98. Stück: Die besten und schlechtesten Filme der 2010er Jahre

In Anbetracht dessen, dass wir seit ein paar Tagen ein neues Jahrzehnt beschritten haben, halte ich es für angebracht, einen Kinorückblick auf das vergangene Jahrzehnt zu werfen.

Die Auswahl ist rein subjektiv und manchmal sind mehrere Filme aus einem Jahr dabei und aus einem anderen Jahr dafür keiner – manchmal sind die Kinojahre ja recht mittelmäßig, manchmal herausragend schlecht und manchmal herausragend gut.

Ich habe erst 2015 angefangen, meine Kinojahresrückblicke auf meinem Blog zu veröffentlichen. Für die Filme aus der zweiten Hälfte der 2010er Jahre habe ich daher die Kritik nur angerissen und dann den jeweiligen Kinojahresrückblick verlinkt. Für die Filme aus der ersten Hälfte der 2010er Jahre habe ich eine kleine Begründung formuliert, weswegen sie es auf meine Liste geschafft haben.

Die besten Filme von 2010 bis 2019

10. „Die Beste aller Welten“

„Die Beste aller Welten“ von Adrian Goiginger ist eine wunderbar leicht erzählte, tief berührende Mutter-Sohn-Geschichte. Gesehen habe ich den Film auf der Berlinale im Jahr 2017, zusammen mit einer Freundin, und wir waren richtig glücklich, dass wir nicht nur überhaupt noch Karten für eine Vorstellung ergattert hatten, sondern auch und vor allem, weil wir dabei so ein tolles Filmjuwel erwischt haben.

Der Film war auch der Favorit meines Kinojahresrückblicks von 2017 – dort könnt ihr auch die vollständige Kritik lesen.

9. „10 Cloverfield Lane“

„10 Cloverfield Lane“ von Dan Trachtenberg ist ein großartiges Kammerspiel und spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es ist allerdings möglicherweise für die Zuschauererwartung etwas ungeschickt, den Titel so nah an den Found-Footage-Film „Cloverfield“ anzulehnen. Viele erwarten daraufhin eine Fortsetzung, ein Spin-off oder ein Prequel – tatsächlich aber haben beide Filme kaum etwas miteinander zu tun. Ich fand’s gut, weil ich nicht so ein ‚creature feature‘-Katastrophenfilm-Fan bin, aber psychologisch feinsinnige Charakterzeichnung, tolle Schauspieler und intelligentes Storytelling liebe.

„10 Cloverfield Lane“ war der Favorit meines Kinojahresrückblicks von 2016 – dort gibt’s die vollständige Kritik zu lesen.

8. „Snowpiercer“

„Snowpiercer“ von Bong Joon-ho aus dem Jahr 2013 hat mich aus mehreren Gründen fasziniert und gefesselt. Da wäre einerseits das klaustrophobische Setting in einem Zug, der ohne anzuhalten durch eine vereiste Landschaft fährt. Dann ist die Prämisse des Films einfach, aber genial: In den hinteren Waggons sitzen die Armen, in den vorderen Waggons die Reichen – und dann gibt es eine Revolution, als einige der hinteren Waggon-Bewohner versuchen, sich nach vorne durchzukämpfen. Das klingt simpel, entfacht aber eine atemberaubende Spannung.

7. „The Artist“

„The Artist“ von Michel Hazanavicius aus dem Jahr 2011 ist ein moderner Stummfilm, der mich mit seiner Ästhetik, seiner liebenswerten Story und dem stimmigen Gesamteindruck überzeugt hat. Ein Film, der eine Hommage an den Stummfilm darstellt, und trotzdem als originelles, eigenständiges Werk hervorsticht.

6. „Joker“

„Joker“ von Todd Phillips ist ein erschütterndes Porträt einer tragischen Existenz, der nach und nach alles entgleitet. Die ganze Kritik gibt es in meinem Kinojahresrückblick von 2019.

5. „Rocketman“

„Rocketman“ von Dexter Fletcher hat mich einfach umgehauen. Der Film ist von 2019 und die vollständige Kritik könnt ihr in meinem neuesten Kinojahresrückblick lesen.

4. „Shutter Island“

„Shutter Island“ von Martin Scorsese aus dem Jahr 2010 dürfte wohl auf so mancher Bestenliste des vergangenen Jahrzehnts einen Platz gefunden haben. Dieser Psychothriller ist spannend, hintergründig, wendungsreich und wahnsinnig gut gespielt. Kurz: ein Meisterwerk.

3. „Whiplash“

Whiplash“ von Damien Chazelle ist ein pulsierender Musikfilm, ein fesselndes Drama und richtig großes Kino. Hier stimmt einfach alles: Der Rhythmus des Schlagzeugs geht so ins Blut, durch Mark und Bein, dass einen die Musik auch ohne große Jazzkenntnisse mitreißt. Die beiden Hauptfiguren, der junge, talentierte Schlagzeuger Andrew und sein Lehrer Terrence Fletcher, sind so facettenreich gestaltet, dass sie einem trotz ihrer unsympathischen Wesenszüge ans Herz wachsen, man mit ihnen fühlt und um sie bangt. Wie die zwei ihr psychologisches Duell ausfechten, ist von nervenzerfetzender Spannung.

„Whiplash“ war mein Zweitlieblingsfilm aus dem Kinojahr 2015.

2. „Inception“

Wie? Was? „Inception“ von Christopher Nolan aus dem Jahr 2010 nur auf dem zweiten Platz? Ja, tatsächlich – das liegt daran, dass der Film, so genial er auch ist, ein wenig an Schlagkraft verliert, je öfter man ihn sieht. Ich habe ihn im Studium für ein Referat gründlich hin und her analysiert und der Film hat mich schließlich auch auf mein Thema „Mentale Metadiegesen im zeitgenössischen Film“ meiner Masterarbeit gebracht. Aber anders als zum Beispiel „Fight Club“ wird „Inception“ leider beim wiederholten Gucken etwas schwächer. Trotzdem ist er nach wie vor ein herausragend guter Film!

1. „Ex Machina“

Bei „Ex Machina“ von Alex Garland merkt man, dass da ein Drehbuch- und Romanautor am Werk war. Die Geschichte erzählt sich fast von selbst, so hervorragend sind die Figuren in diesem klaustrophobischen Kammerspiel konzipiert (Hurra, eine Alliteration). Der Schauplatz, ein teils unterirdischer Bunker mitten im dichten Wald eines Tals im Gebirge, kann nur mit Hubschrauber erreicht werden. Die vier Figuren, die in dem Haus mehr oder weniger eingesperrt und von der Außenwelt isoliert sind, werden aufeinander losgelassen und was dann passiert ist von unheimlicher Eindringlichkeit.

„Ex Machina“ steht noch vor „Whiplash“ auf meiner Liste der besten Filme von 2015.

Die schlechtesten Filme von 2010 bis 2019

10. „Source Code“

„Source Code“ von Duncan Jones aus dem Jahr 2011 hat eigentlich eine spannende Story, die Mindgame-Elemente, Zeitreisen und Zeitschleifen enthält, und ist top besetzt. Trotzdem war der Film eine Riesenenttäuschung und driftet zu sehr ins Sentimentale ab. Man hätte so viel aus diesem Film machen können und hat das Potenzial nicht genutzt. Grund genug, auf dem zehnten Platz meiner Flops-des-Jahrzehnts-Liste zu landen.

9. „Johnny English 3“

„Johnny English – Man lebt nur dreimal“ von David Kerr ist eine lahmarschige, trutschige Agentenparodie mit einem gealterten Mr. Bean, bei der ich diverse Male eingenickt bin. Dieses unsägliche Machwerk hat es dann auch auf meine Flop-Liste 2018 auf den ersten Platz geschafft – dort könnt ihr auch die vollständige Kritik lesen.

8. „Der Dunkle Turm“

„Der Dunkle Turm“ von Nikolaj Arcel hat mich sehr enttäuscht. Eigentlich dachte ich, meine Erwartungen nicht sonderlich hochgeschraubt zu haben, da die Kritiken mau waren und es hieß, es wäre ein Best-of-Potpourri aus allen 8 Bänden der Fantasy-Buchreihe von Stephen King, keine werkgetreue Umsetzung.

Inzwischen habe ich alle acht Bände gelesen und finde den Film rückblickend sogar noch schlechter als 2017, wo er es nur auf Platz 6 der schlimmsten Flops geschafft hat.

7. „Eclipse – Biss zum Abendrot“

„Eclipse – Biss zum Abendrot“ von David Slade aus dem Jahr 2010 ist wie seine beiden Vorgänger einfach sehr schlecht gemacht. Und während die vollkommen idiotische Geschichte um Bella, Vampir Edward und Werwolf Jake in den Büchern noch so spannend geschrieben war, dass man mit den Figuren mitgefiebert hat, obwohl Bella eine dumme Pute ist, die die Errungenschaften weiblicher Emanzipation zugunsten teenagerüblichen Hormongeschwurbels mit Füßen tritt und Edward ein strunzlangweiliger Schnösel ohne Sinn für Humor ist, ist der Film wirklich doof. Hinzu kommt das erbärmlich schlechte Make-up und das nicht eben virtuose Spiel der Akteure.

6. „Ben Hur“

„Ben Hur“ von Timur Bekmambetov ist tatsächlich ziemlich schlecht. Nicht ganz so schlimm wie der Film, der es auf Platz 1 meiner Flops des Jahrzehnts geschafft hat – es gibt immerhin ein paar spannende Szenen und das Wagenrennen ist zugegebenermaßen sehr gelungen -, aber dennoch nicht gut gemacht. Warum ich das so sehe? Das lest ihr in meiner Flop-2016-Liste.

5. „Transcendence“

„Transcendence“ von Wally Pfister aus dem Jahr 2014 hat es insbesondere Hauptdarsteller Johnny Depp zu verdanken, auf Platz 5 dieser Liste gelandet zu sein. Dieser einst so geniale, außergewöhnliche Schauspieler agiert mit einer Lustlosigkeit und Langeweile, dass es den ganzen Film herunterzieht. Die Grundidee ist dabei spannend – das Bewusstsein eines Menschen wird vor seinem Tod in einen Computer hochgeladen -, aber was daraus gemacht wurde, ist einfach nur Murks.

4. „Glass“

„Glass“ von M. Night Shyamalan war langweilig und sogar noch schlimmer als der Vorgänger „Split“. Ich bin zwischendurch immer wieder eingeschlafen, ohne irgendwelche wesentlichen Informationen verpasst zu haben. Was ich sonst noch von dem Film halte, könnt ihr auf meiner Flop-2019-Liste nachlesen, wo er sich den zweiten Platz verdient hat.

3. „Benjamin Blümchen“

„Benjamin Blümchen“ von Tim Trachte ist so lieblos und handwerklich schlecht dahingerotzt, dass vom Charme des Hörspiels, dem ich als Kind so gern gelauscht habe, nichts übrig geblieben ist. Daher führt er auch völlig zu Recht meine Flop-2019-Liste an und hat es hier auf Platz 3 geschafft.

2. „Alien: Covenant“

„Alien: Covenant“ von Ridley Scott fand ich nicht nur total doof, er war auch schlecht gemacht. Deswegen hat er es auch an die Spitze meiner Flop-2017-Liste geschafft, wo ihr die vollständige Kritik lesen könnt.

1. „Jupiter Ascending“

„Jupiter Ascending“ von den Wachowski-Geschwistern ist ein ganz heißer Kandidat für die Goldene Himbeere – und zwar in sämtlichen Kategorien. Normalerweise würde ich ja diplomatisch sagen, dass ich ihn schlecht fand. Dieses Mal würde ich mich aber glatt dazu hinreißen lassen zu urteilen: Der ist einfach schlecht.

Und dieser Meinung bin ich immer noch. „Jupiter Ascending“ ist aus dem Jahr 2015 und seit ich meine Kinojahresrückblicke schreibe, ist mir noch kein schlechterer Film untergekommen.


Und? Was waren eure Lieblingsfilme aus dem vergangenen Jahrzehnt? Welche Filme fandet ihr richtig doof? Was haltet ihr von meiner Auswahl? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt 🙂

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Film und Fernsehen, Kritik

97. Stück: Kinojahresrückblick 2019 – die niederschmetterndsten Enttäuschungen

Auch 2019 gab es wieder Filme, die so grottenschlecht waren, dass sie sich einen Platz auf meiner Flop-Liste verdient haben. Die da wären:

10. „Hellboy – Call of Darkness“

„Hellboy – Call of Darkness“ von Neil Marshall haben mein Kumpel und ich nach etwa der Hälfte des Films verlassen, weil er einfach langweilig war. Der sprang unmotiviert von einem Ort zum nächsten, irgendwelche Leute tauchten auf und wurden dahingemetzelt, es ging irgendwie um Hexen, Vampire, Wahrsager, Leute, die mit Toten reden können, Nazis, Leuten, die nicht altern, das ultimative Böse und Dämonen. Die Dialoge waren überwiegend flach, nur wenige Gags waren immerhin so amüsant, dass sie mir ein kurzes „Höhö“ entlockten, ansonsten waren da auch einige Fehlzünder dabei.

Das Ganze hatte keinen wirklichen roten Faden, wirkte zerfahren, inkonsequent, unentschlossen und man hatte den Eindruck, die wissen alle selber gar nicht, was sie eigentlich für eine Geschichte erzählen wollen. Die Figuren waren obendrein so flach und oberflächlich konzipiert, dass man überhaupt nicht mit ihnen mitfühlen konnte. Das war alles total egal, was passiert ist.

Natürlich muss man meine Kritik mit Vorbehalt lesen, da ich nicht beurteilen kann, ob der Film in der zweiten Hälfte womöglich doch noch aus dem Quark gekommen ist, die angerissenen Handlungsfetzen irgendwann doch noch zu einer Einheit zusammengeflossen sind und einem die Figuren vielleicht doch noch ans Herz wachsen. Aber ich denke, wenn das in der ersten Stunde schon nicht passiert ist, wäre das schon sehr unwahrscheinlich, wenn da noch was kommt.

Fazit: Völlig belangloser Film. Noch nicht einmal so schlecht, dass man sich darüber aufregen und einen saftigen Verriss schreiben könnte. Und auch nicht auf eine Weise schlecht, dass man es als unfreiwillige Komik werten und trotz mieser Qualität seinen Spaß haben könnte. Sondern einfach nur egal. Kann man sich sparen.

9. „Ad Astra – Zu den Sternen“

„Ad Astra“ von James Gray habe ich größtenteils verschlafen, weil er sich im quälend langsamen Erzähltempo dahinschleppt, zäh und mühsam und anstrengend. Brad Pitt spielt toll und in den Momenten, in denen ich kurz aus meinem Schlummer aufgetaucht bin, konnte ich erkennen, dass der Film visuell stark geworden ist. Möglicherweise gibt’s auch irgendeine Botschaft dahinter, die ich aber buchstäblich verpennt habe.

Aber im Wesentlichen zieht der Film einen einfach nur fürchterlich herunter. Die Hauptfigur ist so emotional verkorkst und abgestumpft, lebensmüde und weiß gar nicht, was sie will, laboriert da an ihrem Vaterkomplex herum und mäandert ohne konkreten Plan fatalistisch ihrem Schicksal entgegen … Puh. Als Psychogramm eines depressiven Astronauten ist das ja sehr treffend, aber wenn die Filmhandlung quasi nur daraus besteht, ist es schwierig, Spannung aufzubauen.

Fazit: Och nö, den muss man nicht gucken. Dann lieber „Interstellar“ noch mal anschauen und dort das Ende ignorieren.

8. „Willkommen in Marwen“

„Willkommen in Marwen“ von Robert Zemeckis ist leider ziemlich lahm geraten. Die Animationen der Puppenszenen sind zwar einwandfrei und das Ganze ist auch gut gespielt – vor allem von Steve Carell als Mark Hogancamp -, aber irgendwie kommt der Film einfach nicht aus dem Quark.

Mir scheint, es wurde sich zu sehr darauf verlassen, dass es sich hierbei um eine wahre Geschichte handelt und dass die von alleine schon dramatisch genug ist – ohne, dass man da noch dramaturgisch etwas tun müsste. Dem ist aber leider nicht so. Ob eine Geschichte nun einen wahren Hintergrund hat oder komplett frei erfunden ist: die Erzählmechanismen, um Spannung aufzubauen, eine Handlungskurve zu kreieren und Empathie für die Figuren zu wecken, sind dieselben. Und die haben hier gefehlt.

Das Ergebnis: Der Film ist sehr zäh und langatmig erzählt, die Hauptfigur berührt trotz ihres schweren Schicksals nicht, die Frauen bleiben oberflächlich charakterisiert und beinahe wirken die Puppen lebendiger und facettenreicher als die lebenden Vorbilder in der realen Welt. Die einzigen Momente, wo man mal ein wenig mit den Figuren mitfühlt, sind die, wo Mark Hogancamp versucht, seiner Nachbarin näher zu kommen und man ihr ansieht, dass sie ihn nicht verletzen will und ihn gern hat, aber nun mal eben kein romatisches Interesse an ihm hegt und sich Vorwürfe macht, zu nett zu ihm gewesen zu sein und ihm falsche Hoffnungen gemacht zu haben.

