6. Stück: Strasberg, Scientology und Mystifizierung im Schauspielunterricht

Möglicherweise begebe ich mich mit diesem Thema gerade ziemlich aufs Glatteis. Aber ich finde, das muss mal angesprochen werden. Vor ein paar Wochen lief in der ARD ein Film über Scientology, den ich sehr spannend fand. Erschreckend fand ich aber die Szene, in der die Hauptfigur an ein sogenanntes E-Meter zum „Auditing“ gesetzt wurde. Dabei musste er sich an ein zurückliegendes „traumatisches“ Erlebnis erinnern und es sich so lange quälend bewusst machen, bis die Nadel des E-Meters (ein einfacher „Lügendetektor“) „schwebte“. Diese zurückliegenden Ereignisse sollen Ursache von „Engrammen“ sein, die einen Menschen dann in seinem psychischen und physischen Wohlbefinden behindern. Diese „Engramme“ sollen durch das Auditing gelöst werden, damit der Mensch den „clear“-Zustand erreicht und sein volles Potential ausschöpfen kann.

Na ja. Wenn man da wirklich dran glaubt, funktioniert das vielleicht sogar einigermaßen. Und das ist eine der Parallelen, die ich zu Strasbergs „method“ sehe.

Nicht, dass man mich falsch versteht. Keinesfalls möchte ich die Anhänger der „method“ als Sekte bezeichnen. Nein, nein. Nichts läge mir ferner. Sowieso, „Scientology“ ist ja auch keine Sekte, sondern eine friedliche Glaubensgemeinschaft, die auch überhaupt nicht der Meinung ist, dass sie alleine im Recht sind, was den Sinn des Lebens und andere Mythen angeht. Die auch überhaupt nicht irgendwelche Heilsversprechen durch die Gegend posaunen, die garantiert immer funktionieren und zwar für jeden. Es sei denn er ist ein schlechter Schausp- äh Mensch, aber dann ist er ja auch selbst Schuld und hat eben Pech gehabt.  An dieser Stelle möchte ich betonen, dass hier irgendetwas als wissenschaftliche Erkenntnisse zu präsentieren, und das auch noch ohne jeden Beleg, vollkommen fernab meiner Intention liegt.

Nein, mir geht es hier darum, einfach mal wilde Spekulationen und dreiste Behauptungen in den Raum zu stellen und völlig subjektiv meine Meinung kundzutun, ohne jeglichen Wahrheitsanspruch, und zu schauen was passiert. Interessant ist zum Beispiel, dass Strasberg seine „method“ ungefähr zur gleichen Zeit entwickelte, wie L. Ron Hubbard seine Ideologie Methode Gedanken – öh – hatte. Strasberg war zwar etwas früher dran, 1947 gründete er sein Actors Studio und Hubbard entwickelte ab 1950 eine Reihe von Psychotechniken, die später in seiner „Kirche“ entscheidende Rollen spielen sollten. Das kann natürlich Zufall sein, dass sowohl Hubbard, als auch Strasberg von „Psychotechniken“ Gebrauch machten. Vielleicht ist das auch einfach nur bezeichnend für diese Zeit nach den beiden Weltkriegen, wo die Menschen sich nach Frieden und persönlichem Wohlbefinden sehnten und sich erst einmal in ihr Privatleben zurückzogen und sich um sich selbst kümmern wollten. Wo man nach Halt suchte, weil alle Werte, die man für selbstverständlich hielt durch die Weltkriege erschüttert worden waren. Das denke ich schon, dass die Entstehungszeit beider Ideologien Dinge kein Zufall ist. Auch erfreute sich die Psychoanalyse seit Beginn des 20. Jahrhunderts (wenn nicht auch schon früher) größter Beliebtheit. Und dass dies in den fünfziger Jahren immer noch galt, zeigen auch noch andere Künstler und Persönlichkeiten, die Mitte des 20. Jahrhunderts wirkten, wie zum Beispiel Alfred Hitchcock. Keine Angst, ich mache jetzt nicht noch ein Fass auf, das nur als Beispiel dafür, dass sich auch noch andere intensiv mit Psychoanalyse in dieser Zeit auseinandersetzten. Das würde zumindest auch erklären, warum Strasberg und Hubbard beide eine solche Affinität zu „Psychotechniken“ aufwiesen.

Und diese „Psychotechniken“ sind es auch, die ich als Hauptparallele zwischen Strasberg und Scientology sehe. Ob es nun nur ein Symptom der Ursprungszeit ist, oder nicht. Auf jeden Fall sprechen sowohl Strasberg als auch Scientology mit ihren „Psychotechniken“ diejenigen welchen an, die zwar intelligent, aber auch labil sind, die ständig auf der Suche nach Orientierung, Halt und Erklärungen sind. Die nicht ertragen, dass das Leben vollkommen absurd ist und nur den Sinn macht, den man ihm selbst gibt. Die sind dann natürlich anfällig für jedwede Art von Patentrezept und Heilsversprechen, wie es diese „Psychotechniken“ darstellen.

Um nochmal auf die Filmszene mit dem Auditing zurückzukommen. Von den verschiedenen Bezeichnungen („Engramme“ bzw. „private moment“) einmal abgesehen, hat mich diese Rückführung in ein vergangenes, persönliches, prägendes Ereignis im Privatleben des „Auditierten“ sehr an das Hervorkramen eines „private moment“ im Schauspielunterricht erinnert, der angeblich dazu dienen soll, mithilfe eines sinnlich wachgerufenen privaten Erinnerungsmoments damalig empfundene Emotionen wieder aufzuwecken und für die Figur auszubeuten zur Verfügung zu stellen. Nur so am Rande, die Einzigen, bei denen das „funktioniert“ hat, waren nicht so ganz dicht und tendierten ohnehin zu manischen Größenwahnattacken. Bestimmt nur ein Zufall.

Jedenfalls ist es denke ich kein Wunder, dass gerade in Amerika, die mit ihren Heldenkomplexen und ihrem damaligen (heute etwas angeknackstem) Selbstbild als „Weltpolizei“ mit einer Vorliebe für schnelle Patentlösungen, sowohl Strasbergs „method“, als auch Scientology großen Anklang fanden und auch immer noch finden.

Obwohl… Wahrscheinlich sind das nur Vorurteile und völliger Quatsch.

Wobei es schon bemerkenswert ist, dass häufig Schauspieler und Stars – überwiegend in den USA – Sympathien für Scientology hegen, wenn sie nicht selbst Mitglied sind. Schließlich ist das konventionelle, komerziell orientierte Hollywood-Kino (und seine Nachahmer) der Nachfolger des bürgerlichen Illusionstheaters mit seiner naturalistischen, psychologisch motivierten Schauspieltechnik.

Ich halte nichts von psychologischer Mystifizierung, weder in „Religionsgemeinschaften“ noch im Schauspielunterricht. Gerade als junger Schauspielschüler ist man ja auf der Suche nach Methoden und Patentrezepten, mit denen man eine Figur immer „kriegt“ und wenn dann ein vielleicht sehr charismatischer Zauberer Schauspiellehrer daherkommt und ihm irgendwas erzählt, dass er in sich „reinspüren“ soll, sich „öffnen“ soll, aufhören soll zu denken, „es fließen lassen“ soll, kann es schnell passieren, dass der Schüler den Lehrer für eine Art Gott hält und bei entsprechendem Lob sich selbst für ein „Genie“.

Ich bin der unverschämten Meinung, dass Schluss sein sollte mit etwaigem „Geniekult“, man sollte den Schauspielschülern von Anfang an begreiflich machen, dass es kein Patentrezept gibt, dass man bei jeder Figur von vorne wird anfangen müssen und dass es mit psychologischem Gespür allein nicht getan ist. Und dass man es tunlichst lassen sollte, sein Privatgedöns in fremde Figuren hineinzupfuschen. Das führt nur dazu, dass man noch mehr den Halt und die Realität verliert. Nein, man sollte sich stets dessen bewusst sein, dass man die Figur „nur“ spielt. Es heißt ja auch „Schau-Spiel“ und nicht „Mir-Genie-dabei-zusehen-wie-ich-bin-und-fühle“. Das Privatleben der Schauspieler interessiert vielleicht bei entsprechendem Bekanntheitsgrad die Klatschpresse, aber doch nicht den Zuschauer. Der Zuschauer ist nur daran interessiert, welche Themen auf der Bühne verhandelt werden. Wenn ihn psychologische Vorgänge und Gefühle interessieren, dann die der Figuren, nicht die der Schauspieler.

Auch wenn das ab und zu verwechselt wird, wenn der Schauspieler überzeugend spielt. Um aber überzeugend zu spielen, muss er allem voran seinen Beruf beherrschen, das heißt, er muss sprechen können und er muss seinen Körper jederzeit absolut im Griff haben, um Sprache und Körper gleichermaßen als Arbeitsmaterial zu gebrauchen. Denn was anderes hat ein Schauspieler nicht, an dem er sich halten und orientieren kann: Körper, Sprache, Körpersprache.

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30 Kommentare

Eingeordnet unter Schauspieltechnik

30 Antworten zu “6. Stück: Strasberg, Scientology und Mystifizierung im Schauspielunterricht

  1. Titus

    Hubbard veröffentliche das Dianetik Buch 1950, ist korrekt, doch beruht diese Veröffentlichtung und diese Wissenschaft auf Forschungen, die er schon vor dem zweiten Weltkrieg machte und nach dem Krieg vervollständigte, in dem er an sich selbst die Methoden ausprobierte und an vielen anderen Kriegsverletzten. Die Ergebnisse waren so spektakulär, dass er es dann in dem Buch veröffentlich hat. Das dies jedoch erst der Anfang war, stellte er dann fest, nach dem die Nachfrage zum Thema Dianetik so sehr anstieg, dass er weiter forschte und versuchte es zu vereinfachen.

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    • Isabelle Dupuis

      Das ist interessant, Strasberg hat auch vor dem zweiten Weltkrieg mit seinen „Forschungen“ angefangen. Genaugenommen – glaube ich – Anfang der 30er Jahre, nachdem er eine Aufführung von Stanislawskis Moskauer Künstlertheater besucht hatte.
      Das kann sehr gut nur Zufall sein, wahrscheinlich lag die Psychoanalyse um diese Zeit in den USA einfach so schwer in der Luft, dass man sich dem kaum entziehen konnte.
      Wie auch immer, im Schauspielunterricht hat so ein – Pardon – Hokuspokus nur insofern etwas verloren, dass man sagt: „Das gab es auch noch“.
      Was mich stört, ist, dass man hier Strasberg zu einer Ikone hochstilisiert hat und seine „Methode“ zu unkritisch sieht. Sie ist noch viel zu sehr wegweisend. Und das, obwohl sie in der Praxis weniger nützt, als eine gute, fundierte sprachliche und körperliche (Sport, Fechten, Tanz, Kampfchoreografien etc.) Ausbildung. Der Rollenunterricht ist immer noch sehr stark an Strasberg orientiert, er wird mit Stanislawski gleichgesetzt, was völlig falsch ist. Strasberg hat sich nur ein paar Rosinen bei Stanislawski herausgepickt und dann daraus seine vereinfachte Methode geschustert. Er hat sich zwar stets auf Stanislawski berufen, dabei aber außer Acht gelassen, dass es Stanislawski stets um die Handlung ging, nicht um die privaten psychologischen Befindlichkeiten des Schauspielers.

