Tagesarchiv: 30. Mai 2015

62. Stück: Blogprojekt 31 Tage, 31 Filme – Folgen 1 bis 5

Ich wurde von Ma-Go Filmtipps zum Blogprojekt „31 Tage, 31 Filme“ eingeladen. Die Einladung findet ihr hier und die Regeln findet ihr hier auf Lenas Filmblog „To the Lighthouse“.

Ich werde ab heute etwa jede Woche eine bestimmte Filmfrage beantworten und ein wenig was über den Film erzählen. Die Einzelfolgen findet ihr auf meiner Facebookseite. In diesem Beitrag habe ich die ersten fünf Folgen zusammengefasst.

Folge 1: „Welchen Film hast du zuletzt gesehen?“

Das war „The Avengers: Age of Ultron“ von Joss Whedon, gestern im Kino. Meine vollständige Kritik findet ihr im Vorgängerpost. Kurz gesagt: Ich fand den Film belanglos. Routinierte Superhelden-Action ohne Überraschungen, ohne Sozialkritik, ohne Tiefgang, ohne interessante Figuren, ohne nennenswerten Soundtrack, ohne Story.

Außerdem habe ich mich über den (nur notdürftig) verkappten Sexismus aufgeregt und über den kitschigen Beziehungs-Liebes-Schmu genervt aufgestöhnt und mit den Augen rotiert. Wenn ich Liebesgeschwurbel sehen möchte, gucke ich einen Liebesfilm. Wenn ich Superhelden-Action sehe, erwarte ich Spannung, Humor, witzige Dialoge, einen fetzigen Soundtrack und Spaß an der Freude wie in „Guardians of the Galaxy“. Oder düsteren, philosophischen Tiefgang und Sozialkritik wie in „Watchmen“.

Ein paar lustige Dialoge gab’s in „The Avengers“ schon, aber insgesamt bleibt doch ein Eindruck von „Den Film hätte ich mir auch sparen können“.

Folge 2 „Nenne deinen Lieblingsfilm“

Eine einfache Frage, scheinbar … Aber die Antwort ist schwierig. Ich habe viele Lieblingsfilme, wie vermutlich jeder Kinojunkie fällt es mir schwer, da einen einzigen Favoriten herauszupicken. Bei einigen Filmen wie „Zurück in die Zukunft“, „Die Blues Brothers“ oder „Pulp Fiction“ war es Liebe auf den ersten Blick, inzwischen kann ich die Dialoge auswendig mitsprechen, singe bei den Liedern lauthals mit und kann die Filme trotzdem immer wieder schauen.

Dann gibt es noch Filme, die waren mir am Anfang suspekt und wurden dann mit jedem Gucken immer besser, „Fight Club“ zum Beispiel.

Heute möchte ich jedoch einen Film vorstellen, der nicht so bekannt ist wie die eben Genannten: „Commitments“ von Alan Parker nach dem Roman „Dublin Beat“ von Roddy Doyle. Darin geht es um arbeitslose Jugendliche im Irland der 90er Jahre, die eine Soulband gründen.

Auch bei „Commitments“, den ich zufällig vor rund 16-17 Jahren auf dem alten Röhrenfernseher meiner Eltern auf Arte guckte, war es Liebe auf den ersten Blick. Dachte ich vorher, Soul wäre das verpopte, oberflächliche, glattgebügelt-langweilig-perfekte Gejaule einer Mariah Carey oder einer Whitney Houston (selig, ihre Musik habe ich immer gehasst, aber sie tat mir leid), wurde ich mit diesem Film eines Besseren belehrt. Meine musikalischen Teenagerjahre verbrachte ich zu Beginn neben dem Radio sitzend, Eurodance lauschend und darauf wartend, meine Lieblingshits auf Kassette aufnehmen zu können (die Mixtapes mit Dazwischengequake von den Moderatoren habe ich immer noch).

Dann aber entdeckte ich durch die „Commitments“ den Soul und den Blues für mich. Erdig, ehrlich, dunkel, rauh, tiefgründig und von kratziger Schönheit sangen die jungen Musiker Klassiker wie „Mustang Sally“, „Bye bye Baby“, „Too many fish in the sea“ oder „At the Dark End of the Street“. Die meisten Original-Interpreten sind inzwischen gestorben, Wilson Pickett zum Beispiel. Aber die Musik lebt weiter und wird mich bis zum Ende begleiten.

