103. Stück: Kinojahresrückblick 2020 – Top 5 und Flop 5

Das Jahr 2020 war für die Kulturbranche und die Kinos kein gutes Jahr. Bevor die Corona-Pandemie mit voller Wucht zuschlug, war ich immerhin 19-mal im Kino und zwischen der ersten und zweiten Welle habe ich es immerhin einmal ins Kino geschafft. Das würde also für eine Top 10 und Flop 10 genau ausreichen. Allerdings fände ich es ein wenig unfair, Filme, die ich nur mittelmäßig fand auf meine Topliste zu setzen und Filme, die immerhin ganz OK waren und mich nur nicht sonderlich vom Hocker gerissen haben, auf meiner Flopliste zu verewigen. Und da dieses Jahr ohnehin alles anders war, habe ich beschlossen, auch meinen Kinojahresrückblick ein wenig anders zu gestalten als sonst. Anstelle von zwei Beiträgen mit der Top 10 und der Flop 10 gibt es jetzt nur einen einzigen Beitrag und nur fünf Filme auf den jeweiligen Listen. Viel Spaß!

Top 5 der Kinofilme 2020

5. „1917“ von Sam Mendes

„1917“ von Sam Mendes ist ein geradlinig erzählter, atemlos spannender (Anti-)Kriegsfilm. Die Prämisse ist simpel: Zwei britische Soldaten sollen schnellstmöglich eine Botschaft an ein anderes britisches Bataillon überbringen, damit diese nicht in einen deutschen Hinterhalt geraten. Das Problem: Sie müssen durch das Niemandsland, wo überall feindliche Soldaten und Fallen lauern können.

Diese Ausgangssituation wird konsequent durchgespielt und quasi in einer Einstellung gezeigt – sodass die permanente Anspannung und Rastlosigkeit der beiden Protagonisten hautnah spürbar wird. Hinzu kommt eine schonungslose Darstellung der Zerstörung, des allgegenwärtigen Todes während des Krieges. Und das geht ziemlich an die Nieren. Ein bisschen schade dabei ist, dass die Figurencharakterisierung ein wenig auf der Strecke bleibt. Ansonsten wäre es sicher noch fesselnder geworden – vielleicht aber auch zu fesselnd.

Ich hätte nicht gedacht, dass mir der Film so gut gefallen würde. Eigentlich bin ich nur mitgekommen, um meinem Freund Gesellschaft zu leisten. Normalerweise finde ich Kriegsfilme schon aus Prinzip doof und wurde durch mein letztes Experiment in die Richtung – „Dunkirk“ von Christopher Nolan – in meiner Meinung bestätigt. Aber „1917“ ist wirklich stark.

Fazit: Lohnt sich! Ist aber nichts für schwache Nerven.

4. „Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl“ von Caroline Link

„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Caroline Link geht ans Herz. Ich habe das Buch zuletzt als Kind gelesen und fand es im Film aber hervorragend und stimmig umgesetzt. Dazu noch das wunderbare Spiel der kleinen Riva Krymalowski sowie insbesondere von Oliver Masucci und Carla Juri als ihre Eltern, Justus von Dohnányi als Onkel Julius und Ursula Werner als Heimpi – das lässt die Geschichte lebendig werden.

Das Heimweh, die Heimatlosigkeit und die Schwierigkeiten der Familie, sich an immer neuen Orten auf ihrer Flucht einzuleben und in ständiger Sorge um die Daheimgebliebenen zu leben, wird ebenso deutlich, wie die kleinen Glücksmomente: neue Freundschaften, Schokoladenkuchen, Erfolge in der Schule und im Beruf … Die Geschichte wird aus Sicht der kleinen Anna erzählt, die mit einem unerschütterlichen Optimismus und einer unbändigen Neugier ausgestattet ist. Trotzdem werden die Hintergründe der Handlung nicht verharmlost.

Fazit: Toller Film mit großartigen Schauspielern. Lohnt sich!

3. „Intrige“ von Roman Polanski

„Intrige“ von Roman Polanski ist ein fesselnder Thriller über einen der größten Justizskandale der französischen Geschichte: die Dreyfus-Affäre. Der Film fängt an mit der öffentlichen Degradierung des Artillerie-Hauptmanns Alfred Dreyfus. Ihm wird vorgeworfen, für das Deutsche Kaiserreich spioniert und damit Landesverrat begangen zu haben. Während ihm nach und nach jedes Kennzeichen seines militärischen Ranges und seiner Zugehörigkeit zum Militär von der Uniform gerissen wird, seine Waffen abgenommen und zerbrochen werden, ringt er mit der Fassung. Am Ende dieser quälenden Demütigung beteuert er seine Unschuld. Keiner glaubt ihm.

Der Film wird aus Sicht des Oberstleutnant Marie-Georges Picquart erzählt, der Alfred Dreyfus ausgebildet hat und zunächst als Beobachter im Prozess sitzt. Er wird dann jedoch zum Leiter des französischen Militärgeheimdienstes ernannt – und macht seine Arbeit zu gut. Er entdeckt Ungereimtheiten im Fall Dreyfus und stößt auf einen weiteren Verdächtigen, der viel eher als Täter infrage kommt. Er kann nicht anders, als seine Pflicht zu tun und handelt sich damit jede Menge Ärger mit dem gesamten französischen Militärapparat ein …

Das wird einerseits sehr nüchtern und sachlich erzählt, andererseits bauen die Ereignisse so gekonnt aufeinander auf, dass eine atemlose Spannung entsteht. Picquart stößt mit seinen Nachforschungen in ein Wespennest aus Vetternwirtschaft, Korruption, Dilettantismus, politischen Ränkespielen, Intrigen – und Antisemitismus.

Die Schauspieler in diesem Film sind durch die Bank weg großartig. Vor allem Louis Garrel als Alfred Dreyfus und Jean Dujardin als Marie-Georges Picquart spielen ihre Figuren mit beeindruckender Glaubwürdigkeit, Facettenreichtum, Tiefgang und Stolz.

Fazit: Unbedingt empfehlenswert, nicht nur für Geschichtsfans!

2. „Jojo Rabbit“ von Taika Waititi

„Jojo Rabbit“ von Taika Waititi ist übermütig, albern, durchgeknallt – und trotzdem berührt der Film zutiefst. Gerade durch den Kontrast des grotesken, dunkelschwarzen Humors und der ernsten Thematik wird die Grausamkeit des Faschismus umso deutlicher. Man versteht aber auch durch die kindliche Perspektive Jojos, was Kinder am Nationalsozialismus fasziniert haben mag, warum sich so viele von ihnen mit Freuden für die Hitlerjugend und schließlich als Kanonenfutter einspannen ließen. Es zeigt auch, wie leicht sich Menschen von Angst und Ideologie manipulieren lassen.

Gleichzeitig ist „Jojo Rabbit“ eine Coming-of-age-Geschichte, in der ein kleiner Junge unverhofft den Ernst des Lebens kennenlernt und seine Ideale, Wirklichkeitsbegriffe und sein Selbstverständnis plötzlich auf den Kopf gestellt sieht. Und behutsam, Schritt für Schritt, den Verlust seiner Gewissheiten zu überwinden lernt und dabei erwachsen wird. Der kleine Roman Griffin Davis spielt das übrigens hervorragend und ist von der ersten bis zur letzten Sekunde überzeugend. Scarlett Johansson als seine Mutter ist auch toll, aber ihre Rolle ist eben großartig geschrieben.

Fazit: Ein ungewöhnlicher und sehr gelungener Film! Unbedingt sehenswert!

1. „Coma“ von Nikita Argunov

„Coma“ von Nikita Argunov ist ein visuell überragender Thriller, der obendrein noch mit einer spannenden, wendungsreichen Story überzeugt. Ein wenig bietet sich bei der Thematik – eine Welt, in der Komapatienten leben und die aus ihren Erinnerungen zusammengesetzt ist – ein Vergleich mit „Inception“ an. Während in diesem ebenfalls hervorragenden Film jedoch im Wesentlichen die Story darin besteht, das Prinzip von Inception zu erklären, und ansonsten nicht viel passiert, wartet „Coma“ mit ausgeklügelten Plot Twists, vielschichtigen Charakteren mit komplexen Motiven, Philosophie, Ethik, Gesellschaftskritik und dem einen oder anderen satirischen Seitenhieb auf.

Fazit: Ein Film, den man nicht verpassen sollte!

Außer der Reihe: Der beste Animationsfilm in 2020 (und der einzige Animationsfilm, den ich 2020 im Kino gesehen habe)

„Weathering with You“ von Makoto Shinkai

„Weathering with You“ von Makoto Shinkai ist ein bezaubernder, märchenhafter Animationsfilm mit liebenswerten Charakteren, Humor und Melancholie. Die Coming-Of-Age-Geschichte eines 16-jährigen Oberschülers, der es zu Hause in seinem kleinen Dorf nicht mehr aushält und nach Tokyo abhaut, ist verwoben mit fantastischen Elementen, die dem Film etwas Mystisches verleihen. Aber erzählt wird diese Geschichte mit einer federleichten Poesie, sodass es nie schwermütig oder kitschig wird. Die Zeichnungen sind einfach wunderschön. Mit wie viel Liebe zum Detail hier jeder Lichtreflex, jeder Wassertropfen zum Leben erweckt wird, ist atemberaubend und verbreitet eine magische Wirkung.

Ich habe dennoch ein wenig gebraucht, um in die Handlung hineinzufinden, da sie stellenweise etwas merkwürdig ist. Doch dann wachsen einem die Figuren zunehmend ans Herz und man wünscht ihnen alles Gute. Und eine süße Katze kommt auch noch vor, das ist ja ohnehin aus meiner Sicht immer ein Pluspunkt.

Fazit: Zauberhafter, poetischer Animationsfilm, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Flop 5 der Kinofilme 2020

5. „Bombshell – Am Ende des Schweigens“ von Jay Roach

„Bombshell – Am Ende des Schweigens“ von Jay Roach ist leider nicht bissig, konsequent und mutig genug geraten, um als wirklich geniale Satire à la „Big Short“ oder „Vice“ durchzugehen. Das ist schade, denn Potenzial wäre genug dagewesen – bei diesem Stoff und diesem hervorragenden Cast. Die Schauspieler*innen sind zwar sehr gut, aber sie bleiben aufgrund des zu zahmen Drehbuchs hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Es scheint, als hätten sich die Macher nicht getraut, das Thema #metoo wirklich auszureizen – also Machtmissbrauch einflussreicher Männer in Bezug auf (junge) Frauen in der Berufswelt, unterschwelliger Sexismus, wie es sich für die betroffenen Frauen anfühlt … Vielleicht ist das Ganze auch noch zu frisch und zu aktuell, um die nötige Distanz aufzubringen, die eine Satire braucht.

Was rüber kommt – und das ist den tollen Schauspielerinnen Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie zu verdanken – sind die Ängste und Sorgen, die diese Frauen umtreibt. Allerdings auch nur diese Frauen in Bezug auf einen Mann. Im Anschluss an den Film bleibt das Gefühl zurück, es handle sich um einen Einzelfall und nicht um ein prinzipiell überholtes System, das Machtmissbrauch einflussreicher Männer in Form von sexueller Belästigung und Sexismus begünstigt gegenüber Frauen, die im Berufsleben mit den Männern gleichziehen wollen.

Es lässt das grundsätzliche Problem, dass man als Frau im Beruf immer mehr oder weniger unterschwellig das Gefühl hat, man müsste sich mindestens dreimal so viel anstrengen wie Männer, um genauso erfolgreich zu sein. Man dürfte aber auch nicht zu ehrgeizig rüberkommen – sonst gilt man als zickig und spaßbefreit. Zu sexy darf man auch nicht sein – sonst gilt man als Schlampe oder muss sich irgendwelche Sprüche und „Witze“ anhören. Zu unsexy ist auch nicht gut – dann ist man ein verklemmtes Mauerblümchen. Und wenn man das als Frau anspricht, wird es abgewiegelt: „Neeeeiiiiin, ach Quatsch, da stellst du dich aber auch echt ein bisschen an. Also iiiiiich hab das ja noch niiiiiiie so erlebt, das musst du dir einbilden, entspann dich mal und mach dich locker.“ (Übrigens teilweise auch von anderen Frauen, die wohl einfach Glück hatten oder es mit Feingefühl nicht so haben). Und natürlich ist es auch eher selten so schlimm wie im Film. Meistens ist es eben nur so ein ganz leichtes, unterschwelliges Gefühl, dass man als Frau nicht hundertprozentig selbstverständlich frei darin ist, wie man sich kleidet und wie man sich verhält und ein ganz leises, flüsterndes Unbehagen, nicht gut genug zu sein so wie man ist. Und darüber schwebt dann immer ein „selber Schuld“ oder „das bildest du dir ein, stell dich nicht so an“.

Na ja … jedenfalls bin ich der Meinung, der Film war zu artig, hat sich zu sehr auf den Einzelfall konzentriert und am Ende den Eindruck hinterlassen, mit Erledigung dieses Einzelfalls sei auch das zugrundeliegende Problem gelöst. Was es nicht ist. Und das fand ich enttäuschend.

Fazit: Hm. Als halbdokumentarisch erzählter Film über den Fall Roger Ailes vs. Gretchen Carlson (und die anderen Frauen) durchaus gelungen. Als Satire über die der #metoo-Bewegung zugrundeliegenden Probleme bleibt der Film leider unter seinen Möglichkeiten. Schade.

4. „Das Vorspiel“ von Ina Weisse

„Das Vorspiel“ von Ina Weisse wurde als deutsche Version von „Whiplash“ angepriesen und entsprechend hoch waren auch meine Erwartungen an den Film. Diese wurden leider enttäuscht, denn während in „Whiplash“ die Dynamik zwischen Schüler und Lehrer für atemlose Spannung sorgt und man sich dem Sog dieses Psychoduells zwischen zwei musikalischen Genies auf Augenhöhe nicht entziehen kann, passiert in „Das Vorspiel“ eigentlich nichts – zumindest bis kurz vor Schluss. Der Schüler macht keine wirkliche Entwicklung durch und ist auch sonst keine schillernde, zwielichtige Gestalt wie Andrew Neiman. Er wirkt wie ein tapsiger Hundewelpe, der aus völlig verschüchterten Augen erstaunt in die Welt blickt und irgendwie nicht richtig zu wissen scheint, was er da eigentlich soll, wo er gerade steht. Er ist zwar ganz niedlich, aber bleibt leider langweilig und blass. Das liegt nicht am Schauspieler, der ist toll und sehr überzeugend, aber die Rolle ist einfach zu schwach charakterisiert und setzt der überehrgeizigen, überspannten Geigenlehrerin nichts entgegen.

Nina Hoss ist dabei noch das Beste am Film – wie sie die Geigenlehrerin spielt, der langsam alles in ihrem Leben entgleitet, ist großartig. Leider kann sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass einfach keine richtige Geschichte erzählt wird. Die anderen Schauspieler sind übrigens auch richtig gut – was für einen deutschen Film beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Was man vielleicht vorher wissen sollte: Ein Teil der Dialoge wird auf Französisch gesprochen und nicht untertitelt. Mir macht das nichts aus, ich bin selbst zweisprachig, aber es gab im Kinosaal ein ununterbrochenes Geraune, Gemurmel und Gebrumsel von Leuten, die ihre Schulfranzösischkenntnisse hervorkramten und versuchten, die Passagen zu übersetzen. Und mindestens zwei-drei dieser französischen Dialoge sind wesentlich entscheidend für die Handlung. Das fand ich ziemlich unglücklich.

Fazit: Leider sehr langweilig geraten, ich würde den Film nicht weiterempfehlen. Oder man schaut ihn sich irgendwann in Ruhe im Fernsehen an, dann nerven einen die anderen Zuschauer wenigstens nicht und man kann zwischendurch aufstehen und sich Tee kochen oder ein Brot schmieren.

3. „Bloodshot“ von Dave Wilson (II)

„Bloodshot“ von Dave Wilson (II) hätte ein passabler Mindgame-Movie werden können, hätte man die Pointe nicht schon im Trailer beziehungsweise im ersten Filmdrittel verraten. Was bleibt, ist ein austauschbarer Vin-Diesel-Actionkracher, der sich leider viel zu ernst nimmt. Die Figuren sind holzschnittartig, die Dialoge banal, die Spannungskurve flach, die Handlung vorhersehbar und wendungsarm.

Fazit: Schade, hätte das Potenzial für einen unterhaltsamen Film gehabt, aber das Pulver wurde viel zu früh verschossen. Muss man nicht gucken.

2. „Bad Boys For Life“ von Adil El Arbi & Bilall Fallah

„Bad Boys For Life“ von Adil El Arbi und Bilall Fallah ist leider von ein paar netten Gags abgesehen nicht so unterhaltsam geraten wie seine Vorgänger. Ist es zu Beginn noch ganz witzig und niedlich, die beiden harten Jungs als gealterte Männer zu sehen und weiß der Gegensatz zwischen dem ängstlichen Spießer Marcus und dem draufgängerischen Berufsjugendlichen Mike noch zu erheitern, verpufft dieser komische Effekt nach einer Weile. Zurück bleibt eine hanebüchene Rachegeschichte und jede Menge Action.

Gut, ein Action-Film braucht keine tiefgründige, gesellschaftskritische, philosophische oder sonstwie komplexe Handlung. Aber zumindest geradlinig und konsequent sollte ein gelungener Actionfilm sein. Wenn’s dann zwischendurch völlig unpassend sentimental oder sogar traurig wird, man davon aber gänzlich unberührt bleibt, weil man sich noch über irgendwelche mystischen Anklänge aus den Szenen davor wundert und sich fragt, was der Quatsch soll, dann macht das meiner Meinung nach nicht so viel Spaß.

Mir hätte der Film besser gefallen, wenn sie die Story einfacher gehalten hätten, dafür außerdem ein paar von den Arschwitzen gestrichen und das Ganze auf knackige 80-90 Minuten heruntergekürzt hätten. Na ja, aber immerhin: Der Nostalgie-Faktor hat schon einiges wieder wettgemacht. Martin Lawrence und Will Smith sind eben doch ein eingespieltes Duo – von daher gibt’s auch zwei Sterne und nicht bloß einen halben.

Fazit: Na ja, ich denke, den Film wird sich eh jeder anschauen, der die anderen beiden Vorgänger mochte. Ich finde nicht, dass sich das wirklich lohnt, aber davon sollte sich niemand abhalten lassen.

1. „Tenet“ von Christopher Nolan

Sooo, das hat mir gefehlt 🙂 Achtung, Leute, das wird ein Verriss. „Tenet“ von Christopher Nolan ist der erste Film, den ich seit Wiedereröffnung der Kinos nach dem Lockdown gesehen habe – und gleich ein Kandidat für den schlechtesten Film des Jahres 2020. Visuell ist der Film schon in Ordnung, stellenweise sogar ganz cool. Davon aber abgesehen stimmt in diesem Film einfach hinten und vorne (rückwärts und vorwärts, Hihi) überhaupt nichts und der ganze Kladderadatsch ergibt nicht den geringsten Sinn.

Jaaa, mag der eine oder andere protestieren, man dürfe „Tenet“ eben nicht mit dem Verstand begreifen wollen, sondern müsse ihn … ähm … öhm … irgendwie auf einer anderen Bewusstseinsebene wahrnehmen und auf sich wirken lassen. Nolan sei ja schließlich dafür bekannt, Verwirrspiele zu erschaffen, die den Verstand des Zuschauers, seine Gewohnheiten und Gewissheiten auf den Kopf stellen, die Grenzen der Vorstellungskraft sprengen und so weiter und so fort. Das stimmt ja auch. Und das ist ihm in „Memento“ und „Inception“ beispielsweise auch meisterhaft gelungen. In „Tenet“ aber nicht. Mein Eindruck ist, der feine Herr hat sich einfach auf seine persönlichen Geheimrezepte der vergangenen Filme verlassen, mit Zeit, Wahrnehmung und Erzählgewohnheiten wie immer herumgespielt und sah offensichtlich keine Veranlassung, seine eigenen Gewohnheiten mal zu hinterfragen und zu brechen.