      Ich bin der Meinung, man sollte sämtliche Schauspieltheorien im Schauspielunterricht lehren und ausprobieren, damit jeder Schüler schauen kann, womit er am meisten anfangen kann. Das kann bei Manchen die „method“ sein, bei anderen ist es vielleicht Brechts verfremdende Art zu spielen. Aber man sollte nicht EINE Schauspieltheorie hauptsächlich unterrichten und behaupten, so ist das richtig und nicht anders.

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  2. Titus

    Es ist sehr vielen Dingen so, das Dinge verfälscht und verherrlicht werden. Es ist immer das Beste, wenn man mit seinen eigenen Augen und Ohren sich selber ein Bild macht.
    In der Schauspielkunst und anderen Künsten wurde leider viel verfälscht.
    Kunst ist heute nicht mehr das, was es früher einmal war, leider.

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    • Isabelle Dupuis

      Ja, schon. Wobei man aber auch sich selbst gegenüber kritisch bleiben sollte, wenn man sich selbst ein Bild macht. Es gibt ja auch eine schauspieltheoretische Richtung (die häufig mit dem „Method“-Acting verwechselt wird), wo man davon ausgeht, man könne nur spielen, was man auch selbst erlebt habe. Und dem möchte ich VEHEMENT widersprechen. Das ist Unfug. Ich habe erlebt, dass ich es nicht gebacken gekriegt habe, „Verliebt“ zu spielen, obwohl ich ganz genau weiß, wie das ist und wie es sich anfühlt. Und eine der Rollen, die mir am meisten Spaß gemacht haben, war ein Zombie. Wie kann ich einen Zombie spielen, wenn ich noch nie tot war?
      Manche Dinge weiß man auch, ohne sie ausprobieren zu müssen. Springe ich vom Dach eines 20-stöckigen Wolkenkratzers, wird der Aufprall ziemlich schmerzhaft bzw. tödlich.

      Ich finde es eigentlich ganz spannend, dass Kunst nicht mehr ist, was es früher war. Wobei ich denke, dass sich vieles wiederholt, wenn auch in unterschiedlichen Formen. Aber das ist nicht schlimm, im Gegenteil, es ist superinteressant zu beobachten. Und ich denke, auch früher wurde viel verfälscht und fehlinterpretiert. Das ist wohl einfach menschlich. Ich bin lediglich dafür, dass wir aufhören zu leugnen, dass wir fehlbar sind 🙂

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  3. Titus

    Oh noch was eingefallen bezüglich Psychoanalyse. Der Begründer war Siegmund Freud und er hatte einiges herausgefunden. Leider haben seine Schüler sein Werk verfälscht und verdreht. Das erklärt vielleicht die weiteren Forschungen in diesem Gebiet besser.

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    • Isabelle Dupuis

      Ja, das stimmt. Freud hat einiges herausgefunden. Und ich glaube auch, dass da sehr viel Schindluder mit getrieben wurde und wird. Man darf ihn natürlich auch nicht zum Gott erheben, auch ein Freud kann sich irren. Aber nichtsdestotrotz hat er sehr viel Wichtiges geleistet. Gerade auch, weil er einer der ersten war, die sich so intensiv mit der menschlichen Psyche auseinandergesetzt haben. Wenn ich mich recht erinnere, ging man vorher davon aus, dass ein Mensch entweder gut oder schlecht auf die Welt kommt und wenn er schlecht auf die Welt kommt, ist das sein Pech und dann hat er schon irgendwas gemacht, weswegen er das auch verdient hat.
      Mit der Psychoanalyse fing man dann an, zu differenzieren. Man sollte trotzdem immer kritisch bleiben 🙂
      Stanislawskis Werk wurde ja auch verfälscht, fehlinterpretiert, und so weiter. Das kommt glaub ich immer, wenn Leute glauben, sie hätten ein sehr komplexes und heterogenes Thema kapiert und in Wirklichkeit haben sie nur einen winzigen Bruchteil ansatzweise begriffen und sich so zurechtgebogen, dass es in ihr Weltbild passt.

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  4. fairgame8008

    Keine Ahnung von Strasberg und von Schauspielen lernen und beherrschen. Aber eine grosse von Scientology, obwohl meine Erfahrung von Scientologe sein rund 30 – 35 Jahre zurückliegt. Und von daher einfach die Frage, die sich bei mir aufdrängt und die vielleicht auch die Kritik an Strasberg betrifft (soweit ich Strasberg nach diesem Text einschätzen kann): Also gut, Körper, Sprache, Körpersprache. Aber woher kommt die Idee, man könnte Körper, Sprache und Körpersprache auch nur einigermassen beherrschen und nach meinetwegen „ungefühlten“ Ideen bewegen, ohne die eigene Seele, das eigene Denken und die eigenen Gefühle wirklich im Griff zu haben? Diese drei so komplett abschalten, dass sie nicht im Weg sind? Müsste man wohl, damit man dann nichts Eigenes präsentiert. Aber dann wären doch Animatics weit besser – wozu lebendige Schauspieler nehmen …

    Wie gesagt, ich habe seit langem nichts mehr mit der Scientology-Bewegung am Hut (und würde auch niemandem raten, DA seinen psychologischen Schauspieler-Rucksack zu füllen und eine gewisse Neutralität anzustreben – zu teuer, in Geld und Autonomie-Aufgabe) – aber dass ein gutgefüllter Rucksack und einige Fähigkeit zu einer „Null-Basis“ und „modularen Einsatzes eigener Gefühle“ für einen guten Schauspieler dazu gehören, hätte ich unterschwellig eigentlich immer „gedacht“, obwohl ich mir dazu bisher keine Gedanken gemacht habe. Wenn die Kritik an Strasberg und Hubbard wirklich zu Recht erfolgt, dann habe ich von Schauspielerei offenbar nicht einmal unterschwellig eine Ahnung. Kann ja sein … glaub ich aber nicht. Ich habe auch schon ein paar Mal gelogen und bin damit durchgekommen …

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    • Isabelle Dupuis

      Ich bin mir nicht sicher, ob ich deinen Standpunkt richtig verstanden habe. Also: Du möchtest wissen, ob man wirklich spielen kann, wenn man eigenes Denken, Fühlen und die eigene Seele „abstellt“?
      Nein, das geht nicht. Man kann das eigene Denken, Fühlen, etc. nicht abstellen, das ist einfach da. Was mich an Strasberg stört – und wo ich eine Parallele zu Scientology sehe (Da hast du wiederrum mehr Ahnung als ich) – ist die MANIPULATION des eigenen Fühlens und dass es auf das eigene Denken überhaupt nicht ankommt.
      Man kann auch gerne eigenes präsentieren, das lässt sich denke ich gar nicht vermeiden, dass beim Spielen auch immer etwas von einem selbst mit einfließt. Ich finde es aber falsch, das eigene Fühlen und die eigene Vergangenheit als einzige Inspirationsquelle zu nutzen und sich allein darauf zu stützen. Ich mag erstens dieses Egozentrische nicht, was automatisch daraus resultiert, noch gefällt mir dieser Gedanke der Selbstausbeutung. Das Eigenes mit hineinfließt ist eher was Spontanes, was sich halt einfach so ergibt. Dann hat man vielleicht eine spontane Assoziation aus dem eigenen Leben, die einem dann hilft, Zugang zu einer Figur zu finden. Aber es ist nicht so, denke ich, dass man das erzwingt. Das finde ich falsch. Das hat dann was von Gehirnwäsche.
      Ich weiß nicht, was mit „modularer Einsatz eigener Gefühle“ gemeint ist… Meinst du, dass ein Schauspieler eine Art leeres Gefäß oder weiße Leinwand ist, auf das dann Regisseur, Autor, Dramaturg und Konsorten ihre Ideen hineinfüllen bzw. draufmalen können? Das ist durchaus ein strittiger Punkt. Die einen sehen das tatsächlich so, die anderen wieder anders.
      Ich denke, es ist ein Zwischending. Wie gesagt, das lässt sich nicht vermeiden, dass man beim Spielen auf sich selbst und den eigenen Erfahrungsschatz zurückgreift. Das ist ja auch ganz spannend, wenn jeder Schauspieler seine Eigenarten und seinen eigenen Stil hat. Aber es sollte nicht erzwungen sein, sondern das passiert einfach. Da kann man sich auch nicht dagegen wehren. Und ein Schauspieler sollte unbedingt auch mitdenken. Sonst ist er ja nicht mehr als ein willenloses Spielzeug. Und dann wären wir quasi wieder bei Scientology…

      Deine letzte Bemerkung finde ich interessant. Das ist tatsächlich ein weitläufiger Irrtum, dass es beim Schauspiel ums Lügen geht. Es geht aber nicht ums Lügen. Es weiß ja jeder, dass der Vorgang auf der Bühne nur gespielt ist. Bei der Lüge geht es um arglistige Täuschung, wenn es wirklich eine Lüge ist und keine Not-Halbwahrheit. Aber um Täuschung geht es auf dem Theater schon lange nicht mehr und arglistig war es auch nie.
      Es ist ein Spiel und es gibt Spielregeln (auch wenn die in den letzten Jahrhunderten immer stärker gelockert wurden). Eine dieser Regeln, ist dass die Schauspieler etwas verhandeln, erzählen, darstellen etc. und die andere Regel ist, dass das Publikum dabei zusieht (obwohl es auch da Ausnahmen gibt, wie im Improvisations-Theater oder bei manchen Performance-Happening-Veranstaltungen).
      Und damit ein Schauspieler etwas verhandeln, erzählen, darstellen kann, braucht er seinen Körper, seine Stimme, seine Sprache (Körper, Sprache, Körpersprache). Und die muss er bewusst und gekonnt einsetzen. Und damit er das kann, muss er Herr seiner Sinne und seines Denkens sein und kein gehirngewaschener Schluffi, der in sich herumfühlt.

