Monatsarchiv: Februar 2016

76. Stück: Liebster Award Nominierung, numéro quatre

Nun hat es mich bereits zum vierten Mal erwischt 🙂 Dieses Mal hat mich Friedl von Grimm vom Blog Trivial für den Liebster Award nominiert. So, nicht lange schnacken, auf geht’s zur fröhlichen Frage-Antwort-Runde (dieses Mal durfte ich mir Fragen aus Friedls Repertoire aussuchen):

1. Welcher Film fängt deine Persönlichkeit am besten ein?

Ich find’s immer schwierig, seine eigene Persönlichkeit allumfassend richtig einzuschätzen. Das hängt ja auch immer vom eigenen Selbstwertgefühl ab, wie man sich selbst sieht, und das verfälscht die Einschätzung. So denke ich zum Beispiel von mir, ich sei schüchtern, zutiefst lächerlich und ziemlich neurotisch. Aber aus mir unerfindlichen Gründen scheine ich nach außen hin nicht so zu wirken, also ist meine Selbsteinschätzung vielleicht kompletter Käse und ich bin in Wahrheit voll toll. So, jetzt habe ich mich erfolgreich mehrere Sätze mit meinem Geschwafel um eine Antwort gedrückt 😛

Aber ich will meine Leser auch nicht enttäuschen … Zuletzt konnte ich mich aus oben genannten Gründen vor allem mit der Figur Lisa aus dem Animationsfilm Anomalisa von Charlie Kaufman identifizieren. Meine Kritik zu dem Film findet ihr auf meiner Facebook-Seite.

2. Wann und warum bist du das letzte Mal ausgerastet?

Bis ich mal richtig wütend werde, das dauert. Ich bin im Großen und Ganzen ein recht duldsamer Mensch, der gern seine Ruhe hat und Streit nicht ausstehen kann. Gegen eine sachliche Diskussion mit spannenden Argumenten unter zivilisierten Leuten habe ich gar nichts, im Gegenteil, das macht mir Spaß. Aber Streit, wo man sich gegenseitig verbal unter die Gürtellinie haut und versucht, gegenseitig zu demütigen und sich selbst zu erhöhen, wo man sich gegenseitig anschreit und am Ende alle stinksauer aufeinander sind, ist in meinen Augen alles andere als zielführend und zweckdienlich. Das eigentliche Problem wird in solchen Schimpforgien doch nie geklärt, sondern alle Beteiligten wollen nur Dampf ablassen. Sprich, hinterher ist das Problem immer noch da, doch anstatt Ideen für eine Lösung oder einen Kompromiss gesammelt zu haben, habe ich eine Scheißlaune und bin fürchterlich unglücklich.

Es bedarf also vorher einer langen, langen Reihe immer wiederkehrender Kränkungen, die sich allmählich aufstapeln, bis mir irgendwann der Kragen platzt. Das kann dann schonmal mehrere Jahre dauern, bis ich dann tatsächlich explodiere, vorher versuche ich immer, Konflikte friedlich zu klären. Aber leider gibt es Menschen, die keinen Bock auf friedliche Klärung haben, und es auf Streit absehen, warum auch immer. Insofern erinnere ich mich an einen denkwürdigen Moment mit meinem ehemaligen besten Freund vor mittlerweile rund 13 Jahren (da kann man mal sehen, wie selten ich ausraste 😉 ), der mich jahrelang immer als unehrlich, hinterfotzig, rücksichtslos, verlogen, falsch, lästig und weißichwasnoch bezeichnet hatte. Ich habe das irgendwann selbst geglaubt und mich glücklich geschätzt, dass er sich überhaupt mit mir minderwertigem Subjekt abgab. Bis es mir irgendwann gereicht hat. In der Zwischenzeit war ich mit meinem Freund zusammengekommen, also vielleicht habe ich dadurch ein bisschen Selbstvertrauen zurückgewonnen. Jedenfalls hat mich besagter Ex-bester-Freund an einem Abend wieder als niederträchtiges Miststück behandelt und mit allerlei Beleidigungen und verbalen Demütigungen bombardiert, und ich bin die ganze Zeit ruhig geblieben. Habe die Zähne zusammengebissen, die Tirade stoisch ertragen und es beim Aussteigen noch geschafft, lächelnd und zähneknirschend gute Nacht zu sagen. Aber kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen, bin ich einfach explodiert. „Leck mich doch am Arsch!“ habe ich gebrüllt und – ganz untypisch für mich – mir in dem Moment keine Gedanken darüber gemacht, dass ich mit meinem Geschrei eventuell die Nachbarn aufgeweckt haben könnte.