Herausgekommen ist ein langweiliges, langatmiges, spannungsfreies Machwerk, das überhaupt nichts aussagt und beim Zuschauer nichts auslöst (außer Verwirrung). Es ist faul – denn Nolan hat sich auf seine bewährten Mätzchen verlassen und nichts wirklich Neues erzählt, genau genommen hat er einfach mal gar nichts erzählt, sondern nur ansatzweise coole, einigermaßen stylische Actionszenen aneinander gereiht. Es ist feige – denn Nolan drückt sich total offensichtlich darum, das Risiko einzugehen, die Handlung in irgendeine Richtung zu lenken. Jedesmal, wenn die Figuren im Film eine Frage stellen, was das Ganze eigentlich soll, wozu das alles dient oder Fragen zur Schlüssigkeit und Logik stellen, windet sich Nolan heraus und versucht gar nicht erst, dieses Herauswinden zu vertuschen: „Versuchen Sie gar nicht erst, das zu verstehen“, „Was passiert ist, ist passiert“, „Das ist halt ein Paradoxon“, „Nicht drüber nachdenken“, „Das wissen die, die’s wissen müssen“ und andere Plattitüden werden dann dem Fragesteller und dem Zuschauer vor die Füße geworfen und dann geht der Film eben weiter. Der Film ist außerdem eitel – denn er gefällt sich selbstverliebt darin, eine vermeintlich gute Idee gehabt zu haben, und diese platt zu walzen und auszureizen bis zum Gehtnichtmehr.

Der Plot und die Dialoge sind also schon mal Murks. Fiebert man wenigstens mit den Figuren mit? Nö. Der „Protagonist“ hat noch nicht einmal einen Namen. Man weiß überhaupt nicht, wer er ist, woher er kommt, was er will und was er nicht will, warum er das tut, was er tut, wieso, weshalb, warum er überhaupt in der Geschichte eine Rolle spielt. Das gilt für alle anderen Figuren auch. So gut kann kein Schauspieler sein, gegen eine so holzschnittartig konzipierte Figurencharakterisierung anzuspielen. Auch von Neil erfährt man überhaupt nichts über seine Motivation. Kat, die einzige Frauenfigur, soll wohl eine Hommage an die klassische Hitchcock-Blondine darstellen, wird aber so auf ihre Rolle als Mutter und misshandelte Ehefrau reduziert, dass es einfach nur sexistisch und ärgerlich ist. Warum man Kenneth Branagh einen irren Russen als Bösewicht spielen lässt und keinen irren Briten, erschließt sich ebenfalls nicht. Vielleicht, um irgendwie so eine Kalter-Krieg-Plotline mit dem Holzhammer in die Story zu prügeln und dabei kein Klischee auszulassen. Vielleicht auch nur, weil Kenneth Branagh Lust hatte, einen russischen Dialekt zu sprechen.

Fazit: Dieser Film ist faul, feige, eitel – und schlecht. Wen ein grottiges Drehbuch, fade Figurencharakterisierung, fehlende Handlungslogik respektive überhaupt keine Handlung, eine fehlende Spannungskurve, schauderhafte Dialoge und wie verloren wirkende Schauspieler nicht stören und wer sich die ganz coolen visuellen Effekte anschauen möchte, kann das natürlich trotzdem tun. Aber er/sie beschwere sich hinterher nicht, ich hätte nicht vorgewarnt.

+++ SPOILER +++ SPOILER +++ SPOILER +++
Wer den Film schon gesehen hat, kann mir vielleicht doch mal ein paar Fragen beantworten, die mich gestern Abend noch wach gehalten und im Traum verfolgt haben, weil sie überhaupt keinen Sinn ergeben. Oder ich bin zu blöd. Egal. Also, hier meine Fragen:

  • Warum bauen die Leute in der Zukunft überhaupt erst eine Waffe, die die ganze Welt auslöscht?
    Nachdem diese Waffe nun völlig idiotischerweise gebaut wurde, warum zerteilen sie das Ding in neun Teile und verstecken diese Teile irgendwo in der Vergangenheit, sodass die Teile in der Zukunft garantiert wieder auftauchen und irgendein Irrer in der Zwischenzeit ausreichend Gelegenheit hat, die neun Teile zusammen zu suchen, das Ding zusammenzubauen und die Welt zu zerstören? Warum zerstören sie die Waffe nicht wieder? Warum zerstören sie nicht wenigstens ein Teil davon? Warum zerteilen sie das Ding nur in 9 Teile, nicht in 99 oder 999? Warum sieht das Ding aus wie ein Phallus aus Schrott? Warum verstecken sie nicht wenigstens ein paar der Einzelteile in der Gegenwart, schießen sie auf den Mond oder sonstwo hin, dass der Irre in der Vergangenheit da nicht herankommt? Und braucht man den Schrott-Phallus überhaupt oder reicht der komische Algorithmus?
  • Warum wollen die Leute aus der Zukunft Krieg mit der Vergangenheit? Da schießen sie sich doch buchstäblich selbst ins Knie?
  • Irgendwann wird auch angedeutet, dass die Leute aus der Zukunft die Leute aus der Vergangenheit bestrafen wollen, weil die ihnen den Klimawandel eingebrockt haben. DIESE LEUTE HABEN EINE ZEITMASCHINE! DIE KÖNNEN ALLES RÜCKGÄNGIG MACHEN! Warum nutzen sie ihre Zeitmaschine nicht für etwas Sinnvolles, wie den Klimawandel zu verhindern, so lange es noch möglich ist? Sie könnten doch die Regierungen infiltrieren mit ihren Leuten und die Politik im Sinne des Klimaschutzes zu beeinflussen. Nein, das wäre ja zu naheliegend, lasst uns doch stattdessen unsere Zeitmaschine nutzen, um den dritten Weltkrieg anzuzetteln und alles Leben auf der Welt zu zerstören (Ja, Kat. Auch dein Sohn), muahahahahaha!
  • Der Irre hat die Möglichkeit, sich selbst mit der Zeitmaschine zu invertieren. Warum heilt der Typ nicht einfach seinen Bauchspeicheldrüsenkrebs damit, anstatt eine Superwaffe aus der Zukunft zusammen zu bauen und die Welt in die Luft zu jagen?

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102. Stück: Was „Tenet“ von Christopher Nolan und Camus‘ „Mythos des Sisyphos“ gemeinsam haben

Eine Anmerkung vorweg: Ich fand „Tenet“ von Christopher Nolan total doof, wie sich meiner Kritik unschwer entnehmen lässt. Das heißt aber nicht, dass man in diesem schlecht erzählten Machwerk ohne Spannung und mit langweiligen, nichtssagenden Figuren, die keine Ahnung haben, was sie warum tun, nicht doch das eine oder andere entdecken kann, das sich hineininterpretieren lässt. Tatsächlich kann man in den Film alles Mögliche hineininterpretieren, denn er ergibt überhaupt keinen Sinn.

Wer ihn noch nicht gesehen hat, und sich überraschen lassen möchte, sollte lieber nicht weiterlesen, ich kann nicht ausschließen, dass ein paar Spoiler kommen (wobei, wie gesagt, der Film erzählt keine wirkliche Geschichte, von daher kann man da nicht viel spoilern – aber ich denke, es macht mehr Spaß, irgendeinen Kram in den Film hineinzudeuten, wenn man ihn gesehen hat und miträtseln kann, ob sich hier und da nicht vielleicht doch ein bisschen Sinn versteckt hat)

Als ich mich so vor mich hinärgerte, wie man nur so einen völlig sinnbefreiten, unlogischen Quatsch auf die Leinwand bringen, den Schauspielern überhaupt keine Figurenmotivation und somit nichts zum Spielen geben und sich dann auch noch als Genie feiern lassen kann, dachte ich: Mooooment, das kommt mir bekannt vor. Mein erster Gedanke nach dem Film war, das sei wie in „Des Kaisers neue Kleider“ – Christopher Nolan ist der pfiffige Schneider, der für den Kaiser (Filmkritiker, Filmwissenschaftler und Cineasten) neue Kleider vorgibt zu nähen, und zwar aus unsichtbaren Fäden, die nur ganz besonders intelligente Menschen wahrnehmen können. Ein kleines Mädchen durchschaut den Schwindel und ruft: „Der Kaiser hat ja gar nichts an“ oder in diesem Fall: „Der Film erzählt überhaupt nichts, das ergibt alles null Sinn“. Aber dann dachte ich, dieser Wunsch nach einem Sinn meinerseits und die gleichzeitige Verweigerung des Films, einen Sinn zu präsentieren, ist absurd – und dann war ich auch schon bei Albert Camus‘ „Mythos des Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde“, den ich vor nun fast 20 Jahren in meiner Abi-Klausur vom Französisch-LK bearbeitet hatte.

Vielleicht erzählt „Tenet“ ja doch etwas, und zwar genau das: Es ergibt alles null Sinn – zumindest aus logischer, objektiver Sichtweise. Subjektiv kann man hingegen in den Film hineininterpretieren, was man möchte. Und da sind wir dann auch schon bei Albert Camus und seinem absurden Helden Sisyphos. Wir erinnern uns, Sisyphos wurde von den Göttern bestraft, indem er dazu verdonnert wurde, einen Felsen einen Berg hochzurollen. Sobald er den Gipfel fast erreicht hatte, rollte der Felsen wieder herunter und Sisyphos musste von vorne anfangen. Laut Wikipedia weiß man anscheinend gar nicht so genau, wofür Sisyphos eigentlich bestraft wurde, was er Schlimmes getan hatte. Aber anscheinend war er ziemlich schlau und ist dem Tod ein paar Mal von der Schippe gesprungen. Wer „Tenet“ gesehen hat, dürfte gerade ein Déjà-vu-Erlebnis haben: Der Protagonist springt dem Tod am Anfang von der Schippe und damit beginnt der ganze Kladderadatsch überhaupt erst.

Auch der Auftrag des Protagonisten in „Tenet“ gleicht Sisyphos‘ Strafaufgabe. Nur geht es nicht darum, einen Felsbrocken einen Berg hochzurollen, sondern den dritten Weltkrieg, der die ganze Welt und Menschheit zerstören würde, zu verhindern. Aber da die Zeit in „Tenet“ gleichzeitig vorwärts und rückwärts läuft und man eigentlich nie genau wissen kann, ob das, was man tut, nicht von irgendeinem zeitreisenden Störenfried wieder sabotiert wird, ob das überhaupt irgendetwas bringt oder komplett für die Tonne ist, ähnelt die stoische Entschlossenheit, mit der der Protagonist trotzdem sein Möglichstes tut, den Weltuntergang zu verhindern, Sisyphos‘ Hochrollen des Felsens auf den Berg, obwohl er weiß, dass der Brocken wieder herunterkullert, sobald er sein Ziel fast erreicht hat. Sowohl der Protagonist in „Tenet“ als auch Sisyphos haben ihren Auftrag übrigens von unsichtbaren, nicht anwesenden Autoritäten und Mächten erhalten, beide wissen nicht, warum sie das eigentlich tun sollen, machen’s aber halt trotzdem. Gut möglich, dass der Protagonist auch mit der Aufgabe, den Weltuntergang aufzuhalten, bestraft wird: Schließlich hat seine Generation es versäumt, die Erde vor der Verwüstung durch den Klimawandel zu bewahren.

Laut Albert Camus muss man sich Sisyphos aber als „einen glücklichen Menschen vorstellen“ („Il faut s’imaginer Sisyphe heureux“) und vielleicht gilt das auch für den Protagonisten am Ende von „Tenet“? Denn beide haben die Absurdität ihres Unterfangens erkannt, angenommen und tun trotzdem ihr Bestes, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Camus nennt dieses „Trotzdem sein Bestes geben“ angesichts der Absurdität des Lebens die Revolte gegen das Absurde. Das Absurde entsteht dadurch, dass der Mensch nach einer Erklärung oder einem Sinn im Leben sucht, er einen solchen objektiven Sinn aber gar nicht finden kann, weil es gar keinen universellen Sinn des Lebens und der Welt gibt. So wie „Tenet“ überhaupt keinen Sinn ergibt und trotzdem sitze ich jetzt hier und interpretiere trotzdem etwas hinein.

Das Einzige, was sicher ist, ist der Tod, schreibt Camus im „Mythos des Sisyphos“: „Was bleibt, ist ein Schicksal, bei dem nur das Ende fatal ist. Von dieser einzigartigen Endgültigkeit des Todes abgesehen, ist alles – Freude oder Glück – Freiheit. Es bleibt eine Welt übrig, bei der der Mensch alleine Herr ist.“ („Ce qui reste, c’est un destin dont seule l’issue est fatale. En dehors de cette unique fatalité de la mort, tout, joie ou bonheur, est liberté. Un monde demeure dont l’homme est le seul maître.“) Und das ist in „Tenet“ ja auch so. Erst, wenn ein Mensch wirklich tot ist, kann er die Zeit nicht mehr zurückdrehen, solange er nur fast tot ist, ist er noch zu retten. Wenn man das einsieht, akzeptiert und trotzdem weitermacht, so ist man wie Sisyphos bei Camus ein glücklicher Mensch, der gegen das Absurde revoltiert.


Und, ergibt meine Interpretation eurer Meinung nach Sinn? 😉 Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt.

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101. Stück: Ist Stephen Kings „The Institute“ eine Metapher für einen maroden Staat?

Seit meinem Masterabschluss vor acht Jahren lese ich nur noch zum Vergnügen – trotzdem liest die Literaturwissenschaftlerin in mir immer ein bisschen mit und manchmal fällt mir in den Büchern, die ich lese, etwas auf, das ich spannend finde. Zuletzt ist mir das bei „The Institute“ von Stephen King so ergangen.

+++ ACHTUNG! SPOILER! +++ ACHTUNG! SPOILER! +++ ACHTUNG! SPOILER! +++ ACHTUNG! SPOILER! +++

Während ich voller Spannung eine Seite nach der nächsten umdrehte und atemlos der Geschichte des hochbegabten Luke Ellis und seiner Freunde folgte, dachte ich: Dieses Institut ist eine Metapher für den maroden Zustand eines Staates, dem es vor Jahrzehnten zu gut ging und bei dem die Verantwortlichen es versäumt haben, mit der Zeit zu gehen. Die Technik ist veraltet, die Einrichtung marode, wird weder gewartet noch gepflegt, es fehlt an allen Ecken und Enden an Innovationen, es werden seit den 50er Jahren dieselben Verfahren angewandt, um dieselben Thesen zu beweisen.

Der Grund für die Existenz des Instituts wurde seit Anbeginn niemals hinterfragt, automatisch wird davon ausgegangen, dass das, was man 1950 für die Wahrheit hielt, was damals dem Stand der Wissenschaft entsprechen mochte, auch fast 70 Jahre später Gültigkeit hat. Und alle machen Dienst nach Vorschrift, ohne Fragen zu stellen. Dabei geht es vorgeblich um das größere Wohl, die Rettung der Welt, das Gleichgewicht der Kräfte, damit der dritte Weltkrieg – ein Atomkrieg, der die Erde zerstören würde – verhindert wird. Und dass dafür Kinder mit telepathischen und telekinetischen Fähigkeiten wie Nutzvieh missbraucht werden müssen, das sieht man als notwendiges Übel, als alternativlos an.

Das Personal des Instituts fällt letzten Endes seiner eigenen Arroganz zum Opfer. Der vermeintliche Erfolg der letzten Jahrzehnte, der mutmaßlich notwendige, dem „Guten“ dienende Vorwand, hat diese Menschen denkfaul gemacht. Sie spulen Tag für Tag dasselbe Programm ab und haben dabei auch ihre Menschlichkeit vergessen. Was bleibt, ist ein Haufen seelenloser Bürokraten, Sadisten, verrückter Wissenschaftler und bequemer Handlanger, die ihr eigenes Tun nicht hinterfragen.

Interessant fand ich auch, dass im Institut Automaten für alkoholische Getränke und Zigaretten stehen und es von den Verantwortlichen nicht nur geduldet, sondern unterschwellig gefördert wird, wenn einige der Kinder alkoholabhängig und/oder zu Kettenrauchern werden. Süchtige stellen keine unbequemen Fragen, mucken nicht auf und tun alles, um an Chips für die Automaten zu kommen – sind also besonders unkompliziertes und williges Nutzvieh. Praktisch.

Ich finde, „Das Institut“ ist eines von Stephen Kings grimmigsten, bittersten und düstersten Büchern. Der Autor macht kein Geheimnis daraus, was er vom aktuellen US-amerikanischen Präsidenten hält – nämlich überhaupt nichts. Auf Stephen Kings Twitter-Account lässt sich seine Haltung gut nachvollziehen, zum Beispiel bei diesem Tweet oder hier. Und die Literaturwissenschaftlerin in mir quietschte bei der Lektüre von „Das Institut“ vor Vergnügen, weil der marode Zustand des Instituts und die vor Arroganz strotzenden Angestellten und ihrer durch Mangel an Niederlagen und fehlenden Widerspruch, fehlenden Hindernissen hervorgerufenen Nachlässigkeit, Übersättigung und Faulheit so sehr an Donald Trumps Regierung erinnern und dem, was er aus den Vereinigten Staaten gemacht hat.

Die USA sehen sich gern in der Rolle der Weltpolizei, der Retter der Welt, die zu den „Guten“ gehören und die Geschicke der Welt so leiten, dass alles im Gleichgewicht bleibt – unter der Führung der USA, natürlich. Und das nur, weil sie bei den Weltkriegen in den letzten Jahren die Alliierten unterstützt und so zu ihrem Sieg beigetragen haben. Dass sie seitdem keinen einzigen Krieg mehr so wirklich für sich entscheiden konnten, scheinen sie nicht zu realisieren. Immer wieder halten sie an derselben Strategie fest, in andere Länder einzufallen und dort vermeintlich das „größere Wohl“ einbringen zu wollen. Das wird von den Verantwortlichen nicht hinterfragt, niemand setzt ihnen wirklich etwas entgegen – das haben sie schon immer so gemacht, also warum sollten sie etwas daran ändern? Außerdem: Sie sind das großartigste Land der Welt, sie haben die großartigste Demokratie und die großartigsten Werte und sie meinen es ja nur gut, wenn sie andere zu ihrem Glück zwingen. Und das ist auch die Haltung, die die Verantwortlichen im Institut verinnerlicht haben.


Und, habt ihr Stephen Kings „The Institute“ schon gelesen? Was haltet ihr von meiner Interpretation? Blödsinn? Oder ist da vielleicht etwas dran? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt. 🙂

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100. Stück: Ist Nathanael aus E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“ der Archetyp eines Verschwörungstheoretikers?

Als Mitte März die Lockdown-Maßnahmen zur Eindämmung der Covid19-Pandemie losgingen und noch alle ohne zu Murren mitgemacht haben, gab es eine große Solidarität, den Willen zusammenzuhalten und auch ein großes Vertrauen in die Wissenschaft. Meine Mutter und ich unterhielten uns damals am Telefon darüber, wie lange das wohl anhalten würde, ob nach der Krise, wenn sich alles wieder ein wenig beruhigt hätte, die Menschen vielleicht ein kleines bisschen von dieser Solidarität mitnehmen würden. Ich vermutete, dass viele Menschen wieder genau dieselben egozentrischen, eitlen, Logik und Wissenschaft verachtenden Dummtröten sein würden wie vorher – aber trotz Zynismus und einer gewissen mir innewohnenden Misanthropie hätte ich nie gedacht, dass das so schnell gehen würde und dass das schon so ausarten würde, wenn wir eigentlich noch mittendrin sind in der Pandemie.

Well, that escalated quickly …

Vor allem habe ich es wirklich nicht kommen sehen, dass so viele Menschen plötzlich Verschwörungstheoretikern mehr Glauben schenken als Wissenschaftlern, die sich schon seit Jahren mit der Erforschung von Coronaviren und Pandemien beschäftigen. Das finde ich erschreckend – und es fällt mir schwer, das zu verstehen. Was geht bloß in den Köpfen von den Menschen vor, die einem weinerlichen Schlagersänger oder einem größenwahnsinnig gewordenen, waffennärrischen Koch plötzlich mehr wissenschaftliche Expertise zutrauen als einem Virologen? Warum glauben sie den unlogischen Quatsch, der nur durch falsch interpretierte, verkürzte, verzerrte oder komplett frei erfundene „Fakten“ zusammenhält? Warum sehen sie keinen Widerspruch darin, wenn jemand im Brustton der Überzeugung gegen die „Mainstream-Medien“ wettert, gleichzeitig aber ebendiese „Mainstream-Medien“ als Quellen angibt? Warum macht es sie nicht stutzig, wenn da irgendein Typ sich selbst als Oberchecker inszeniert, dabei die ganze Zeit von sich redet und alle Register des Überwältigungspathos zieht?

Was ist bloß los mit diesen Menschen, die auf Demos ihre Meinung kundtun, dass sie ja gar nicht mehr ihre Meinung kundtun dürften? Die Angst vor einem „Impfzwang“ haben, obwohl es den entsprechenden Impfstoff noch nicht gibt? Die einen Computerfachmann und Milliardär zum absoluten Bösen erklären, der aus nicht ansatzweise logisch schlüssigen Gründen die Menschheit sowohl dezimieren als auch versklaven und kontrollieren will, nicht aber per Computer, wie es für einen Computerfachmann naheliegend wäre, sondern superkompliziert mit einem Chip, der unter die Haut gespritzt wird, während die Leute zwangsgeimpft werden mit dem Impfstoff, den es noch nicht gibt?