Folge 3 „Welcher ist dein absoluter Hassfilm?“

Diese Frage ist ähnlich knifflig zu beantworten, wie die nach meinem Lieblingsfilm. Es gibt Filme, die sind gut gemacht, künstlerisch wertvoll oder aus cineastisch-analytischer Sicht interessant – aber strunzlangweilig. Dazu gehören „Birdman“ oder dieser unerträgliche Kunstkram von Straub&Huillet „Antigone“, der wie ein abgefilmtes, sehr langweiliges Theaterstück inszeniert ist. Solche Filme machen mich vor Langeweile immer aggressiv, weil ich am liebsten in die Handlung eingreifen und den Figuren sagen möchte „Alter! Jetzt kommt aber mal in die Puschen!“ … aber Hass? Nee. Damit würde ich diesen Filmen meines Erachtens Unrecht tun, schließlich sind sie ja nicht schlecht gemacht und es lässt sich künstlerisch oder analytisch etwas damit anfangen, nur aus Unterhaltungssicht sind sie nach meinem Geschmack misslungen.

Dann gibt es noch die Filme, die unbestreitbar handwerklich schlecht gemacht sind. Dazu gehören „Jupiter Ascending“ oder „Movie 43“. Auch sie sind keine wirklichen Hassfilme, weil sie einfach so grottig sind, dass jedes derart starke Gefühl wie Hass an ihnen vollkommen verschwendet wäre.

Was aber sind Hassfilme dann? Für mich sind das Streifen, die ohne Hingabe, ohne Liebe, ohne Humor, ohne künstlerischen Anspruch routiniert und berechnend heruntergedreht wurden. Filme, die sich einfach nur zum Ziel gesetzt haben, den Massengeschmack – oder das, was sie dafür halten – zu bedienen, dabei ihren Zuschauern aber kein Krümelchen Grips zutrauen. Filme, die plumpe Klischees aneinanderreihen, Stammtisch-Herrenwitzchen reißen und in denen sich die Beteiligten scheinbar an sich selbst ergötzen. Solche Filme finde ich schlichtweg zum Kotzen. Stellvertretend möchte ich in diesem Sinne Matthias Schweighöfers „Der Schlussmacher“ zu meinem absoluten Hassfilm ernennen.

Folge 4: Welchen Film würdest du dir kein zweites Mal ansehen?

Diese Frage finde ich insofern knifflig, als dass sich die Antwort darauf ja von letzter Woche „Welcher ist dein absoluter Hassfilm?“ unterscheiden sollte. Also, Filme die ich hasse, würde ich mir natürlich kein weiteres Mal ansehen, das ist klar. Auch Filme, die einfach nur schlecht waren (aber nicht so schlecht, dass man sie schon wieder als unterhaltsamen Trash ansehen könnte) selbstverständlich auch nicht. Bei verquasten Kunstfilmen kommt es darauf an … manchmal findet man ja doch ein paar interessante Aspekte, wenn man darüber nachdenkt, die ein erneutes Gucken sinnvoll erscheinen lassen. Bei „Birdman“ zum Beispiel, habe ich noch nicht entschieden, ob eine erneute Sichtung ihn nicht weniger langatmig und anstrengend erscheinen ließe. Eventuell schaue ich noch einmal rein, wenn er mal im Fernsehen läuft.

Filme, die ich zwar beim ersten Mal ganz OK fand, aber die ich kein zweites Mal sehen würde sind solche, die mir irgendwie nichts gebracht haben. Wenn ein Film zwar eine auserzählte Geschichte hat, aber sehr lustig und unterhaltsam war, schaue ich ihn mir gern immer mal wieder an („Die Hochzeit meines besten Freundes“ habe ich sicher sechs oder sieben Mal gesehen und finde ihn immer noch prima). Hat ein Film beim ersten Mal Fragen aufgeworfen, mich zum Nachdenken angeregt oder mich hinterher nicht wieder losgelassen, gucke ich ihn ebenfalls gern weitere Male („Fight Club“ zum Beispiel, oder aktuell „Ex Machina“).

Wenn jedoch ein Film – meistens sind es ernst gemeinte Blockbuster mit dünner Story und viel Getöse und Special-Effects-Exzessen – mich weder intellektuell noch humoristisch gefordert oder begeistert hat, aber dennoch handwerklich in Ordnung war und mich nicht durch das Durchkauen dämlicher Klischees verärgert hat (wie mein Hassfilm „Der Schlussmacher“), dann ist das so ein typischer „War ganz nett, muss ich aber nicht noch mal sehen“-Film.