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      • fairgame8008

        Okay, ich glaub, ich hab begriffen, was Du meinst, und es ist ein „Blank“ (etwas Ignoriertes, völlig nicht Bedachtes, nicht in Betracht gezogenes) darin – genau dasselbe Blank, das die breite Öffentlichkeit kein gutes Haar an Scientology lassen macht. (Ich meine, es gibt ein paar gute Haare – aber kein Grund, deswegen zu Scientology zu gehen. Die gibt es auch anderswo.)
        Aber zurück zum Blank. „Aber es sollte nicht erzwungen sein, sondern das passiert einfach.“ schreibst Du, und: „muss er Herr seiner Sinne und seines Denkens sein und kein gehirngewaschener Schluffi, der in sich herumfühlt.“
        Nichts passiert einfach. Schon gar nicht mit einem selbst. Ein Herr seiner Sinne und seines Denkens, der nicht extrem in sich herumgefühlt hat, ist fast ein Roboter – derart oberflächlich Herr, dass seine Kunst bestenfalls mechanisch ist. Wenn das Herr sein tiefer gehen soll, darf eben nicht einfach passieren, was ins Bewusstsein aufsteigt und dann in Körper und Körpersprache umgesetzt wird. Ein bisschen bewusstes Fördern und Hemmen der „einzelnen Elemente“, die da zu einem dynamischen Gesamtbild zusammen- und umgesetzt werden, gehört eben schon dazu.
        Dass Du dieses „in sich und ins Unterbewusstsein hineingreifen und steuern lernen“ mit einem gehirngewaschenen Schluffi gleichsetzt, zeigt das Blank (für mich und natürlich nur in den Ideen, die Du in Deinem Text ausdrückst, ich kann und will Dich ja nicht auf Distanz und aufgrund eines Stücks Schreibe analysieren).
        Scientology (und vielleicht auch Strasberg) verteufeln hält dieses Blank aufrecht. Die Sache ist gegessen und wird nicht mehr angeschaut, also wird auch nichts mehr daran geändert.
        Bei Scientology weiss ich, was es einem schon sehr leicht macht, diesen Kurzschluss zu machen (in Gefühle und Unterbewusstes reingreifen = Gehirnwäsche): Da werden ziemlich kunstfertig die Barrieren abgebaut, die einem normalerweise den Zugang in diese Gefilde verschliessen. Nur werden dann die offenen Schleusen auch für die Manipulation benutzt. Wenn man dies nicht differenziert und einfach das ganze Ergebnis sieht, kommt man zu Deinem Schluss – in sich herumfühlen=Gehirnwäsche-Scheisse. Mit dem reduzierst Du allerdings auch gleich drastisch Deine Chance, es mal zu versuchen (NICHT Scientology, aber das In-Dich-Reingreifen). Und vielleicht ähnlich bei diesem Strasberg …
        „… und die muss er bewusst und gekonnt einsetzen.“ Dazu kommt mir das Bild eines Marionettenspielers, bei dem Du sagst, er muss äusserst gekonnt und bewusst mit der Marionette umgehen können. Das ist aber nur die eine Hälfte – die andere Hälfte ist, dass er weiss, was er will und sich bewusst ist, wie er dieses Können einsetzt. Und da sind wir wieder beim – wenigstens ein Stück tiefer als in anderen Berufen – das Reingreifen in sich selbst und das Unterbewusstsein beherrschen und bewusst mitbestimmen können, was rauskommt.
        Oder nimm Dimitri’s Schule (kenn ich zwar nur aus einer kurzen TV-Dok, aber immerhin): Der propagiert ja sowas wie eine „Null-Stellung“, auf der man aufbaut. Schon eine solche Null-Stellung erreicht keiner, der nicht die Tiefen seiner Abweichungen von der Null-Stellung ausgelotet hat.
        Wobei mir klar ist, dass ich da absolut akademisch daherschwafle, weil ich sonst wirklich nicht das Geringste mit Schauspielerei zu tun habe. Aber vielleicht ist es trotzdem bedenkenswert …

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      • Isabelle Dupuis

        Ich glaube, ich habe wieder nicht alles verstanden. Aber ich versuch mal, ein paar Sachen noch mal näher zu erläutern. Natürlich kann es immer sein, dass für manche Schauspieler dieses Herumfühlen prima funktioniert, ich hab das nur noch nie erlebt. Ich finde ja auch – und dafür werde ich bestimmt gehauen 🙂 – dass Paul Newman (zum Beispiel in „die Katze auf dem heißen Blechdach“), Marlon Brando, James Dean und Robert De Niro so dolle Schauspieler nun auch wieder nicht sind. Und die kommen alle aus der Strasberg-Schule. Ich finde aber zum Beispiel Christoph Waltz einen großartigen Schauspieler. Und der fühlt garantiert nicht ununterbrochen in sich herum.
        Was macht er stattdessen? Er setzt ganz präzise und konzentriert seine Mimik, Gestik, Körpersprache, Stimme und Aussprache ein, um seinen Figuren Leben einzuhauchen.
        Natürlich muss da schon noch etwas sein, mit dem man ein rein äußerliches Spiel füllt, damit es nicht hohl und rein mechanisch wird. Und da bin ich aber der Meinung, das sollten keine manipulierten, künstlich erzeugten Emotionen sein, das wird einfach viel zu schnell zum Klischee. Das geht gar nicht anders, denn im „richtigen Leben“ sind Gefühle immer diffus und ein Riesendurcheinander. Da mischen sich Glück mit Angst, mit Wut, mit Bedauern, mit Hunger, mit was auch immer. Das kann man gar nicht künstlich herstellen. Wenn, dann müsste man sich halt auf eines konzentrieren und – Zack- schon sind wir beim Klischee.
        Man kann es zum Beispiel mit Gedanken füllen, die lassen sich leichter „führen“. Aber auch da besteht die Gefahr, dass es zum Klischee wird. Das habe ich gerade gestern abend gesehen. Der Schauspieler hatte sich bestimmt für jedes Wort einen ganz tollen Subtext ausgemauschelt und sein Spiel war ganz schlimm. Das war stereotyp, spannungsfrei und überillustriert. Zum Beispiel hob er die Hände an den Kopf, um die spitzen Ohren eines Hundes zu illustrieren. Oder zeigte seine Zähne bei dem Wort „Zähne“. Ganz peinlich.
        Was gibt es sonst noch… Ich bin ja immer dafür, dass sich der Schauspieler so genau wie möglich überlegt:
        a) Was will ich?
        b) Was tue ich, damit ich das bekomme?

        Das läuft alles auf den Begriff „Handlung“ heraus. Worum es in der Szene geht. Zum Beispiel „Romeo und Julia“, sagen wir, die Szene, wo die morgens aufwachen. Ein Strasberg-Schauspieler würde sich da die Umstände seines ersten Verliebtseins oder seines ersten Mals wachrufen, damit er damit das Gefühl der Verliebtheit erzeugen und der Figur zur Verfügung stellen kann.
        Wenn man über die Gedanken geht, dann überlegt man sich für jedes Wort einen Subtext, zum Beispiel „Ich liebe dich, Romeo, du bist so toll, deine Haare riechen nach Gummibärchen und deine Augen strahlen wie die Sonne…“. Das kann funktionieren, je nachdem wie durchgängig der Subtext ist, wie genau, wie differenziert und wie stark man sich wirklich darauf konzentriert, während man den Text spricht.
        Einfacher ist es – meiner Meinung nach – zu gucken, was man will (Julia will, dass Romeo bleibt.) und was man tut, um das zu bekommen (sie versucht ihn zu überreden, sie lügt (Natürlich war es doch die Lärche, die früh sein banges Ohr durchdrang und nicht die Nachtigall), sie hält ihn zurück, sie versucht ihn zu verführen, etc. etc.). Und wenn man wirklich will, was man will und wirklich tut, was man tut, kommen Gefühle, Gedanken etc. von ganz alleine.
        Und damit man das, was man will und was man tut, angemessen ausdrücken kann, braucht man die Sprache und den Körper. Und zur Not kann man immernoch so tun als ob, das ist immer noch besser, als wenn man total viel fühlt, aber keiner kriegt es mit, weil man viel zu kleine Gestiken und Mimiken macht und den Text komplett zernuschelt.

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      • Titus

        Hallo Isabelle,
        Hallo Fairgame8008,
        Ich kann verstehen, dass man sich die eine oder andere Frage stellt und dazu neigt, den Medien zu sehr Glauben zu schenken, doch bin ich nunmehr seit 20 Jahren Scientologe und ich kann nur sagen, das ist das beste, was mir je in meinem Leben wiederfahren ist.
        Sicher, es wurden Fehler gemacht, doch diese Fehler sind alle aus der Welt geschafft worden und nun ist alles so, wie Ron Hubbard es beabsichtigt hatte, in ursprünglicher Reinheit.
        Was versteht ihr denn unter Gehirnwäsche? Das würde mich mal brennend interessieren.
        Für mich ist Gehirnwäsche, wenn jemanden immer und immer etwas eingetrichtert bekommt und man ihm sagt, das ist wahr und es wäre so und alle seine eigenen Beobachtung würden nichts taugen. Wenn die Wahrheit unterdrückt wird und die Kommunikationen abgeschnitten werden, das ist für mich Gehirnwäsche. Ebenso zählt für mich dazu wenn Lügen verbreitet werden und diese als Wahrheit hingestellt werden und wenn der Beweis dafür geliefert wurde, dass es Lügen sind, wird das irgendwo abgedruckt, ganz klein nur ein Nebenvermerk, den keine Mensch liest.
        Stellt Euch mal vor, jemand würde über Euch eine Lüge in die Welt setzen und Euch zum Monster schlecht hin darstellen würde und würdet dagegen Klage erheben und alles würde per Gerichtsurteil als richtig anerkannt, was Du gesagt hast, doch in den Medien würde Euch wieder das Wort im Munde umgedreht werden und wenn ihr dann in einer Talkshow zu Wort kommt, dann wird Euch immer an den Stellen das Wort vollständig abgeschnitten, wo ihr die Fakten bringt, wie würdet ihr Euch fühlen?

        Ich habe die Reinheit des Wissens der Scientology, (das Wort kommt Scio = was soviel wie Wissen im vollsten Sinne des Wortes bedeutet und dem Logos = was so viel wie -Die Lehre von- bedeutet) , kennen gelernt und habe darin die Antworten gefunden, die ich mein Lebenlang gesucht habe.
        Ich weiß jetzt, dass der Mensch ein unsterbliches geistiges Wesen ist und nicht der Körper. Ich weiß, dass ich meine persönliche vollständige Freiheit erreichen kann und das ich, ich selbst sein kann. Ich bin in der Lage, mir meine eigene Meinung zu bilden, in dem ich mich direkt informiere und mit eigenen Auge sehe und mit eigenen Ohren höre. Alles andere ist nur Hören Sagen und die Meinung eines anderen Menschen. Woher soll ich wissen, das diese Person die Wahrheit sagt? Und möglicherweise könne es ja sein, das mich ganz andere Dinge interessieren als die andere Person. Daher ist es immer besser, mit eigenen Augen zu sehen und eigenen Ohren zu hören, damit man die Ungefärbten Informationen bekommen und sie mit dem eigenen Verstand auswerten kann. Dies ist in meinen Augen Vernunft. Unvernunft ist, auf das Gerede von irgendwelchen Leuten etwas zu geben.
        Die ehrenamtlichen Geistlichen der Scientology helfen wo immer Hilfe nötig ist völlig uneigennützig und aus reinem Herzen. Warum machen sie das? Warum lassen sie zu Hause alles stehen und liegen und fahren auf eigene Kosten in Katastrophengebiete und helfen Tag und Nacht und lindern die Belastungen dieser Menschen?
        Wer sich schon so hat verblenden lassen, der die Zeichen der Zeit nicht mehr erkennt, der ist schon so betäubt von dem Medienrummel und denkt nur noch das, was man ihm vorgibt zu denken.

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      • Isabelle Dupuis

        Eigentlich hast du deine Fragen ja schon selbst beantwortet. Zum Beispiel „Was versteht ihr denn unter Gehirnwäsche?“, und davor „… doch bin ich nunmehr seit 20 Jahren Scientologe und ich kann nur sagen, das ist das beste, was mir je in meinem Leben wiederfahren ist.
        Sicher, es wurden Fehler gemacht, doch diese Fehler sind alle aus der Welt geschafft worden und nun ist alles so, wie Ron Hubbard es beabsichtigt hatte, in ursprünglicher Reinheit.“

        Ich will dir überhaupt nicht reinreden, ich bin dafür, man soll glauben was man will, solange man nicht herumläuft und Leute missioniert. Eine kleine Gegenfrage habe ich dennoch. Was ist denn „Die Wahrheit“, deiner Meinung nach? Und woher weißt du, dass es „die Wahrheit“ ist und nicht bloß das, was du für „wahr“ hältst?
        Meiner Meinung nach gibt es so etwas wie „die Wahrheit“ nicht, denn wir haben alle unterschiedliche Voraussetzungen, Lebensumstände, etc., die machen, dass wir einen Tatsachenbestand oder Sachverhalt unterschiedlich „wahr-nehmen“. Wir können also gar nicht wissen, ob es sich bei etwas, dass wir empfinden, wahrnehmen, denken etc. nur um unsere Sicht der Dinge handelt, oder um unumstößliche Fakten.