Alle bekloppt?

Klar, man kann sagen: Die sind eben bekloppt. Aber ich denke, so einfach ist es nicht – schließlich fallen auch vormals „normale“ Leute auf das Überwältigungstheater und Verschwörungsgeschwurbel herein. Also, was passiert da im Oberstübchen?

Bei einem meiner Waldspaziergänge, die ich mir seit Anfang des Lockdowns angewöhnt habe, sinnierte ich darüber nach, was mit diesen Menschen los sein könnte und fragte mich, warum sie so beratungsresistent, so von sich selbst überzeugt sind. Was sind das überhaupt für Typen, die auf den ganzen Schmu reinfallen?

Was mir aufgefallen ist, zumindest ist das mein Eindruck, ist eine aggressive, selbstverliebte, selbstgerechte, über jeden Zweifel erhabene Arroganz, mit der diese Leute jedes logische Argument, jede Nachfrage, jeden Einwand abschmettern. Gleichzeitig scheinen sie sich über die Schauermärchen der nur von ihnen und den anderen Erleuchteten aufgedeckten Verschwörungen zu identifizieren – also, wenn man ihre Geschichten kritisiert, dann fühlen sie sich tief in ihrer Person, in ihrem Selbstbild infrage gestellt – und reagieren entsprechend, als wolle man ihnen ihr Innerstes stehlen, und was bleibt ihnen dann noch?

Was hat das mit Hoffmanns „Der Sandmann“ zu tun?

Und dann (jetzt komme ich dann auch endlich mal zum Thema dieses Essays) dachte ich: Moment mal? Diese Verhaltensweise, diese Denkart, dieser Typus – das kenne ich doch irgendwoher? Und dann fiel es mir ein: „Der Sandmann“ von E. T. A. Hoffmann, Nathanael.

Nathanael ist fest davon überzeugt, dass sich alle gegen ihn verschworen haben, dass alle absichtlich leugnen, was er schon längst erkannt hat: Coppelius und Coppola sind ein- und dieselbe Person, das „böse Prinzip“, der Sandmann, der Nathanael die Augen ausreißen will und ihm nach dem Liebesglück mit Clara und nach dem Leben trachtet. Er steigert sich immer weiter in seinen Wahn und verfällt außerdem in eine Liebeswahn zur Holzpuppe Ophelia, die er für einen echten Menschen hält.

Seine Verlobte Clara versucht ihm klar zu machen, dass die Verschwörung nur in seiner Vorstellung existiert: „Gibt es eine dunkle Macht, die so recht feindlich und verräterisch einen Faden in unser Inneres legt, woran sie uns dann festpackt und fortzieht auf einem gefahrvollen verderblichen Wege, den wir sonst nicht betreten haben würden – gibt es eine solche Macht, so muß sie in uns sich wie wir selbst gestalten, ja unser Selbst werden; denn nur so glauben wir an sie und räumen ihr den Platz ein, dessen sie bedarf, um jenes geheime Werk zu vollbringen.“

Nathanael findet das ganz und gar nicht lustig und schreibt an Claras Bruder Lothar: „Sie hat mir einen sehr tiefsinnigen philosophischen Brief geschrieben, worin sie ausführlich beweiset, daß Coppelius und Coppola nur in meinem Innern existieren und Phantome meines Ichs sind, die augenblicklich zerstäuben, wenn ich sie als solche erkenne. In der Tat, man sollte gar nicht glauben, daß der Geist, der aus solch hellen holdlächelnden Kindesaugen oft wie ein lieblicher süßer Traum hervorleuchtet, so gar verständig, so magistermäßig distinguieren könne. Sie beruft sich auf Dich. Ihr habt über mich gesprochen. Du liesest ihr wohl logische Collegia, damit sie alles fein sichten und sondern lerne. – Laß das bleiben!“

Die Reaktion Nathanaels auf Claras logische, schlüssige und natürliche Erklärungen seiner Ängste ähnelt der Reaktion von Verschwörungsjüngern in sozialen Netzwerken, wenn man die Logik ihrer Behauptungen infragestellt: herablassend, ätzend-ironisch, unwirsch, uneinsichtig, pampig. Doch er beruhigt sich wieder und kehrt zwischendurch von seinen Wahnideen ab. Es ist aber nicht von Dauer und der Erzähler beschreibt:

„Recht hatte aber Nathanael doch, als er seinem Freunde Lothar schrieb, daß des widerwärtigen Wetterglashändlers Coppola Gestalt recht feindlich in sein Leben getreten sei. Alle fühlten das, da Nathanael gleich in den ersten Tagen in seinem ganzen Wesen durchaus verändert sich zeigte. Er versank in düstre Träumereien und trieb es bald so seltsam, wie man es niemals von ihm gewohnt gewesen. Alles, das ganze Leben war ihm Traum und Ahnung geworden; immer sprach er davon, wie jeder Mensch, sich frei wähnend, nur dunklen Mächten zum grausamen Spiel diene, vergeblich lehne man sich dagegen auf, demütig müsse man sich dem fügen, was das Schicksal verhängt habe. Er ging so weit, zu behaupten, daß es töricht sei, wenn man glaube, in Kunst und Wissenschaft nach selbsttätiger Willkür zu schaffen; denn die Begeisterung, in der man nur zu schaffen fähig sei, komme nicht aus dem eignen Innern, sondern sei das Einwirken irgendeines außer uns selbst liegenden höheren Prinzips.“

Nathanael als Verschwörungstheoretiker?

Und das beschreibt meines Erachtens auf den Punkt, wie mir die Verschwörungsschwurbler aktuell vorkommen, die den ganzen Mumpitz glauben und sich von Argumenten, Expertise oder auch nur simpler Logik nicht beirren lassen. Man sieht also, Xavier, Attila, Ken und Co. haben absolut nichts erfunden. Im „Sandmann“ von 1816 wurde das Phänomen der Verschwörungstheoretiker mit Nathanael als Archetyp treffend beschrieben, ebenso die irritierte, verwirrte und besorgte Reaktion der „Schlafschafe“, die den Schwurbelkram nicht glauben.

Ich habe damals an der Uni eine Hausarbeit über die Figurencharakterisierung im „Sandmann“ geschrieben und in meiner mündlichen Prüfung das Phänomen des Unheimlichen in E. T. A. Hoffmanns „Nachtstücken“ analysiert. Meiner These nach besteht das Unheimliche darin, wenn man nicht genau weiß, was in einer erzählten Welt tatsächlich der Fall ist, und was nicht. Wir erleben jetzt mit der Pandemie eine Phase des Unheimlichen, die uns wahrscheinlich noch eine ganze Weile begleiten wird (vermutlich, bis ein Impfstoff oder ein Medikament gegen Covid19 zugelassen wurde).

Die Wissenschaftler tun ihr Bestes und informieren laufend über den aktuellen Stand ihrer Forschung – da sie aber noch mittendrin sind und noch nichts wirklich 100 % sicher ist, wissen wir noch nicht so genau, was tatsächlich Fakt ist in Bezug auf das Virus und was nicht. Deswegen müssen wir besonders vorsichtig sein und die Verbreitung möglichst eindämmen – das ist das Einzige, was wir tun können, wo wir wissen, dass es hilft: Abstand halten und – wo das nicht möglich ist – Schutzmasken tragen. Nach Möglichkeit zu Hause bleiben. Das ist nicht viel und es ist nicht wirklich befriedigend, noch so wenig Gewissheiten zu haben – aber da müssen wir alle durch und noch eine Weile aushalten.

Nur ist diese Aushalten von Ungewissheit anscheinend nicht jedermanns Ding. Es muss doch für all das eine Erklärung geben? Einen Verantwortlichen? Einen Schuldigen? Wie kann das sein, dass ICH, der ICH sonst immer wusste, wo ich im Leben stehe, plötzlich nichts tun und nichts sagen kann, was zur Problemlösung beiträgt? Oder mir zumindest das Gefühl von Macht und Einfluss verleiht?

Es ist, meiner Meinung nach (man kann mir da auch gern widersprechen), dieses Gefühl der Ohnmacht, diese Angst vor Macht- und Potenzverlust (im Sinne von Handlungsfähigkeit), dieses Fehlen von Selbstwirksamkeit, die diese Menschen in eine Art Identitätskrise stürzt. Vielleicht spielt da auch enttäuschter Narzissmus eine Rolle, wie bei Nathanael.

Und wie Nathanael saugen diese Menschen dann Verschwörungstheorien wie ein Schwamm auf, weil diese plötzlich eine einfache Erklärung für die aktuelle, unheimliche Situation haben. Und das Beste ist: Man selbst ist nicht Schuld! Und man selbst sowie die Gleichgesinnten hat es geblickt, hat die große Verschwörung durchschaut, hat die perfiden Pläne des „bösen Prinzips“ in Gestalt von Bill Gates oder Denen-Da-Oben oder den Illuminati oder den Reptiloiden oder wem-auch-immer durchschaut. Und da ist es wieder, das Gefühl von Macht, das man verloren glaubte. Das fühlt sich wahrscheinlich ziemlich gut an.

Was meint ihr? Ergibt meine Einschätzung Sinn? Oder fange ich auch schon an, Geister zu sehen? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt.

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99. Stück: Erfundene Filmkritiken oder Filme, die im Kino laufen könnten

Da zur Zeit die Kinos geschlossen sind, habe ich mir auf meiner Facebook-Seite ein Spiel ausgedacht: „Kritiken zu Filmen, die jetzt im Kino laufen könnten“. Ähnlich wie bei meiner Improgeschichten-Blogparade vor ein paar Jahren kann man mir ein paar Stichworte nennen (z. B. einen Regisseur, Schauspieler, einen Gegenstand, Ort der Handlung und/oder eine Figur) und ich erfinde dazu einen Film und schreibe eine Filmkritik darüber.

Die ersten 10 Ergebnisse möchte ich euch nun auf meinem Blog präsentieren. Viel Spaß beim Lesen!

(Und wer Lust bekommt, mir auch ein paar Stichworte zu nennen, kann das gern hier in den Kommentaren oder weiterhin auf Facebook tun)

1. Eine Liebeskomödie von Michael Bay? Warum nicht

„Die Braut des Godzilla“ von Michael Bay ist eine schräge Mischung aus Actionkracher und Liebeskomödie. Ich hätte Michael Bay nie für einen Romantiker gehalten, aber ich muss sagen, die Geschichte von Bill (Dolph Lundgren) und Maggie (Scarlett Johansson) geht stellenweise doch ans Herz.

Aber einmal von vorn: In „Die Braut des Godzilla“ geht es um den in die Jahre gekommenen Actionfilmschauspieler Bill, der sich in Tokio niedergelassen hat, und dort eigentlich am liebsten seinen Ruhestand genießen würde. Doch dann braucht seine bezaubernde Nachbarin Maggie dringend seine Hilfe. Ihr Haustier, eine Echse namens Zilli, hat ihren Lieblingsring verschluckt – und das ist nicht irgendein Schmuckstück, sondern ein magischer Ring. Das zumindest hat ihr ihre Großmutter erzählt, die ihr den Ring einst vermachte.

Was genau so magisch an dem Ring war, wusste Maggie auch nicht. Bei ihr hat er nie irgendeine außergewöhnliche Wirkung gezeigt. Aber offenbar bedurfte es dafür des Kontaktes mit den Verdauungssäften einer Echse. Denn Zilli fängt seit dem Malheur plötzlich unkontrolliert an zu wachsen. Das klingt zwar hanebüchen, funktioniert aber prima, weil Lundgren und Johansson wunderbar miteinander harmonieren. Da stimmt einfach die Chemie.

Jedenfalls – Achtung! SPOILER! – wird aus Zilli der berühmt-berüchtigte Godzilla. Können Bill und Maggie ihn aufhalten, bevor er ganz Tokio dem Erdboden gleichmacht? Das müsst ihr euch dann schon selbst ansehen.

Fazit: Herrlich bekloppt und sehenswert, besonders für Fans trashiger B-Movies und schrägen Humors. 3,5/5 Sternen.

2. Wenn Steven Spielberg auf Harry Potter trifft, …

„Der Aufstieg Voldemorts“ von Steven Spielberg spielt, wie auch die Filmreihe „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ im Harry-Potter-Universum, und zwar in der Zeit vor den Ereignissen rund um den berühmten Zauberlehrling, aber nach den Abenteuern von Newt Scamander.

Die Geschichte dreht sich um Harry Potters Eltern James und Lily sowie Professor Snape (gespielt von niemand Geringerem als Leonardo DiCaprio – der übrigens mit langen schwarzen Haaren ziemlich cool aussieht).

Es sind beunruhigende Zeiten, denn ein mächtiger Magier namens Tom Riddle hat seine dunkle Seite entdeckt und findet immer mehr Anhänger, die sich nicht länger von den Muggeln sagen lassen wollen, was sie zu tun und zu lassen haben – schließlich seien sie die höher entwickelte Rasse.

James, Lily und Snape betrachten die Entwicklungen mit Sorge und formieren eine Widerstandsgruppe. Professor McGonagall – in ihrer jüngeren Version gespielt von einer glänzend aufgelegten Charlize Theron – schließt sich ihnen an und gemeinsam kämpfen sie für das Gute.

Ich bin ja sowieso ein Riesen-Harry-Potter-Fan, von daher bin ich bei den Geschichten aus dieser Welt ein wenig unkritisch. Aber hier ist das wirklich besonders gut gelungen: tolle Schauspieler, sympathische Figuren (es macht einfach Spaß, die jüngeren Versionen von Snape, McGonagall und Co. zu erleben) und natürlich niedliche Tierwesen (ein Niffler ist auch wieder mit von der Partie! ❤ ), ein traumhafter Soundtrack (John Williams!) … was will man mehr?

Fazit: Ein Muss für Harry-Potter-Fans! Nicht verpassen. 4,5/5 Sternen.

3. Ein Beatles-Musical mit Riesenratten von Woody Allen

Mit „All you need is love“ hat sich Woody Allen wieder einmal an ein Musical gewagt – und ist damit nach einer längeren Reihe eher mittelmäßiger, belangloser Filme endlich wieder zu Höchstform aufgelaufen. Und er ist auch wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und hat die Handlung von „All you need is love“ nach New York verlegt.

Die Story: Der neurotische und nur mäßig erfolgreiche Drehbuchautor George Mueller (Robert Pattinson) will mit seinem nächsten Projekt seinen großen Durchbruch schaffen! Dann könnte er auch endlich seiner großen Liebe und Langzeitfreundin Stella (Kristen Stewart) einen Heiratsantrag machen. Das ist wirklich mal überfällig. Außerdem hat er den Verdacht, dass sie ihren Kollegen Hank viel attraktiver findet als ihn. So wie sie immer von Hank erzählt: er habe immer so tolle Ideen und sei ja so lustig und wirklich furchtlos und wie überzeugend er bei den Präsentationen vor den Kunden immer auftritt blablabla … blöder Hank, George hasst den Scheißkerl.

Jedenfalls will er Stella beweisen, dass er mindestens genauso mutig und cool sein kann wie dieser bescheuerte Angeber, der sich idiotisch viel darauf einbildet, Bierflaschen mit den Zähnen öffnen zu können, das wird sich schon noch rächen irgendwann und George wird dann ganz bestimmt nicht Hanks Zahnarztrechnung bedauern, das hat der Typ dann nicht anders verdient und – ach, ist ja auch egal, wo waren wir stehengeblieben? Genau, Georges neues Drehbuch. Der Film wird ein Neo-Noir mit Horrorelementen und philosophisch-psychologischem Überbau, vielleicht auch spirituell-religiös angehaucht, da ist sich George noch nicht so sicher. Um Stella seinen Wagemut zu beweisen und um authentische Inspirationen für sein Werk zu sammeln, will er selbst vor Ort in der Kanalisation New Yorks recherchieren, die Atmosphäre auf sich wirken lassen.

Aber halt! In der Kanalisation gibt es doch Ratten? George hasst die Viecher! Und bei seinem Glück gibt es gerade an der Stelle, wo er recherchiert, diese mutierten Riesenratten, von denen er irgendwo im Internet gelesen hat, was natürlich keine seriöse Quelle ist, aber es klang logisch, schließlich landet ja allerhand Dreck in der Kanalisation – abgelaufene Medikamente, chemische Abfälle, … – und wenn die Ratten das fressen (und Ratten fressen ALLES), dann ist es absolut naheliegend, dass sie mutieren und riesengroß werden! Vielleicht sollte er Stella einfach nur erzählen, dass er das macht, bleibt aber eigentlich gemütlich zu Hause auf der Couch in Sicherheit und recherchiert weiter im Internet. Doch dann will Stella unbedingt mitkommen …

Ach herrje! Aber George fasst sich ein Herz und sieht auch keinen souveränen Weg, aus der Nummer wieder herauszukommen, und so begeben sich Stella und George gemeinsam in die Kanalisation von New York. Allerdings nimmt George vorsichtshalber eine Falle für Riesenratten mit, die er selbst aus einem Umzugskarton, Büroklammern und Klebeband gebastelt hat – die Anleitung hat er auf YouTube entdeckt und die soll richtig gut funktionieren, da kann Hank sich aber gleich ganz hinten anstellen, so nämlich!
Spoiler! In der Kanalisation sind keine Riesenratten und die normalgroßen Nager sind scheu und verstecken sich vor den Menschen (sie haben viel mehr Angst vor George als er vor ihnen). Was aber stimmt, ist, dass sich allerhand chemisches Zeug in der Kanalisation befindet. Tollpatsch George stolpert und fällt in die stinkige Plörre und als er wieder auftaucht, hat er eine Vision: Jesus erscheint ihm und er hat eine Botschaft: All you need is love – alles, was du brauchst, ist Liebe. Das stimmt, denkt George, und macht Stella noch in der Kanalisation einen Heiratsantrag und steckt ihr eine Getränkedosenlasche als Ring an, die gerade vorbeigeschwommen kam.

Das Ganze ist wieder mit pointierten Dialogen, die im Affentempo hin und her schießen, nach typischer Woody-Allen-Manier gewürzt. Und – es ist ein Musical. Allen hat hier Beatles-Songs in Swing-Versionen zwischen die Dialoge eingebaut, was wunderbar funktioniert und für einen fantastischen Soundtrack sorgt!

Robert Pattinson und Kristen Stewart, einst das Traumpaar der Teenieschmonzettenreihe „Twighlight“, zeigen hier, dass sie – obwohl im wahren Leben längst kein Paar mehr – nach wie vor toll miteinander harmonieren können. Aber sie sind auch beide erwachsen geworden und haben dazugelernt. Haben sie in Twighlight noch wirklich, wirklich schlecht gespielt, sind die beiden hier erstaunlich überzeugend, unterhaltsam und ausdrucksstark.

Fazit: Ein Muss für Woody-Allen-Fans, für Musical-Fans und für Beatles-Fans! Nicht verpassen. 4,5/5 Sternen

4. Ein bayrisches Urgestein auf Hallig Hooge? Das kann ja heiter werden

„Hallig Hooge Herzenslust“ von Rosa von Praunheim ist zwar ein Heimatfilm, aber einer, der das Genre ironisch bricht und neu definiert.

Der Ur-Bayer Ottfried Fischer spielt darin den pensionierten Lehrer Alois Obermayer, den die Liebe von seinem bayerischen Dorf nach Hallig Hooge verschlagen hat. Kerstin heißt seine Herzensdame, ist Polizistin und wird gespielt von Katja Riemann. Doch es gibt Knatsch. Kerstin findet, Alois lasse sich zu sehr gehen, seit er in Rente ist. Alois findet, Kerstin solle sich mal entspannen und das Leben genießen.

Die kleinen Querelen zwischen den beiden verlieren jedoch an Bedeutung, als Kerstins jüngere Schwester Alina (Sarah Connor) plötzlich auf der Türschwelle steht. Sie ist Umweltaktivistin und hat dem falschen Unternehmen ans Bein gepinkelt. Der Stromkonzern Lattenwall bremse systematisch den Ausbau erneuerbarer Energien auf Hallig Hooge aus, berichtet sie. Sie hatte sich dort als Sekretärin des Konzern-CEOs Adrian Hansen (Matthias Schweighöfer) eingeschlichen und hat dann auch noch herausgefunden, dass dieser mit korrupten Politikern gemeinsame Sache macht – ein ziemlich großes Ding also.

Alois, Kerstin und Alina überlegen sich einen Schlachtplan – denn natürlich sind die wenigen Beweisstücke, die Alina vor ihrer Flucht im Büro von Adrian Hansen noch schnell sammeln konnte, zu nichts zu gebrauchen, da sie vor Gericht keinen Bestand hätten.

