Gedreht hat Akin wieder einmal in seiner geliebten Heimatstadt Hamburg, dieses Mal ist der Tierpark Hagenbeck Ort des Geschehens. Die Handlung bleibt auch die ganze Zeit im Zoo beziehungsweise im Tropenaquarium. Obwohl der Tierpark recht weitläufig ist, schafft es Akin, eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen und das ständige Gefühl der Bedrohung durch die Atmosphäre wabern zu lassen.

Dabei kann er sich voll und ganz auf Moritz Bleibtreu verlassen, der die schleichend immer stärker werdende Paranoia und Wahnvorstellungen des Zoodirektors mit beängstigender Intensität spielt.

Ihm entgegen stehen drei Frauen: Die Reporterin Marina Andresen (Andrea Sawatzki), die Tierpflegerin Anna Peters (Cosma-Shiva Hagen) und die Unternehmensberaterin Inga von Hove (Helene Fischer). Alle drei befinden sich aus verschiedenen Gründen nach Feierabend noch im Zoo. Marina Andresen hat von der Freizeitbeschäftigung des Zoodirektors Wind bekommen und wittert eine Riesenstory. Anna Peters ist ihre Informantin – sie arbeitet im Aquarium bei den Krokodilen und hat den Zoodirektor auffallend oft dort herumstreifen sehen. Inga von Hove hingegen wurde vom Bruder des Zoodirektors (mit dem dieser in eine üble Familienfehde verwickelt ist) beauftragt, mal heimlich Nachforschungen anzustellen, ob der Direktor nicht vielleicht Gelder veruntreut oder anderen Schindluder betreibt, mit dem man ihn aus dem Geschäft drängen könnte – fies.

Nach und nach finden sich unsere vier Protagonisten im Aquarium wieder. Dort entdecken sie das geheime Zuchtlabor des Zoodirektors – und seine neueste Kreation, eine Kreuzung zwischen Hai, Krokodil und Piranha … und sie ist sehr, sehr hungrig.

Fazit: Ein gelungener Horrorfilm, bei dem sich der Grusel und die Spannung vor allem auf psychologischer Ebene abspielen – die blutrünstige Kreatur sieht man erst ganz zum Schluss und auch da wird sie nur angedeutet. Die Fantasie erledigt den Rest. Lohnt sich! 4/5 Sternen

9. Noch mal Michael Bay, aber dieses Mal im Weltall

„Das Raumschiff aus der Hölle“ von Michael Bay ist ein actiongeladener Science-Fiction-Quatsch, dessen Story zwar völlig an den Haaren herbeigezogen ist, der aber trotzdem einen Heidenspaß macht.

Im Mittelpunkt der Handlung (oder das, was man als Vorwand für allerhand Prügeleien, Explosionen und Schießereien genommen hat) steht das Raumschiff Apokalyptika. Die ganze Geschichte spielt in einer alternativen Gegenwart, in der der Kalte Krieg nie ein Ende fand und die Amerikaner und Russen zu immer größenwahnsinnigeren Waffenexperimenten verleitet hat. Aktueller Höhepunkt: die Apokalyptika – eine über und über mit Waffen und Abwehrsystemen versehene Festung im Weltall, die in der Umlaufbahn der Erde patrouilliert und darauf wartet, dass die Russen sich endlich mal blicken lassen oder wenigstens ein paar angriffslustige Aliens, damit man die ganzen schönen Waffen auch mal benutzen kann. Aber nichts dergleichen passiert, die Apokalyptika und ihre Mannschaft sind allein im Weltraum.

Die Hauptrolle spielt niemand Geringeres als William Shatner. Er ist der gealterte Admiral John D. Burke – zynisch, resigniert, amtsmüde. Ihm zur Seite steht Colonel James McBain (Bruce Willis), dem allerdings die zunehmende Isolation auf dem Raumschiff ganz und gar nicht gut tut. Er trinkt zu viel, schluckt alle möglichen Medikamente, die er kriegen kann und fängt an, überall Gespenster zu sehen.