        Sicher gibt es Fakten und Tatsachen, aber selbst das ist nicht immer „wahr“. Das berühmteste Beispiel ist wohl das mit der Erde. Vor 500 oder 600 Jahren war man überzeugt (!), die Erde wäre eine Scheibe und die Sonne würde sich um sie drehen, statt umgekehrt. Heute denkt man, die Erde sei eine Kugel und drehe um sich selbst und um die Sonne. Das halten wir heute für die unumstößliche Wahrheit, aber wer weiß, vielleicht sieht das in 500-600 Jahren ganz anders aus. Vielleicht sind wir gefangen in der Matrix und wissen das gar nicht 😉

        Wenn du über Lügen sprichst, die verbreitet werden, meinst du damit, dass über dich persönlich-individuell Lügen verbreitet werden? Oder über Scientology?
        Wenn es ersteres ist, mir wäre das komplett wurscht. Das sähe wahrscheinlich anders aus, wenn ich irgendwie berühmt wäre oder so. Wenn also mein Name gleichzeitig eine „Marke“ wäre, wenn der Umstand, dass ich meine Miete und mein Essen zahlen kann von meinem Image abhingen, dann wäre das schon ziemlich unpraktisch, wenn da jemand eine „Rufmordkampagne“ starten würde – aus welchen Gründen auch immer jemand seine Zeit mit so etwas vergeuden sollte.
        Aber so, ich bin gar nicht wichtig genug, als dass sich irgendjemand die Mühe geben würde, meinen Ruf zu ruinieren. Außerdem gefällt mir der Spruch „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“. Ich denke, das macht wenig Sinn, wenn da jetzt irgendwer rumläuft und herumhupt, „die Isabelle, die hat nicht alle Tassen im Schrank, die findet Strasbergs Methode doof.“ Das interessiert doch keinen. Außerdem ist es auch nicht gelogen 🙂 Aber ich schweife ab…

        Zurück zur Gehirnwäsche. „Ich habe die Reinheit des Wissens der Scientology […] kennen gelernt und habe darin die Antworten gefunden, die ich mein Lebenlang gesucht habe. Ich weiß jetzt, dass der Mensch ein unsterbliches geistiges Wesen ist und nicht der Körper.“
        Wie gesagt, jeder soll glauben, was ihn glücklich macht. Aber mir persönlich – das ist nur eine Meinung, weiß Gott nicht „die Wahrheit“ – mir kommt einmal dieser Begriff „Reinheit des Wissens“ sehr floskelhaft vor. Was bedeutet das? Was steckt dahinter?
        Dann zu den Antworten auf die Fragen, die du dir dein Leben lang gestellt hast. Ganz böse gefragt, was soll man denn sein Leben lang noch machen, wenn alles klar ist und keine Fragen offen? Ich persönlich finde das ja wohl sterbenslangweilig, wenn ich jetzt schon alles weiß. Ich finde das total spannend, mir immer wieder Fragen zu stellen, neue Fragen zu entdecken, mich zu fragen „Ist das wirklich so?“. Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen 🙂
        „Unsterbliches geistiges Wesen“, das klingt für mich nicht so, als sei das wirklich deine persönliche Wortwahl? Ich finde das wieder sehr floskelhaft. Auch frage ich mich, warum man sich denn die Mühe machen muss und sein Leben irgendwie gebacken kriegen muss, wenn man sowieso eigentlich ein „unsterbliches geistiges Wesen“ ist und der Körper nur sowas wie „Ballast“ oder ein „Gefäß“ oder was. Dann kann man es doch auch lassen oder? Sorry, aber für mich ist das echt esoterischer Hokuspokus.

        Ich behaupte jetzt noch was Ungeheuerliches, nämlich, das KEIN Mensch jemals völlig uneigennützig handelt. Selbst, wenn man anderen hilft, dann macht man das auch (nicht nur, das kann sein), weil es einem in irgendeiner Weise nützt. Sei es, dass man sich dadurch selbst nützlich fühlt, dass es einen glücklich macht, dass man Leute für seine Sicht der Welt begeistert, dass man an ein Leben nach dem Tod glaubt und hofft, man werde belohnt, wenn man jemandem hilft. Das ist ja nicht unbedingt schlecht. Wenn es einen glücklich macht, zu helfen und die Menschen, denen man hilft, auch glücklich(er) macht, dann ist das doch super! Eigennutz grundsätzlich zu verteufeln halte ich wiederum für heuchlerisch.

        „Warum machen sie das? Warum lassen sie zu Hause alles stehen und liegen und fahren auf eigene Kosten in Katastrophengebiete und helfen Tag und Nacht und lindern die Belastungen dieser Menschen?“ Hier das Gleiche: Weil es ihnen etwas gibt, weil es sie glücklich macht. Weil es ihnen hilft, sich als guter Mensch zu fühlen. Das können doch ganz edle Motive sein, aber Motive hat jeder. Man will immer irgendetwas, wenn man etwas tut. Daher meine ich ja auch, wenn man eine Szene erarbeitet, sollte man immer gucken, was man will und was man tut. Und wenn es eine Figur gibt (das ist ja im postdramatischen Theater nicht immer der Fall), dann guckt man halt, was diese will und tut. Das heißt ja nicht, dass einem das selbst immer so bewusst ist. Das kann natürlich sein, dass man sich selbst da als total selbstlos wahrnimmt.
        Das liegt daran, dass der Begriff „Eigennutz“ so negativ behaftet ist. Dabei vergisst man, dass es auch positiven Nutzen und positive Motive gibt.

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  5. Titus

    Hallo Isabelle
    Es ist ganz einfach beantwortet und auch Du hast schon die Antwort quasi gleich gegeben, denn wahr ist das, was für Dich wahr ist, wenn es für Dich nicht wahr ist, ist es nicht wahr und es gibt keine andere Wahrheit.
    Und eben genau so ist es bei mir. Ich habe das Wissen studiert und ich habe es ausprobiert und habe es selbst erlebt, dass es so wahr ist.
    Manchmal bin ich in meinen Formulierungen etwas blumig, bin eben Schriftsteller.
    Ich habe mich mein Leben lang gefragt, wer ich bin, woher ich komme und wohin ich gehe, diese Fragen wurden alle beantwortet für mich. Es sind eben meine Wahrheiten, die ich gefunden habe.
    Weißt Du, es ist ein wunderbares Gefühl, wenn sich die Nebel der Vergangenheit lüften und man die Zusammenhänge beginnt zu erkennen, die einem das Leben schwer gemacht haben und dir verhindert haben, das man nicht wirklich man selbst ist.
    Nein, Lügen werden über mich nicht verbreitet, ich bin überall sehr beliebt und gern gesehen. Du hast schon richtig vermutet, ich meine die, die über Scientology und z.B. Tom Cruize verbreitet werden. Es werden einfach ganz frech Behauptungen aufgestellt und als Tatsachen hingestellt, doch sind es nur Behauptungen. Da komme ich wieder mit der Wahrheit. Nur was ich selbst beobachtet habe, ist wahr für mich.
    Die größte Lüge ist eben, das dem Menschen eingepflanz wurde, man lebe nur einmal. Es gibt genügend andere Philosophien die eben auch genau das sagen. Was ist denn z.B. die Seele? Kannst Du sie anfassen? Kannst Du sie sehen? Nein, sie ist nicht materiell und dennoch existiert sie. Im Buddismus ist das ganz normal und man findet dieses Wissen über das „ich“ das nicht der Körper ist.
    Die Erlösung ist, von dem ewig sich drehenden Rad zu befreien, geboren werden, leben und sterben.
    Als Kind habe ich mich z.B. immer gefragt, warum wird man geboren, wenn man dann wieder sterben muss? Warum muss man sich so quälen? Ich verstand es nicht, doch aus diese Frage wurde mir beantwortet.
    Du hast vollständig recht, man hilft anderen, weil es einem selber hilft, wenn es anderen gut geht. Natürlich zieht man seinen eigenen Nutzen daraus. Wir leben hier alle zusammen und im Grunde ist jedes Wesen motiviert zu helfen, doch wenn man helfen will und es einem nicht gelingt zu helfen, geht es einem um so schlechter. Man wird sehr traurig darüber, ist Dir das schon mal aufgefallen?
    Ja genau, um alles zu verstehen, muss man auch mal hinter die Kulissen schauen. Ich finde das super, wie Du das machst.
    Nur noch eins, ich habe für mich herausgefunden, dass ich nicht der Körper bin, sondern eben ein Wesen, das nicht materiell ist. Ich weiß, dass es noch ein höheres Wesen gibt. Dies ist meine Wahrheit, die selbst beobachtet habe.
    Es ist in meinen Augen sehr förderlich, dass wir alle auf dieser Erde mehr zusammenhalten sollten und uns gegenseitig helfen und fördern sollten. Denn entweder gehen wir gemeinsam einer beseren Zukunft entgegen oder wir gehen gemeinsam unter.
    Warum soll man sich dann also bekämpfen? Wir sind alle Kinder ein und der selbern göttlichen Kraft, wenn man es mal so nenne will.
    Das gemeinsame Ziel sollte Freiheit sein. Die Freiheit vom geboren werden und wieder sterben und die Freiheit von Unterdrückung, Hass, Neid usw. Jeder Mensch sollte die Freiheit selber, selber für sich zu entscheiden und zu handeln und nicht gezwungen werden etwas zu tun, was er nicht tun will.
    Man sollte auch die Freiheit haben, ein Leben zu führen, was man gerne führen möchte.

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    • Isabelle Dupuis

      Das ist ja ganz schön mit dem Weltfrieden, ich weiß nur nicht, wie man das alles organisieren und alle Menschen mit ihren verschiedenen Ansichten, Zielen, Sprachen, etc. unter einen Hut bekommen will. Ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt geht, Unterdrückung und so weiter zu vermeiden. Irgendjemand setzt sich doch immer durch und dann fühlt sich jemand anders unterdrückt, der anderer Meinung ist oder andere Voraussetzungen hat. Und dann kommt leider auch noch dazu, dass nicht alle Menschen nett sind. Da gibt es immer welche, die mehr Macht haben wollen, als andere. Das Recht des Stärkeren, wenn man so will.
      Ich frage mich auch, ist das wirklich so wünschenswert, völlig frei von negativen Emotionen wie Neid und so weiter zu sein? Ich glaub nicht, dass das so gesund ist, wenn man das unterdrückt und sich das „verbietet“. Ich denke, man muss eher lernen damit umzugehen, damit es einen weder auffrisst, noch an anderer Stelle aufplatzt, man eine Depression kriegt oder Amok läuft oder sonstwas. Neid zum Beispiel, wenn man akzeptiert, da hat jemand etwas, das ich gerne hätte, dann kann man damit umgehen. Das heißt, man versucht, auch sowas zu bekommen (wenn es irgendwas Materielles ist zum Beispiel), und wenn das nicht geht, muss man halt verzichten und sich was anderes suchen. Das kann man aber nur, wenn man sich selbst vorher „eingestanden“ hat, dass man neidisch ist. Oder Hass, wenn man versucht, den zu unterdrücken, frisst es sich fest und man wird ein verbiesterter Stinkstiefel, den keiner leiden kann. Wenn man es akzeptiert, dass man stinksauer auf eine Person ist, sie nicht ausstehen kann und ihr am liebsten die Fresse polieren würde, kann man damit umgehen. Sprich: Man sagt sich, OK, der oder die geht mir echt auf den Keks, also geht man auf Distanz, zieht sich weitestgehend zurück und dann merkt man, dass der Hass irgendwann verpufft und einem die Person plötzlich gleichgültig ist. Oft reicht es, zu akzeptieren, einen Schritt zurück zu treten, innezuhalten und dann weiterzugehen. Ist zumindest meine Erfahrung. Ich glaube, man verlangt zuviel von sich und seinen Mitmenschen, wenn man erwartet, dass man nie unschöne Gefühle hat. Das kommt halt drauf an, was man daraus macht. Aber das führt jetzt ein bisschen weit vom Ursprungsthema weg 🙂

      Was schreibst du denn? Und wie bist du zu Scientology gekommen?