Ansonsten wird hier sehr viel Potenzial verschenkt. Jegliche Ansätze, die die Geschichte spannend machen könnten, wie das Auftauchen von Nicols Ex-Freund, laufen einfach ins Leere. Möglichkeiten, Gesellschaftskritik zu üben und die Folgen männlichen Sexismus (aka toxischer Männlichkeit) aufzuzeigen, werden ignoriert. Und dann fand ich auch, dass der ganze Film so einen positiven Sexismus gegenüber Frauen ausströmte, den ich persönlich als ziemlich penetrant empfand. Da war nicht immer ganz einfach zu trennen, ob das die Hauptfigur betrifft, oder ob das die Aussage des Films ist, wie sanftmütig, mitfühlend und zart und liebreizend wir Frauen doch alle sind. Das fand ich leicht gönnerhaft. Aber ich bin da auch ziemlich schnell genervt von sowas …

Im Prinzip passiert in dem Film nicht viel. Die Fantasiewelt mit den Puppen ist schon recht dramatisch, manchmal aber auch etwas dick aufgetragen. Und die Verbindung zwischen Hogancamps Ängsten und der Fantasiewelt wurde auch deutlich – das war schon gut gemacht. Aber der Film an sich, in seiner Gesamtheit, war langweilig. Und das hätte nicht sein müssen.

Fazit: Muss man nicht sehen. Schade.

7. „Es – Kapitel 2“

„Es 2“ von Andy Muschietti war nicht sehr gut. Was mich an Teil 1 bereits gestört hatte – die nicht wirklich gruseligen Schockmomente, die unglaubwürdigen Special-Effects, die viel zu plumpen, grotesken Horrorfiguren, die völlig unsubtil ins Bild poltern – haben mich in Teil 2 genauso genervt. Man sieht einfach zu viel. Nach dem ersten kurzen Aufzucken aufgrund des Jumpscares weiß man Bescheid und dann ist es einfach nicht mehr gruselig.

Das Unheimliche, das im Buch die gesamte Atmosphäre durchzieht und umwabert, das im ersten Teil wenigstens ansatzweise zu spüren war, fehlt hier leider. Es gibt nur wenige starke Momente, die erahnen lassen, was aus dem Film hätte werden können, wären die Schockmomente subtiler ausgefallen und hätte man der Atmosphäre und den Figuren mehr Raum gelassen.

Die Schauspieler sind allerdings toll – leider ist die Charakterzeichnung der Figuren teils etwas dünn geraten, sodass nicht alle gleichermaßen glänzen können. Jessica Chastain und James McAvoy haben normalerweise sehr viel mehr drauf. Auch den erwachsenen Ben-Darsteller fand ich etwas blass. Die erwachsenen Eddie und Richie waren aber richtig klasse.

Fazit: Vielleicht kann das Buch einfach nicht adäquat filmisch umgesetzt werden (wobei ich noch Tim Curry als Pennywise in Erinnerung habe, als ich als Kind mal aus Versehen ein Stück aus der alten Verfilmung gesehen hatte – das finde ich heute noch gruselig und ich trau mich bis heute nicht, die alten Filme noch mal zu sehen). Jedenfalls war ich sowohl vom ersten als auch vom zweiten Teil ziemlich enttäuscht.

6. „After Passion“

„After Passion“ von Jenny Gage ist wirklich nicht gut gemacht und ganz objektiv betrachtet ein schlechter Film. Subjektiv betrachtet hatte ich trotzdem meinen Spaß. Ohne irgendetwas über den Film oder die Buchvorlagen zu wissen, bin ich vollkommen ohne Plan, aber dank Kino-Abokarte kostenlos, in diese Teenie-Schmonzette hineingestolpert. Ein Freund von mir hatte den Film vorgeschlagen und ich dachte: Warum nicht?

Ergebnis: Wir beide haben den Altersdurchschnitt im Kinosaal mindestens verdoppelt und mein Kumpel war im Prinzip der Hahn im Korb. Und wir beide waren vermutlich ziemlich nervige Mitzuschauer, weil wir uns die ganze Zeit gegenseitig Lästereien über den Quatsch, der da auf der Leinwand zu sehen war, zugeflüstert und uns beömmelt haben. Normalerweise sind wir diejenigen, die sich über solche rücksichtslosen Zeitgenossen echauffieren und schimpfen, wie man nur so schlecht erzogen sein kann – jetzt waren wir selber mal die Schnatterköppe im Saal. Interessante Erfahrung.

Aber zurück zum Film und warum der so schlecht war: Die Erwartung, die am Anfang geweckt wird, wird nicht erfüllt. Sowas ist aus Storytelling-Sicht natürlich schon mal richtig Murks. Man kann doch dem Zuschauer nicht versprechen, dass Tessa voll die krasse Wandlung durchmacht und von der braven Streberin zur verruchten Femme fatale mutiert, wenn das nachher gar nicht passiert. Nö. Wir sehen hier eine etwas artige, ehrgeizige und intelligente, ansonsten aber ganz normale junge Studienanfängerin, die durch die Begegnung mit Hardin lernt, aus sich heraus zu kommen, ihre sinnliche Seite entdeckt, und an Selbstvertrauen und Entschlossenheit gewinnt. Sie bleibt sie selbst, sie öffnet sich halt nur mehr. Das ist schön für sie, aber wo ist denn da das Drama?

Und was ist Hardin bitteschön für ein misslungener Bad Boy? Gut, der führt sich am Anfang auf wie ein Vollidiot, ist arrogant und dauerbeleidigt, aber man merkt doch ziemlich schnell, dass das nur Gepose ist. Ich fand’s zum Beispiel ziemlich unrealistisch, dass diese angebliche Leseratte nur schnieke Hardcover im Regal hatte. Also, ich als echte Leseratte und Tochter einer echten Leseratte würde niiiiiemals den wertvollen Platz in meinem Bücherregal mit fancy Hardcovern zustellen. Außerdem: Die Dinger sind scheiße schwer, die kann ich doch gar nicht in meiner Handtasche mit mir herumtragen, da hole ich mir doch ’nen Bandscheibenvorfall. Nee, ich hab meine Bücherregale (genau: plural) hauptsächlich mit Taschenbüchern vollgestellt, einige sind in Ermangelung von genügend Platz in zweiter Reihe geparkt, überall in der Wohnung liegen weitere Taschenbücher herum verstreut – und man sieht, dass sie gelesen wurden. Von daher wirkte Hardins Bücherwurmerei auf mich reichlich aufgesetzt und angeberisch, nicht echt. Na gut, aber Tessa sah das anscheinend anders.

Seine Tattoos sahen aus wie Abziehbildchen und nur weil man eine schicke Lederjacke und schwarze T-Shirts trägt, ist man noch lange kein böser Junge. Ich hab auch eine schwarze Lederjacke und schwarze T-Shirts und bin die Friedfertigkeit in Person. Und zwischendurch hatte der dann so einen putzigen Dackelblick drauf, dass ich ihm am liebsten einen Keks und einen Kakao angeboten hätte.

Wobei ich aber auch positiv anmerken möchte, dass die Anziehung zwischen Tessa und Hardin in den – jugendfrei und züchtig gehaltenen – Fummelszenen durchaus rüberkam. Und jaaa, hätte sich ein gut aussehender Typ vor 20 Jahren mit mir in der Bücherei einschließen lassen, um mir was vorzulesen, das hätte ich schon ziiiemlich heiß gefunden. Hach.

Aber immerhin macht Hardin im Gegensatz zu Tessa tatsächlich eine Wandlung durch. Ist er am Anfang noch der verkrachte, depressive, verschlossene, egozentrische Dummdödel, wird er durch Tessa zu einem ehrlichen, feinfühligen jungen Mann, der nicht nur um das eigene Herzeleid kreist, sondern sich auch für andere Menschen interessiert. Und so geben sie sich auch beide etwas: Hardin wird durch Tessa empathischer, Tessa merkt, dass sie in Ordnung ist, wie sie ist, und zu sich zu stehen.

Insofern finde ich auch die Liebesgeschichte zwischen Tessa und Hardin gar nicht mal so ärgerlich, sondern eigentlich ganz süß. Also kein rückständiges „Hauptsache, ich kann bis in alle Ewigkeit jung und schön und mit meinem Schnuckelhasi zusammen sein, scheiß auf Ausbildung, eigene Pläne und Gedöns“-Beziehungsbild à la Twilight. Und auch kein nerviges „Ich opfere mich für dich auf“ „Oh nein, ICH opfere mich für DICH auf“ Theater wie in Divergent.

Allerdings geht man ja eigentlich nicht ins Kino, um eine eigentlich ganz possierliche Teenie-Liebesgeschichte zu sehen, mit der man – wären das die eigenen Kinder – absolut einverstanden wäre. Sondern man will ja Spannung, Drama, Schmerz, Versöhnung und alles sehen, worauf man im echten Leben ganz prächtig verzichten kann, aber das eine Geschichte eben aufregend macht.

Was gibt es sonst noch zu meckern? Ach ja, die Dialoge. Grauenhaft. Die Schauspieler? Na ja. Ziemlich hölzern. Die Nebenfiguren? Schnarch. Die mise en scène? Lieblos. Kostüme, Make-up? Klischeehaft. Spannungskurve? LOL.

Fazit: Harmloser, süßer Teeniefilm, den man sich aus Jux angucken kann, auch wenn er echt schlimm ist.

5. „Terminator 6: Dark Fate“

„Terminator 6 – Dark Fate“ von Tim Miller schließt an die Ereignisse des zweiten Teils an – und das mit einem sehr starken Anfang. Leider lässt der Film nach diesen tollen ersten zehn Minuten immer weiter nach. Man hat überhaupt keine Zeit, die Protagonistinnen richtig kennenzulernen, da sind sie schon auf der Flucht. Und dann laufen sie vor dem bösen Terminator quasi den ganzen restlichen Film davon und man fragt sich, was ist eigentlich der Punkt, worauf wollen sie hinaus, was ist die Pointe? Dann erfährt man ca. 30 Minuten vor Schluss kurz die Pointe, denkt sich: Aha, und dann gibt’s noch einen ewig langen, ermüdenden Showdown und dann ist der Film vorbei. Also alles in allem ein recht belangloses Machwerk.

Die Idee, ein weibliches Dreiergespann in den Fokus der Handlung zu setzen, ist ja ganz nett. Aber vor allem nett gemeint – und das finde ich persönlich immer sehr gönnerhaft. Oho, seht her, wir sind ja so modern, unsere Helden haben keinen Penis, dafür aber Brüste. Potzblitz, was sind wir innovativ! Fakt ist aber: Holzschnittartig und oberflächlich charakterisierte Figuren vom Reißbrett sind langweilig – unabhängig vom Geschlecht. Wie es auch anders geht, hat im Übrigen „Captain Marvel“ ganz wunderbar gezeigt.

Fazit: Kann man sich sparen.

4. „X-Men: Dark Phoenix“

„X-Men: Dark Phoenix“ von Simon Kinberg ist eine logisch fragwürdige Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten und trotz überschaubarer Länge von 114 Minuten stinklangweilig geraten. Die Dialoge sind hölzern, redundant und flach. Die Figurenkonzeption ist weder schlüssig noch vielschichtig, ihre Motive nicht nachvollziehbar, die Konflikte zwischen den Figuren uninteressant. Die an sich hervorragenden Schauspieler können dabei überhaupt nicht vernünftig arbeiten und zeigen, was sie drauf haben, weil sie im Wesentlichen stylish herumposen und Platitüden absondern müssen.

Der Plot ergibt nicht wirklich einen Sinn. Irgendwie hätte ich jetzt bei einem Film, der „Dark Phoenix“ heißt, erwartet, dass es im Wesentlichen um Jean Grey und ihren Umgang mit ihren neu erworbenen Superkräften geht. Man erfährt zwar, wie sie zu diesen Superkräften gekommen ist und wie sie selbige überhaupt nicht unter Kontrolle hat und wie sie sich einsam und verbittert zurückzieht und Rachegefühle hegt. Aber parallel gibt es noch eine überhaupt nicht logische Handlung, – Achtung, Spoiler! – in der irgendwelche gestaltwandlerischen Außerirdische sich Jeans Kräfte bemächtigen wollen, weil die Kraft, von der sie genannte Kräfte erhalten hat, einst ihren Planeten zerstörte. Und deswegen wollen sie die Kräfte selber haben, um alles Leben auf der Erde zu vernichten und sich selbst dort einzunisten – ungeachtet dessen, dass die Kräfte ja vielleicht auch die Erde zerstören und unbewohnbar machen könnten. Also wie gesagt: total unlogisch.

Ebenfalls unlogisch: Warum ballern die Wachmänner und Polizisten auf Gestalten, die offenbar Kugeln abwehren können, einfach immer weiter drauf los? Das ist doch dumm!

Nun haben sich die Macher aber ganz pfiffig gedacht: Wer braucht schon eine Story und Figuren, mit denen man mitfiebert, wenn man das schwache Drehbuch einfach mit gaaanz viel CGI-Effekten umsetzen kann? Ja, und so ist das Ergebnis dann auch geworden.

Fazit: Ganz ehrlich? Diesen Film kann man sich sowas von sparen!

3. „Rambo 5: Last Blood“

„Rambo 5: Last Blood“ von Adrian Grunberg ist eigentlich nur in den letzten 20 Minuten ganz unterhaltsam – bis dahin zieht sich der Film wie Kaugummi und reiht ein Klischee ans nächste. Es ist ja schon ein bisschen witzig, dass die Bösen so richtig böse sind, die Schlampen so richtig schlampig, die Guten so richtig gut und rechtschaffen … aber das Ding ist, dass das im Film alles bierernst gemeint ist und nicht als ironische Überspitzung, um die Klischees zu entlarven. So werden sie eher bestätigt.

Obwohl im Film ganz furchtbare Dinge passieren, lässt es einen kalt, weil es so übertrieben ist – für unfreiwillige Komik ist es aber schon wieder zu schrecklich. Das Ergebnis ist, dass keine Spannung entsteht – wie auch, wenn das Schicksal der Figuren einen nicht berührt – und der Film trotz angenehmer Länge von rund 100 Minuten echt schwerfällig und mühsam wirkt. Ich bin zwischendurch auch immer mal wieder weggedöst und hätte wohl ein sehr geruhsames Nickerchen die ersten 80 Minuten lang machen können, ohne etwas zu verpassen – wären da nicht meine Mitzuschauer im Kino gewesen.

Von meinen Freunden und meiner Wenigkeit abgesehen war der ganze Kinosaal nämlich vollbesetzt mit impertinenten Troglodyten, die sich während des Films laut unterhielten, irgendwelche dümmlichen Kommentare rausblökten oder in einer Lautstärke atmeten, wie man sie höchstens von altersschwachen, überzüchteten Englischen Bulldoggen kennt. Ich brauchte wirklich meine gesamte Konzentration, um meine Impulskontrolle zu mobilisieren, damit ich nicht selbst zum Rambo wurde. Echt mal. Wo kommen diese ganzen schlecht erzogenen Arschlöcher ohne Sozialkompetenz und ohne einen Funken Feingefühl eigentlich immer alle her? Und warum können sie nicht zu Hause Filme gucken, wenn sie eh die ganze Zeit quatschen, dazwischenquaken oder laut vor sich hinschnauben wollen?

So, jetzt geht’s wieder … das musste mal raus.

Fazit: Für Fans der Rambo-Reihe würde ich empfehlen, zu warten, bis der Film auf Blu-Ray / DVD rauskommt – dann kann man die ersten 80 Minuten muckelig vorspulen und muss sich nicht über Asis im Publikum aufregen. Im Kino gucken? Muss nicht sein.

2. „Glass“

„Glass“ von M. Night Shyamalan war langweilig und sogar noch schlimmer als der Vorgänger „Split“. Ich bin zwischendurch immer wieder eingeschlafen, ohne irgendwelche wesentlichen Informationen verpasst zu haben. An sich ist die Grundidee ja nicht schlecht, Protagonist und Antagonist aus „Unbreakable“ auf die multiplen Persönlichkeiten des Kevin Wendell Crumb aus „Split“ treffen zu lassen. Das hätte spannend werden können. War es aber nicht.

Was ist schiefgelaufen? Nach einem annehmbaren Start, bei dem wir den unkaputtbaren David Dunn als „einsamen Rächer“ kennen lernen (das erinnert ein wenig an Bruce Willis‘ Rolle im ebenfalls sehr schlechten „Death Wish“) und sehen, dass Crumb genau dort weitermacht, wo er in „Split“ aufgehört hatte, kommt der Film einfach nicht aus dem Quark. Am Anfang war ich noch ein wenig neugierig, wo das hinführt, aber dann kommen die beiden in die Klapse und ab da geht es dann völlig bergab. Mr. Glass ist auch da und immer noch sehr schlau und sehr fies.

