71. Stück: Die 10 besten Filme und 5 tollsten Animationsfilme von 2015

Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende und es wird Zeit für einen cineastischen Rückblick. Hier präsentiere ich die meiner Meinung nach besten Filme und Animationsfilme von 2015, dazu gibt es meine Kritiken. Die Liste ist garantiert völlig subjektiv – wer also Lust hat, mir zu widersprechen oder mich ob meines miserablen Filmgeschmacks zu bepöbeln: Ich freue mich über jeden Kommentar.

Die 10 besten Filme 2015:

10. „Mad Max – Fury Road“

Wow! Was für ein rasanter Trip! In „Mad Max: Fury Road“ von George Miller geht es 121 Minuten lang im furiosen (!) Tempo quer durch eine bizarre, surrealistische Landschaft, in der kaum noch ein Fünkchen Zivilisation übrig ist. Es ist, als wäre die Menschheit zurück in der Steinzeit gelandet – nur dass in der Steinzeit nicht die ganze Erde verwüstet und noch ausreichend Ressourcen für alle vorhanden waren.

Mit skurrilem Humor entlarvt Miller in seinem Film die völlige Absurdität des Daseins und zeigt seinen Helden Max als ein Wesen, das nur noch auf den Instinkt des Überlebens reduziert ist und langsam wieder etwas Menschlichkeit entdeckt.

Etwas reizüberflutet steht man nachher da, aber merkwürdigerweise nicht enttäuscht wie beispielsweise nach „Avengers: Age of Ultron“. Das liegt daran, dass einem die Figuren sofort ans Herz wachsen und man mit ihnen mitfiebert, auch wenn die Dialoge sehr knapp ausfallen. Vielleicht, weil sie alle so klare, nachvollziehbare Motive verfolgen und weil sie alle im Kern ganz normale Menschen sind.

Fazit: Absolut sehenswert!

9. „Warte, bis es dunkel wird“

„Warte, bis es dunkel wird“ von Alfonso Gomez-Rejon ist handwerklich hervorragend gemachter Grusel mit schockierenden Splatter-Momenten, die es in sich haben. Die weitestgehend unbekannten Darsteller spielen glaubwürdig, facettenreich und sympathisch – was für Horrorfilme keine Selbstverständlichkeit ist. Die Gefahr unfreiwilliger Komik ist groß, wenn irgendwelche Teenager (oder Schauspieler, die wie Teenager aussehen sollen, auch wenn sie schon fast 30 sind) kreischend vor einem Hackebeilmörder davonlaufen. Das kann schnell albern aussehen, aber in diesem Film wirkt es nicht ansatzweise komisch. Und das ist gut. Richtig gut.

Ich gebe zu, ich konnte bei den Splatter-Szenen nicht hingucken. Gerade, weil man sich nicht durch Kichern vom Gefühl des Grauens innerlich distanzieren konnte, ging die Brutalität der Morde besonders an die Nieren. Die Filmsprache mit schnellen, perfekt choreographierten Schnitten, ungewöhnlichen Kamerawinkeln und einem verträumt-unheimlichen Retro-Filter über den Bildern verstärkt diesen Effekt. Die Musik ergänzt und untermalt das Furchterregende auf ideale Weise. Für Cineasten bieten außerdem die Meta-Ebene mit dem alten Film von 1976 und die geschickte Verknüpfung mit den wahren Ereignissen zusätzliches Vergnügen.

Fazit: Sehenswert, nicht nur für Genrefans.

8. „Horns“

„Horns“ von Alexandre Aja ist ein schräger, aber spannender Genre-Mix aus Horror, Fantasy, Mistery, Krimi, Film Noir, Liebesfilm und Drama. Teilweise hat mich der Erzähltonfall auch ein wenig an „Donnie Darko“ erinnert, der meines Erachtens vor allem eine Gesellschaftssatire ist. Satirische Elemente lassen sich auch hier entdecken, wenn die Dorfbewohner Ig Perrish ihre dunkelsten Geheimnisse offenbaren. Zwischendurch musste ich dabei immer wieder laut auflachen, dann wieder blieb das Lachen im Hals stecken.