      Ich zerbrech mir über ein Leben nach dem Tod erst den Kopf, wenn ich tot bin. Bis dahin versuche ich in diesem Leben möglichst das unterzubringen, was ich erreichen will und danach sehen wir weiter 🙂 Ich glaube, die Menschen haben einfach Angst vor dem Unbekannten und der Tod ist DAS große Unbekannte schlechthin. Aber sich verrückt machen wegen irgendwas, was man eh nicht wissen kann, ist mir persönlich zu anstrengend.

      Hast du eigentlich auch mit Schauspiel zu tun? (Ziemlich unsubtiler Versuch, zum Thema zurückzukommen, ich weiß 🙂 )

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      • Titus

        Weißt Du, im Grunde ist es gar nicht so schwer im Frieden zu leben. Wenn jeder bei sich selbst beginnt und solche Tugenden wie Fairness, Ehrlichkeit, Höflichkeit, Toleranz, Wertschätzung, Achtung usw. zu leben und zu präsentieren, anderen Menschen gegenüber, dann wären wir schon ein gutes Stück weiter.
        Hinzu kommt, jeder Mensch ist etwas anders gestrickt. Somit gibt es da dann verschiedene Ansichten Bedürfnisse, was man gern machen möchte. Zu respektieren, was ein anderer wünscht, denkt und tut und ihn auch dafür achten und anerkennt, das wäre schon mal ein angenehmer Anfang. Hinzu kommt, jeder Mensch hat die gleichen Fähigkeiten, somit werden nicht alle Menschen die gleichen Ziele anstreben, doch ein Ziel haben alle Menschen und alles Leben gemeinsamt, sie wollen überleben. Wie sie überleben ist immer eine persönliche Sache, ist das Überleben das, was einen grundlegend motiviert.
        So wie Du Dir nie Gedanken über den Tod gemacht hast, habe ich das schon als kleines Kind. Wir sind eben unterschiedlich gestrickt. Was wäre, es es eine Möglichkeit gäbe, sich in diesem Leben an vergangene Leben zu erinnern? Wenn man weiß, wer man war und was man gemacht hat? Würde es nicht den Schrecken vor dem Tod nehmen? Wenn man sein künfitiges Leben in diesem Leben schon planen könnte und für die Zukunft sorgen könnte, das wäre meiner Meinung nach doch angenehmes Spiel.
        Schauspieler bin ich nicht, das sagte ich ja, ich bin Schriftsteller und habe somit mit Schauspielerei nur am Rand zu tun. Was wir gemeinsam haben ist, das wir Künstler sind und ein Künstler sollte die Fähigkeit besitzen, zu Menschen zu sprechen, so dass er verstanden wird, was er sagen will. Er verwendet dazu die ihm gegebenen Fähigkeiten und die kann man ohne weiteres verbessern, wenn man es will.
        Man kann als Schauspieler mit Worten und mit Gestiken sprechen. Ein sehr guter Schauspieler kann sehr gut zum Asudruck bringen, was er sagen will.
        Ich würde als Schauspieler jedenfalls nicht meine persönliche Integrität verkaufen. Ich würde grenzen setzen, was ich spielen will und was nicht. Als Schriftsteller schreibe ich ja auch nicht über jedes Thema. Ich habe den Wunsch, den Menschen zu erfreuen. Ihm mit dem was ich schreiben etwas Erholung zu geben vom Alltag. Das beste dann noch, wenn die Menschen aus dem was ich schreibe auch noch eine Lehre ziehen können und damit ihr Leben besser ausrichten können in Richtung besseres Überleben.
        Das sind meine Ziele.
        Und was sind Deine Ziele?

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      • Isabelle Dupuis

        Na ja, klar wäre das ein guter Anfang, wenn jeder bei sich selbst anfinge, mit gutem Beispiel voranginge und alle mit Respekt, Liebe und Mitgefühl behandelte. Da sind wir uns ja schonmal einig 🙂
        Nur, ich denke, es gibt immer ein paar – vielleicht sogar ziemlich viele – unverbesserliche Egoisten und unersättliche Materialisten, die dann die Leute, die friedliebend mit den besten Absichten daherkommen, rücksichtslos niedertrampeln. Warum? Weil sie es können. Natürlich ist das unerfreulich. Aber viel kann man da nicht machen. Außer vielleicht, dass man weiterhin das tut, was einem wichtig ist und dann hofft, dass die Egomanen unseres Planeten vielleicht doch mal ein bisschen netter werden. Aber die gab es schon immer und wird es wohl auch immer geben.
        Wenn der Mensch im Kern gut wäre, würde der Kommunismus funktionieren. Leider gibt’s überall die Schweine, die bestimmen, sie wären gleicher als die anderen Tiere (vgl. „Animal Farm“ von George Orwell).

        Jetzt schon das nächste Leben planen? Du liebe Zeit, ich find das schon echt anstrengend EIN Leben geregelt zu kriegen. Wenn ich mir da auch noch den Kopf zermartere, was ich im nächsten Leben mache, da werde ich doch bescheuert. Mal abegesehen davon, man weiß doch gar nicht, als was man wiedergeboren wird, oder? Also, falls man wiedergeboren wird. Was, wenn ich im nächsten Leben eine Kakerlake bin, weil ich in diesem Leben das Falsche geglaubt habe und es doch einen allmächtigen Gott oder sonstwas gibt und der ist obendrein auch noch rachsüchtig. Ich glaube, das würde ich gar nicht wissen wollen. Auch, wenn ich nachher eine Kakerlake bin, da krabbelt und belästigt es sich doch viel lustiger, wenn man sich nicht sein Insektenhirn zergrübelt, wie das denn vorher als Mensch war, verglichen mit dem Schabendasein.

        Ich würde mich, ehrlich gesagt, nicht als „Künstler“ bezeichnen. Ich weiß nicht, diesem Begriff haftet auch schon so etwas Mystifiziertes an. Da wäre das irgendwie inkonsequent, Mystifizierung im Schauspielunterricht anzuprangern und für eine praktischere Sicht der Dinge zu plädieren 🙂 Nein, eigentlich sehe ich mich eher als Handwerkerin. Theater- und Texthandwerkerin. Vielleicht kommt am Ende etwas heraus, mit dem ich andere Menschen ansprechen und eine Kommunikation anregen kann, das wäre natürlich toll. Aber ob das dann gleich eine „Künstlerin“ aus mir macht? Ich weiß nicht.

        Ja, wenn man sich immer aussuchen könnte, was man spielt und was nicht, dann wäre ich allein Schauspielerin geblieben und hätte nicht noch studiert. Aber das ist ja gerade das Ding, wenn man davon leben will, muss man auch mal Scheiß machen, Soaps oder Werbung oder in einer ganz peinlichen Klamotte die dümmliche Ehefrau zum Besten geben. Und da muss man wirklich nichts anderes machen wollen, um das zu akzeptieren. Oder man muss schon berühmt auf die Welt kommen, dann hat man vielleicht auch die Möglichkeit, sich seine Rollen aussuchen zu können, ohne seine Integrität verraten zu müssen.

        Meine Ziele? Ganz unspektakulär. Familie, Kinder, ein Dach über dem Kopf, ein Job der mir Spaß macht und vielleicht ein Haustier. Eine Katze oder einen Hund. Mehr brauch ich nicht.

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  6. fairgame8008

    Puh, wo bin ich da reingeraten – zuerst hatt ich schon ein schlechtes Gewissen und gedacht, jetzt hab ich Dir, Isabelle, mit meinem ziellosen Spass am Diskutieren die Scientologen in den Blog geholt. Aber dann gesehen, der eine der beiden war ja schon vorher da. Oder der eine, der dann im zweiten Kommentar seine Standard-PR-Leier reinkopiert hat und im dritten wieder als er selbst schreibt – wenigstens so sehr als er selbst, wie ihm dies überhaupt noch möglich ist.

    Ich rede Dich nur in diesem Absatz direkt an, Titus – ich habe nicht das geringste Interesse, auf Dich direkt einzugehen. Ich mag nicht auf einen Menschen eingehen, bei dem ein paar Einsichten in vielleicht mögliche, aber keinesfalls erreichte Zustände den Blick auf den ganzen Rest der Welt vernebeln. Ich kann Dir ganz sicher nicht in einer Blog-Korrespondenz und ohne Deinen Wunsch helfen, die Nebel zu vertreiben, und alles andere ist für mich mit Dir sinnlos – bringt nichts, Deine Nebel sind für Dich unerschütterlich wahr, Du beobachtest ja ständig selbst nichts anderes. Bye.

    Hallo Isabelle, zurück zum Thema. Mit ein wenig erweitertem Bewusstsein – es ist mir soeben klargeworden, wie herzlich wenig das, was ich bei mir noch als wertvolle Überreste aus meiner Scientology-Vergangenheit betrachtete, mit dem zu tun hat, was Scientology heute ist. Mensch, vielleicht sollte ich wirklich mal einen totalen Strich ziehen und den letzten Rest Sympathie auch noch ins Nirwana schicken. – Jedenfalls nenne ich es ab sofort einfach Gefühlsergründung, wenn ich die Auseinandersetzung mit eher unbewussten Tiefen der Gefühle meine (Deiner Sicht von schluffigem In-Sich-Herumgefühle möchte ich mich schon nicht anschliessen. Vielleicht verdient sie bei Strasberg diesen Namen, ich kann nur vom Prinzip reden.).

    Ich habe Dich nun viel besser verstanden und kann glaub ich auch exakter den Finger auf das legen, was meinen Protest geweckt hat.

    (Ich muss zwischendurch schnell zugeben, dass ich Christoph Walz nicht kenne – schlimm?)

    Ich sehe, dass Du Dir schlicht nicht vorstellen kannst, dass man echte Gefühle kontrolliert. Dann wird es künstlich. Wissen, was man will, und dann das in den Körper übersetzen, ist Deine Lösung dafür, echt zu sein. Und wenn Du nicht weisst, was Du wollen sollst, dann darfst Du Dir Absichten als Vorstellungskrücke zu Hilfe holen – denn das tust Du ja auch völlig bewusst.

    Wenn ich das in ein Bild übersetze, dann ist da eine sehr bewusste und kontrollierte Schicht, in der Du selbstbewusst mit Willen und Vernunft umgehst. Und die ist, was immer sie tut, echt, weil das bist ja Du.