Und dann taucht Dr. Ellie Staple auf, die von einer hoffnungslos unterforderten Sarah Paulson verkörpert wird. Ich sage nicht „gespielt“, weil sie eigentlich nichts weiter tut, als küchentischpsychologischen Mumpitz zu verzapfen oder in hohen Absätzen durchs Bild zu stöckeln. Man fragt sich die ganze Zeit, was eigentlich ihre Motivation ist, warum sie auf so offensichtlich suggestive Art und Weise ihren „Patienten“ einzutrichtern versucht, dass sie sich ihre Kräfte bloß einbilden. Das wird zwar am Ende halbwegs begründet, aber es wirkt ziemlich konstruiert und wie eine Deus-ex-machina-schaut-mal-her-ein-Kaninchen-im-Hut-Lösung. Das ist halt ihre Aufgabe und die ist eben wichtig.

Außerdem kommt es zu einem ähnlichen Problem wie in „Split“, dass James McAvoy zwar ganz klasse spielt, aber seine Figur kommt vor lauter Hin-und-her-springen zwischen den verschiedenen Persönlichkeiten gar nicht dazu, zu handeln oder irgendetwas Bestimmtes zu wollen. Da hilft auch sein „Gegenstück“ Casey nichts, die er in „Split“ verschont hatte. Bruce Willis agiert hingegen völlig lustlos und wirkt irgendwie altersmüde, was sich nur zum Teil mit seiner Rolle erklären lässt. Sein Sohn ist ein hübscher Kerl, bleibt aber irgendwie auch blass und eindimensional.

Samuel L. Jackson spielt sein heimtückisches Superhirn Mr. Glass zwar prima, aber was er genau warum will, wird nicht wirklich klar. Vielleicht irgendwie Aufmerksamkeit und dass die Superhelden unter den Menschen ihre Kräfte entdecken und sich nicht mehr verstecken oder so. Also doch ein Wohltäter? Hm.

Dann schwurbelt sich der Film am Ende noch irgendwas mit den Geheimnissen des Universums und Gleichgewicht der Kräfte und Gedöns zurecht, bis er dann – nach endlos erscheinenden und völlig unnötigen 129 Minuten – endlich aus ist. Puh. Also, wer den Film erträgt, ohne zwischendurch wegzuratzen, verdient meine absolute Hochachtung.

Fazit: Bloß nicht! Schaut euch lieber noch mal „The Sixth Sense“ an.

1. „Benjamin Blümchen“

„Benjamin Blümchen“ von Tim Trachte ist so lieblos und handwerklich schlecht dahingerotzt, dass vom Charme des Hörspiels, dem ich als Kind so gern gelauscht habe, nichts übrig geblieben ist. Grottige Dialoge, die vor Offensichtlichkeiten, Belanglosigkeiten und Plattitüden nur so strotzen, werden von den gnadenlos unterforderten Schauspielern ohne einen Funken Herzblut heruntergeleiert. Die Story ist geradezu beschämend unterkomplex und dann auch noch von Anfang an komplett überraschungsfrei und vorhersehbar. Da helfen auch die flachen Gags, die vollkommen humorlos abgenudelt werden, nicht.

Man hat den Eindruck, die Leute, die dieses Machwerk hier verbockt haben, waren selbst nie Kinder. Ansonsten könnten sie doch wohl erahnen, dass Kinder merken, wenn etwas nicht authentisch ist. Und die Schauspieler wirkten alle überhaupt nicht glaubwürdig. Besonders schlimm fand ich den Kinderdarsteller, der Otto gespielt hat. Bekommen die jungen Schauspieler gar kein Sprechtraining und kein Schauspielcoaching? Das kann doch echt nicht angehen! Der ist bestimmt privat ein tolles, nettes Kind, aber spielen kann der überhaupt nicht, dann muss man ihm doch wenigstens beibringen, wie man einen Satz ohne zu Nuscheln geradeheraus spricht, das ist nämlich etwas, das man lernen kann.

Aber auch seine erwachsenen Kollegen, von denen man erwarten kann, dass sie ihr Handwerk schon beherrschen, liefern wirklich eine klägliche Performance ab. Gut: Die Dialoge sind fürchterlich, die Regie hat offenbar total versagt, das Drehbuch ist eine Schande … da stößt wohl der beste Schauspieler an seine Grenzen. Aber trotzdem: Heike Makatsch war ja noch einigermaßen OK mit ihrer knallchargierten Zora Zack und Friedrich von Thun als Zoodirektor Tierlieb war auch in Ordnung. Und Benjamin Blümchens Synchronisation fand ich auch nicht schlecht. Aber sonst? Das können die doch besser!

Was war da bloß los? So überhaupt keine Hingabe, oberflächlich, unglaubwürdig, unauthentisch, ohne Herz, ohne Seele … als hätten sie das alles nur mal eben kurz so dazwischengeschoben, des Geldes wegen, und nach mir die Sintflut. Und das in einem Film, der die Profitorientierung des Turbokapitalismus eigentlich zu kritisieren versucht, der behauptet, dass Freundschaft, Liebe und Herzblut das Wichtigste sind. Es wäre ironisch, wenn es nicht so traurig wäre. Ganz ehrlich, dann soll man’s eben lassen, wenn man keine Lust hat, einen niedlichen, charmanten, netten, süßen Film über so eine grundgute und liebenswerte Figur wie Benjamin Blümchen zu machen. Dann soll man halt Werbespots drehen, wenn man nur Merchandising oder anderen Scheiß verticken möchte.

Und dann auch noch diese völlig auf Krampf in die Handlung gequetschten Modernisierungsversuche. Das tut doch bei Benjamin Blümchen überhaupt nicht Not, dass da oberpeinliche Jugendjargon-Floskeln (die die Jugend heutzutage wahrscheinlich eh nicht benutzt) in die Dialoge gepresst werden, oder irgendein High-Tech-Gedöns. Eine spannende Geschichte, gewitzte Dialoge und der Charme des Originals hätten vollkommen ausgereicht.

Fazit: Ich bin enttäuscht, das war echt ganz große Grütze.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Film und Fernsehen, Kritik

96. Stück: Kinojahresrückblick 2019 – die besten Filme und Animationsfilme

Welche Filme haben mir im Jahr 2019 am besten gefallen? Und warum? Das verrate ich euch im Folgenden:

10. „Green Book – Eine besondere Freundschaft“

„Green Book – eine besondere Freundschaft“ von Peter Farrelly ist als Road- und Feelgoodmovie sehr gelungen. Wie sich die Beziehung zwischen Dr. Shirley und Tony Lip allmählich entwickelt, macht Spaß mitanzuschauen. Die Bilder sind schön und stimmungsvoll und fangen das Zeitkolorit und die Atmosphäre perfekt ein. Der Soundtrack ist absolut großartig. Und Mahershala Ali sowie Viggo Mortensen spielen einfach wunderbar.

Ein paar Kritikpunkte kann man trotzdem anbringen, wobei das aus meiner Sicht dem Filmvergnügen keinen Abbruch tut, da es ja darum geht, wie sich zwischen zwei verschiedenen Männern eine tiefe Freundschaft entwickelt – und das wurde ja hervorragend umgesetzt. Aber man kann zum Beispiel monieren, dass im Film nicht mehr passiert, als man auch schon im Trailer gesehen hat. Die Spannungskurve ist außerdem eher flach und macht nur in wenigen Momenten einen Sprung nach oben, wenn der Rassismus der Menschen zutage tritt und man Dr. Shirley dabei erlebt, wie er trotz allem versucht, seine Würde zu bewahren.

Was ich ebenfalls mit einem gewissen Unbehagen festgestellt habe, ist, dass Mahershala Ali als Nebendarsteller bei den Oscars nominiert ist, Viggo Mortensen hingegen als Hauptdarsteller. Ich habe mich mit meinen Kinobegleitern darüber unterhalten. Ich war der Meinung, die Hauptrolle in dem Film ist ja eigentlich die Beziehung zwischen den beiden Männern, also müssten auch beide Männer als Hauptrolle betrachtet werden.

Aber so im Nachhinein: Es stimmt ja schon, dass die Geschichte vor allem aus Tonys Sicht geschildert wird. Zudem hat ein Sohn des echten Tony Lip das Drehbuch geschrieben und als Produzent fungiert, der andere Sohn hat mitgespielt und auch Tonys Bruder hat eine Rolle im Film übernommen. Also vielleicht ist das doch gerechtfertigt. Ich stelle das allerdings gern zur Diskussion und finde es spannend, zu erfahren, wie andere das wahrnehmen.

Fazit: Ein schöner Film über eine außergewöhnliche Freundschaft. Macht Spaß, lohnt sich!

9. „Ben is back“

„Ben is back“ von Peter Hedges ist ein starkes Drama, das eindrucksvoll zeigt, wie Sucht nicht nur den Süchtigen selbst ins Verderben stürzt, sondern auch sein gesamtes Umfeld: Familie, Freunde und Bekannte. Trotz gelegentlicher Längen und obwohl eigentlich gar nicht so viel Sichtbares passiert, bleibt der Film durchweg spannend. Der Film ist nichts für schwache Nerven, denn trotz langsamem, ruhigem Erzähltempo passiert sehr viel im Inneren der Figuren und auf der Beziehungsebene der Figurenkonstellation.

Es hat etwas von einem Kammerspiel, wie Holly Burns um ihren Sohn Ben kämpft und dabei permanent zwischen Liebe, Sorge, Angst, Wut und Enttäuschung hin und her schwankt. Als Zuschauer fühlt man so intensiv mit ihr mit, dass man den Eindruck hat, selbst ihre Gefühlsachterbahn zu durchleiden. Julia Roberts und Lucas Hedges spielen dieses Mutter-Sohn-Gespann absolut großartig und so überzeugend, dass es an die Nieren geht. Toll, wie die beiden sich ergänzen!

Fazit: Dieser Film lässt einen nicht kalt! Unbedingt sehenswert!

8. „Die Frau des Nobelpreisträgers“

„Die Frau des Nobelpreisträgers“ von Björn Runge ist ein fesselndes Drama mit einer starken Glenn Close in der Hauptrolle. Der Mann an ihrer Seite, Jonathan Pryce, steht ihr in nichts nach und überzeugt als schwacher, eitler, kindischer und egozentrischer Autor. Als Paar harmonieren die beiden auf grandiose Weise und die Dynamik zwischen den beiden sorgt für Spannung. Die gesamte Ambivalenz dieser Beziehung wird deutlich.

Einerseits fragt man sich: Wie hat diese kluge, talentierte Frau es bloß so lange mit diesem Narzissten und Egomanen ausgehalten? Warum hat sie sich die Affären gefallen lassen? Weshalb hat sie ihre eigene Karriere für diesen – mit Verlaub – eingebildeten Schwachkopf aufgeopfert? Andererseits stellt sie aber auch klar: Ich bin kein Opfer. Sie hat sich schon bewusst dafür entschieden, diesen Weg zu gehen, dieses „Abkommen“ mit ihrem Mann zu treffen. Trotzdem wird klar: genug ist genug.

Im Grunde passiert im Film nicht viel, was man nicht auch schon aus dem Trailer kennt. Aber das macht nichts. Denn wie sich diese beiden großartigen Schauspieler gegenseitig die Bälle zuspielen, macht einfach Spaß mitanzusehen. Und man kann beide irgendwie verstehen. Den Mann, klar: Warum sollte er seine Frau verlassen, wenn sie ihm so bedingungslos den Rücken stärkt, seine Karriere überhaupt erst ermöglicht, obwohl er sie dauernd betrügt und nicht sonderlich empathisch behandelt?

Aber auch die Frau kann man verstehen: Schreiben ist ihr Leben, aber was nützt es, wenn sie nicht gelesen wird? Und in ihrer Jugendzeit sah sie keine Möglichkeit, als Frau ihre Texte erfolgreich zu publizieren. Da kam ihr das mangelnde Talent ihres Mannes und seine Geltungssucht gerade recht. Und dann war es irgendwann zu spät, um aus der Nummer wieder rauszukommen. Zwischendurch gab es wohl auch immer wieder glückliche Momenter voller Liebe. Also hält sie an ihrem Geheimnis fest. Wobei man ihr im Film ansieht, wie viel Kraft und Nerven sie das mit der Zeit kostet. Und Glenn Close verkörpert diese Frau, die kurz vor der Explosion steht, mit Bravour.

Fazit: Zwei fantastische Charakterdarsteller liefern sich ein spannendes Psycho-Duell. Unbedingt zu empfehlen!

7. „Der verlorene Sohn“

„Der verlorene Sohn“ von Joel Edgerton ist ein starkes Familiendrama und zeigt auf erschreckende Weise auf, welchen Vorurteilen Homosexuelle noch immer ausgesetzt sind. Im Mittelpunkt steht der junge Jared, der an einer sogenannten Reparativtherapie teilnimmt. Die Verantwortlichen betrachten Homosexualität als eine schlechte Verhaltensweise, die sich heilen ließe durch die „richtige“ Einstellung und allerlei absurden Handlungen, die als „typisch männlich“ betrachtet werden – aber eigentlich nur haarsträubend sexistisch sind.

Das ist recht nüchtern und sachlich erzählt, ohne Tränendrüsengedrücke, ohne großes Drama, ohne Geschrei. Die Schauspieler – vor allem Lucas Hedges, Nicole Kidman und Russell Crowe – spielen unaufgeregt, aber mit intensiver, innerer Kraft. Hier passiert auch sehr viel zwischen den Zeilen. Trotzdem gibt es immer wieder auch humorvolle Momente. Und gerade diese Erzählweise macht das Geschehen auf der Leinwand umso erschreckender. Umso mehr, wenn man erfährt, dass das Ganze auf einer wahren Geschichte beruht und solche „Therapien“ noch immer nicht überall verboten werden – und dass es wirklich Menschen gibt, die diesen gefährlichen Quatsch glauben. Da bleibt nach Ablauf des Abspanns schon ein Kloß im Hals stecken.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Nicht verpassen!

6. „Vice – Der zweite Mann“

„Vice – der zweite Mann“ von Adam McKay ist ein gelungenes Portrait von Dick Cheney und beleuchtet auf satirische Art und Weise die politischen Hintergründe, die schließlich im zweiten Irakkrieg mündeten. Das ist fies und bitter, aber auch so absurd, dass man es kaum fassen kann und lachen muss, um nicht zu verzweifeln.

Die Schauspieler sind durch die Bank weg grandios: Christian Bale verkörpert Dick Cheney so überzeugend, ambivalent und verschlossen, klug und besonnen – und brandgefährlich. Steve Carell spielt Donald Rumsfeld als sexistischen, eitlen, arroganten Kotzbrocken, der aber ganz genau weiß, wie man die eigene Macht für seine Zwecke nutzt. Amy Adams als Lynne Cheney steht ihrem Mann in nichts nach, ist teilweise sogar noch raffinierter, ehrgeiziger und rhetorisch geschickter als er – da haben sich wirklich zwei gefunden. Und Sam Rockwells George W. Bush ist einfach so gut getroffen, dass es eine Freude ist, ihm beim Spielen zuzuschauen.

Zwischendurch gibt es schon die eine oder andere Länge, wenn die familiären Angelegenheiten Cheneys im Vordergrund stehen und die politischen Ränkespiele in den Hintergrund treten. Aber insgesamt ist der Film sehr unterhaltsam. Die Geschichte wird außerdem immer wieder durch die Erzählstruktur mit mehreren Ebenen ironisch gebrochen, sodass es nie zu rührselig wird.

Fazit: Gelungene Politsatire mit tollen Schauspielern. Lohnt sich!

5. „Deutschstunde“

„Deutschstunde“ von Christian Schwochow geht einem an die Nieren. Wie der kleine Siggi Jepsen unter dem strengen, pflichtfanatischen Vater leidet, seine Freundschaft mit dem Patenonkel und Maler Nansen, wie er selbst seine Liebe zur Malerei entdeckt … das mitanzusehen, ist so überzeugend und beklemmend, dass es kaum auszuhalten ist. Diese Atmosphäre der ständigen Angst und Unterdrückung wird noch verstärkt durch die raue, kühle und trotzdem schöne Landschaft Nordfrieslands und ihrer wild-düsteren Stimmung. Die Schauspieler sind großartig, vor allem Levi Eisenblätter als junger Siggi ist umwerfend gut.

Fazit: Fesselnde und erschütternde Literaturverfilmung mit einem tollen Ensemble – lohnt sich!

4. „The Peanut Butter Falcon“

„The Peanut Butter Falcon“ von Tyler Nilson und Mike Schwartz ist ein herzerärmender Feelgood-Roadmovie mit glänzend aufgelegten Schauspielern, die wunderbar miteinander harmonieren. Mit einer Leichtigkeit und Natürlichkeit spielen Zack Gottsagen, Shia LaBeouf und Dakota Johnson sich gegenseitig die Bälle zu, dass es eine Freude ist. Die Geschichte ist spannend, aber ruhig und mit liebevollem Humor erzählt. Dazu passen die tollen Landschaftsaufnahmen von North Carolina, die für die passende Atmosphäre sorgen.