Der Film springt direkt, ohne Umschweife, in die Handlung und lässt dann jedoch, sobald Ig seine Hörner und sich daran gewöhnt hat, dass ihm jeder seine dunkle Seite zeigt, im Tempo ein wenig nach. Das heißt, hier und da gibt es ein paar kurze Durststrecken, in denen die Spannung droht, leicht abzuflauen. Im Gesamteindruck ist der Film jedoch herrlich skurril und wunderbar anders als das, was man sonst von Horrorfilmen gewohnt ist. Die tolle Songauswahl für den Soundtrack tut dann ihr Übriges, spätestens bei „Where is my mind“ von den Pixies hatte mich der Film auch musikalisch gepackt.

Fazit: Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber ich fand den super! Und ich bin der Ansicht, dass Daniel Radcliffe sein Harry-Potter-Image noch abstreifen wird. Mit solchen Filmen, in denen er zeigt, dass er (anders als beispielsweise Robert Pattinson) ein echt guter Schauspieler ist, ist er auf einem guten Weg.

+++Spoiler+++Spoiler+++Spoiler+++

Das Ende passte zwar und war ein guter Abschluss. Aber: Trotzdem hätte ich mir die Möglichkeit gewünscht, mit der Figur Ig Perrish noch weitere Geschichten zu erzählen. Ich denke, das Potential für Fortsetzungen, vielleicht sogar eine Serie, wäre vorhanden gewesen. Diese Option ist nun leider verbaut. Schade.

7. „Wir sind jung. Wir sind stark“

„Wir sind jung. Wir sind stark“ von Burhan Qurbani ist ein beeindruckendes und nachdenklich stimmendes Drama, das sich mit einem der unrühmlichsten Kapitel jüngerer deutscher Geschichte beschäftigt – und gerade in Zeiten von Pegida, Hogesa und Co. wieder hochaktuell ist. Die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen am 24. August 1992, als ein unkontrollierte Mob von Wutbürgern ein Asylbewerberheim in Brand setzte, werden im Film von mehreren Blickwinkeln aus betrachtet: Die Jugendlichen, die später mittendrin in den ausländerfeindlichen Angriffen sind, die Lokalpolitiker, die zwischen schlechtem Gewissen, Verantwortungsgefühl und zynischer Wahlkampf- und Imageschonungsstrategie schwanken und die Vietnamesen, die in dem später angegriffenen Haus wohnen.

Innerhalb dieser Gruppierungen finden sich wiederum verschiedene Standpunkte, die die Vorgänge noch feiner ausdifferenzieren lassen. Qurbani scheint es weniger darum zu gehen, Antworten auf die Frage nach dem „Warum?“ zu liefern, sondern aufzuzeigen, dass es manchmal keine einfachen Antworten gibt. Und dass rein theoretisch jeder zum Monster werden kann, wenn genug Frust und Wut sich aufgestaut haben. Eine beunruhigende, beklemmende Erkenntnis.

Der Stil und die Erzählstruktur erinnern an „La Haine“ (Hass) von Mathieu Kassovitz aus dem Jahr 1995. Auch dort wurde ein Tag im Leben von drei Jugendlichen in einem Pariser Vorort gezeigt, in Schwarz-Weiß und mit Zeitangaben, die die Geschichte gliedern und gleichzeitig daran erinnern, dass die unausweichliche Katastrophe, in der die Gewaltspirale enden wird, immer näher rückt.

Wie in „La Haine“ sind auch die deutschen Jungschauspieler in „Wir sind jung. Wir sind stark“ herausragend und brauchen sich hinter ihren älteren, erfahrenen Kollegen nicht zu verstecken. Die verschiedenen Facetten ihrer sorgfältig charakterisierten Figuren können sie mühelos durchscheinen lassen und sie spielen hervorragend als Clique zusammen.

Ein wenig Kritik habe ich aber dennoch (meine beiden Begleiter fanden den Film nämlich eher langatmig): Dadurch, dass aus so vielen verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird (bei „La Haine“ war es konsequent immer nur die Perspektive der Jugendlichen), büßt der Film viel von seinem Spannungspotential ein. Er springt immer wieder zwischen den verschiedenen Protagonistengruppen hin und her, sodass die Spannungskurve zwischendurch erneut absinkt.