Stellvertretend möchte ich hierfür die „Fluch der Karibik“-Filme nennen. Wobei ich nach dem dritten Teil dann schon dachte, jetzt brauche ich mir den vierten oder fünften (wie viele Teile gibt’s inzwischen???) auch nicht mehr anzugucken. Noch mal würde ich die drei ersten Filme auf jeden Fall nicht sehen.

Folge 5: „Welcher Film erinnert dich an jemanden?“

Eine spannende Frage, wie ich finde. Und mir fallen auch gleich ein paar schöne Beispiele ein. „Stadt der Engel“ habe ich als Teenager mit zwei Freundinnen geschaut und weil ich damals nicht ansatzweise auch nur einen Hauch von Sinn für Romantik hatte und den Film furchtbar kitschig fand (inzwischen nicht mehr), bekam ich in der traurigsten Szene einen Lachanfall. Meine Freundinnen waren ziemlich sauer auf mich und mir ist das heute noch total peinlich. Damals aber sah ich mich im Recht.

Ein anderer, sehr trauriger Liebesfilm, den ich rund zehn Jahre später sah, war „Unterwegs nach Cold Mountain“, den ich mit meiner Freundin Stephi, der besten Fotografin der Welt (hier ihre Seite), anschaute. In der Zwischenzeit hatte sich bei mir doch ein kleiner Sinn für Romantik gebildet und wir beiden saßen da und schluchzten wie die Schlosshunde. Während wir eine Familienpackung Taschentücher vollheulten, wurden wir von allen Seiten ange“psch“t, aber wir konnten nicht aufhören zu weinen, weil der Film so unglaublich traurig war. *schnief* Noch heute ist mir dieses Kino-Erlebnis in bleibender Erinnerung und obwohl es gerade nicht so klingt: Wir hatten einen Riesenspaß!

Bei „James Bond: Stirb an einem anderen Tag“ von 2002 muss ich außerdem immer an meinen Schatz denken und wie wir Anfang 2003 zusammengekommen sind. Beide eher schüchternen Naturells hatten wir uns zwei Jahre lang beim gemeinsamen Improtheater spielen kennen gelernt und beschnuppert, uns aber nie getraut, mal miteinander auszugehen, obwohl wir uns schon eine ganze Weile sympathisch fanden. Mein Ex-Freund (mit dem ich noch befreundet bin) bekam mit, dass ich mich verguckt hatte und drohte, mich höchstselbst zu verpetzen, wenn ich nicht umgehend anrufen und ein Date vorschlagen würde. Das saß natürlich.

Ich rief also bei meinem Freund an, brabbelte vor lauter Nervosität irgendein zusammenhangloses Zeug und schloss schließlich mit dem Vorschlag, gemeinsam ins Kino zu gehen. Er hörte sich alles geduldig an und erklärte sich einverstanden. Welchen Film ich denn sehen wolle? Natürlich wollte ich zeigen, wie total cool ich bin, und schlug den aktuellen „James Bond“-Film vor (obwohl ich James Bond vor Daniel Craig immer für ziemlich doof hielt). Fand er gut.

Wir haben uns also diesen Film angeguckt und an diesen kann ich mich tatsächlich kaum noch erinnern. Madonna hat mit einem Florett herumgefuchtelt, glaube ich. Und Halle Berry hatte einen orangefarbenen Bikini an. Pierce Brosnan war James Bond. Mehr weiß ich nicht. Lässig wie ich bin, habe ich für das Diner nach dem Kino McDonald’s vorgeschlagen und da saßen wir nun, mümmelten pappige Burger und unterhielten uns über alles Mögliche – nur nicht darüber, wie „es mit uns weitergehen“ sollte. Kurz bevor wir die letzte Bahn verpassten, machten wir uns auf den Rückweg und ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und fragte ihn, was denn nun sei. Wusste er nicht so recht. Ich war mir auch unsicher.

Zusammengekommen sind wir dann schließlich einen Monat später, als Freunde von mir mich kurzerhand vor seinem Haus aus dem Auto warfen und sagten: So, nu mach ma! Das war vor zwölf Jahren und es war gut so.

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