Man schließt insbesondere Hauptfigur Zak sofort ins Herz, aber auch der Fischer Tyler, der sein Leben nicht so richtig auf die Kette kriegt, und die Pflegeheimmitarbeiterin Eleanor, die vor lauter Korrektheit den Sinn für die Kleinigkeiten des Lebens vergessen hat, sind einfach liebenswert.

Fazit: Ein toller Film! Unbedingt anschauen!

3. „Parasite“

„Parasite“ von Joon-ho Bong ist ein merkwürdiger, schräger – aber auch genialer Film. Wie die verarmte Familie sich nach und nach, trickreich, geschickt und entschlossen im Haus der reichen Familie einnistet, macht Spaß zuzusehen. Die Dreistigkeit und Skrupellosigkeit, mit der sie dabei vorgehen, wäre allerdings nicht zu ertragen, wären die Figuren nicht so sympathisch und charmant gestaltet und würden die Schauspieler nicht so viel Spaß an ihren Rollen haben.

Auf diese Weise wirkt die groteske, irrwitzige Geschichte stellenweise urkomisch, dann wieder thrillerartig spannend und dann wieder tragisch und anrührend. Nebenbei erfährt man auch ein wenig über die Verhältnisse in Südkorea, über die Armut in dem Land, und wie sehr im Kontrast dazu die Reichen im Überfluss leben. Gesellschaftskritik gibt’s also auch dazu, aber ohne erhobenen Zeigefinger, moralische Betroffenheitskeule oder sonst irgendetwas. Der Film bewahrt sich die ganze Zeit über seine Leichtigkeit.

Zwischendurch gibt es schon ein paar Längen, aber im Nachhinein trüben sie das Vergnügen insgesamt nicht.

Fazit: Ein eigentümliches und ungewöhnliches Filmjuwel – nicht verpassen!

2. „Joker“

„Joker“ von Todd Phillips ist ein erschütterndes Porträt einer tragischen Existenz, der nach und nach alles entgleitet. Arthur Fleck gehört zu den unsichtbaren Ausgestoßenen der Gesellschaft, denen es schwer gemacht wird, einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Und dann wird ihm Stück für Stück das Bisschen, was er hat, weggenommen. Er findet keinen Anschluss an sein soziales Umfeld, wird verachtet und verlacht oder die Menschen haben Angst vor ihm. So oder so – er verliert jeden Halt und die Folgen davon … verrate ich nicht, um nicht zu spoilern.

Auf jeden Fall ist „Joker“ eine ziemlich düstere und pessimistische Abrechnung mit unserer Gesellschaft, dem Umgang mit Menschen, die anders sind, die Hilfe brauchen, die nicht 100-prozentig „funktionstüchtig“ sind und einem von Kapitalismus und Profitorientierung zerstörten Gesundheitssystem.

Fazit: Nichts für schwache Nerven, aber lohnt sich!

1. „Rocketman“

„Rocketman“ von Dexter Fletcher hat mich einfach umgehauen. Eigentlich mag (oder mochte?) ich die Musik von Elton John nicht besonders – zu brav, zu bieder, zu schnulzig. Tja. Ich lag falsch. Mir ist erst durch diesen Film bewusst geworden, wie viel Gefühl und Geschichte sich in Elton Johns Songs verbirgt. Gut, es wurden wohl hier und da ein paar Textstellen leicht angepasst, damit sie besser in die Handlung passen (behauptet zumindest ein Kumpel von mir, der riesiger Elton-John-Fan ist und in der Regel recht hat). Aber trotzdem hat es mich verblüfft, wie virtuos die Lieder in die Handlung eingeflochten waren.

In Kontrast zu der im Grunde tieftraurigen Kindheit Reginal Dwights mit seinen lieblosen, hartherzigen und egozentrischen Eltern, die ihrem Sohn mit Ablehnung an der Grenze zur Abneigung begegnen, ihn kleinmachen und ihm das Gefühl vermitteln wertlos und nicht liebenswert zu sein, stehen die quietschbunten Tanzszenen. Die Farben und mise en scène fangen das Zeitkolorit der 50er bis 80er Jahre atmosphärisch ein und sorgen für einen harmonischen Gesamteindruck.

Nach seiner wirklich herzzerreißenden Kindheit, in der nur seine Großmutter zu ihm stand, geht es für Reginald Dwight alias Elton John zunächst ebenso tragisch und dramatisch weiter. Eine besonders bedrückende Szene, die mir jetzt noch rückblickend die Tränen in die Augen treibt, ist die, in der Elton John seiner Mutter übers Telefon offenbart, dass er homosexuell ist. Es kostet ihn so viel Überwindung und sie erwidert kaltschnäuzig: „Das wusste ich doch schon längst. Ich hoffe, dir ist klar, dass dich nie jemand richtig lieben wird.“

Und auf einmal versteht man, wie es dazu kam, dass Elton John zu Beginn des Films im vollen Bühnen-Dress in die Selbsthilfegruppe einer Entzugsklinik stürmt und gesteht, dass er alkohol-, drogen-, medikamenteabhängig, bulimisch und sonstwas ist.

Die ganze Zeit habe ich mich gefragt: Wie kommt er aus dieser Nummer bloß wieder raus? Ich wusste ja eigentlich, dass es gut ausgeht und er die Kurve kriegt – schließlich ist er ja heutzutage clean, glücklich verheiratet und Vater zweier Kinder. Aber trotzdem blieb es spannend. Dann singt er zum Abschluss „I’m still standing“ – und das passte einfach perfekt, um meine Frage zu beantworten.

So, nachdem ich jetzt so von dem Film als Gesamtwerk geschwärmt habe, will ich auch noch die herausragende schauspielerische Leistung loben. Taron Egerton singt nicht nur die Songs selbst, und das auf eine Weise, die dem echten Elton John überzeugend ähnelt. Er spielt den Sänger auch mit einem Facettenreichtum und einem Einfühlungsvermögen, die ans Herz gehen. Auch die Kinderdarsteller sind grandios, ebenso alle anderen Schauspieler.

Ein richtig guter Film entlässt den Zuschauer nach dem Abspann anders, als er den Saal betreten hat – und das hat „Rocketman“ bei mir definitiv geschafft und sich seine 5 Sterne somit redlich verdient.

Fazit: Grandios! Nicht verpassen!


Und welche Animationsfilme gehörten 2019 zu meinen Favoriten?

10. „Shaun das Schaf 2: UFO-Alarm“

„Shaun das Schaf 2 – Ufo-Alarm“ von Will Becher und Richard Phelan ist richtig süß, lustig und unterhaltsam geraten. Der Vorgänger hatte noch etwas mehr Charme, aber auch hier gehen einem die niedlichen Knetfiguren sofort ans Herz. Und für eine Außerirdischen-Geschichte ist die Handlung auch nicht zu abgehoben. Für die Erwachsenen gibt es viele Anspielungen an Filmklassiker und für die Kleinen eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, die alle Grenzen überschreitet.

Allerdings, auch wenn der Film FSK 0 hat, würde ich ihn für ganz kleine Kinder nicht unbedingt empfehlen. Er ist dafür dann doch zu lang und zu komplex. Die Kinder, die mit uns im Kino saßen, schienen jedenfalls etwas überfordert. Von rechts kam schon nach zehn Minuten „Mama, ich will nach Hause!“ und von links kam alle zwei Minuten ein „Mama, was macht die Frau da? Warum macht sie das? Was passiert gerade? Wieso? …“ Das ist ja ganz süß und so, aber mein Eindruck war, dass die Lütten reichlich gelangweilt waren und sich über einen halb so langen Film mit etwas weniger Wendungen und unterschiedlichen Figuren mehr gefreut hätten.

Fazit: Macht Spaß und ist einfach superknuffig und putzig. Lohnt sich 🙂

9. „Spione undercover“

„Spione undercover“ von Nick Bruno und Troy Quane ist ein einfallsreicher Animationsfilm mit sympathischen Figuren, knuddeligen Piepmätzen, Spannung und Action. Die originelle Grundidee hätte man vielleicht noch etwas weitertreiben können, aber ich hab mich unterhalten gefühlt. Mir gefällt einfach auch die positive Grundmoral, man könnte Probleme, Konflikte und ganze Kriege mit Kreativität, Gutherzigkeit und hartnäckigem, freundlichem Idealismus lösen, anstatt mit Gewalt. Das fände ich schön, wenn es so wäre. Und wenn es wenigstens in einem Film mal so ist, da wird mir warm ums Herz und das ist doch prima.

Allerdings ist „Spione undercover“ stellenweise ziemlich düster und der Bösewicht wirklich brutal, grausam und fies. Auch ist die Handlung gar nicht einmal so unterkomplex, wie es der Trailer vermuten lässt. Jüngere Kinder im Publikum schienen daher entweder verschreckt oder überfordert zu sein und quatschten demzufolge ständig dazwischen. Vielleicht wäre es dann klüger gewesen, mit den Kindern aus dem Kinosaal rauszugehen, anstatt gelangweilt auf dem Smartphone herumzutüddeln.

Fazit: Origineller, unterhaltsamer Animationsfilm, der aber erst für Kinder ab ca. 8-10 Jahren geeignet ist.

8. „Buñuel – Im Labyrinth der Schildkröten“

„Buñuel – Im Labyrinth der Schildkröten“ von Salvador Simó ist meisterhaft gezeichnet und geschickt mit den Einblendungen aus dem realen Dokumentarfilm „Erde ohne Brot“ verknüpft, dessen Entstehungsgeschichte im Mittelpunkt der Handlung steht. Allerdings wurde versucht, auch noch Luis Buñuels künstlerische Ambitionen und Überzeugungen, seine Rolle im Surrealismus, sein Verhältnis zu Salvador Dalí, seine problematische Beziehung zum strengen Vater, seine Selbstzweifel, seine Ängste und Albträume und so weiter und so fort mit in die Geschichte einzuflechten. Ein Ödipus-Komplex Buñuels in Bezug auf seine Mutter wird ebenfalls angedeutet – also auch Freud und seine Traumdeutungen lassen grüßen.

Und das war wohl etwas zu ehrgeizig. Denn dadurch franst die Handlung aus und es werden zahlreiche – nicht uninteressante, aber dennoch ablenkende – Nebenschauplätze angetippt, ohne wirklich tiefgründiger dort einsteigen zu können.

Es ist daher ganz gut, wenn man schon mit ein wenig Vorwissen in den Film geht, zumindest, was die Vorstellungen der Surrealisten und ihre künstlerischen Ziele angeht. Dann kann man auch den Traumbildern mehr abgewinnen und sie einordnen. Gelangweilt habe ich mich in dem Film zwar nicht, denn die Bilder sind wirklich atemberaubend gut. Aber ich habe mich gewundert, worauf der Film hinauswill. Und ich fand, dass Buñuel teilweise so unsympathisch, grausam und durchgeknallt rüberkam, dass es mir wirklich sehr, sehr schwerfiel, mit der Hauptfigur Mitgefühl zu empfinden. Das war stellenweise wirklich nicht auszuhalten.

Fazit: Aus künstlerischer und historischer Sicht spannend, aus erzählerischer Sicht aber mit ein paar Schwächen kämpfend. Wer sich für Surrealismus interessiert, dürfte hierbei jedoch überwiegend Vergnügen empfinden.

7. „Angry Birds 2“

„Angry Birds 2“ von Thurop Van Orman ist urkomisch und herzerwärmend. Die Figuren sind wieder genauso putzig und liebenswert wie im ersten Teil, aber trotzdem kommen Ironie und Slapstick nicht zu kurz. Und obwohl die Szene mit dem Adlerkostüm aus dem Trailer wirklich zu einer der witzigsten Stellen im Film gehört, hat sie absolut nichts von ihrer Komik eingebüßt – sie ist sogar noch besser!

Fazit: Lohnt sich!

6. „Urfin – Der Zauberer von Oz“

„Urfin – Der Zauberer von OZ“ von Vladimir Toropchin und Co. ist ein anrührender, unterhaltsamer Animationsfilm, der Spaß macht. Die Figuren sind niedlich und liebenswert sowie mit Herz fürs Detail animiert, die Story ist einfallsreich und spinnt den Mythos um den Zauberer von Oz auf fantasievolle Weise weiter, ohne zu sehr von der Vorlage abzuweichen – eine gelungen Hommage also. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können sich hier bestens unterhalten fühlen.

Und ein wenig Moralisches gibt es hier auch, aber zum Glück sehr charmant und nicht mit dem Holzhammer eingedroschen. Wenn man sich die Mühe gibt, hinter die Fassade der Menschen oder Lebewesen zu blicken, dann merkt man oft, dass sie gar nicht so böse sind. Und mit der Unterstützung guter Freunde sowie Teamwork kann man einiges erreichen und Konflikte lösen. Sicher, das klingt jetzt etwas abgedroschen, aber hier ist es tatsächlich sehr leichtfüßig und erfrischend inszeniert, sodass man nicht mit den Augen rollen muss.

Fazit: Lohnt sich: für Erwachsene, die ihre Kindheit in ihre Hosentasche gesteckt haben und immer mit sich herumtragen. Aber selbstverständlich auch für Eltern und ihre Kinder.

5. „Ralph reicht’s 2 – Chaos im Netz“

„Ralph reicht’s 2 – Chaos im Netz“ von Rich Moore und Phil Johnston ist ein urkomisches Abenteuer quer durch die Geschichte des Internets. Wie Ralph und Vannelope versuchen, sich zwischen Facebook, Twitter, Google, YouTube, Instagram und Co. zurechtzufinden, ist einfach herrlich. Vor allem für „alte Leute“ wie mich, die auch noch das Prä-Internet-Zeitalter bewusst erlebt haben, gibt es unzählige Anspielungen und Gags zu entdecken. Zwischendurch wird es kurz ein bisschen rührselig, aber insgesamt macht der Film einfach so viel Spaß, dass das nicht weiter schlimm ist.

Fazit: Wunderbarer Animationsfilm, an dem vor allem die Generation 30+ ihre Freude haben dürfte.

4. „Die Eiskönigin 2“

„Die Eiskönigin 2“ von Jennifer Lee und Chris Buck hat mir richtig gut gefallen. Der erste Teil hatte mich noch unterwältigt zurückgelassen, weil ich die Musik eher langweilig fand und den Humor irgendwie forciert. Vielleicht hatte ich damals auch zu viel erwartet und war einfach enttäuscht. In den zweiten Teil bin ich dann auch entsprechend skeptisch hineingegangen, nach Sicht des Trailers überzeugt, einen kommerziell motivierten Aufguss des Vorgängers vorgesetzt zu bekommen.

Aber tatsächlich war die Handlung richtig spannend und wider Erwarten sind mir die Figuren wohl doch ans Herz gewachsen, sodass ich von Anfang bis Ende mitgefiebert habe, wie es Elsa, Anna, Christoph, Olaf und Co. ergeht. Die Musik war jetzt wieder nicht sooo mein Fall, aber da mir der Rest gut gefallen hat und die musikalische Untermalung dazu passte, ist mir das nicht so negativ aufgefallen.

Fazit: Fand ich persönlich noch besser als Teil 1 – dürfte also allen „Eiskönigin“-Fans gefallen.

3. „Penguin Highway“

„Penguin Highway“ von Hiroyasu Ishida ist ein bezaubernder Animationsfilm voller Humor und Fantasie. Die Figuren sind liebevoll gestaltet und charakterisiert, die Handlung sprudelt über vor schrägen Ideen und die Zeichnungen sind einfach wunderbar. Am Ende bleiben zwar noch einige Fragen offen, die sich wohl nicht abschließend eindeutig beantworten lassen – aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Lohnt sich!

2. „Die Addams Family“

„Die Addams Family“ von Conrad Vernon und Greg Tiernan ist eine wunderbare Neuinterpretation der beliebten Gruselfamilie. Ich war zugegebenermaßen etwas skeptisch, da ich ein Riesenfan der Spielfilme aus den 90er Jahren bin und mir nur schwer vorstellen konnte, dass ein Animationsfilm dem Cast um Anjelica Huston, Raúl Juliá, Christopher Lloyd und Christina Ricci das Wasser reichen könnte. Die Sorgen waren aber unbegründet. Dem Animationsfilm gelingt das Kunstwerk, sowohl eine neue und zeitgemäße Geschichte zu erzählen als auch den traditionellen, liebgewonnenen Figuren treu zu bleiben.

Das Grundthema ist auch hier, wie eine Familie, die anders ist als der Durchschnitt, von scheinbar rechtschaffenen Spießbürgern getriezt, ausgegrenzt und verjagt werden. Es geht um Toleranz und Zusammenhalt, ohne aber in Kitsch oder Sentimentalität abzudriften. Stattdessen ist „Die Addams Family“ wie auch die Spielfilme der 90er Jahre eine großartige Gesellschaftssatire mit bissigem Humor, die einfach Spaß macht.