Alina erzählt beiläufig, wie sehr sie sich zusammenreißen musste, um diesem arroganten Lackaffen von Hansen nicht jedes Mal eine zu zimmern, sobald er seine große Klappe aufriss. Alina regt sich darüber auf, dass Hansen, dieser peinliche Berufsjugendliche, dieser lächerliche Hipster-Schnösel, sich chinesische Schriftzeichen tätowieren lassen wollte, von denen er meinte, sie lauteten „Mut und Stärke“ – völliger Quatsch, so Alina, die 10 Semester Sinologie studiert hat, die Schriftzeichen bedeuteten nur „Wer das liest, ist doof“.

Da fällt Alois etwas ein! Einer seiner ehemaligen Schüler, mit dem er noch befreundet ist, hat zusammen mit seinem Lebensgefährten ein Tattoo-Studio in München eröffnet. Er könnte sich doch mit einem mobilen Tätowier-Set bei Hansen vorstellig werden, sein Vertrauen gewinnen und ihn zum Reden bringen. Kerstin könnte ihre Kollegen mit ins Boot holen, um den Tätowierer zu verkabeln und Hansens Geständnis aufzuzeichnen. Ein gewagter Plan … ob er wohl gelingen wird?

Das Ganze ist tatsächlich recht spannend und Gesellschaftskritik und Politik kommen auch nicht zu kurz. Damit „Hallig Hooge Herzenslust“ aber nicht zu ernst wird, hat Rosa von Praunheim noch das deutsche Comedy-Urgestein Fips Asmussen zu einem Cameo-Auftritt überreden können – und der hat sichtlich Spaß daran, Alois, Kerstin und Alina bei ihrem Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft zu unterstützen.

Fazit: Endlich mal ein Heimatfilm, der nicht einfach nur kitschig, spießig und trutschig ist. Kann man sich gut angucken (wenn man die eine oder andere Logiklücke freundlich ignoriert). 3,5/5 Sternen.

5. Wikipedia als Stichwortgeber für einen Filmplot

„Eine total verrückte Klassenreise in einem durchgeknallten Zug“ von Regie-Neuling Dr. Klein ist eine Hommage an die alten „Die Lümmel von der ersten Bank“-Filme und eine Parodie auf amerikanische Highschool-Komödien. Man merkt der Produktion allerdings ihr spärliches Budget an – mal im positiven, mal im negativen Sinn.

Positiv sind die teils sehr witzigen und kreativen Einfälle und skurrilen Gags, die Dr. Klein in seine völlig hanebüchene Handlung eingebaut hat. Negativ ist aber vor allem seine Entscheidung, nur Laiendarsteller mit keinerlei Filmerfahrung engagiert zu haben. Die Hauptdarstellerin Gabrielle Zwiehoff, die die Geschichtslehrerin Barbara Patzek spielt, zum Beispiel ist eigentlich Juristin und gibt sich auch sichtlich Mühe – aber Schauspiel ist einfach nicht wirklich ihre Stärke. Das ist ja nicht schlimm – man kann und muss nicht alles können und müssen -, aber es stört halt doch das Filmvergnügen.

Obendrein hielt Dr. Klein es für eine fantastische Idee, seinen Laiendarstellern kein festes Drehbuch vorzugeben, sondern sie den ganzen Unfug improvisieren zu lassen. Und so entbehrt die Story wirklich jeder Logik. Aus irgendeinem Grund startet die Klassenreise, um die es hier zumindest dem Titel nach gehen soll, in Österreich, um dann auf nicht ansatzweise plausiblen Wegen plötzlich in Schweden auf der Eisenbahnstrecke Godsstråket genom Bergslagen in einem Zug zu enden.

Fazit: Nee, also, das war nichts. Peinlich, dilettantisch, nicht gut gemacht – den Film kann man sich sparen. 1/5 Sternen.

6. Quentin Tarantino als Romantiker? Das kommt dann davon:

„High Tide, Motherf*ckers!“ von Quentin Tarantino ist eine durchgeknallte Liebeskomödie mit einem bestens aufgelegten Russel Crowe in der Hauptrolle als Kapitän Zack Beauford, der ein mildes Alkoholproblem hat und aufgrund eines „Vorfalls“ an der italienischen Küste, als er den Touristen zeigen wollte, wie nah er ans Ufer fahren kann, ohne dass etwas passiert (es ist doch etwas passiert. Upsi!), keine Kreuzfahrtschiffe mehr befehligen darf. Er fühlt sich ungerecht behandelt und tut nun einfach auf seiner Yacht so, als wäre er immernoch Kapitän und alles wäre in bester Ordnung.

So könnte es auch ersteinmal weitergehen, würde Captain Beauford nicht auf hoher See, unterwegs auf seiner Yacht, einem Floß mit Schiffsbrüchigen begegnen und sie in einem Anfall von Nächstenliebe, der eigentlich sehr untypisch für ihn ist, auf seine Yacht holen.

Wir erfahren nun in Rückblenden und Episoden, wie die einzelnen Schiffbrüchigen auf das Floß gelangt sind, und dass es keineswegs Zufall ist, dass sie dann Captain Beauford und seiner Yacht begegnen – denn jeder von ihnen hat mit dem Kerl noch ein Hühnchen zu rupfen. Ganz besonders die mysteriöse Madame Yellow verfolgt ihre eigenen Pläne … und sie dürstet nach Rache. Die dann auch in gewohnter Tarantino-Manier äußerst blutig eskaliert. Eine Eismaschine spielt dabei eine ziemlich makabre Rolle – aber mehr verrate ich an dieser Stelle lieber nicht.

Aber halt! Soll der Film nicht eine Liebeskomödie sein? Das ist er auch tatsächlich. Denn unter den Schiffbrüchigen und Captain Beauford entspinnt sich ein turbulentes Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen nach bester Boulevard-Theater-Tradition … man darf also gespannt sein.

Fazit: Ein Riesenspaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte! 4,5/5 Sternen.

7. Wenn Caroline Link einen Film Noir mit Christoph Waltz drehen würde

Mit „Nachts sind alle Katzen grau“ begibt sich Caroline Link in ein für sie unbekanntes Genre: den Film Noir – und es funktioniert hervorragend.

In diesem kammerspielartigen Krimi schlüpft Christoph Waltz in die Rolle des abgeklärten, zu Depressionen neigenden Privatdetektivs Samuel „Sam“ Wallis – und zeigt damit, dass er noch mehr Facetten spielen kann als den durchgeknallten Oberbösewicht mit guten Manieren. Sein Sam hat es mit den guten Manieren jedenfalls nicht so – viel zu ineffizient, wenn es darum geht, Leute zum Reden zu bringen, ist seine Erfahrung. Und durchgeknallt ist er auch nicht – er hat nur ein leichtes Problem mit seiner Selbstbeherrschung (behauptet seine Ex-Frau Monika, die alte Spinatwachtel).

Eines Tages kommt die mysteriöse Femme fatale Sonja Solace in sein Büro – gespielt von Sibel Kekilli – und braucht seine Hilfe. Ihr Mann ist verschwunden und sie hat Angst, ihm könne etwas zugestoßen sein. Er habe wohl neben seinem eigentlichen Beruf als Filialleiter eines Supermarkts nicht ganz lupenreine Wetten im Internet betrieben und könnte möglicherweise den falschen Leuten dabei auf den Schlips getreten sein.

Sam und Sonja fangen an, im Supermarkt zu ermitteln. Dabei kommen sie sich allmählich näher … huiuiui, gefährlich! Vor allem in Anbetracht dessen, dass Sonjas Ehemann ihr einiges verschwiegen hat, was seine Internetwettgeschichten angeht – unter anderem, wie viele Schulden er hatte und bei wem.

Als Sonja und Sam eines Tages zurück in Sams Büro wollen, liegt ein Geschenk vor der Tür – hübsch verpackt, mit Geschenkband, Schleife, Firlefanz. Für eine Bombe ist es zu leicht, ticken tut das Päckchen auch nicht … die beiden beschließen, es zu öffnen. Sonja wird beim Anblick des Inhalts kreidebleich: ein blutiger Schraubenschlüssel und daneben eine einzige, dreckige Socke!

Wer hat die Botschaft geschickt und vor allem: Was bedeutet sie? Ist Sonja wirklich so unschuldig, wie sie tut? Was hat ihr Mann wirklich für Geschäfte gemacht? Fragen über Fragen, die Sam in einen Strudel der Emotionen werfen – ihn aber endlich wieder aus seiner Lethargie reißen. Doch sein Eifer wird nicht ohne Folgen bleiben …

Fazit: Ein spannender Krimi, düstere Atmosphäre und gute Schauspieler – lohnt sich! 4/5 Sternen.

8. Ein Horrorfilm im Zoo von Fatih Akin

„Blutdurst“ von Fatih Akin ist ein verstörender Horrorfilm mit einem furchteinflößenden Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle des Zoodirektors Jochen Begenhack, der in seiner Freizeit einem ziemlich eigentümlichen Hobby frönt: dem Züchten neuer Tierarten.

Gedreht hat Akin wieder einmal in seiner geliebten Heimatstadt Hamburg, dieses Mal ist der Tierpark Hagenbeck Ort des Geschehens. Die Handlung bleibt auch die ganze Zeit im Zoo beziehungsweise im Tropenaquarium. Obwohl der Tierpark recht weitläufig ist, schafft es Akin, eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen und das ständige Gefühl der Bedrohung durch die Atmosphäre wabern zu lassen.

Dabei kann er sich voll und ganz auf Moritz Bleibtreu verlassen, der die schleichend immer stärker werdende Paranoia und Wahnvorstellungen des Zoodirektors mit beängstigender Intensität spielt.

Ihm entgegen stehen drei Frauen: Die Reporterin Marina Andresen (Andrea Sawatzki), die Tierpflegerin Anna Peters (Cosma-Shiva Hagen) und die Unternehmensberaterin Inga von Hove (Helene Fischer). Alle drei befinden sich aus verschiedenen Gründen nach Feierabend noch im Zoo. Marina Andresen hat von der Freizeitbeschäftigung des Zoodirektors Wind bekommen und wittert eine Riesenstory. Anna Peters ist ihre Informantin – sie arbeitet im Aquarium bei den Krokodilen und hat den Zoodirektor auffallend oft dort herumstreifen sehen. Inga von Hove hingegen wurde vom Bruder des Zoodirektors (mit dem dieser in eine üble Familienfehde verwickelt ist) beauftragt, mal heimlich Nachforschungen anzustellen, ob der Direktor nicht vielleicht Gelder veruntreut oder anderen Schindluder betreibt, mit dem man ihn aus dem Geschäft drängen könnte – fies.

Nach und nach finden sich unsere vier Protagonisten im Aquarium wieder. Dort entdecken sie das geheime Zuchtlabor des Zoodirektors – und seine neueste Kreation, eine Kreuzung zwischen Hai, Krokodil und Piranha … und sie ist sehr, sehr hungrig.

Fazit: Ein gelungener Horrorfilm, bei dem sich der Grusel und die Spannung vor allem auf psychologischer Ebene abspielen – die blutrünstige Kreatur sieht man erst ganz zum Schluss und auch da wird sie nur angedeutet. Die Fantasie erledigt den Rest. Lohnt sich! 4/5 Sternen

9. Noch mal Michael Bay, aber dieses Mal im Weltall

„Das Raumschiff aus der Hölle“ von Michael Bay ist ein actiongeladener Science-Fiction-Quatsch, dessen Story zwar völlig an den Haaren herbeigezogen ist, der aber trotzdem einen Heidenspaß macht.

Im Mittelpunkt der Handlung (oder das, was man als Vorwand für allerhand Prügeleien, Explosionen und Schießereien genommen hat) steht das Raumschiff Apokalyptika. Die ganze Geschichte spielt in einer alternativen Gegenwart, in der der Kalte Krieg nie ein Ende fand und die Amerikaner und Russen zu immer größenwahnsinnigeren Waffenexperimenten verleitet hat. Aktueller Höhepunkt: die Apokalyptika – eine über und über mit Waffen und Abwehrsystemen versehene Festung im Weltall, die in der Umlaufbahn der Erde patrouilliert und darauf wartet, dass die Russen sich endlich mal blicken lassen oder wenigstens ein paar angriffslustige Aliens, damit man die ganzen schönen Waffen auch mal benutzen kann. Aber nichts dergleichen passiert, die Apokalyptika und ihre Mannschaft sind allein im Weltraum.

Die Hauptrolle spielt niemand Geringeres als William Shatner. Er ist der gealterte Admiral John D. Burke – zynisch, resigniert, amtsmüde. Ihm zur Seite steht Colonel James McBain (Bruce Willis), dem allerdings die zunehmende Isolation auf dem Raumschiff ganz und gar nicht gut tut. Er trinkt zu viel, schluckt alle möglichen Medikamente, die er kriegen kann und fängt an, überall Gespenster zu sehen.

Die Situation eskaliert, als sich der Arzt des Raumschiffs, Jack Rambola (Sylvester Stallone), anfängt darüber zu wundern, warum die Medikamentenvorräte so schnell zur Neige gehen, und Nachforschungen anstellt. Er kommt McBain auf die Schliche und will ihn zur Rede stellen. Dieser sieht allerdings in dem Arzt eine riesenhafte Monsterversion von Spongebob und halluziniert, dass dieser ihm seine Gummibärchentüte stehlen will! Das lässt sich McBain nicht gefallen. Es kommt zum Gerangel, dann zieht Dr. Rambola plötzlich eine Waffe und will eigentlich einen Warnschuss abgeben – trifft dabei aber versehentlich Admiral Burke. Zum Glück ist es aber nur ein Streifschuss. Burke überlebt und entdeckt seine Lebensgeister neu – leider ist das für die anderen beiden Männer nicht von Vorteil, denn Burke ist auf Rache aus und er hat jede Menge bis dato ungenutzte Waffen zu seiner Verfügung …

Fazit: Perfekt für einen langweiligen Sonntag – Kopf aus, Film ab. 3,5/5 Sternen.

10. Ein Stummfilm mit Eddie Murphy? Herausforderung angenommen!

„The Master of Guns“ von den Wachowski-Geschwistern ist ein gewagtes filmisches Experiment: ein Stummfilm-Western mit Eddie Murphy in der Hauptrolle als Neelo Anderson, einem gestrauchelten Revolverhelden auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Den hofft er zu finden, indem er sich am Rande des kleinen Städtchens Riotcreek mit einem Freibad niederlässt.

Zunächst geht auch alles gut. Das Geschäft läuft nicht schlecht, er kann weitere Mitarbeiter einstellen. Die hübsche und toughe Anjelica (Margot Robbie) stellt sich bei ihm vor und will als Eisverkäuferin im Freibad arbeiten. Was sie Neelo verheimlicht: Sie ist vor ihrem gewalttätigen Ehemann, dem Sheriff des Nachbarorts Cliff Buchanan, geflohen, nachdem sie ihn dabei beobachtet hat, wie er heimlich Geschäfte mit dem Outlaw Butch „Mad Dog“ DeLorean macht.

Die Monate gehen ins Land und es wird Winter. Neelo will das Freibad für die Saison schließen, da kreuzen plötzlich Sheriff Buchanan und „Mad Dog“ DeLorean bei ihm auf – sie haben spitzgekriegt, wo Anjelica sich versteckt hält. Neelo muss sein Talent als Revolverheld erneut mobilisieren – aber wird es ihm gelingen oder ist er aus der Übung gekommen? Und was hat Anjelica vor, als sie den Sheriff und den Outlaw auf eine Tasse Tee in den Eisladen einlädt? Was ist in dem Teebeutel drin, den sie für die Zubereitung verwendet? Und was ist nun eigentlich der Sinn des Lebens?

Dass das alles als Stummfilm so hervorragend funktioniert und Eddie Murphy, der als Dampfplauderer berühmt und beliebt wurde, sich auch ohne gesprochene Worte überzeugend ausdrücken kann, hätte ich nicht gedacht. Und auch der tiefgründig-philosophische Überbau, mit dem die Wachowskis gern mal ihre Filme zermurksen (Stichwort: Jupiter Ascending), hält sich hier angenehm dezent im Hintergrund.

Fazit: Sehenswertes und gelungenes Experiment! Lohnt sich! 4,5/5 Sternen.


Das war es erst einmal. Ich hoffe, meine ausgedachten Filmplots haben euch gefallen. Ihr wollt mehr davon? Dann schreibt mir eure Stichworte in die Kommentare.

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98. Stück: Die besten und schlechtesten Filme der 2010er Jahre

In Anbetracht dessen, dass wir seit ein paar Tagen ein neues Jahrzehnt beschritten haben, halte ich es für angebracht, einen Kinorückblick auf das vergangene Jahrzehnt zu werfen.

Die Auswahl ist rein subjektiv und manchmal sind mehrere Filme aus einem Jahr dabei und aus einem anderen Jahr dafür keiner – manchmal sind die Kinojahre ja recht mittelmäßig, manchmal herausragend schlecht und manchmal herausragend gut.

Ich habe erst 2015 angefangen, meine Kinojahresrückblicke auf meinem Blog zu veröffentlichen. Für die Filme aus der zweiten Hälfte der 2010er Jahre habe ich daher die Kritik nur angerissen und dann den jeweiligen Kinojahresrückblick verlinkt. Für die Filme aus der ersten Hälfte der 2010er Jahre habe ich eine kleine Begründung formuliert, weswegen sie es auf meine Liste geschafft haben.

Die besten Filme von 2010 bis 2019

10. „Die Beste aller Welten“

„Die Beste aller Welten“ von Adrian Goiginger ist eine wunderbar leicht erzählte, tief berührende Mutter-Sohn-Geschichte. Gesehen habe ich den Film auf der Berlinale im Jahr 2017, zusammen mit einer Freundin, und wir waren richtig glücklich, dass wir nicht nur überhaupt noch Karten für eine Vorstellung ergattert hatten, sondern auch und vor allem, weil wir dabei so ein tolles Filmjuwel erwischt haben.

Der Film war auch der Favorit meines Kinojahresrückblicks von 2017 – dort könnt ihr auch die vollständige Kritik lesen.

9. „10 Cloverfield Lane“

„10 Cloverfield Lane“ von Dan Trachtenberg ist ein großartiges Kammerspiel und spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es ist allerdings möglicherweise für die Zuschauererwartung etwas ungeschickt, den Titel so nah an den Found-Footage-Film „Cloverfield“ anzulehnen. Viele erwarten daraufhin eine Fortsetzung, ein Spin-off oder ein Prequel – tatsächlich aber haben beide Filme kaum etwas miteinander zu tun. Ich fand’s gut, weil ich nicht so ein ‚creature feature‘-Katastrophenfilm-Fan bin, aber psychologisch feinsinnige Charakterzeichnung, tolle Schauspieler und intelligentes Storytelling liebe.

„10 Cloverfield Lane“ war der Favorit meines Kinojahresrückblicks von 2016 – dort gibt’s die vollständige Kritik zu lesen.

8. „Snowpiercer“

„Snowpiercer“ von Bong Joon-ho aus dem Jahr 2013 hat mich aus mehreren Gründen fasziniert und gefesselt. Da wäre einerseits das klaustrophobische Setting in einem Zug, der ohne anzuhalten durch eine vereiste Landschaft fährt. Dann ist die Prämisse des Films einfach, aber genial: In den hinteren Waggons sitzen die Armen, in den vorderen Waggons die Reichen – und dann gibt es eine Revolution, als einige der hinteren Waggon-Bewohner versuchen, sich nach vorne durchzukämpfen. Das klingt simpel, entfacht aber eine atemberaubende Spannung.

7. „The Artist“

„The Artist“ von Michel Hazanavicius aus dem Jahr 2011 ist ein moderner Stummfilm, der mich mit seiner Ästhetik, seiner liebenswerten Story und dem stimmigen Gesamteindruck überzeugt hat. Ein Film, der eine Hommage an den Stummfilm darstellt, und trotzdem als originelles, eigenständiges Werk hervorsticht.

6. „Joker“

„Joker“ von Todd Phillips ist ein erschütterndes Porträt einer tragischen Existenz, der nach und nach alles entgleitet. Die ganze Kritik gibt es in meinem Kinojahresrückblick von 2019.

5. „Rocketman“

„Rocketman“ von Dexter Fletcher hat mich einfach umgehauen. Der Film ist von 2019 und die vollständige Kritik könnt ihr in meinem neuesten Kinojahresrückblick lesen.

4. „Shutter Island“

„Shutter Island“ von Martin Scorsese aus dem Jahr 2010 dürfte wohl auf so mancher Bestenliste des vergangenen Jahrzehnts einen Platz gefunden haben. Dieser Psychothriller ist spannend, hintergründig, wendungsreich und wahnsinnig gut gespielt. Kurz: ein Meisterwerk.