Dann hörte ich die Reifen quietschen. „Fuck! Er hat mich gehört!“, schoss mir durch den Kopf, da kam er auch schon auf mich zugestapft und blitzte mich aus wütenden Augen an. „Was hast du da gerade gesagt?“, zischte er und ich hielt seinem Blick stand und wiederholte, er könne mich mal am Arsch lecken. Zack, da schubst er mich auf die Straße, ich fliege im hohen Bogen auf meinen Allerwertesten und bleibe verdattert sitzen. Er stapft zurück zum Auto und fährt davon. Es hat dann noch ein paar Monate gedauert, bis wir uns endgültig zerstritten hatten, aber dieser Ausraster ist mir im Gedächtnis geblieben.

3. Salziges oder süßes Popcorn? Oder gemischt, wie ich es präferiere?

Ehrlich gesagt, mag ich Popcorn gar nicht mal so besonders. Es schmeckt nach Presspappe und die Hüllen von den Maiskörnern schieben sich zwischen die Zähne und da bleiben sie dann, schneiden einem ins Zahnfleisch, bis man sie mit Zahnstocher oder Zahnbürste herausangeln kann. Aber wenn ich Popcorn esse, dann gern die süße Variante.

4. Welches Verhalten, was eigentlich nicht nett ist, hast du durchaus perfektioniert?

Na ja, ich bin zugegebenermaßen ganz gern mal altklug. In der Regel habe ich dann auch wirklich recht, aber mir ist dann auch sehr daran gelegen, dass der andere das auch einsieht, sonst habe ich ja nichts davon, recht zu haben. Manchmal macht es mir dann auch Spaß, dumme Kommentare auf Facebook und Co. höflich und mit logischer Argumentation zu zerpflücken. Mir ist dabei völlig klar, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist, und Idioten, die dumme Kommentare schreiben, für nichts auf der Welt ihr Oberstübchen bemühen und einsehen würden, dass sie kompletten Schwachsinn geschrieben haben. Aber bis zu einem gewissen Grad amüsiert es mich dann, wenn diese Vollpfosten sich selbst entlarven mit ihrer arroganten, selbstgefälligen, aber völlig bescheuerten Reaktion. Meistens kommt entweder gar nichts zurück (das heißt, ich hatte das letzte Wort, Ätsch! 😛 ) oder es kommt sowas wie „Ja, da muss man halt schon intelligent sein, um das so zu sehen wie ich. Ich bin dann mal raus aus der Diskussion, ihr seid mir alle zu dumm.“ Klassischer Fall von Projektion, jaja.

5. Deine Top 5 für eine legendäre Karaokesession.

Juhu! Ich liiiiiiebe Karaoke! Also:

1. „Tainted Love“ von Soft Cell

2. „Basket Case“ von Green Day

3. „Bohemian Rhapsody“ von Queen

4. „Sweet Dreams (are made of this)“ von Annie Lennox

5. „Faith“ von George Michael

6. Bist du Befürworter der These, dass Künstler (egal, ob Filmschaffende, Musiker, Maler etc.) nur etwas Großartiges erschaffen können, wenn sie unglücklich sind? Warum?