Mein Eindruck ist aber, dass der Humor eher Erwachsene zum Lachen bringt und Kinder und Jugendliche eher etwas langweilt. Es gibt zwar auch Slapstick-Einlagen, die jüngere Zuschauer genauso amüsieren wie ältere Zuschauer, doch der Dialogwitz oder die gesellschaftskritischen Anspielungen sind dann eher für letztere lustig. Zumindest war mein Eindruck, dass die 12-Jährigen, die neben mir saßen, nur halb so viel Spaß hatten wie mein Kumpel und ich.

Fazit: Lohnt sich! Sowohl für „Addams Family“-Neulinge als auch für hartgesottene Fans ist hier was dabei.

1. „Human Lost“

„Human Lost“ von Fuminori Kizaki ist eine rätselhafte und finstere Dystopie, die einen mit beklommenem Gefühl aus dem Kinosaal entlässt. Ein langes Leben in ständiger Gesundheit, dem Tod immer wieder ein Schnippchen schlagen – klingt gut? Oh ja! Doch alles hat seine Schattenseiten … und seinen Preis.

Es ist doch merkwürdig, wie sehr man an die klassischen Hollywood- und Disney-Geschichten gewöhnt ist, die immer mit einer hoffnungsvollen Botschaft, ermunternden (wenn auch wenig originellen) Aphorismen und einem klaren Weltbild mit eindeutiger Gut-Böse-Dichotomie aufwarten. Bei „Human Lost“ werden diese Sehgewohnheiten ziemlich durcheinander geworfen.

So, mehr will ich dann aber auch nicht verraten. Am besten mache man sich selbst ein Bild.

Und, was waren eure Lieblingsfilme aus dem vergangenen Jahr? Was haltet ihr von meiner Auswahl? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Film und Fernsehen, Kritik

95. Stück: 9 nervige Zuschauertypen, die uns alle aggressiv machen

Ins Kino zu gehen ist ein wunderbarer Zeitvertreib – wenn nur die anderen Zuschauer nicht wären, die ihren Mitmenschen den letzten Nerv rauben. Im Ernst, ich frage mich, was einige Kinozuschauer für eine Erziehung genossen haben. Vielleicht auch gar keine, so hat es mitunter den Anschein.

Da es viel mehr Spaß macht, sich aufzuregen, wenn man seinen Ärger mit jemandem teilen kann, widme ich dem Thema nun einen eigenen Blogbeitrag. Meine Damen und Herren, ich präsentiere: die nervigsten Zeitgenossen, die es im Kinopublikum zu finden gibt.

1. Der Brummsler oder die Murmeline

Man hört nicht, was der Brummsler sagt, sondern nur, dass er was sagt. Und zwar die ganze Zeit über. Mit seinem sonoren Bass erklärt er seiner Sitznachbarin offenbar gerade etwas extrem Wichtiges, das nicht bis nach dem Film warten kann. Gerne möchte man weghören, das Gebrumsel ignorieren – aber das geht nicht, dafür ist es zu penetrant. Die weibliche Variante dieses Quälgeists ist die Murmeline. Sie ist etwas seltener anzutreffen als der Brummsler, aber nicht minder lästig.

2. Der Snacker, die Snackerin oder das Snäckchen

Mir ist bewusst, dass die Kinos heutzutage mit Snacks einen Großteil ihres Umsatzes machen und es ohne Popcorn, Nachos und Co. wahrscheinlich viel teurere Kinotickets gäbe und einige kleinere Kinos womöglich schließen müssten. Von daher: Snacks sind OK. Wobei ich es schon befremdlich finde, dass für viele (die meisten?) Kinobesucher Snacks zwingend zum Kinobesuch dazugehören. Als ob man nicht vorher was essen könnte und dann mal zwei bis drei Stunden ohne Nahrung auskommt …

Aber gut, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Muss es dann aber sein, dass 80 % des Popcorns nicht in den vorgesehenen Mündern landet, sondern hinter, vor, neben und zwischen die Sitze, im Flur auf dem Teppich oder sonstwo? Müssen Snacker, Snackerin und Snäckchen ihre Nachos und ihr Popcorn mit ohrenbetäubender Lautstärke zerkleinern? Muss man unbedingt jedesmal die Popcorntüte kräftig durchschütteln, bevor man hineingreift, um sich eine weitere Fuhre herauszuklauben?

Davon abgesehen, dass diese Essgeräusche während der Filmvorführung krass nerven, ist der hinterlassene Saustall doch den Servicemitarbeitern gegenüber echt respektlos. Ja, das ist ihr Job. Aber ich gehe doch auch nicht mit ungeputzten Zähnen zum Zahnarzt. Und die Essensreste locken im Übrigen auch kleine Nagetiere an. So niedlich ich Mäuse auch finde, so ganz hygienisch einwandfrei ist ihre Anwesenheit in der Regel nicht.

3. Das Schnaufmonster

Dann gibt es noch die, die zwar gnädigerweise nichts essen und auch nicht reden, aber ungeheuer laut atmen. Es gibt doch Nasensprays, wenn man leicht verschnupft ist oder unter einer Allergie leidet, da muss man sich das doch nicht antun, laut schnaufend im Kinosaal zu sitzen. Und den anderen Zuschauern auch nicht.

4. Der Hustinator

Wenn man krank ist, gehört man ins Bett und nicht ins Kino. So einfach ist das. Es ist ja eine Sache, wenn man leicht verschnupft ist, aber eine ganz andere, wenn man mit einer handfesten Bronchitis gestraft ist. Dann hat man unter Menschen nichts zu suchen. Trotzdem verirren sich solche Bazillenschleudern laut hustend und röchelnd immer mal wieder in einen Kinosaal und stecken alle an. Nicht cool!

5. Der Räusperling

Nur weil man hustet, ist man nicht unbedingt eine Bazillenschleuder? Das stimmt. Bei manchen Zeitgenossen ist das Husten und Räuspern zwischendurch so eine Art nervöser Tick. (Ja, ich weiß, es gibt auch chronische Krankheiten, die mit Husten in Verbindung stehen, die meine ich hier aber nicht) Dann hört man alle paar Minuten ein markerschütterndes Röcheln von einem der Nachbarsitze zu einem hinübergrollen – und der Räusperling merkt überhaupt nichts davon.

Wenn man dazu neigt, eine trockene Kehle zu haben, kann man sich doch eine Flasche Wasser oder Hustenbonbons mit in den Saal nehmen. Und das Räuspern kann man sich auch wieder abgewöhnen. (Oder man geht mal zum Arzt und lässt das untersuchen, wie gesagt, kann auch eine chronische Krankheit dahinterstecken)

6. Der Witzbold oder die Scherzkanone

Dann gibt es noch die, die alle Welt an ihrem geistreichen Humor teilhaben lassen wollen. Sie sind oft in Komödien anzutreffen und streben es an, witziger als der Film zu sein. Dann quaken sie immer wieder lauthals irgendeinen Spruch durch die Gegend, blöken mit ihren Artgenossen um die Wette und johlen anschließend über das köstliche Bonmot, das sie vom Stapel gelassen haben. Man braucht als unbeteiligter Mitzuschauer in solchen Momenten ein hohes Maß an Selbstbeherrschung.

7. Der Schwachkopf oder die Dumpfbacke

Nicht immer wollen Menschen, die irgendwas lauthals durch die Gegend quaken, witzig sein. Manchmal sind sie auch einfach dumm. Dann müssen sie alles, was auf der Leinwand passiert, noch einmal für sich laut verbalisieren oder Textstücke, die zu sehen sind, laut vorlesen, um das Geschehen für sich zu begreifen. Oder so. Warum das nicht auch leise geht, ist mir allerdings ein Rätsel.

8. Der Fühlt-sich-hier-ganz-wie-zu-Hause-Typ

Ein Kinosaal ist kein privates Wohnzimmer. Ich möchte nicht neben jemandem sitzen, der seine Stinkesneaker auszieht und seine ekelbesockten Käsemauken genüsslich ausbreitet. Und auch, wenn man mit seiner Kuscheldecke die Hälfte meines Sitzplatzes mit in Anspruch nimmt, finde ich das enervierend. Dann soll man eben zu Hause Netflix oder so gucken.

9. Der Erklärbär

Meistens ist der Erklärbär gleichzeitig auch ein Brummsler – nur, dass man ansatzweise versteht, was er sagt. Er erklärt nämlich – ganz Mann von Welt – seiner (in der Regel weiblichen) Sitznachbarin, was im Film gerade passiert. Und sie murmelt dann auch pflichtbewusst zurück, kommentiert mit „Aha“, „Mhm“, „Ja, ja“, was den Erklärbär zusätzlich anstachelt.


Und, welche nervigen Zuschauertypen kommen euch bekannt vor? Habe ich noch welche vergessen? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt!

Edit: Ein Freund von mir machte mich auf Facebook noch auf einen weiteren Typen von Kino-Quälgeist aufmerksam, den ich glatt vergessen habe:

10. Der/die Smartphonesüchtige

Er beschreibt diesen lästigen Zeitgenossen sehr treffend, und zwar wie folgt:

„Nicht in der Lage, auch nur 3 Minuten Aufmerksamkeit für den Film aufzubringen, ohne nachzuschauen, ob eine WhatsApp-Nachricht vorliegt oder sich im Facebook-Feed etwas getan hat. Es versteht sich von selbst, dass das Handy in einer Höhe gehalten wird, dass auch noch 10 Reihen weiter hinten der Lichtschein des Displays sichtbar ist. Auch eventuell eingehende Anrufe werden unverdrossen angenommen. Eine Begrüßung der Art „Ich kann nur kurz reden, bin im Kino…“, gefolgt von einem Gespräch, das nicht länger als 5 Minuten dauert, empfindet der/die Smartphonesüchtige vermutlich sogar noch als rücksichtsvolles Zugeständnis an das Kinopublikum.“

Mir sind tatsächlich noch zwei weitere cineastische Nervensägen eingefallen:

11. Der/die Zuspätkommende

Trampelt bar jeden Feingefühls in den Kinosaal, wenn der Film schon angefangen hat. Unterhält sich lautstark mit seinen Artgenossen, in welcher Reihe sie sitzen. Zückt das Smartphone, um mit der viel zu grellen Taschenlampe nach den Sitzen zu suchen, leuchtet dabei allen anderen ins Gesicht und blendet sie. Nach Erreichen des Ziels wird sich mit lautem Gepolter hingesetzt, sofern nicht irgendwelche Falschsitzer erst verscheucht werden müssen, die die Plätze für frei hielten.

Besonders lustig wird es, wenn die Zuspätkommenden sich in der Reihe geirrt haben und dann erst einmal eine Diskussion vom Zaun brechen, wer denn nun falsch sitzt. Sehen sie ihren Irrtum dann endlich ein, poltern sie mit genauso wenig Feingefühl wie zu Beginn wieder zurück und die Suche beginnt erneut.

12. Die kulturversnobten Asi-Aggro-Senioren

Dieser Menschenschlag tummelt sich nur in Programmkinos, die auch mal kulturell anspruchsvollere Vorstellungen im Repertoire haben – etwa Aufnahmen von Ballett-Aufführungen, englischen Theaterstücken oder französischen Filmen im Original mit Untertiteln – und hält sich für etwas Besseres als den schnöden Multiplex-Pöbel.

Nun gehe ich ebenfalls sehr gern in solche Vorstellungen und liebe den Charme von Programmkinos, weshalb ich mich des Öfteren mit diesen Leuten herumärgern muss. Sie bilden sich ein, weil sie „richtige Kultur“ und „ernste Kultur“ dem Blockbuster-Spektakel vorziehen, sitzen sie moralisch so hoch oben auf ihrem Ross, dass für sie simple Höflichkeitsrituale nicht mehr gelten.

In der Schlange vorm Einlass sowie vorm Snackstand (wo es statt Cola im Pappbecher Sekt im Glas gibt) wird geschubst, was das Zeug hält, wer sich vermeintlich im Weg aufhält, wird gnadenlos beiseite geschoben. Dabei ziehen diese älteren Herrschaften eine Flunsch, als hätten sie in eine vergammelte Zitrone gebissen und du, der du dich ihnen in den Weg zu stellen wagst, wärst Schuld daran.

Im Kinosaal geht es dann weiter. Die kulturversnobten Asi-Aggro-Senioren unterhalten sich lautstark, während der Film läuft, brummseln, röcheln, husten, schnaufen und räuspern sich unentwegt oder rascheln mit ihren Popcorntüten – aber wehe, man selbst stupst versehentlich einmal von hinten gegen ihren Sitzplatz. Dann wird man aber zur Sau gemacht, Holla, die Waldfee!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Publikum

94. Stück: Theater, Social Media und SEO – gar nicht mal so verschieden?

Wie einige von euch vielleicht schon wissen, teilt sich mein Berufsleben in zwei Phasen: Theater und Internet. Auf den ersten Blick scheint das beides wenig gemeinsam zu haben.

Schließlich stehe ich beim Theater in voller Lebensgröße da und spreche Texte, die jemand anders geschrieben hat. Als Online Redakteurin hingegen sitze ich an meiner Tastatur und schreibe selbst die Texte – oft, ohne dass ich als Person überhaupt in Erscheinung trete.

Aber ist die Arbeit am Theater und die an der Tastatur wirklich so verschieden? Ich finde nicht. Schaut man genauer hin, machen sich ein paar Gemeinsamkeiten bemerkbar.

Unmittelbarkeit und direkte Kommunikation

Das Besondere am Theater ist die direkte, unmittelbare Kommunikation zwischen den Schauspielern auf der Bühne und den Menschen im Publikum. Es entsteht eine sogenannte Feedbackschleife: Die „Energie“ der Zuschauer überträgt sich auf die Schauspieler und umgekehrt.

Und im Internet? Ist es vor allem auf Social Media ganz ähnlich. Insbesondere, wenn man auf Facebook, Instagram oder YouTube einen Livestream per Video sendet und die Kommentare der User in Echtzeit sieht und beantworten kann, wird die unmittelbare, direkte Kommunikation zwischen „Akteuren“ und „Zuschauern“ offensichtlich.

Doch auch, wenn man nicht live sendet, sondern einen Tweet, eine Statusmeldung oder einen Link postet, kann man dieser direkten Kommunikation nahekommen. Das funktioniert auch, wenn man eine Kommentarfunktion oder die Möglichkeit einer Bewertung unter den Artikeln hat, die man im Netz publiziert.

Da sieht man dann, wie die eigenen Inhalte bei den Lesern ankommen und es überträgt sich oft eine Stimmung von einem User zum anderen und schließlich auch auf den Autor.

Das ist nicht immer schön: Im Gegensatz zum Theater sitzen die Menschen im Internet nicht nebeneinander. Da vergisst der eine oder andere schon mal seine gute Erziehung und motzt, pöbelt, stänkert und trollt, nur um sich wichtig zu machen – und diese aggressive Grundstimmung färbt dann auf die anderen User ab.

Nichtsdestotrotz finde ich das unheimlich spannend, diesen Prozess zu beobachten. Und manchmal versuche ich, die Grundstimmung in eine andere Richtung zu lenken, indem ich sachliche, höfliche und interessierte Kommentare schreibe.

Allerdings sind meine Nerven da auch nicht unbegrenzt strapazierbar … da fühlt man sich manchmal so, als würde man als Schauspieler auf der Bühne ausgebuht und mit faulen Tomaten beworfen. Und da hilft gelegentlich nur noch der Rückzug.

Einzigartigkeit der Inhalte

Über den ephemeren Charakter des Theaters hatte ich ja schon mal einen Essay geschrieben. Dieses Vergängliche, das „im Moment sein“ jeder Aufführung, macht den Zauber des Theaters aus, macht es einzigartig.

Einzigartigkeit ist auch das, wonach wir Online-Redakteure mit unseren Inhalten streben. „Unique Content“ nennt sich das dann und unter SEO-Experten (Search Engine Optimization, Suchmaschinenoptimierung) ist man sich relativ einig, dass man damit bei Google Punkte sammeln kann – sofern der einzigartige Inhalt auch für das Thema der eigenen Website relevant ist und dem User einen echten Mehrwert bietet. Sonst könnte man ja auch irgendeinen willkürlichen Murks zusammenspinnen und behaupten: Bäm! Das ist jetzt „Unique Content“ ihr Luschen!

Der Rezipient beeinflusst wesentlich Erfolg und Scheitern

Apropos Mehrwert für den User: Das ist im Prinzip der Kern von erfolgreicher SEO- und Social-Media-Arbeit. Klar, im Detail setzt sich dieses simpel klingende Prinzip aus vielen kleinen Einzelheiten zusammen – viele davon kann man mit verschiedenen, spannenden Tools messen, analysieren und interpretieren. Manchmal kommt es aber auch einfach auf Intuition, Menschenkenntnis und Empathie an.