    Und darunter – oder irgendwo anders (Herz? Magen? Und manchmal Galle?) – wird ein wildes Gemisch von Gefühlen zusammengebraut, von wem auch immer, irgendwie hast Du – das Du von oben – mit dem Braurezept nichts zu tun, und das ist nur echt, wenn Du es unverfälscht durchkommen lässt. Irgendwie scheint es vielleicht mit den Absichten und Gedanken, die Du übernimmst und führst, zu tun zu haben, aber solange Du nur diese manipulierst, ist da nichts Künstliches dran.

    Für mich macht das nach Adam Riese, dass Du da wirklich ECHT bist, wo Du nichts kontrollierst, das diffuse Riesendurcheinander einfach laufen lässt – und da DU bist, wo Du total kontrollierst, ausser das Echte.

    Aber was ist dann das Echte für Dich (fürs DU), an Dir (am DU), von Dir (vom DU)? Ein diffuses Riesendurcheinander, das Du passieren lässt. Das sich aber kaum auswirkt, den DU hast ja den Willen und die Körperbeherrschung – je besser Du sie benutzt, desto weniger kommt vom Echten durch.

    Ich glaube nicht, dass Du je eine zweite Rolle nach Deiner ersten bekommen hättest, wenn es so wäre. Ich glaube auch nicht, dass es so ist – das war nur meine überkandidelt systematische Spiegelung dessen, was Du schreibst (resp. wie ich es verstanden habe).

    Darf ich sagen, was ich meine, was da abgeht – und das ist nun nicht speziell auf Dich gemünzt, sondern einfach die Summe dessen, was ich über diese Dinge weiss (nach 35 Jahren Einsicht und Arbeit mit diesen Dingen, bei mir selbst und vielen anderen).

    Das diffuse Riesendurcheinander von Echtheit beeinflusst das, was „Du“ willst, und die Wahl der Absichten, die Du beiziehst, und die Gedanken, die Du zu führen meinst, und Deine Kontrolle des Körpers – ungehemmt. Und Du merkst nichts davon, weil Du ja bewusst nur das Du wahrnimmst, das Wille und Kontrolle und Gedanken und Bewusstsein ist und ausübt.

    Eine Kontrolle gibt es allerdings, die liegt tatsächlich vorwiegend oder nahezu völlig bei Dir. Das ist die Kontrolle, ob Du versuchst, das diffuse Durcheinander und seinen Einfluss wahrzunehmen. Nach und nach, nicht auf die Schnelle. Mit dem allmählichen Vertrautwerden damit bekommt es ein Gesicht, und man spürt seine „Hände“, mit denen es einen kontrolliert, und siehe da – man kann einzelne Aspekte davon einzeln spüren, und sogar auf sie Einfluss nehmen. Und wo eine mehr oder weniger unbewusste Einbahnstrasse war, entsteht langsam aber sicher Gegenverkehr, und mehr, und die Gefühle – die kein bisschen weniger echt geworden sind – werden ein Teil vom Du, dem man weder völlig (und ignorant) ausgeliefert ist noch es völlig beherrscht.

    Erinnere Dich an einige besonders starke Gefühle, die Du gehabt hast – aber nicht Ausbrüche, eine Zeitlang anhaltende – Fröhlichkeit, Trauer, Arger, Verliebtsein, Begeisterung … war das nicht echt und lebendig? Und wo war da die Mixtur? Das diffuse Riesendurcheinander ist – ständig – nur so, weil sie unter dem Deckel gehalten werden und einfach alles miteinander auf irgendwelchen Wegen durchbricht, wo immer es geht. Nach einiger Arbeit damit verschwindet es als Chaos, verwandelt sich in etwas Ordentlicheres, ungezwungen „im Austausch“ zwischen Ich und Unterbewusstem Kontrolliertes, wo man z.B. auch mal die Ausgelassenheit so richtig hochkommen lassen kann, ohne dass sich gleichzeitig die Scham einmischen muss und sich mit der Vernunft zum Spassverderber alliiert.

    Ich nehme an, es ist nicht ganz das, was Du von Strasberg kennst. Es ging mir aber auch weniger um Strasberg ja oder nein als um Deine energische Zurückweisung von bewusster und gezielter Auseinandersetzung mit Gefühlen. Dazu hast Du zwar nicht explizit „nein!“ geschrieben, aber ein wenig hat es für mich schon auch durchgeschimmert, so völlig, glaube ich, kann man seine Schauspielerei und sein Leben ja nicht voneinander trennen – da sind ja die Gefühle …

    Aber jedenfalls verstehe ich jetzt auch Deine Abneigung gegen oberflächliches selektives Tiefgreifen und ähnliche „Tricks“. Wäre nur schade, wenn Du Dir aus dieser Anschauung heraus eine Mauer gegen jegliche Gefühlsergründung baust. Bei jemand, der seine Gefühle einigermassen ergründet und in eine Ganzheitlichkeit einbezogen hat, sind es eben keine Tricks mehr.

    Nachdem ich mich jetzt so lange mit „Dir“ beschäftigt habe, überkommt mich die Neugier, Dich spielen zu sehen – allerdings bist Du mir dafür doch viel zu weit weg von der Schweiz, es müsste schon im TV oder auf Video / in einem File sein – gibt’s da eine Chance?

    P.S. Ich füge Dir noch einen Link zu einem kleinen Summary-PDF über C.G. Jung’s Lehren bei. Vor allem wegen den Seiten 11 und 12.
    http://www.social-psychology.de/do/PT_jung.pdf

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    • Isabelle Dupuis

      Hallo fairgame,

      ich glaube, was das ganze Thema so verwirrend kompliziert macht (so sind Gefühle nun mal 🙂 ), ist, dass die Unterscheidung zwischen „richtigem Leben“, Spiel auf der Bühne und Spiel vor der Kamera, nicht ganz klar ist. Das habe ich vielleicht einfach nicht differenziert genug herausgearbeitet.

      Ich meine eigentlich hauptsächlich das Spiel auf der Bühne. Meine Kameraerfahrungen beschränken sich auf ein paar Statistenrollen und einen ernüchternden Camera acting-Workshop, der mich davon überzeugt hat, niemals vor einer Kamera spielen zu wollen. Deswegen fürchte ich, man wird mich im Internet nirgendwo spielen sehen können.

      Man hat mir auf der Schauspielschule immer „verboten“ zu denken. Daher rührt auch meine Wut gegen dieses Glorifizieren der Strasberg-Methode. Sicher, es kommt auf die Art des Denkens an. Wenn man zuviel herumgrübelt und sich mit negativen Gedanken fertig macht, dann kann man tatsächlich nicht spielen. Aber was ist denn das, dass man das Denken grundsätzlich verteufelt? Dann macht man sich doch erst recht fertig. Ich fände es halt viel besser, wenn man mit den Eigenschaften und Eigenheiten einer Person arbeiten würde, das Denken zum Beispiel, das kann man doch nutzen, um ganz konkret zu schauen, was in der Szene die Situation und die Handlung ist.
      Es gibt natürlich auch die, die intuitiv so spielen, dass es einen einfach umhaut. Die können das dann einfach, vielleicht passiert da tatsächlich vieles von alleine. Das nennt man dann halt Talent.

      Aber ich glaube, auf der Bühne ist das kontraproduktiv, wenn man sich zu sehr in sich versenkt. Schließlich kommt es auf den Ausdruck an. Ich hab das schon so oft erlebt, dass man als Schauspieler total viel fühlt und von außen hat man gar nichts weiter gesehen, als jemand, der halb-apathisch dasitzt und man weiß gar nicht, was mit dem los ist.

      Es ist etwas anderes, wenn man vor der Kamera spielt. Die Kamera kann viel näher ran gehen, da kann man auch mal nur mit einer Wimper zucken und das hat gleich einen Effekt. Im Grunde macht auf der Bühne der Schauspieler die Handlung, Situation, Geschichte, etc. Im Film ist es hauptsächlich der Schnitt. Der Schauspieler braucht gar nicht so viel zu machen. Möglicherweise funktioniert dieser Strasberg-Kram also beim Film. Aber auf der Bühne? Habe ich bisher noch nicht erlebt. Oder, falls doch, dann war der Schauspieler hinterher zu nichts mehr zu gebrauchen, total fertig und im Eimer. Außerdem Kettenraucher und Beinahe-Alkoholiker. Ich glaube allerdings, bei dem, der war schon vorher so und vielleicht war er deswegen so affin für das esoterische Küchentischpsychologisiere eines Herrn Strasberg.

      Und dann gibt es noch „das richtige Leben“. Das ist noch mal ein anderer Schnack 🙂 Da hat man die Gefühle dann einfach, ob man will oder nicht. Und da ist es, denke ich, tatsächlich ab und zu hilfreich, in sich hineinzuhorchen, innezuhalten und auf sein Gefühl zu hören. So kann man sehen, ob einem etwas wirklich gut tut, oder ob man sich damit quält. Oder es hilft einem, wenn man eine wichtige Entscheidung zu treffen hat.

      Aber beim Spielen muss man immer bedenken, dass es darauf ankommt, wie es von außen aussieht. Wie man es hinkriegt, das auszudrücken, was man ausdrücken will, ist wohl bei jedem etwas anderes. Aber man hat so wenig, an das man sich als Schauspieler halten kann. Da sollte man die Schüler nicht noch zusätzlich verwirren, indem man ihnen das Denken verbietet und sie dazu auffordert, in ihrem eigenen Leben in der Vergangenheit herumzuwühlen, damit sie sich selbst für eine Rolle seelisch ausbeuten können. Ich denke nicht, dass das auf Dauer so gesund ist.

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    • Titus

      Fairgame8008 der Name läßt vermuten, dass Du fair bist, doch was Du hier bezüglich meiner Person geäußert hast, ist nicht fair. Du kennst mich überhaupt nicht, und maßt Dir an über mich zu urteilen, das ist nicht fair, finde ich. Außerdem wenn Du genau hinschaust, ich habe hir schon vor Dir geantwortet und ich bin nur eine Person und nicht zwei.
      Es ist sehr diskriminierend, wie Du Dich bezüglich meiner Person geäußert hast, nur weil ich Scientologe bin.
      Es stört mich nicht, dass Du anderer Meinung bist, das ist eben Deine Einstellung und Sichtweise und das macht mir nichts aus, ich habe meine Sichtweise und meine Meinung. Wie Isabelle auch schon schrieb, wahr ist das was Du beobachtet hast was wahr, dies habe ich nur bestätigt, denn es gibt definitiv keine andere Wahrheit. Da Du mich nicht kennst, kannst Du Dir also absolut keine Meinung bezüglich meiner Person erlauben.
      Ich achte Dich als Mensch, der seine Meinung hat und dies erwarte ich von Dir auch.
      Wenn Du mit Isabelle einen eigenen Dialog hast ist das ja auch okay, doch ist es nicht okay, andere Menschen, die man gar nicht kennt, einfach schlecht zu machen, das tue ich auch nicht.
      Es wäre nett, wenn Du das respektierst.