3. „Whiplash“

Whiplash“ von Damien Chazelle ist ein pulsierender Musikfilm, ein fesselndes Drama und richtig großes Kino. Hier stimmt einfach alles: Der Rhythmus des Schlagzeugs geht so ins Blut, durch Mark und Bein, dass einen die Musik auch ohne große Jazzkenntnisse mitreißt. Die beiden Hauptfiguren, der junge, talentierte Schlagzeuger Andrew und sein Lehrer Terrence Fletcher, sind so facettenreich gestaltet, dass sie einem trotz ihrer unsympathischen Wesenszüge ans Herz wachsen, man mit ihnen fühlt und um sie bangt. Wie die zwei ihr psychologisches Duell ausfechten, ist von nervenzerfetzender Spannung.

„Whiplash“ war mein Zweitlieblingsfilm aus dem Kinojahr 2015.

2. „Inception“

Wie? Was? „Inception“ von Christopher Nolan aus dem Jahr 2010 nur auf dem zweiten Platz? Ja, tatsächlich – das liegt daran, dass der Film, so genial er auch ist, ein wenig an Schlagkraft verliert, je öfter man ihn sieht. Ich habe ihn im Studium für ein Referat gründlich hin und her analysiert und der Film hat mich schließlich auch auf mein Thema „Mentale Metadiegesen im zeitgenössischen Film“ meiner Masterarbeit gebracht. Aber anders als zum Beispiel „Fight Club“ wird „Inception“ leider beim wiederholten Gucken etwas schwächer. Trotzdem ist er nach wie vor ein herausragend guter Film!

1. „Ex Machina“

Bei „Ex Machina“ von Alex Garland merkt man, dass da ein Drehbuch- und Romanautor am Werk war. Die Geschichte erzählt sich fast von selbst, so hervorragend sind die Figuren in diesem klaustrophobischen Kammerspiel konzipiert (Hurra, eine Alliteration). Der Schauplatz, ein teils unterirdischer Bunker mitten im dichten Wald eines Tals im Gebirge, kann nur mit Hubschrauber erreicht werden. Die vier Figuren, die in dem Haus mehr oder weniger eingesperrt und von der Außenwelt isoliert sind, werden aufeinander losgelassen und was dann passiert ist von unheimlicher Eindringlichkeit.

„Ex Machina“ steht noch vor „Whiplash“ auf meiner Liste der besten Filme von 2015.

Die schlechtesten Filme von 2010 bis 2019

10. „Source Code“

„Source Code“ von Duncan Jones aus dem Jahr 2011 hat eigentlich eine spannende Story, die Mindgame-Elemente, Zeitreisen und Zeitschleifen enthält, und ist top besetzt. Trotzdem war der Film eine Riesenenttäuschung und driftet zu sehr ins Sentimentale ab. Man hätte so viel aus diesem Film machen können und hat das Potenzial nicht genutzt. Grund genug, auf dem zehnten Platz meiner Flops-des-Jahrzehnts-Liste zu landen.

9. „Johnny English 3“

„Johnny English – Man lebt nur dreimal“ von David Kerr ist eine lahmarschige, trutschige Agentenparodie mit einem gealterten Mr. Bean, bei der ich diverse Male eingenickt bin. Dieses unsägliche Machwerk hat es dann auch auf meine Flop-Liste 2018 auf den ersten Platz geschafft – dort könnt ihr auch die vollständige Kritik lesen.

8. „Der Dunkle Turm“

„Der Dunkle Turm“ von Nikolaj Arcel hat mich sehr enttäuscht. Eigentlich dachte ich, meine Erwartungen nicht sonderlich hochgeschraubt zu haben, da die Kritiken mau waren und es hieß, es wäre ein Best-of-Potpourri aus allen 8 Bänden der Fantasy-Buchreihe von Stephen King, keine werkgetreue Umsetzung.

Inzwischen habe ich alle acht Bände gelesen und finde den Film rückblickend sogar noch schlechter als 2017, wo er es nur auf Platz 6 der schlimmsten Flops geschafft hat.

7. „Eclipse – Biss zum Abendrot“

„Eclipse – Biss zum Abendrot“ von David Slade aus dem Jahr 2010 ist wie seine beiden Vorgänger einfach sehr schlecht gemacht. Und während die vollkommen idiotische Geschichte um Bella, Vampir Edward und Werwolf Jake in den Büchern noch so spannend geschrieben war, dass man mit den Figuren mitgefiebert hat, obwohl Bella eine dumme Pute ist, die die Errungenschaften weiblicher Emanzipation zugunsten teenagerüblichen Hormongeschwurbels mit Füßen tritt und Edward ein strunzlangweiliger Schnösel ohne Sinn für Humor ist, ist der Film wirklich doof. Hinzu kommt das erbärmlich schlechte Make-up und das nicht eben virtuose Spiel der Akteure.

6. „Ben Hur“

„Ben Hur“ von Timur Bekmambetov ist tatsächlich ziemlich schlecht. Nicht ganz so schlimm wie der Film, der es auf Platz 1 meiner Flops des Jahrzehnts geschafft hat – es gibt immerhin ein paar spannende Szenen und das Wagenrennen ist zugegebenermaßen sehr gelungen -, aber dennoch nicht gut gemacht. Warum ich das so sehe? Das lest ihr in meiner Flop-2016-Liste.

5. „Transcendence“

„Transcendence“ von Wally Pfister aus dem Jahr 2014 hat es insbesondere Hauptdarsteller Johnny Depp zu verdanken, auf Platz 5 dieser Liste gelandet zu sein. Dieser einst so geniale, außergewöhnliche Schauspieler agiert mit einer Lustlosigkeit und Langeweile, dass es den ganzen Film herunterzieht. Die Grundidee ist dabei spannend – das Bewusstsein eines Menschen wird vor seinem Tod in einen Computer hochgeladen -, aber was daraus gemacht wurde, ist einfach nur Murks.

4. „Glass“

„Glass“ von M. Night Shyamalan war langweilig und sogar noch schlimmer als der Vorgänger „Split“. Ich bin zwischendurch immer wieder eingeschlafen, ohne irgendwelche wesentlichen Informationen verpasst zu haben. Was ich sonst noch von dem Film halte, könnt ihr auf meiner Flop-2019-Liste nachlesen, wo er sich den zweiten Platz verdient hat.

3. „Benjamin Blümchen“

„Benjamin Blümchen“ von Tim Trachte ist so lieblos und handwerklich schlecht dahingerotzt, dass vom Charme des Hörspiels, dem ich als Kind so gern gelauscht habe, nichts übrig geblieben ist. Daher führt er auch völlig zu Recht meine Flop-2019-Liste an und hat es hier auf Platz 3 geschafft.

2. „Alien: Covenant“

„Alien: Covenant“ von Ridley Scott fand ich nicht nur total doof, er war auch schlecht gemacht. Deswegen hat er es auch an die Spitze meiner Flop-2017-Liste geschafft, wo ihr die vollständige Kritik lesen könnt.

1. „Jupiter Ascending“

„Jupiter Ascending“ von den Wachowski-Geschwistern ist ein ganz heißer Kandidat für die Goldene Himbeere – und zwar in sämtlichen Kategorien. Normalerweise würde ich ja diplomatisch sagen, dass ich ihn schlecht fand. Dieses Mal würde ich mich aber glatt dazu hinreißen lassen zu urteilen: Der ist einfach schlecht.

Und dieser Meinung bin ich immer noch. „Jupiter Ascending“ ist aus dem Jahr 2015 und seit ich meine Kinojahresrückblicke schreibe, ist mir noch kein schlechterer Film untergekommen.


Und? Was waren eure Lieblingsfilme aus dem vergangenen Jahrzehnt? Welche Filme fandet ihr richtig doof? Was haltet ihr von meiner Auswahl? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt 🙂

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97. Stück: Kinojahresrückblick 2019 – die niederschmetterndsten Enttäuschungen

Auch 2019 gab es wieder Filme, die so grottenschlecht waren, dass sie sich einen Platz auf meiner Flop-Liste verdient haben. Die da wären:

10. „Hellboy – Call of Darkness“

„Hellboy – Call of Darkness“ von Neil Marshall haben mein Kumpel und ich nach etwa der Hälfte des Films verlassen, weil er einfach langweilig war. Der sprang unmotiviert von einem Ort zum nächsten, irgendwelche Leute tauchten auf und wurden dahingemetzelt, es ging irgendwie um Hexen, Vampire, Wahrsager, Leute, die mit Toten reden können, Nazis, Leuten, die nicht altern, das ultimative Böse und Dämonen. Die Dialoge waren überwiegend flach, nur wenige Gags waren immerhin so amüsant, dass sie mir ein kurzes „Höhö“ entlockten, ansonsten waren da auch einige Fehlzünder dabei.

Das Ganze hatte keinen wirklichen roten Faden, wirkte zerfahren, inkonsequent, unentschlossen und man hatte den Eindruck, die wissen alle selber gar nicht, was sie eigentlich für eine Geschichte erzählen wollen. Die Figuren waren obendrein so flach und oberflächlich konzipiert, dass man überhaupt nicht mit ihnen mitfühlen konnte. Das war alles total egal, was passiert ist.

Natürlich muss man meine Kritik mit Vorbehalt lesen, da ich nicht beurteilen kann, ob der Film in der zweiten Hälfte womöglich doch noch aus dem Quark gekommen ist, die angerissenen Handlungsfetzen irgendwann doch noch zu einer Einheit zusammengeflossen sind und einem die Figuren vielleicht doch noch ans Herz wachsen. Aber ich denke, wenn das in der ersten Stunde schon nicht passiert ist, wäre das schon sehr unwahrscheinlich, wenn da noch was kommt.

Fazit: Völlig belangloser Film. Noch nicht einmal so schlecht, dass man sich darüber aufregen und einen saftigen Verriss schreiben könnte. Und auch nicht auf eine Weise schlecht, dass man es als unfreiwillige Komik werten und trotz mieser Qualität seinen Spaß haben könnte. Sondern einfach nur egal. Kann man sich sparen.

9. „Ad Astra – Zu den Sternen“

„Ad Astra“ von James Gray habe ich größtenteils verschlafen, weil er sich im quälend langsamen Erzähltempo dahinschleppt, zäh und mühsam und anstrengend. Brad Pitt spielt toll und in den Momenten, in denen ich kurz aus meinem Schlummer aufgetaucht bin, konnte ich erkennen, dass der Film visuell stark geworden ist. Möglicherweise gibt’s auch irgendeine Botschaft dahinter, die ich aber buchstäblich verpennt habe.

Aber im Wesentlichen zieht der Film einen einfach nur fürchterlich herunter. Die Hauptfigur ist so emotional verkorkst und abgestumpft, lebensmüde und weiß gar nicht, was sie will, laboriert da an ihrem Vaterkomplex herum und mäandert ohne konkreten Plan fatalistisch ihrem Schicksal entgegen … Puh. Als Psychogramm eines depressiven Astronauten ist das ja sehr treffend, aber wenn die Filmhandlung quasi nur daraus besteht, ist es schwierig, Spannung aufzubauen.

Fazit: Och nö, den muss man nicht gucken. Dann lieber „Interstellar“ noch mal anschauen und dort das Ende ignorieren.

8. „Willkommen in Marwen“

„Willkommen in Marwen“ von Robert Zemeckis ist leider ziemlich lahm geraten. Die Animationen der Puppenszenen sind zwar einwandfrei und das Ganze ist auch gut gespielt – vor allem von Steve Carell als Mark Hogancamp -, aber irgendwie kommt der Film einfach nicht aus dem Quark.

Mir scheint, es wurde sich zu sehr darauf verlassen, dass es sich hierbei um eine wahre Geschichte handelt und dass die von alleine schon dramatisch genug ist – ohne, dass man da noch dramaturgisch etwas tun müsste. Dem ist aber leider nicht so. Ob eine Geschichte nun einen wahren Hintergrund hat oder komplett frei erfunden ist: die Erzählmechanismen, um Spannung aufzubauen, eine Handlungskurve zu kreieren und Empathie für die Figuren zu wecken, sind dieselben. Und die haben hier gefehlt.

Das Ergebnis: Der Film ist sehr zäh und langatmig erzählt, die Hauptfigur berührt trotz ihres schweren Schicksals nicht, die Frauen bleiben oberflächlich charakterisiert und beinahe wirken die Puppen lebendiger und facettenreicher als die lebenden Vorbilder in der realen Welt. Die einzigen Momente, wo man mal ein wenig mit den Figuren mitfühlt, sind die, wo Mark Hogancamp versucht, seiner Nachbarin näher zu kommen und man ihr ansieht, dass sie ihn nicht verletzen will und ihn gern hat, aber nun mal eben kein romatisches Interesse an ihm hegt und sich Vorwürfe macht, zu nett zu ihm gewesen zu sein und ihm falsche Hoffnungen gemacht zu haben.

Ansonsten wird hier sehr viel Potenzial verschenkt. Jegliche Ansätze, die die Geschichte spannend machen könnten, wie das Auftauchen von Nicols Ex-Freund, laufen einfach ins Leere. Möglichkeiten, Gesellschaftskritik zu üben und die Folgen männlichen Sexismus (aka toxischer Männlichkeit) aufzuzeigen, werden ignoriert. Und dann fand ich auch, dass der ganze Film so einen positiven Sexismus gegenüber Frauen ausströmte, den ich persönlich als ziemlich penetrant empfand. Da war nicht immer ganz einfach zu trennen, ob das die Hauptfigur betrifft, oder ob das die Aussage des Films ist, wie sanftmütig, mitfühlend und zart und liebreizend wir Frauen doch alle sind. Das fand ich leicht gönnerhaft. Aber ich bin da auch ziemlich schnell genervt von sowas …

Im Prinzip passiert in dem Film nicht viel. Die Fantasiewelt mit den Puppen ist schon recht dramatisch, manchmal aber auch etwas dick aufgetragen. Und die Verbindung zwischen Hogancamps Ängsten und der Fantasiewelt wurde auch deutlich – das war schon gut gemacht. Aber der Film an sich, in seiner Gesamtheit, war langweilig. Und das hätte nicht sein müssen.

Fazit: Muss man nicht sehen. Schade.

7. „Es – Kapitel 2“

„Es 2“ von Andy Muschietti war nicht sehr gut. Was mich an Teil 1 bereits gestört hatte – die nicht wirklich gruseligen Schockmomente, die unglaubwürdigen Special-Effects, die viel zu plumpen, grotesken Horrorfiguren, die völlig unsubtil ins Bild poltern – haben mich in Teil 2 genauso genervt. Man sieht einfach zu viel. Nach dem ersten kurzen Aufzucken aufgrund des Jumpscares weiß man Bescheid und dann ist es einfach nicht mehr gruselig.

Das Unheimliche, das im Buch die gesamte Atmosphäre durchzieht und umwabert, das im ersten Teil wenigstens ansatzweise zu spüren war, fehlt hier leider. Es gibt nur wenige starke Momente, die erahnen lassen, was aus dem Film hätte werden können, wären die Schockmomente subtiler ausgefallen und hätte man der Atmosphäre und den Figuren mehr Raum gelassen.

Die Schauspieler sind allerdings toll – leider ist die Charakterzeichnung der Figuren teils etwas dünn geraten, sodass nicht alle gleichermaßen glänzen können. Jessica Chastain und James McAvoy haben normalerweise sehr viel mehr drauf. Auch den erwachsenen Ben-Darsteller fand ich etwas blass. Die erwachsenen Eddie und Richie waren aber richtig klasse.

Fazit: Vielleicht kann das Buch einfach nicht adäquat filmisch umgesetzt werden (wobei ich noch Tim Curry als Pennywise in Erinnerung habe, als ich als Kind mal aus Versehen ein Stück aus der alten Verfilmung gesehen hatte – das finde ich heute noch gruselig und ich trau mich bis heute nicht, die alten Filme noch mal zu sehen). Jedenfalls war ich sowohl vom ersten als auch vom zweiten Teil ziemlich enttäuscht.

6. „After Passion“

„After Passion“ von Jenny Gage ist wirklich nicht gut gemacht und ganz objektiv betrachtet ein schlechter Film. Subjektiv betrachtet hatte ich trotzdem meinen Spaß. Ohne irgendetwas über den Film oder die Buchvorlagen zu wissen, bin ich vollkommen ohne Plan, aber dank Kino-Abokarte kostenlos, in diese Teenie-Schmonzette hineingestolpert. Ein Freund von mir hatte den Film vorgeschlagen und ich dachte: Warum nicht?

Ergebnis: Wir beide haben den Altersdurchschnitt im Kinosaal mindestens verdoppelt und mein Kumpel war im Prinzip der Hahn im Korb. Und wir beide waren vermutlich ziemlich nervige Mitzuschauer, weil wir uns die ganze Zeit gegenseitig Lästereien über den Quatsch, der da auf der Leinwand zu sehen war, zugeflüstert und uns beömmelt haben. Normalerweise sind wir diejenigen, die sich über solche rücksichtslosen Zeitgenossen echauffieren und schimpfen, wie man nur so schlecht erzogen sein kann – jetzt waren wir selber mal die Schnatterköppe im Saal. Interessante Erfahrung.

Aber zurück zum Film und warum der so schlecht war: Die Erwartung, die am Anfang geweckt wird, wird nicht erfüllt. Sowas ist aus Storytelling-Sicht natürlich schon mal richtig Murks. Man kann doch dem Zuschauer nicht versprechen, dass Tessa voll die krasse Wandlung durchmacht und von der braven Streberin zur verruchten Femme fatale mutiert, wenn das nachher gar nicht passiert. Nö. Wir sehen hier eine etwas artige, ehrgeizige und intelligente, ansonsten aber ganz normale junge Studienanfängerin, die durch die Begegnung mit Hardin lernt, aus sich heraus zu kommen, ihre sinnliche Seite entdeckt, und an Selbstvertrauen und Entschlossenheit gewinnt. Sie bleibt sie selbst, sie öffnet sich halt nur mehr. Das ist schön für sie, aber wo ist denn da das Drama?

Und was ist Hardin bitteschön für ein misslungener Bad Boy? Gut, der führt sich am Anfang auf wie ein Vollidiot, ist arrogant und dauerbeleidigt, aber man merkt doch ziemlich schnell, dass das nur Gepose ist. Ich fand’s zum Beispiel ziemlich unrealistisch, dass diese angebliche Leseratte nur schnieke Hardcover im Regal hatte. Also, ich als echte Leseratte und Tochter einer echten Leseratte würde niiiiiemals den wertvollen Platz in meinem Bücherregal mit fancy Hardcovern zustellen. Außerdem: Die Dinger sind scheiße schwer, die kann ich doch gar nicht in meiner Handtasche mit mir herumtragen, da hole ich mir doch ’nen Bandscheibenvorfall. Nee, ich hab meine Bücherregale (genau: plural) hauptsächlich mit Taschenbüchern vollgestellt, einige sind in Ermangelung von genügend Platz in zweiter Reihe geparkt, überall in der Wohnung liegen weitere Taschenbücher herum verstreut – und man sieht, dass sie gelesen wurden. Von daher wirkte Hardins Bücherwurmerei auf mich reichlich aufgesetzt und angeberisch, nicht echt. Na gut, aber Tessa sah das anscheinend anders.

Seine Tattoos sahen aus wie Abziehbildchen und nur weil man eine schicke Lederjacke und schwarze T-Shirts trägt, ist man noch lange kein böser Junge. Ich hab auch eine schwarze Lederjacke und schwarze T-Shirts und bin die Friedfertigkeit in Person. Und zwischendurch hatte der dann so einen putzigen Dackelblick drauf, dass ich ihm am liebsten einen Keks und einen Kakao angeboten hätte.

Wobei ich aber auch positiv anmerken möchte, dass die Anziehung zwischen Tessa und Hardin in den – jugendfrei und züchtig gehaltenen – Fummelszenen durchaus rüberkam. Und jaaa, hätte sich ein gut aussehender Typ vor 20 Jahren mit mir in der Bücherei einschließen lassen, um mir was vorzulesen, das hätte ich schon ziiiemlich heiß gefunden. Hach.

Aber immerhin macht Hardin im Gegensatz zu Tessa tatsächlich eine Wandlung durch. Ist er am Anfang noch der verkrachte, depressive, verschlossene, egozentrische Dummdödel, wird er durch Tessa zu einem ehrlichen, feinfühligen jungen Mann, der nicht nur um das eigene Herzeleid kreist, sondern sich auch für andere Menschen interessiert. Und so geben sie sich auch beide etwas: Hardin wird durch Tessa empathischer, Tessa merkt, dass sie in Ordnung ist, wie sie ist, und zu sich zu stehen.

Insofern finde ich auch die Liebesgeschichte zwischen Tessa und Hardin gar nicht mal so ärgerlich, sondern eigentlich ganz süß. Also kein rückständiges „Hauptsache, ich kann bis in alle Ewigkeit jung und schön und mit meinem Schnuckelhasi zusammen sein, scheiß auf Ausbildung, eigene Pläne und Gedöns“-Beziehungsbild à la Twilight. Und auch kein nerviges „Ich opfere mich für dich auf“ „Oh nein, ICH opfere mich für DICH auf“ Theater wie in Divergent.