Das ist mit der Arbeit des Schauspielers und Regisseurs durchaus vergleichbar. Man braucht sowohl solides Handwerk (Stimmbildung, Sprechtraining, körperliche Fitness) als auch Talent und Gespür. Und ob man mit seiner Kunst Erfolg hat oder scheitert, hängt vom Publikum ab.

Wenn man auf der Bühne nur sich selbst beweihräuchert, abfeiert und sich gegenseitig bestätigt, die Zuschauer aber ignoriert, wird man keinen unvergesslichen Theaterabend bescheren. Das Publikum wird sich ausgeschlossen fühlen, sich langweilen, vielleicht sogar ärgern und unruhig werden. Schlimmstenfalls sogar zu Scharen den Raum verlassen. Vielleicht spricht sich herum, wie unerträglich das Stück ist, das Publikum wird weniger, bleibt schließlich ganz fern. Ungünstig.

Umgekehrt kann man das Publikum mitreißen, verzaubern und dafür sorgen, dass die Zuschauer anders das Theater verlassen, als sie es betreten haben. Dafür ist es wichtig, dass man auf das Publikum eingeht, ohne sich anzubiedern – wie bei einem richtig guten Text. Und auch das kann sich herumsprechen: wie toll und einzigartig und wunderbar dieses Theaterstück war oder dieser Online-Artikel ist.

Rollenarbeit und Marketing

Mit Rollenarbeit bezeichnet man bei Schauspielern das Entwickeln einer Figur. Da gibt es unzählige Schauspieltheorien, die einem diese höchst individuelle, komplexe Arbeit erleichtern kann (oder auch nicht, wie zum Beispiel Strasbergs Method Acting meines Erachtens). Ein Ansatz ist, eine Biografie für die eigene Figur zu schreiben. Das kann man sehr ausführlich machen – oder man notiert in Stichpunkten bestimmte archetypische Eigenschaften, die einem bei der Orientierung und Ausrichtung der Figur helfen.

In eine vergleichbare Richtung geht im Online Marketing die Methode der sogenannten Buyer Personas. Dabei entwirft man Archetypen als Vertreter der eigenen Zielgruppe. In Stichworten notiert man dann bestimmte Charakteristika, die diese Archetypen kennzeichnen, und die einem bei der Orientierung und Ausrichtung der eigenen Inhalte helfen.

Das erinnert auch ein wenig an das Konzept des „idealen Lesers“ aus der Erzähltheorie. Da habe ich im Erzähltheoretischen Kolloquium und in Uni-Seminaren schon erbitterte Diskussionen erlebt, ob man diesen „idealen Leser“ und insbesondere sein Äquivalent, den „idealen Autor“, überhaupt braucht. Man habe den realen Leser und realen Autor, den Erzähler und die Figuren, das reiche ja wohl, um einen Text zu analysieren und zu interpretieren.

Ich sehe das ganz pragmatisch: Wenn man es hilfreich findet und es dazu führt, dass man eine bessere Vorstellung der angepeilten Zielgruppe, des angepeilten Lesers, erhält und daraufhin bessere Texte schreibt … dann ist doch alles fein. Dann muss man sich echt nicht wegen Begrifflichkeiten und Definitionen in die Haare kriegen und seine Zeit mit rechthaberischen Diskussionen verplempern.

—-
Und, liebes Publikum, liebe Leser: Wie seht ihr das? Sind das Internet und das Theater zwei völlig verschiedene Welten? Oder könnt ihr meine Beispiele nachvollziehen? Schreibt es mir in den Kommentaren, ich bin gespannt.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Internet und neue Medien

93. Stück: Kinojahresrückblick 2018 – der größte Schrott

Zu einem cineastischen Jahresrückblick gehören natürlich auch die Filme, die mich 2018 am meisten enttäuscht, verärgert oder gelangweilt haben. Hier sind sie:

10. Bad Times at The El Royale

„Bad Times at the El Royale“ von Drew Goddard hat leider außer einer stylishen mise en scène und einem coolen Soundtrack nichts zu bieten. Das ist sehr schade, denn bei diesem Cast und dieser Ausgangssituation hätte man einen richtig tollen Neo-Noir und einen fesselnden, atmosphärisch dichten Thriller draus machen können.

Aber stattdessen franst die Geschichte total aus. Es werden zahlreiche Handlungsstränge aufgemacht, die alle in dem Hotel enden, und da zeigt sich ein explosives Konfliktpotenzial. Da muss man sich schon echt Mühe geben, damit da nichts Spannendes bei rauskommt – und genau das ist hier passiert. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen ins Leere, der Erzählrhythmus ist überhaupt nicht stimmig und das Tempo schleppt sich schneckengleich daher und wenn dann mal was passiert, wird das von den anderen Figuren irgendwie achselzuckend zur Kenntnis genommen, ohne dass das wirkliche Konsequenzen hat.

Fazit: Schöne Bilder, tolle Musik, gute Schauspieler, interessantes Setting und konfliktträchtige Ausgangslage reichen anscheinend nicht immer aus für einen gelungenen Thriller. Das war leider nichts, schade.

9. Catch Me

„Catch Me!“ von Jeff Tomsic fängt nicht schlecht an und hat eine ganz pfiffige Grundidee: eine Gruppe von Freunden spielen seit ihrer Kindheit stets im Mai zusammen Fangen – und einer von ihnen wurde noch nie geschnappt. Das soll sich nun ändern. Wie man gleich zu Beginn erfährt, beruht das Ganze auf einer wahren Geschichte – und ich weiß nicht, warum, aber irgendwie ist das fast immer ein Indiz dafür, dass der nachfolgende Film nicht so doll wird.

Vielleicht will man Rücksicht auf die noch lebenden Vorbilder nehmen und traut sich deswegen nicht, die Story und das Gagpotenzial voll auszureizen. Oder man verlässt sich darauf, dass wahre Geschichten sich quasi „von selbst erzählen“ und man da dramaturgisch nichts mehr machen muss (was ein Irrtum ist. Wie soll denn Spannung entstehen, wenn man eine Geschichte so erzählt: Erst passierte das. Dann das. Und dann das. Und dann war’s zuende.)

Jedenfalls fehlt es diesem Film an Biss, Rhythmus und Tempo, die Gags wiederholen sich zu oft, die Charakterzeichnung der Figuren ist dünn, die Konflikte bleiben an der Oberfläche. Das Ende ist zudem recht ernst und traurig, was so überhaupt nicht zum albernen, durchgeknallten Grundton des Films passen mag. Und wirklich viel passiert in dem Film auch nicht.

Fazit: Schade, daraus hätte man eine wunderbar bekloppte Komödie draus machen können, aber leider kommt die Handlung nicht wirklich in die Gänge und insgesamt wirkt das alles zu unausgewogen. Muss man nicht sehen.

8. Red Sparrow

„Red Sparrow“ von Francis Lawrence braucht leider fast 100 Minuten, um in die Puschen zu kommen, und ist entsprechend langweilig. Ich bin zwischendurch immer mal wieder weggenickt, zwischendurch war ich noch entspannt pinkeln, aber ich bin mit der Story trotzdem hinterhergekommen. Also habe ich anscheinend nichts Wesentliches verpasst, was mich zu dem Schluss verleitet, man hätte den Film problemlos und verlustfrei auf die Hälfte zusammenkürzen können.

Mich hat außerdem der künstliche russische Akzent von den russischen Figuren total genervt. Das entbehrt jeder Logik. Die Geschichte spielt im Wesentlichen in Russland, also ist Russisch die normale Sprache, nicht Englisch/Deutsch mit russischem Akzent. Wenn, hätte man überlegen können, den Amerikanern einen englischen Akzent zu verpassen, die aber haben normal gesprochen. Hätte auch im Original wenig Sinn ergeben, Englisch mit englischem Akzent zu sprechen, Höhö. Aber wenn man den Russen der Authentizität wegen einen russischen Akzent gibt, dann soll man wenigstens auch russische Schauspieler nehmen, die mit anderen Russen untereinander Russisch sprechen (mit Untertiteln) und nur mit Ausländern Englisch/Deutsch mit echtem russischen Akzent. Nicht dieser klischeehafte, gekünstelte Fake-Akzent, der total albern klingt.

Aber ich schweife ab. Daran kann man mal sehen, worüber ich den Film über so Zeit hatte, mir Gedanken zu machen.

Ansonsten, Jennifer Lawrence ist mal wieder hinreißend, die anderen machen ihre Sache auch prima und das Ende ist tatsächlich ganz pfiffig. Man braucht nur wirklich viel Geduld, bis man da hinkommt.

Fazit: Muss man nicht gesehen haben und wenn doch, dann lieber zu Hause, wo man vorspulen kann.

7. Der Nussknacker und die vier Reiche

„Der Nussknacker und die vier Reiche“ von Lasse Hallström und Joe Johnston ist leider nicht so gut gelungen, wie es der Trailer vermuten ließ. Die Kostüme, die mise en scène und die Musik Tschaikowskys sind das Beste an dem Film. Aber die Handlung ist dünn, vorhersehbar und nicht immer schlüssig, die Figuren wie vom Reißbrett, die Story lieblos zusammengeschustert (als hätte ein Algorithmus das Ganze geschrieben), die Dialoge tumb und witzlos, und die Spannungskurve so flach wie die Berge Norddeutschlands.

Dabei wirkte es im Trailer so, als würde man hier einen bezaubernden Märchenfilm mit liebenswerten Figuren, knuffeligen Tieren und fantasievollen, zum Leben erweckten Spielfiguren zu sehen bekommen. Ein Film, der sowohl Erwachsene unterhält als auch Kinder in eine andere Welt entführt und zum Träumen einlädt. Aber stattdessen ist der Film anscheinend einfach so hingerotzt worden, auf Basis vergangener Erfolge ermittelte Faktoren klischeehaft widergegeben und das so hohl, wie die Zinnsoldaten es sind.

Fazit: Leider sehr enttäuschend, ich würde vom Kinobesuch abraten.

6. Aquaman

„Aquaman“ von James Wan bekommt von mir nur deshalb 2 Sterne, weil ich ihn mir noch schlimmer vorgestellt hatte, als er letztendlich war. Als handelsüblicher, überraschungsfreier Standard-Action-Comic-Kracher nach Schema F ist er dann doch einigermaßen passabel. Mehr sollte man aber nun wirklich nicht erwarten.

Was bekommt man zu sehen? Viel CGI-Effektegewitter, eine schicke Unterwasserwelt, viel Action, gaaanz viele Muskeln (mein Kumpel, der mit im Kino saß, meinte: „So müssen sich wohl Frauen fühlen, wenn makellose Bikinischönheiten über die Leinwand schweben“) und zumindest ein paar nette Gags. Von denen aber einige recht albern sind und sich seltsam mit dem ansonsten bierernsten Grundton und der oberflächlichen, aber holzhammermäßig vorgetragenen, Ökobotschaft beißen.

Die Besetzung ist erstklassig, bloß Amber Heard kann ich nicht leiden, aber sie macht ihre Sache OK. Willem Dafoe ist glaube ich ziemlich unterfordert, Nicole Kidman ebenso. Ansonsten ist das aber soweit in Ordnung. Und man muss auch sagen, dass das Drehbuch den Schauspielern eine ziemlich hanebüchene Handlung und teils strunzdumme Dialoge vorgesetzt hat.

Fazit: Muss man nicht gesehen haben, zumindest nicht im Kino.

5. Hostiles

„Feinde – Hostiles“ von Scott Cooper hat mich leider sehr enttäuscht. An der filmischen Umsetzung lag das nicht – die Bilder sind grandios, die mise en scène wirkt authentisch, die Atmosphäre passend dazu düster und staubig. Aber tolle Bilder machen eben noch keinen guten Film – Erzählkunst macht einen guten Film. Kommt beides zusammen, haben wir einen meisterhaften Film.

Jedenfalls krankt es in diesem Film am Erzählrhythmus und Erzähltempo – das Ganze ist viel zu lang und langatmig. Die Figurencharakterisierung gelingt nur bei der Hauptfigur – und ja, es gibt nur eine Hauptfigur, auch wenn die Story und das Plakat suggerieren, es gäbe zwei. Und das führt mich zu meinem nächsten, und wichtigsten Kritikpunkt: die Figurenkonstellation.

Da steckte so viel Potenzial in der Ausgangssituation, dass da zwei Menschen aufeinander treffen, die allen Grund haben, sich zu verabscheuen. Ein rassistischer, überzeugter Soldat, dem das Töten im Blut liegt und der fest daran glaubt, dass Weiße was Besseres sind als die amerikanischen Ureinwohner auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite ein amerikanischer Ureinwohner, dem von Leuten wie Blocker die Heimat, Freunde, Familie, die eigene Würde genommen wurden.

Aber in der Geschichte geht es schließlich nur um Blocker und um seine Entwicklung – die anderen Figuren sind nur Staffage oder Stichwortgeber oder dienen dem einzigen Zweck, Blocker zum Handeln zu bewegen beziehungsweise auf seine Handlungen zu reagieren.

Der Apachenhäuptling Yellow Hawk hingegen bleibt eindimensional und setzt Blocker kaum etwas entgegen. Er macht auch nicht wirklich eine Entwicklung durch. Er ist zunächst einfach still, dann geht er über in seine Funktion des weisen, alten Mannes, der versucht, den starrsinnigen Rassisten Blocker zur Vernunft zu bringen.

Man wollte wohl das Klischee des „edlen Wilden“ bedienen, der sich dennoch seiner Rolle als Untergebener in Bezug auf den weißen Mann bewusst ist und nicht versucht, aufzumucken. Das aber macht den Film zu einem quälend langweiligen Machwerk mit fragwürdigem moralischen Subtext.

Wenn man einen Film über zwei Feinde macht, die sich einander annähern, dann müssen auch beide Figuren stark sein. Es muss knallen. Da muss das volle Konfliktpotenzial genutzt werden. Wenn nur einer vor sich hin brummelt und der andere kommt ganz sachlich und respektvoll an, dann kommt man doch überhaupt nicht richtig in eine Handlung rein. Das ist dann genauso spannend wie die Kurztheaterstücke, die ich als Kind mit meinen Stofftieren erfunden habe und die folgendermaßen abliefen:

Kuschelschaf zu Stoffesel: „Wollen wir Freunde sein?“
Stoffesel zu Kuschelschaf: „Jaaaaaa!“
Kuschelschaf zu Stoffesel: „Juhuuuu!“

Die anderen Apachen bleiben im Übrigen blass und setzen den weißen Soldaten auch nichts entgegen. Ab und zu darf sich eine Nebenfigur ein bisschen kritisch dazu äußern, dass doch die Weißen den amerikanischen Ureinwohnern ihr Land weggenommen hätten, und sie selbst die Besatzer seien. Aber die Apachen selbst dürfen das nicht sagen.

Die Komantschen, die sich genauso brutal verhalten wie die Soldaten, werden als gesichtslose Monstren dargestellt, die nichts Menschliches mehr an sich haben. Dass sie sich vielleicht verteidigen und die Besatzer vertreiben wollen, die ihnen ihren Lebensraum wegnehmen wollen, wird nicht einmal in Erwägung gezogen. Und natürlich ist das kein Grund, Menschen so grausam abzuschlachten. Aber welchen Grund haben denn die Soldaten, diese Menschen zu quälen, zu demütigen und zu ermorden?

Die weibliche Hauptfigur ist von der Charakterisierung her nur wenig facettenreicher und spannender als die „edlen Wilden“. Erst ist sie nur trauernde Witwe und verwaiste Mutter. Dann ist sie die Sanftmütige, die das Herz des harten Soldaten ein wenig erweicht, und sich dazu herablässt, sich mit den Apachenfrauen ganz normal höflich und freundlich zu unterhalten und sich mit ihnen – zwar nicht auf Augenhöhe, aber immerhin – anzufreunden. Ach so, und dann darf sie auch noch beurteilen, dass Blocker ein guter Mann sei. Weil er – Mini-Spoiler – am Ende die richtigen Leute abschlachtet und nicht mehr die falschen.

Fazit: Dieser Film ist ein einziges Ärgernis, wenn auch in schönen Bildern.

4. Death Wish

„Death Wish“ von Eli Roth ist ein seltsamer Film, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er Drama, Action, Thriller, Torture Porn, Splatter oder Komödie sein soll. Die erste Hälfte nimmt sich Zeit, verläuft beinahe etwas zäh, und schildert den Chirurgen Paul Kersey als gewissenhaften, pazifistischen und professionellen Zeitgenossen, der sich nicht provozieren und aus der Ruhe bringen lässt.

Wir erfahren weiterhin, dass die Gewalt und Kriminalität in Chicago eskaliert und die Polizei hoffnungslos überfordert ist, und dass im Krankenhaus ständig irgendwer seinen Schussverletzungen erliegt. Das könnte man jetzt natürlich nutzen, um die laxen Waffengesetze in den USA zu kritisieren. Tatsächlich wirken die Szenen im Waffengeschäft auch so absurd, dass man darin ein Potential zu einer solchen Kritik sehen könnte.