Außerdem haben mich zwischendurch das – leider für deutsche Filme typische – Schwelgen in bedeutungsschwangeren Bildern und Szenen sowie die eigenartige Darstellung der Freundschaft etwas irriitiert. Dieses Getanze und ständige Umarmerei, das macht doch in echt keiner? Na ja, also im Sturm und Drang früher vielleicht, wenn die vom gegenseitigen Gedichtevorlesen von Gefühlen übermannt wurden. Aber das ist ja nun schon über 200 Jahre her. Überdies taucht in deutschen Filmen ständig dramaturgisch grundlos ein nackter Männerhintern irgendwo auf. Das wirkt auf mich immer etwas aufgesetzt und künstlich. Aber insgesamt hat mich persönlich das nicht so gestört.

6. „Heil“

„Heil“ von Dietrich Brüggemann ist ein durchgeknallter Rundumschlag gegen alles, was den Deutschen heilig ist. Politiker, Autoren, Wissenschaftler, Philosophen, Verfassungsschutz, BND, Polizei, Linke, Rechte, Unpolitische, Medienfuzzis, Künstler … alle werden erfrischend unsubtil durch den Kakao gezogen. Das macht einen Heidenspaß, doch bei der Gagdichte und dem furiosen Tempo kommt man auch ein wenig aus der Puste. Das Finale ist schließlich so absurd und brüllend komisch, dass man fast aus dem Kinosessel plumpst. Ganz großes Kino, unbedingt anschauen!

5. „Er ist wieder da“

„Er ist wieder da“ von David Wnendt ist eine hervorragende filmische Umsetzung des gleichnamigen Romans von Timur Vermes. Der dokumentarische Stil des Films und die Szenen, die mit (scheinbar?) versteckter Kamera gedreht wurden, verleihen der Geschichte etwas erschreckend Authentisches, auch, wenn die Ausgangssituation zunächst absurd ist. Doch akzeptiert man die Ausgangssituation als Gedankenspiel, dann ist das, was sich daraus entwickelt, verstörend nah an der aktuellen Realität.

Spannend und etwas unheimlich fand ich, dass man als Zuschauer den Sinneswandel der Hauptfiguren, allen voran Sawatzkis, mitmacht: Zuerst findet man diesen Hitler lustig, vor allem die Szenen, in denen Hitler mit der modernen Welt zusammenprallt. Dann kommt seine Rede in der Comedyshow und man ertappt sich dabei, wie man diesem geschickten Demagogen zuhören muss, sich seinen Worten und seiner Ausstrahlung gar nicht entziehen kann. Und schließlich, am Ende, wird einem klar, dass man sich hat einlullen lassen, und dass es für jemanden wie Hitler auch heute noch überhaupt kein Problem wäre, an die Macht zu kommen und dass sich die Geschichte dann wiederholen würde. Dass die Menschheit nichts aus ihren Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Das ist bitter und schwer zu verdauen.

Deswegen ist „Er ist wieder da“ nicht nur ein sehr guter, sondern auch ein wichtiger Film, der den Menschen in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, den Spiegel vorhält.

4. „Der Babadook“

„Der Babadook“ von Jennifer Kent ist ein kleines Gruselmeisterwerk. Markerschütternde Schockeffekte sind hier rar gesät, doch der Film bleibt von Anfang bis Ende spannend. Essie Davis und Noah Wiseman als Mutter-Sohn-Gespann spielen so eindringlich und intensiv, dass es beinahe weh tut. Die Figuren sind facettenreich, vielschichtig, glaubwürdig und widersprüchlich charakterisiert, dass die Handlung, die sich allein daraus schon entwickelt, an die Nieren geht. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie Psychologie und Horror zusammenspielen können, um hervorragende Schauergeschichten zu erzählen.

+++ Spoiler +++
Bis zum Schluss bleibt offen, ob es den Babadook wirklich gibt oder ob Amelia ihn sich nur einbildet. Diese Ambivalenz sorgt für ein unheimliches Gefühl, das auch lange nach dem Film noch nachwirkt. Ich denke, dass der Babadook in der Geschichte echt ist und sich aus ihren Ängsten, ihrer Trauer, ihrer Ohnmacht speist. Am Ende hat sie das Monster zwar nicht vertrieben, aber sie hat es gezähmt und gelernt, mit ihm zu leben. Das ist zumindest meine Interpretation, aber der Film ergibt genauso viel Sinn und ist schlüssig, wenn man den Babadook als Einbildung betrachtet oder ihn als Metapher sieht. Sowas finde ich immer toll, wenn am Ende zwei oder mehr Interpretationsmöglichkeiten gleichwertig nebeneinander stehen.