Nee, das halte ich für ein Gerücht. Genauso, wie ich es für Quatsch halte, dass man als Künstler partout seinen Horizont mit Drogen, Alkohol und anderen Schummelhilfsmitteln „erweitern“ muss, damit das, was man fabriziert, als Kunst gilt. Das Wesentliche ist, dass man etwas zu erzählen, mitzuteilen hat, und natürlich genug Begabung in dem künstlerischen Bereich besitzt, um seine Aussage auch cool zu verpacken und im Zuschauer etwas auszulösen. Ein gelungenes Kunstwerk, also etwas künstlerisch Großartiges, verändert den Zuschauer. Ob der Künstler dabei unglücklich ist oder eigentlich soweit zufrieden, ist dabei meiner Meinung nach Nebensache. Es kann aber natürlich sein, dass man sich eher mitteilen möchte, wenn es bei einem selbst gerade nicht so rund läuft. Das ist ja in den Nachrichten nicht anders, Katastrophen haben einfach einen größeren Sensationswert und sind scheinbar interessanter und bemerkenswerter. Dass alles supi ist, sollte ja eigentlich Normalzustand sein, und dann ist natürlich alles spannend, was davon abweicht.

7. Welche Selbstmordmethode würdest du wählen?

Solche kontroversen Fragen und Gedankenspiele mag ich. Ich habe überhaupt nicht vor, mich jemals umzubringen, aber angenommen, ich bin irgendwann ein totales Gemüse, das gar nichts mehr alleine machen kann und nur noch von Geräten am Leben erhalten wird. Dann hoffe ich, dass jemand diese Geräte ausknipst. Das ist dann nicht wirklich Selbstmord, sondern Sterbehilfe, was auch schon wieder ein anderes, superkontroverses Thema ist. Aber ich persönlich für mich würde das in einem solchen Fall befürworten.

8. Welchen Genremix würdest du gerne mal auf der Leinwand sehen?

So, wieder ein leichteres Thema 🙂 Ich find’s cool, wenn man zwei oder mehrere Genres kombiniert, die scheinbar auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen. Ein Action-Splatter-Musical fände ich mal lustig.

9. Welche Musik empfindest du als zeitlos schön?

Manche klassische Stücke – nicht alle, manche sind auch einfach strunzlangweilig – finde ich zeitlos schön, zum Beispiel „Barcarolle“ von Jacques Offenbach aus „Hoffmanns Erzählungen“.

10. Glaubst du, dass man in der heutigen Zeit noch etwas wahrhaftig Originelles kreieren kann?

Ach, nö, ich glaube, das kann man knicken. Die Frage ist auch, ob man denn überhaupt immer was Originelles kreieren muss? Ich denke – und da bin ich ganz ein Kind der Postmoderne – dass man Motive, Geschichten, Archetypen und Versatzstücke, die es bereits gibt, wunderbar kombinieren, variieren, anders und neu erzählen kann.

11. Was passierte bei deinem letzten unangenehmen, schlechten oder peinlichen Erlebnis und wie bist du damit umgegangen?

Mir passieren so oft Dinge, die mir selbst total peinlich sind, dass ich mich da inzwischen gut dran gewöhnt habe. Meistens schätze ich das Ganze auch als viel peinlicher ein, als es eigentlich war. Üblicherweise laufe ich dann gefühlt puterrot an, möchte am liebsten im Boden versinken und nie, nie wieder auftauchen. Aber jedes Mal überlebe ich peinliche Situationen und – das ist übrigens das Tolle am Älterwerden – weiß das inzwischen. Das heißt, ich bin schon megastolz auf mich, wenn ich nicht vor allen Leuten anfange zu flennen, sondern es noch bis zum Klo schaffe. Da heule ich mich dann ein paar Minuten aus, atme ein paar Mal tief durch, klopf mir den Staub von den Schultern, wuschel meine Frisur zurecht und gehe wieder raus. Und dann stelle ich fest, das war alles gar nicht so schlimm, und ich kann sogar was draus lernen.

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