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      • Isabelle Dupuis

        Oha, da muss ich wohl doch mal die Rolle des Moderators übernehmen. Ich kann verstehen, dass es einen kränkt, wenn jemand den eigenen Lebensentwurf und die eigenen Normkonzeptionen in Zweifel zieht. Allerdings denke ich nicht, dass Anlass besteht, von Diskriminierung zu sprechen.
        So wie ich fairgame8008 verstanden habe, hat er einfach gesagt, er sehe keinen Sinn darin mit dir, Titus, zu diskutieren, weil ihr einfach zu unterschiedliche Standpunkte habt. Das ist meiner Ansicht nach noch keine Diskriminierung.
        Zudem besteht Diskriminierung meiner Meinung nach darin, dass man Menschen von irgendwas ausschließt wegen einer Eigenschaft, für die sie nichts können. Wenn ich einen Job nicht bekomme, weil ich weiblich bin, zum Beispiel. Wenn ich im Bus nicht sitzen darf, weil ich Sommersprossen habe. Wenn ich im Laden nicht bedient werde, weil ich dunkle Haare habe. Wenn ich einen Studienplatz nicht kriege, weil ich kleine Füße habe. Das ist Diskriminierung.
        Aber Lebensentwürfe, Normkonzeptionen, sowas sucht man sich selbst aus. Und wenn jemand mir sagt, das, was du glaubst ist völliger Quatsch, ist das vielleicht kränkend, aber nicht diskriminierend.
        Zudem sehe ich das ja wie in dem Lied von den Ärzten „Lasse red’n“. Kennt ihr das? Wenn nicht, hört es euch mal an 🙂 Es ist doch so: Wenn man sich seiner Sache zu 100% sicher ist, können doch die Leute reden was sie wollen, das kann einem doch völlig egal sein. Man weiß doch, dass man seinen Weg gefunden hat und dass es der richtige Weg für einen ist. Und wenn dann einer kommt und sagt, deinen Weg finde ich aber bescheuert, dann ist das doch sein Problem. Da braucht man sich deswegen nicht persönlich angegriffen zu fühlen, meiner Meinung nach. Man kann das natürlich trotzdem tun, macht sich das Leben damit aber nur unnötig schwer.
        Und ich denke, wenn man Gemecker am eigenen Lebensentwurf und an den eigenen Normkonzeptionen einfach souverän abprallen lässt, nimmt man seinen Kritikern eher den Wind aus den Segeln, als wenn man sich empört gibt. Ist jedenfalls meine Erfahrung. Mich hat mal einer als „Schlampe im nichtsexuellen Sinne“ bezeichnet. Ich hab das mit einem trockenen „Aha.“ zur Kenntnis genommen. Da war der aber ganz schön baff und wusste gar nicht mehr, was er sagen sollte. Das war ziemlich witzig.

        Ach so, ich wollte noch was zu meiner Konzeption des Begriffs „Wahrheit“ sagen. Ich würde nicht sagen, dass das, was man beobachtet, wahr ist. Ich denke eher, dass man das, was man wahr-nimmt für „wahr“ hält. Das ist ein kleiner, aber bedeutender Unterschied. Bei ersterem ist die Wahrheit eine unumstößliche Tatsache. Bei letzterem ist es bloß ein ideelles Konstrukt. Deswegen sollte man vorsichtig sein, wenn jemand eine einzige Wahrheit als Tatsache behauptet. Das kann nicht stimmen. Eben weil jeder etwas anderes wahr-nimmt.

        Vielleicht kann ich meinen Standpunkt bezüglich des Themas „Mystifizierung im Schauspielunterricht“ auch noch mal präzisieren. Es geht mir um die Verbindung von psychoanalytischem Halbwissen und Schauspielunterricht. Das halte ich für unangebracht. Entweder, man braucht psychoanalytische Unterstützung, dann geht man zum Therapeuten. Der ist ausgebildet, der hat das studiert, der kennt sich aus und weiß, was er tut. Oder man braucht keine, dann sollte ein Schauspiellehrer, der irgendwie mal so ein bisschen Freud gelesen hat, nicht an seinen Schauspielschülern herumdoktern. Das ist verantwortungslos.
        Wenn man zum Beispiel morgens auf die Frage, wie es einem geht mit „ganz gut.“ antwortet und dann gleich an einem heruminterpretiert wird, warum es einem denn nur „ganz gut“ und nicht „hervorragenst sensationell“ gehe, dann ist das nicht hilfreich, sondern nervt. Vor allem, man hat ja gar nicht drüber nachgedacht und völlig banal und belanglos höflich auf eine völlig banale, belanglos höfliche Frage geantwortet. Und an dem Punkt könnten alle zufrieden sein und man könnte mit dem Unterricht anfangen. Stattdessen wird man völlig verwirrt und fragt sich „Ja, warum geht es mir denn nur ganz gut?“ und Zack – fängt man an, nach „Fehlern“ zu suchen. Und wer sucht, der findet auch. Und schon geht es einem nicht mehr „ganz gut“, sondern „irgendwie nicht so doll.“
        Ein Schauspieldozent kann gar nicht abschätzen, was er mit seinem küchentischpsychologischen Gemurkse eventuell anrichtet. Da entsteht eine extreme Verunsicherung und daraus schlimmstenfalls eine Abhängigkeit, die man als Schauspieler überhaupt nicht gebrauchen kann. Vielmehr sollte man die Schüler darauf vorbereiten, dass das Spielen kein Disney-Film ist, dass man bei jeder Rolle wird von vorne anfangen müssen und dass es nie einfach sein wird. Und gerade deswegen braucht man etwas, an das man sich halten kann. Wie verlockend sind da Heilsbringer und andere Ideologen, die propagieren, sie hätten DIE Methode gefunden, mit der garantiert jeder immer alles spielen kann. Aber das ist unrealistisch. Das einzige, an das man sich wirklich immer halten kann, ist nun mal eben die eigene Stimme und der Körper. Ich rede jetzt nur vom Schauspiel. Und wenn man das Glück hat, eine Figur, Situation oder irgendein Thema darzustellen, kann man sich an das halten, was ich vorher schon mal meinte, nämlich das Anliegen (Was will ich?) und die Handlung (Was tue ich, um das zu erreichen?).

        Soviel von mir und einem weiteren hobby-philosophischen Exkurs 🙂 Ich hoffe, wir können jetzt zum Thema „Mystifizierung im Schauspielunterricht“ zurückkehren und sachlich weiterdiskutieren.

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      • Titus

        Liebe Isabelle
        es ist nett von Dir, dass Du versuchst zu moderieren.
        Natürlich kann sich jeder seinen Weg selber aussuchen und da lasse ich mir auch nicht rein reden, da ich genau weiß was ich will und auch genügend Selbstbewusstsein habe, doch hat er mich persönlich angegriffen und das geht unter die Gürtellinie und das ist nicht okay. Ich lasse auch jedem Menschen seine Meinung und seine Sichtweise und erwarte es eben ebenso.

        Er schrieb:
        Ich rede Dich nur in diesem Absatz direkt an, Titus – ich habe nicht das geringste Interesse, auf Dich direkt einzugehen. Ich mag nicht auf einen Menschen eingehen, bei dem ein paar Einsichten in vielleicht mögliche, aber keinesfalls erreichte Zustände den Blick auf den ganzen Rest der Welt vernebeln. Ich kann Dir ganz sicher nicht in einer Blog-Korrespondenz und ohne Deinen Wunsch helfen, die Nebel zu vertreiben, und alles andere ist für mich mit Dir sinnlos – bringt nichts, Deine Nebel sind für Dich unerschütterlich wahr, Du beobachtest ja ständig selbst nichts anderes. Bye.

        Und das finde ich schon sehr persönlich.

        Hast Du mal im Wörterbuch geschaut, was die Definition von diskriminieren ist? Hier ist die Definition aus dem Duden:
        diskriminieren
        1. (bildungsspr.) durch [unzutreffende] Äußerungen, Behauptungen in der Öffentlichkeit jmds. Ansehen, Ruf schaden; jmdn., etw. herabwürdigen: jmdn., jmds. Leistungen d.; diskriminierende Äußerungen.
        Herkunft: [lat. discriminare= trennen, absondern]:
        © Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 5. Aufl. Mannheim 2003 [CD-ROM].

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      • Isabelle Dupuis

        Na gut, ich will hier jetzt auch keinen semantischen Streit vom Zaun brechen 🙂 Ich verbinde „diskriminieren“ eher mit der Apartheid, mit Rassismus und mit Benachteiligung im Alltagsleben wegen irgendwelcher angeborener Eigenschaften, für die man nichts kann. Möglicherweise ist das auch nur meine persönliche Interpretation. Ich finde einfach, Diskriminierung geht noch über Beleidigung hinaus.

        Wie dem auch sei, ich würde gerne zum Thema „Mystifizierung im Schauspielunterricht“ zurückkommen. Sonst muss ich doch langsam anfangen, die Kommentare zu kürzen, was ich nur ungern täte, da das dann was von Zensur hätte.

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  7. fairgame8008

    Jetzt habe ich doch glatt noch Deine Antwort an Titus gelesen – vorher nicht. Hätte wohl besser sollen, aber es war mir einfach lästig, und ich sehe sonst ewig das Gleiche – meistens sind es es ja Anti-Sekten-Heinis und Sekten-Heinis, die aneinandergeraten, beide etwa gleich beknackt, und immer wieder die gleichen Duelle werden in Foren und Blogs wie im Film auch nicht spannender.

    Also, da beschreibst Du so plastisch, wie unverknorzt Du mit Deinen Gefühlen umgehst – da könnt ich mich in Arsch beissen mit meiner verfehlten Vermischung Deiner Schauspielerei-Ansichten mit Dir als Person.

    Zum Glück kann ich simultan davon ausgehen, dass Du mein Elaborat an die falsche Adresse ja sicher nicht weniger unverknorzt beiseite gewischt hast.

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    • Isabelle Dupuis

      Hihi 🙂 Das macht nichts, ich glaube, das passiert einfach leicht bei der Schauspielerei, dass man den Schauspieler mit der Figur, die er spielt, vergleicht und sich fragt, wieviel von ihm persönlich wohl in der Figur drinsteckt. Da gibt es solche und solche. Manche Schauspieler, zum Beispiel Klaus Kinski, haben einfach so eine starke Persönlichkeit und Ausstrahlung, die brauchen nichts weiter zu tun, als da zu sein und schon ist man beeindruckt. Wobei ich das eigentlich immer bewundernswerter finde, wenn ein Schauspieler auch mal was anderes spielen kann, als sich selbst.

      Das ist immer eine merkwürdige Angelegenheit mit den Schauspielern. Sie sind sich selbst ihr Arbeitsmaterial. Schriftsteller haben Worte und Buchstaben. Sänger haben Noten, Rhythmen, Klänge. Bildhauer haben plastisches Material. Ein Bäcker hat sein Mehl. Und so weiter. Aber Schauspieler ist der einzige Beruf, wo man nur sich selbst hat. Kein Wunder, wenn man da ein wenig egozentrisch wird auf Dauer.
      Jedenfalls kann ich da absolut nachvollziehen, dass man durcheinander gerät, wenn man versucht den Menschen hinter den Schauspieler und sein Spiel auseinander zu halten.

      Ich schau mir morgen mal in Ruhe den Artikel von C. G. Jung an, den du unten angehängt hast.