3. „Das brandneue Testament“

„Das brandneue Testament“ von Jaco van Dormael habe ich am Wochenende auf dem Filmfest Hamburg gesehen. Der Film hat mich von Anfang bis Ende verzaubert und begeistert, weil er so übersprudelt vor bunten Einfällen, skurrilen Ideen und liebenswerten Figuren. Wer „Mr. Nobody“ oder „Toto, der Held“ von Jaco van Dormael gesehen hat, wird auch in „Das brandneue Testament“ seinen unverwechselbaren Stil und Humor wiedererkennen.

Ich freue mich, dass der Film im Dezember (Edit: Also jetzt gerade!) auch regulär in den Kinos läuft, dann schaue ich ihn mir auf jeden Fall noch einmal an. Und ich hoffe, er findet ein breites Publikum – verdient hat er es.

2. „Whiplash“

Whiplash“ von Damien Chazelle ist ein pulsierender Musikfilm, ein fesselndes Drama und richtig großes Kino. Hier stimmt einfach alles: Der Rhythmus des Schlagzeugs geht so ins Blut, durch Mark und Bein, dass einen die Musik auch ohne große Jazzkenntnisse mitreißt. Die beiden Hauptfiguren, der junge, talentierte Schlagzeuger Andrew und sein Lehrer Terrence Fletcher, sind so facettenreich gestaltet, dass sie einem trotz ihrer unsympathischen Wesenszüge ans Herz wachsen, man mit ihnen fühlt und um sie bangt. Wie die zwei ihr psychologisches Duell ausfechten, ist von nervenzerfetzender Spannung.

Die Dialoge sind rhythmisch genauso hervorragend gesetzt, pointiert und existenziell wie die Musik. Der Schnitt ist perfekt darauf abgestimmt (mehr als verdienter Oscar!). Und die Schauspieler machen ihre Arbeit so als ginge es um Leben und Tod (auch hier: mehr als verdienter Oscar für J.K. Simmons).

Dabei werden so zeitlose, große Fragen der Menschheit und der Kunst aufgeworfen wie: was ist Leidenschaft und wie weit sollte man gehen, was sollte man alles dafür aufgeben, um sie ausüben zu können? Wie wird aus einem guten Künstler ein Virtuose, der über sich hinauswächst? Was macht den idealen Lehrer aus und was darf oder muss er tun, um seine Schüler zu fördern?

Fazit: Nicht verpassen!

1. (Tadaaaa!) „Ex Machina“

Bei „Ex Machina“ von Alex Garland merkt man, dass da ein Drehbuch- und Romanautor am Werk war. Die Geschichte erzählt sich fast von selbst, so hervorragend sind die Figuren in diesem klaustrophobischen Kammerspiel konzipiert (Hurra, eine Alliteration). Der Schauplatz, ein teils unterirdischer Bunker mitten im dichten Wald eines Tals im Gebirge, kann nur mit Hubschrauber erreicht werden. Die vier Figuren, die in dem Haus mehr oder weniger eingesperrt und von der Außenwelt isoliert sind, werden aufeinander losgelassen und was dann passiert ist von unheimlicher Eindringlichkeit.

Zur Handlung möchte ich lieber nichts schreiben, denn der kleinste Spoiler würde bei „Ex Machina“ den Spaß verderben. Wobei der Spaß hierbei nicht in action- und temporeicher Materialschlacht besteht, sondern in einem raffinierten Katz-und-Maus-Spiel, das immer wieder Haken schlägt und einen zum Nachdenken anregt. Zum Beispiel darüber, was es mit den Namen ‚Nathan‘ und ‚Caleb‘ sowie dem Titel „Ex Machina“ auf sich hat.

Es fällt auf, dass Nathan und Caleb biblische Namen sind. Kaleb – so die deutsche Version des Namens – wurde für sein Gottvertrauen und seine Treue zu Gotts Verheißungen belohnt. Nathan lässt sich mit „er hat gegeben“ übersetzen und ist eine Kurzform von Nathanel, was „Gott hat gegeben“ bedeutet. Gleichzeitig deutet der Titel den aus dem Theatervokabular bekannten Begriff „Deus ex machina“ (Gott aus der Maschine) an. Das war ein ziemlich plumper dramaturgischer Trick, um unlösbare Konflikte doch noch aufzulösen. Da ploppte dann mit viel Special-Effects-Brimborium eine Gottesfigur auf, die ein Machtwort sprach und dann war das Stück zuende. Warum wurde der Gottesbezug im Titel und in der Figur des genialen Wissenschaftlers herausgenommen?