Doch das passt überhaupt gar nicht zum „Nur ein guter Kerl mit Waffe kann einen schlechten Kerl mit Waffe aufhalten“-Narrativ, das den Film letztendlich dominiert. Dieser friedfertige, selbstbeherrschte Mann macht nämlich nach der Ermordung seiner Frau eine völlige Kehrtwende. Zunächst stutzt er noch ein wenig, als sein Schwiegervater mit seinem Gewehr Wilderern hinterherballert und sagt, ein richtiger Mann müsse das Gesetz in die eigene Hand nehmen, wenn die Polizei nicht aus dem Quark kommt.

Aber als ihm die Waffe eines toten Gangsters im Krankenhaus buchstäblich vor die Füße fällt, macht es in seinem Kopf „Puff“ und er mutiert zum Rächer. Mit Kapuzenpulli und der Waffe macht er sich auf den Weg in eine superüble Gegend, hält Ausschau nach irgendwelchen Übeltätern und schießt dann die erstbesten Autodiebe über den Haufen. Und nein, das war keine Notwehr, spätestens dann nicht mehr, als er dem einen Verbrecher mitten in den Kopf schießt.

Darob diskutiert die Öffentlichkeit allen Ernstes darüber, ob der Typ das darf. Die meisten finden es total klasse, dass ein einzelner Kerl sich über das Gesetz schwingt, um nach eigenem Gutdünken Menschen hinzurichten. Vielleicht muss man NRA-Mitglied oder US-amerikanischer Republikaner sein, um das nachvollziehen zu können. Einige Todesszenen sind dann aber auch schon wieder so übertrieben, dass es lustig war. Wobei einem das Lachen bei dem Kontext echt im Halse stecken blieb.

Am Ende kommt die Polizei dem einsamen Rächer natürlich auf die Schliche, weil – vergessen wir das nicht – er ja eigentlich ein friedliebender Arzt ist und kein Berufskiller, und sich dementsprechend ziemlich dusselig anstellt. Da sollte man meinen, dass die Polizisten ihn verhaften, er vor Gericht und ins Gefängnis kommt, weil er ein Mörder ist. Nö. Der Polizist klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Retten Sie weiter Leben, das können Sie gut.“ – Da ist mir echt die Kinnlade heruntergeklappt.

Fazit: Lohnt sich nicht, der Film ist im Grunde sehr ärgerlich, haarsträubend und moralisch völlig daneben. Die Handlungslogik ist ebenfalls vermurkst. Die Figurenentwicklung und Figurenmotivation erschließt sich wohl nur schießwütigen Republikanern. Gerade in Zeiten, in denen quasi jede Woche ein Amoklauf und Massenmord mit Schusswaffen durch die Medien geht.

3. Hereditary

„Hereditary“ von Ari Aster hat mich neugierig gemacht, weil die Kritiker sich auf der einen Seite vor Lob überschlugen, die Zuschauerkritiken hingegen einen unterirdisch schlechten Film versprachen. Und da dachte ich, das wird so ähnlich wie bei „mother!“, der Film ist entweder völlig krank, aber gut – oder richtig grottig. Und da ich ja in Besitz einer Kino-Abokarte bin, kostete es mich nichts, das herauszufinden.

Na jedenfalls war ich ziemlich enttäuscht, denn der Film ist bis kurz vor dem Ende durchschnittlich und banal. Die einzigen starken Momente gehören Toni Collette, die als trauernde Mutter, die an ihrem Verstand zu zweifeln beginnt, absolut überzeugt. In diesen Szenen funktioniert „Hereditary“ denn auch im Zusammenspiel mit Gabriel Byrne und Alex Wolff sehr gut als Familiendrama. (Auch wenn ich finde, dass Alex Wolff viel zu alt für die Rolle ist, man sieht ihm einfach an, dass er schon 20 ist und keine 16/17 Jahre)

Die Gruselelemente funktionieren teilweise auch ganz gut, ich hab mich ein paar Mal ganz schön erschrocken, und die unheimliche Atmosphäre hält zumindest solange an, bis der Film auf sein lächerliches Finale zusteuert. Mich hat sogar das permanente Unglücksgeraune und Bassgedröhne nur ein bisschen genervt, weil ich doch wissen wollte, worauf dieser Film eigentlich hinauswill.

Leider wussten die Macher das wohl selbst nicht so genau. Und so mäandert die Handlung vor sich hin, bis das Ganze dann mit einem Deus-ex-machina-Ende seinen misslungenen Abschluss findet. Immerhin hat der Schluss mir geholfen, mich zu entscheiden, wie ich den Film finde – nämlich schlecht. Weil’s aber vorher durchaus starke Momente gibt, erhält er immerhin 1,5 Sternchen.

Fazit: Den muss man sich nicht antun. Wer psychologisch feinsinnigen Grusel in Kombination mit einem Familiendrama sehen möchte, sollte sich lieber den großartigen „Babadook“ oder „Das Waisenhaus“ anschauen.

2. Mortal Engines – Krieg der Städte

„Mortal Engines“ von Christian Rivers versucht, in die Fußstapfen der „Hunger Games“-Reihe zu treten – und scheitert damit kläglich. Dabei stimmen die Voraussetzungen: eine dystopische Welt mit spannender Hintergrundgeschichte, eine stimmungsvolle mise en scène, tolle Kostüme, stylisher und cooler Steampunk-Look und keine allzu schlechten Schauspieler. Da müsste man doch was draus machen können, sollte man meinen.

Oder man pfeift komplett auf dramaturgischen Spannungsaufbau, erzählerische Stringenz, logische Handlungsstränge und vielschichtige Figuren und fährt so das ganze Potenzial mit Karacho in die Grütze. Und genau das ist hier passiert. Bleibt man anfangs noch neugierig, wie sich die Geschichte entwickelt und was alles dahintersteckt, weicht das anfängliche Interesse zunächst Konfusion und dann einer geradezu peinlichen Vorhersehbarkeit, um dann am Ende in Kitsch und Platitüden zu versumpfen.

Ich hatte am Anfang Schwierigkeiten, reinzukommen, weil alles recht hektisch durcheinander und viel zu schnell ging. Aber da konnte man wenigstens noch hoffen, dass sich das im Laufe der Handlung einpendelt, aufklärt und den Anfang einer Spannungskurve bildet. Aber dann konnte man die überraschend gemeinten Wendungen und Auflösungen von Rätseln schon drei Meilen gegen den Wind riechen – musste dann aber noch ewig warten, bis das Offensichtliche dann auch auf der Leinwand gezeigt wurde. Schnarch. Der Rhythmus der Erzählung war einfach hinten und vorne nicht stimmig und völlig unausgewogen.

So, das ist aber noch nicht alles. Diese Dialoge!!! Auweia! Captain Obvious trifft Disneyfilm. Dann hält sich zum Beispiel jemand gerade gut an etwas fest, um nicht herunterzufallen. „Halt dich gut fest!“, wird ihm dann geraten. Oder: „Ich kann das Ding nicht anhalten, die Bremsen sind kaputt!“ – „Du musst das Ding anhalten!“ (Ach, nee). Oder: „Lass uns irgendwohin fliegen!“ – „Ich folge dir überall hin!“ Und. So. Weiter.

Einen Pluspunkt habe ich dennoch: Die Haare von Anna Fang. Supercoole Frisur, will ich auch haben.

Fazit: Wer sich an Logiklöchern, dummen Dialogen, flachen Figuren, fehlender Spannungskurve und misslungenem Erzählrhythmus nicht stört, und Steampunk-Look liebt, dürfte diesem Film etwas abzugewinnen wissen. Ansonsten würde ich eher davon abraten.

1. Johnny English 3

„Johnny English – Man lebt nur dreimal“ von David Kerr ist eine lahmarschige, trutschige Agentenparodie mit einem gealterten Mr. Bean, bei der ich diverse Male eingenickt bin. Alle Gags – von denen die besten schon im Trailer verbraten wurden – laufen nach dem gleichen Schema ab: Jemand warnt Johnny English vor irgendwas, er sagt „Ach Quatsch, das passiert schon nicht, ich weiß Bescheid“ und dann passiert das doch. So riecht man den nächsten Witz dann auch schon 10 Minuten vorher und muss dann aber noch diese 10 Minuten warten, bis die Geschichte weitergeht. Wobei die auch echt nicht spannend ist. Wer der Bösewicht ist, ist schnell klar, trotzdem muss man noch 90 Minuten Klamauk ertragen, bis der endlich gefasst wird.

Währenddessen schlüpft Rowan Atkinson, der normalerweise ein hervorragender Schauspieler ist (wer „Black Adder“ noch nie gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen) von einem albernen Kostüm ins nächste, hampelt von einer peinlichen Situation in die nächste, tanzt sehr schlecht, sodass man sich etwas Sorgen um seinen Rücken macht, und rettet dann am Ende mal wieder das Vereinigte Königreich. Das alles in einem schleppenden Erzähltempo.

Einziges Highlight: Emma Thompson als Premierministerin. Sie erinnert ein wenig an Theresa May und hat sichtlich Spaß an ihrer Rolle.

Fazit: Den Film kann man sich sparen. Da sollte man lieber die alten Mr. Bean-Sketche noch mal anschauen.

7 Kommentare

Eingeordnet unter Film und Fernsehen, Kritik

92. Stück: Kinojahresrückblick 2018 – die besten Filme und Animationsfilme

Ihr Lieben,

es ist wieder Zeit für meinen mittlerweile traditionellen Kinojahresrückblick. Zuerst stelle ich euch die Spielfilme und Animationsfilme des Jahres 2018 vor, die mir am besten gefallen oder mich am tiefsten berührt haben. Auf geht’s:

Die besten Spielfilme 2018:

10. Anna und die Apokalypse

„Anna and the Apocalypse“ von John McPhail ist ein wunderbarer Film. Witzig, aber auch berührend, mitreißende Musik und eine spannende Handlung. Das macht einfach Spaß. Gesehen habe ich den Film auf dem Fantasy Film Fest in Hamburg. Zum Glück scheint es ja auch einen regulären Starttermin in den deutschen Kinos zu geben – dann kann ich ihn mir noch mal ansehen.

Fazit: Unbedingt sehenswert!

(Edit: Ich habe den Film tatsächlich im Dezember noch einmal gesehen und beschlossen, ihn auch in meine Liste von Lieblingsweihnachtsfilmen aufzunehmen. Der ist einfach toll!)

9. I, Tonya

„I, Tonya“ von Craig Gillespie ist kein nüchternes Biopic, sondern erzählt die Geschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding auf humorvolle (fast schon sarkastische) und trotzdem berührende Art und Weise. Obwohl eigentlich alle Beteiligten an der Affäre rund um die Attacke auf Hardings Konkurrentin Nancy Kerrigan sowie auch Kerrigan selbst mehr oder weniger ziemliche Arschlöcher sind, wirken alle Figuren irgendwie sympathisch. Sogar die fürchterliche Mutter, die ihre Tochter wie eine Sklaventreiberin drillt und ihr jedes Selbstwertgefühl zerschmettert, kann den Zuschauer davon überzeugen, es gut gemeint zu haben.

Das ist nicht nur dem tollen Drehbuch und der großartigen Regie zu verdanken, sondern vor allem den grandiosen Schauspielern, die diese Figuren mit Leib, Seele und Leben füllen. Margot Robbie spielt einfach zum Niederknien und man vergisst völlig, dass man es nicht mit der echten Tonya Harding zu tun hat. Mal wirkt sie trotzig und pampig und ungerecht, dann wieder fiebert man mit ihr mit und wünscht sich nur das Beste für sie, mal rührt sie einen zu Tränen. Allison Janney, die Mutter, hat den Oscar völlig zu Recht als beste Nebendarstellerin bekommen. Wie es ihr gelingt, durch diese harte, sadistische, völlig verkorkste Schale doch noch hin und wieder einen winzigen Funken Mitgefühl für ihre Tochter aufblitzen zu lassen, ist einfach toll.

Doch auch die Männer in der Geschichte – allesamt absolute Volltrottel und Totalversager – scheinen es nie böse zu meinen, obwohl sie wirklich schreckliche Dinge tun. Selbst der prügelnde Ehemann schafft es, dass man zwischendurch fast ein bisschen Mitleid mit ihm hat.

Ganz nebenbei ist „I, Tonya“ aber auch eine Kritik an den elitären Strukturen hinter den Kulissen des Eiskunstlaufsports sowie an den elitären Strukturen in der Gesellschaft überhaupt. Es klingt zwar etwas patzig und kindisch, wenn Tonya sich beklagt, sie würde von der Jury schlechter bewertet als ihre Mitstreiterinnen, weil ihre White-Trash-Herkunft nicht in das schicke, tadellose All-American-Family-Image passt, das die Verantwortlichen gern transportieren müssen. Doch ein kurzes Gespräch mit einem Jurymitglied offenbart: sie hat völlig recht.

Ich kann mich sogar noch ein wenig an die Geschichte damals 1994 erinnern. Meine Eltern waren Team Nancy und konnten Tonya Harding nicht ausstehen. Jetzt in dem Film quasi ihre Seite der Geschichte zu sehen, war spannend, denn auch ich hatte mich von den Vorurteilen beeinflussen lassen.

Fazit: Sehenswert! Nicht verpassen!

8. BlackKklansman

„BlacKkKlansman“ von Spike Lee ist eine gelungene Satire, bei der einem das Lachen im Halse steckenbleibt. An der Oberfläche ist der Film lässig und witzig – aber die Geschichte, die er erzählt, ist bitterer Ernst. „BlacKkKlansman“ zeigt, wie aus (von den Betroffenen durchaus gut gemeinter) Ideologie Fanatismus wird.

Die Gestalten, die beim Ku Klux Klan mitmischen, werden dabei, wie ich finde, recht differenziert dargestellt. Da hat man die klassische Dumpftröte, verfressen und alkoholabhängig. Den hasserfüllten Irren, der zwar intelligent, aber vollkommen verblendet ist in seinem Fremdenhass. Den Intellektuellen, der rational erklärt, es gäbe nun einmal unterschiedliche Rassen, die unterschiedlich weit entwickelt sind, und wenn man das vermischt, brächte man die ganze „natürliche Ordnung“ durcheinander und das wäre eine Katastrophe. Man kann kritisch anmerken, dass zwar die Bandbreite an Ku Klux Klan-Mitgliedern differenziert dargestellt wird, die einzelnen Mitglieder es aber an Tiefgang vermissen lassen – aber mich hat das jetzt nicht gestört.

Die Black-Power-Bewegung wird im Gegensatz dazu eher als Bewegung in ihrer Gesamtheit dargestellt. Als Einzelmitglied lernt man nur Patrice etwas näher kennen. Aber meiner Meinung nach reicht das trotzdem, um den Ku Klux Klan und die Black-Power-Bewegung einander gegenüber zu stellen, und aufzuzeigen, wie Fanatismus entstehen und Ideologie zu Gewalt führen kann.

Wie aktuell das Ganze noch immer ist, macht das Ende schließlich deutlich.

Fazit: Lohnt sich!

7. The Disaster Artist

„The Disaster Artist“ von und mit James Franco ist ein irrwitziger Spaß, der die Geschichte rund um den wohl schlechtesten Film aller Zeiten – „The Room“ von und mit Tommy Wiseau – erzählt. Tommy ist ein mysteriöser, durchgeknallter Typ, von dem niemand weiß, woher er kommt, wie alt er ist und womit er sein Geld verdient. Er taucht irgendwann in der Schauspielschule von Greg Sestero auf, einem jungen, naiven und etwas schüchternen Schauspielschüler. Beide träumen von der großen Filmkarriere, aber wie Gregs Mutter es so treffend sagt: „Dafür braucht man Kontakte, man braucht Glück – und Talent.“

Autsch. Aber Tommy und Greg lassen sich nicht unterkriegen und beschließen irgendwann, ihren eigenen Film zu drehen: „The Room“. Es stellt sich heraus, dass Tommy offenbar steinreich ist, und so kauft er kurzerhand das beste Filmequipment, das es auf dem Markt gibt, mietet ein Filmstudio, engagiert Schauspieler und eine komplette Filmcrew … und dann geht’s los.

Die Dreharbeiten sind so chaotisch wie nur irgend möglich. Die Schauspieler wissen überhaupt nicht, was Tommy als Regisseur von ihnen will, was die Motive ihrer Figuren sein sollen, worum es in der Geschichte überhaupt geht, und was zum Teufel sie da eigentlich genau machen. Aber sie sind jung, brauchen das Geld und ertragen die Launen des doch sehr cholerischen Tommy. Wer den Film „The Room“ vorher gesehen hat, weiß, dass man ihm in jeder Sekunde ansieht, dass die Schauspieler nicht die geringste Ahnung haben, was sie gerade tun, sich aber nach Kräften bemühen, das Beste draus zu machen – und das ist immer noch echt mies.