Die Situation eskaliert, als sich der Arzt des Raumschiffs, Jack Rambola (Sylvester Stallone), anfängt darüber zu wundern, warum die Medikamentenvorräte so schnell zur Neige gehen, und Nachforschungen anstellt. Er kommt McBain auf die Schliche und will ihn zur Rede stellen. Dieser sieht allerdings in dem Arzt eine riesenhafte Monsterversion von Spongebob und halluziniert, dass dieser ihm seine Gummibärchentüte stehlen will! Das lässt sich McBain nicht gefallen. Es kommt zum Gerangel, dann zieht Dr. Rambola plötzlich eine Waffe und will eigentlich einen Warnschuss abgeben – trifft dabei aber versehentlich Admiral Burke. Zum Glück ist es aber nur ein Streifschuss. Burke überlebt und entdeckt seine Lebensgeister neu – leider ist das für die anderen beiden Männer nicht von Vorteil, denn Burke ist auf Rache aus und er hat jede Menge bis dato ungenutzte Waffen zu seiner Verfügung …

Fazit: Perfekt für einen langweiligen Sonntag – Kopf aus, Film ab. 3,5/5 Sternen.

10. Ein Stummfilm mit Eddie Murphy? Herausforderung angenommen!

„The Master of Guns“ von den Wachowski-Geschwistern ist ein gewagtes filmisches Experiment: ein Stummfilm-Western mit Eddie Murphy in der Hauptrolle als Neelo Anderson, einem gestrauchelten Revolverhelden auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Den hofft er zu finden, indem er sich am Rande des kleinen Städtchens Riotcreek mit einem Freibad niederlässt.

Zunächst geht auch alles gut. Das Geschäft läuft nicht schlecht, er kann weitere Mitarbeiter einstellen. Die hübsche und toughe Anjelica (Margot Robbie) stellt sich bei ihm vor und will als Eisverkäuferin im Freibad arbeiten. Was sie Neelo verheimlicht: Sie ist vor ihrem gewalttätigen Ehemann, dem Sheriff des Nachbarorts Cliff Buchanan, geflohen, nachdem sie ihn dabei beobachtet hat, wie er heimlich Geschäfte mit dem Outlaw Butch „Mad Dog“ DeLorean macht.

Die Monate gehen ins Land und es wird Winter. Neelo will das Freibad für die Saison schließen, da kreuzen plötzlich Sheriff Buchanan und „Mad Dog“ DeLorean bei ihm auf – sie haben spitzgekriegt, wo Anjelica sich versteckt hält. Neelo muss sein Talent als Revolverheld erneut mobilisieren – aber wird es ihm gelingen oder ist er aus der Übung gekommen? Und was hat Anjelica vor, als sie den Sheriff und den Outlaw auf eine Tasse Tee in den Eisladen einlädt? Was ist in dem Teebeutel drin, den sie für die Zubereitung verwendet? Und was ist nun eigentlich der Sinn des Lebens?

Dass das alles als Stummfilm so hervorragend funktioniert und Eddie Murphy, der als Dampfplauderer berühmt und beliebt wurde, sich auch ohne gesprochene Worte überzeugend ausdrücken kann, hätte ich nicht gedacht. Und auch der tiefgründig-philosophische Überbau, mit dem die Wachowskis gern mal ihre Filme zermurksen (Stichwort: Jupiter Ascending), hält sich hier angenehm dezent im Hintergrund.

Fazit: Sehenswertes und gelungenes Experiment! Lohnt sich! 4,5/5 Sternen.


Das war es erst einmal. Ich hoffe, meine ausgedachten Filmplots haben euch gefallen. Ihr wollt mehr davon? Dann schreibt mir eure Stichworte in die Kommentare.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Film und Fernsehen, Kritik

2 Antworten zu “99. Stück: Erfundene Filmkritiken oder Filme, die im Kino laufen könnten

  1. Ma-Go

    Oh Mann 😂😂😂
    Ich glaube zwar nicht, dass ich einen davon mir anschauen würde, bewundere aber deine Kreativität 👍🏻

    Gefällt 1 Person

  2. Den letzten würde ich allein schon aufgrund der Reminiszenzen auf Back to the Future anschauen… 😀

    Gefällt 1 Person

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