Auf jeden Fall wird die Thematik der künstlichen Intelligenz in „Ex Machina“ erschreckend realistisch, gesellschaftskritisch, klug und mit gelegentlichem rabenschwarzem Humor behandelt. Und das finde ich toll. Gar kein Vergleich zu dem grauenhaft misslungenem „Transcendence“ von Wally Pfister mit einem unmotivierten Johnny Depp in der Hauptrolle. Auch „Chappie“ hat mich nicht so gepackt wie dieser Film. Ich fand ihn niedlich, unterhaltsam und mochte ihn sehr gern. Aber ich habe nicht hinterher noch so lange darüber nachgegrübelt.

Fazit: Ausgeklügelter, zum Nachdenken anregender Science-Fiction-Film. Unbedingt anschauen!

Die 5 schönsten Animationsfilme von 2015:

5. „Manolo und das Buch des Lebens“

„Manolo und das Buch des Lebens“ von Jorge R. Gutierrez ist ein farbenfrohes und fantasievolles Märchen, das eine klassische Dreiecksliebesgeschichte mit dem mexikanischen Brauchtum des Día de los Muertos (Tag der Toten) verknüpft. Die Figuren sind liebenswert und der ganze Film sprudelt nur so vor bunten Farben und Einfallsreichtum.

Sicher, die Botschaft „Schreib deine eigene Geschichte“ ist nicht neu und die Musikauswahl war mir persönlich ein wenig zu poppig. Da hätte man meiner Ansicht nach noch schönere Lieder finden können (wobei mir die „Only Fools rush in“-Version gut gefallen hat). Aber das ist wohl der vorwiegend jungen Zielgruppe geschuldet und mein Musikgeschmack stammt ohnehin aus der Steinzeit. Die meisten Lieder waren eher neuere Charterfolge (soweit ich das beurteilen kann). Also ist das nicht wirklich etwas, was das Vergnügen an diesem wunderbaren Animationsfilm wirklich beeinträchtigt.

Fazit: Der Film ist richtig etwas fürs Herz und ein Augenschmaus. Definitiv sehenswert, nicht nur für Erwachsene, sondern vor allem auch für Kinder mit ihren Eltern.

4. „Die Peanuts – Der Film“

„Die Peanuts – der Film“ von Steve Martino ist ein herzerwärmender Animationsfilm, der dem Charme der Vorlage absolut gerecht wird. Trotz 3D bleibt der zweidimensionale Look der Figuren erhalten, ihre Persönlichkeiten sind gut getroffen und alle sind auf ihre Weise liebenswert. In den Sequenzen, in denen Charlie Browns Hund Snoopy seinen Träumen nachhängt, sind die 3D-Effekte außerdem nett anzuschauen. Nicht zwingend nötig, aber immerhin auch nicht störend.

Fazit: Nicht nur für Kinder ein sehenswerter Film! (Der zu Unrecht bereits nach der ersten Woche im Nachmittagsprogramm versumpft, was nebenbei bemerkt empörend ist!)

3. „Strange Magic“

„Strange Magic“ von Gary Rydstrom ist ein zauberhafter Animationsfilm, der rundum gelungen ist. Die Bilder und Animationen sind toll, die Songauswahl und -interpretation mitreißend und die Figuren detailreich und liebenswert. Man verlässt das Kino nach dem Film blendend gelaunt und mit einem Potpourri an Ohrwürmern quer durch die Popgeschichte. Die Handlung ist nicht übermäßig originell, aber mit Anleihen an Shakespeares Komödien und „Shrek“ absolut unterhaltsam. Tatsächlich habe ich dieses Mal nichts zu nörgeln.

Nur schade, dass dieser wunderbare Film in so wenigen Kinos gezeigt wird. Vermutlich ist es schwierig, eine Zielgruppe zu finden – für Kinder sind die gruseligen Passagen möglicherweise etwas zu düster, Erwachsene finden womöglich die Geschichte zu kindlich. Zudem sind die Lieder auf Englisch mit deutschen Untertiteln, die jüngere Kinder so schnell nicht gut lesen können. Dabei tut man dem Film jedoch unrecht, er hat eigentlich eine breitere Resonanz verdient. Also: Geheimtipp, ab ins Kino!