Für den Zuschauer aber ist das urkomisch. Man leidet zwar mit den Schauspielern und der Filmcrew mit (insbesondere, wenn man selbst mal in der Branche gearbeitet oder sich selbst mal als Schauspieler versucht hat), aber das Ganze ist so absurd, dass man einfach lachen muss. Das ist ja manchmal so, dass eine Situation so furchtbar und irrsinnig ist, dass man die Wahl hat, darüber den Verstand zu verlieren oder darüber zu lachen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man den Film genauso lustig findet, wenn man „The Room“ noch nie gesehen hat oder wenn man noch nie irgendetwas mit Filmen oder Schauspielern zu tun hatte … möglicherweise findet man ihn dann trotzdem noch unterhaltsam, aber man kriegt nicht alle Anspielungen und Gags mit. Daher denke ich, der Film ist nicht unbedingt für jeden etwas.

Fazit: James Franco, sein Bruder Dave und sein Kumpel Seth Rogen sind im „Disaster Artist“ in absoluter Höchstform. Den Film sollte man nicht verpassen. Aber es empfiehlt sich, vorher „The Room“ zu schauen – auch, wenn der wirklich fürchterlich ist.

6. Animal World

„Animal World“ von Han Yan ist völlig durchgeknallt – und richtig gut! Was sich zunächst wie eine Art „Fight Club“ auf Koks anbahnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen Film, der sich keinem Genre zuordnen lässt.

Und gleichzeitig ist der Film ein Feuerwerk der Erzählkunst und fordert den Zuschauer mit mentalen Metadiegesen (Visionen, Tagträumen der Hauptfigur), einem unzuverlässigen Erzähler, der immer wieder betont, er sei verrückt – dabei aber fast am normalsten wirkt im Vergleich mit den anderen Figuren -, Allegorien (das Geschehen auf dem Schiff und das Spiel sind eine klare Kritik am Raubtierkapitalismus und an der daraus resultierenden Ungleichheit zwischen Arm und Reich), raffinierten Finten und einer fesselnden Spannungskurve sowie einem furiosen Erzählrhythmus. Da kann einem zwischendurch fast ein wenig schwindelig werden bei dem Tempo. Trotzdem kann man der Handlung stets gut folgen und man fiebert mit der Hauptfigur mit.

Es soll wohl noch eine Fortsetzung dieser chinesischen Manga-Verfilmung geben – ich bin schon gespannt und freu mich drauf.

Fazit: Sollte man sich nicht entgehen lassen, sobald sich die Gelegenheit bietet, ihn zu sehen.

5. Shape Of Water

„Shape of Water“ von Guillermo del Toro ist ein großartiger Film. Wie bereits in „Pans Labyrinth“ nutzt del Toro Märchen- und Fantasymotive, um eine Geschichte menschlicher Grausamkeit und Niedertracht zu erzählen. Dieses Mal befinden wir uns aber nicht im Spanien Francos während des zweiten Weltkriegs, sondern im Amerika der 50er Jahre zu Zeiten des Kalten Kriegs.

„Shape of Water“ kommt teilweise etwas witziger daher als „Pans Labyrinth“, doch die menschlichen Grausamkeiten gehen einem nicht minder an die Nieren. Mit welcher Arroganz, Hybris und widerwärtiger, kotzbröckiger Selbstherrlichkeit hier die Machthabenden (Männer und das Militär) mit Andersartigen und Untergebenen umgehen, ist nur schwer zu ertragen. Da bleibt einem das eine oder andere Lachen im Hals stecken. Wäre die märchenhafte Ausstattung, Musik und Erzählweise nicht, würde man es wohl gar nicht aushalten, wenn man auch nur einen Funken Menschlichkeit besitzt.

So aber entlarvt del Toro menschliche Abgründe, ohne seine Figuren explizit zu verdammen oder an den Pranger zu stellen. Sie sind Menschen und sie tun absolut furchtbare Dinge aus Machtgier und Versagensängsten. Währenddessen wachsen die stumme Elisa, ihre Freundin Zelda und ihr bester Freund und Nachbar Giles über sich hinaus, um der Liebe und der Gerechtigkeit eine Chance zu geben.

Ein bisschen schade ist, dass das Ende ein kleines bisschen schief und überzuckrig geraten ist. Das passt nicht so hundertprozentig zum restlichen Film. Aber vielleicht ist das auch in Ordnung so …

Fazit: Nicht verpassen! Und Taschentücher einpacken!

4. Lady Bird

„Lady Bird“ von Greta Gerwig ist ein wunderbar tragikomischer Coming-of-Age-Film, der einem das Leben des ärmeren Teils der amerikanischen Bevölkerung vor Augen führt. Dabei rutscht er nie in Rührseligkeit ab – dafür sorgt der trockene, nüchterne Humor. Die Schauspieler füllen ihre Rollen voller Hingabe und Begeisterung mit Leben und harmonieren so schön im Ensemble miteinander, dass es ganz natürlich wirkt.

Fazit: Ein toller Film, solte man nicht verpassen!

3. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

„Three Billboard Outside Ebbing, Missouri“ von Martin McDonagh ist ein ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Film, der sich keinem Genre zuordnen lässt. Der lakonische Humor ist tiefschwarz gefärbt. Mal bleibt einem das Lachen im Hals stecken, dann wieder prustet man los, weil die Situation so absurd oder ein Spruch so ehrlich und trocken ist. Unter der komischen Oberfläche steckt die Geschichte aber voller kleiner Tragödien und Schicksalsschläge. Der Mord an Mildreds Tochter ist dabei nur einer davon. Jeder hat sein Päckchen zu tragen.

Aber – und das ist das Schöne an diesem Film, deren Figuren mit ihrem Facettenreichtum wie aus dem Leben gegriffen wirken – jeder trägt sein Päckchen so gut er kann, gibt sich Mühe, das Beste aus dem zu machen, was der Zufall ihm vor die Füße geworfen hat. Und jeder versucht im Grunde, Frieden zu finden und mit der eigenen Wut irgendwie zurechtzukommen. Das ist mal urkomisch, mal rührend, aber immer menschlich.

Fazit: Ein wunderbarer Film, den man nicht verpassen sollte.

2. A Quiet Place

„A Quiet Place“ von John Krasinski ist ein nervenzerreißender Horrorfilm, der seine Spannung vollständig aus seiner Prämisse zieht: Mach kein Geräusch, sonst stirbst du. Lange habe ich nicht mehr in einem Gruselfilm gesessen und so den Atem angehalten, mich so in die Sessellehnen verkrallt und mich bei jedem Laut so erschrocken wie hier. Schauspielern, Regie, Ton und Kamera gelingt es mit relativ einfachen Mitteln, eine unheimliche Atmosphäre ständiger Bedrohung und eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen, die einem zeitweilig das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Hinzu kommt, dass die Figuren und die Figurenkonstellation so aufgebaut sind, dass man sofort mit ihnen mitfühlt – das hervorragende Schauspiel tut sein Übriges.

Sicher kann man kritisieren, dass in diesem Film nicht viel passiert. Die Handlung besteht ja im Grunde darin, eine einzige Sache nicht zu tun, und das ist Krach. Es ist also vielmehr eine Nichthandlung, die die Story bestimmt. Das kann man doof finden, aber ich fand’s genial. Das funktioniert aber auch nur, weil der Erzählrhythmus darauf abgestimmt ist. Wenn man jetzt zum Beispiel ohne Schnitt, ohne Musik, ohne Nahaufnahme in der Totalen 10 Minuten lang eine Person zeigt, die nur dasitzt und Kuchen isst, wie bei „A Ghost Story“, funktioniert dieses Prinzip der Spannung durch Nichthandlung in keinster Weise.

Fazit: Ein großartiger Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Der Junge muss an die frische Luft

„Der Junge muss an die frische Luft“ von Caroline Link ist einfach rundum gelungen und ist mir richtig ans Herz gegangen. Man vergisst sogar die nervigen Popcornraschler, Dauermurmler, Von-hinten-in-den-Sitz-Treter und Lunge-aus-dem-Leib-Huster im Publikum, weil dieser Film den Zuschauer voll und ganz aufnimmt und in das Ruhrgebiet der 70er Jahre entführt.

Und was für ein tolles Ensemble da ein Fest der Schauspielkunst zelebriert, ich bin absolut begeistert. Allen voran der kleine Julius Weckauf als Hape ist einfach ein Naturtalent. Dabei habe ich heute Morgen noch in einem Interview gelesen, dass der Kleine gar nicht unbedingt Schauspieler sein will, sondern gern Gemüse anbaut und später Bauer oder Gärtner werden will. Sympathisch ist der Junge also auch noch.

Lachen und Weinen liegen hier sehr nah beieinander und manchmal passiert auch beides gleichzeitig. Die Figuren sind allesamt so liebenswert mit ihren Eigenarten, dass man gar nicht anders kann, als sie ins Herz zu schließen, und sich für die Dauer des Films vorzustellen, man wäre Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Nicht verpassen!

Die besten Animationsfilme 2018:

5. Cinderella The Cat

„Cinderella The Cat – La Gatta Cenerentola“ von Ivan Cappiello und Co. macht es einem am Anfang etwas schwer, in die Geschichte hineinzufinden – aber dann zieht einen die eigenwillige Optik doch in ihren Bann. Die etwas kantig gezeichneten und leicht ruckelig animierten Figuren entwickeln einen schrägen Charme, die Atmosphäre wirkt verträumt, melancholisch, aber auch etwas düster und unheimlich. Und dann ist da noch die Musik: wehmütig und sehnsüchtig auf der einen Seite, aber auch ironisch und humorvoll auf der anderen Seite.

Fazit: Ich denke, es lohnt sich, den Film mehr als einmal zu sehen, um sich wirklich darauf einzulassen und die Details voll zu erfassen. Aber auch beim ersten Mal fand ich ihn schon toll!

4. Spiderman: A New Universe

„Spider Man: A New Universe“ von Bob Persichetti und Co. ist ein visuell herausragender Animationsfilm und eine wunderbare Hommage an die amerikanische Comic- und Cartoontradition. Die leicht ruckelige, abgehackte Animation am Anfang ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, ebenso die kantige Optik im Siebdruck-Stil der Figuren – aber dann fühlt man sich kurze Zeit später mitten in das Comic-Multiversum der Spideys hineingezogen.

Die Story ist spannend erzählt und für eine Superheldengeschichte originell und einfallsreich. Spaß machen die vielen unterschiedlichen Spideys, die Dynamik zwischen ihnen und ihre leicht unterschiedlichen Werdegänge – die wiederum voller witziger Anspielungen an die Geschichte des Trickfilms und der Superheldenfilme stecken. Überhaupt kommt der Humor nicht zu kurz. Wobei ich mir vorstellen kann, dass der Film für ein erwachsenes Publikum amüsanter ist als für Kinder. Teenager finden in Miles und Gwen sicher noch Identifikationspotenzial, aber jüngere Kinder dürften sich eher langweilen.

Fazit: Also ich bin begeistert! Lohnt sich!

3. Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft

„Mirai – das Mädchen aus der Zukunft“ von Mamoru Hosoda ist ein wunderschön, detailreich animierter und virtuos gezeichneter Film, dem man ansieht, dass er mit viel Liebe und Hingabe gemacht wurde. Die Handlung ist im Prinzip unterkomplex: Ein kleiner Junge bekommt ein Schwesterchen und wird eifersüchtig, als seine Eltern dem Baby ihre ganze Aufmerksamkeit schenken. Er fühlt sich vernachlässigt, langweilt sich, weil seine Schwester noch viel zu klein ist, um mit ihr zu spielen, und plötzlich ist nicht mehr er der Niedlichste in der Familie, sondern sie. Gemeinheit.

Diese einfache Handlung wird jedoch mit Fantasyelementen kombiniert. Kun, so heißt der kleine Junge, begibt sich auf mehrere Zeitreisen und lernt dabei seine Schwester als Teenager, seine Mutter als Kind und seinen Urgroßvater als jungen Mann kennen. Dabei wird ihm klar, dass er sich mit seinem Trotz und seinem Schmollen selbst im Weg stand, er lernt Toleranz und die Liebe zu seiner Familie. Gut, es ist ein bisschen sentimental und vielleicht ein wenig bieder, aber trotzdem geht einem dabei das Herz auf.

Was ich außerdem spannend fand, war, dass man merkt, wie viel Menschen im Kern eigentlich gemeinsam haben, egal, woher und aus welcher Kultur sie kommen. Überall auf der Welt gibt es Familien, die mit der Vereinbarkeit von Kindern, Beruf und Beziehung kämpfen, gibt es Geschwister, die sich erst nicht ausstehen können, und später doch einen versöhnlichen, friedlichen Umgang miteinander lernen. Ich persönlich fand es außerdem interessant, mal die Perspektive des Erstgeborenen zu sehen und nachvollziehen zu können. Als Nesthäkchen in der Familie weiß man ja nicht, wie das ist, wenn man erst lernen muss, die Fürsorge und Aufmerksamkeit der Eltern mit einem Geschwisterchen zu teilen.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Vor allem, wenn man selbst Geschwister, Kinder, Nichten und Neffen hat, dürfte man sich in der Geschichte wiederfinden.

2. Isle Of Dogs

„Isle of Dogs – Ataris Reise“ von Wes Anderson ist ein wunderbar schräger Stop-Motion-Animationsfilm voller skurriler Einfälle und liebenswerter Figuren. Der Humor lockert die eigentlich ziemlich üble Geschichte um Hunde, die vorgeblich wegen einer grippeähnlichen Seuche namens Schnauzenfieber auf eine Müllinsel deportiert werden, auf. Running Gags wie die Abstimmungen im Hunderudel oder die Tratschlust der Vierbeiner, sobald ein neues Gerücht die Runde macht, sorgen zwischendurch immer wieder für Lacher.

Unter der Oberfläche aber ist „Isle of Dogs“ auch eine Parabel auf die Manipulationstechniken und Propagandamechanismen machthungriger Politiker. Für die Seuche gibt es bereits nach kurzer Zeit ein Heilmittel. Aber die Machthaber brauchen einen Sündenbock – in diesem Fall die Hunde -, um von ihren eigenen Schandtaten und Vergehen abzulenken und die Bevölkerung auf Linie zu halten. Das alles funktioniert jedoch ganz ohne Holzhammer oder erhobenen Zeigefinger. Die ganze Zeit bleibt der Film in einem märchenhaften, verspielten Tonfall.

Ein bisschen unfair fand ich als Katzennärrin, dass die Samtpfoten in dem Film nicht sehr gut wegkommen. Sie leisten den Machthabern Gesellschaft, genießen ihre Vormachtstellung, und lassen ihre Herrchen und Frauchen ohne zu zögern im Sticht, wenn’s Schwierigkeiten gibt. Das dürfte Vorurteile gegenüber den Stubentigern, die viele Menschen pflegen, die keine Ahnung von Katzen haben und wahrscheinlich selbst nie eine hatten, nicht gerade abbauen. Hunde sind treu und loyal, Katzen sind hinterhältige Opportunisten.

Das finde ich ein wenig schade, dass das in einem Film so vorkommt, der eigentlich aufzeigt, wie weit Vorurteile gehen können, wenn man sie nicht hinterfragt. Aber gut, das ist nur ein Randaspekt, der vermutlich kaum jemandem auffallen wird. Und es geht in dem Film nun mal eben auch nicht um Katzen, sondern um Hunde. Also ist das ein bisschen so, wie wenn man „Fight Club“ Frauenhass vorwirft, nur weil’s in dem Film um Männer und ihre Probleme geht, nicht um Frauen. Trotzdem wollte ich es mal angemerkt haben :-

Fazit: Ein toller Film, den man nicht verpassen sollte!

1. Your Name

„Your Name“ von Makoto Shinkai ist einfach ein wunderbarer Film. Hinter dem Coming-of-Age-Plot mit leichtem Fantasy-Einschlag verbirgt sich eine poetische Geschichte, die philosophische Fragen stellt, ohne jemals ins Kitschige abzudriften. Die liebenswerten Figuren sind vielschichtig gestaltet und man vergisst zwischenzeitlich, dass es sich um Zeichnungen handelt, weil sie so echt wirken, als könnte man sie kennen.

Die visuelle Umsetzung ist grandios, die Bilder so schön, dass man darin versinken möchte. Obwohl am Anfang noch etwas unruhig durch Zuspätkommer und Popcornmampfer, war es nach kurzer Zeit mucksmäuschenstill im ausverkauften Kinosaal. Das habe ich so noch nicht erlebt.

Schade, dass „Your Name“ nicht im regulären Kinoprogramm läuft, sondern nur in vereinzelten Sondervorstellungen. Es ist zwar wohl ein US-Remake geplant, aber die Amis kriegen das garantiert nicht so gefühlvoll, tiefgründig, menschlich und poetisch hin.

Fazit: Wer die Chance dazu bekommt, den Film zu sehen, sollte das tun. Sonst hat man wirklich etwas verpasst.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Film und Fernsehen, Kritik