Allerdings geht man ja eigentlich nicht ins Kino, um eine eigentlich ganz possierliche Teenie-Liebesgeschichte zu sehen, mit der man – wären das die eigenen Kinder – absolut einverstanden wäre. Sondern man will ja Spannung, Drama, Schmerz, Versöhnung und alles sehen, worauf man im echten Leben ganz prächtig verzichten kann, aber das eine Geschichte eben aufregend macht.

Was gibt es sonst noch zu meckern? Ach ja, die Dialoge. Grauenhaft. Die Schauspieler? Na ja. Ziemlich hölzern. Die Nebenfiguren? Schnarch. Die mise en scène? Lieblos. Kostüme, Make-up? Klischeehaft. Spannungskurve? LOL.

Fazit: Harmloser, süßer Teeniefilm, den man sich aus Jux angucken kann, auch wenn er echt schlimm ist.

5. „Terminator 6: Dark Fate“

„Terminator 6 – Dark Fate“ von Tim Miller schließt an die Ereignisse des zweiten Teils an – und das mit einem sehr starken Anfang. Leider lässt der Film nach diesen tollen ersten zehn Minuten immer weiter nach. Man hat überhaupt keine Zeit, die Protagonistinnen richtig kennenzulernen, da sind sie schon auf der Flucht. Und dann laufen sie vor dem bösen Terminator quasi den ganzen restlichen Film davon und man fragt sich, was ist eigentlich der Punkt, worauf wollen sie hinaus, was ist die Pointe? Dann erfährt man ca. 30 Minuten vor Schluss kurz die Pointe, denkt sich: Aha, und dann gibt’s noch einen ewig langen, ermüdenden Showdown und dann ist der Film vorbei. Also alles in allem ein recht belangloses Machwerk.

Die Idee, ein weibliches Dreiergespann in den Fokus der Handlung zu setzen, ist ja ganz nett. Aber vor allem nett gemeint – und das finde ich persönlich immer sehr gönnerhaft. Oho, seht her, wir sind ja so modern, unsere Helden haben keinen Penis, dafür aber Brüste. Potzblitz, was sind wir innovativ! Fakt ist aber: Holzschnittartig und oberflächlich charakterisierte Figuren vom Reißbrett sind langweilig – unabhängig vom Geschlecht. Wie es auch anders geht, hat im Übrigen „Captain Marvel“ ganz wunderbar gezeigt.

Fazit: Kann man sich sparen.

4. „X-Men: Dark Phoenix“

„X-Men: Dark Phoenix“ von Simon Kinberg ist eine logisch fragwürdige Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten und trotz überschaubarer Länge von 114 Minuten stinklangweilig geraten. Die Dialoge sind hölzern, redundant und flach. Die Figurenkonzeption ist weder schlüssig noch vielschichtig, ihre Motive nicht nachvollziehbar, die Konflikte zwischen den Figuren uninteressant. Die an sich hervorragenden Schauspieler können dabei überhaupt nicht vernünftig arbeiten und zeigen, was sie drauf haben, weil sie im Wesentlichen stylish herumposen und Platitüden absondern müssen.

Der Plot ergibt nicht wirklich einen Sinn. Irgendwie hätte ich jetzt bei einem Film, der „Dark Phoenix“ heißt, erwartet, dass es im Wesentlichen um Jean Grey und ihren Umgang mit ihren neu erworbenen Superkräften geht. Man erfährt zwar, wie sie zu diesen Superkräften gekommen ist und wie sie selbige überhaupt nicht unter Kontrolle hat und wie sie sich einsam und verbittert zurückzieht und Rachegefühle hegt. Aber parallel gibt es noch eine überhaupt nicht logische Handlung, – Achtung, Spoiler! – in der irgendwelche gestaltwandlerischen Außerirdische sich Jeans Kräfte bemächtigen wollen, weil die Kraft, von der sie genannte Kräfte erhalten hat, einst ihren Planeten zerstörte. Und deswegen wollen sie die Kräfte selber haben, um alles Leben auf der Erde zu vernichten und sich selbst dort einzunisten – ungeachtet dessen, dass die Kräfte ja vielleicht auch die Erde zerstören und unbewohnbar machen könnten. Also wie gesagt: total unlogisch.

Ebenfalls unlogisch: Warum ballern die Wachmänner und Polizisten auf Gestalten, die offenbar Kugeln abwehren können, einfach immer weiter drauf los? Das ist doch dumm!

Nun haben sich die Macher aber ganz pfiffig gedacht: Wer braucht schon eine Story und Figuren, mit denen man mitfiebert, wenn man das schwache Drehbuch einfach mit gaaanz viel CGI-Effekten umsetzen kann? Ja, und so ist das Ergebnis dann auch geworden.

Fazit: Ganz ehrlich? Diesen Film kann man sich sowas von sparen!

3. „Rambo 5: Last Blood“

„Rambo 5: Last Blood“ von Adrian Grunberg ist eigentlich nur in den letzten 20 Minuten ganz unterhaltsam – bis dahin zieht sich der Film wie Kaugummi und reiht ein Klischee ans nächste. Es ist ja schon ein bisschen witzig, dass die Bösen so richtig böse sind, die Schlampen so richtig schlampig, die Guten so richtig gut und rechtschaffen … aber das Ding ist, dass das im Film alles bierernst gemeint ist und nicht als ironische Überspitzung, um die Klischees zu entlarven. So werden sie eher bestätigt.

Obwohl im Film ganz furchtbare Dinge passieren, lässt es einen kalt, weil es so übertrieben ist – für unfreiwillige Komik ist es aber schon wieder zu schrecklich. Das Ergebnis ist, dass keine Spannung entsteht – wie auch, wenn das Schicksal der Figuren einen nicht berührt – und der Film trotz angenehmer Länge von rund 100 Minuten echt schwerfällig und mühsam wirkt. Ich bin zwischendurch auch immer mal wieder weggedöst und hätte wohl ein sehr geruhsames Nickerchen die ersten 80 Minuten lang machen können, ohne etwas zu verpassen – wären da nicht meine Mitzuschauer im Kino gewesen.

Von meinen Freunden und meiner Wenigkeit abgesehen war der ganze Kinosaal nämlich vollbesetzt mit impertinenten Troglodyten, die sich während des Films laut unterhielten, irgendwelche dümmlichen Kommentare rausblökten oder in einer Lautstärke atmeten, wie man sie höchstens von altersschwachen, überzüchteten Englischen Bulldoggen kennt. Ich brauchte wirklich meine gesamte Konzentration, um meine Impulskontrolle zu mobilisieren, damit ich nicht selbst zum Rambo wurde. Echt mal. Wo kommen diese ganzen schlecht erzogenen Arschlöcher ohne Sozialkompetenz und ohne einen Funken Feingefühl eigentlich immer alle her? Und warum können sie nicht zu Hause Filme gucken, wenn sie eh die ganze Zeit quatschen, dazwischenquaken oder laut vor sich hinschnauben wollen?

So, jetzt geht’s wieder … das musste mal raus.

Fazit: Für Fans der Rambo-Reihe würde ich empfehlen, zu warten, bis der Film auf Blu-Ray / DVD rauskommt – dann kann man die ersten 80 Minuten muckelig vorspulen und muss sich nicht über Asis im Publikum aufregen. Im Kino gucken? Muss nicht sein.

2. „Glass“

„Glass“ von M. Night Shyamalan war langweilig und sogar noch schlimmer als der Vorgänger „Split“. Ich bin zwischendurch immer wieder eingeschlafen, ohne irgendwelche wesentlichen Informationen verpasst zu haben. An sich ist die Grundidee ja nicht schlecht, Protagonist und Antagonist aus „Unbreakable“ auf die multiplen Persönlichkeiten des Kevin Wendell Crumb aus „Split“ treffen zu lassen. Das hätte spannend werden können. War es aber nicht.

Was ist schiefgelaufen? Nach einem annehmbaren Start, bei dem wir den unkaputtbaren David Dunn als „einsamen Rächer“ kennen lernen (das erinnert ein wenig an Bruce Willis‘ Rolle im ebenfalls sehr schlechten „Death Wish“) und sehen, dass Crumb genau dort weitermacht, wo er in „Split“ aufgehört hatte, kommt der Film einfach nicht aus dem Quark. Am Anfang war ich noch ein wenig neugierig, wo das hinführt, aber dann kommen die beiden in die Klapse und ab da geht es dann völlig bergab. Mr. Glass ist auch da und immer noch sehr schlau und sehr fies.

Und dann taucht Dr. Ellie Staple auf, die von einer hoffnungslos unterforderten Sarah Paulson verkörpert wird. Ich sage nicht „gespielt“, weil sie eigentlich nichts weiter tut, als küchentischpsychologischen Mumpitz zu verzapfen oder in hohen Absätzen durchs Bild zu stöckeln. Man fragt sich die ganze Zeit, was eigentlich ihre Motivation ist, warum sie auf so offensichtlich suggestive Art und Weise ihren „Patienten“ einzutrichtern versucht, dass sie sich ihre Kräfte bloß einbilden. Das wird zwar am Ende halbwegs begründet, aber es wirkt ziemlich konstruiert und wie eine Deus-ex-machina-schaut-mal-her-ein-Kaninchen-im-Hut-Lösung. Das ist halt ihre Aufgabe und die ist eben wichtig.

Außerdem kommt es zu einem ähnlichen Problem wie in „Split“, dass James McAvoy zwar ganz klasse spielt, aber seine Figur kommt vor lauter Hin-und-her-springen zwischen den verschiedenen Persönlichkeiten gar nicht dazu, zu handeln oder irgendetwas Bestimmtes zu wollen. Da hilft auch sein „Gegenstück“ Casey nichts, die er in „Split“ verschont hatte. Bruce Willis agiert hingegen völlig lustlos und wirkt irgendwie altersmüde, was sich nur zum Teil mit seiner Rolle erklären lässt. Sein Sohn ist ein hübscher Kerl, bleibt aber irgendwie auch blass und eindimensional.

Samuel L. Jackson spielt sein heimtückisches Superhirn Mr. Glass zwar prima, aber was er genau warum will, wird nicht wirklich klar. Vielleicht irgendwie Aufmerksamkeit und dass die Superhelden unter den Menschen ihre Kräfte entdecken und sich nicht mehr verstecken oder so. Also doch ein Wohltäter? Hm.

Dann schwurbelt sich der Film am Ende noch irgendwas mit den Geheimnissen des Universums und Gleichgewicht der Kräfte und Gedöns zurecht, bis er dann – nach endlos erscheinenden und völlig unnötigen 129 Minuten – endlich aus ist. Puh. Also, wer den Film erträgt, ohne zwischendurch wegzuratzen, verdient meine absolute Hochachtung.

Fazit: Bloß nicht! Schaut euch lieber noch mal „The Sixth Sense“ an.

1. „Benjamin Blümchen“

„Benjamin Blümchen“ von Tim Trachte ist so lieblos und handwerklich schlecht dahingerotzt, dass vom Charme des Hörspiels, dem ich als Kind so gern gelauscht habe, nichts übrig geblieben ist. Grottige Dialoge, die vor Offensichtlichkeiten, Belanglosigkeiten und Plattitüden nur so strotzen, werden von den gnadenlos unterforderten Schauspielern ohne einen Funken Herzblut heruntergeleiert. Die Story ist geradezu beschämend unterkomplex und dann auch noch von Anfang an komplett überraschungsfrei und vorhersehbar. Da helfen auch die flachen Gags, die vollkommen humorlos abgenudelt werden, nicht.

Man hat den Eindruck, die Leute, die dieses Machwerk hier verbockt haben, waren selbst nie Kinder. Ansonsten könnten sie doch wohl erahnen, dass Kinder merken, wenn etwas nicht authentisch ist. Und die Schauspieler wirkten alle überhaupt nicht glaubwürdig. Besonders schlimm fand ich den Kinderdarsteller, der Otto gespielt hat. Bekommen die jungen Schauspieler gar kein Sprechtraining und kein Schauspielcoaching? Das kann doch echt nicht angehen! Der ist bestimmt privat ein tolles, nettes Kind, aber spielen kann der überhaupt nicht, dann muss man ihm doch wenigstens beibringen, wie man einen Satz ohne zu Nuscheln geradeheraus spricht, das ist nämlich etwas, das man lernen kann.

Aber auch seine erwachsenen Kollegen, von denen man erwarten kann, dass sie ihr Handwerk schon beherrschen, liefern wirklich eine klägliche Performance ab. Gut: Die Dialoge sind fürchterlich, die Regie hat offenbar total versagt, das Drehbuch ist eine Schande … da stößt wohl der beste Schauspieler an seine Grenzen. Aber trotzdem: Heike Makatsch war ja noch einigermaßen OK mit ihrer knallchargierten Zora Zack und Friedrich von Thun als Zoodirektor Tierlieb war auch in Ordnung. Und Benjamin Blümchens Synchronisation fand ich auch nicht schlecht. Aber sonst? Das können die doch besser!

Was war da bloß los? So überhaupt keine Hingabe, oberflächlich, unglaubwürdig, unauthentisch, ohne Herz, ohne Seele … als hätten sie das alles nur mal eben kurz so dazwischengeschoben, des Geldes wegen, und nach mir die Sintflut. Und das in einem Film, der die Profitorientierung des Turbokapitalismus eigentlich zu kritisieren versucht, der behauptet, dass Freundschaft, Liebe und Herzblut das Wichtigste sind. Es wäre ironisch, wenn es nicht so traurig wäre. Ganz ehrlich, dann soll man’s eben lassen, wenn man keine Lust hat, einen niedlichen, charmanten, netten, süßen Film über so eine grundgute und liebenswerte Figur wie Benjamin Blümchen zu machen. Dann soll man halt Werbespots drehen, wenn man nur Merchandising oder anderen Scheiß verticken möchte.

Und dann auch noch diese völlig auf Krampf in die Handlung gequetschten Modernisierungsversuche. Das tut doch bei Benjamin Blümchen überhaupt nicht Not, dass da oberpeinliche Jugendjargon-Floskeln (die die Jugend heutzutage wahrscheinlich eh nicht benutzt) in die Dialoge gepresst werden, oder irgendein High-Tech-Gedöns. Eine spannende Geschichte, gewitzte Dialoge und der Charme des Originals hätten vollkommen ausgereicht.

Fazit: Ich bin enttäuscht, das war echt ganz große Grütze.

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96. Stück: Kinojahresrückblick 2019 – die besten Filme und Animationsfilme

Welche Filme haben mir im Jahr 2019 am besten gefallen? Und warum? Das verrate ich euch im Folgenden:

10. „Green Book – Eine besondere Freundschaft“

„Green Book – eine besondere Freundschaft“ von Peter Farrelly ist als Road- und Feelgoodmovie sehr gelungen. Wie sich die Beziehung zwischen Dr. Shirley und Tony Lip allmählich entwickelt, macht Spaß mitanzuschauen. Die Bilder sind schön und stimmungsvoll und fangen das Zeitkolorit und die Atmosphäre perfekt ein. Der Soundtrack ist absolut großartig. Und Mahershala Ali sowie Viggo Mortensen spielen einfach wunderbar.

Ein paar Kritikpunkte kann man trotzdem anbringen, wobei das aus meiner Sicht dem Filmvergnügen keinen Abbruch tut, da es ja darum geht, wie sich zwischen zwei verschiedenen Männern eine tiefe Freundschaft entwickelt – und das wurde ja hervorragend umgesetzt. Aber man kann zum Beispiel monieren, dass im Film nicht mehr passiert, als man auch schon im Trailer gesehen hat. Die Spannungskurve ist außerdem eher flach und macht nur in wenigen Momenten einen Sprung nach oben, wenn der Rassismus der Menschen zutage tritt und man Dr. Shirley dabei erlebt, wie er trotz allem versucht, seine Würde zu bewahren.

Was ich ebenfalls mit einem gewissen Unbehagen festgestellt habe, ist, dass Mahershala Ali als Nebendarsteller bei den Oscars nominiert ist, Viggo Mortensen hingegen als Hauptdarsteller. Ich habe mich mit meinen Kinobegleitern darüber unterhalten. Ich war der Meinung, die Hauptrolle in dem Film ist ja eigentlich die Beziehung zwischen den beiden Männern, also müssten auch beide Männer als Hauptrolle betrachtet werden.

Aber so im Nachhinein: Es stimmt ja schon, dass die Geschichte vor allem aus Tonys Sicht geschildert wird. Zudem hat ein Sohn des echten Tony Lip das Drehbuch geschrieben und als Produzent fungiert, der andere Sohn hat mitgespielt und auch Tonys Bruder hat eine Rolle im Film übernommen. Also vielleicht ist das doch gerechtfertigt. Ich stelle das allerdings gern zur Diskussion und finde es spannend, zu erfahren, wie andere das wahrnehmen.

Fazit: Ein schöner Film über eine außergewöhnliche Freundschaft. Macht Spaß, lohnt sich!

9. „Ben is back“

„Ben is back“ von Peter Hedges ist ein starkes Drama, das eindrucksvoll zeigt, wie Sucht nicht nur den Süchtigen selbst ins Verderben stürzt, sondern auch sein gesamtes Umfeld: Familie, Freunde und Bekannte. Trotz gelegentlicher Längen und obwohl eigentlich gar nicht so viel Sichtbares passiert, bleibt der Film durchweg spannend. Der Film ist nichts für schwache Nerven, denn trotz langsamem, ruhigem Erzähltempo passiert sehr viel im Inneren der Figuren und auf der Beziehungsebene der Figurenkonstellation.

Es hat etwas von einem Kammerspiel, wie Holly Burns um ihren Sohn Ben kämpft und dabei permanent zwischen Liebe, Sorge, Angst, Wut und Enttäuschung hin und her schwankt. Als Zuschauer fühlt man so intensiv mit ihr mit, dass man den Eindruck hat, selbst ihre Gefühlsachterbahn zu durchleiden. Julia Roberts und Lucas Hedges spielen dieses Mutter-Sohn-Gespann absolut großartig und so überzeugend, dass es an die Nieren geht. Toll, wie die beiden sich ergänzen!

Fazit: Dieser Film lässt einen nicht kalt! Unbedingt sehenswert!

8. „Die Frau des Nobelpreisträgers“

„Die Frau des Nobelpreisträgers“ von Björn Runge ist ein fesselndes Drama mit einer starken Glenn Close in der Hauptrolle. Der Mann an ihrer Seite, Jonathan Pryce, steht ihr in nichts nach und überzeugt als schwacher, eitler, kindischer und egozentrischer Autor. Als Paar harmonieren die beiden auf grandiose Weise und die Dynamik zwischen den beiden sorgt für Spannung. Die gesamte Ambivalenz dieser Beziehung wird deutlich.

Einerseits fragt man sich: Wie hat diese kluge, talentierte Frau es bloß so lange mit diesem Narzissten und Egomanen ausgehalten? Warum hat sie sich die Affären gefallen lassen? Weshalb hat sie ihre eigene Karriere für diesen – mit Verlaub – eingebildeten Schwachkopf aufgeopfert? Andererseits stellt sie aber auch klar: Ich bin kein Opfer. Sie hat sich schon bewusst dafür entschieden, diesen Weg zu gehen, dieses „Abkommen“ mit ihrem Mann zu treffen. Trotzdem wird klar: genug ist genug.

Im Grunde passiert im Film nicht viel, was man nicht auch schon aus dem Trailer kennt. Aber das macht nichts. Denn wie sich diese beiden großartigen Schauspieler gegenseitig die Bälle zuspielen, macht einfach Spaß mitanzusehen. Und man kann beide irgendwie verstehen. Den Mann, klar: Warum sollte er seine Frau verlassen, wenn sie ihm so bedingungslos den Rücken stärkt, seine Karriere überhaupt erst ermöglicht, obwohl er sie dauernd betrügt und nicht sonderlich empathisch behandelt?

Aber auch die Frau kann man verstehen: Schreiben ist ihr Leben, aber was nützt es, wenn sie nicht gelesen wird? Und in ihrer Jugendzeit sah sie keine Möglichkeit, als Frau ihre Texte erfolgreich zu publizieren. Da kam ihr das mangelnde Talent ihres Mannes und seine Geltungssucht gerade recht. Und dann war es irgendwann zu spät, um aus der Nummer wieder rauszukommen. Zwischendurch gab es wohl auch immer wieder glückliche Momenter voller Liebe. Also hält sie an ihrem Geheimnis fest. Wobei man ihr im Film ansieht, wie viel Kraft und Nerven sie das mit der Zeit kostet. Und Glenn Close verkörpert diese Frau, die kurz vor der Explosion steht, mit Bravour.

Fazit: Zwei fantastische Charakterdarsteller liefern sich ein spannendes Psycho-Duell. Unbedingt zu empfehlen!