2. „Erinnerungen an Marnie“

„Erinnerungen an Marnie“ von Hiromasa Yonebayashi ist ein wunderbarer Zeichentrickfilm, der durch seine Geschichte und liebevollen Zeichnungen verzaubert. Wie schade, dass er einem breiteren Publikum verwehrt bleibt, indem er (zumindest in Hamburg) nur in einem entlegenen Kino in einer Nachmittagsvorstellung versteckt wird. Es ist natürlich auch schwer für einen so stillen Film neben Blockbustern und Actionkrachern wie „James Bond: Spectre“ zu bestehen, doch genau deswegen bräuchte er doch ein bisschen Unterstützung. Na ja, aber ich kann auch verstehen, dass die Kinos lieber auf sicheren Erfolg setzen. Für Zeichentrickfilme, die eigentlich eher für Erwachsene gemacht sind, gibt es halt nicht so eine große Zielgruppe. Trotzdem ist das bedauerlich.

Erzählt wird die Geschichte der zwölfjährigen Anna, die es nicht schafft, Freunde zu finden und die sehr einsam ist. Bei einem Erholungsurlaub am Meer trifft sie auf ein Mädchen, Marnie, mit der sie rasch eine enge Freundschaft verbindet. Allmählich kommt sie ihren Familiengeheimnissen auf die Spur und überwindet ihre Ängste … Das ist psychologisch sehr feinfühlig geschildert und ich denke, jeder, der ein bisschen introvertiert ist oder mit Schüchternheit zu kämpfen hat, wird sich in Anna teilweise wiederfinden (ich zum Beispiel bei ihrem Satz „Ich hasse Partys“) und sich mit ihr identifizieren.

Action gibt es hier eigentlich nicht und das Erzähltempo ist sehr gemächlich. Für Kinder könnte das eventuell etwas langatmig sein, vor allem, wenn sie eher „Madagascar“ oder die „Minions“ (die ich trotzdem mag, aber auf andere Weise) gewohnt sind.

Nichtsdestotrotz möchte ich „Erinnerungen an Marnie“ jedem wärmstens ans Herz legen, dann bekommt dieser kleine, feine Film immerhin ein wenig Werbung.

1. „Alles steht Kopf“

„Alles steht Kopf“ von Pete Docter ist ein wunderbarer Animationsfilm, der wohl vor allem einem älteren Publikum Spaß machen dürfte. Mit „älter“ meine ich übrigens Erwachsene, die sich ein wenig kindliche Fantasie bewahrt haben. Bei Kindern bin ich mir nicht sicher, ob die das alles so lustig finden, weil die Geschichte und das Konzept mit den verschiedenen Gefühlen und Teilen der Psyche und Persönlichkeit doch recht komplex sind. Das könnte sie eventuell langweilen. Vielleicht aber auch nicht, denn die Animationen und Figuren sind so liebevoll gestaltet, so niedlich und hübsch, dass sich Kinder davon möglicherweise verzaubern lassen, auch wenn sie nicht alles auf Anhieb erfassen.

Die Figuren möchte man am liebsten alle knuddeln und das Kuddelmuddel in der Gefühlsschaltzentrale im Kopf kann wohl jeder nachvollziehen. Ich dachte ein paar Mal: „Ach, so ist das? Na, das erklärt aber so einiges“ … man erkennt sich selbst und seine Mitmenschen darin wieder, und muss unwillkürlich schmunzeln, weil die menschlichen Eigenarten nie böse verspottet werden, sondern einfach mit so viel Mitgefühl und Humor erzählt werden.

Für mich ist „Alles steht Kopf“ definitiv der beste Animationsfilm des Jahres. Unbedingt sehenswert!

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Film und Fernsehen, Kritik

Eine Antwort zu “71. Stück: Die 10 besten Filme und 5 tollsten Animationsfilme von 2015

  1. Von deinen Top10 habe ich nur drei gesehen. ABER!!! (*Spoiler!)
    Alle drei finden sich auch auf meiner Liste wieder 🙂

    Gefällt 1 Person

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