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      • fairgame8008

        „Soviel von mir und einem weiteren hobby-philosophischen Exkurs 🙂 Ich hoffe, wir können jetzt zum Thema „Mystifizierung im Schauspielunterricht“ zurückkehren und sachlich weiterdiskutieren.“

        Dein hobby-philosophischer Exkurs spricht mir aus dem Herzen. Und Dein gründliches Verstehen meines Ausrutschers, des Durcheinanderbringens von Person und Instrument, wärmt mein Herz. Ein anderes allerdings, und so wohnen jetzt, ach, zwei Herzen in meiner Brust. Letzteres könnte gemütlich zur Fortsetzung Deines Themas schlagen, ersteres hat den Rhythmus Deines philosophischen Exkurses gespürt und galoppiert jetzt in Sachen Wahrheit, Meinungen, Freiheit und Diskriminierung im Kreis.

        Ich möchte mit ersterem ausreiten – habe es ohnehin in den letzten Tagen von der letzten verrottenden Scientology-Longe befreit und gesattelt – erlaube mir das aber nicht ohne weiteres in einem Blog über Schauspielerei und so, erst recht nicht nach Deiner Ermahnung ;-).

        Darf ich ihm trotzdem auf Deinem Gelände freien Lauf lassen? Ich bleibe sicher möglichst sachlich, aber eben, mit Schauspielunterricht hätte dieses Reiten von Wörtern nichts mehr zu tun. Oder höchstens noch insofern, als wir angesichts eines so grossen Wortes wie Wahrheit ohnehin alle Schauspieler sind.

        Wenn lieber nicht, begreife ich das vollauf – und es gibt ja genügend passendere Orte, wo ich losschreiben könnte. Es fühlt sich einfach so gut an, Dir zu schreiben … genau die richtige Mischung aus open house und doch jemand mit einer klaren Meinung zu Hause. 🙂

        Jetzt aber doch noch zu Deinem Thema. Ich verstehe alles, was Du schreibst, bin ganz mit Dir, und doch ist mein ursprünglicher Einwand nicht ausgeräumt. Was tatsächlich an Psycho-Manipulationsversuchen passiert, mag Herumgepfusche sein, ich glaube gern, dass es so ist und man es besser lässt. Dass es jedoch wünschenswert ist, dass ein Schauspieler „an sich arbeitet“ – an sich als Mensch, der auch Schauspieler ist – schreibst Du eigentlich gleich selbst:
        „Aber Schauspieler ist der einzige Beruf, wo man nur sich selbst hat.“

        Na ja, von wegen einzig, darüber könnte man wohl streiten – mag ich aber nicht. Es geht doch darum, dass es bei einem Schauspieler genau deswegen, weil er nur sich selbst als Instrument hat, wichtiger ist als bei anderen Berufen, dass er was für SICH tut. Und dieses SICH hat dann sehr schnell mit Gefühlen und so zu tun.

        Beim Bäcker fragt niemand, in welcher Laune er sein Brot gebacken hat. (Vielleicht behauptet der eine oder andere, er merke es dem Brot an, ob es ein glücklicher Bäcker war.) Beim Schauspieler – ist es vielleicht ein wenig vergleichbar mit einem Therapeuten oder anderen Berufen, wo man auch vor allem mit sich selbst jemanden „bedient“: Wie er oder sie sich selbst einbringt, und in welchem Zustand dieses sich selbst ist, und wie sehr oder wie wenig dieser Zustand auf das Einbringen Einfluss hat, ist da wenn nicht die halbe, dann doch viel von der Miete.

        Natürlich ist ein Herumgebohre, wenn weniger als ein strahlendes „Super“ auf die blöde Wie-Geht’s-Frage zurückkommt, nichts als lästig und bringt auch nichts (Ausnahmen mit wirklich interessierten Gesprächspartnern können einen aufstellen und bestätigen die Regel). Aber das und 1001 andere Erfahrungen dazu, wie Dir jemand mit amikaler Intrusion nur Schwierigkeiten macht, und wie zweifelhafte Psycho-Methoden den Schauspielunterricht verderben, machen es immer noch nicht zum Gesetz, dass Arbeit an Dir selbst was Schlechtes ist. Und zwar nicht nur dann, wenn einer „eine Psychoanalyse braucht“, weil er so verkorkst ist. Ich bin so frech zu behaupten, es gibt niemand, der/die nicht besser sich selbst besser kennen und mit sich umgehen lernen würde. (Erst recht Schauspieler … siehe oben.) Irgendwann wird es gebraucht – spätestens, wenn’s ans Sterben geht. (Das soll keine Panikmache sein, ist einfach die Lebensphase, in der nun wirklich jeder von gutem Umgehenkönnen mit sich selbst profitiert.)

        Aber zurück zum Schauspielen. Du hast wiederholt geschrieben, dass es darauf ankommt, zu wissen, was man will. Schon das ist eine Kunst für sich – und ich würde sie noch ein wenig erweitern und sagen, richtig gut ist es, zu wollen, was man will – und zu wollen, was man wollen will – und so weiter …

        Auch was man will ist nicht einfach da. Am Wollen kann man arbeiten. All das geht über Körper, Sprache, Körpersprache hinaus. Und macht zwar zuerst einmal den Menschen, dann aber zweitens auch ganz bestimmt und nicht zu knapp den Schauspieler aus.

        Und natürlich sind die Lehren und Methoden, mit diesen Dingen umzugehen, allesamt mystisch. Und ist das ganze Leben mystisch, wenn man es so anschaut.

        Für mich ist das aber nur ein weiterer Grund dafür, mehr darüber zu wissen, wissen zu wollen, und mehr über dieses Wollen wissen zu wollen. Und ich bedaure es, wie schnell da die meisten zufrieden sind und es der Mystik überlassen (oder einer Religion, einer Scheinwissenschaft oder einem Guru).

        Was eben überhaupt nicht heisst, dass ich, wenn ich dies jemand schreibe, diesen für besonders reif für die Couch halte. Ganz im Gegenteil: Es heisst eher, dass ich bei ihm / ihr mehr Potenzial zum Weiterkommen spüre oder vermute und deshalb dazu neige, meinem Wollen seiner Weiterentwicklung ein klein wenig mehr Ausdruck zu erlauben als normalerweise. Normalerweise schweige ich zu diesen Dingen … und hätte ich in einem Blog über Schauspielerei nicht gepostet …

        Brauchst Dich aber von meinem ersten Posten nicht geehrt zu fühlen. Es hat einfach gerade gepasst. Wenn Du Dich gerne geehrt fühlst, dann eher davon, dass ich nicht schon lange aufgehört habe Dich überzeugen zu wollen: Dass, unabhängig von faulen Rezepten und Tricks und Spiegelfechtereien und mystischem Gehabe und Pfusch, Schauspielen und Reingreifen in sich selbst grundsätzlich sehr gut zusammenpassen können.

        Wenn man will. 🙂

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      • Isabelle Dupuis

        Hm, ich kann mich nicht erinnern gesagt zu haben, dass ein Schauspieler nicht an sich zu arbeiten braucht 🙂 Also, falls das so rübergekommen ist, das ist selbstverständlich grober Unfug. Natürlich sollte ein Schauspieler an sich arbeiten, wie jeder andere Mensch im Grunde auch. Ich find das ganz furchtbar, wenn Leute sich auf einem „so bin ich nun mal“ ausruhen und dann so tun, als läge es nicht (bis zu einem gewissen Grad) in ihrer Macht, wie sie sich benehmen, verhalten etc.
        Genau so gilt das für die Schauspieler. Wenn sie sich zum Beispiel darauf ausruhen, dass sie nicht spielen können, wenn es draußen regnet oder sie nicht auftreten wollen, weil sie noch keinen Kaffee hatten, dann geht das natürlich gar nicht.

        Aber, ich denke „an sich arbeiten“ ist hier ganzheitlich zu verstehen, das heißt, sowohl physisch, als auch psychisch. Man muss sich körperlich fit halten und seine Stimme trainieren. Genauso muss man sich aber auch ein ziemlich dickes Fell zulegen, um diesen Job überhaupt durchzuhalten.
        Ich kann schon verstehen, dass man sich da zu Instant-Lösungen und Patentrezepten hingezogen fühlt. Nur ist das dann so wie mit Suppe. Instant-Brühe und Fertig-Suppen schmecken vielleicht beim ersten Mal noch ganz OK, vielleicht sogar gut, aber spätestens beim dritten Mal schmeckt es fade, langweilig, immer gleich und witzlos. (Sorry, ich mag Essens-Metaphern)

        Ich glaube, als Schauspieler braucht man ein hohes Selbstbewusstsein, im wahrsten Sinne des Wortes. Das heißt, man muss sich seiner selbst bewusst sein, sich gut kennen, damit man spürt, wenn einem die Realität zu entgleiten droht und man vom Boden der Tatsachen abhebt. Das schließt auch Gefühle mit ein. Allerdings sollte er das nicht auf der Bühne tun, während seiner Arbeit, sondern drumherum, im alltäglichen Leben, wenn er sein privates Ich ist.
        Das ist jetzt auch nur meine Meinung, das sehen sicherlich einige anders, aber man hält das glaube ich nicht lange aus, wenn man Privates und Gespieltes durcheinanderquirlt. Das ist meines Erachtens „gesünder“, wenn man das klar trennt.

        Und ich finde es einfach sehr riskant, wenn Leute, die keinerlei psychotherapeutische Ausbildung haben, anfangen, in den Köpfen anderer Leute Unruhe zu stiften. Das ist sicherlich eine Gratwanderung, schließlich ist das eine sehr sensible Beziehung zwischen Schauspiellehrer und -schüler. Aber gerade deswegen sollte ein Dozent nicht den Therapeuten-Alleswisser-Gott heraushängen lassen. Dann ist nämlich der Unterschied zu einer Sekte äh Ideologie nicht mehr groß.
        Um das zu vermeiden, sollte auch der Dozent sich seiner selbst bewusst sein und darauf achten, dass es nicht „um ihn“ sondern um den Schüler und vor allen Dingen seine Arbeit, seine Rolle geht. Privates Gedöns sollte nur Thema sein, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

        Falls jemand Lust hat über etwas Anderes als Schauspiel und Theater zu philosophieren, ich habe noch einen zweiten Blog http://isa09.wordpress.com in dem ich über alles Mögliche schreibe (mal mehr, mal weniger tiefsinnig 🙂 ).

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  8. fairgame8008

    Damit ist mir nun nach einem ziemlich wilden Umweg völlig klar, wie der Vergleich einer E-Meter-Sitzung mit Strasberg’s method gemeint war. Und dem hab‘ ich nichts mehr hinzuzufügen.

    Von wegen eine andere Sache auf Deinem anderen Blog zur Sprache zu bringen – ich lass‘ das doch lieber. Ich habe da zwar mit Vergnügen über das eine und andere Thema gelesen, aber mein angedachtes „Philosophieren“ über Wahrheit und Meinungen und Diskriminieren und so liesse sich nur künstlich an eins davon anfügen und wäre vergleichsweise viel zu ernst. Kommt dazu, dass ich Dir nicht die Leute auf diesen anderen Blog holen will, bei denen die Hingabe an Freiheit und Wissen in ein Meer von Manipulation und Halluzination mündet, das sie dann dramatisch verteidigen. Leider nicht nur auf der Bühne … und leider manchmal auch mit Grund, weil sie tatsächlich diskriminiert werden. Zwar selber schuld, jedoch auch bemitleidenswert, Opfer und Täter wie so viele Süchtigen. Aber lassen wir das …

    Also, es hat mich gefreut, mal ein wenig aus dem Unterricht einer Schauspielerin mitzukriegen, ganz nahe an meinem seltsamen Interesse daran. Tschüss! 🙂

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