7. „Der verlorene Sohn“

„Der verlorene Sohn“ von Joel Edgerton ist ein starkes Familiendrama und zeigt auf erschreckende Weise auf, welchen Vorurteilen Homosexuelle noch immer ausgesetzt sind. Im Mittelpunkt steht der junge Jared, der an einer sogenannten Reparativtherapie teilnimmt. Die Verantwortlichen betrachten Homosexualität als eine schlechte Verhaltensweise, die sich heilen ließe durch die „richtige“ Einstellung und allerlei absurden Handlungen, die als „typisch männlich“ betrachtet werden – aber eigentlich nur haarsträubend sexistisch sind.

Das ist recht nüchtern und sachlich erzählt, ohne Tränendrüsengedrücke, ohne großes Drama, ohne Geschrei. Die Schauspieler – vor allem Lucas Hedges, Nicole Kidman und Russell Crowe – spielen unaufgeregt, aber mit intensiver, innerer Kraft. Hier passiert auch sehr viel zwischen den Zeilen. Trotzdem gibt es immer wieder auch humorvolle Momente. Und gerade diese Erzählweise macht das Geschehen auf der Leinwand umso erschreckender. Umso mehr, wenn man erfährt, dass das Ganze auf einer wahren Geschichte beruht und solche „Therapien“ noch immer nicht überall verboten werden – und dass es wirklich Menschen gibt, die diesen gefährlichen Quatsch glauben. Da bleibt nach Ablauf des Abspanns schon ein Kloß im Hals stecken.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Nicht verpassen!

6. „Vice – Der zweite Mann“

„Vice – der zweite Mann“ von Adam McKay ist ein gelungenes Portrait von Dick Cheney und beleuchtet auf satirische Art und Weise die politischen Hintergründe, die schließlich im zweiten Irakkrieg mündeten. Das ist fies und bitter, aber auch so absurd, dass man es kaum fassen kann und lachen muss, um nicht zu verzweifeln.

Die Schauspieler sind durch die Bank weg grandios: Christian Bale verkörpert Dick Cheney so überzeugend, ambivalent und verschlossen, klug und besonnen – und brandgefährlich. Steve Carell spielt Donald Rumsfeld als sexistischen, eitlen, arroganten Kotzbrocken, der aber ganz genau weiß, wie man die eigene Macht für seine Zwecke nutzt. Amy Adams als Lynne Cheney steht ihrem Mann in nichts nach, ist teilweise sogar noch raffinierter, ehrgeiziger und rhetorisch geschickter als er – da haben sich wirklich zwei gefunden. Und Sam Rockwells George W. Bush ist einfach so gut getroffen, dass es eine Freude ist, ihm beim Spielen zuzuschauen.

Zwischendurch gibt es schon die eine oder andere Länge, wenn die familiären Angelegenheiten Cheneys im Vordergrund stehen und die politischen Ränkespiele in den Hintergrund treten. Aber insgesamt ist der Film sehr unterhaltsam. Die Geschichte wird außerdem immer wieder durch die Erzählstruktur mit mehreren Ebenen ironisch gebrochen, sodass es nie zu rührselig wird.

Fazit: Gelungene Politsatire mit tollen Schauspielern. Lohnt sich!

5. „Deutschstunde“

„Deutschstunde“ von Christian Schwochow geht einem an die Nieren. Wie der kleine Siggi Jepsen unter dem strengen, pflichtfanatischen Vater leidet, seine Freundschaft mit dem Patenonkel und Maler Nansen, wie er selbst seine Liebe zur Malerei entdeckt … das mitanzusehen, ist so überzeugend und beklemmend, dass es kaum auszuhalten ist. Diese Atmosphäre der ständigen Angst und Unterdrückung wird noch verstärkt durch die raue, kühle und trotzdem schöne Landschaft Nordfrieslands und ihrer wild-düsteren Stimmung. Die Schauspieler sind großartig, vor allem Levi Eisenblätter als junger Siggi ist umwerfend gut.

Fazit: Fesselnde und erschütternde Literaturverfilmung mit einem tollen Ensemble – lohnt sich!

4. „The Peanut Butter Falcon“

„The Peanut Butter Falcon“ von Tyler Nilson und Mike Schwartz ist ein herzerärmender Feelgood-Roadmovie mit glänzend aufgelegten Schauspielern, die wunderbar miteinander harmonieren. Mit einer Leichtigkeit und Natürlichkeit spielen Zack Gottsagen, Shia LaBeouf und Dakota Johnson sich gegenseitig die Bälle zu, dass es eine Freude ist. Die Geschichte ist spannend, aber ruhig und mit liebevollem Humor erzählt. Dazu passen die tollen Landschaftsaufnahmen von North Carolina, die für die passende Atmosphäre sorgen.

Man schließt insbesondere Hauptfigur Zak sofort ins Herz, aber auch der Fischer Tyler, der sein Leben nicht so richtig auf die Kette kriegt, und die Pflegeheimmitarbeiterin Eleanor, die vor lauter Korrektheit den Sinn für die Kleinigkeiten des Lebens vergessen hat, sind einfach liebenswert.

Fazit: Ein toller Film! Unbedingt anschauen!

3. „Parasite“

„Parasite“ von Joon-ho Bong ist ein merkwürdiger, schräger – aber auch genialer Film. Wie die verarmte Familie sich nach und nach, trickreich, geschickt und entschlossen im Haus der reichen Familie einnistet, macht Spaß zuzusehen. Die Dreistigkeit und Skrupellosigkeit, mit der sie dabei vorgehen, wäre allerdings nicht zu ertragen, wären die Figuren nicht so sympathisch und charmant gestaltet und würden die Schauspieler nicht so viel Spaß an ihren Rollen haben.

Auf diese Weise wirkt die groteske, irrwitzige Geschichte stellenweise urkomisch, dann wieder thrillerartig spannend und dann wieder tragisch und anrührend. Nebenbei erfährt man auch ein wenig über die Verhältnisse in Südkorea, über die Armut in dem Land, und wie sehr im Kontrast dazu die Reichen im Überfluss leben. Gesellschaftskritik gibt’s also auch dazu, aber ohne erhobenen Zeigefinger, moralische Betroffenheitskeule oder sonst irgendetwas. Der Film bewahrt sich die ganze Zeit über seine Leichtigkeit.

Zwischendurch gibt es schon ein paar Längen, aber im Nachhinein trüben sie das Vergnügen insgesamt nicht.

Fazit: Ein eigentümliches und ungewöhnliches Filmjuwel – nicht verpassen!

2. „Joker“

„Joker“ von Todd Phillips ist ein erschütterndes Porträt einer tragischen Existenz, der nach und nach alles entgleitet. Arthur Fleck gehört zu den unsichtbaren Ausgestoßenen der Gesellschaft, denen es schwer gemacht wird, einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Und dann wird ihm Stück für Stück das Bisschen, was er hat, weggenommen. Er findet keinen Anschluss an sein soziales Umfeld, wird verachtet und verlacht oder die Menschen haben Angst vor ihm. So oder so – er verliert jeden Halt und die Folgen davon … verrate ich nicht, um nicht zu spoilern.

Auf jeden Fall ist „Joker“ eine ziemlich düstere und pessimistische Abrechnung mit unserer Gesellschaft, dem Umgang mit Menschen, die anders sind, die Hilfe brauchen, die nicht 100-prozentig „funktionstüchtig“ sind und einem von Kapitalismus und Profitorientierung zerstörten Gesundheitssystem.

Fazit: Nichts für schwache Nerven, aber lohnt sich!

1. „Rocketman“

„Rocketman“ von Dexter Fletcher hat mich einfach umgehauen. Eigentlich mag (oder mochte?) ich die Musik von Elton John nicht besonders – zu brav, zu bieder, zu schnulzig. Tja. Ich lag falsch. Mir ist erst durch diesen Film bewusst geworden, wie viel Gefühl und Geschichte sich in Elton Johns Songs verbirgt. Gut, es wurden wohl hier und da ein paar Textstellen leicht angepasst, damit sie besser in die Handlung passen (behauptet zumindest ein Kumpel von mir, der riesiger Elton-John-Fan ist und in der Regel recht hat). Aber trotzdem hat es mich verblüfft, wie virtuos die Lieder in die Handlung eingeflochten waren.

In Kontrast zu der im Grunde tieftraurigen Kindheit Reginal Dwights mit seinen lieblosen, hartherzigen und egozentrischen Eltern, die ihrem Sohn mit Ablehnung an der Grenze zur Abneigung begegnen, ihn kleinmachen und ihm das Gefühl vermitteln wertlos und nicht liebenswert zu sein, stehen die quietschbunten Tanzszenen. Die Farben und mise en scène fangen das Zeitkolorit der 50er bis 80er Jahre atmosphärisch ein und sorgen für einen harmonischen Gesamteindruck.

Nach seiner wirklich herzzerreißenden Kindheit, in der nur seine Großmutter zu ihm stand, geht es für Reginald Dwight alias Elton John zunächst ebenso tragisch und dramatisch weiter. Eine besonders bedrückende Szene, die mir jetzt noch rückblickend die Tränen in die Augen treibt, ist die, in der Elton John seiner Mutter übers Telefon offenbart, dass er homosexuell ist. Es kostet ihn so viel Überwindung und sie erwidert kaltschnäuzig: „Das wusste ich doch schon längst. Ich hoffe, dir ist klar, dass dich nie jemand richtig lieben wird.“

Und auf einmal versteht man, wie es dazu kam, dass Elton John zu Beginn des Films im vollen Bühnen-Dress in die Selbsthilfegruppe einer Entzugsklinik stürmt und gesteht, dass er alkohol-, drogen-, medikamenteabhängig, bulimisch und sonstwas ist.

Die ganze Zeit habe ich mich gefragt: Wie kommt er aus dieser Nummer bloß wieder raus? Ich wusste ja eigentlich, dass es gut ausgeht und er die Kurve kriegt – schließlich ist er ja heutzutage clean, glücklich verheiratet und Vater zweier Kinder. Aber trotzdem blieb es spannend. Dann singt er zum Abschluss „I’m still standing“ – und das passte einfach perfekt, um meine Frage zu beantworten.

So, nachdem ich jetzt so von dem Film als Gesamtwerk geschwärmt habe, will ich auch noch die herausragende schauspielerische Leistung loben. Taron Egerton singt nicht nur die Songs selbst, und das auf eine Weise, die dem echten Elton John überzeugend ähnelt. Er spielt den Sänger auch mit einem Facettenreichtum und einem Einfühlungsvermögen, die ans Herz gehen. Auch die Kinderdarsteller sind grandios, ebenso alle anderen Schauspieler.

Ein richtig guter Film entlässt den Zuschauer nach dem Abspann anders, als er den Saal betreten hat – und das hat „Rocketman“ bei mir definitiv geschafft und sich seine 5 Sterne somit redlich verdient.

Fazit: Grandios! Nicht verpassen!


Und welche Animationsfilme gehörten 2019 zu meinen Favoriten?

10. „Shaun das Schaf 2: UFO-Alarm“

„Shaun das Schaf 2 – Ufo-Alarm“ von Will Becher und Richard Phelan ist richtig süß, lustig und unterhaltsam geraten. Der Vorgänger hatte noch etwas mehr Charme, aber auch hier gehen einem die niedlichen Knetfiguren sofort ans Herz. Und für eine Außerirdischen-Geschichte ist die Handlung auch nicht zu abgehoben. Für die Erwachsenen gibt es viele Anspielungen an Filmklassiker und für die Kleinen eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, die alle Grenzen überschreitet.

Allerdings, auch wenn der Film FSK 0 hat, würde ich ihn für ganz kleine Kinder nicht unbedingt empfehlen. Er ist dafür dann doch zu lang und zu komplex. Die Kinder, die mit uns im Kino saßen, schienen jedenfalls etwas überfordert. Von rechts kam schon nach zehn Minuten „Mama, ich will nach Hause!“ und von links kam alle zwei Minuten ein „Mama, was macht die Frau da? Warum macht sie das? Was passiert gerade? Wieso? …“ Das ist ja ganz süß und so, aber mein Eindruck war, dass die Lütten reichlich gelangweilt waren und sich über einen halb so langen Film mit etwas weniger Wendungen und unterschiedlichen Figuren mehr gefreut hätten.

Fazit: Macht Spaß und ist einfach superknuffig und putzig. Lohnt sich 🙂

9. „Spione undercover“

„Spione undercover“ von Nick Bruno und Troy Quane ist ein einfallsreicher Animationsfilm mit sympathischen Figuren, knuddeligen Piepmätzen, Spannung und Action. Die originelle Grundidee hätte man vielleicht noch etwas weitertreiben können, aber ich hab mich unterhalten gefühlt. Mir gefällt einfach auch die positive Grundmoral, man könnte Probleme, Konflikte und ganze Kriege mit Kreativität, Gutherzigkeit und hartnäckigem, freundlichem Idealismus lösen, anstatt mit Gewalt. Das fände ich schön, wenn es so wäre. Und wenn es wenigstens in einem Film mal so ist, da wird mir warm ums Herz und das ist doch prima.

Allerdings ist „Spione undercover“ stellenweise ziemlich düster und der Bösewicht wirklich brutal, grausam und fies. Auch ist die Handlung gar nicht einmal so unterkomplex, wie es der Trailer vermuten lässt. Jüngere Kinder im Publikum schienen daher entweder verschreckt oder überfordert zu sein und quatschten demzufolge ständig dazwischen. Vielleicht wäre es dann klüger gewesen, mit den Kindern aus dem Kinosaal rauszugehen, anstatt gelangweilt auf dem Smartphone herumzutüddeln.

Fazit: Origineller, unterhaltsamer Animationsfilm, der aber erst für Kinder ab ca. 8-10 Jahren geeignet ist.

8. „Buñuel – Im Labyrinth der Schildkröten“

„Buñuel – Im Labyrinth der Schildkröten“ von Salvador Simó ist meisterhaft gezeichnet und geschickt mit den Einblendungen aus dem realen Dokumentarfilm „Erde ohne Brot“ verknüpft, dessen Entstehungsgeschichte im Mittelpunkt der Handlung steht. Allerdings wurde versucht, auch noch Luis Buñuels künstlerische Ambitionen und Überzeugungen, seine Rolle im Surrealismus, sein Verhältnis zu Salvador Dalí, seine problematische Beziehung zum strengen Vater, seine Selbstzweifel, seine Ängste und Albträume und so weiter und so fort mit in die Geschichte einzuflechten. Ein Ödipus-Komplex Buñuels in Bezug auf seine Mutter wird ebenfalls angedeutet – also auch Freud und seine Traumdeutungen lassen grüßen.

Und das war wohl etwas zu ehrgeizig. Denn dadurch franst die Handlung aus und es werden zahlreiche – nicht uninteressante, aber dennoch ablenkende – Nebenschauplätze angetippt, ohne wirklich tiefgründiger dort einsteigen zu können.

Es ist daher ganz gut, wenn man schon mit ein wenig Vorwissen in den Film geht, zumindest, was die Vorstellungen der Surrealisten und ihre künstlerischen Ziele angeht. Dann kann man auch den Traumbildern mehr abgewinnen und sie einordnen. Gelangweilt habe ich mich in dem Film zwar nicht, denn die Bilder sind wirklich atemberaubend gut. Aber ich habe mich gewundert, worauf der Film hinauswill. Und ich fand, dass Buñuel teilweise so unsympathisch, grausam und durchgeknallt rüberkam, dass es mir wirklich sehr, sehr schwerfiel, mit der Hauptfigur Mitgefühl zu empfinden. Das war stellenweise wirklich nicht auszuhalten.

Fazit: Aus künstlerischer und historischer Sicht spannend, aus erzählerischer Sicht aber mit ein paar Schwächen kämpfend. Wer sich für Surrealismus interessiert, dürfte hierbei jedoch überwiegend Vergnügen empfinden.

7. „Angry Birds 2“

„Angry Birds 2“ von Thurop Van Orman ist urkomisch und herzerwärmend. Die Figuren sind wieder genauso putzig und liebenswert wie im ersten Teil, aber trotzdem kommen Ironie und Slapstick nicht zu kurz. Und obwohl die Szene mit dem Adlerkostüm aus dem Trailer wirklich zu einer der witzigsten Stellen im Film gehört, hat sie absolut nichts von ihrer Komik eingebüßt – sie ist sogar noch besser!

Fazit: Lohnt sich!

6. „Urfin – Der Zauberer von Oz“

„Urfin – Der Zauberer von OZ“ von Vladimir Toropchin und Co. ist ein anrührender, unterhaltsamer Animationsfilm, der Spaß macht. Die Figuren sind niedlich und liebenswert sowie mit Herz fürs Detail animiert, die Story ist einfallsreich und spinnt den Mythos um den Zauberer von Oz auf fantasievolle Weise weiter, ohne zu sehr von der Vorlage abzuweichen – eine gelungen Hommage also. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können sich hier bestens unterhalten fühlen.

Und ein wenig Moralisches gibt es hier auch, aber zum Glück sehr charmant und nicht mit dem Holzhammer eingedroschen. Wenn man sich die Mühe gibt, hinter die Fassade der Menschen oder Lebewesen zu blicken, dann merkt man oft, dass sie gar nicht so böse sind. Und mit der Unterstützung guter Freunde sowie Teamwork kann man einiges erreichen und Konflikte lösen. Sicher, das klingt jetzt etwas abgedroschen, aber hier ist es tatsächlich sehr leichtfüßig und erfrischend inszeniert, sodass man nicht mit den Augen rollen muss.

Fazit: Lohnt sich: für Erwachsene, die ihre Kindheit in ihre Hosentasche gesteckt haben und immer mit sich herumtragen. Aber selbstverständlich auch für Eltern und ihre Kinder.

5. „Ralph reicht’s 2 – Chaos im Netz“

„Ralph reicht’s 2 – Chaos im Netz“ von Rich Moore und Phil Johnston ist ein urkomisches Abenteuer quer durch die Geschichte des Internets. Wie Ralph und Vannelope versuchen, sich zwischen Facebook, Twitter, Google, YouTube, Instagram und Co. zurechtzufinden, ist einfach herrlich. Vor allem für „alte Leute“ wie mich, die auch noch das Prä-Internet-Zeitalter bewusst erlebt haben, gibt es unzählige Anspielungen und Gags zu entdecken. Zwischendurch wird es kurz ein bisschen rührselig, aber insgesamt macht der Film einfach so viel Spaß, dass das nicht weiter schlimm ist.

Fazit: Wunderbarer Animationsfilm, an dem vor allem die Generation 30+ ihre Freude haben dürfte.

4. „Die Eiskönigin 2“

„Die Eiskönigin 2“ von Jennifer Lee und Chris Buck hat mir richtig gut gefallen. Der erste Teil hatte mich noch unterwältigt zurückgelassen, weil ich die Musik eher langweilig fand und den Humor irgendwie forciert. Vielleicht hatte ich damals auch zu viel erwartet und war einfach enttäuscht. In den zweiten Teil bin ich dann auch entsprechend skeptisch hineingegangen, nach Sicht des Trailers überzeugt, einen kommerziell motivierten Aufguss des Vorgängers vorgesetzt zu bekommen.

Aber tatsächlich war die Handlung richtig spannend und wider Erwarten sind mir die Figuren wohl doch ans Herz gewachsen, sodass ich von Anfang bis Ende mitgefiebert habe, wie es Elsa, Anna, Christoph, Olaf und Co. ergeht. Die Musik war jetzt wieder nicht sooo mein Fall, aber da mir der Rest gut gefallen hat und die musikalische Untermalung dazu passte, ist mir das nicht so negativ aufgefallen.

Fazit: Fand ich persönlich noch besser als Teil 1 – dürfte also allen „Eiskönigin“-Fans gefallen.

3. „Penguin Highway“

„Penguin Highway“ von Hiroyasu Ishida ist ein bezaubernder Animationsfilm voller Humor und Fantasie. Die Figuren sind liebevoll gestaltet und charakterisiert, die Handlung sprudelt über vor schrägen Ideen und die Zeichnungen sind einfach wunderbar. Am Ende bleiben zwar noch einige Fragen offen, die sich wohl nicht abschließend eindeutig beantworten lassen – aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Lohnt sich!

2. „Die Addams Family“

„Die Addams Family“ von Conrad Vernon und Greg Tiernan ist eine wunderbare Neuinterpretation der beliebten Gruselfamilie. Ich war zugegebenermaßen etwas skeptisch, da ich ein Riesenfan der Spielfilme aus den 90er Jahren bin und mir nur schwer vorstellen konnte, dass ein Animationsfilm dem Cast um Anjelica Huston, Raúl Juliá, Christopher Lloyd und Christina Ricci das Wasser reichen könnte. Die Sorgen waren aber unbegründet. Dem Animationsfilm gelingt das Kunstwerk, sowohl eine neue und zeitgemäße Geschichte zu erzählen als auch den traditionellen, liebgewonnenen Figuren treu zu bleiben.

Das Grundthema ist auch hier, wie eine Familie, die anders ist als der Durchschnitt, von scheinbar rechtschaffenen Spießbürgern getriezt, ausgegrenzt und verjagt werden. Es geht um Toleranz und Zusammenhalt, ohne aber in Kitsch oder Sentimentalität abzudriften. Stattdessen ist „Die Addams Family“ wie auch die Spielfilme der 90er Jahre eine großartige Gesellschaftssatire mit bissigem Humor, die einfach Spaß macht.

Mein Eindruck ist aber, dass der Humor eher Erwachsene zum Lachen bringt und Kinder und Jugendliche eher etwas langweilt. Es gibt zwar auch Slapstick-Einlagen, die jüngere Zuschauer genauso amüsieren wie ältere Zuschauer, doch der Dialogwitz oder die gesellschaftskritischen Anspielungen sind dann eher für letztere lustig. Zumindest war mein Eindruck, dass die 12-Jährigen, die neben mir saßen, nur halb so viel Spaß hatten wie mein Kumpel und ich.

Fazit: Lohnt sich! Sowohl für „Addams Family“-Neulinge als auch für hartgesottene Fans ist hier was dabei.

1. „Human Lost“

„Human Lost“ von Fuminori Kizaki ist eine rätselhafte und finstere Dystopie, die einen mit beklommenem Gefühl aus dem Kinosaal entlässt. Ein langes Leben in ständiger Gesundheit, dem Tod immer wieder ein Schnippchen schlagen – klingt gut? Oh ja! Doch alles hat seine Schattenseiten … und seinen Preis.

Es ist doch merkwürdig, wie sehr man an die klassischen Hollywood- und Disney-Geschichten gewöhnt ist, die immer mit einer hoffnungsvollen Botschaft, ermunternden (wenn auch wenig originellen) Aphorismen und einem klaren Weltbild mit eindeutiger Gut-Böse-Dichotomie aufwarten. Bei „Human Lost“ werden diese Sehgewohnheiten ziemlich durcheinander geworfen.

So, mehr will ich dann aber auch nicht verraten. Am besten mache man sich selbst ein Bild.

Und, was waren eure Lieblingsfilme aus dem vergangenen Jahr? Was haltet ihr von meiner Auswahl? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt!

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95. Stück: 9 nervige Zuschauertypen, die uns alle aggressiv machen

Ins Kino zu gehen ist ein wunderbarer Zeitvertreib – wenn nur die anderen Zuschauer nicht wären, die ihren Mitmenschen den letzten Nerv rauben. Im Ernst, ich frage mich, was einige Kinozuschauer für eine Erziehung genossen haben. Vielleicht auch gar keine, so hat es mitunter den Anschein.

Da es viel mehr Spaß macht, sich aufzuregen, wenn man seinen Ärger mit jemandem teilen kann, widme ich dem Thema nun einen eigenen Blogbeitrag. Meine Damen und Herren, ich präsentiere: die nervigsten Zeitgenossen, die es im Kinopublikum zu finden gibt.

1. Der Brummsler oder die Murmeline

Man hört nicht, was der Brummsler sagt, sondern nur, dass er was sagt. Und zwar die ganze Zeit über. Mit seinem sonoren Bass erklärt er seiner Sitznachbarin offenbar gerade etwas extrem Wichtiges, das nicht bis nach dem Film warten kann. Gerne möchte man weghören, das Gebrumsel ignorieren – aber das geht nicht, dafür ist es zu penetrant. Die weibliche Variante dieses Quälgeists ist die Murmeline. Sie ist etwas seltener anzutreffen als der Brummsler, aber nicht minder lästig.

2. Der Snacker, die Snackerin oder das Snäckchen

Mir ist bewusst, dass die Kinos heutzutage mit Snacks einen Großteil ihres Umsatzes machen und es ohne Popcorn, Nachos und Co. wahrscheinlich viel teurere Kinotickets gäbe und einige kleinere Kinos womöglich schließen müssten. Von daher: Snacks sind OK. Wobei ich es schon befremdlich finde, dass für viele (die meisten?) Kinobesucher Snacks zwingend zum Kinobesuch dazugehören. Als ob man nicht vorher was essen könnte und dann mal zwei bis drei Stunden ohne Nahrung auskommt …

Aber gut, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Muss es dann aber sein, dass 80 % des Popcorns nicht in den vorgesehenen Mündern landet, sondern hinter, vor, neben und zwischen die Sitze, im Flur auf dem Teppich oder sonstwo? Müssen Snacker, Snackerin und Snäckchen ihre Nachos und ihr Popcorn mit ohrenbetäubender Lautstärke zerkleinern? Muss man unbedingt jedesmal die Popcorntüte kräftig durchschütteln, bevor man hineingreift, um sich eine weitere Fuhre herauszuklauben?

Davon abgesehen, dass diese Essgeräusche während der Filmvorführung krass nerven, ist der hinterlassene Saustall doch den Servicemitarbeitern gegenüber echt respektlos. Ja, das ist ihr Job. Aber ich gehe doch auch nicht mit ungeputzten Zähnen zum Zahnarzt. Und die Essensreste locken im Übrigen auch kleine Nagetiere an. So niedlich ich Mäuse auch finde, so ganz hygienisch einwandfrei ist ihre Anwesenheit in der Regel nicht.

3. Das Schnaufmonster

Dann gibt es noch die, die zwar gnädigerweise nichts essen und auch nicht reden, aber ungeheuer laut atmen. Es gibt doch Nasensprays, wenn man leicht verschnupft ist oder unter einer Allergie leidet, da muss man sich das doch nicht antun, laut schnaufend im Kinosaal zu sitzen. Und den anderen Zuschauern auch nicht.

4. Der Hustinator

Wenn man krank ist, gehört man ins Bett und nicht ins Kino. So einfach ist das. Es ist ja eine Sache, wenn man leicht verschnupft ist, aber eine ganz andere, wenn man mit einer handfesten Bronchitis gestraft ist. Dann hat man unter Menschen nichts zu suchen. Trotzdem verirren sich solche Bazillenschleudern laut hustend und röchelnd immer mal wieder in einen Kinosaal und stecken alle an. Nicht cool!

5. Der Räusperling

Nur weil man hustet, ist man nicht unbedingt eine Bazillenschleuder? Das stimmt. Bei manchen Zeitgenossen ist das Husten und Räuspern zwischendurch so eine Art nervöser Tick. (Ja, ich weiß, es gibt auch chronische Krankheiten, die mit Husten in Verbindung stehen, die meine ich hier aber nicht) Dann hört man alle paar Minuten ein markerschütterndes Röcheln von einem der Nachbarsitze zu einem hinübergrollen – und der Räusperling merkt überhaupt nichts davon.

Wenn man dazu neigt, eine trockene Kehle zu haben, kann man sich doch eine Flasche Wasser oder Hustenbonbons mit in den Saal nehmen. Und das Räuspern kann man sich auch wieder abgewöhnen. (Oder man geht mal zum Arzt und lässt das untersuchen, wie gesagt, kann auch eine chronische Krankheit dahinterstecken)

6. Der Witzbold oder die Scherzkanone

Dann gibt es noch die, die alle Welt an ihrem geistreichen Humor teilhaben lassen wollen. Sie sind oft in Komödien anzutreffen und streben es an, witziger als der Film zu sein. Dann quaken sie immer wieder lauthals irgendeinen Spruch durch die Gegend, blöken mit ihren Artgenossen um die Wette und johlen anschließend über das köstliche Bonmot, das sie vom Stapel gelassen haben. Man braucht als unbeteiligter Mitzuschauer in solchen Momenten ein hohes Maß an Selbstbeherrschung.

7. Der Schwachkopf oder die Dumpfbacke

Nicht immer wollen Menschen, die irgendwas lauthals durch die Gegend quaken, witzig sein. Manchmal sind sie auch einfach dumm. Dann müssen sie alles, was auf der Leinwand passiert, noch einmal für sich laut verbalisieren oder Textstücke, die zu sehen sind, laut vorlesen, um das Geschehen für sich zu begreifen. Oder so. Warum das nicht auch leise geht, ist mir allerdings ein Rätsel.

8. Der Fühlt-sich-hier-ganz-wie-zu-Hause-Typ

Ein Kinosaal ist kein privates Wohnzimmer. Ich möchte nicht neben jemandem sitzen, der seine Stinkesneaker auszieht und seine ekelbesockten Käsemauken genüsslich ausbreitet. Und auch, wenn man mit seiner Kuscheldecke die Hälfte meines Sitzplatzes mit in Anspruch nimmt, finde ich das enervierend. Dann soll man eben zu Hause Netflix oder so gucken.

9. Der Erklärbär

Meistens ist der Erklärbär gleichzeitig auch ein Brummsler – nur, dass man ansatzweise versteht, was er sagt. Er erklärt nämlich – ganz Mann von Welt – seiner (in der Regel weiblichen) Sitznachbarin, was im Film gerade passiert. Und sie murmelt dann auch pflichtbewusst zurück, kommentiert mit „Aha“, „Mhm“, „Ja, ja“, was den Erklärbär zusätzlich anstachelt.


Und, welche nervigen Zuschauertypen kommen euch bekannt vor? Habe ich noch welche vergessen? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt!

Edit: Ein Freund von mir machte mich auf Facebook noch auf einen weiteren Typen von Kino-Quälgeist aufmerksam, den ich glatt vergessen habe:

10. Der/die Smartphonesüchtige

Er beschreibt diesen lästigen Zeitgenossen sehr treffend, und zwar wie folgt:

„Nicht in der Lage, auch nur 3 Minuten Aufmerksamkeit für den Film aufzubringen, ohne nachzuschauen, ob eine WhatsApp-Nachricht vorliegt oder sich im Facebook-Feed etwas getan hat. Es versteht sich von selbst, dass das Handy in einer Höhe gehalten wird, dass auch noch 10 Reihen weiter hinten der Lichtschein des Displays sichtbar ist. Auch eventuell eingehende Anrufe werden unverdrossen angenommen. Eine Begrüßung der Art „Ich kann nur kurz reden, bin im Kino…“, gefolgt von einem Gespräch, das nicht länger als 5 Minuten dauert, empfindet der/die Smartphonesüchtige vermutlich sogar noch als rücksichtsvolles Zugeständnis an das Kinopublikum.“

Mir sind tatsächlich noch zwei weitere cineastische Nervensägen eingefallen:

11. Der/die Zuspätkommende

Trampelt bar jeden Feingefühls in den Kinosaal, wenn der Film schon angefangen hat. Unterhält sich lautstark mit seinen Artgenossen, in welcher Reihe sie sitzen. Zückt das Smartphone, um mit der viel zu grellen Taschenlampe nach den Sitzen zu suchen, leuchtet dabei allen anderen ins Gesicht und blendet sie. Nach Erreichen des Ziels wird sich mit lautem Gepolter hingesetzt, sofern nicht irgendwelche Falschsitzer erst verscheucht werden müssen, die die Plätze für frei hielten.

Besonders lustig wird es, wenn die Zuspätkommenden sich in der Reihe geirrt haben und dann erst einmal eine Diskussion vom Zaun brechen, wer denn nun falsch sitzt. Sehen sie ihren Irrtum dann endlich ein, poltern sie mit genauso wenig Feingefühl wie zu Beginn wieder zurück und die Suche beginnt erneut.

12. Die kulturversnobten Asi-Aggro-Senioren

Dieser Menschenschlag tummelt sich nur in Programmkinos, die auch mal kulturell anspruchsvollere Vorstellungen im Repertoire haben – etwa Aufnahmen von Ballett-Aufführungen, englischen Theaterstücken oder französischen Filmen im Original mit Untertiteln – und hält sich für etwas Besseres als den schnöden Multiplex-Pöbel.

Nun gehe ich ebenfalls sehr gern in solche Vorstellungen und liebe den Charme von Programmkinos, weshalb ich mich des Öfteren mit diesen Leuten herumärgern muss. Sie bilden sich ein, weil sie „richtige Kultur“ und „ernste Kultur“ dem Blockbuster-Spektakel vorziehen, sitzen sie moralisch so hoch oben auf ihrem Ross, dass für sie simple Höflichkeitsrituale nicht mehr gelten.

In der Schlange vorm Einlass sowie vorm Snackstand (wo es statt Cola im Pappbecher Sekt im Glas gibt) wird geschubst, was das Zeug hält, wer sich vermeintlich im Weg aufhält, wird gnadenlos beiseite geschoben. Dabei ziehen diese älteren Herrschaften eine Flunsch, als hätten sie in eine vergammelte Zitrone gebissen und du, der du dich ihnen in den Weg zu stellen wagst, wärst Schuld daran.

Im Kinosaal geht es dann weiter. Die kulturversnobten Asi-Aggro-Senioren unterhalten sich lautstark, während der Film läuft, brummseln, röcheln, husten, schnaufen und räuspern sich unentwegt oder rascheln mit ihren Popcorntüten – aber wehe, man selbst stupst versehentlich einmal von hinten gegen ihren Sitzplatz. Dann wird man aber zur Sau gemacht, Holla, die Waldfee!

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94. Stück: Theater, Social Media und SEO – gar nicht mal so verschieden?

Wie einige von euch vielleicht schon wissen, teilt sich mein Berufsleben in zwei Phasen: Theater und Internet. Auf den ersten Blick scheint das beides wenig gemeinsam zu haben.

Schließlich stehe ich beim Theater in voller Lebensgröße da und spreche Texte, die jemand anders geschrieben hat. Als Online Redakteurin hingegen sitze ich an meiner Tastatur und schreibe selbst die Texte – oft, ohne dass ich als Person überhaupt in Erscheinung trete.

Aber ist die Arbeit am Theater und die an der Tastatur wirklich so verschieden? Ich finde nicht. Schaut man genauer hin, machen sich ein paar Gemeinsamkeiten bemerkbar.

Unmittelbarkeit und direkte Kommunikation

Das Besondere am Theater ist die direkte, unmittelbare Kommunikation zwischen den Schauspielern auf der Bühne und den Menschen im Publikum. Es entsteht eine sogenannte Feedbackschleife: Die „Energie“ der Zuschauer überträgt sich auf die Schauspieler und umgekehrt.

Und im Internet? Ist es vor allem auf Social Media ganz ähnlich. Insbesondere, wenn man auf Facebook, Instagram oder YouTube einen Livestream per Video sendet und die Kommentare der User in Echtzeit sieht und beantworten kann, wird die unmittelbare, direkte Kommunikation zwischen „Akteuren“ und „Zuschauern“ offensichtlich.

Doch auch, wenn man nicht live sendet, sondern einen Tweet, eine Statusmeldung oder einen Link postet, kann man dieser direkten Kommunikation nahekommen. Das funktioniert auch, wenn man eine Kommentarfunktion oder die Möglichkeit einer Bewertung unter den Artikeln hat, die man im Netz publiziert.

Da sieht man dann, wie die eigenen Inhalte bei den Lesern ankommen und es überträgt sich oft eine Stimmung von einem User zum anderen und schließlich auch auf den Autor.

Das ist nicht immer schön: Im Gegensatz zum Theater sitzen die Menschen im Internet nicht nebeneinander. Da vergisst der eine oder andere schon mal seine gute Erziehung und motzt, pöbelt, stänkert und trollt, nur um sich wichtig zu machen – und diese aggressive Grundstimmung färbt dann auf die anderen User ab.

Nichtsdestotrotz finde ich das unheimlich spannend, diesen Prozess zu beobachten. Und manchmal versuche ich, die Grundstimmung in eine andere Richtung zu lenken, indem ich sachliche, höfliche und interessierte Kommentare schreibe.

Allerdings sind meine Nerven da auch nicht unbegrenzt strapazierbar … da fühlt man sich manchmal so, als würde man als Schauspieler auf der Bühne ausgebuht und mit faulen Tomaten beworfen. Und da hilft gelegentlich nur noch der Rückzug.

Einzigartigkeit der Inhalte

Über den ephemeren Charakter des Theaters hatte ich ja schon mal einen Essay geschrieben. Dieses Vergängliche, das „im Moment sein“ jeder Aufführung, macht den Zauber des Theaters aus, macht es einzigartig.

Einzigartigkeit ist auch das, wonach wir Online-Redakteure mit unseren Inhalten streben. „Unique Content“ nennt sich das dann und unter SEO-Experten (Search Engine Optimization, Suchmaschinenoptimierung) ist man sich relativ einig, dass man damit bei Google Punkte sammeln kann – sofern der einzigartige Inhalt auch für das Thema der eigenen Website relevant ist und dem User einen echten Mehrwert bietet. Sonst könnte man ja auch irgendeinen willkürlichen Murks zusammenspinnen und behaupten: Bäm! Das ist jetzt „Unique Content“ ihr Luschen!

Der Rezipient beeinflusst wesentlich Erfolg und Scheitern

Apropos Mehrwert für den User: Das ist im Prinzip der Kern von erfolgreicher SEO- und Social-Media-Arbeit. Klar, im Detail setzt sich dieses simpel klingende Prinzip aus vielen kleinen Einzelheiten zusammen – viele davon kann man mit verschiedenen, spannenden Tools messen, analysieren und interpretieren. Manchmal kommt es aber auch einfach auf Intuition, Menschenkenntnis und Empathie an.

Das ist mit der Arbeit des Schauspielers und Regisseurs durchaus vergleichbar. Man braucht sowohl solides Handwerk (Stimmbildung, Sprechtraining, körperliche Fitness) als auch Talent und Gespür. Und ob man mit seiner Kunst Erfolg hat oder scheitert, hängt vom Publikum ab.

Wenn man auf der Bühne nur sich selbst beweihräuchert, abfeiert und sich gegenseitig bestätigt, die Zuschauer aber ignoriert, wird man keinen unvergesslichen Theaterabend bescheren. Das Publikum wird sich ausgeschlossen fühlen, sich langweilen, vielleicht sogar ärgern und unruhig werden. Schlimmstenfalls sogar zu Scharen den Raum verlassen. Vielleicht spricht sich herum, wie unerträglich das Stück ist, das Publikum wird weniger, bleibt schließlich ganz fern. Ungünstig.

Umgekehrt kann man das Publikum mitreißen, verzaubern und dafür sorgen, dass die Zuschauer anders das Theater verlassen, als sie es betreten haben. Dafür ist es wichtig, dass man auf das Publikum eingeht, ohne sich anzubiedern – wie bei einem richtig guten Text. Und auch das kann sich herumsprechen: wie toll und einzigartig und wunderbar dieses Theaterstück war oder dieser Online-Artikel ist.

Rollenarbeit und Marketing

Mit Rollenarbeit bezeichnet man bei Schauspielern das Entwickeln einer Figur. Da gibt es unzählige Schauspieltheorien, die einem diese höchst individuelle, komplexe Arbeit erleichtern kann (oder auch nicht, wie zum Beispiel Strasbergs Method Acting meines Erachtens). Ein Ansatz ist, eine Biografie für die eigene Figur zu schreiben. Das kann man sehr ausführlich machen – oder man notiert in Stichpunkten bestimmte archetypische Eigenschaften, die einem bei der Orientierung und Ausrichtung der Figur helfen.

In eine vergleichbare Richtung geht im Online Marketing die Methode der sogenannten Buyer Personas. Dabei entwirft man Archetypen als Vertreter der eigenen Zielgruppe. In Stichworten notiert man dann bestimmte Charakteristika, die diese Archetypen kennzeichnen, und die einem bei der Orientierung und Ausrichtung der eigenen Inhalte helfen.

Das erinnert auch ein wenig an das Konzept des „idealen Lesers“ aus der Erzähltheorie. Da habe ich im Erzähltheoretischen Kolloquium und in Uni-Seminaren schon erbitterte Diskussionen erlebt, ob man diesen „idealen Leser“ und insbesondere sein Äquivalent, den „idealen Autor“, überhaupt braucht. Man habe den realen Leser und realen Autor, den Erzähler und die Figuren, das reiche ja wohl, um einen Text zu analysieren und zu interpretieren.

Ich sehe das ganz pragmatisch: Wenn man es hilfreich findet und es dazu führt, dass man eine bessere Vorstellung der angepeilten Zielgruppe, des angepeilten Lesers, erhält und daraufhin bessere Texte schreibt … dann ist doch alles fein. Dann muss man sich echt nicht wegen Begrifflichkeiten und Definitionen in die Haare kriegen und seine Zeit mit rechthaberischen Diskussionen verplempern.

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Und, liebes Publikum, liebe Leser: Wie seht ihr das? Sind das Internet und das Theater zwei völlig verschiedene Welten? Oder könnt ihr meine Beispiele nachvollziehen? Schreibt es mir in den Kommentaren, ich bin gespannt.

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